Immer mehr infizierte Kita-Fachkräfte – Stamp: Einschränkungen im Betrieb unvermeidbar

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DÜSSELDORF. Die hohen Ansteckungszahlen sorgen in den ohnehin von Personalmangel betroffenen Kitas für schwere Engpässe. Eltern müssen mit einzelnen Schließungen rechnen, sagt der NRW-Familienminister. Dramatische Zustände sieht die Gewerkschaft Verdi.

Erwägt ein Kopftuchverbot für minderjährige Mädchen: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW - FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
„Ich bin erleichtert“: Joachim Stamp (FDP), Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Norrhein-Westfalen. Bild: FDP-NRW – FDP-Bundesgeschäftsstelle (R. Kowalke) / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Angesichts massiver coronabedingter Personalausfälle werden Familienminister Joachim Stamp zufolge in den kommenden Wochen örtliche Kita-Schließungen unvermeidbar sein. Die Landesregierung werde aber weiterhin keine NRW-weiten Einschränkungen veranlassen, versicherte der FDP-Politiker am Montag in einem vom Ministerium veröffentlichten Brief an Eltern und Beschäftigte in Kitas und Kindertagespflege. «Ich bin erleichtert, dass sich Omikron für unsere Kinder und für geimpfte Beschäftigte im Verlauf als überwiegend harmlos herausgestellt hat». Von teilweise dramatischen Zuständen berichtete dagegen die Gewerkschaft Verdi.

Kurz vor Weihnachten sei noch eine hohe Gefahr gerade für die Jüngsten befürchtet worden. Nun gehen Wissenschaftler klar davon aus, dass schwere Verläufe bei Kindern die «absolute Ausnahme» sind, wie Stamp betonte. Experten bewerteten die Risiken einer seelischen Erkrankung, von Suchtverhalten oder starkem Übergewicht als Folge pandemiebedingter Einschränkungen um ein Vielfaches höher.

Grundsätzlich gehöre ein krankes Kind aber nicht in die Betreuung, stellte der Minister klar. In einem aktualisierten Leitfaden zum Umgang mit einem Corona-Infektionsfall heißt es: Sollte ein Selbsttest positiv ausfallen und ein dann verpflichtender PCR-Test oder eine Kontrolle im Testzentrum das Ergebnis bestätigen, bestehe für das Kita-Kind automatisch zehn Tage lang eine Isolierungspflicht. Lebt es mit einer infizierten Person zusammen in einem Haushalt, muss es demnach eine zehntägige Quarantäne einhalten – das gelte ebenfalls ohne eine Anordnung vom Gesundheitsamt. Frühere Freitestungen mittels PCR-Test oder Negativ-Nachweis aus einem Testzentrum sind möglich.

Hat sich in der Kita eine Person infiziert, muss das Kind nicht in Quarantäne. Es gilt dann aber für alle Jungen und Mädchen eine Testpflicht, die nun zehn Tage dauere. Innerhalb dieser zehn Tage müssten insgesamt vier Selbsttests daheim durchgeführt und vorgelegt werden. Trotz der fallenden Infektionszahlen seien die Selbsttests wichtig und Eltern aufgefordert, diese mit ihren Kindern auch konsequent durchzuführen. Das Land stellt laut Ministerium drei Selbsttests pro Woche zur Verfügung.

Stamp wies erneut darauf hin, dass gesetzliche Krankenversicherte im Falle geschlossener Kitas Kinderkrankengeld beantragen können, wenn sie zur Betreuung daheim blieben müssen. Wer darauf keinen Anspruch habe – etwa Privatversicherte – könne die Betreuungsentschädigung des Landes erhalten, was zunächst noch bis zum 19. März gelte.

Verdi sprach von dramatischen Zuständen in etlichen Kitas. Eine Abfrage in kommunalen Einrichtungen in Ostwestfalen-Lippe habe täglich neue Krankenstände ergeben, ein Aufrechterhalten des Betriebs sei vielfach erschwert. Das Personal sei nach gut zwei Jahren Pandemie völlig ausgebrannt. Die öffentliche Aufmerksamkeit gelte vor allem Krankenhäusern und Pflegeheimen, aber auch die Beschäftigten in den Kindertageseinrichtungen seien besonders hart getroffen, hieß es vor wenigen Tagen. Für die Arbeit mit den Kindern schwinde die Zeit.

Der Minister warb Eltern um Verständnis bei örtlichen Einschränkungen der Betreuung. Kitas und Kindertagespflege seien durch die Pandemie erheblich gefordert und versuchten Quarantäne und Personalausfälle mit Überstunden und viel Improvisation abzufedern. News4teachers / mit Material der dpa

Personalmangel in Kitas: „Fachkräfte verletzten regelmäßig die Aufsichtspflicht“

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Blau
2 Monate zuvor

Ist ja schön und gut, aber wenn die Kitabetreuung eingeschränkt ist, kann ich nicht unterrichten und fehle dann als Lehrkraft auch. Tatsächlich sagt die Schulleitung, dass es mein Privatproblem sei, wenn die Kita in den eingeschränkten Betrieb wechseln muss.
Wie wäre es mit mehr Infektionsschutzmaßnahmen in Kitas? Luftfilter?

Janaina
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Natürlich ist das das private Problem. Wer Kinder hat und will ist auch für sie verantwortlich. Und wenn man deshalb nicht arbeiten kann, kann man nichts verdienen. Unbezahlten Urlaub nehmen, aber nicht auf Kosten von Kollegen- die Vollzeitleute müssen oft genug für Muttis und Vatis einspringen, sei es bei wochenweisen Elternzeiten zwischen den Ferien, Sonderregelungen beim Stundenplan oder anderen Extrawürsten.

Unerträglich
2 Monate zuvor
Antwortet  Janaina

Na dann Guck einfach später, wer dir deine Rente erwirtschaftet Janaina. Das ist dann auch die Privatproblem.
Diese Leute, die meinen hier so einen widerlichenist schreiben zu müssen, gehen mir echt auf den Keks mittlerweile.

tachelesme
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Kinderbetreuung ist doch kein Privatproblem. Und wenn Sie sich von ihrem Kind anstecken und sterben (sorry, aber auch das kann passieren), dann fehlen Sie nicht nur den Schülern und der Schulleitung, sondern auch ihrem Kind. Nur Luftfilter sind bei Omikron eh utopisch, hinzu – die Maßnahmen müssen breiter angelegt sein und mehrere Komponente habe – eine einzige nützt nichts. Bleiben Sie gesund und alles Gute!

Ich muss da mal was loswerden
2 Monate zuvor

Das ist doch den meisten Eltern egal ob das Kind krank ist: Hauptsache betreut!

Und ich rede hier nicht einmal von Corona. Sondern von der „Normalität“. Traurige Normalität.

Clipperstorch
2 Monate zuvor

Als Lehrerin oder Erzieherin mit eigenen Kita- bzw. jungen Schulkindern hat man ohnehin die Popokarte. Besonders, wenn der Partner ebenfalls in einer „kritischen Struktur“ tätig ist.
Es ist ein Privatproblem (laut Schulleitung), das kranke Kind wegzuorganisieren, damit man unterrichten kann.
Nicht jeder hat Omas oder Opas in den Startlöchern.
Also wird man selber „krank“, auch wenn das Kind nur Schnupfen hat.
Das Personal mit seinen Bedürfnissen und Nöten wird halt nirgendwo gesehen.

Unerträglich
2 Monate zuvor

Na dann Guck einfach später, wer dir deine Rente erwirtschaftet Janaina. Das ist dann auch die Privatproblem.
Diese Leute, die meinen hier so einen widerlichen Mist schreiben zu müssen, gehen mir echt auf den Keks mittlerweile.

Tobi
2 Monate zuvor

Hier geht es um die grundlegende Haltung vieler Teilzeitkräfte, was sich leider auch an meiner Schule seit Jahren beobachten lässt. Extrawünsche hier, jammern bei zeitlich ungünstigen Konferenzen usw. da. Parallel dazu ist man lediglich mit wenigen Stunden Deputat vor Ort. Reihenweise müssen die wenigen Vollzeitkräfte für Vertretungsstunden ranrücken, irgendwann fehlt hier einfach das Verständnis. Einerseits nimmt man das Geld gerne mit, dann kann man aber nicht ständig Rücksichtnahme von Vollzeitkräften erwarten, die regelmäßig über das Limit hinausgehen. Wer sich für Kinder entscheidet, kann nicht immer die Extrawurst erwarten, wo wir wieder bei der Haltung wären…

Ju
2 Monate zuvor
Antwortet  Tobi

Ich sehe hier ein grundlegendes Problem im Verständnis unseres Sozial- und Rentensystem. Es ist generationenabhängig organisiert und funktioniert auch nur so. Ohne Kinder keine Rente und andere soziale Leistungen. Die Eltern erziehen, finanzieren und bilden die Kinder aus, das tausende Euro verschlingt und die dann kinderlose Rentner und Menschen finanzieren . Genau diese motzen dann über die Einschränkungen die Eltern auf sich nehmen. Also lieber Tobi, hast du nicht in Vollzeit ein tolles Gehalt für dich allein, Unmengen an Zeit und musst dich üm nix als um dich sorgen? Zwingt dich doch keiner in Vollzeit zu arbeiten, oder? Ich plädiere dafür, dass wir auf das alte System wechseln, wo die eigenen Kinder in die Altersvorsorge der Eltern einzahlen. Tja und Tobi kann dann sein eigenes Geld dafür verwenden.

AvL
2 Monate zuvor

Warum bekriegen sich hier alle, anstatt zusammen zu halten ?

Herr Stamp macht es sich sehr einfach.
Im Moment greift die Durchseuchung dieser Generation der unter 5jährigen sehr nachhaltig mit einem unbekannten Ausgang an möglichen Folgeerkrankungen.
Diese Kinder haben keine Chance auf eine Impfung, da bisher keine Impfstoff zugelassen wurden.
Und dann werden diese Kinder dort in den KiTa einer nachhaltigen Durchseuchung schutzlos ausgesetzt. Danke für nichts.
Eines ist sicher: Diese Kinder werden sich infizieren ohne das mögliche Folgeerkrankungen ausgeschlossen werden können.
Ich schäme mich Kraft meiner Funktion als anästhesiologischer Intensivmediziner und notärztlich tätiger Facharzt für Anästhesiologie an diesem Geschehen teilnehmen zu müssen, weil demokratisch gewählte Volksvertreter sich weigern ihrer verfassungsgemäßen Bestimmung Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden.
Alle diese Verweigerer einer übertragenen Verantwortlichkeit handeln im Moment im Sinne einer populistischen Entscheidungsfindung, um wiedergewählt zu werden.