Warnstreik für kleinere Klassen: GEW will keine Sondierungen – sondern Verhandlungen

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BERLIN. Einladung zur Sondierung? Abgelehnt. Die GEW will mit dem Berliner Finanzsenator Evers nur im Rahmen von echten Verhandlungen über den angekündigten Warnstreik sprechen. Dazu habe es aber bislang keine Einladung gegeben.

Die GEW macht mobil. Illustration: Shutterstock

Die Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft hat betont, über den angekündigten Warnstreik für kleinere Klassen nur bei Verhandlungen reden zu wollen. Die Bildungsverwaltung hatte mitgeteilt, Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch und Finanzsenator Stefan Evers (CDU) wollten die Berliner GEW-Vorsitzenden Tom Erdmann und Martina Regulin am Mittwoch treffen, um auszuloten, inwieweit der Streik noch abgewendet oder zumindest verkürzt werden könnte.

Die GEW reagierte mit der Aussage, mit der neuen Bildungssenatorin gebe es schon länger eine Verabredung zu einem bildungspolitischen Kennenlerngespräch. Der Finanzsenator sei bereits Anfang Mai zu Verhandlungen aufgefordert worden. «Über den Streik für kleinere Klassen reden wir mit Finanzsenator Evers nur im Rahmen von echten Verhandlungen und Sondierungen», so die GEW. «Eine Einladung dazu nehmen wir jederzeit entgegen.» Bisher habe es die jedoch nicht gegeben. «Unseren Streik sagen wir nur ab, wenn wir zu echten Verhandlungen eingeladen werden.»

Die Berliner GEW hatte die Tarifbeschäftigten an den Schulen zuvor zu einem Warnstreik für den 6. bis 8. Juni aufgerufen (News4teachers berichtete). Die Gewerkschafter kündigten an, den Druck erhöhen zu wollen, weil der neue Finanzsenator wie schon sein Vorgänger Daniel Wesener (Grüne) nicht auf die Forderung nach Tarifverhandlungen reagiert habe. Die GEW will das Verhältnis von Schülern zu Lehrkräften und damit die Klassengröße an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in einem «Tarifvertrag Gesundheitsschutz» verbindlich regeln.

«Wir haben bei der Ansetzung des Streiks versucht, möglichst wenig zentrale Prüfungstermine zu beeinträchtigen»

Die Finanzverwaltung hatte darauf hingewiesen, dass Berlin Mitglied der Tarifgemeinschaft der Länder sei und deshalb dem Wunsch nach einem «Sondertarifvertrag» nicht entsprechen könne. So hatte auch der rot-grün-rote Senat schon argumentiert.  In Berlin gibt es rund 34.000 Lehrerinnen und Lehrer. Viele davon sind Angestellte und dürfen – anders als Beamte – streiken. An den bisherigen Warnstreiks beteiligten sich jeweils mehrere Tausend Lehrkräfte – Unterricht fiel teilweise aus.

Zur Kritik, dass der Streik die Abiturprüfungen beeinträchtige, entgegnete die Gewerkschaft: «Wir haben bei der Ansetzung des Streiks versucht, möglichst wenig zentrale Prüfungstermine zu beeinträchtigen, das ist uns mit Ausnahme zweier Nachschreibetermine in Biologie und Chemie auch gelungen. Allerdings sind in dieser Jahreszeit an fast jedem Tag Prüfungen. Die während des Streiks stattfindenden dezentralen Prüfungstermine lassen sich zudem verschieben. Wir wissen, dass das aufwändig, aber möglich ist. Darum haben wir den Streik sehr langfristig angekündigt.» News4teachers / mit Material der dpa

GEW gibt nicht auf: Über 3.000 Schulbeschäftigte streiken für kleinere Klassen

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Pappenheimer
1 Jahr zuvor

Die Arbeitsausstände sind absolut notwendig. Es sollten sich mehr beteiligen! Von 34.000 Lehrern sind rund 20.000 angestellt!

Immerhin scheint die CDU ihr Versprechen bzgl. des Nachteilsausgleich halten zu wollen:
https://www.tagesspiegel.de/weniger-unterrichtstunden-fur-angestellte-lehrer-bildungssenatorin-will-weiteren-nachteilsausgleich-prufen-9864002.html

Gesprächsbereitschaft bzgl. kleinerer Klassen hatte sie aber auch signalisiert.

Vierblättriges Kleeblatt
1 Jahr zuvor
Antwortet  Pappenheimer

Danke, Pappenheimer!

Vierblättriges Kleeblatt
1 Jahr zuvor

Interessanter Artikel, Auszug:

Ihrer Studie kann man entnehmen, dass es eine hohe Teilzeitquote gibt, vor allem in den westlichen Bundesländern. Liegt das an der Arbeitsüberlastung oder daran, dass Lehrkräfte, vielleicht vor allem Lehrerinnen, mehr Zeit für ihre Familien haben wollen?
Wahrscheinlich ist es eine Mischung. Gerade im Grundschulbereich kann man beobachten, dass viele Lehrerinnen in Teilzeit arbeiten. Aber aus der Fachgewerkschaft, der GEW, hört man immer wieder, dass Lehrkräfte sagen, unter den gegebenen Bedingungen müssten sie auf 70 bis 80 Prozent reduzieren, um den Job vernünftig machen zu können. Das bedeutet in der Praxis, dass eine faktische Vollzeitstelle nur zu 70 bis 80 Prozent bezahlt wird. Ich bin sehr sicher, dass viele Kolleginnen und Kollegen bereit wären, in eine Vollzeitstelle zu wechseln, wenn der Druck ein wenig reduziert würde.

Sollte Arbeitszeit Ihrer Meinung nach auch je nach Fach neu verteilt werden?
Da wäre ich vorsichtig, denn dann riskiert man, Konflikte in die Kollegien zu tragen. Ich würde lieber unterscheiden nach den Schulstufen: Dass die Zeit, die eine Lehrkraft für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts aufwendet, mit dem Alter der Schülerinnen und Schüler zunimmt, ist wissenschaftlich nachgewiesen. Aber das sind Feinheiten, die man mal in einem Modellprojekt prüfen müsste.“

https://www.n-tv.de/politik/So-geht-es-nicht-weiter-mit-der-Arbeitszeit-von-Lehrern-article24129546.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

Dagmar Schäfer
1 Jahr zuvor

Wir brauchen keine Pseudo- Forderungen. Die Doppelbesetzung von Grundschulklassen mit Lehrkräften ist eine echte Lösung und ermöglicht den überfälligen Bildungswandel, den unsere Gesellschaft schon lange braucht. Kindgerechter Unterricht, Inklusion, Integration, Kooperation und professionelle Flexibilität werden dadurch möglich. Beim Volksantrag in BW mitmachen! Bitte Formblatt unterschreiben unter www. laestigbleiben.de und unbeglaubigt einsenden an GUTE Schule JETZT BW, Schuppenhörnle 19, 79868 Feldberg.

Oberkrämer
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dagmar Schäfer

Na, wenn das keine Pseudo-Forderung ist: die Doppelbesetzung von Grundschulklassen. Wie viele Grundschullehrer mag es geben? Dann bräuchten wir ja doppelt so viele. Und wo sollen die herkommen? (Laut Google rund 240.000 Grundschullehrer, wir bräuchten dann rund 480.000.)

Ich will keine Doppelbesetzung in meinem Unterricht !!!!!!!! Ich finde das furchtbar! Meinetwegen ein Lernhelfer oder Assistenzlehrer oder wie man das nennen mag, der/die mir zur Hand geht, vor allem für die Inklusionskinder. Aber mehr nicht.

Kleinere Klassen als Kernforderung der GEW in Berlin, das würde mir wirklich helfen!

Senkrechtstarter
1 Jahr zuvor

Die Eisenbahner machen es uns vor. Man muss streiken, wenn man etwas erreichen will. Die machen das mit voller Kraft! Oder glaubt irgendjemand, bessere Löhne und Gehälter und Arbeitsbedingungen kommen von alleine. Und passt ein Streik bei der Bahn jemals? Kommt er nicht immer für irgendwen zur Unzeit? Sollten deshalb nie Streiks bei der Bahn stattfinden (dürfen)? Ich bin gespannt, wie viele Lehrer teilnehmen werden?

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Lehrer dürfen es nur (meist) nicht. Das (einzige) Druckmittel entfällt somit.

Senkrechtstarter
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Stimmt nicht. Da immer noch die meisten Berliner Lehrer angestellt sind, dürfen die meisten Berliner Lehrer streiken. Viele verzichten jedoch freiwillig darauf.

Fakten sind Hate
1 Jahr zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Im Gegensatz zur Arbeit der Bahner, bleibt die Arbeit in der Schule liegen und muss später nachgearbeitet werden.

Wenn man beispielsweise während der Abiturphase streikt, werden die (schlimmstenfalls) Prüfungen verschoben. Dh. die Lehrer dürfen dann in den Sommerferien korrigieren/prüfen. „Sind schließlich keine Urlaubstage.“, so der zuständige Pressesprecher.

Senkrechtstarter
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Seltsame Argumentation. Es wird so vieles nicht geschafft und dann einfach aufs nächste Schuljahr verschoben oder einfach weggelassen. Und welcher Schüler, der lange krank war, holt wirklich alles nach?! In Coronazeiten ist massenhaft weggelassen worden.

Und aus all diesen Gründen sollen schlechte Arbeitsbedingungen bleiben bzw. wir sollen sie hinnehmen? Damit nichts nachgeholt werden muss? Man kann einfach die Ausflüge, Wandertage, Klassenfahrten weglassen. Da gewinnt man ca. 2 Wochen Unterrichtszeit. Mehr ist auch noch nicht gestreikt worden. Die Eltern können selbst etwas mit ihren Kindern unternehmen am Nachmittag; am Wochenende; in den Ferien.

Last edited 1 Jahr zuvor by Senkrechtstarter
Meinetwegen
1 Jahr zuvor

Warum es wichtig ist zu streiken? Diese guten Gründe kommen von der GEW selbst:

„… wer immer abwehrt „Das bringt doch eh nichts“, der verschließt sich gegenüber der Realität. Es geht auch darum, Schlimmeres zu verhindern. Hier einige Argumente, warum ihr streiken solltet und noch andere dazu motivieren solltet:
 

  • Schon für das kommende Schuljahr werden in einigen Schulen die Klassen größer als bisher sein, weil zu wenig Schulplätze vorhanden sind.
  • Einige Schulen werden zusätzliche Klassen aufmachen müssen.
  • Laut Senatorin Günther-Wünsch „darf es keine Denkverbote geben“ um dem Lehrkräftemangel zu begegnen. Z.B. Ermäßigungsstunden und Abordnungen kommen auf den Prüfstand.
  • Die KMK bzw. die SWK hat bereits gezeigt, dass sie sich keine Denkverbote auferlegt: Lehrkräfte sollen stärker in ihrer Kernkompetenz, nämlich im Unterricht eingesetzt werden. Entlastung von den einen Aufgaben bedeutet immer mehr Unterricht oder größere Klassen.
  • Dazu gehören auch größere Oberstufenkurse.
  • Mit Meditation den Stress abbauen, aus 45 Minuten-Stunden kann man 40-Minuten-Stunden machen und hat plötzlich viel mehr Unterrichtsstunden zur Verfügung.
  • Lasst Eurer Kreativität freien Lauf, so wie die Bildungspolitiker. 

(Aus dem GEW-Streikaufruf)