„Verteufelung vermeiden“: Lehrer sollen für Einsatz der KI fit gemacht werden

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SCHWERIN. Mit Handreichungen und regelmäßigen Schulungen sollen Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern besser auf den Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) – etwa mit dem Textroboter ChatGPT – vorbereitet werden. Der Landtag in Schwerin forderte die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern am Freitag mit breiter Mehrheit auf, zügig die Voraussetzungen dafür zu schaffen. Neben praxisorientierten Informationen soll es auch Hinweise zu rechtlichen Fragen und zum Datenschutz geben.

Was, bitteschön, macht die KI mit der Bildung? Foto: Shutterstock

In der Debatte verwiesen Redner aller Fraktionen darauf, dass mit dem Einsatz der KI an Schulen Chancen, aber auch Risiken verbunden seien. Deshalb bedürfe es klarer und einheitlicher Regeln. Aus den Reihen der Opposition kam aber auch Kritik: Die rot-rote Koalition reagiere zu spät auf die Entwicklungen und habe versäumt, flächendeckend die technischen Voraussetzungen zu schaffen, hieß es.

Bildungsministerin Simone Oldenburg (Linke) sagte, wichtig sei, dass Neues immer wissenschaftlich begleitet werde, über Grenzen und Möglichkeiten aufgeklärt werde, um Überforderung und auch Verteufelung zu vermeiden. «Nur so kann man Akzeptanz und Vertrauen in die Nutzung der Künstlichen Intelligenz fördern», sagte Oldenburg.

Mecklenburg-Vorpommern habe dafür gute Bedingungen. «Wir sind das einzige Bundesland mit einem Pflichtfach Informatik und Medienbildung ab Jahrgangsstufe fünf», sagte sie. Es gebe Webseminare und Its-Learning-Kurse. Doch machte Oldenburg deutlich: «Niemals wird die Künstliche Intelligenz die Lehrkraft hundertprozentig ersetzen.» Bildung, Förderung und Erziehung funktioniere nicht ohne Kommunikation und menschlichen Kontakt. Doch führe die KI dazu, dass sich etwa die Lernstandskontrolle verändere. Mit dem Textprogramm ChatGPT lassen sich etwa Hausarbeiten leicht erstellen.

Künstliche Intelligenz bezeichnet meist Anwendungen auf Basis maschinellen Lernens, bei denen eine Software große Datenmengen nach Übereinstimmungen durchforstet und daraus Schlussfolgerungen zieht. Sie werden schon jetzt in vielen Bereichen eingesetzt. Chatbots oder automatische Playlists von Streaming-Diensten arbeiten ebenfalls mit KI. News4teachers / mit Material der dpa

McKinsey-Studie: Künstliche Intelligenz wird Lehrberufe am stärksten verändern

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kanndochnichtwahrsein
1 Jahr zuvor

„Nur so kann man Akzeptanz und Vertrauen in die Nutzung der Künstlichen Intelligenz fördern…“
Das setzt doch wohl voraus, dass eine Gesellschaft sich einig ist, dass KI diese Akzeptanz und dieses Vertrauen wünscht und gutheißt, richtig findet und verantwortbar.

Ich bin mir nicht sicher, dass ich KI so möchte, wie sie der breiten Masse der Gesellschaft derzeit zugänglich ist.
Das öffnet Kräften und Gedanken Tür und Tor, die ich nicht mehr von denen echter Menschen unterscheiden kann.
Wenn mein Arzt mit Hilfe einer KI bessere Diagnosen stellt, ein Forscher mittels KI bessere Innovationen – geschenkt.
Aber ich zweifle, dass es IRGENDEINEN Nutzen haben kann, wenn (junge) Menschen, die selbst noch nicht ausreichend lesen, schreiben und die Welt verstehen können, sich einer KI welcher Art auch immer bedienen.

Man lernt auch mit dem Taschenrechner nicht rechnen; man lernt mit einem Textprogramm nicht schreiben; warum sollen Schüler mit KI besser lernen können.

Ich bezweifle, dass man Menschen dadurch/damit zu verantwortungsvollen, kritischen, umsichtigen, zukunftsbewussten, innovativen, kreativen Menschen werden lassen kann.
Nicht ohne eine entsprechende Vorbereitung. Dazu brauchen wir Zeit in den Schulen.
Bestenfalls können wir noch ein Bewusssein für die gesellschaftlichen/politischen/sicherheitsrelevanten/umwelttechnischen Gefahren nahbringen, die KI bedeuten kann, wenn man nicht wirklich kritisch damit umgeht und auch kontrollieren kann, dass das Gegenüber es ebenfalls kann und will!

Ich will als Lehrer nicht dazu da sein, „Akzeptanz und Vertrauen in die Nutzung der Künstliche(r) Intelligenz (zu) fördern“!
Ich bin Lehrer geworden, um Intelligenz bei den Schülern zu fördern!!!

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

„um die _natürliche_ Intelligenz bei den Schülern zu fördern!!!“

Der Taschenrechner hat zum Untergang des Zahlgefühls geführt, Rechnen im Kopf geht selbst im klenen 1 x 1 nicht mehr. Abschätzen geht nicht, aber dafür alles auf acht Nachkommastellen angeben.

Last edited 1 Jahr zuvor by Der Zauberlehrling
Uwe
1 Jahr zuvor

Und Google Maps hat dazu geführt: ich weiß überhaupt nicht mehr in welchem Teil der Stadt ich unterwegs bin.
Nur (und das werden die Technikfeinde NIE verstehen) ich BRAUCHE es ja auch nicht zu wissen. ich weiß z.B. auch nicht wie man Kartoffeln anpflanzt. Oder Teppiche ohne Staubsauger reinige. Oder wie eine Waschküche funktioniert Weil ich es nicht wissen muss.
Und man muss schon merkwürdig reaktionär sein wenn man nutzloses von der Zeit überholtes Wissen für etwas erhaltenswertes hält.

Bücherleser
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Genau, Klimawandel stört uns nicht, das Essen kommt ja aus dem Supermarkt! Wasser wird knapp? Kein Problem, kommt doch bei mir aus dem Wasserhahn.
(mehr brauche ich nicht zu wissen)-
Sind Sie Lehrer? Lassen Sie Ihrem Sohn die Welt von KI erklären?

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bücherleser

Habs versucht, mehrmals gelesen und keinen wirklich absolut keinen Bezug zu dem gefunden was ich geschrieben habe. Versuchen sie es mal mit sinnentnehmendem lesen dann klappt es (vielleicht) auch mal mit dem Argumentieren.

Uwe
1 Jahr zuvor

Da liegt ein Mißverständnis vor: KI soll nicht genutzt werden um die Schüler*innen zu ersetzen, also der/die Lehrer*in unterrichtet eine Klasse mit Computern. Sondern KI soll (und wird wohl auch) langfristig den/die Lehrer*in ersetzen. KI kann nämlich (bald) problemlos individuell Schüler*innen auf ihrem Lernniveau abholen, klassische Denkfehler der Schüler*innen analysieren und ihnen die Möglichkeit bieten diese Denkfehler zu korrigieren, in Mathematik ist das jetzt schon möglich. Beim Vokabellernen oder Einmaleins schon lange, da fragt der Computer halt das ab was der/die Schüler*in noch nicht kann. Didaktik ist halt auch nur Handwerk und kann wie jedes Handwerk automatisiert werden.

Canishine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Aber wozu, wenn die KI demnächst alles besser kann? Dann kann die KI doch bald ihre KInder unterrichten (auch ´ne Verwendung des I …).

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Canishine

Ja kann sie wo ist das Problem?

Canishine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Ich habe Ihre Aussage nur etwas weiter führen wollen: Wenn der Lehrerberuf überflüssig wird, weil die KI intellektuelle Prozesse besser vermitteln kann, dann wird es auch überflüssig sein, diese intellektuellen Fähigkeiten überhaupt zu erlernen (außer als Hobby).
Dann stelle ich mir das futuristisch so vor, wie die KI ihre (nicht Ihre) eigenen Kinder (wie immer die aussehen) unterrichtet.

Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Canishine

Sie meinen allen Ernstes: Wenn KI wissen besser vermitteln kann als Lehrer*innen ist das nutzloses Wissen? Das Handy mit dem ich Grade tippe ist nutzlos weil von einer Maschine hergestellt?Was ist das für ein Argument?

Canishine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Das kommt darauf an, ob Ihre These, dass KI sinnvolles Wissen besser vermitteln kann als Lehrer, zutrifft. Wenn nicht, wäre das Handy ggf. nicht sinnstiftend verwendet.
Vielleicht kann man die KI zu diesem Thema befragen?

Last edited 1 Jahr zuvor by Canishine
Uwe
1 Jahr zuvor
Antwortet  Canishine

Klar kann die KI sinnvolles Wissen besser vermitteln als jede*r Lehrer*in, ganz einfach weil die KI jed*e Schüler*in individuell da abholt wo er*sie steht.DAS eben ist die Stärke von KI. Man könnte auch Alternativ 30 Lehrer*innen pro Klasse einstellen wird aber ein bisschen teuer.

Canishine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Uwe

Ich frage mich in diesem Zusammenhang, wie die KI überzeugend darauf antworten wird, wenn sie die berühmte Frage von Kindern gestellt bekommt: Wofür muss ich das lernen? (Brauche ich im späteren Beruf nicht, steht im Internet, kann die KI doch besser, …)

Fakten sind Hate
1 Jahr zuvor

Die Behauptung, dass die KI niemals den Lehrerberuf ersetzen würde, muss ich wiedersprechen.

Man erinnere sich nur mal an die Adobe Flash, dass in den 2000er bis Ende der 2020er aus der Entwicklung von Webanwendungen kaum wegzudenken war. Als HTML5 verofdentlich wurde, war die ein die nahzu einheitliche Meinung, dass Flash nicht wegzudenken ist. Seit 2020 existiert Flash quasi nichz mehr. Die spezialisierten Programmierer mussten sich etwas anderes suchen.

Schaut man sich heute GPT 3.5 vergleichend mit GPT4.0 an, merkt man schon gravierende Entwicklungsschritte. Spezialisierte Programme wie behind, zeigen schon heute, dass man wohl viele Programmierer in wenigen Jahren wohl nicht mehr einstellen brauch, da die Grundlagen bereits von der KI beherrscht werden.

Mich würde es nicht wundern, wenn KI-ungerstützte Lernplattformen aus dem Boden sprießen. Auf Dauer wird der Lehrer aber nicht mehr als ein Lernbegleiter sein.

Canishine
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Oder KI-Trainer.

Katinka
1 Jahr zuvor

Wenn ich schon wieder höre „Lehrer sollen…“. Müssen sich Lehrkräfte jetzt jetzt in jeder digitalen/technischen Neuerung sofort „fit machen lassen“?

Ich arbeite längst mit ChatGPT für meinen Unterricht und nutze es zu meinen Gunsten, habe auch schon Fortbildungen gemacht und tausche mich mit Kolleg:innen aus. Wer das aber nicht möchte, macht es eben nicht oder irgendwann später mal!

Alx
1 Jahr zuvor

Die Entwicklung geht dahin, dass AI spezialisiert, personalisiert und lokal (also offline) genutzt werden kann.
Stability AI macht das schon heute in ärmeren Ländern verfügbar, ist Open source und kostenlos und ermöglicht vielen Kindern Bildung, die sonst keinerlei Zugang zum Bildungssystem haben.
Als Lehrer finde ich das großartig.
Ironie des Schicksals: AI kann sehr gut die Aufgaben höherer Bildungswege übernehmen aber sehr schlecht manuelle Arbeit verrichten. Wahrscheinlich haben wir bald wieder einen größeren Fokus auf manuelle Fertigkeiten im Unterricht.

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

Ja, wir lassen uns fit machen. Gerne zwischendurch. Gerade jetzt wäre noch Zeit für eine Fortbildung, der wir unsere volle Aufmerksamkeit widmen und diese mit ganzer Kraft stemmen können. Nächste Woche hätte ich nach dem Notenkonferenzen noch Zeit.

Fortbildungen von selbsternannten Besserwissern – nein Danke. Zeugs vom Landesinstitut für Unterrichtsentwicklung (LEU – jetzt ZSL) brauche ich auch nicht.

Wer es nutzen will, der nutze es. Wer es nicht nutzen will, dem wird auch die Fortbildung nicht helfen. Verweigerer gab’s schon immer – in meinen Anfängen habe ich Lehrer kennengelernt, die sich geweigert haben Computer zu benutzen. Ist halt so. Hat sich aber auch erledigt.

Ich nutze ChatGPT und auch Google Bard zum Programmieren und bin sehr angetan von den Ergebnissen. In welcher Zeit da fast optimale Lösungen generiert werden – unglaublich. Eklatante Schwächen gibt’s aber auch – aber die KIs waren bis jetzt auch nicht als Rechenmeister gedacht.

In Hessen gibt es ja auch seit kurzem eine Handreichung. Die Verantwortung für die Nutzung ist klar geregelt. Wie immer im Schulleben.

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

https://peer-ai-tutor.streamlit.app/

Für die Deutschlehrer unter uns zum Thema KI und „Aufsatz“.