Fall Valeriia: Hat die Schule ihre Fürsorgepflicht verletzt? Staatsanwältin prüft das

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Zwei Tage nach dem Fund der Leiche der neunjährigen Valeriia in einem Wald bei Döbeln sucht die Mordkommission weiter nach einem oder mehreren Tätern. Dazu würden Spuren gesucht, Zeugen vernommen und Aussagen ausgewertet, sagte Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart am Donnerstag auf Anfrage. Auch die Schule rückt in ihren Fokus.

Die Staatsanwaltschaft prüft das Verhalten der Schule. Foto: Shutterstock

Zu genaueren Ermittlungsansätzen wollte sie nichts sagen, ebenso zur Todesursache – wegen eines möglichen Täterwissens. «Wir haben Thesen zum Motiv», sagte Burghart. «Deshalb suchen wir ja auch im engeren sozialen Umfeld. Aber ich kann im Moment nichts dazu sagen.» Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kind nicht sexuell missbraucht wurde. «Das Mädchen war bekleidet.»

Nach Recherchen der «Bild» haben die Ermittler einen Ex-Freund von Valeriias Mutter im Visier. Er soll sich in Tschechien aufhalten. Er habe die Mutter am Vormittag von Valeriias Verschwinden kontaktiert, so «Bild». Sein Handy soll in einer Funkzelle in Döbeln eingeloggt gewesen und er von der Überwachungskamera eines Nachbarhauses gefilmt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Chemnitz wollte sich auf Nachfrage der Deutschen Presse-Agentur dazu nicht äußern.

Fragen wirft nach wie vor auf, warum die Polizei so spät in dem Areal nach dem Mädchen gesucht hat. Eine Zeugin hatte am Tag von Valeriias Verschwinden am Stadtrand Schreie gehört und später der Polizei davon berichtet. Laut Polizei hatte dies aber zunächst nicht genauer eingegrenzt werden können und der Fund der Leiche sei rund 2 Kilometer entfernt gewesen. Als die Familie selbst später der Polizei mitteilte, dass sie öfter in dem Wald an den Knollensteinen gewesen sei, wurde die Suche dorthin ausgedehnt. Dabei war am Dienstagnachmittag das Mädchen tot im Unterholz gefunden worden.

Geprüft wird von der Staatsanwaltschaft auch ein mögliches Fehlverhalten seitens der Schule. Die hatte Valeriias Mutter nicht wie vorgeschrieben kontaktiert, als das Kind am Montag voriger Woche nicht im Unterricht war. Dazu werde ein Bericht des Landesamtes für Schule und Bildung abgewartet und dann entschieden, ob ein Anfangsverdacht für strafrechtliches Handeln vorliege, hieß es. Im Raum stehe eine mögliche Verletzung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht. Die Behörde hatte das Versäumnis der Schule bestätigt und geht dem Fehlverhalten nach. Den Angaben zufolge könnte das arbeitsrechtliche Schritte nach sich ziehen. News4teachers / mit Material der dpa

Grundschülerin Valeriia ist tot – Schule wegen möglichem Fehlverhalten unter Druck

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17 Kommentare
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Kevin
1 Monat zuvor

Im Gegensatz zu früheren Zeiten, wo man realistischer absteckte, was ein Mensch bzw. eine Institution wie die Schule vernünftigerweise leisten kann, werden jetzt die Anforderungen an die, welche arbeiten, beliebig hoch gesteckt.
Vorteil: man findet schneller Schuldige.
Woran liegt das eigentlich, dass man in den letzten Jahren immer mehr von solchen Mordtaten hört? Gibt es Entwicklungen in der Gesellschaft?

Bauklötzchen*
1 Monat zuvor
Antwortet  Redaktion

Nun ja, man könnte durch redaktionelle Arbeit die Statistiken des BKA durchforsten, um hier eine Aussage treffen zu können. Mit herzlichen Grüßen undsoweiter….

Die Meldepflicht bindet an unserer sehr kleinen Schule an guten Tagen, wenn wenige KuJ fehlen, eine Vollzeitkraft für die komplette erste Unterrichtsstunde. Das wirklich Bedenkliche daran ist, dass sich bei Eltern kein Umdenken einstellt. Die Kids werden morgens nicht krank gemeldet, Eltern sind nicht erreichbar, reagieren nicht auf E-Mails und werden in einigen Fällen sogar ausfallend. Eine Meldepflicht nur der rechtlichen Absicherung der Schule wegen ist nötig, ja, sollte doch aber auch einen Effekt in Sachen Eigenverantwortung auf die Eltern haben.

Sim Si
1 Monat zuvor
Antwortet  Kevin

Solche Daten kann man recherchieren! Einfach googeln, dann werden Sie feststellen, dass die Zahl der Morde in den letzten Jahrzehnten immer weiter zurückgegangen ist. Die subjektive Bedrohung, die Menschen/ Eltern empfinden, ist hingegen deutlich höher als früher.

447
1 Monat zuvor

Es bewahrheitet sich das neue Sprichwort:

Ist das was (egal was) mit Kindern, Jugendlichen?
Wo ist der nächste Lehrer, die nächste Schule, der man es anhängen kann?

Gewalttäter zur Bewährung raus – keine Verantwortung von irgendwem
Massenweise (juristisch legale) Urteile ohne Eindämmungswirkung – natürlich ist niiiieeemand „verantwortlich“
Pädophile Täter wieder mal auf freiem Fuß, Bewährung, Therapie, Kurzstrafe abgesessen – niiiieeeemand verantwortlich, weil „Rechtsstaat“

Ein Kind wird zu Tode gebracht, das das Schulgelände NICHT EINMAL ERREICHT HAT…

..
.
„Staatsanwaltschaft prüft“.
„Schule“
„Verantwortung“

Es ist nur noch zum …. 🙁

RainerZufall
1 Monat zuvor
Antwortet  447

Schön, dass Sie Ihren Humor nicht verloren haben und munter Unsinn auf Kosten eines toten Kindes ins Netz schleudern.

Andererseits wollen in letzter Zeit nicht wenige bei jedem Anlass den gesamten Rechtsstaat abschaffen und ganze Bevölkerungsgruppen brutalst abstrafen.
Wie Sie schon schrieben: nur zum…

Lessi
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Das, was Sie nun dazu schreiben und 447 unterstellen, finde ich geschmacklos!!!
Nur weil er das System hinterfragt, heißt das nicht, dass ihm dieser tragische Tod eines Kindes nicht nahe geht. Das geht hier echt zu weit!

Es wird doch wohl `mal erwähnt werden dürfen, dass Schule nicht ohne Unterstützung/ Entlastung durch den Staat z.B. durch täglich anwesende Verwaltungskräfte, die solche Aufgabe locker übernehmen könnten, dies nicht leisten kann. Die Durchsetzung einer Mitwirkungs- und Informationspflicht der Eltern (bei Nichteinhaltung mit Konsequenzen, z.B. Bußgelder) könnte auch für mehr Sicherheit der Kinder sorgen!

Aber, nun ja, macht diesen einstmals schönen Beruf noch unattraktiver!

ginny92
1 Monat zuvor
Antwortet  RainerZufall

Ja, das was mit dem Mädchen passiert ist sollte nicht passieren. Nur ist es aktuell schon fast Volkssport egal was passiert erst mal zu prüfen ob die Schule nicht schuld hat. Warum prüft man denn nicht ob man den Schulweg sicher machen kann? Warum setzt man keine Aufklärungskampagnen ein ?….

JaDa
1 Monat zuvor

Was da passiert ist, ist unfassbar traurig und ich bete für die Familie um Kraft und Hoffnung.
Schulisch gesehen ist das der Albtraum jeder Lehrerin/jedes Lehrers: der nicht entschuldigten Abwesenheit eines Kindes nicht oder nicht zeitig nachgegangen zu sein.
Aber genau das passiert, wenn weitere 29 Kinder um einen herumturnen, mit ihren morgendlichen Belangen vor einem stehen, evtl. noch Eltern in der Tür kurz etwas loswerden wollen und die Kollegin auch noch eben eine Frage hat…
Wir sind nur Menschen und tun sicherlich jeden Tag gewissenhaft unser Bestes. Ich hoffe, dass die betroffene Kollegin/ der betroffene Kollege den folgenschweren Fehler irgendwie verarbeitet bekommt und damit nicht vom System allein gelassen wird.

Lessi
1 Monat zuvor
Antwortet  JaDa

So ist es! Wenn ich nach dem Dienst (27 Erstklässler) nach Hause komme, bin ich so wirr im Kopf, dass ich für eine halbe Stunde ruhen muss. Da geht gar nichts mehr!
ALLE, die meinen, wir müssen dies und jenes `mal so nebenbei, wissen es nicht besser. Aber dann sollten sie sich vor Ort die Situation genauer anschauen!

Lanayah
1 Monat zuvor

Ich habe (unter dem Eindruck dieses Vorfalls) gerade gestern meine Klasse 10 Minuten allein gelassen, Klasse gegenüber war beim Sport, Sekretärin nicht da, Telefonnummern abtelefoniert, niemanden erreicht. Wäre in meiner Klasse was passiert, hätte ich vermutlich Probleme wegen der Aufsichtspflicht bekommen. Denn es gilt ja hier auch das Abwägungsprinzip. Ist es wichtiger, die Klasse zu beaufsichtigen, oder einem nicht abgemeldeten Kind hinterher zu telefonieren. Ich bin verunsichert. Sinnvoll wären klare Handlungsanweisungen, um Rechtssicherheit zu geben, oder genug Personal.

Ulrika
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Nicht oder, sondern UND mehr Personal.

Lessi
1 Monat zuvor
Antwortet  Ulrika

Eben. Bezahlte Verwaltungskräfte müssen dafür her!
Nur `mal so:
Steht das Hinterhertelefonieren in unserer Arbeitsplatzbeschreibung?
Ich finde nichts dazu. 😉

Enjoy your chicken Ted
1 Monat zuvor
Antwortet  Lanayah

Handlungsanweisungen wird es nicht geben, weil ja dann die Behörde in Regress genommen werden könnte. Oberstes Gebot ist doch stets, dass die LuL haftbar gemacht werden können.

Biene
1 Monat zuvor

Es ist oft unschön, wenn die Eltern ihre Kinder nicht entsprechend bei der Schule krank melden. Ich persönlich, spreche die Klassenleiter und auch das Sekretariat möglichst schnell an. Insbesondere, wenn mir auffällt, dass SuS fehlen, diese aber als anwesend markiert sind. Zu dem prüfe ich wirklich zu Beginn JEDER Stunde die Anwesenheit meiner Schülerschaft.
Dazu folgende Anekdote, die ein Kollege aus dem Ref brachte: Vor seiner Zeit an seiner Refschule kam es zu einem unschönen Vorfall: ein S hatte während der Mittagspause – was durchaus erlaubt ist- das Schulgelände verlassen, um bei einer Bank Geld „abzuheben“. Die LK, die in der Klasse nach der Mittagspause Unterricht hatte, hat die Anwesenheit der ersten Stunde anstandslos übernommen. Der S behauptete in der Vernehmung im Unterricht gewesen zu sein, was anhand der Überwachungskameras der Bank als gelogen verifiziert werden konnte.
Diese Anekdote sitzt mir noch in den Knochen und diese nehme ich her, wenn meine SuS mich darauf ansprechen, warum ich denn nun auch die Anwesenheit kontrolliere.

ginny92
1 Monat zuvor
Antwortet  Biene

Der Punkt ist schnellst möglich für viele bedeutet das halt 1. Pause. Ich glaube bzw. bin der Meinung das Kollegen gerade an der Grundschule mit sowas eigentlich super sorgfältig umgehen. Tatsache ist aber auch das oft 5 Dinge gleichzeitig zu regeln sind mit viel zu wenig Ressourcen.