Montessori-Pädagogik: „Am besten wird gelernt, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind und es eine entspannte Lernumgebung gibt“

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BERG. Die Montessori-Pädagogik in Verbindung mit Inklusion so vielen Kindern wie möglich zugänglich machen und dazu interessierte Menschen fortbilden: Mit diesem Ziel hat Claus-Dieter Kaul bereits in den 1970er Jahren ein integratives Schul-Modellprojekt mit auf den Weg gebracht, das später zahlreichen Kitas und Schulen als Vorbild diente. Heute gilt der Lehrer, Sonderpädagoge und Buchautor als einer der führenden Experten der Montessori-Pädagogik in Deutschland und leitet gemeinsam mit der ehemaligen Schulleiterin und langjährigen Montessori-Pädagogin Carolina Abel die Akademie Biberkor in Berg bei Starnberg. Wir sprachen mit den beiden anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Weiterbildungseinrichtung darüber, was die Montessori-Pädagogik auch heute noch zu bieten hat und warum es auch für Erwachsene gerade angesichts der aktuellen Entwicklungen – Stichwort „Künstliche Intelligenz“ – so wichtig ist, sich auf einen individuellen Lernweg zu begeben. 

„Lernen braucht sichere Beziehungen und Bindungen.“ Illustration: Shutterstock

News4teachers: Wer sich bisher nicht mit Montessori-Pädagogik beschäftigt hat, ist vermutlich noch nicht auf die Akademie Biberkor gestoßen. Können Sie für diese Menschen kurz zusammenfassen, was dahintersteckt?

Carolin Abel: Die Akademie Biberkor bietet im Rahmen von Kursen Montessori-Pädagogik für alle interessierten Menschen an – Studentinnen, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Referendar:innen, Quereinsteiger:innen, aber auch Eltern oder andere Interessierte. Wir begrenzen das nicht auf Berufsgruppen. Alle Kursteilnehmer:innen können für diese Weiterbildung bei uns  ein Diplom für bestimmte Jahrgangs- oder Altersstufen erwerben. Wir bieten darüber hinaus Einführungs- und Basiskurse und Coachings an, und demnächst wird es auch einen Leitungskurs geben.

„Digitale Medien sind nicht mehr wegzudenken. Die Kunst ist nun, den Kindern Fähigkeiten zu vermitteln, damit sie ihnen nicht ausgeliefert sind“

News4teachers: Auf Ihrer Website heißt es, dass Sie Bildung neu leben und denken und auch auf aktuelle Konzepte zeitgemäßer Lernbegleitung zurückgreifen. Was sind das für Konzepte?

Claus-Dieter Kaul. Foto: privat

Kaul: Eine sehr große Rolle spielt die Neurobiologie. Das Wissen, wie Lernen überhaupt stattfindet, ist eins zu eins kompatibel mit dem Montessori-Ansatz. Es geht um handlungsorientiertes und individualisiertes Lernen. Der Staat stellt im Moment hohe Fördergelder zur Verfügung, damit Lehrkräfte Formen kennenlernen, wie sie die Kinder individuell so begleiten können, dass sich deren Kompetenzen, vor allem in Mathematik und Sprache, wesentlich verbessern. Die Montessori-Pädagogik bietet dafür bereits ein breit gefächertes didaktisches Spektrum.

Carolina Abel. Foto: privat

Abel: Ein weiterer Punkt ist: Zu meiner Zeit stand es nicht auf der Agenda, dass Lernen Spaß machen muss. Heute hat die Lern- und Hirnforschung bewiesen, dass am besten gelernt wird, wenn die Grundbedürfnisse erfüllt sind und es eine entspannte Lernumgebung gibt. Dazu gehören sichere Beziehungen und Bindungen. Und auch das passt sehr gut zur Montessori-Pädagogik, die sich an den Bedürfnissen der Kinder orientiert und als das Allerwichtigste eine sichere Beziehung zur Lehrkraft nennt. Dazu wiederum muss man verstehen, dass Lernen heißt, zu entdecken und zu erforschen. Und dazu gehören Fehler. In der Montessori-Pädagogik wird man für Fehler nicht bestraft, und das gibt der Beziehung zwischen Schüler:innen und Erwachsenen eine große Sicherheit.

Die Kinder in der Montessori Pädagogik dürfen sich offen auf ihren Lernweg begeben und die Erwachsenen um Hilfe bitten. Sie sehen, dass die Erwachsenen im Team arbeiten und keine Einzelkämpfer sind. Und auch unsere Kinder sind nicht zur Einzelarbeit verdonnert, sondern dürfen frei wählen, ob sie allein oder mit anderen zusammenarbeiten wollen. Diese freie Wahl stärkt den Charakter enorm und lässt auch die Kinder zu kooperations- und teamfähigen Menschen werden. Und das finde ich so bemerkenswert – Maria Montessori hat das vor hundert Jahren entwickelt, die Erkenntnisse der Hirnforschung bestätigen es und es ist so aktuell wie nie zuvor.

Kaul: Voraussetzung ist aber, dass die Lehrkräfte den Kindern vertrauen. Genau das müssen viele Lehrkräfte aber erst lernen. Dies erfordert eine hohe Kompetenz in Selbstreflexion, auf die wir in unseren Kursen höchsten Wert legen. Auch muss eine sehr intensive Elternarbeit betrieben werden. Die Eltern müssen mitgenommen werden, um ebenfalls dieses Vertrauen in ihr Kind zu haben. Ohne eine Erziehungspartnerschaft mit den Eltern kann gute Pädagogik gar nicht funktionieren.

News4teachers: Ist diese Lernkultur, die Sie beschreiben, trotz oder gerade wegen der rasanten Entwicklung Künstlicher Intelligenz erforderlich?

Kaul: Ich würde sagen, gerade wegen KI. Weil die Menschen, die diese Haltung von uns als Lehrkräfte bekommen, auch wissen, wie sie verantwortungsvoll mit KI umzugehen haben. Denn digitale Medien sind nicht mehr wegzudenken. Die Kunst ist nun, den Kindern Fähigkeiten zu vermitteln, damit sie ihnen nicht ausgeliefert sind, sondern verantwortungsvoll damit umzugehen.

News4teachers: Sie schreiben weiter, dass die Akademie Erwachsene befähigt, individuelle Lernprozesse zu begleiten. Wie muss ich mir das vorstellen?

Kaul: Letztlich erleben die Erwachsenen bei uns das, was die Kinder später bei ihnen erleben sollen. Das heißt, wir geben ihnen Vertrauen, wir sind offen und wertschätzend, wir geben ihnen Inspiration und lassen ihnen viel Zeit, sich selbst im Tun und im Lernen zu erleben.

Ganz wesentlich ist aber auch die Didaktik. Wie können Kinder zum Rechnen, Schreiben oder zur Grammatik hingeführt werden? Das wurde bisher nur gelehrt. Bei uns gibt es ein didaktisches Konzept, das die Erwachsenen über das Tun mit Material selbst erfahren können.

Abel: Hinzu kommt, dass sie die Brillen kennenlernen, durch die sie schauen. Wie sind wir erzogen und sozialisiert worden, so dass wir die Welt und die Kinder auf eine bestimmte Art wahrnehmen? Es geht darum, sich selbst auf die Schliche zu kommen und bewusst Beziehungen zu gestalten. Und nicht zuletzt respektieren wir bei den Erwachsenen, die zu uns kommen, ihre individuellen Lernwege und begleiten sie.

News4teachers: Können Sie den letzten Punkt an einem Beispiel konkretisieren?

Kaul: Also es ist zum Beispiel so, dass wir zwar Inspiration bezüglich des Montessori-Materials geben, aber wir geben nicht mehr wie früher vor, wie das Material zu handhaben ist. Was dadurch oft passiert, ist, dass Kursteilnehmerinnen ganz neue Zugangsmöglichkeiten finden. Wir öffnen das dann, indem wir sagen: Großartig, zeig das mal allen. Damit komme ich als Dozent aus dieser extremen Führungsrolle heraus und bin in dem Moment selber auch Lernender.

Abel: Wir respektieren, dass Erwachsene genauso wie Kinder ihre eigenen Lernschwerpunkte haben. Das bedeutet, es gibt am Kursende keine festgelegte Wissensabfrage. Wir gehen davon aus, dass jeder sein Bestes gibt, was ihm zurzeit möglich ist. Das heißt, wenn jemand aus welchen Gründen auch immer, gerade keine Präsentation erarbeiten kann, dann respektieren wir das und geben die Möglichkeit, wiederzukommen und das nachzuholen.

News4teachers: So funktioniert Schule aktuell aber ja nicht: Am Ende steht eine Wissensabfrage – sei es das Abitur oder eine Lernstandserhebung in der ersten Klasse. Und die meisten Lehrkräfte und Eltern befürworten dieses System. Wie überzeugen Sie, dass es anders geht?

Kaul: Im Grunde genommen, geht es darum, die eigenen Ängste abzubauen und Vertrauen darin zu gewinnen, dass es auch anders geht. Eine große Rolle spielt dabei die jahrzehntelange Erfahrung aller unserer Dozenten in der Pädagogik. Wir können immer wieder auf Berichte zurückgreifen, wie wir die Kinder erlebt haben oder wie die Kinder bei uns reagiert haben. Das ist für viele ganz wichtig – zu hören, wie die Praxisarbeit aussieht, zu sehen, dass nachhaltiges Lernen in der Schule gerade ohne Noten erst richtig möglich ist.

News4teachers: Neben den Kursen bietet die Akademie Biberkor seit vier Jahren auch das sogenannte „Neue Referendariat“ an. Können Sie kurz erklären, was das ist und was es besonders macht?

Kaul: Ein wesentlicher Punkt ist, dass wir nicht benoten. Unsere Referendar:innen arbeiten über Reflexion, Selbstreflexion und Feedback. Sie arbeiten Unterrichtseinheiten aus, die über Video gezeigt und miteinander besprochen werden. Es wird also nicht nur bewertet, sondern wohlwollend, aber auch kritisch reflektiert. Das neue Referendariat versucht, junge Lehrkräfte aufzubauen, damit sie ihren Lehrberuf gerne ausüben, und selbstsicher ihren Weg beschreiten.

Im Gegensatz zum staatlichen Referendariat trägt leider nicht das Land die Kosten, sondern die jeweiligen Schulen, an denen die Referendar:innen arbeiten. Unsere Referendar:innen kommen daher hauptsächlich von privaten Schulen, da viele staatliche Schulen nicht die finanziellen Mittel zur Verfügung haben. Das neue Referendariat ist staatlich noch nicht anerkannt.

News4teachers: Streben Sie denn an, dass es staatlich anerkannt wird?

Kaul: Natürlich haben wir das Ziel, dass es eine Form der staatlichen Anerkennung gibt. In erster Linie versuchen wir aber den Leuten mitzugeben, wie Schule in Zukunft aussehen soll – was im Moment aber oft noch wenig mit der Realität übereinstimmt.

News4teachers: Ist dann ihr Wunsch, dass die Lehrkräfte nach Abschluss des „Neuen Referendariats“ zu einer Regelschule wechseln, um dort den Grundstein für Veränderung zu legen?

Kaul: Da die Schulen das „Neue Referendariat“ finanzieren, haben sie natürlich ein großes Interesse daran, die Lehrkräfte zu behalten. Und deswegen bleiben die meisten auch an ihren Schulen. Wir haben aber immer wieder Lehrkräfte, die an eine Schule in öffentlicher Trägerschaft gehen. Und das ist gut so, weil wir überall gute Lehrkräfte brauchen.

Abel: Das passt auch zu dem, was wir nach unseren Basis- und Sekundarstufenkursen erleben, an denen viele Pädagoginnen teilnehmen, die an staatlichen Schulen arbeiten: Sie gewinnen durch den Kurs eine neue Perspektive auf ihre Situation, entdecken Freiräume und nutzen diese aus. Und dadurch wird ihre Tätigkeit wieder sinnbringender. Das heißt, im Grunde genommen dienen wir auch den öffentlichen Schulträgern mit den Basiskursen, weil die Lehrkräfte hier oft feststellen: Es ist gar nicht so viel verboten, was gut ist. Bei uns gewinnen sie einen Blick dafür. Durch solche mutigen “Freiraumkämpferinnen” hat sich über die Jahre in den Bildungsplänen ja auch schon einiges geändert.

News4teachers: Zum Abschluss die Frage: Wie fällt ihre Bilanz nach zehn Jahren Akademie Biberkor aus und wo soll es in den nächsten 10 Jahren hingehen?

Abel: Die Offenheit für das, was die Zukunft bringt, war und ist uns sehr wichtig. Wir hätten vor zehn Jahren niemals gedacht, dass wir mal ein Neues Referendariat anbieten. Sondern wir haben auf das reagiert, was die Zeit brachte. Wir sind flexibel geblieben, und so können wir gar nicht sagen, was in zehn Jahren sein wird. Was wir sagen können, ist: Wir sind offen, beweglich und lernfähig, und das bleiben wir auch. Beate Berrischen, Agentur für Bildungsjournalismus, führte das Interview.

Zu den Personen

Claus-Dieter Kaul, Akademieleitung

Claus-Dieter Kaul beschäftigte sich bereits während seines Lehramtsstudiums Ende der 1960er Jahre mit der Montessori-Pädagogik. Es folgte eine langjährige Unterrichtstätigkeit als Grundschullehrer, Sonderpädagoge und Schulleitungsmitglied in der Montessori Schule der Stiftung Aktion Sonnenschein, einem wissenschaftlich begleiteten, integrativen Schulversuch des Münchner Professors Theodor Hellbrügge. Durch das bundesweite Interesse an diesem pädagogischen Modell entstand eine große Nachfrage nach Weiterbildung in diesem Bereich. Innerhalb der Akademie für Entwicklungsrehabilitation des Kinderzentrums in München entwickelte Claus-Dieter Kaul in Folge ein Weiterbildungskonzept, das dazu beitrug, dass staatliche Kindergärten und Schulen ihr pädagogisches Programm im Sinne von Integration (heute Inklusion) neu aufsetzten.

Ab 1991 setzte Claus-Dieter Kaul diese Arbeit an seinem eigens gegründeten Institut für ganzheitliches Lernen (IfgL) in Tegernsee fort. 2014 ging das IfgL in der Akademie Biberkor auf, in der Kaul seither die pädagogische Leitung innehat. Claus-Dieter Kaul gehört dem Kuratorium der Universitätsschule Dresden an.

Carolina Abel, Akademieleitung

Carolina Abel ist ausgebildete Lehrerin für Sport und Deutsch und Montessori-Heilpädagogin. An der inklusiven Schule der Stiftung Aktion Sonnenschein in München leitete sie von 1986 bis 2001 Integrationsklassen in der Sekundarstufe und der Grundschule.

Seit 1987 kooperiert sie mit Claus-Dieter Kaul und arbeitet als Dozentin in Montessori Fortbildungskursen. Mit der Gründung der Montessori Schule Biberkor übernahm Carolina Abel 2002 die Aufgabe, die Grundschule in diesem großen Projekt aufzubauen und leitete diese, bis sie 2015 ins Leitungsteam der Akademie Biberkor wechselte.

Die Akademie Biberkor

Die Akademie Biberkor gehört zu den renommiertesten reformpädagogischen Aus- und Weiterbildungsstätten in Deutschland. Die Akademie wurde 2014 aus der Überzeugung heraus gegründet, dass Bildung mehr als nur Wissensvermittlung sein sollte – sie soll die individuellen Fähigkeiten und Potenziale der Lernenden fördern und zur persönlichen Entfaltung beitragen. Mit einem stetig wachsenden Kursangebot und einer konsequenten Ausrichtung auf die Bedürfnisse einer zukunftsfähigen Schule hat sich die Akademie Biberkor seither zu einem wichtigen Partner zukunftsorientierter Schulen und für pädagogische Fachkräfte entwickelt.

„Alles ist gut, was Druck aus dem Regelsystem herausnimmt – und Schulen Freiräume gibt“: Montessori-Vorsitzender Boysen im Interview

 

 

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Dr. Specht
17 Tage zuvor

„Und das finde ich so bemerkenswert – Maria Montessori hat das vor hundert Jahren entwickelt, die Erkenntnisse der Hirnforschung bestätigen es und es ist so aktuell wie nie zuvor.“

„Eine sehr große Rolle spielt die Neurobiologie. Das Wissen, wie Lernen überhaupt stattfindet, ist eins zu eins kompatibel mit dem Montessori-Ansatz.“

Es wäre für uns Lehrerinnen und Lehrer hilfreich, wenn solche vollmundige und sehr allgemein gehaltenen Behauptungen von anerkannten universitäten Fachleuten aus der Hirnforschung und der Neurobiologie bestätigt würden. Warum wird von der Montessori-Seite hier immer derart auf die Pauke gehauen?

Bezüglich der Psychologie gilt die Lehre von Montessori als überholt:

„Zum anderen finde ich die Analogie – nicht minder befremdlich – bei der berühmten Reformpädagogin Maria Montessori, die just anhand des Hundegehorsams erläutert, wie man ein Kind zu Gehorsam, Disziplin und Normalität dressieren und erziehen soll.“

https://www.psychologie-heute.de/familie/artikel-detailansicht/40698-das-kind-als-ware.html

Bla
17 Tage zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Es gibt eben von beiden Seiten aus Berichte (und Studien). Dazu auch Fachliteratur. Die finden Sie bestimmt auch selbst. Ansonsten kann ich auch ggf. Beispiele einbringen. Aber wichtig … Es gibt halt eben zwei Seiten dazu. Wie oft.

Ja, die Analogien sind auf dem ersten Blick mal „schwierig“ zu verstehen. Dazu muss man dann schon mehrere verschiedene Texte lesen und eine Verknüpfung des Konzepts herstellen und reflektieren. Montessori nimmt sehr häufig Vergleiche in/aus den Tierbereichen. Das wirkt eben grundlegend oft etwas befremdlich Menschen mit Tieren zu vergleichen. Oft sind es zudem Insekten – was es nicht unbedingt „leichter“ macht.
Auch solche Textstellen wie „abnormale Kinder“ und „übernormale Kinder“ wirken (heutzutage) sehr befremdlich. Generell sind einige Begrifflichkeiten der damaligen Zeit „geschuldet“. Sowas wie „Polarisation der Aufmerksamkeit/Konzentration“ wäre heutzutage eher dem „Flow-Erlebnis“ gleichzustellen. Den Begriff gab es damals eben noch nicht. Ebenfalls Begriffe wie „Normalisation“, „Kosmische Erziehung“ und „Freiarbeit“ [Eigentlich: Freie Wahl der Arbeit] werden häufig „falsch interpretiert/verstanden. Auch das macht die Thematik und einen Diskurs nicht unbedingt leichter.

Johann Friedrich H.
16 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Sehr geehrter Bla,

vielen Dank für Ihre Antwort. Als interessierter Lehrer und Zeitgenosse habe ich hier jedoch ein Problem:

Weit und breit, weder in seriösen Medien noch in wissenschaftlichen Bibliotheken finde ich einen Artikel oder ein Werk, in dem ein allgemein anerkannter Neurobiologe oder ein ebensolcher Hirnforscher einen unmittelbaren Zusammenhang von validen Erkenntnissen seiner Zunft zu den Schriften von Maria Montessori herstellt.

Umgekehrt gibt es aber Kolleginnen und Kollegen aus unserem Lehrkräftekreis, die mit offensichtlich schlafwandlerischer Sicherheit mit Fachbegriffen aus den hochkomplexen Disziplinen Neurobiologie und Hirnforschung hantieren und diese dann gleichsam und unmittelbar aus der Grundlagenforschung in die konkrete Unterrichtspraxis transferieren. Das passt nicht nur für mich nicht zusammen. Bitte nennen Sie also Ross und Reiter: Welche valide interdisziplinäre Studie belegt den oben explizit behaupteten argumentativen Zusammenhang?

Bla
16 Tage zuvor

Hallo Herr Johann Friedrich H.,

kein Problem. Interesse ist ein guter Weg in einen Diskurs. Auch Sachen zu hinterfragen und kritisch zu betrachten gehört selbstverständlich dazu.

Wie bereits angeboten kann ich natürlich einige Verweise/Quellen hier einbringen, ob diese jetzt alle valide die Zusammenhänge durch interdisziplinäre Studien eindeutig belegen oder nicht … Lasse ich mal frei. Das dürfen Sie dann selbst für sich entscheiden. Generell sind die „Probleme“ und Wirkungen von Studien inzwischen recht bekannt denke ich. Auch woher sie jeweils stammen und welchen Zwecken sie haben können. Ebenso ist zu bedenken, ob es sich um direkten Bezug handelt oder indirekten Bezug. Oft hat die Montessori-Pädagogik einige Punkte, welche nicht direkt immer „evaluiert“ und in Studien hinterfragt werden, welche allerdings über andere Bereiche indirekt Einfluss haben. Beispielsweise „der Flow Effekt“ und „Polarisation der Aufmerksamkeit“. Hier könnte man bspw. direkt auf Montessori mit ihrer (veralteten) Begrifflichkeit eingehen oder eben auf das („modernere“) „Flow-Phänomen“ von Mihaly Csikszentmihalyi. Wichtig ist auch, dass „das“ Montessori-Konzept auch kein neurobiologisches Konzept ist, sondern ein pädagogisches Konstrukt. Es geht hier eher um Überschneidungen und das Zusammenwirken („was kann man verbinden?“). Einige Montessori-Schulen und Ausbildungsinstitute passen sich dementsprechend den neueren Kenntnissen an. Andere wohl nicht. Auch das muss man beim Diskurs durchaus berücksichtigen und kritisieren. Montessori =/= Montessori.

Folgend wichtig ist mir: Das soll jetzt auch nicht zeigen, ob oder dass Montessori-Pädagogik vom Gesamtkonzept her komplett mit der aktuellen Neurobiologie übereinstimmt. Aber zumindest, dass einige Teile des Konzepts (sogar des „Urkonzepts“ durchaus aktuell noch sind und weit „vor ihrer Zeit“ waren [absichtlich mal doppeldeutig, da Montessori ja auch vieles wissentlich abgeschaut hat von bspw. Pestalozzi]).
Ich bringe einfach mal einige Beispiele ein (auf Ort und Datum verzichte ich, nur als bspw. Überblick gedacht):

– Ich weiß jetzt nicht „wen“ oder „was“ Sie persönlich als „anerkannte Neurobiologen und Hirnforschen“ sehen (bemessen/einstufen), aber grundlegend kann man hier wohl beispielsweise Dr. Max Friedrich, Prof. Dr. Martin Korte und Prof. Dr. Gerald Hüther benennen. Dazu Literatur, Interviews und Vorträge. Ich denke durchaus, dass diese „anerkannt“ sind.
In einigen Bereichen geht auch Manfred Spitzer in Übereinstimmung von Bereichen Montessoris. Auch wenn ich persönlich nicht sonderlich viel von Herrn Spitzer halte (Computerspieledebatte und co. geschuldet), würden ihn wohl viele als anerkannten Neurowissenschaftler und Psychiater sehen.

Ansonsten:
– Bauer, J.: Spiegelneurone. Nervenzellen für das intuitive Verstehen sowie Lehren und
Lernen, in: Caspary, R. (Hg.): Lernen und Gehirn. Der Weg zu einer neuen Pädagogik.
– Becker, Nicole: Die neurowissenschaftliche Herausfordering. (Bspw. S. 107)
– Zeitschrift für Pädagogik (Beiheft 52). Ulrike Mietzner, Heinz-Elmar Tenorth und Nicole Welter (Hg.): Pädagogische Anthropologie –
Mechanismus einer Praxis.
– Hellwig, Nina (Dissertation, Doktorarbeit): Selbsterziehung des Kindes oder geschicktes
pädagogisches Handeln? – Eine Analyse der Theorie Montessoris und der Erziehungswirklichkeit an
Montessorischulen anhand der operativen Pädagogik Klaus Pranges.
– Sylva Liebenwein, Heiner Barz, Dirk Randoll: Bildungserfahrungen an Montessorischulen. Empirische Studie zu Schulqualität und Lernerfahrungen.
– Von Oy, Clara Maria: Montessori-Material zur Förderung des entwicklungsgestörten und des behinderten Kindes.
– Studie: Pointing and tracing enhance computer-based learning.
– Studie: Sequencing Tracing with Imagination.
[Vgl. hierzu auch: https://www.scinexx.de/news/biowissen/neuro-studien-bestaetigen-montessori-lerntechnik/%5D
– Schmidt, Edyta (Diplomarbeit): Lassen sich die Annahmen und grundlegenden Prinzipien der Pädagogik Maria Montessoris durch neurowissenschaftliche Erkenntnisse zum Themenbereich Lernen bestätigen?
– Hauptmann, Jessica (Studienarbeit): Montessoripädagogik seit über 100 Jahren. Aktualität im Kontext moderner neurowissenschaftlicher Erkenntnisse.
-Fatke, Reinhard, Oelkers, Jürgen (Hg.) Zeitschrift für Pägagogik (Beiheft 60). Das Selbstverständnis der Erziehungswissenschaft: Geschichte und
Gegenwart.
– Thonen-Alj, Sabrina: Montessori-Pädagogik im Licht der Neurobiologie: Ein interdisziplinärer Vergleich im Hinblick auf Lernprozesse in der Kindheit.
– DMG: Das Kind (Doppelband 47/48): Mathematik und empirische Studien in der Montessori-Pädagogik.
(Insbesondere S. 32-48 „Montessori-Mathematik: Eine neurowissenschaftliche Perspektive.“ und S. 140-154 „Flow oder Show?“)
– Egger, Maria: Montessori hatte Recht. Die Bedürfnisse von Kindern aus neurobiologischer Sicht.
[- Dazu gibt es generell echt viele „Gegenwartsdiskussionen“ in der Fachliteratur. Als Beispiel: Böhm, Winfried: „Maria Montessori Texte und Gegenwartsdiskussion. V. A. ab S. 112.]

Indirekt wären bspw.:
– Schäfer, Gerd E.: Prozesse frühkindlicher Bildung. [Auf Überschneidungen achten. Er schreibt nicht direkt vom Montessori-Konzept.]
– Schwarting, Jutta: Musik und Musikinstrumente
zur Förderung des entwicklungsgestörten und behinderten Kindes.
– Köhn, Wolfgang: Heilpädagogische Begleitung im Spiel. Ein Übungsbuch zur Heilpädagogischen Erziehungshilfe und Entwicklungsförderung (HpE)
– Menzen, Karl-Heinz: Kunsttherapie in der Förder- und Heilpädagogik. Neurobiologische Grundlagen.

Dazu gibt es auch noch Bereiche, welche man jetzt weiter als „Teilaspekte“ bedenken kann -> Bspw. die Praxisorientierung, das „Natur leben“, „Gegenstände einbringen“, „Alltagserfahrungen vernetzen und nutzen“, „Fächerübergreifung“, „Montessori-Materialien“ (Perlenmaterial), „Beobachtungen“, „Sinneslernen“/“Sensorisches Lernen“, „Sensible Phasen“, „Reflexionen“, „Feedback“, „Vorbildfunktion“, „deutliche Aussprache“, „Verbindung mit Musik/Kunst/Bilder“, frühkindliche (Fremd-)Sprachenlehre bei Kindern (Gehirnhälften und Speicherorte), Musikinstrumente, Fehlerkontrolle, Selbständigkeit, Buchstaben Nachfahren beim Lernen, Verantwortungbewusstsein, die Anpassung der Umgebung an die Kinder (bspw. Kinderstühle) usw. usf. -> Diese Teilaspekte sind heutzutage weitgehend ganz normal, allerdings waren sie es zur Zeit Maria Montessoris eben noch nicht. Man braucht da immer den Blick in die damalige Zeit. Ansonsten macht das „jetzt“ als Vergleich auch keinen Sinn.
Dazu gibt es in Studien und Literatur natürlich oft indirekte Bezüge, ohne dass man überhaupt an Montessori-Pädagogik denkt oder denken würde. Wozu halt auch?

Johann Friedrich H.
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Sehr geehrter Herr Bla,

vielen Dank für ihre ausführliche Aufzählung, Chapeau!

Natürlich müsste man sich nun die Publikationen im Einzelnen ansehen, was ich mir für den Sommer für die eine oder andere vornehmen werde.

Auf der anderen Seite stehen, nicht nur für mich, mindestens vier Aspekte:

  • der oft nervende missionarische Ton, der in Diskussionen von Montessori-Vertretern gesetzt wird (von Ihnen nicht, Herr Bla)
  • die Bewegungsunternehmer, die mit Montessori-Facetten ein Geschäftsmodell aufziehen und bedeutungsschwanger ihre teuren Materialien und Seminarangebote an die Lehrkraft bringen möchten
  • der unpolitische Zugang vieler Protagonisten aus der Montessori-Szene (die allerallermeisten Montessori-Schulen bedienen eine solvente bürgerliche Elternschaft, die gerne unter sich bleibt)
  • der unkritische und völlig aus der Zeit gefallene Verehrung der ikonischen Gründergestalt, deren Denken offensichtlich rassistische Züge enthält und die sich an faschistische Diktatoren anbiederte:

https://www.deutschlandfunkkultur.de/maria-montessori-ist-die-kritik-an-den-grundlagen-ihrer-paedagogik-berechtigt-dlf-kultur-d72dc4b2-100.html

https://www.ndr.de/kultur/buch/Ideen-von-Maria-Montessori-Die-weisse-Rasse-als-Idealmensch,seichter100.html

Es gibt bildungspolitisch viel zu tun, hier können sog. „Montessori-Einrichtungen“ bestimmt den einen oder anderen Impuls setzen, bitte aber ohne einen pastoralen Alleinvertretungsanspruch und mit einer notwendigen Distanz zur Säulenheiligen, die offensichtlich ein eugenisches Weltbild vertrat. Ein Kommentar aus der taz bringt dies gut auf den Punkt:

Dass Montessori das Bildungswesen zum Wohle des Kindes entwickeln wollte, entschuldigt nicht, dass sie vermutlich – so legen es Seichters Recherchen nahe – nicht nur am Anfang ihrer Karriere eine Rassistin war. (…) Aber man sollte sich gut überlegen, wie viel ehrenvolles Andenken man ihrer Urheberin noch gewähren will. Straßen, die an kolonialistische Generäle erinnern, werden längst umbenannt. Vielleicht wäre es für die Montessori-Schulen auch an der Zeit.“

https://taz.de/Eugenik-Diskussion-um-Maria-Montessori/!5991727/

Bla
15 Tage zuvor

Hallo Herr Johann Friedrich H.,

ja, natürlich muss man sich für einen ernsthaften Diskurs bestenfalls mit dem Thema wirklich beschäftigen. Geht zwar auch ohne, aber dann ist es oft eher ein „Rumgestochere“. Auch das ist prinzipiell mal gar kein Problem, solange es aus Interesse besteht und man es dann ggf. erklären – soweit („für Laien“) möglich.

Ich gehe mal aus meiner (momentanen) persönlichen Meinung/Ansicht drauf ein:
– Ja, den gibt es. Kann man jedoch nicht pauschalisieren.
Ich nehme mal als Vergleich: Menschen, welche auf Nachhaltigkeit und/oder Veganismus/Vegetarismus wert legen. (Geht auch in Bezug auf christlichen Glauben in Deutschland)
Die Wenigsten zwingen einem „den Weg“ auf. Diejenigen, welche das jedoch machen bzw. versuchen stechen – trotz gewaltiger Minderheit – wahnsinnig raus.
So ist es wahrscheinlich auch bei „Montessori-Menschen“. Aber ja, ich weiß, was Sie meinen. Einige – gerade Ausbilder – verbeißen sich schon sehr an eine „Heiligenfigur“. Das Konzept an und für sich ist sehr intelligent und solide. Für die damalige Zeit sehr beeindruckend. Die Materialien sind toll. Trotzdem muss man auch sich einige Sachen des Konzepts eingestehen, welche eben nicht für alle funktionieren. Ist ja kein Wunderkonzept. Es ist gut, wenn das Clientel stimmt. Wenn nicht, dann „geht es genauso unter“ wie andere Konzepte auch. Ich persönlich sehe das zumindest so – auch viele andere Montessori-KollegInnen.

– Ja, das ist ein Punkt, welcher definitiv zu kritisieren ist meiner Meinung nach. Auch das sehen einige Montessori-Lehrkräfte so und wird durchaus auch in Seminaren angesprochen (und kritisiert). Hier gibt es bspw. Thematiken wie „billige Chinaware“ vs. „qualitativ hochwertige Montessoriprodukte“. Auch das hängt eben durchaus „vom Geldbeutel“ auch ab. Einige Materialien gelten für einige Leute auch als als „überbewertet“. Hier will man eben Kohle machen. Diese Materialien kann man oftmals bspw. selbst (deutlich günstiger) herstellen.
Auch bei Seminarangeboten muss man vorsichtig sein. Ich sag mal … Ein „Wochenendkurs“ finde ich persönlich nicht seriös als „Montessoriausbildung“. Daher würde ich persönlich hier schon einen Wert auf Qualitätsstandard und -siegel legen. Bspw. das Siegel der DMG (Deutschen Montessori Gesellschaft) oder der AMI-Kurse (international mit Standard).
Preislich sind diese teuer. Das sind generell häufig (private) Ausbildungen und Seminare. Darüber lässt sich natürlich streiten. Generell finde ich jedoch, dass der Arbeitgeber dann durchaus in der Pflicht steht, diese Kosten zu übernehmen. Er fordert es auch als Voraussetzung ein. Dazu ist es oft „ein Dachverbund/-band“.

– Ja, ist halt schulabhängig und auch abhängig von Schulleitung/Vorstand. [Auch von Kollegium]
Das sollte man im fairen Diskurs natürlich auch nennen. Es gibt Montessori-Schulen, welche schon sehr hohe Aufnahmebedingungen haben und man „als Elite“ zählt. Und andere, welche bspw. durch Staffelung und Fördergelder auch die „soziale Unterschicht“ bedient und mitnimmt. Hier muss man von Schule zu Schule schauen. Generell haben Privatschulen allerdings das Privileg „auszusortieren“ bzw. das zu können. Finde ich persönlich auch nicht schlecht. Dadurch kann man natürlich ein Clientel bilden, welches in das Konzept passt und andersrum. Ansonsten gilt für mich wieder obiges … Das Konzept ist meiner Meinung nach nicht für jeden und jede aktuell geeignet. Das hat verschiedene Gründe. Montessori würde jetzt wahrscheinlich „Normalisierung“ als Fachbegriff bringen. Wenn man bspw. 16 von 25 SuS in der 7. Klasse als „Quereinsteiger“ hätte und generell 12 verhaltensauffällige SuS, 3 ohne Deutschkenntnisse und 2 I-Kinder dabei sind, dann kann das Konzept noch so gut sein … Bringt halt nichts.

– Den Punkt muss man jetzt allerdings wirklich bisschen differenzierter betrachten. Es gibt durchaus die Diskussion der Person Montessoris (auch [vllt. sogar vor allem] „intern“). Da Maria Montessori allerdings nichtmehr lebt, können „wir“ (jeder Einzelne und auch als Gesamtgesellschaft) sie nicht fragen, ob sie rassistisch ist. Wir können das nur vom Konzept und den Texten her deuten.
Grundlegend sprechen wir hier zudem von einer ziemlich langen Zeit und den Umständen dieser Zeit(en) (Arbeiterklasse, Frauenwahlrecht und sozialer Stand der Frau, 1. und 2. Weltkrieg usw.). Es ist jetzt nicht gerade unwahrscheinlich, dass auch Montessori „einen Prozess“ durchmachte, wie für Menschen generell recht normal. Also im Sinne von: Erfahrungen und Einstellungen können sich ändern. Das hatte Montessori in einigen Texten auch geschrieben, welchen Prozess sie in Beobachtungen machte und weshalb sie Sachen erweitert (bspw. Materialanwendung in den unteren Altersstufen bzw. Anpassungen auch „nach unten“, oder bspw. „Soziale Phasen“ -> „Entwicklungsstufen“ -> „Kosmische Theorie“ -> „Kosmische Erziehung“). Dazu muss man berücksichtigen, dass sie auch ein „Kind ihrer Zeit“ eben war. Also bspw. gab es eben den Umstand, dass es kein gutes Schulsystem in Italien (und auch anderen Ländern) gab. Sie nutzte evtl. die Chance und biederte sich Mussolini (und somit dem Faschismus) an, damit ein besseres Schulsystem entsteht. Vielleicht sogar, dass der Faschismus nicht „so weit getragen“ wird – aber das wäre jetzt reine Spekulation. Als „es nicht zusammen klappte“ distanzierten sich beide voneinander. Auch das gehört zum ehrlichen Diskurs. Warum genau? Ich weiß es nicht, man kann das nur versuchen zu interpretieren. Sie lebt wie gesagt ja nicht mehr. Was „ihr Konzept“ jedoch mitsich bringt und ohne dessen das Konzept nicht ganzheitlich ist/wäre: Sie setzte sich sehr stark für Friedenserziehung und einer vereinten Nation (also alle Kulturen und Völker gemeinsam) ein. Das kann man durchaus aus den Texten erschließen.
Und da kommen wir jetzt auch zu den Quellen Ihrerseits und „der Problematik damit“:
– Es gibt wirklich einige Sachen an und bei Montessori, welche man zurecht kritisieren und hinterfragen kann und sollte. Es gibt auch viele Sachen, welche oftmals sehr stark fehlinterpretiert werden. Als Beispiele „Maria glaubte an Gott“ -> Ja, sie war „spirituell“. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie eben auch die anderen Religionen wertschätzte und inkludierte. Dazu trennte sie „die Religion/den Glauben“ von Schule und Privat. Ebenfalls hat Kosmische Erziehung nichts mit „Esoterik“ zu tun, sondern basiert auf (damaligen) wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das schien ihr auch immens wichtig gewesen zu sein. Bspw. wird von den drei (klassischen) Aggregatzuständen gesprochen … Fest, gasförmig und flüssig. Wir kennen heutzutage weitere -> Plasma und Bose-Einstein-Kondensat. Ich persönlich denke, das Montessoris Ansatz diese wissenschaftlichen neuen Erkenntnisse mit „gewollt“ hat. Also, dass man ihr Konzept dementsprechend erweitert – sie selbst kann das ja nicht mehr. So wie eben Mario Montessori (ihr Sohn) ihr Konzept zum Erdkinderplan weiterentwickelt hat. Aber das ist jetzt meine Interpretation.
– Und jetzt „zum Problem“ mit Frau Sabine Seichter [und auch anderen Personen, welche unter Herrn Winfried Böhm – ja den Herren habe ich oben als Quelle angegeben – ehemaliger Vorstand der DMG, jetzt wahrscheinlich einer der kritischsten Personen gegenüber Montessori „als Person“] Doktorarbeiten tätigt/tätigen:
-> Wer nur Teilbereiche von (wenigen) Werken nimmt und diese (ggf.) aus den Kontext zieht ist für einen wissenschaftlichen Diskurs vielleicht nur bedingt geeignet.
-> Schauen Sie mal, woher die Frau Seichter ihre einseitigen Zitate nimmt und wie diese begründet werden. [Die Zitate kann man ja tatsächlich finden … Aber wie halt]
-> Vergleichen Sie selbst mal mit anderen Werken und überlegen, ob dies vielleicht doch etwas … sehr einseitig ist. [Gibt eben seeehr viel mehr Perspektiven und Zitate/Texte]
-> Ich finde: Jeder sollte das für sich selbst beurteilen. Dann aber unter „fairen Bedingungen“ und nicht populistischen Methoden und „Medienerpusche“.
–> Vielleicht war sie ja (eine Zeit lang) „rassistisch eingestellt“. Das „weiß“ wahrscheinlich nur sie selbst. Und sie ist nicht mehr am leben.
–> Vielleicht war sie das allerdings auch nicht. Auch das kann man sie nicht mehr fragen. Das können wir nur interpretieren. Und dazu gibt es genug Zitate und Quellen. Wenn Sie möchten, kann ich einige zur „Friedenserziehung“ auch zitieren. Die werden Sie bei Frau Seichter wohl eher nicht finden … Schade irgendwo bei/für einen wissenschaftlich fairen Diskurs.
Dass Medien dies natürlich nutzen und aufgreifen … So ist es halt. Das ist bei nahezu allen Themen so. Das ist nicht nur das Recht, sondern auch die Aufgabe von Medien. Aber … Bitte „fair“.

Mag allerdings vielleicht auch daran liegen, dass ich Maria Montessori als sehr intelligente Frau einstufe und das Konzept wirklich als gut sehe. Das war es allerdings auch schon. Von einer „Vergötterung“ halte ich Abstand – wie viele andere „Montessori-Menschen“ auch. Das Material ist sehr gut. Der Einsatz dessen ist sehr interessant. Die Theorie gehört zum Konzept. Hier sieht man auch, was sie sich dabei dachte und auch geschichtliches – was beides sehr interessant ist. Frau Montessori an und für sich … „Brauche“ ich persönlich nicht. Daher ist es mir persönlich „egal“, ob sie Rassistin war oder nicht. Vielleicht war das so. Wahrscheinlich nicht. Zumindest nicht mehr oder weniger, wie in der Zeit üblich. Das gehört auch zu einem Diskurs der Gedanke. Aber das Konzept – v. A. auch die Materialien – sehe ich persönlich als sehr gut an. Hat allerdings eben auch seine Grenzen (in der heutigen Zeit und Gesellschaft). Und da wäre man dann bei einem wirklichen Diskurs: Wo hat Montessori-Pädagogik ihre Grenzen? [Stichworte bspw.: Oberstufe, Realisierung des Erdkinderplans in Deutschland, usw.] Und wie kann man dies (ver-)bessern?
Auch, ob Privatschulen – somit auch Montessori – wirklich „fair“ sind. Und dies auch so reflektieren. [Stichwort: Clientelauswahl, Beiträge, „Sondierung“]
Usw. Usf.

Johann Friedrich H.
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Lieber Kollege Bla,

vielen Dank auch für diese differenzierte Darlegung ihrer Sichtweise

Bezüglich Form und Duktus hätte ich mir dies auch von den Protagonisten des oberen Interviews gewünscht, diese haben sich jedoch leider entschieden, ein Verkaufsgespräch zu führen.

Alles Gute!

Kohlrabi
17 Tage zuvor

Ja, und die entspannte Lernathmosphäre bedeutet eben nicht nur „nette Lehrer, die niemals schimpfen und bestrafen“, sondern auch „nette Schüler“, die nicht permanent so massiv stören, dass Lehrer schimpfen und bestrafen müssen. Hat man nur leider fast nie. Also eine Klasse ohne solche.

Stand das da irgendwo? Hab’s nicht gefunden beim Überfliegen.

Bla
17 Tage zuvor
Antwortet  Kohlrabi

Ne, das stand glaube ich nirgends. Wurde auch nicht direkt gefragt.
Dem würde ich auch zustimmen. Es braucht natürlich dafür ein Clientel, welches auch „mitarbeitet“. Die Montessori-Pädagogik ist meiner Meinung nach kein „Allheilmittel“. Das wurde hier auch nirgends behauptet im Interview.
Natürlich haben Montessori-Privatschulen hier auch das Privileg dementsprechend SuS auszusuchen und andere „abzuweisen“. Das muss man sich selbst auch bewusst machen und (stellenweise) eingestehen. Das gehört zum fairen Diskurs meines Erachtens nach dazu.
Ob man jetzt generell Klassen ganz ohne „Störer“ braucht/hat ist etwas anders. Die Montessori-Pädagogik steht nicht für Grenzenlosigkeit des Handelns des Einzelnen. Laut einigen Texten Montessoris wird sehr deutlich, dass ein Eingreifen bei Störungen nicht nur gewünscht, sonder von der „Lehrerin/Erzieherin“ erwartet wird und sogar teilweise unabdingbar ist.
Alles andere wäre auch eine Traumvorstellung.
Wo sich „Montessori“ hier ehrlich machen sollte/muss ist bspw.: Montessori ist eben nicht Montessori – in der Praxis sowieso nicht. Manche Schulen arbeiten „urmontessorischer“ und manche eben nicht. Manche legen die Texte so aus, dass man kaum/gar nicht eingreifen „darf“ und andere sind sehr strikt im „Eingreifen“.

Hysterican
16 Tage zuvor
Antwortet  Kohlrabi

Da haben Sie aber nicht gut aufgepasst:

Die SuS sind qua vorgegebener Bedingung nett, lernwillig, diszipliniert (im montessorischen Sinne 😉 ) und natürlich per se am eigenen Lernfortschritt interessiert.

Das muss man endlich mal begreifen, dass es diese tolle Lernatmosphäre „nur!!“ an Montessorieschule in freier Trägerschaft gibt und dass die dort ausgebildeten Refendare* (sic!) natürlich „gute Lehrer*“ sind, die auch an den anderen LooserSchulen dringend gebraucht werden.

Nun gut … e sind Privatschulen, die natürlich ein bisschen Geld kosten – weshalb man entsprechen Werbung für sie machen muss – denn schließlich gilt auch hier:

„TUE GUTES UND REDE DARÜBER!“

„VON NIX KOMMT NIX!“

„TROMMELN UND KLAPPERN GEHÖRT ZUM HANDWERK!“

….. das lässt sich beliebig fortsetzen.

Grundsätzlich finde ich das gut … was mir nicht so gut gefällt ist, dass zwischen den Zeilen der Alleinwirksamkeitsanspruch immer wieder aufblitzt … und das mit eine kollegiale Auseinandersetzung mit KuK von dort oftmals sehr anstrengend.

Säbelzahntiger
17 Tage zuvor

Hat der Herr Professor schon selbst unterrichtet und Klassen geführt? Bei uns werden die schwierigen Kinder immer aus den Klassen rausgenommen, wenn der Lehrerausbilder Besuch von seinen Studenten hat.

Ich habe heute meinen Schülern vertraut und war aus dem Unterricht gegangen, um etwas Vergessenes zu holen. Ich sage mal 3 Minuten. Als ich zurückkam Geschrei und Chaos und Tränen. Ein Kind hatte einem anderen mit einem Kugelschreiber in den Rücken gestochen.

Bla
17 Tage zuvor
Antwortet  Säbelzahntiger

Professor? Wüsste nicht, dass Herr Kaul auch eine Professur hat. Kann mich allerdings irren.

Vita ist allerdings recht öffentlich zugänglich:
https://www.akademie-biberkor.de/akademie/unsere-dozentinnen/

Beantwortet auch die Frage, ob Praxiserfahrung vorhanden ist denke ich.
Ansonsten gibt es bspw. noch auf Youtube „Material“ zu Montessori-Erzählungen, welche er gehalten hat. Auch mit SuS, bspw.:
https://m.youtube.com/watch?v=cNDTDgQOPYM&pp=ygUra2xhdXMgZGlldGVyIGthdWwgZ290dCBkZXIga2VpbmUgaMOkbmRlIGhhdA%3D%3D

Naja … Das „neue Referendariat“ ist kein Ersatz zum „eigentlich“ Referendariat. Das Montessori-Diplom sowieso nicht. Warum sollte man hier schwierige SuS „rausnehmen“? Weiß nicht, ob es hier überhaupt Noten gibt.
Schwierige SuS könn(t)en viele Privatschulen ja sowieso „vorab“ oder „bei Auftreten“ „rausnehmen“. Das ist eines der Privilegien von Privatschulen. Dementsprechend kann man natürlich sein Clientel auch etwas anpassen und steuern.

Hysterican
16 Tage zuvor
Antwortet  Säbelzahntiger

Da hat das arme Kind sicherlich die – durch Ihre pädagogisch-disziplinierende Dominanz und Unterdrückung erzeugte supplemetierte Aggression endlich herausgelassen und sie ganz unmittelbar und authentisch an einer sozialen Bezugsperson kanalisiert … diese Öffnung unterdrückter Aggressionen nach Außen und das Ausagieren derselben ist gut für die psychische Gesundheit des Handelnden.

In einer sozialen Gruppe kann es dabei natürlich kurzfristig mal zu emotionalen Gefällesituationen kommen, die durchaus Herausforderungen an alle Beteiligten stellt – aber – der langfristige Wert dieser freien und unmittelbaren Aktion wirkt lösend auf „eingesperrte“ Emotionen.

Mmhhhmmm, bin mir nicht sicher, ob ich das Obige bewusst als Ironie kenntlich machen muss … es soll ja Leute geben, die …. 😉

Bla
17 Tage zuvor

„für alle interessierten Menschen an – Studentinnen, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher, Referendar:innen, Quereinsteiger:innen, aber auch Eltern oder andere Interessierte. “
Was ist mit Studenten? Für diese dann nicht? Sind das keine Menschen?
Puh, da bin ich jetzt gleich wieder ganz angeheizt … Warum diskriminiert man denn (männliche) Studenten?

Jetzt im Ernst: Bitte rein formhalber vllt. „Student:innen“ dann auch Gendern.

SchadeMarmelade
16 Tage zuvor

Wie entspannt kann eine Leenumgebung realistisch sein wenn Störer, Mobber und Chaoten das Sagen haben und Kinder dem nicht bis 13 Uhr sondern bis 15 oder 17 Ihr ausgesetzt sind. Ohne Pause und ohne Rückzugsort?

Bla
16 Tage zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Klar, die Frage sollte und muss man sich generell stellen und fragen. Wenn es die Lernumgebung und die SuS -welche dessen annehmen – nicht gibt, dann funktioniert das Konzept natürlich nicht im Ganze. Das ist die logische Konsequenz. Dementsprechend muss man diese so gestalten. Ist in der Realität nicht so einfachm

Palim
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Ist doch an jeder anderen Schule auch so, nur dass sich die öffentlichen Schulen das Klientel nicht aussuchen, sondern auch die beschulen, die die Privaten nicht aufnehmen (wollen) – entsprechend höher sind dort die Herausforderungen.

Bla
15 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Genau. Sehe ich ähnlich.
Als ergänzender Gedanke jedoch: Privatschulen sind „wirtschaftlicher orientiert“ als Regelschulen. Dementsprechend müssen sie zum einen werben und zum anderen eben auch ggf. Kompromisse eingehen. Wenn die Nachfrage sehr hoch ist, kann man natürlich „das Clientel“ (mehr) aussuchen. Ist die Nachfrage jedoch deckend mit den Kosten oder sogar drunter … Dann muss man dementsprechend sich ggf. anpassen. Das heißt in der Praxis: Man nimmt dann durchaus vielleicht auch SuS, welche sogar an der Regelschule nicht beschulbar/zumutbar sind. Auch diese „flüchten“ zu Privatschulen. Das ist dann auch nicht immer „das leichteste“ Clientel.
Dazu sind oftmals die Erwartungen an Privatschulen (wo Eltern zahlen) auch ganz andere. Heißt in der Praxis: Leistung durch Handeln und Ergebnisse. Das ist eben ein Hin und Her.
Auch der Gedanke ist leider in Diskussionen nur selten da. Viele stellen sich das als absolute Traumauswahl immer vor. Ja, an manchen Schulen ist das auch so. Nicht überall.
Auch die Lehrerfluktuation ist an vielen Privatschulen recht hoch. Der durchschnittliche Unterschied im Gehalt im Vergleich zur Regelschule ist schon … immens. Auch das stellt eine Herausforderung an Privatschulen (und Kollegium) dar.
Wäre da vor einer Pauschalisierung sehr vorsichtig. Herausforderungen gibt es an beiden „Formen“. Die sind oft nur an anderen Stellen.

vhh
16 Tage zuvor

‚In der Montessori-Pädagogik wird man für Fehler nicht bestraft‘- welche ernstzunehmende Pädagogik tut das? ‚Zu meiner Zeit‘ – die wieviele Jahrzehnte zurück liegt? ‚Neue Referendare’= gute Lehrkräfte, von denen andere (schlechte?) lernen sollen? ‚..dürfen…Erwachsene um Hilfe bitten‘ – nun ja, Bericht aus ‚zu meiner Zeit‘, als man Kinder nur sehen aber nicht hören durfte? ‚..unsere Kinder sind nicht zur Einzelarbeit verdonnert..‘ – wirklich erwähnenswert, welch Kontrast zu anderen Schulen, da gibt es nur ‚Heft ‚raus, Stillarbeit‘.
Der Staat stellt im Moment hohe Fördergelder zur Verfügung, damit Lehrkräfte Formen kennenlernen, …, dass sich deren Kompetenzen, …, wesentlich verbessern. Die Montessori-Pädagogik bietet dafür bereits ein breit gefächertes didaktisches Spektrum.‘ – Was soll das heißen? Verschwendet nicht das Geld, wir wissen es doch schon am besten? Lehren heißt auch, sich selbst und seinen Weg in Frage zu stellen, ich glaube nicht an magische Lösungen.
Wir = toll, alle anderen = alles schlecht. Geht es wirklich nicht ohne diesen alle Nichterleuchteten abwertenden Unterton in jedem zweiten Satz?

Hysterican
16 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Danke!!

kazoo
16 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Vielleicht etwas weniger Sonderzeichen und dann dafür die richtigen, etwas mehr zusammenhängende und vollständige Sätze schreiben und zwischendurch mal einen neuen Absatz beginnen.
Dann wäre Ihr Kommentar für alle besser verständlich.

potschemutschka
16 Tage zuvor
Antwortet  kazoo

Wer will, versteht auch so!

Besseranonym
16 Tage zuvor
Antwortet  kazoo

Korrigieren Sie noch nicht genug ?
Danke @ vhh, wie potschemutschka bereits schrieb – absolut gut zu verstehen.

vhh
16 Tage zuvor
Antwortet  kazoo
  • Zitate werden als solche gekennzeichnet,
  • Gedankenstriche trennen Zitat und Kommentar,
  • Punkte kennzeichnen Auslassungen in einem Zitat,
  • indirekte Rede kann man zum besseren Verständnis auch mit einfachen Anführungszeichen versehen.

Für die Gleichheitszeichen muss ich natürlich um Verzeihung bitten, die sind wirklich schwer verständlich und zusätzlich noch unvollständige Sätze.

Wer Ironie findet… (diese Punkte sollen bedeuten: Bitte führen Sie den Satz selbst zu einem passenden Ende)

Bla
16 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Hm, kann ich nachvollziehen, wenn man sich da „auf den Schlips getreten“ fühlt.
Bin mir allerdings nicht so sicher, ob die Interviewten und Sie jetzt das gleiche immer meinen. Vielleicht auch – wie so oft – der Interviewsituation geschulden. Bspw.:
„‚In der Montessori-Pädagogik wird man für Fehler nicht bestraft‘- welche ernstzunehmende Pädagogik tut das?“
Kommt jetzt drauf an, wie die Interviewte das meinte. Ich denke nicht, dass es um irgendwie Schläge oder dergleichen geht. Sondern bspw. „schon“ um Noten. Auch das kann man jetzt so oder so sehen … Aber Montessori hat normalerweise – zumindest bis zum Abschluss – meistens keine Noten. Dürfen viele Schulen auch rechtlich gar nicht erheben. Art der Anerkennung und des Konzepts.

“ ‚Zu meiner Zeit‘ – die wieviele Jahrzehnte zurück liegt?“
Naja, was soll man da sonst sagen? Natürlich wird das etwas her sein. Dementsprechend muss man halt bisschen mitdenken und das in „damalige“ Zeit eben bringen. Hat doch nichts mit aktuellen Regelschulen dann zu tun.

„? ‚Neue Referendare’= gute Lehrkräfte, von denen andere (schlechte?) lernen sollen? “
Geht dabei um die Art des Referendariats nehme ich an. Nicht um die Teilnehmenden im Vergleich zum staatlichen Referendariat. Also systematisch und nicht personell. Auch das kann man jetzt so oder so sehen. Ob es sinnvoll ist oder nicht kann man ebenfalls diskutieren und kritisieren. Die Namenswahl ebenfalls … Das finde ich auch etwas seltsam.

„‚..dürfen…Erwachsene um Hilfe bitten‘ – nun ja, Bericht aus ‚zu meiner Zeit‘, als man Kinder nur sehen aber nicht hören durfte? ‚..unsere Kinder sind nicht zur Einzelarbeit verdonnert..‘ – wirklich erwähnenswert, welch Kontrast zu anderen Schulen, da gibt es nur ‚Heft ‚raus, Stillarbeit‘.“
Hier bin ich mir auch nicht sicher, ob das wirklich so „im Vergleich zur Regelschule“ gemeint ist. Es geht halt um die Montessorischule/-pädagogik. Und einige Menschen denken durchaus, dass das Kind dann selbstständig (im Sinne von „nur Einzelarbeit) lernen. Immer.
Aber genau das ist es halt eben nicht: Die Lehrkräfte/LernbegleiterInnen sind auch da. Auch um zu helfen, wenn Hilfe gebraucht wird.
Ebenfalls dürfen SuS halt auch oft zusammenarbeiten oder eben einzeln. Aber halt nicht nur einzeln.
Das sind durchaus Punkte, welche nicht immer für jeden klar sind beim Thema „Montessori“. Aber ja … In einem Bildungsmagazin/Bildungsforum ist dieser Einblick ein anderer. Weiß nicht, ob das die Interviewten wussten und auch reflektier(t)en. „Wir“ haben da oft einen anderen Bezug und dementsprechend eine andere Perspektive, als wenn ein Elternteil fragt, „wie man dort so arbeitet“. Nur mal so als Perspektive.

„‚Der Staat stellt im Moment hohe Fördergelder zur Verfügung, damit Lehrkräfte Formen kennenlernen, …, dass sich deren Kompetenzen, …, wesentlich verbessern. Die Montessori-Pädagogik bietet dafür bereits ein breit gefächertes didaktisches Spektrum.‘ – Was soll das heißen? Verschwendet nicht das Geld, wir wissen es doch schon am besten?“
Generell stimmt das ja. Fördermaterialien sind viele im Materialbereich Montessoris vorhanden. Ob diese dann auch an Regelschulen oder generell alle „funktionieren“ lässt sich diskutieren und kritisch begutachten. Aber man kann ja „voneinander lernen und übernehmen“. Bspw. sind Perlenmaterialien in vielen Schulbüchern vorhanden als „Bilder“ … Der Umgang damit nicht. Braucht man im Bereich Schulbuchaufgaben auch nicht, schaden würde es allerdings auch nicht zu wissen, „was dahinter steckt“. Viele kennen den Zusammenhang (bzw. das das „Montessori-Material“ ist) auch nicht. Wie auch. Also: Materialien begutachten und dann evaluieren und bestenfalls für alle verbessern. Profitieren ggf. alle davon. Sehe ich eigentlich nichts falsches dran?
Aber auch hier: Die Montessori-Materialien sind teilweise extremst teuer … Da braucht man sich halt nicht wundern, wenn viele sich das nicht leisten wollen oder können. Auch das ist ein angemessener kritischer Punkt an Montessori und den Materialverlagen dahinter.

„Lehren heißt auch, sich selbst und seinen Weg in Frage zu stellen, ich glaube nicht an magische Lösungen.“
Definitiv und das ist auch eine Sache, welche viele Montessori-Anhänger eben lernen sollten/hinterfragen sollten. Einige „Urmontessoris“ sind da schon ziemlich … beschränkt … finde ich. Zum Glück habe ich persönlich in der Hinsicht tatsächlich überwiegend positive Erfahrungen machen dürfen. Kenne aber auch KollegInnen, welche diese anders machten.
Auch Herr Kaul und „seine Montessori-Ansicht“ ist nicht bei allen „Montessori-Anhängern“ beliebt. Da wären wir wieder bei „Montessori ist nicht immer Montessori“. Herr Kaul setzt bspw. wohl recht viele Materialien ein. Er gestaltet das eher offen und „herzlich“ (also im Sinne von wirklich lieb). Was ich bisher so mitbekommen habe. Andere Richtungen wie bspw. Saskia Haspel sind da oftmals mehr in „leeres Blatt und SuS erarbeitet selbst“. Wenig direkt an Materialkärtchen vorgeben und Fantasie stattdessen selbst anregen. Dazu Schreibvorbild durch ständiges „Kärtchen schreiben“. Wenige Bilder, dafür Gezielte.
Wichtig: Ich kenne persönlich beide Personen nicht. Das ist nur meine Einschätzung und „Hörensagen“. Dazu die Materialbereiche von beiden Seiten.
Beides finde ich persönlich absolut in Ordnung und beides ist meiner Meinung nach „montessorisch“ … Nur eben anders.

„Wir = toll, alle anderen = alles schlecht.“
Das ist denke ich tatsächlich das Letzte, was hinter Herrn Kaul so stecken würde. Zumindest von dem, was ich bisher von vielen KollegInnen gehört habe. Da gibt es ganz andere ‚Montessori-Seiten/Montessori-AnbeterInnen“.

„Nichterleuchteten abwertenden Unterton in jedem zweiten Satz?“
Mein ernsthafter Tipp, gerade weil ich wirklich nachvollziehen kann, warum Sie sich auf den Schlips getreten fühlen:
Lesen Sie das Interview/den Text nochmal und denken Sie nicht an den Vergleich zu Regelschulen usw. Einfach neutral, wenn es nur um „seine Montessori-Ansicht“ geht. So wie die Fragen auch gestellt sind. Es wird glaube ich kein einziger „Vergleich“ im Interview gefragt. Dann nochmal überlegen, ob ich falsch liege – das kann sein. Oder ob es einfach am Umstand Forum/Bezug/Interview liegt.

Palim
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Es bleibt eine Selbstdarstellung, als solche ist es wohl auch gedacht.

In Regelschulen gibt es durchaus mehr als Einzelarbeit, Wahl der Sozialform, offene Aufgaben uvm.

Bspw. sind Perlenmaterialien in vielen Schulbüchern vorhanden als „Bilder“ … Der Umgang damit nicht. „
Und auch Materialien findet man unzählige, es müssen nicht die Perlen sein, es gibt auch Dines oder anderes, Taktik zum Veranschaulichen und Handeln, man kann es passend zum Buch kaufen oder parallel nutzen.
Ähnliches gilt für Lehrwerke: Man kann Seite für Seite vorgehen oder sie als Gerüst nehmen oder den Unterricht selbst gestalten und das Buch als eine Übung einsetzen, neben vielen anderen konkreten oder abstrakten Aufgaben – oder entsprechend differenziert für unterschiedliche SuS, das geben ja Lehrwerke inzwischen auch her.

Zur Bestrafung: Es bleibt unklar, was gemeint ist, aber doch deutlich, dass man sich damit abgrenzen will. Aber auch bei Montessori haben Fehler Konsequenzen, die das Kind als Strafe auffassen kann.
An einigen Regelschulen gibt es inzwischen Berichte und notenfreie Zeugnisse bis weit in die weiterführende Schule hinein.
Eine Rückmeldung über die erlangten Fähigkeiten sollten es an jeder Schulform geben. Ist das dann eine Bestrafung?

Bla
15 Tage zuvor
Antwortet  Palim

„Es bleibt eine Selbstdarstellung, als solche ist es wohl auch gedacht.“
Naja, natürlich irgendwie. Ist doch logisch. Darum geht es doch auch bei einem Thema. Jedes Interview (und Fachthema) ist in gewisser Hinsicht eine (Selbst-)Darstellung.
Wenn man fragt „Wie ist das Referendariat (bei ihnen) aufgebaut?“ Ist das auch eine (Selbst-)Darstellung. Auch bei Projekten. Man hätte natürlich die Intention auch erfragen können – ob es dann eine aufrichtige Antwort drauf gäbe ist etwas anderes.

„In Regelschulen gibt es durchaus mehr als Einzelarbeit, Wahl der Sozialform, offene Aufgaben uvm.“
Sehe ich auch so. Je nach Lehrkraft.
Wird im Interview auch nicht negiert. Es wird eben nach Montessori gefragt. Und diesen Punkt hatte ich doch erklärt. Es gibt Leute, welche denken, dass die SuS an Montessori-Schulen nur Einzelarbeit machen. Dem ist halt nicht so. Sie nehmen hier den direkten Bezug zur Regelschule. Nicht ich. Ich habe an beiden „Schulformen“ gearbeitet. Mir ist das durchaus bewusst.

„Und auch Materialien findet man unzählige, es müssen nicht die Perlen sein, es gibt auch Dines oder anderes, Taktik zum Veranschaulichen und Handeln, man kann es passend zum Buch kaufen oder parallel nutzen.“
Klar, gibt es alles. Aber was ist jetzt der Punkt? Ich habe als Beispiel die Perlen in den (Regel-)Schulbüchern angesprochen und Sie haben erwähnt, dass es auch andere Möglichkeiten und Materialien gibt. Natürlich. Die gibt es ja sogar innerhalb Montessori-Materialien… Stangen, Perlen, Markenspiel … Darum ging doch mein Punkt nicht. Wäre im Prinzip ein Strohmann, aber ok. Aber dem stimme ich doch sogar zu. Viele Wege führen nach Rom. Trotzdem fand hier ersichtlich das Perlenmaterial Einzug in viele Schulbücher. Ist doch in Ordnung. Ich sagte auch, dass man dazu noch nichtmal die „Ansicht dahinter“ braucht. Auch das ist vollkommen in Ordnung. Es stellt halt eben die Zahlen dann einfach so dar. Damit kann man rechnen. Ganz einfache Sache.

„Ähnliches gilt für Lehrwerke: Man kann Seite für Seite vorgehen oder sie als Gerüst nehmen oder den Unterricht selbst gestalten und das Buch als eine Übung einsetzen, neben vielen anderen konkreten oder abstrakten Aufgaben – oder entsprechend differenziert für unterschiedliche SuS, das geben ja Lehrwerke inzwischen auch her.“
Klar. Man kann auch ganz ohne Lehrwerke heutzutage auskommen. Auch das geht. Man kann auch reine Bucharbeit/Lehrwerkearbeit machen. Man kann auch einen Mix aus verschiedenen Sachen machen. Geht alles. Verstehe allerdings jetzt immer noch nicht den Bezug zu meinem Beitrag diesbezüglich. Sehe ich auch so. Würde ich zustimmen.

„Zur Bestrafung: Es bleibt unklar, was gemeint ist, aber doch deutlich, dass man sich damit abgrenzen will. Aber auch bei Montessori haben Fehler Konsequenzen, die das Kind als Strafe auffassen kann.“
Definitiv. Sehen auch Montessori-Lehrkräfte untereinander verschieden. Auch die „Fehlerkontrolle“ kann ein Kind natürlich dazu bringen, sich schlecht zu fühlen. Kinder sind ja nicht dämlich. Die sehen auch, dass es ein Fehler ist. Auch bei der Korrektur kann das vorkommen. Auch, wenn man eine Klasse wiederholt/wiederholen muss. Wobei ich den Punkt vom Interview zwar nachvollziehen kann, wie man das meint, allerdings auch schwierig finde, es so zu deuten/nennen. „Bestrafung“ ist eben ein subjektives Gefühl. Und wenn jemand etwas schreiben soll und er/sie dies als „Bestrafung“ sieht, dann ist das halt für ihn/sie so. Finde „Bestrafung“ auch äußerst schlecht gewählt als Begrifflichkeit. Kann man natürlich zurecht kritisieren.

„An einigen Regelschulen gibt es inzwischen Berichte und notenfreie Zeugnisse bis weit in die weiterführende Schule hinein.“
Das ist doch schön. Hat trotzdem erst „Bedeutung“, wenn man das Interview „in Konkurrenz“ zur Regelschule betrachtet oder betrachten will. Ansonsten ist das doch irrelevant. Das Montessori-Konzept hat die direkte Benotung nicht. Um das ging es doch im Interview? Um Montessori -> Wie es Herr Kaul und Frau Abel verstehen (und lehren). Auch nicht sonderlich mehr. Ich würde sogar behaupten, dass einige „Montessoris“ nicht mit allen Punkten von Herrn Kaul übereinstimmen (würden).
Bspw.: „Denn digitale Medien sind nicht mehr wegzudenken.“ würde wahrscheinlich nicht jeder zustimmen. Ich sehe das persönlich auch so …digitale Medien sind nicht mehr wegzudenken.
Oder auch
„Kaul: Also es ist zum Beispiel so, dass wir zwar Inspiration bezüglich des Montessori-Materials geben, aber wir geben nicht mehr wie früher vor, wie das Material zu handhaben ist. Was dadurch oft passiert, ist, dass Kursteilnehmerinnen ganz neue Zugangsmöglichkeiten finden. Wir öffnen das dann, indem wir sagen: Großartig, zeig das mal allen. Damit komme ich als Dozent aus dieser extremen Führungsrolle heraus und bin in dem Moment selber auch Lernender.“
Würden wohl einige Seminare anders gestalten und sehen. Da ist das eben strikter als bei Herrn Kaul. Kommt halt immer drauf an, wo und bei wem man bspw. das Seminar macht. Manche sind offener und manche nicht.
Funktioniert beides. Es funktionieren auch viele andere Sachen. So ist das halt eben im Leben. Bestenfalls nimmt man überall für sich selbst und seine SuS eben die geeignetesten Sachen. Und testet auch, bei wem was funktioniert. Menschen – und dazu gehören auch Kinder – sind nicht alle gleich. Gilt somit für LuL und SuS. Sogar für Eltern.

„Eine Rückmeldung über die erlangten Fähigkeiten sollten es an jeder Schulform geben. Ist das dann eine Bestrafung?“
Für manche schon. Ist halt ein Empfinden. Das kann schon bei einem Gespräch als „Bestrafung“ wirken. Oder bei einer Korrektur. Oder eben bei einer „Nicht-Korrektur“. Oder bei Förderstunden. Der Begriff „Bestrafung“ ist meiner Meinung nach einfach äußerst unglücklich gewählt. Das sehe ich auch anders. Für einige SuS sind Noten zudem keine Bestrafung. Auch das kann man mal erwähnen im fairen Diskurs. Es gibt halt SuS, welche „den Notendruck“ oder generell Noten (auch ohne Druck) wollen und brauchen. Manche machen sonst halt auch nichts. Auch das gehört zur Realität. Sehen paar Montis genauso, paar anders – genauso wie LuL an Regelschulen. Ist halt so in einer Gesellschaft.

vhh
15 Tage zuvor
Antwortet  Bla

Nicht auf den Schlips getreten, nur etwas ermüdet von der immer wiederkehrenden Art der Darstellung hier.
Meine persönliche Meinung zu Montessori ist weder gut noch schlecht, insofern liegt es wohl auch an der Art der Antworten, falls ich alles komplett falsch verstehen sollte. Kommunikation hat bekanntlich mehrere Seiten.
Strafen: haben Noten in der Regelschule eine Straffunktion? Rückmeldung, Bewertung, wenn es sein muss auch Selektion, aber Strafe? Eine Sichtweise, die Regelschulen von vornherein einen defizitären Ansatz zuschreibt.
Über die Referendare könnte man lange streiten, aber eigentlich ist jedes Referendariat Mist, das am Ende über Beruf oder nicht entscheidet. Ob eine brauchbare Praxiskomponente ‚Neues Referendariat‘ heißt und Montessoripädagogik unterrichtet ist egal. Es sollte nur weg von Defizitorientierung und autoritären Grundstrukturen, dann kämen auch an Regelschulen ‚gute Lehrkräfte‘ dabei heraus.
‚dürfen …fragen‘, o.k., vielleicht war ihnen wirklich der Adressatenkreis nicht bewußt. Auch Professoren sollten allerdings bei einem Interview an Kommunikationstheorie denken.
Bei den Materialien stört mich tatsächlich die Formulierung. Nicht ‚man könnte doch einmal miteinander reden‘, sondern ‚wir haben schon‘. Regelschulen übernehmen seit Ewigkeiten Ideen der Reform- oder auch Montessoripädagogik. Das dauert meist auch diese Ewigkeiten, aber alle Lehrkräfte sind doch auf der Suche nach Wegen, um die Schüler noch irgendwie zu erreichen. Vieles ist nur mit unglaublichem Aufwand übertragbar, Aufwand der nicht mehr zu leisten ist. 30 Jugendliche mit Migration, Förderbedarf, ADHS, ADS, LRS, schwerwiegenden psychischen Problemen, desinteressierten Eltern, wenig Gruppengefühl: ja, da gibt es Montessoriansätze, aber es müssten alle unterrichtenden Lehrkräfte immer konsequent danach arbeiten. Die Materialien funktionieren sicherlich, aber die Menschen, die sie verwenden sind andere als in Montessorischulen. Die Schülergruppen vermutlich auch, da deren Eltern ein gewisses Interesse haben müssen, das notwendigerweise auch dem Befinden ihres Kindes gilt.
Nach zweitem Lesen habe ich immer noch den Eindruck, dass Herr Kaul in der Begeisterung für seine Arbeit nicht ausreichend auf die Voraussetzungen achtet und deshalb seine Ideen verallgemeinert. Er sieht das als überall anwendbare Lösungen, das tun aber auch alle Pädagogen, die uns mal Kompetenzorientierung, mal Gruppenarbeit, mal Frontalunterricht oder auch Projektarbeit empfehlen. Immer richtig ist keiner dieser Wege. Montessorigedanken können sicher Beiträge liefern, aber ich bin gegen alles, was Lernen in ein Schema einordnet. Das erlebe ich gerade in meiner Schule, wo die Klassen immer heterogener werden, bei gleichzeitigen Vorgaben, den Unterricht zu formalisieren und jede Klasse mit den gleichen Materialien zu versorgen, alles im Namen der Effizienz.

Bla
15 Tage zuvor
Antwortet  vhh

Denke ich auch. Sprache wirkt und sie wirkt auch im Kontext und Bezug zur „Zielgruppe“ (unterschiedlich). Das ist verständlich.

Nein. Ich zitiere mal aus dem Interview:
„Dazu wiederum muss man verstehen, dass Lernen heißt, zu entdecken und zu erforschen. Und dazu gehören Fehler. In der Montessori-Pädagogik wird man für Fehler nicht bestraft, und das gibt der Beziehung zwischen Schüler:innen und Erwachsenen eine große Sicherheit.“
Hier gibt es keinen Bezug zur Regelschule. Noch nichtmal zu Noten. Davon ist halt einfach nicht die Rede. Was Fakt ist, ist die Aussage. Alles andere basiert auf (individueller) Interpretation. Sie vergleichen es hier mit der Regelschule. Das ist im Kontext des Forums hier auch irgendwie absolut nachvollziehbar. Also: Als Fakt haben wir diese Aussage [nur, dass sie da ist]. Die steht mal einfach für die Montessorischule bzw. -pädagogik [aus Sicht von Frau Abel] hier. Ob das stimmt oder nicht müsste man natürlich erst beweisen oder evaluieren. Die Aussage steht einfach mal. Sie steht auch in keinem Bezug zu anderen Systemen. Das müsste man erst hineininterpretieren (als indirekten oder sogar direkten Bezug). Ob das so gemeint ist, weiß weder ich noch werden Sie das wissen. Dazu müsste man Frau Abel selbst fragen oder sie müsste (z. B. hier) darauf Bezug nehmen und das (er)klären.
Das „müssen“ wir trennen. „Was interpretiere ich“ und „was meint die Person“. Das 1. kann man immer machen. Das 2. erst durch Nachfrage (oder Klarstellung der Interpretation/These).
Soll heißen: Es könnte sogar gar keinen Bezug zu Noten haben und/oder Regelschulen. Es könnte auch einfach für sich „als Fakt“ stehen oder als Bezug zu damals (wo Montessori ihr Konzept machte), wo Kinder durchaus noch geschlagen wurden und sie bei Fehlern ggf. bloßgestellt wurden. Auch das wäre eine mögliche Interpretation der Aussage. Wissen wird nur sie, was sie tatsächlich meinte.

Ja, sehe ich auch so. Das staatliche Referendariat finde ich als sehr … kritisch.
Aber auch das „Neue Referendariat“ muss/sollte kann man natürlich kritisch betrachten. Als Beispiele wären: Es hat keine staatliche Anerkennung. Ich persönlich bezweifel momentan auch, dass die in dieser Form so kommen wird. Das „Neue Referendariat“ ist auch keine wirkliche Alternative zum Montessori-Diplom. Soweit ich weiß gibt es dazu auch keine „Anerkennung“. Es ist im Prinzip eine lange individuelle Fortbildung. Hier stellt sich dann die Frage, wozu machen, wenn eigentlich keine Anerkennung und mit Sicherheit nicht wenig Aufwand? Die Antwort wäre sehr individuell und bspw. „aus Interesse und um sich montessorisch Weiterzubilden“ – jedoch eher zusätzlich zum Montessori-Diplom bspw.
Gefühlt (wirklich nur als Gefühl) habe ich den Eindruck, dass hier tatsächlich „menschlicher“ umgegangen wird mit einem. Habe allerdings keinen Bezug zum „Neuen Referendariat“. Warum sollte man hier auch anders „ausbilden“, wenn es selbst oder durch die Schule bezahlt wird? Man wird jetzt nicht unbedingt Leute vergraulen wollen. Als wirklich anerkannter Abschluss gilt es auch nicht … Sehe da keinen Grund zu.

„dürfen …fragen‘, o.k., vielleicht war ihnen wirklich der Adressatenkreis nicht bewußt.“
Weiß ich nicht. Das könnte wahrscheinlich die Redaktion jedoch etwas aufklären.

„Auch Professoren sollten allerdings bei einem Interview an Kommunikationstheorie denken.“
Welche Professoren denn? Ich wüsste immernoch nicht, dass Herr Kaul oder Frau Abel eine Professur hätten. Kann mich da aber irren. Ich wüsste nichtmal, dass sie einen Doktor hätten. Herr Kaul ist Kurator einer Uni. Ohne Professur, soweit ich das jetzt sehen würde.
„Die Universitätsschule erhält seit Oktober 2021 Unterstützung durch ein hochkarätiges Kuratorium. Mitglieder sind die frühere Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst im Freistaat Sachsen, Dr. Eva-Maria Stange, der Altrektor der TU Dresden und Präsident der Dresden International University, Prof. Hans Müller-Steinhagen, und Claus-Dieter Kaul, Leiter der renommierten Biberkor-Akademie.“
Wrd auch ohne „Prof.“ und ohne „Dt.“ hier gelistet. [https://universitaetsschule.org/]
Ob er jetzt in Kommunikationstheorie und -praxis speziell geschult ist … Weiß ich nicht.

„Regelschulen übernehmen seit Ewigkeiten Ideen der Reform- oder auch Montessoripädagogik. Das dauert meist auch diese Ewigkeiten, aber alle Lehrkräfte sind doch auf der Suche nach Wegen, um die Schüler noch irgendwie zu erreichen. Vieles ist nur mit unglaublichem Aufwand übertragbar, Aufwand der nicht mehr zu leisten ist.“
Absolut. Andersrum zum Teil auch. Je nach Montessorischule gibt es natürlich auch Lehrwerke (Regelschulbücher). Da braucht man sich auch nicht immer was vormachen. Gerade in höheren Stufen fehlt oft das Montessori-Material. Dann muss man sich durchaus auch anderen Methoden bedienen und sie bestenfalls kombinieren. Viele Montessori-Materialien sind auch noch nicht in Deutschland „angekommen“ bzw. erst über die Jahre immer mehr. Amerika ist da oft montessorisch weiter. Auch das ist eben ein Punkt, den man mal bedenken kann.

“ 30 Jugendliche mit Migration, Förderbedarf, ADHS, ADS, LRS, schwerwiegenden psychischen Problemen, desinteressierten Eltern, wenig Gruppengefühl: ja, da gibt es Montessoriansätze, aber es müssten alle unterrichtenden Lehrkräfte immer konsequent danach arbeiten. Die Materialien funktionieren sicherlich, aber die Menschen, die sie verwenden sind andere als in Montessorischulen.“
Es müssten auch alle Montessori-Lehrkräfte danach arbeiten. Auch das ist nicht immer der Fall. Das sollte auch in einen ehrlichen Diskurs über/zu Montessori(schulen). Ebenfalls müssten sie dazu ausgebildet sein. Klar. Einige Sachen kann man allerdings bestimmt für sich „rauspicken“. Auch „das darf sein“.

„Die Schülergruppen vermutlich auch, da deren Eltern ein gewisses Interesse haben müssen, das notwendigerweise auch dem Befinden ihres Kindes gilt.“
Im Schnitt mit Sicherheit. Dazu gibt es halt auch die EMA (Elternmitarbeit). Das (ver)bindet dann häufig zusätzlich etwas. Sie zahlen auch in den meisten Fällen. Auf der anderen Seite sind ggf. eben auch hohe/höhere Forderungen (an die Schule).
Bei SuS/Eltern: Wer wechselt denn häufig? SuS/Eltern, welche das Regelschulprinzip (oder die Regelschule vor Ort) zum Kotzen finden. SuS/Eltern, welche dort nicht klar kommen: Von „Problemfällen“, „sehr schwierige Kinder“ bis hin zu Prüfungsangst. SuS/Eltern, welche den Kindern „ihre individuelle Zeit“ ohne viel Druck geben wollen, SuS/Eltern, welche wirklich hinter der Montessori-Pädagogik stehen. SuS/Eltern, welche „sondieren“. SuS/Eltern, welche eine besondere Förderung haben wollen (oder sich zumindest erhoffen, bspw. durch Workshops, Schulangebote, Förderlehrkräfte, Doppelbetreuungen, weniger Unterrichtsausfall). Usw. das Feld ist recht breit – so wie die Gründe auch.

„Nach zweitem Lesen habe ich immer noch den Eindruck, dass Herr Kaul in der Begeisterung für seine Arbeit nicht ausreichend auf die Voraussetzungen achtet und deshalb seine Ideen verallgemeinert. Er sieht das als überall anwendbare Lösungen, das tun aber auch alle Pädagogen, die uns mal Kompetenzorientierung, mal Gruppenarbeit, mal Frontalunterricht oder auch Projektarbeit empfehlen.“
Das würde ich persönlich auch nicht ausschließen. Vielleicht ist es „ein Bubbledenken“. Vielleicht ist er wirklich überzeugt (was ich glaube). Vielleicht ist ihm sogar bewusst, dass das nicht überall so funktionieren würde. Vielleicht würde es das, wenn in einer Utopie eben die Rahmenbedingungen herrschen. Das kann man eben nur mutmaßen an dieser Stelle. Es gibt auch „Montessoris“, die denken, dass das überall super und ohne Probleme funktionieren würde. Die meisten, welche ich kennenlernen durfte sind nicht so. Zum Glück.
Natürlich muss man auch immer im Hinterkopf haben, dass man hier indirekt wirbt. Das ist selbstverständlich so. Man bietet Seminare usw. an. Wirtschaft tickt mitunter so. Sonst wäre alles gratis und gratis zugänglich. Das Leben funktioniert überwiegend über Geld als Ressource (oder stellvertretende Ressource). Logischerweise wird man eher die positiven Seiten als Werbung aufzeigen. Ganz klar. Die gibt es halt eben auch meiner Meinung nach. Das schließt allerdings nicht die kritische Betrachtung von einigen Sachen aus.

„Immer richtig ist keiner dieser Wege. Montessorigedanken können sicher Beiträge liefern, aber ich bin gegen alles, was Lernen in ein Schema einordnet. Das erlebe ich gerade in meiner Schule, wo die Klassen immer heterogener werden, bei gleichzeitigen Vorgaben, den Unterricht zu formalisieren und jede Klasse mit den gleichen Materialien zu versorgen, alles im Namen der Effizienz.“
So ist es. Kein Konzept ist perfekt. So auch mit Sicherheit Montessori in „Vollform“ nicht. Die gibt es halt auch nicht in der Praxis. Maria Montessori starb, bevor vieles „ausgearbeitet“ wurde. Im Bereich E1 und E2 (Kinderhaus und Grundschule bis 6. Klasse) ist Montessori echt sehr gut aufgestellt. Darüber hinaus … Kann man diskutieren. Das ist berechtigt meines Erachtens nach. Auch, ob sowas wie der Erdkinderplan (Theorie Montessoris) ab Klasse 7 in Deutschland in „Urform“ möglich ist. Salopp gesagt: Nicht jeder hat einen Bauernhof in der Gegend und jeded Bauer hat Bock auf einen Haufen pubertierende Kids. Sowas aufzuziehen kannste in den meisten Orten sowieso vergessen. Auch der „Auflagen“ halber. Daher muss man oft – auch als Montessorischule – eben Kompromisse eingehen und Sachen verbinden. Beispielsweise auch den Lehrplan, zwecks späterer Abschlüsse. Die hatte Montessori logischerweise nicht in unserer heutigen Form direkt auf dem Schirm.
Was bspw. auch so eine Sache ist: Viele Montessorilehrkräfte machen halt die ersten zwei Jahre das Montessori-Diplom nebenberuflich. Logischerweise werden diese meistens die Materialien und den Umgang innerhalb dieser Zeit nicht so handhaben, wie erfahrenere/langjährige „Montessoris“. Daher: Wie sinnvoll ist die Ausbildung berufsbegleitend? Das ist eben auch ein Kompromiss, damit man genug Lehrkräfte hat. Wer bringt denn schon das „Volldiplom“ gleich mit? Neben dem staatlichen Studium? Kenne ich tatsächlich – jedoch eher sehr wenige Personen.

Dagmar Schäfer
12 Tage zuvor

Eine Bildungswende in den staatlichen Grundschulen ist Grundlage!

Jede Grundschulklasse braucht ein pädagogisches Verantwortungs-Team.
Unterschreiben Sie bitte die Initiative
https://www.openpetition.de/!jxbss

Dass Kinder und Jugendliche in Inklusion zu Demokraten/Innen mit freiheitlichen Grundwerten werden, erreichen wir niemals durch „Unterrichten im Stressbetrieb“, sondern dadurch, dass sie diese Werte von Anfang an erfahren und erleben können.

Dies beginnt spätestens in einer Grundschule, wo sich jedes Kind gesehen und gehört fühlen kann, wo es als anerkanntes Mitglied sein Potential entwickeln kann. Und in der Gruppe lernt, miteinander zu sprechen,Unstimmigkeiten zu klären und Engagement zeigen darf.
Doch leider lassen wir unsere Grundschulen seit Jahrzehnten im Stressbetrieb laufen und begnügen uns mit gutgemeinten Leitbildern und Lehrplänen, die aber im Realbetrieb ihre Ziele weit verfehlen.

Wer nachdenkt, weiß, dass wir chancengerechte und inklusive Bildung – und genauso wichtig: Bildung, die die jungen Menschen fähig zur Demokratie, zum konstruktiven Engagement macht – nur erreichen, wenn wir den Kindern einen Rahmen geben, in dem sich jedes freudig angenommen, integriert und gut gefördert weiß. Das braucht Personal und eine klare Absicht, die nicht nur auf dem Papier steht.
In 10 Jahren können wir dort sein, wenn jetzt Wahrheiten ausgesprochen und berücksichtigt werden.

Bitte unterschreiben Sie dafür die Initiative
https://www.openpetition.de/!jxbss