Vereine beklagen: Zu wenig Platt im Unterricht trotz „Niederdeutsch-Gesetz“

9

POTSDAM/WITTSTOCK. Trotz eines Niederdeutsch-Gesetzes bleibt Plattdeutsch an Schulen in Brandenburg nach wie vor ein Projekt ehrenamtlichen Engagements. Viele Bestimmungen des Gesetzes seien noch zu vage, beklagen Vereinsvertreter.

Die Tradition lebt (auch in Gestalt dieser Spreewald-Gurke). Foto: Shutterstock

Obwohl Brandenburg im Juni als erstes deutsches Bundesland ein Niederdeutsch-Gesetz beschlossen hat, gibt es nur in wenigen Orten Plattdeutsch-Unterricht für Kinder. Die Regionalsprache sei weiterhin kein ordentliches Schulfach im Land, beklagt Astrid Flügge, Geschäftsführerin des Vereins für Niederdeutsch im Land Brandenburg.

Aktuell gebe es fünf Ehrenamtliche – vorwiegend im Norden Brandenburgs -, die Plattdeutsch als Arbeitsgemeinschaft außerhalb des Schulunterrichts anbieten. Entsprechende Projekte gebe es in Prenzlau (Uckermark), in Putlitz und Bad Wilsnack (Landkreis Prignitz), in Rheinsberg und Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) sowie in Lunow (Barnim). Etwa 50 Schülerinnen und Schüler – die meisten im Grundschulalter – nehmen den Angaben zufolge derzeit an dem freiwilligen Angebot teil. «Plattdeutsch als ordentliches Unterrichtsfach ist noch Zukunftsmusik», sagte Flügge.

Sie begrüßte zwar das neue Niederdeutsch-Gesetz, allerdings seien viele Bestimmungen noch zu vage. Das Gesetz beschreibe die Sprachgebiete und sichere die öffentliche Zweisprachigkeit und politische Einflussmöglichkeiten der Sprechergruppe zu, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. Zudem eröffne es Möglichkeiten der Förderung von Plattdeutsch im Bildungsbereich.

Aber: «Wir hätten uns weiterreichende Festlegungen für Kita und Forschung beziehungsweise die damit in Verbindung stehenden Finanzierungsfragen für die Kommunen gewünscht», schreibt der Verband.

Ein Problem sei, dass es in der Region keine universitäre Ausbildung für Niederdeutsch-Lehrer gebe. Entsprechende Angebote gebe es an den Universitäten in Greifswald, Kiel und seit Kurzem auch in Oldenburg (Niedersachsen). Der Verein habe allerdings in ehrenamtlicher Arbeit im Jahr 2020 die «Brannenborch Plattfibel» veröffentlicht, um Schülern ab der 3. Klasse den Einstieg in die Regionalsprache zu ermöglichen.
Niederdeutsch für viele Kinder Fremdsprache

Bis es niederdeutschen Schulunterricht in Brandenburg gebe, seien noch dicke Bretter zu bohren, sagt auch Heidi Schäfer aus Sewekow bei Wittstock (Dosse), die Brandenburg im Bundesrat für Niederdeutsch vertritt. Sie bietet seit 16 Jahren eine «Kinnerschool» mit aktuell sechs Schülern bis zur 7. Klasse an. Der Nachmittagsunterricht sei für Kinder allerdings oft sehr belastend.

Zudem sei Niederdeutsch für viele Kinder mittlerweile eine Fremdsprache. «Sie haben Plattdeutsch seit zwei, drei Generationen nicht mehr gehört», sagte Schäfer. Deswegen sei es wichtig, schon in der Kita mit der Sprachförderung zu beginnen. Ein entsprechendes Modellprojekt als freiwilliges Angebot gebe es etwa in der Kita Kinderland in Wittstock (Dosse). News4teachers / mit Material der dpa

Plattdeutsch als Schulfach: Uni bildet Lehrkräfte aus – warum eigentlich?

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

9 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Katze
13 Tage zuvor

Dafür wird der Unterricht in seiner fachlichen Qualität immer platter gemacht und das nicht nur zur Sauregurkenzeit.

Indra Rupp
12 Tage zuvor
Antwortet  Katze

11 Uhr Frühschoppen!

Inselbegabung
13 Tage zuvor

Naja, naja, wenn man realistisch ist, ist klar, dass man mittels ein paar Stunden Plattdeutsch, in denen die Kinder Reime, Verse, Lieder auf Platt lesen und lernen, Niederdeutsch nicht mehr retten kann. Es fehlt ein plattdeutsches Sprachmilieu im Alltag.

Dieser deutsche Dialekt – und das ist es eben in Wirklichkeit – wird wie die meisten anderen deutschen Dialekte über kurz oder lang aussterben. Das liegt an der Generation unserer Eltern bzw. Großeltern, die Dialekte geringgeschätzt haben. Leider. Ich bedaure es!

Inselbegabung
13 Tage zuvor

Zudem sei Niederdeutsch für viele Kinder mittlerweile eine Fremdsprache. «Sie haben Plattdeutsch seit zwei, drei Generationen nicht mehr gehört», sagte Schäfer.

Eben! Es ist zu spät.

Indra Rupp
12 Tage zuvor

Kiek es! De lütten Gör’n solln wohl Platt kürn (snacken)? Denn man tau! „So’n schiet!“ mach wohl geh’n. “ So eine sch**ße“ bloß mit Gendersternchen.

Indra Rupp
12 Tage zuvor

11 Uhr is Frühschoppen (erstes Bierchen in den Bauernküchen des Kreises Vechta!) Un später geit’s für Kaffee Un Kuchen in die gute Stube (weniger Fliegen). Un da kürn/proaten/snacken wir über de gode olde Tiet!
Opa Herman is ’87 g‘ storbn un wir kennen ihn alle nur ohne Hoare oppn Kopp! Old hatt er eh käine mehr gehoabt, jung war Kriech und als er lütt war, war ja och Kriech! Also immer koaum Hoare oppn Kopp!
Un er hoatte 10 Gschwister! Äins hoatte mal neue Holzpantienen b’komme. Un da sin die Kinners in Schwienestall un ham de neue Schuhe mit Schiet voll g’schmiert. Denn wenn Vadder nach Hause kümmt, rastet er aus vor Wut, dass da äiner neue Schuhe b’komme hat!

(Ihr wisst gar nicht, was ich gerade für einen Kampf mit meiner Autokorrektur hatte!)

Kittel
11 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Und wozu das Ganze? Damit wir sehen können, wie Plattdeutsch ist?

Indra Rupp
11 Tage zuvor
Antwortet  Kittel

Wer Dag vor Dag sien Arbeit deit und jümmer uppn Posten steigt und deit dat gut und deit dat gern, der darf sick och mal amüsern!

potschemutschka
10 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

🙂