“Rufschädigend”: Familie entzieht Otfried-Preußler-Gymnasium das Namensrecht

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PULLACH IM ISARTAL. Seit 2013 trägt das Gymnasium in Pullach den Namen Otfried Preußlers – eine Wahl, die seit Monaten sehr umstritten ist. Nun zieht die Familie eine Konsequenz.

Otfried Preußler zählt zu den bekanntesten Kinderbuchautoren im deutschsprachigen Raum. Foto: Markus Schlaf / Wikimedia Commons CC BY-SA 4.0

Das staatliche Gymnasium in Pullach darf sich nach dem Willen der Familie von Otfried Preußler nicht mehr nach dem Kinderbuchautor («Der Räuber Hotzenplotz») benennen. «Es wäre keinesfalls im Sinne des Namensgebers, dass eine Schule seinen Namen tragen muss, obwohl sie diesen massiv ablehnt», teilte Preußlers Tochter und Testamentsvollstreckerin Susanne Preußler-Bitsch mit. Sie ziehe die erst 2013 erteilte Nutzungserlaubnis daher zurück.

Preußler-Bitsch erklärte weiter, sie reagiere auch auf einen nach ihrer Ansicht unwürdigen, rufschädigenden Umgang des Gymnasiums mit ihrem verstorbenen Vater. «Es geht auch darum, künftig weiteren Schaden von Schule, Autor und Kultusministerium abzuwenden.» Durch die Rücknahme der Zustimmung werde die Schule von dem ungeliebten Namen befreit.

Das Pullacher Gymnasium begründete seine ablehnende Einstellung unter anderem mit Preußlers früherer Zeit als Soldat sowie seinem Frühwerk «Erntelager Geyer», das er 1940 als 17-Jähriger verfasst hatte. Darin werde das Leben in der Hitlerjugend beschönigt, wie es hieß. Auch die in einigen Werken dargestellten Konfliktlösungsstrategien durch Gewalt und/oder Hexerei seien fragwürdig, befand die Schulleitung und beantragte die Rückkehr zum früheren Namen, Staatliches Gymnasium Pullach im lsartal. Auch das Kultusministerium war damit befasst, hatte aber zu Beginn des neuen Schuljahres noch nicht entschieden.

Die Werke des 2013 verstorbenen Preußler zählen zu den Klassikern der Kinder- und Jugendbuchliteratur, darunter «Die kleine Hexe» oder «Krabat». Mit 17 war Preußler zur Wehrmacht gekommen, mit 20 in Gefangenschaft geraten. 1945 wurde die Familie aus dem Sudetenland vertrieben und kam nach Rosenheim. 1949 folgte Preußler nach seiner Freilassung. News4teachers / mit Material der dpa

Das Otfried-Preußler-Gymnasium will sich umbenennen (wegen Vergangenheit des Autors): Richtiges Zeichen oder voreilige Anpassung?

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Dr. Specht
1 Jahr zuvor

Wenn eine Schule nicht mehr nach Otfried Preußler benannt werden soll, dann steht bei den zahlreichen Rudolf-Steiner-Schulen der dann folgerichtige Schritt zur Namensänderung noch aus.

AvL
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Aber die Homöopathie steht doch ganz hoch im Kurs bei all den Querdenkern.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Die Janosch-Schulen müssten dann auch für eine Umbenennung sein. Es sei denn, sie lassen einem Grantler seine eigene Meimnung über das Leben, Frauen, Kinder und die Kirche.

Ich entsinne mich an eine Zeit, als Erzieherinnen Helme Heine vorzogen und den bei Kindern beliebteren Janosch schlagARTIG ablehnten, nachdem diesem in den Medien Frauenfeindlichkeit vorgeworfen worden war. Und was hat Tomi Ungerer für tolle Kinderbücher gemacht! Seine Arbeiten für Erwachsene könnten (wenn es so weitergeht) noch dazu führen, dass sich das nach ihm benannte Museum einen anderen Namen suche will…

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dr. Specht

Da ist der Name allerdings Programm, und sie hießen schon immer so.

Fräulein Rottenmeier
1 Jahr zuvor

Na endlich!
Nun hat die namensgebende Familie entschieden und das Thema ist hoffentlich durch…..

Dr. Vogel
1 Jahr zuvor

Diesen dämlichen Kommentar verstehe ich nicht? Warum sollte eine Schule sich von einem der wichtigsten Denker wie Steiner trennen?

Dr. Specht
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dr. Vogel

Sehr geehrte*r Dr. Vogel,

mit “dämlich” ist das so eine Sache, wenn man Rudolf Steiner selbst zu Wort kommen lässt, wie etwa der Deutschlandfunk berichtete:

„Der N**** (“N-Wort”) hat ein starkes Triebleben, und weil er eigentlich das sonnige Licht und Wärme da an der Körperoberfläche in seiner Haut hat, geht sein ganzer Stoffwechsel so vor sich, wie wenn in seinem Innern von der Sonne selbst gekocht würde. Daher kommt das Triebleben. Im N**** wird da fortwährend richtig gekocht, und dasjenige, was dieses Feuer schürt, das ist das Hinterhirn.“ (Die bewusste Nicht-Nennung des “N-Worts” stammt von mir.)

https://www.deutschlandfunkkultur.de/rudolf-steiner-und-die-anhaenger-der-waldorfschule-auf-dem-100.html

Es gibt noch weitere gesicherte Zitate von dieser fragwürdigen Güte. Wie erklären Sie diese zutiefst rassistischen Äußerungen im Bildungsbereich tätigen Menschen, wie etwa Frau Schulamtdirektorin Brokowski-Shekete, mit der n4t in diesen Tagen ein beeindruckendes Interview führte?

Steiner verbreitete seine durch seine “Hellseherorgane” (Selbsteinschätzung) gewonne Lehre auch noch in der Zeit der ersten deutschen Demokratie mit Friedrich Ebert von der SPD als Reichspräsidenten, nur wenige Jahre vor der NS-Zeit. Otfried Preußler distanzierte glaubwürdig sich von seinen Verirrungen, Rudolf Steiner nicht, dessen Anhänger*innen konnten sich bis heute noch nicht aufraffen, sich von ihm zu emanzipieren. Warum nicht?

Dr. Specht
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Liebe Redaktion,

wie kann man sich von solchen schlimmen und kruden Aussagen distanzieren und trotzdem im nächsten Jahr diesem Herren offiziell und salbungsvoll zu gedenken:

Wie würde unsere Welt heute aussehen, wenn Rudolf Steiner nicht vor 100 Jahren Anregungen gegeben hätte, wie eine zukunftsfähige Landwirtschaft, menschliche (sic!) Pädagogik und Medizin, gerechte Wirtschaft etc. aussehen können? Was würden wir dem Materialismus unserer Zeit entgegnen, wenn die Anthroposophie uns nicht von Zeit zu Zeit an die geistigen und seelischen Seiten des Menschen und der Welt erinnert?

https://www.waldorfschule.de/termine-aktuelles/steiner-2025

Allein dieses offizielle Zitat von heute zeigt den Widersinn und die Hybris: Die Wissenschaft war schon 1925 so ausdifferenziert, dass kein einzelner Mensch innovative Anregungungen in Pädagogik, Medizin, WIrtschaftswissenschaften Agrarwissenschaften und Philosophie gleichzeitig geben konnte. Das gilt weder für Albert Einstein noch für Max Weber, für Rudolf Steiner schon überhaupt nicht. Die Lehre von “Atlantis” oder der “Jahrsiebte der menschlichen Entwicklung” sind höchstens eine Parodie von Wissenschaft.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Otfried Preußler war zehn Jahre alt, als die Nazis an die Macht kamen. 1945 war er 22.
Ich glaube 1942, also mit 19 wurde er Soldat, geriet mit 20 Jahren in Gefangenschaft und kehrte erst 1949 zurück.
Er hat sich als Jugendlicher, wie viele andere auch, für die HJ begeistert. Die Kinder und Jugendlichen waren damals indoktriniert und manipuliert von erwachsenen Nazis und dazu angehalten sogar die eigenen Eltern zu bespitzeln. Was erwarten wir eigentlich von einem 17jährigen, der unter den Nazis groß geworden ist?
Ich gehe zu 100% davon aus, daß Otfried Preußler längst kein Nazi mehr war, als er im Alter von etwa 26 Jahren aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte.
Er hat mit dem Buch “Krabat” sehr wohl erkennen lassen, daß er sich von seiner jugendlichen Begeisterung für die Hitler-Jugend und den Nationalsozialismus distanziert.
Vielleicht war eben das genau seine Art, sich zu positionieren und vielleicht hielt er das nun mal für deutlich genug.
Mit welcher Selbstgerechtigkeit wird hier über einen Menschen geurteilt, der leider zur falschen Zeit Kind war?
Wären wir mit 17, aufgewachsen unter der Nazi-Diktatur, alle tapfere Widerstandskämpfer geworden? Oder hätten wir uns evtl. auch blenden und manipulieren lassen von abenteuerlicher “Lagerromantik” und Fackelschein und dem ganzen Zinnober, den die Nationalsozialisten ja gerade deswegen veranstaltet haben, um die Kontrolle über die Kinderköpfe zu erlangen.
Otftied Preußler hat in den ganzen über 60 Jahren, die ihm nach 1949 noch blieben, deutlich gezeigt, daß er ein integrer, sozial engagierter Mensch ist, der nichts, aber auch gar nichts mit totalitären Ideologien, welcher Art auch immer, am Hut hat.
Er hat Generationen von Kindern mit seinen Büchern Freude beteitet. Noch heute sind seine Geschichten aktuell und erfreuen sich bei Kindern uneingeschränkter Beliebtheit.
Er ermöglicht es Kindern in eine Welt voller Phantasie und Abenteuer einzutauchen und bei so manchem die Liebe zum Lesen zu entfachen.
Er ist Schöpfer unzähliger, ausgesprochen liebenswerter Gestalten, die sich mit Mut und Vorwitzigkeit dem “Bösen” entgegenstellen und am Ende immer gewinnen. Was gibt es Schöneres für Kinder, als sich in diese wunderbare, spannende und trotzdem irgendwie immer ein wenig “heile” Welt hineinziehen zu lassen und gemeinsam mit der kleinen Hexe, dem Hörbe mit dem großen Hut, dem kleinen Wassermann und dem kleinen Gespenst auf dem Blocksberg zu tanzen, durch die Worlitzer Wälder zu streifen, den Mühlenweiher zu durchqueren Ketten rasselnd durch die Burg zu geistern und nicht zuletzt mit Kasperl, Seppel, der Großmutter und Wachtmeister Dimpfelmoser den Räuber Hotzenplotz unschädlich zu machen.
Mir ist es sch…egal, ob der Autor dieser wunderbaren Geschichten, als verirrter 17jähriger etwas geschrieben hat, was er später sicher bereut hat.
Wie selbstgerecht muß man sein, heute, aufgewachsen in Freiheit, Demokratie und Wohlstand, über den Menschen Otfried Preußler urteilen zu wollen.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion
potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Nö, aber die hattennach dem Krieg verantwortliche Ämter inne, in Politik, Justiz, … und waren zur Zeit des Nationalsozialismus, im Gegensatz zu Preußler, meist erwachsene Menschen und zum Teil auch schon in gewissem Amt und Würde und nicht “nur” in der HJ!

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Das wäre nicht so schlimm gewesen, wie der Umstand, dass auch Nazis weiter unterrichten durften.

unverzagte
1 Jahr zuvor
Antwortet  A. M.

Wiegen Sie hier ein Unrecht mit dem anderen auf ?

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  unverzagte

So etwas kann man gar nicht. Allerdings halte ich es für lebensfremd, dem bloßen Namen einer Schule mehr Bedeutung beizumessen als dem Unterricht. Von Altnazis haben sich schon viele Schüler nach dem Krieg getrietzt gefühlt.

Kati F
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Chapeau. Besser kann man es nicht schreiben.
Wie liebe ich Otfried Preußler und seine Geschichten.
Mein Opa war auch in der Hitlerjugend. Und zwar gerne. Er beschrieb es mir auch als schöne Zeit. Weil es den Jugendlichen suggeriert wurde. Mein Opa war ein liebevoller, guter Mensch mit Ecken und Kanten.
Und so was das auch mit Otfried Preußler sicherlich.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Wie reflektiert viele Menschen mit ihrer Vergangenheit aus der Nazi-Zeit umgegangen sind, sieht man daran, wie lange es gedauert hat, die Widerstandskämpfer gegen die Nazis nach dem Krieg juristisch zu rehabilitieren, wie lange sie in der breiten Gesellschaft noch als Verräter, Spione, Deserteure betrachtet wurden.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/opfer-der-ns-militaerjustiz-langer-kampf-um-rehabilitierung-100.html
Man findet dazu noch viel mehr, wenn man will. Manche reflektierten die Nazi-Zeit, viele anscheinend nicht. Ich glaube, wenn ich mir die Bücher von Preußler vornehme, er war einiger der wenigen, die es reflektierten.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Danke für den

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Link. Ups

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Danke auch von mir für den Beitrag und den Link, der meine Erinnerungen an Ludwig Baumann geweckt hat. Eine beeindruckende Persönlichkeit! Über die Friedensbewegung in Bonn habe ich ihn kennengelernt. Das Bonner Denkmal für den unbekannten Deserteur von 1989 fand übrgens in Potsdam “Asyl”, nachdem es in Bonn erhebliche Probleme gab…
Hätte man sich früher nicht mehr über Naziverbrechen aufregen können? Stattdessen sollen wir uns jetzt über das aufregen, was junge Menschen damals leider nicht überblicken und erahnen konnten.
Baumanm hat das Bundesverdienstkreuz abgelehnt, weil er keinen Orden haben wollte, den auch Nazis tragen. – Preußler hat es angenommen.
Ich fände es besser, wenn es gar keine Orden und andere Auszeichnungen geben würde. Im Nachhinein lässt die Trefferquote doch immer wieder mal mehr oder weniger zu wünschen übrig.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Die Kinder, die damals aufwuchsen, hatten nur diese eine Kindheit. Die konnten sie im Nachhinein ja nicht einfach gegen eine andere eintauschen.
Ich stelle es mir sehr schmerzlich vor, sich eingestehen zu müssen, dass das, was man als Kind vielleicht toll und abenteuerlich fand, die Umsetzung des perfiden Plans eines verbrecherischen Regimes war, sich eine willige und gehorsame Gefolgschaft heranzuzüchten.
Aber ich gebe Ihnen insofern recht, dass man später im Erwachsenenalter den eigenen Kindern und Enkeln auch die Kehrseite dieser Medaille vermitteln muss. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht haben deshalb viele lieber geschwiegen und gar nichts erzählt, weil sie sich das nicht eingestehen wollten oder konnten.
Mich stört es nicht, wenn man mit den damaligen Erwachsenen hart ins Gericht geht. Mit denen, die Verantwortung trugen und auch mit den Mitläufern.
Aber die Generation Preußler war zu jung, um ernsthaft für irgendetwas, was im Dritten Reich geschah, verantwortlich gemacht zu werden. Die waren m.E. Opfer von verbrecherischer Manipulation und Indoktrination.
Im Grunde wurden sie durch dieses Regime ihrer Kindheit und Jugend beraubt. Die Verantwortung dafür und für all die unsagbaren Verbrechen an Millionen von Menschen, die damals begangen wurden, tragen diejenigen, die damals erwachsen waren.
Ich halte es nach wie vor für ziemlich selbstgerecht, Otfried Preußler seinen Umgang mit der eigenen Vergangenheit heute vorzuwerfen. Auch wenn er sich nicht direkt zu der Geschichte, die er damals schrieb, geäußert hat, so hat er sich doch literarisch mit seiner Vergangenheit in der HJ auseinandergesetzt.
Wir sind alle nur Menschen. Was wir heute für richtig und angemessen halten, wirft man uns in einigen Jahren vielleicht vor. Danach weiß man es immer besser und es ist leicht, vom bequemen Schreibtisch aus, von außen sozusagen, über die zu urteilen, die selbst in der Misere drin steckten und nicht gefragt wurden, ob ihnen das gefällt.
Man sucht sich nicht aus, in welcher Zeit man seine Kindheit verlebt.

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kati F

Ja, und außerdem hat Hitler doch die Autobahnen gebaut …

Sorry, aber Sie verherrlichen (wohl unabsichtlich) die Nazi-Zeit.

Kati F
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Was tue ich? So ein Blödsinn.
Ich habe beschrieben, wie mein Opa sich als 14jähriger gefühlt hat.
Ich finde es verwerflich, einem Kind oder Jugendlichen vorzuwerfen, einer Manipulation auf den Leim gegangen zu sein.
Die Diskussion um Preußler ist lächerlich und anmaßend.
Wieviel Nazigrößen haben es sich später in Politik und Wissenschaft gut gehen lassen und nichts bereut oder aufgearbeitet!

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kati F

Sie haben unkritisch die Hitlerjugend als etwas beschrieben, wo die Kinder sich gut aufgehoben gefühlt haben.

Wenn man das ohne Bezug auf die Indoktrinierung der Kinder schreibt, ist das eine Verherrlichung der Hitlerjugend.

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kati F

Stellen Sie isch mal vor, Sie hätten das, was Sie oben geschrieben haben so Ihren Schüler:innen erzählt.

Welches Bild von der Hitlerjugend würden sie wohl haben? Sie würden denken, die Hitlerjungend war eine prima Sache.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Schulstoff besteht nicht aus Anekdoten, obwohl er anschaulich durch sie ergänzt werden kann und die Förderung des Mitläufertums darüber glaubhaft gemacht werden kann.

Bitte stellen Sie sich doch vor, dass es mehrere Möglichkeiten gibt, einen sachlich-informativen Geschichtsunterricht zu halten und dass Schüler nicht mantrahaft belehrt werden wollen.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kati F

Ganz so negariv möchte ich die Diskussion über Preussler nicht sehen, aber Ihre Posttion kann ich besser nachvollziehen als manch andere.

Wie viele Lehrer haben sich in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg mit anderen Themen im Geschichtsunterricht derart viel Zeit gelassen, dass die Weimarer Republik und die Zeit des Nationalsozialismus Jahr um Jahr nur sehr kurz gestreift wurden. Obwohl Schüler erwartet haben, dass selbstverständlich über diese schreckliche Zeit der Geschichte Unterricht stattfindet. So war es jedenfalls bei mir und einigen, die vor 1970 geboren worden sind. – In diesem Jahrtausend hörte ich Schüler wiederholt darüber klagen, dass sie nicht immer wieder in mehreren Fächern und über Jahre etwas über die Gräuel der Nazizeit hören wollten. Vor allem junge Mädchen empfanden es als extrem belastend und sahen keinen Sinn in der gefühlten x-ten Wiederholung der Wiederholung. (Kann es sein, dass Alt-68iger, die zurecht Kritik an der Gesellschaft geübt haben, die Grenzen der Belastbarkeit ihrer Schüler nicht sehen wollten?)

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Das ist nur eine Interpretation. Ich verstehe, was Kati F meint und mit etwas Wohwollen, dürfte das für jedernann selbstverständlich sein. Wohin kommen wir, wenn wir bei stimmenden privaten Aussagen zur HJ immer noch unsere Mißbilligung der Organisation hinzufügen müssen? Im Geschichtsunterricht vor Minderjährigen mag das angehen – aber in einem Lehrerforum?

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

@Redaktion
Wie bewerten Sie diesen Film? Haben Sie ihn gesehen? Wenn nicht, sollten Sie es unbedingt tun!
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Leben_ist_sch%C3%B6n_(1997)

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Diesen ganz besonderen Film wollte ich auch verlinken. Danke.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  A. M.

Vielleicht ist es sogar sehr wichtig, die heutigen Kindern und Jugendlichen auch über heutige Gefahren der Indoktrination durch verschiedene Vereine aufzuklären, am Beispiel der HJ. Denn auch heute sind nicht alle Jugendvereine “sauber” und es entstehen auch immer wieder neue.
https://www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/229984/nicht-bloss-harmlose-pfadfinder-voelkische-jugendbuende/

Rainer Zufall
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Inzwischen kann man daran anlehnend auch recht offen über die JA aufklären…

Und Hamas und Islamisten und Identitäre und Graue Wölfe und (ich weiß nicht, wie sich die Putinfans nennen) und Proudboys und schwarzer Block und so weiter -___-

Ich möchte weiterhin betonen, dass die Liste solcher Gruppen zunimmt und wir nicht immer (zeitgemäß) darüber aufklären können.
Ergänzend/ stattdessen sollte sich mehr auf die Werte bezogen werden, welche wir vermitteln wollen und diese ggf. an einem aktuellen, lebensweltbezogenen Beispiel abzugrenzen.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Braucht man die HJ um Kinder über die Gefahren bestimmter Gruppen zu informieren? Die HJ als Organisation sollte im Rahmen einer Auseinandersetzung mit dem dritten Reich selbstverständlich kritisch betrachtet werden. Aber könnte das zuvor in der Schule Gelernte nicht intensiver nachwirken, wenn man es Schülern selbst überlässt, Bezüge herzustellen? Was man sich selbst erarbeitet hat, haftet besser.

Hoffentlich gibt es für den Schulunterricht zum Nationalsozialismus keine Fragebögen, auf denen die Jugendlichen eine oder mehrere Antworten ankreuzen sollen.

Indra Rupp
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Sehe ich genauso!

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Im Buch Krabat eine Distanzierung vom Dritten Reich zu sehen, halte ich für unhaltbar.

Der Stoff, den Preußen aufgegriffen hat ist eine alte Sage und hat mit den Nazis nichts zu tun. Im Text von Preußler finden sich nicht die geringsten Hinweise aufs Dritte Reich. Die Handlung entspricht der überlieferten Sage.

Der Meister wird am Ende auch nicht durch einen politischen gemeinsamen Akt besiegt, sondern durch die Kraft der Liebe zwischen zwei Personen.

Eine Aufarbeitung des Dritten Reichs kann man in Krabat beim besten Willen nicht erkennen, ohne dem Text Gewalt anzutun.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Wenn das so ist, muss es gewalttätige Lehrkräfte geben. Jedenfalls wurde der Roman von Lehrern als Metapher für die Gefüge totalitärer Systeme und der Verhaltensweisen von Menschen in ihnen interpretiert.

Vielleicht hat noch jemand eine Interpretationshilfe zu Krabat im Bücherschrank?

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  A. M.

Korrektur: Das Buch von Carsten Gansel heißt “Kind einer schweren Zeit”.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Die Korrektur bezieht sich auf meinen Beitrag unten, nicht @A. M. Sorry.

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Wikipedia:
Preußler selbst sieht in Krabat eine Aufarbeitung seines Verhältnisses zum Nationalsozialismus, von dem er in seiner Jugendzeit fasziniert war: “Mein Krabat ist […] meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken.

Carsten Gansel hat ein Buch über die frühen Jahre Otftied Preußlers geschrieben.
“Kind einer schwierigen Zeit”
Darin beleuchtet er u.a. wie Preußler seine Jugend im Nationalsozislismus und die traumatischen Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft literarisch aufgearbeitet hat.

https://www.n-tv.de/leute/buecher/Mit-Krabat-bewaeltigte-Otfried-Preussler-sein-Trauma-article23458768.htm

Marion
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Leider erscheint mit diesem Link auf n-tv mal wieder mal nur der Hinweis, dass das “gewählte Dokument nicht mehr auf dem Server ist.”
Man kann aber auf >Suche< gehen und dann einfach Otfried Preußler und Krabat eingeben.
Dann erscheinen weiter unten mehrere Artikel zu dem Thema, u.a. auch der von mir verlinkte.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Marion

Danke für den Hinweis und die ausführliche Erklärung.

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dr. Vogel

Steiner war kein wichtiger Denker. Seine Lehre besteht aus Esoterik und Rassismus.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Auch wenn seine Texte zäh zu lesen sind und haarsträubend wirken: War er nicht innovativ, weil Waldorfschulen früher als andere Kinder mit anderen Hautfarben aufgenommen haben? Obwohl ihre Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnten.

Auch heute noch übernehmen Pädagogen gern – Cherry Picking! – einiges aus der Waldorfpädagogik. Ganz so unwichtig wie Sie meinen wird Steiner wohl nicht sein.

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  A. M.

Als Denker können Sie ihn vergessen. Als Sektenführer ist er bis heute erfolgreich.

Lisa
1 Jahr zuvor

Mir blieb das Verhalten des Gymnasiums unverständlich, weil ich nichts über die Gründe, die zur ersten Namensänderung 2013 geführt hatten, finden konnte. “Konfliktlösung durch Hexerei” als Kritikpunkt klingt für mich nach fundamentalistischen Christen, da werde ich eh hellhörig.

Rainer Zufall
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lisa

“klingt für mich nach fundamentalistischen Christen”
Oh, Backe! Hoffen wir mal, dass der neue, fundamentalchristliche Name der Schule nicht zu heftig ausfällt 😉

Philine
1 Jahr zuvor

Ich finde das Vorgehen der Angehörigen sehr souverän. Die sicher gegen jede Versuchung gefeiten und moralisch jederzeit trittsicheren Initiatoren der Umbennenung können diese Schule ja dann nach sich selbst benennen.

A. M.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Philine

Schön bissig! Meine volle Zustimmung!

Rainer Zufall
1 Jahr zuvor

“Es wäre keinesfalls im Sinne des Namensgebers, dass eine Schule seinen Namen tragen muss, obwohl sie diesen massiv ablehnt”

Eine starke Familie, aber weder diese noch die Schule haben mit der Gruppe völlig Unbeteiligter in Internetforen gerechnet 😀

Hysterican
1 Jahr zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Du kannst die Smileys aus deinen Kommentaren weglassen – die können die boshaften und destruktiven Inhalte auch nicht mehr retten.

Rainer Zufall
1 Jahr zuvor
Antwortet  Hysterican

Darauf hinweisen, dass sich Unbeteiligte im Internet nicht selten gegen einstimmige Entscheidungen der Schulgemeinschaft aussprechen = boshaft?

Ich kann ja durchaus falsch liegen und niemand muss meine Meinung teilen, aber “destruktiv” scheint hier etwas überzogen (auf Ihren Wunsch kein Smiley an dieser Stelle)

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor
Antwortet  Hysterican

Eigentlich ist doch Ihr Kommentar boshaft und destruktiv.

Walter Hasenbrot
1 Jahr zuvor

Ich stelle hiermit meinen Namen gerne für die Schule zur Verfügung.

“Walter Hasenbrot-Schule” klingt doch gut.

Vielleicht ist es aber auch am besten, Schulen nach fiktiven Personen zu benennen. An der Schule kann dann eine Plakette mit dem fiktiven Lebenslauf der Person angebracht werden. So hat die Schule vollkommene Kontrolle, dass die Person auch wirklich die Werte der Schule widerspiegelt und es können keine unliebsamen Überraschungen auftreten.

Wenn es nötig wird, ändert man einfach den Text auf der Plakette.

Oder man verzichet völlig auf das Schmücken mit fremden Federn und die Benennung von Schulen nach Personen.

Man könnte ja gleich die Adjektive, auf die es einem ankommt in den Schulnamen aufnehmen. “Sehr gutes staatliches Gymnasium Pullach im lsartal” wäre als Name doch ideal.

447
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter Hasenbrot

Diese Drohne des Wahrheitsminusteriums befürwortet ihre doppelplusgute Idee.

Für die Verarbeitung und Berichtigung von als klimaschädlich und fleischverzehrbefürwortend erkannten Plaketten melden Sie sich bitte bei dem Kollegen Winston Smith.

Marion
1 Jahr zuvor

Mir ist es im Grunde völlig egal, wie sich irgendein Gymnasium in Pullach nennen will.
Wenn diese Schule nicht mehr den Namen Otfried Preußler tragen mag, dann ist das eine legitime Entscheidung.
Ich hätte es sogar verständlich gefunden zu sagen, die Schülerschaft eines Gymnasiums ist in einem Alter, in dem man sich mit dem Hauptwerk Preußlers, das ja überwiegend aus Geschichten für jüngere Kinder besteht, nicht mehr idendifizieren kann und man deshalb nach einem passenderen Namen sucht oder zur früheren, neutralen Bezeichnung zurückkehrt.
Die tatsächliche Begründung der Schulverantwortlichen kann ich allerdings nicht nachvollziehen und ich halte die Entscheidung der Familie von Otfried Preußler für absolut richtig und konsequent, um die unselige Debatte um seine Person zu beenden.

Jan
1 Jahr zuvor

Wo ist denn eigentlich die gelebte Fehlerkultur in Pullach? Immerhin wurde dort Preußler eine Nazivergangenheit angedichtet, was in Teilen frei erfunden war. Nachzulesen hier. https://issuu.com/sudetendeutsche_zeitung/docs/suze_20240329
Natürlich ist die Entscheidung einer Schule zu respektieren, aber ein solcher Prozess delegitimiert sich ja, wenn er auf falschen Tatsachenbehauptungen fußt. Kein Wunder, dass das Ministerium laut ZEIT den Antrag zurückgeschickt hat.