DRESDEN. Die aktuellen Schuleingangsuntersuchungen in Sachsen zeigen einen drastischen Befund: Mehr als ein Drittel der angehenden Erstklässler weist sprachliche Auffälligkeiten auf. Damit liegt das Bundesland trotz einer vergleichsweise niedrigen Migrationsquote deutlich über den Werten anderer Länder wie Niedersachsen – und stellt verbreitete Erklärungen infrage.

Die jüngsten Schuleingangsuntersuchungen in Sachsen zeichnen ein Bild, das selbst Fachleute alarmiert. Bei 13.600 der rund 36.800 untersuchten Kinder – das entspricht 37 Prozent – stellten die Amtsärzte im Schuljahr 2024/2025 Auffälligkeiten in der Sprachentwicklung fest. Dazu zählten Stottern, Lispeln sowie Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder Wörter korrekt auszusprechen. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen: 2019 lag er noch bei 34,8 Prozent.
Die sprachlichen Defizite sind Teil eines breiteren Problems. Für rund 6.000 Kinder empfahlen die untersuchenden Ärzte entweder eine Rückstellung vom Schulbesuch oder den Besuch einer Förderschule. Konkret betraf dies 8,3 Prozent der Kinder mit einer Rückstellungsempfehlung und weitere 8,0 Prozent mit einer Förderschulempfehlung – jeweils Höchststände. Neben Sprachproblemen zeigten viele Fünf- bis Sechsjährige auch Auffälligkeiten beim Sehen, in der Motorik oder beim Zählen.
Bemerkenswert sind diese Zahlen auch im bundesweiten Vergleich. Sachsen gehört mit einem Migrantenanteil von 12,1 Prozent zu den Bundesländern mit den niedrigsten Quoten in Deutschland. Dennoch liegt der Anteil der Kinder mit sprachlichen Auffälligkeiten deutlich höher als etwa in Niedersachsen. Dort wiesen nach den aktuellsten verfügbaren Ergebnissen der Schuleingangsuntersuchungen rund 25 Prozent der Kinder im Jahr 2023 Defizite in der Sprachentwicklung auf, wie unlängst bekannt wurde. In einzelnen Kommunen wie Salzgitter erreichte der Anteil zwar fast die Hälfte, landesweit blieb er jedoch klar unter dem sächsischen Wert.
„In den Familien wird viel weniger als früher gesprochen, werden seltener Geschichten erzählt oder vorgelesen – stattdessen werden die Kinder mit Smartphones oder Tablets ruhiggestellt“
Der Unterschied fällt umso stärker ins Gewicht, wenn man die Bevölkerungsstruktur betrachtet. In Niedersachsen liegt der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund bei etwa 26 Prozent – mehr als doppelt so hoch wie in Sachsen. Migration allein kann die sächsischen Ergebnisse damit nicht erklären. Auch in Niedersachsen zeigen zwar Kinder mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig Sprachprobleme, doch die Landesregierung verweist zugleich auf weitere Einflussfaktoren wie soziale Lage, gesundheitliche Einschränkungen, psychische Belastungen sowie veränderte Mediennutzung und die Folgen der Corona-Pandemie.
In Sachsen sehen Kinder- und Jugendärzte ähnliche Ursachen. Melanie Ahaus, Vize-Landesvorsitzende und Sprecherin des Verbands der Kinder- und Jugendärzte in Sachsen, erklärte: „In den Familien wird viel weniger als früher gesprochen, werden seltener Geschichten erzählt oder vorgelesen – stattdessen werden die Kinder mit Smartphones oder Tablets ruhiggestellt.“ Sprache entwickle sich jedoch vor allem durch direkte Ansprache, Beziehung und gemeinsame Zeit.
Die Zahlen aus beiden Bundesländern deuten damit auf ein strukturelles Problem hin, das weit über Fragen von Zuwanderung hinausgeht. Besonders betroffen sind nach Einschätzung von Fachleuten Kinder aus bildungsfernen Familien, in denen Eltern etwa keine abgeschlossene Ausbildung haben. Gleichzeitig geraten die Kitas zunehmend unter Druck. Fachkräftemangel, hohe Belastung und begrenzte Zeit erschweren eine gezielte individuelle Sprachförderung.
Vor diesem Hintergrund drängt Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) auf eine systematischere Erfassung des kindlichen Entwicklungsstands. „Wir brauchen dringend eine verbindliche Erhebung des Sprach- und Entwicklungsstands bei Vierjährigen. Denn nur frühzeitiges präventives Handeln sichert eine gute frühkindliche Bildung vor dem Schuleintritt“, erklärte er in Dresden. Der Entwicklungsprozess müsse ganzheitlich von einem Alter von einem bis zehn Jahren betrachtet werden.
Clemens verwies zugleich auf die Verantwortung von Bund und Ländern. Überall in Deutschland zeigten sich ähnliche Herausforderungen, sagte er, und forderte ein gemeinsames Vorgehen. Der Bund solle noch im ersten Quartal einen Entwurf für ein Qualitätsentwicklungsgesetz vorlegen, das auch die Kitas stärker unterstütze. Entsprechende Ziele seien bereits im sächsischen Koalitionsvertrag verankert.
Auch in Niedersachsen wird über verbindlichere Instrumente diskutiert. Die CDU dort fordert verpflichtende Sprachtests im vorletzten Kita-Jahr sowie ein intensives Förderprogramm im Jahr vor der Einschulung. Vertreterinnen und Vertreter der Kitafachkräfte weisen jedoch darauf hin, dass zusätzliche Tests ohne mehr Personal und bessere Rahmenbedingungen kaum Wirkung entfalten dürften. „Sprache braucht Zeit, Bindung und Personal – und ohne diese ist der Spracherwerb nur eingeschränkt möglich“, sagte Melanie Krause vom niedersächsischen Kitafachkräfteverband. News4teachers / mit Material der dpa
CDU will verpflichtende Sprachförderung in Kitas (das hat allerdings einen Haken)









Ich saß gestern in einem Burger-Restaurant. Links und rechts neben mir je eine Familie. Familie eins: Mutter, Vater, Kind (höchstens zwei Jahre alt, anfangs mit Schnuller im Mund). Während des Essens flimmerte nebenbei das Smartphone vor den Augen des Kindes. Sah nach Paw Patrol aus. Ab und zu steckte sich der Junge unbeholfen eine Pommes in den Mund. Die Eltern achteten überhaupt nicht auf ihren Sohn.
Familie zwei: Mutter, Vater, zwei Töchter (geschätzt zwischen 3 und 5 Jahre alt). Jedes Kind hatte ein Smartphone neben sich auf dem Tisch liegen. Das eine das Gerät der Mutter, das andere das Gerät des Vaters. Die ältere Tochter wechselte, soweit ich das im Augenwinkel sah, gut alle 30 Sekunden die App. Mal wurde was gespielt, dann wurde ein Videoclip geschaut, dann wieder gespielt… Während die Tochter guckte und wischte, wurde sie von ihrer Mutter mit Pommes gefüttert. Das Kind schaute dabei kaum vom Handy auf. Die jüngere Tochter ähnlich, nur dass sie zudem unruhig auf dem Stuhl hippelte und während ihres Essens tatsächlich auch mal die Eltern anschaute. Als Getränk wurde Coca Cola gereicht.
Mich wundert NICHTS mehr.
Genau solche Kinder holen sich später ihre Diagnosen beim Arzt ihrer Wahl ab und die Schulen dürfen mit ihren Ressourcen schauen, wie sie das kompensieren. Das waren jetzt zwei Momentaufnahmen, ich gehe aber mal davon aus, dass das zu Hause ähnlich abläuft, wie im Restaurant. Hauptsache, die Eltern haben ihre Ruhe. Wir hatten früher vielleicht ein kleines Spielzeug oder Malbuch für unsere Kinder mit dabei, wenn wir essen waren. In erster Linie taten wir aber gemeinsam genau das: Essen und uns unterhalten. Das hat gereicht. Diese multimediale Dauerbeschallung ist das pure Gift. Bevor solche Eltern in Zukunft Beschwerden und Arbeit in System, Schule und bei der Schulsozialarbeit abladen, sollte umfangreich ermittelt werden, inwiefern sie ihre Kinder schon früh vor den Bildschirmen parkten, um dann auch mal verpflichtende Maßnahmen mit den Eltern durchzuführen.
Ich beobachte ständig solche Situationen. Aber auch solche, in denen Mamis den Kinderwagen schieben und dabei im Handy daddeln. Die Kinder kriegen also schon im Säuglingsalter gezeigt, dass sich das Leben um das kleine, flache Rechteck dreht…
Volle Zustimmung.
Neben der unfassbar resourcenintensiven Aufarbeitung und Förderung in der Schule benötigen diese Kinder dann auch umfangreiche therapeutische Maßnahmen, um überhaupt irgendwie an ein normales Leben in Schule und Alltag herangeführt zu werden.
Diese therapeutischen Kosten trägt die Solidargemeinschaft über immer weiter steigende Krankenkassenbeiträge und über immer weiter sinkendes Niveau in den Schulen – weil sich die Lehrkräfte nunmal nicht teilen können. Ich plädiere wirklich für ein Handy- und Tabletverbot für Kinder unter 14 Jahren, regelmäßige, verpflichtende Kinderarztbesuche bis mindestens 14 Jahre, mehr Personal für die Jugendämter, dort verflichtende Präventionskurse für Eltern mit auffälligen Problemen und ggf. Sanktionen.
Waren die Auffälligkeiten gleich verteilt? Oder manche Schulen mehr als andere betroffen. Auch in Sachsen gibt es schließlich Brennpunktschulen
Man könnte böse sein und den sächsischen Dialekt als solchen schon als Sprachproblem bezeichnen …
Aber ernsthaft: Bei jetzt eingeschulten Kindern noch mit Folgen der Pandemie zu kommen, halte ich für gewagt. Hauptgrund dürfte die Mediennutzung sein.
Die Pandemie, die jetzt auch schon eine Weile her ist, muss gefühlt für alles herhalten. Wenn nicht in wenigen Jahren die nächste Pandemie kommt, wird’s eng für die Erklärer und Experten…
Man sollte auf keinen Fall für eine bessere Förderung in Sachsen sorgen, da das den Anteil der AfD-Wähler*innen nach unten drücken würde.//
Im Artikel tut sich eine interessante Korrelation auf.
Auch die Tatsache, dass in der Kommune Salzgitter in NDS 50% der untersuchten Kids Probleme haben, legt nahe, dass gewisse Defizite dazu führen, dass Menschen eher AfD wählen, denn die Gegend ist ja eine AfD-Hochburg.
Na ja, Kinder sollen am Besten mit 8 Monate in die KiTa und beide Eltern voll arbeiten bzw. müssen. KiTa Gruppen werden immer größer und die Betreuung auch herunter gespart. Was sollen die Eltern noch alles stemmen. Wenn wir Nachwuchs wollen, dann sollten wir die Familie als solche ermöglichen. Und dem Bildungspflicht Beitrag hat eine alleinerziehende Mama genau das beschrieben, wie man als Familie zerissen wird. Aber Corona, Soziale Medien und Einwanderer sind die einfachere Lösung und man kann das Problem damit ausblenden.
Oh oh, wen wird die AfD als Nächstes beschuldigen an allem schuld sein? Klimaschützer? Woke?
Ne, wahrscheinlich hauen die auf die Nächstschwachen in der Gesellschaft drauf: Mittelllose und Bildungsferne – traurig
Naja, solange Eltern beraten und unterstützt werden, bspw. mit einem verpflichtenden, unfangreichen (Sprach-)Kita-Angebot, anstatt die Kitas wegzuschrumpfen… (https://www.n-tv.de/regionales/sachsen/Anzahl-der-Kitas-in-Sachsen-gesunken-article26114287.html)