
An diesem Montag beginnt das zweite Halbjahr in den Brandenburger Schulen – und damit müssen die meisten Lehrerinnen und Lehrer eine Stunde pro Woche mehr unterrichten. An anderer Stelle sollen sie entlastet werden. Gewerkschaften sehen darin jedoch zusätzliche Belastungen. Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD) weist das zurück.
Warum haben die Lehrer eine Unterrichtsstunde mehr?
Die zusätzliche Stunde Unterricht pro Woche ist im Zuge des Doppelhaushalts für 2025 und 2026 wegen finanzieller Zwänge beschlossen worden. Die Mehrstunde gilt nach Angaben des Bildungsministeriums faktisch für rund 60 Prozent aller Lehrkräfte. Für Lehrkräfte an Förderschulen, Berufsschulen und sozialen Brennpunktschulen gibt es keine Änderungen.
Wie wirkt sich die höhere Stundenzahl an den Schulen aus?
Rund 11.500 Lehrerwochenstunden mehr stehen laut Ministerium im Zuge der höheren Unterrichtsverpflichtung zur Verfügung. Die beschlossene Senkung der Stellenzahl um 445 Lehrkräftestellen im Vergleich zum Jahr 2024 könne weitestgehend ausgeglichen werden, sobald alle Stellen besetzt würden, die wegen altersbedingt ausscheidender Lehrkräfte und neuer Teilzeitanträge frei werden. Auch haben die Schulen nun wieder Stundenkontingente für zusätzliche Angebote in größerem Umfang.
Gibt es einen Ausgleich für die Mehrstunde?
Die Lehrerinnen und Lehrer sollen an mehreren Stellen entlastet werden. In den ersten und zweiten Klassen sind Lernentwicklungsgespräche nicht mehr vorgeschrieben. Die Bewertung von Lern- und Leistungsbereitschaft an Grundschulen wird nur noch in vierten und sechsten Klassen vorgenommen. Zudem gibt es keine Pflicht zur Facharbeit in neunten Klassen und keine zentrale Prüfung der zehnten Klassen an Gymnasien mehr. Im Schuljahr 2026/2027 entfällt das Erstellen von Grundschulgutachten.
Wie sehen die Gewerkschaften die Zusatzstunde?
«Es gibt da nur Verlierer», meint der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Günther Fuchs. «Man hätte die Schulen besser ausstatten sollen.» Er verweist darauf, dass es mehr Schülerinnen und Schüler als im vergangenen Schuljahr gebe. Dazu kämen Unterrichtsausfall und ein hoher Krankenstand. Die GEW hat gegen die Mehrstunde Klage eingereicht. Dazu sollen Klagen von Lehrkräften kommen.
Der Brandenburgische Pädagogen-Verband kritisiert die Mehrstunde ebenfalls. «Es wird entweder gar nicht entlastet oder nicht genug», sagte Präsident Hartmut Stäker. Er verwies darauf, dass der Wegfall der Prüfungen am Ende der zehnten Klasse in Gymnasien oder der Wegfall des Grundschulgutachtens für den Wechsel ins Gymnasium nicht für alle gelte.
Was sagt der Minister?
Der Minister nennt die Änderungen zum Halbjahreswechsel einen «schulplanerischen Ausnahmezustand». «Wir setzen die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung um eine Unterrichtsstunde sowie umfangreiche Erleichterungen mit dem zweiten Entlastungspaket für Lehrkräfte um», sagt Freiberg. Eine Flucht in Krankheit oder Teilzeit, was teils befürchtet wurde, sei bisher aber nicht eingetreten, sagte der Minister im Bildungsausschuss des Landtags Mitte Januar.
Wie beurteilen das die Eltern und die Lehrkräfte?
Der Landeselternrat wartet noch ab, sieht aber die Entlastungen skeptisch. «Wenn diese Stunde mehr letztlich den Schülerinnen und Schülern zugutekommt, dann ist eine Stunde mehr Unterricht pro Woche positiv zu bewerten», sagt Sprecher Matthias Knoll. Allerdings: «Man hat dadurch keine Stunde mehr, sondern die eine oder andere Lehrkraft weniger zur Verfügung, wenn die jeweilige Schule alle Vollzeitstellen besetzt hat.»
Da die Lehrer zum großen Teil die vermeintlichen Entlastungen über ein neues Gesetz nicht als diese sähen und viele Nachteile für den Schulalltag zu erwarten seien, machten viele Eltern sich große Sorgen.
Die zusätzliche Unterrichtsstunde hatte im vergangenen Jahr für Proteste von Lehrkräften gesorgt. Sie kann bewirken, dass pro Schule teils weniger Lehrkräfte gebraucht werden. Der sogenannte Überhang soll an anderer Stelle eingesetzt werden. News4teachers / mit Material der dpa
Entlastung: Kein Grundschul-Gutachten mehr – Noten (oder Test) sollen reichen









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Ich halte mehr Abminderung im Alter für wünscheswert. Diese Lehrkräfte sind in Brandenburg nicht mehr verbeamtet worden. Man könnte es somit als Ausgleich und als Solidarität verstehen. Vielleicht hält es dann auch manch einer länger im Beruf aus!
Und wer setzt sich dafür ein?
Gut, dass niemand in Potsdem arbeitet 😉
Angestellte sollten dagegen sofort klagen, wenn sie die E… dazu haben 😉
Einfach die Zeit addieren und immer Mal wieder einen Extra Tag zu krank zum Arbeiten sein. Das mache ich seit Jahren mit meinen “Überstunden” so.
Man ist nur so sehr Opfer wie man sich zum Opfer machen lässt.
Und das ist fair den Kollegen/Kolleginnen gegenüber?
Wen interessiert das? Ich bin nur mir selbst und meiner Familie etwas schuldig. Ein schlechtes Gewissen machen ist die Art und Weise wie Schäfchen bei Laune gehalten werden.
Genau, so denken zu viele und deshalb ist es so, wie es ist. Man kann es auch “teile und herrsche” nennen. Jeder denkt nur an seinen eigenen Vorteil und jammert nur über den eigenen Nachteil. Die Benachteiligungen anderer interessieren nicht. So denken nicht alle, aber zu viele. Sie sind wirklich Lehrer?
Und wenn es die genauso machen? Vielleicht könnten mal die SL ihre Pflichtunterrichtsstunden halten. Oh, geht ja nicht. Sind ja auf Fortbildung(en)
Wie viel Jahre in SL-Positionen können Sie vorweisen?
Ich glaube, wir haben so eine Kollegin.
Wir haben zwei solche.
Nur zwei?…glaub ich nicht!
Sind die Klagen ohne Antrag auf einstweilige Anordnung eingereicht worden ? Die Entscheidung in der Hauptsache kann ja dauern.
Sensationelle Taktik: Erst werden die Lehrkräfte in Arbeit ertränkt durch viele unnötige und bürokratische zusätzliche Aufgaben und dann streicht man diese und setzt dafür die Stundenzahl rauf. …. Läuft mal wieder bei den Kultusministern.
Niemand freut sich, wenn er fürs gleiche Geld mehr tun soll. Das ist schon klar. Das findet man immer ungerecht. Aber 28 Unterrichtsstunden pro Woche müssen viele Grundschullehrer in Deutschland leisten. Das hat die Brandenburger Lehrer aber bisher nicht gekümmert. Das war ihnen egal, solange sie selbst keine 28 Wochenstunden hatten. So hält sich mein “Bedauern” in Grenzen.
Das ist auch wahr!
Was genau hätten die Brandenburger Kollegen denn tun sollen, um ihren Kollegen in den anderen Bundesländern zu helfen?
Wenn ich antworten darf, gemeinsam in ganz Deutschland für gleiche Bezahlung und gleiche Arbeitsbedingungen streiten. Auch wenn Bildung Ländersache ist, könnten wir ja trotzdem überall für das Gleiche eintreten, werben, ringen, kämpfen, ggf. streiken.
Ich stimme Ihnen zu, dass das eine gute Sache wäre. Man muss aber sagen, dass die Solidarität der Lehrer untereinander oft zu wünschen übrig lässt und das zwischen den Bundesländern, den Schularten, den Besoldungsklassen, den Angestellten, den Referendaren. Wann immer es eine Gruppe wagt etwas Negatives zu sagen, schreit immer irgendwer “War/Ist bei uns auch so, habt euch nicht so!” Das jetzt hier explizit den Brandenburger Kollegen vorzuwerfen, ist Quatsch.
Liebe Redaktion,
da hat sich der Fehlerteufel in unserer schönen Landeshauptstadt eingeschlichen
Heißt die nicht Potsdem? Scherz – ist korrigiert. Herzliche Grüße Die Redaktion
Protzdam natürlich
Lesenswert. Der Minister äußert sich.
https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2026/02/interview-bildung-brandenburg-minister-steffen-freiberg-unterricht-schulen-zusatzstunde-lehrer.html
Danke für den Link.
Ja, der Herr Minister hat entweder ein massives Problem beim Textverständnis, oder er ist einfach ignorant.
Weiß jetzt nicht, was ich besser finden soll…