Start Aus den Verbänden Bundeselternrat fordert bundesweite Schüler-ID, um Schulwechsel zu erleichtern

Bundeselternrat fordert bundesweite Schüler-ID, um Schulwechsel zu erleichtern

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BERLIN. Wenn Familien innerhalb Deutschlands umziehen, geraten Bildungsbiografien von Kindern häufig ins Stocken. Der Bundeselternrat sieht darin ein strukturelles Versagen der föderalen Bildungsverwaltung und verlangt eine bundeseinheitliche Schüler-ID, um Datenbrüche, Bürokratie und Benachteiligungen zu beenden.

Auge drauf? (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

Der Bundeselternrat fordert die Einführung einer bundesweit einheitlichen Schüler-Identifikationsnummer, um die Verwaltung von Bildungsdaten grundlegend zu modernisieren. Ziel sei es, Schülerinnen und Schülern einen durchgängigen Zugang zu ihren Bildungsinformationen zu ermöglichen und Brüche in ihren Bildungsbiografien zu vermeiden. Hintergrund sind anhaltende Probleme bei Schulwechseln über Ländergrenzen hinweg, die nach Einschätzung des Gremiums regelmäßig zu Verzögerungen und Nachteilen führen.

Der Anlass für die Forderung ist die derzeitige Praxis, wonach Bildungsdaten zwischen den Bundesländern nicht systematisch übertragen werden. Familien, die umziehen, sehen sich häufig mit inkompatiblen IT-Systemen konfrontiert. Förderbedarfe müssen neu festgestellt, Nachteilsausgleiche erneut beantragt und bereits erstellte Gutachten vielfach wiederholt werden. Nach Angaben des Bundeselternrats führt dies dazu, dass betroffene Kinder und Jugendliche über Wochen oder Monate nicht die Unterstützung erhalten, die ihnen eigentlich zusteht.

„Es ist nicht vermittelbar, dass Kinder beim Schulwechsel bestehende Unterstützung verlieren, nur weil Systeme nicht miteinander kommunizieren“

Anne-Karin Schaffrath, Fachausschussleitung Real- und Hauptschulen im Bundeselternrat, beschreibt die Situation als unhaltbar. „Es ist nicht vermittelbar, dass Kinder beim Schulwechsel bestehende Unterstützung verlieren, nur weil Systeme nicht miteinander kommunizieren. Eine bundeseinheitliche Schüler-ID ist längst überfällig“, erklärt sie. Die Aussage verweist auf ein grundlegendes Strukturproblem des deutschen Bildungssystems, in dem die Verantwortung für Schulen bei den Ländern liegt und gemeinsame technische Standards bislang nur eingeschränkt existieren.

Nach Vorstellung des Bundeselternrats könnte eine einheitliche Schüler-ID die Grundlage für eine länderübergreifende Dokumentation von Bildungsbiografien schaffen. Vom Schuleintritt bis zum Übergang in Ausbildung oder Studium könnten relevante Informationen kontinuierlich erfasst und bei berechtigtem Zugriff verfügbar gemacht werden. Dazu zählen insbesondere Angaben zu Förderbedarfen, gewährten Nachteilsausgleichen sowie zu individuellen Lernentwicklungen. Die Organisation argumentiert, dass dadurch Doppelprüfungen vermieden und Verwaltungsprozesse deutlich vereinfacht würden.

Zugleich betont der Bundeselternrat die Notwendigkeit klarer datenschutzrechtlicher Rahmenbedingungen. Eine solche Identifikationsnummer dürfe nur unter strengen Voraussetzungen eingeführt werden. Erforderlich seien eindeutige Zugriffsregelungen, eine konsequente Zweckbindung der gespeicherten Daten sowie transparente technische Standards, die Missbrauch ausschließen. Der Verweis auf bestehende digitale Systeme wie die elektronische Patientenakte oder das Steuerportal ELSTER deutet darauf hin, dass aus Sicht des Gremiums vergleichbare Lösungen im Bildungsbereich grundsätzlich umsetzbar sind.

Die Forderung nach einer Schüler-ID reiht sich in eine breitere Debatte über die Digitalisierung des Bildungswesens ein. In den vergangenen Jahren hatten Bund und Länder wiederholt Programme zur Verbesserung der digitalen Infrastruktur aufgelegt, zugleich jedoch Schwierigkeiten bei der Abstimmung gemeinsamer Standards gezeigt. Der Bundeselternrat macht nun deutlich, dass aus seiner Sicht nicht nur technische Ausstattung, sondern auch Verwaltungsstrukturen reformiert werden müssen. Im Wortlaut: Bund und Länder müssten „die notwendigen rechtlichen und technischen Voraussetzungen zügig schaffen und gemeinsam umsetzen“. News4teachers 

“Hunger auf Bildungsdaten”: Politik drängt auf Einführung einer Schüler-ID – Lehrer warnen vor Bürokratiemonster

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Rainer Zufall
13 Tage zuvor

Ich könnte gut damit leben, wenn die digitale Akte auch Fehlzeiten/ Attestpflicht umfasst…

Fräulein Rottenmeier
12 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ja, wirklich? Genau diese Daten werden aber nicht mitgeliefert, aus gutem Grund, wie ich finde!

TaMu
13 Tage zuvor

Einfacher und sicherer wäre es, wenn Förderbedarf und Nachteilsausgleich von der Schule schriftlich kurz bestätigt würden. Die ärztlichen und therapeutischen Unterlagen liegen ohnehin zunächst den Eltern vor, die diese an die Schule weiterleiten. Diese Nachweise zusammen mit der schulischen Bestätigung, dass der ärztlich beziehungsweise therapeutisch begründete Nachteilsausgleich seit dem xx.xx.xxxx durchgeführt wird, sollten von der neuen Schule anerkannt werden müssen.
So würden alle relevanten Unterlagen zur Entwicklung und Förderung eines Kindes dezentral bei den Eltern, Ärzten, Therapeuten und gegebenenfalls dem Jugendamt liegen, ohne alle anderen Kinder und Jugendlichen und ihre Leistungen in eine Datenkrake einzupflegen. Das sind sehr sensible Daten. Nicht alle Eltern und Kinder wollen dermaßen transparent in einem anderen Bundesland einen Neustart wagen. Für viele ist es leichter, als unbeschriebenes neues Blatt nur mit den üblichen Zeugnissen neu anzufangen und eventuelle komplizierte Entwicklungsschritte in vergangenen Schuljahren hinter sich zu lassen.
Die Patientenakte, mit der hier verglichen wird, ist für Patienten nicht einfach einzusehen und zu bearbeiten. Wer das schafft, kann seine Unterlagen auch in den eigenen Akten zu Hause gut verwalten und bei Bedarf gezielt weitergeben. Das gilt auch für die Schüler-ID.
Ich hätte hier auch große Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Viele Kinder mit erhöhtem Förderbedarf stabilisieren sich aus verschiedenen Gründen, bis sie erwachsen sind und können beispielsweise ihre Gefühle bis dahin gut regulieren. Potentielle Arbeitgeber würden nie von der „schwierigen“ Schulzeit erfahren. Welche Datei kann schon diesen Schutz gewähren? Schulen haben einen Schutzauftrag und sollten sich an diesem Projekt nicht beteiligen, da niemand auf Jahrzehnte hinaus wissen kann, wie sicher unsere Daten im Netz sind.

Heinz
13 Tage zuvor

Dass Schulen und Lehrer sich zunächst ein eigenes Bild vom Schüler machen, davon profitieren aber auch sehr sehr viele Schüler.

Es gibt einen Haufen Schüler oder Eltern, die es sich bei Mitschülern und/oder Lehrern dermaßen und mit aller Kraft versaut haben, dass diese in der Regel sehr froh sind, dass man an einer neuen Schule eine neue zweite und unvoreingenommene Chance bekommt.

Ich schaue mir z.B. im Normalfall erst nach 2-3 Wochen, die Zeugnisse von neuen Schülern an, nachdem ich mir ein eigenes Bild gemacht habe. Wenn mir Schüler mit weiß ich nicht was für Problemen angekündigt wurden, waren diese bei uns oft halb so schlimm. Gleiches auch umgekehrt, Schüler, die als unauffällig angekündigt wurden, waren schon mal absolute Totalausfälle.

vhh
13 Tage zuvor

Wäre es, wilde Idee, auch möglich, dass der Umzug als solcher den Schülern Probleme bereitet? Die Systeme kommunizieren nicht miteinander, noch eine Idee: könnten dann eventuell Eltern bei der Anmeldung mit der neuen Schule kommunizieren? Es sollte doch möglich sein, die Angaben erst einmal bis zur Überprüfung als korrekt anzunehmen, da würde eine Verwaltungsvorschrift wohl reichen. Nein, das muss digital neu geregelt werden, bundesweit. Alle relevanten Angaben aus jeder Schülerakte (11,4 Millionen) werden dann in ein neues System übertragen. Machen das die zwei Halbtagssekretärinnen, der Schulleiter, die Hausmeister oder stellen wir dafür ein paar Alltagshelfer ein? Wohl eher: bis zu den Herbstferien müsst ihr als KL die Daten übertragen und alle Schreiben digitalisiert haben, aber bitte mit Zahlencode, der steht im digitalen Handbuch…
Ist es eine solche Zumutung, bei der alten Schule die wichtigen Daten kopieren zu lassen oder um Weiterleitung an Schule X zu bitten oder, meist vorhanden, die eigenen Unterlagen dazu mitzubringen? Aber unser wichtigstes Schulproblem sind ja die digitale Verwaltungsinfrastruktur und die vielen ungenutzten Ressourcen…

Fräulein Rottenmeier
12 Tage zuvor

Wenn Kommunen mit SchiLd-Zentral arbeiten, klappt das mit der SchülerID zumindest kommunal. Bei uns können sich die weiterführenden Schulen die Kinder aus dem bestehenden Pool ziehen und wir sehen dann, wo die Kinder angemeldet wurden…..ABER wir übergeben keine sensiblen Daten, die Auskunft über die bisherige Schullaufbahn geben. Auch Schülerakten aus Papier werden bereinigt weitergegeben…..
In NRW reist ein AOSF mit, allerdings endet dies an der Landesgrenze. Ist aber auch verständlich, solange es keine einheitlichen Verwaltungsvorschriften, Schulgesetze gibt, denn das wäre die Voraussetzung dafür.

Biene
12 Tage zuvor

Würde das auch bei anderen Behörden funktionieren? Zum Beispiel den Standes- und Einwohnermeldeämtern?
Ich frage für einen Freund, der mehrfach in D umgezogen ist!

Küstenfuchs
1 Tag zuvor

Juhu, wir wollen noch mehr Bildungsbürokratie, denn es glaubt doch keiner ernsthaft, dass eine zentrale Behörde ein bundesweit funktionierendes System zur Verfügung stellt, oder?