BERLIN. Zum (heutigen) Equal Pay Day rückt erneut eine Zahl in den Mittelpunkt: 16 Prozent. So groß ist die durchschnittliche Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland. Gewerkschaften warnen vor struktureller Benachteiligung – und sehen insbesondere im Bildungsbereich politischen Handlungsbedarf. Denn dort arbeiten überwiegend Frauen, vielfach in Teilzeit, häufig unter hoher Belastung und nicht selten mit geringeren Aufstiegschancen.

Frauen verdienen in Deutschland weiterhin deutlich weniger als Männer. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der sogenannte unbereinigte Gender Pay Gap im vergangenen Jahr bei 16 Prozent. Frauen erhielten demnach durchschnittlich 22,81 Euro pro Stunde – 4,24 Euro weniger als Männer.
Der unbereinigte Gender Pay Gap misst den durchschnittlichen prozentualen Verdienstunterschied pro Stunde, ohne strukturelle Faktoren wie Qualifikation, Branche oder Beschäftigungsumfang herauszurechnen. Im vergangenen Jahr hatte sich die Lücke um zwei Prozentpunkte verringert – erstmals binnen eines Jahres in dieser Größenordnung. Nach Analysen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung stiegen die Durchschnittslöhne von Frauen seit 2015 stärker als die von Männern. Dennoch bleibt der Abstand erheblich.
Das Statistische Bundesamt führt rund 60 Prozent der gesamten Lohnlücke von 16 Prozent auf strukturelle Unterschiede zurück, insbesondere auf höhere Teilzeitquoten von Frauen sowie geringere Löhne in typischen Frauenberufen. Umgerechnet entspricht das etwa 9,6 Prozentpunkten. Rund 6 Prozentpunkte – also knapp 40 Prozent der gesamten Differenz – bleiben statistisch unerklärt. Auch bei vergleichbarer Tätigkeit verdienen Frauen im Schnitt weniger. Als mögliche Gründe nennt das Bundesamt unter anderem nicht erfasste Erwerbsunterbrechungen etwa durch Schwangerschaften oder Diskriminierung.
„Der Gender Pay Gap von aktuell 16 Prozent und der Queer Pay Gap sind Ausdruck struktureller Diskriminierung“
Gerade im Bildungswesen bündeln sich viele dieser Faktoren. Schulen, Kitas, Hochschulen und soziale Einrichtungen sind Arbeitsfelder mit hohem Frauenanteil. Zugleich sind sie von Teilzeitbeschäftigung, befristeten Verträgen und begrenzten Aufstiegsmöglichkeiten geprägt. Nach WSI-Daten arbeiten Frauen im Durchschnitt 7,5 Stunden pro Woche weniger als Männer. Fast jede zweite erwerbstätige Frau ist in Teilzeit beschäftigt. Frauen mit Kindern arbeiten 1,7-mal häufiger in Teilzeit als Frauen ohne Kinder. Männer hingegen sind mit Kindern seltener in Teilzeit als ohne.
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht darin keine individuellen Entscheidungen, sondern strukturelle Benachteiligung. „Der Gender Pay Gap von aktuell 16 Prozent und der Queer Pay Gap sind Ausdruck struktureller Diskriminierung. Sie sind politisch gemacht. Deshalb müssen sie auch politisch beendet werden“, erklärt Tiam Breidenich, Vorstandsmitglied für Frauen-, Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik der GEW, anlässlich des Equal Pay Day in Frankfurt am Main.
Breidenich verweist ausdrücklich auf tarif- und besoldungspolitische Fragen im Bildungsbereich. „Tarif- und Besoldungspolitik muss die systematischen Benachteiligungen der Frauen gezielt abbauen. Teilzeit, überwiegende Sorgeverantwortung, geringere Löhne, schlechtere Aufstiegschancen und befristete Beschäftigung sind keine individuellen Entscheidungen, sondern Folgen struktureller Ungleichheit.“
Eine feministische Tarif- und Beamtinnenpolitik bedeute auch die materielle Aufwertung pädagogischer Berufe. „Hochschullehrende, Lehrkräfte, sozialpädagogische und therapeutische Fachkräfte an Bildungseinrichtungen, Erziehende sowie Beschäftigte in Betreuung und Pflege leisten hochqualifizierte Arbeit, die gesellschaftlichen Zusammenhalt sichert. Dennoch sind Warum der Gender Pay Gap auch Schulen und Kitas betrifft, sagt Breidenich.
Konkret fordert die GEW unter anderem die gleiche Eingruppierung aller angestellten und verbeamteten Lehrkräfte in Entgeltgruppe 13 beziehungsweise Besoldungsgruppe A 13. „JA13 – weil Lehrkräfte es verdienen“, bleibe die Richtschnur der Gewerkschaft. In Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und im Saarland sei die Angleichung für alle Grundschul-, Werkreal- und Hauptschullehrkräfte weiterhin nicht umgesetzt. „Diese Ungleichbehandlung muss endgültig beendet werden“, unterstreicht Breidenich.
„Damit wird suggeriert, Teilzeit sei eine bequem gewählte Option für ein bisschen mehr Freizeit“
Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) stellt die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften in den Mittelpunkt. Vor dem Hintergrund der Debatte über eine sogenannte „Lifestyle-Teilzeit“ warnt der Verband vor einer Verzerrung der Realität. „Damit wird suggeriert, Teilzeit sei eine bequem gewählte Option für ein bisschen mehr Freizeit. Für Lehrkräfte, von denen bundesweit drei von vier Frauen sind, ist aber das Gegenteil richtig: Viele reduzieren ihre Stundenzahl, um die ausufernde Arbeitsbelastung überhaupt noch bewältigen zu können“, erklärt Tanja Küsgens, Sprecherin der Frauen im VBE und Mitglied der Geschäftsführung der dbb-Frauen.
Unterrichtsvorbereitung, Korrekturen, Elterngespräche, digitale Kommunikation und zahlreiche Zusatzaufgaben seien im vorgesehenen Stundenkontingent häufig nicht zu leisten. „Sodass die reduzierte Arbeitslast faktisch weiterhin in Vollzeit erledigt wird – nur mit weniger Bezahlung“, so Küsgens.
Der VBE-Bundesvorsitzende Tomi Neckov ergänzt: „Die Debatte verkennt, dass schon heute ein erheblicher Teil der Arbeitsleistung von Lehrkräften unbezahlt erbracht wird. Wer in einer solchen Situation Teilzeit beschneidet, erhöht nicht die Produktivität, sondern das Risiko von Burnout, Berufsausstieg und weiterwachsendem Fachkräftemangel an Schulen.“ Teilzeit sei „kein kostenfreies Komfortmodell“, sondern mit Einkommenseinbußen, geringeren Karrierechancen und langfristigen Nachteilen bei Pension und Rente verbunden.
Die bildungspolitische Brisanz wird zusätzlich durch arbeitsmarktpolitische Überlegungen der Bundesregierung verschärft. Der Deutsche Gewerkschaftsbund warnte am Brandenburger Tor vor einer möglichen Reform des Arbeitszeitgesetzes. DGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi sagte: „Hände weg vom Arbeitszeitgesetz!“ Gemeint sind Koalitionspläne, die tägliche Höchstarbeitszeit zugunsten einer wöchentlichen Regelung zu flexibilisieren. Ein „Ende des Acht-Stunden-Tags“ würde aus ihrer Sicht vor allem Frauen treffen, da für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie „nichts schädlicher“ sei als unkalkulierbare Arbeitszeiten. News4teachers / mit Material der dpa
Warum die mangelnde Gleichberechtigung auch den Schuldienst betrifft









Eine feministische BeamtInnenpolitik darf es eigentlich hierzulande gar nicht geben! Darüber hinaus gilt natürlich, gezielte Frauenförderung, weibliche Eigenschaften ehren und pflegen, Bekämpfung von Altersarmut als (noch) stark weibliches Problem usw.
Ergebnis der GdL: “Wie beide Seiten mitteilten, steigen die Entgelte am 1. August 2026 und am 1. August 2027 um jeweils 2,5 Prozent. Die Beschäftigten bekommen im April zudem eine Einmalzahlung von 700 Euro, für Auszubildende und dual Studierende sind es 350 Euro. Die GDL konnte zudem ihre Forderung nach einer zusätzlichen Entgeltstufe für Beschäftigte mit besonders langer Berufserfahrung durchsetzen.” Und wir Lehrkräfte bekommen +5,8% ;-))