
Schleswig-Holsteins Landesregierung führt den Direkteinstieg für Lehrämter an Grund- und Gemeinschaftsschulen ein. Mit den Stimmen von CDU und Grünen beschloss der Landtag in Kiel in zweiter Lesung die Novelle des Lehrkräftebildungsgesetzes. Sie ermöglicht Menschen mit passendem Bachelorabschluss und mehrjähriger Qualifizierung den Einstieg in ein Lehramt an diesen Schularten.
Bislang war ein Direkteinstieg nur an berufsbildenden Schulen möglich. Dieser komme aber nur dann zum Tragen, wenn an einer Schule eine freie Stelle nicht mit einer ausgebildeten Lehrkraft oder per Quereinstieg besetzt werden kann, sagte Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU). Einen Quereinstieg ohne die nötige Qualifizierung werde es daher nicht geben. «Dazu kommt noch ein zweimaliges erfolgloses Ausschreibungsverfahren», erklärte sie.
Überdies sollen die Direkteinsteigerinnen und -einsteiger laut der Ministerin in den ersten sechs Monaten an speziellen Veranstaltungen teilnehmen, um ihre pädagogisch-didaktischen Kompetenzen auszubauen. Während der auf fünf Jahre angelegten Qualifizierungsphase könnten sie zudem eine Ausbildungsberatung nutzen. Stenke betonte, dass der Direkteinstieg nur als nachrangige Option genutzt werden solle.
Kritik von Gewerkschaft und Opposition
Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht im Direkteinstieg eine Dequalifizierung des Lehrerberufs. «Lehrkräfte üben einen anspruchsvollen und komplexen Beruf aus», sagte die Co-Landesvorsitzende der GEW, Kerstin Quellmann bereits am Mittwoch.
Zur Lehrkräfteausbildung gehörten nicht nur Bachelor- und Masterstudium, sondern auch ein eineinhalbjähriger Vorbereitungsdienst, sagte Quellmann. «Da darf die Landesregierung den Zugang nicht einfach mal so für alle Menschen mit einem geeigneten Bachelorabschluss öffnen.»
Die Sorge vor einer Dequalifizierung erfüllte auch die Oppositions-Fraktionen von SPD, FDP und SSW. So warnte der Abgeordnete Martin Habersaat im Plenum vor einer Zwei-Klassen-Gesellschaft im Lehrerzimmer. «Multiprofessionelle Teams sind die Zukunft an unseren Schulen», betonte der Sozialdemokrat. Dennoch verstehe er darunter, dass dort unterschiedliche Professionen im Lehrerzimmer sitzen und nicht gut ausgebildete Deutschlehrkräfte neben schlecht ausgebildeten Deutschlehrkräften. News4teachers









Welche Vergütungsgruppe wird das geben? Ist eine Verbeamtung möglich? Haben diese Quereinsteiger den Druck des Referendariats? Die Formulierung “können Ausbildungsberatung nutzen” klingt sehr schwammig.
Selbst bei einem A12 könnte man mal gegenrechnen, ob der Verzicht auf den Master und das entfallende Referendariat finanziell nicht besser ist als die komplette mehrjährige Ausbildung und dann A13.
Wurde hier schon alles einmal durchgerechnet: Ja, ist finanziell besser als 5 Jahre für das Masterstudium und anschließendes Referendariat. Auch gut für die Pension, der frühere Berufseinstieg.
Mag alles sein, aber dennoch ist man hinterher noch überforderter als man mit Masterstudium und Ref sowieso schon ist. Wir haben doch sowieso schon eine extrem hohe Abbrecherquote bei Quereinsteigern mit Masterabschluss.
Wer die noch lohnenswerte Beamtenkarriere “mind. 3 Kinder” und “dauerkrank” anstrebt, für den lohnt sich der Bachelor-Lehrer auf jeden Fall. Familienzuschläge und unbegrenzte Lohnfortzahlung gibt es auch mit A12.
Wer natürlich erst mit 40 “quereinsteigt” für den ist der Kinderzug und die Verbeamtung oft schon abgefahren… also Abbruch bevor man in der Klapse landet…
Bachelor-Abschluss >>> Vorbereitungsdienst als Anwärter,
bei Übernahme in die Laufbahngruppe zwei, erstes Einstiegsamt gibt es A9.
Ah, ich war zu langsam 😉
In NRW wohl A9 oder A10. Das lohnt sich doch für die Landesregierung.
Hat doch eine gewisse Logik. Wenn Personal billiger wird, kann man sich auch mehr davon leisten.
Womöglich geht man, nicht ganz unberechtigt davon aus, dass in nicht allzu ferner Zukunft sehr viele akademisch gebildete Menschen von der Wirtschaft in den öffentlichen Sektor drängen (müssen).
Das erinnert an die Unterstufenlehrerausbildung in der DDR. Sie soll sehr gut gewesen sein.
War sie auch! Wurde nach der Wende aber nicht anerkannt, ebenso wenig, wie die Lehrbefähigung für ein Fach (1. bis 4. Klasse) die alle Horterzieher während ihrer Ausbildung erwarben.
Unterstufenlehrer – Wikipedia
Nur dass ich mir kaum vorstellen kann, dass die heutigen Bachelors auch nur ansatzweise mit den Absolventen aus der DDR — auch nach Abzug der politischen Indoktrinierung zzgl. heutige (digitale) Medien — mithalten können dürften.
Sagt wer?
Lieber Arbeitgeber, wie wäre es mit erträglichen Arbeitsbedingungen? Kleine Klassen, weniger Deputat – dann klappt es auch mit dem Nachwuchs UND man muss keine Deprofessionalisierung inkaufnehmen.
Viele Grüße von der Basis
…
Hallo? Haaaaalllloooo!
🙁
Das verstehen die höchstens als Wunsch nach kleineren Klassenräume, um mehr Nähe zu ermöglichen.
Sie sind verbunden mit der Telefonanlage des Kultusministeriums. Wir sind zur Zeit nicht kommunikationwillig. Bitte hinterlassen Sie Ihren Namen, Ihre Rufnummer und Ihr Anliegen. Wir rufen Sie nicht zurück. Auf Wiederhören.
In Berlin konnte man dafür rund ein Dutzend Mal streiken, als noch die Mehrheit der Lehrer angestellt war. Es machte kaum jemand mit. Die ließen sich fast alle lieber wieder verbeamten, wonach sie dann nicht mehr streiken durften.
Da sehen Sie, was Lehrern wichtiger ist: Arbeitsbedingungen oder finanzielle Vorteile!
Gut. Bald wird man mit dreijährigem dualen Studium Lehrer, wie die Verwaltungsbeamten im gehobenen Dienst auch.
Und Polizisten
Was man alles macht, um bloß die Arbeitsbedingungen nicht verbessern zu müssen. Offenbar sagt man sich: Die Qualität ist ohnehin schon hinüber, also kann man in die Vollen gehen.
Vermutlich werden wir amerikanische Verhältnisse bekommen. Diejenigen, die es sich leisten können, werden ihre Kinder auf Privatschulen schicken.
Das wird(zeitverzögert) ohnehin kommen.