
Nach sechs Wochen Sommerferien starten Hamburgs Kinder und Jugendliche am Donnerstag ins neue Schuljahr. Und erneut sind es mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt werden an den staatlichen und privaten Schulen 274.420 Schülerinnen und Schüler erwartet, wie Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) erklärte. Das seien 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 45 Jahren nicht mehr. Mit sinkenden Schülerzahlen rechne sie jedoch spätestens 2029, sagte Bekeris mit Blick auf die Geburtenraten.
Fast 255.000 Kinder an staatlichen Schulen
An den staatlichen Schulen allein seien es 254.420 Kinder und Jugendliche – 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Während an den Grundschulen 0,1 Prozent weniger Schüler erwartet würden, gehe die Behörde bei den weiterführenden Schulen von einem Plus von zwei Prozent aus. Hinzu kommen etwa 45.500 Jugendliche an einer der 29 Berufsschulen.
Die Zahl der staatlichen und privaten Schulen steigt im kommenden Schuljahr um zwei auf 471. Neu hinzugekommen seien in Lohbrügge ein Gymnasium sowie eine Grund- und Stadtteilschule. «Seit Beschluss des aktuellen Schulentwicklungsplans von 2019 haben somit 23 neue Schulen hier den Betrieb aufgenommen», sagte Bekeris. Weitere sechs Schulen sollen im Laufe des neuen Schuljahres fertiggestellt werden. Die Investitionen im neuen Schuljahr bezifferte Bekeris auf 500 Millionen Euro.
Zahl der Lehrerstellen steigt leicht
Die Zahl der Vollzeitstellen für Lehrkräfte steigt im neuen Schuljahr laut Bekeris um 112 auf 16.166. Die meisten entfallen dabei mit 5.970 auf die Stadtteilschulen, gefolgt von den Grundschulen mit 5.329 und den Gymnasien mit 4.013. An den Sonderschulen gebe es 854 Vollzeitstellen. Daneben gebe es 2.566 Stellen für das pädagogisch-therapeutische Fachpersonal. Freie Stellen an den Schulen gebe es derzeit lediglich 33, darunter vier Lehrerstellen. Das seien 0,03 Prozent der Lehrkräftestellen.
Die Klassengrößen steigen aus Kostengründen perspektivisch leicht an. Betroffen seien aber vorerst nur die Klassen 7 bis 10 an Gymnasien, die einen Schüler mehr bekommen sollen, allerdings frühestens im Schuljahr 2027/28, sagte Bekeris. Von 22 auf 24 Schülerinnen und Schüler sollen zudem die Oberstufenkurse an Gymnasien und Stadtteilschulen wachsen. «Ich verantworte den größten Einzelplan der Stadt», sagte Bekeris. 40 Prozent aller Behördenausgaben entfielen auf ihr Ressort. Da könne sie sich nicht zurücklehnen und sagen, sie beteilige sich nicht an Einsparungen.
Seit dem 1. August gibt es an den Grundschulen bundesweit einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung, die in Hamburg bereits seit 2012 etabliert ist und für alle Kinder bis 14 Jahre gilt, wie Bekeris sagte. Inzwischen nähmen an ihr fast 92 Prozent aller Grundschülerinnen und -schüler teil. Bei der Ferienbetreuung, die bis zu acht Wochen pro Schuljahr genutzt werden könne, seien es rund 51 Prozent.
Bekeris versucht beim Thema Schulbegleitung die Wogen zu glätten
Beim Thema Schulbegleitung für Inklusionskinder versuchte Bekeris die Wogen zu glätten, nachdem es vor den Sommerferien große Aufregung um Kürzungen in diesem Bereich gegeben hatte. Auslöser war ein auch aus Bekeris´ Sicht etwas unglücklich formuliertes Schreiben der Behörde, wonach Schulbegleitung eine «nachrangige, helfende Unterstützung und keine Bildungs- und Erziehungstätigkeit» sei und pädagogisch beziehungsweise sozialpädagogisch ausgebildetes Personal nur noch in Ausnahmefällen bewilligt werde.
Stattdessen sollen Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) flexibel und bedarfsgerecht eingesetzt werden, um die Kinder auf dem Schulweg und während des Unterrichts zu betreuen, hieß es. Kinder mit den sonderpädagogischen Förderbedarfen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung erhalten demnach im ersten Jahr künftig gar keine Schulbegleitung mehr.
«Im Nachhinein muss man sagen, hat das für Verwirrung gesorgt, die man so sicher hätte vermeiden können», sagte Bekeris. Schulbegleitung sei eine gesetzliche Leistung. Und gebe es einen überprüften Bedarf, dann stehe er dem Kind auch zu. Sie erinnerte auch daran, dass bereits im vergangenen Schuljahr 84 Prozent der Schulbegleiter FSJler oder sozial erfahrene Kräfte gewesen seien. Daran werde sich im neuen Schuljahr auch nicht viel ändern. Sie rechne mit etwa 700 FSJlern.
Für 2027 rund 44 Millionen Euro für Schulbegleitung eingeplant
Nach Behördenangaben wurde im Schuljahr 2011/12 noch in etwa 460 Fällen eine Schulbegleitung bewilligt. Im vergangenen Schuljahr seien es bereits rund 4.000 gewesen. Die Kosten kletterten demnach von 6,75 Millionen Euro 2014 auf 42,15 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für 2027 seien sogar 44 Millionen Euro eingeplant, sagte Bekeris.
«Wir haben viele Zuschriften über die Ferien bekommen», sagte Bekeris. Bei insgesamt 540 Fällen seien Fragen und Beschwerden eingegangen. In fast 260 Fällen habe es eine Bewilligung gegeben. Knapp 200 Fälle seien noch offen, würden aber bis Ende kommender Woche abgearbeitet. Bekeris betonte aber: «Diese Kinder gehen zur Schule, ob mit oder ohne Schulbegleitung.» Es sei keineswegs so, dass sie nun zu Hause bleiben müssten.
Aktion «Fairer Schulstart für alle Kinder» übergibt Schulranzen
Unterdessen wurden bei der Aktion «Fairer Schulstart für alle Kinder» gespendete Schulranzen an die Bildungsinitiative Zeit für Zukunft übergeben, sie an Familien mit Unterstützungsbedarf weitergibt. Insgesamt gehe es um rund 1.500 Schulranzen, erklärten die Organisatoren. Um die bereits seit 2016 existierende Aktion kümmern sich unter anderem die Drogeriekette Budni, Hanseatic Help und die Hamburger Rotary Clubs.
Zuvor hatte bereits der Hamburger Sozialverband Deutschland eine bessere Ausstattung von Familien mit geringen Einkommen gefordert. «Ein ergonomischer Schulranzen kostet zwischen 150 und 300 Euro, dazu kommen Stifte, Tuschkasten und weiteres Material für die Schule», sagte Vorständin Sally Peters. Vor allem für Eltern, deren Einkommen knapp oberhalb der Leistungsgrenzen liegen und deshalb keinen Anspruch auf entsprechende Unterstützung haben, sei das oft schwer zu leisten. Peters forderte die Stadt auf, über Unterstützungsmaßnahmen nachzudenken. «Der Schulstart darf nicht zu finanziellen Belastungsprobe für die Eltern werden.» News4teachers / mit Material der dpa
Sparmaßnahme: Schulbehörde streicht Inklusions-Fachkräfte (oder ersetzt sie durch FSJ-ler)










Aber wir machen doch alles, um den Lehrerberuf attraktiver zu machen…
https://www.news4teachers.de/2026/08/lehrerberuf-attraktiver-machen-was-der-rechnungshof-gegen-den-lehrermangel-empfiehlt/
Naja, naja, die staftigen Gehaltsnachzahlungen je nach Besoldungsstufe unterschlagen Sie mal wieder.
Was hier nochmal deutlich zu sagen ist: Die wöchentliche Arbeitszeit erhöht sich auf 47,7 Stunden. Gleichzeitig verlieren die einzelnen Schulen Lehrerstellen bei höheren Frequenzen. Das ist eine massive Verschlechterung und heftige gesundheitliche Belastung.
Abhängig davon, wie groß die entsprechenden Klassen sind, lässt sich eine Schüler*in mehr sicherlich verkraften.
Problematisch ist, dass niemand mal eine positive Vision formuliert, zB Klassengrößen auf 12 bis 15 pro Klasse; oder ein Fördersystem wie in Estland oder Finnland; oder einem Schlüssel für Kitas, in denen die Kleinsten nicht nur beaufsichtigt werden, sondern wirklich gefördert werden und teilhaben…
Es wird sich immer nur hinter Einsparungen versteckt und dabei so getan, als wären die knappen Kassen ein Naturgesetz und nicht eine politische Entscheidung.
Und einmal im Jahr wundern sich alle erwartungsgemäß bei Markus Lanz, wenn die Neuntklässler in Anbetracht von Superdiversität, neuer Medien und verwahrlosten Elternhäusern immernoch nicht lesen, schreiben oder rechnen können.
„Bekeris betonte aber: «Diese Kinder gehen zur Schule, ob mit oder ohne Schulbegleitung.» Es sei keineswegs so, dass sie nun zu Hause bleiben müssten.“
Ist klar. Das Wort „müssten“ leistet hier ganze Arbeit – wahrscheinlich auch nur unglücklich formuliert (augenroll)
Das war zu erwarten. A13 für alle, Wiederverbeamtung, Besoldungsnachzahlungen… Lehrer werden dem Staat zu teuer. Da spart man dann an anderer Stelle. Größere Klassen, weniger Lehrer sind nötig.
Glaube ich ausnahmsweise mal weniger. Es geht der Ministerin meiner Meinung nach hauptsächlich um die vorübergehende Beschulung der schon absehbar sinkenden Schülerzahl. In einigen Jahren werden durch Pensionierung frei werdende Stellen nicht mehr besetzt.
Gerechte Bezahlung ist also der Grund?
Größere Klassen, weniger werden Lehrer … wäre richtig.
Jap, das ist der logische Rückschluss.
Einfach doppelt soviele Kinder pro Klasse. Dazu die Türen öffnen und rüber brüllen. Und dann geht das schon.
Die Belastungsgrenze ist dann auch bestimmt wieder höher, weil man eine neue gewaltige Herausforderung hat.
Bestenfalls darf man sogar ein Loch durch das eine Klassenzimmer hauen, dann spart man sich etwas die Stimme.
Bei Denkmalschutz nicht so einfach, andere Gebäude fallen gefühlt sowieso schon selbst etwas ein, da macht ein Loch (mehr) auch nichts aus. Das gleicht die Gleichung dann wieder an.
Sie haben das Prinzip verstanden.
Wir könnten auch wie in anderen Ländern damals eine Einkind-Politik fahren. Dann gäbe es wahrscheinlich auch weniger Kinder.
Oder ein Los-Verfahren nach Kapazität.
Oder eine Zuordnung nach „Privilegien“.
Rein mathematisch geht sich das schon alles aus …
Mal im Ernst:
„Das war zu erwarten. A13 für alle, Wiederverbeamtung, Besoldungsnachzahlungen… Lehrer werden dem Staat zu teuer. Da spart man dann an anderer Stelle.“
Damit haben Sie recht. Wenn man sich etwas nicht leisten kann oder will … Dann ist das natürlich so. Wenn man es sich trotzdem leisten muss, dann ist man eben dabei diese Bedingungen auch zu stellen.
TROTZ dieser Bedingungen ist es weiterhin ein Mangelsystem.
Wie stellt man sich das andersrum vor?
Macht einen Job unakttraktiver und dann kommen bestimmt die Leute reihenweise?
Muss man halt auch bisschen im Kopf behalten …
„Größere Klassen, weniger Lehrer sind nötig.“
Das ist weder falsch, noch richtig per se.
Die Frage ist da „wozu nötig“?
Um das System weiterhin zu belasten und es früher zum Kollaps zu bekommen? Ja, da stimme ich dann sogar zu.
Dann ist das ein guter Weg.
Mit „größere Klassen“ meinen Sie – so gehe ich mal im Kontext davon aus – ja wahrscheinlich auch nicht den Platzfaktor [mehr Platz für weniger SuS], sondern den Klassenteiler.
So oder so … Scheinbar ein zukunftssicherer Job dann. Hehe. Immerhin..
Und der Erwartungswert ist dann irgendwann automatisch „hauptsache Betreuung“. Also Ziel erreicht? Weil anders geht das sich immer weniger mit den Forderungen, „Ziele“ und den Rahmenbedingungen aus. Irgendwann klackt es ein. Und dann bleibt es halt eben stecken.
Ja, das sind wohl die Folgen. Das Geld muss an anderer Stelle wieder eingespart werden.
Und hier geht’s weiter. Aber ist das überhaupt neu?
Als Reaktion auf den großen Lehrermangel in Brandenburg erhöht Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) die Unterrichtspflicht für alle verbeamteten Lehrer: Ab dem Schulhalbjahr 2026/27 müssen alle Beamten eine Stunde mehr pro Woche unterrichten.
https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/lehrermangel-in-brandenburg-bildungsminister-hoffmann-streicht-allen-beamten-die-entlastungsstunden-15961413.html
Ich verstehe nicht das Problem. Eine Klasse 7-10 um einen Schüler zu erweitern ist nicht problematisch. Und Kurse von 22 auf 24 ??? In Mecklenburg habe ich meist 26-28 im Kurs.
In Berlin hat man an Sekundarschulen regelhaft bis 32 oder 33 Schüler.
an der Berufsschule werden kleine Klassen geschlossen, die Schüler fahren also eine Stunde, um an die Berufsschule zu kommen und dort gibt es nicht einmal ausreichend Parkmöglichkeiten.
mit Bus und Bahn kommen sie aber auf dem Land gar nicht an, zudem müssen sie danach arbeiten gehen, was ohne Auto dann kaum möglich ist
viele können also gar keine Ausbildung machen, wenn der Weg zu weit ist
Man macht es den Schülern grundlos schwer
Zudem ist es für Lehrer extrem belastend
Bei uns kommen Schüler an, die teilweise nicht wirklich lesen, schreiben oder sich konzentrieren können und dann soll man Klassen zusammenlegen, dabei braucht man kleine Klassen, um mit den Schülern überhaupt noch arbeiten zu können
das Ziel ist ja, dass sie etwas lernen und nicht sie unterzubringen
ich unterrichte derzeit eine Klasse mit fast 30 Schülern in einem Ausbildungsberuf
Würde man die Klasse aufteilen, würden Schüler mehr lernen und ich hätte weniger Migräne
Es ist einfach nur belastend
für was zahlen Unternehmen eigentlich Steuern?
War zu erwarten. Lehrer sind einfach zu teuer geworden. Und ja trotzdem nicht genug zu finden.