BERLIN. Deutschlands Schülerinnen und Schüler verlieren bei zentralen Kompetenzen an Boden – und die Bildungspolitik sucht nach Wegen aus der Krise. Der frühere Hamburger Schulsenator Ties Rabe (SPD), unter dessen Führung sich Hamburg in bundesweiten Leistungsvergleichen von hinteren Plätzen bis in die Spitzengruppe vorarbeitete, lenkt den Blick auf einen vergleichsweise einfachen Hebel: die Unterrichtszeit.

Der frühere Hamburger Schulsenator Ties Rabe vermisst in der gegenwärtigen Debatte über die schlechten Leistungen deutscher Schülerinnen und Schüler einen aus seiner Sicht naheliegenden Ansatz. Während Fachleute und Politik über Förderprogramme, Digitalisierung, Unterrichtsentwicklung oder strukturelle Reformen diskutieren, werde eine entscheidende Größe erstaunlich selten thematisiert: wie viel Zeit Kinder tatsächlich im Unterricht verbringen. In einem Beitrag für das Deutsche Schulportal stellt er seine Löung vor.
Dabei verweist Rabe auf einen Befund der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der Kultusministerkonferenz. In ihrem Gutachten „Basale Kompetenzen vermitteln – Bildungschancen sichern. Perspektiven für die Grundschule“ heißt es: „Empirische Befunde zeigen deutlich, dass bei zusätzlicher Unterrichtszeit höhere Fachleistungen erreicht werden.“
Für Rabe ist dieser Satz von erheblicher bildungspolitischer Tragweite. „So viel Klarheit gibt es selten: Eine Reform, die zu höheren Fachleistungen führt und deren Erfolg ‚empirisch‘ und ‚deutlich‘ nachgewiesen ist – besser geht es doch gar nicht!“, schreibt der frühere Senator. Und er fügt hinzu: „Und eigentlich ist es auch ganz logisch. In drei Unterrichtsstunden lernt man mehr als in zwei.“
Umso unverständlicher ist für ihn, dass die Unterrichtszeit in der bildungspolitischen Debatte kaum eine Rolle spielt. „Dafür hätte die Schulwelt vermutlich kein knapp 190 Seiten starkes Gutachten gebraucht. Viele Bildungspolitiker und -experten aber offenbar schon. Denn die Unterrichtszeit steht leider selten auf ihrem Diskussionszettel.“
Konkret schlägt Rabe vor, allen Grundschulkindern wöchentlich jeweils eine zusätzliche Stunde Deutsch und Mathematik zu geben. Nach seiner Rechnung entspräche das gegenüber dem bisherigen Umfang einem Plus von 20 bis 25 Prozent in diesen beiden Fächern. Über die vier Grundschuljahre summiere sich die zusätzliche Zeit auf eine Größenordnung, die einem Dreiviertel- bis ganzen Schuljahr entspreche.
Rabe zieht daraus eine weitreichende Schlussfolgerung: „Damit wären mit einem Schlag die meisten Bildungsprobleme in Deutschland gelöst.“
„Es ist gleichgültig, ob ausschließlich die Betreuungszeit oder ob auch die Unterrichtszeit erhöht wird. Beides kostet Geld“
Zur Begründung verweist er auf die Lernzuwächse, die in Bildungsstudien zwischen verschiedenen Jahrgangsstufen gemessen werden. Nach seinen Angaben verbessern sich Grundschulkinder laut IGLU innerhalb eines Lernjahres im Lesen durchschnittlich um rund 40 Punkte. Mit einem solchen Zuwachs, rechnet Rabe vor, würden Deutschlands Grundschulkinder beim Lesen vor England und Finnland liegen. „Mit 40 Punkten mehr wären Deutschlands Grundschulkinder Europameister im Lesen“, schreibt er.
Die Forderung nach mehr Unterricht führt unmittelbar zur praktischen Frage, woher die dafür benötigten Lehrkräfte kommen sollen. Den erwartbaren Einwand formuliert Rabe selbst: „‚Zu teuer, keine Lehrer!‘, werden Kritiker entgegnen.“ Seine Antwort: „Abwarten.“
Rabe beziffert den zusätzlichen Personalbedarf für zwei weitere Wochenstunden an allen Grundschulen überschlägig auf rund 11.000 Vollzeitstellen. Er setzt dabei auf eine Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren nach seiner Einschätzung deutlich bemerkbar machen wird: sinkende Schülerzahlen und eine wachsende Zahl ausgebildeter Lehrkräfte.
Viele Bundesländer hätten ihre Lehrerbildung reformiert, zugleich gingen die Schülerzahlen zurück. Das Ende des Lehrkräftemangels rücke deshalb näher und werde von zahlreichen Bildungsforscherinnen und Bildungsforschern bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre erwartet, argumentiert Rabe.
Die zusätzlichen Stunden sollen deshalb nicht sofort in allen Klassenstufen eingeführt werden. Rabe schlägt ein aufwachsendes Modell vor: In zwei bis drei Jahren könnte zunächst die erste Klasse beginnen, anschließend käme Jahr für Jahr eine weitere Klassenstufe hinzu. „Wenn in zwei bis drei Jahren, beginnend mit Klassenstufe 1, jedes Jahr aufwachsend eine Klassenstufe eine Stunde mehr Unterricht bekommt, dann ist vieles möglich, was heute unmöglich scheint.“
Auch bei den Kosten setzt Rabe auf eine Entwicklung, die ohnehin bevorsteht: den Ausbau des Ganztags. Bis 2029, führt er aus, werden alle Grundschulkinder einen Rechtsanspruch auf Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr haben. Die Bildungs- und Betreuungszeit müsse dafür ohnehin ausgeweitet werden.
Sein Argument: Wenn Kinder künftig länger in der Schule bleiben und dafür zusätzliches Personal bereitgestellt werden muss, könne ein Teil dieser Zeit ebenso für zusätzlichen Unterricht genutzt werden. „Und es ist gleichgültig, ob ausschließlich die Betreuungszeit oder ob auch die Unterrichtszeit erhöht wird. Beides kostet Geld.“
Ohne solche Effekte veranschlagt Rabe die Kosten für die von ihm errechneten rund 11.000 zusätzlichen Vollzeitstellen auf etwa eine Milliarde Euro jährlich. Tatsächlich könnten die Mehrkosten seiner Einschätzung nach bis auf null sinken. „Theoretisch eine Milliarde Euro pro Jahr für die rund 11.000, aber viel wahrscheinlicher null Euro. Ja, Sie haben richtig gelesen.“
Rabe verweist dabei auf Berechnungen des Deutschen Jugendinstituts für die Bundesregierung. Danach würden für eine Betreuungsstunde am Nachmittag gut zwei Erzieherinnen beziehungsweise Erzieher pro Schulklasse benötigt. „Da ist eine normale Unterrichtsstunde mit einer Lehrkraft pro Schulklasse sogar preiswerter!“, folgert er. Zudem seien die Mehrkosten für die Ganztagsangebote längst in den entsprechenden Programmen berücksichtigt.
Dass sich die verschiedenen Finanzierungsstrukturen von Ländern, Kommunen und Trägern nicht reibungslos zusammenführen lassen dürften, kalkuliert Rabe dabei ein. Selbst wenn die möglichen Synergieeffekte „aufgrund von Eigensinnigkeiten, Tricks und Schummeleien in den Finanzbeziehungen zwischen Ländern, Kommunen und Trägern“ nur teilweise genutzt werden könnten, wäre mehr Unterricht seiner Einschätzung nach deutlich günstiger als andere große Schulreformen wie das Startchancen-Programm oder der DigitalPakt Schule.
Doch Rabe fordert nicht nur zusätzliche Unterrichtsstunden. Er stellt zugleich den Umgang mit der bereits vorhandenen Unterrichtszeit infrage. „Das Problem: Nicht nur die Politik nimmt die Unterrichtszeit nicht ernst genug. Auch die Schulwelt bringt ihr nicht immer die Wertschätzung entgegen, die sie verdient hätte.“
Aus dem Gefühl heraus, dass Unterrichtszeit in großer Menge vorhanden sei und ohnehin erhebliche Teile des Lebens von Kindern beanspruche, werde wertvolle Zeit teilweise schlicht vertan, argumentiert der frühere Schulsenator. Er formuliert es deutlich: „Aus dem Gefühl heraus, dass Unterrichtszeit in Hülle und Fülle vorhanden ist und übergroße Lebensanteile der Kinder beansprucht, wird wertvolle Unterrichtszeit manchmal sogar schlicht vertrödelt.“
Dafür nennt er eine Reihe von Beispielen aus dem Schulalltag: „Muss man in den letzten Tagen vor den Sommerferien wirklich so viele Filme gucken und Quizspiele veranstalten? Ist es zwingend nötig, jüngere Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, damit die älteren ihre Abschlussklausuren schreiben können? Warum finden so viele Fortbildungsmaßnahmen und Lehrerkongresse vormittags statt? Warum fällt der Unterricht nach einem Ausflug oft auch dann aus, wenn dieser schon um 11 Uhr endet? Und warum läuft der Unterricht nach den Zeugniskonferenzen in vielen Schulen nur noch auf Sparflamme?“
„Nicht wenige engagierte Lehrkräfte wachen morgens mit dem Gedanken an den Unterricht auf und gehen abends mit der Unterrichtsplanung für den nächsten Tag ins Bett“
Rabe kennt solche Auseinandersetzungen aus seiner eigenen Amtszeit. Als Hamburg 2011 die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden an Grundschulen von 26 auf 27 erhöhte, hätten viele Schulen mit Rückendeckung der Schulbehörde Frühstückspausen in den Unterricht integriert, um die Kinder „zu entlasten“, berichtet er.
Hinter diesem Umgang mit Unterrichtszeit vermutet Rabe keine mangelnde Einsatzbereitschaft der Lehrkräfte. Im Gegenteil: Gerade ihr starkes Engagement könne die Wahrnehmung beeinflussen. „Nicht wenige engagierte Lehrkräfte wachen morgens mit dem Gedanken an den Unterricht auf und gehen abends mit der Unterrichtsplanung für den nächsten Tag ins Bett.“
Aus diesem persönlichen Erleben entstehe möglicherweise das Gefühl, auch die Kinder hätten ständig Unterricht. „Und dann will man ihnen vielleicht ‚etwas Gutes tun‘, sie ‚entlasten‘ und bei der Unterrichtszeit nicht auf die Minute achten. Doch das ist ein Fehler.“
Denn während Kinder immer mehr Zeit in der Schule verbrächten, bleibe die eigentliche Unterrichtszeit begrenzt. „Unterricht bleibt für sie ein rares Gut“, betont Rabe.
Bei den in Deutschland üblichen 24 Wochenstunden in der Grundschule komme ein Kind auf 216 Minuten Unterricht pro Schultag, rechnet er vor. Gleichzeitig sei wegen Wochenenden, Ferien und Feiertagen an ungefähr jedem zweiten Tag des Jahres schulfrei. „Überschlägig verbringt ein Grundschulkind deshalb nicht einmal ein Sechstel der Zeit zwischen Aufwachen und Schlafengehen im Unterricht. Mehr als fünf Sechstel lernt das Kind woanders – hoffentlich.“
„Angesichts dieser verschwindend geringen schulischen Lernzeit darf man sich nicht wundern, dass es der Schule nicht gelingt, die durch das Elternhaus bedingten gewaltigen Bildungsunterschiede zu überwinden. Dafür fehlt der Schule schlicht die Zeit“, schreibt Rabe. Sein Argument spitzt er auch zeitlich zu: „Der Einfluss des Elternhauses und anderer außerschulischer Kräfte ist allein zeitlich betrachtet mehr als fünfmal so hoch.“
Besonders wichtig sei dies bei den sprachlichen und mathematischen Schlüsselkompetenzen – etwa beim Lesen. Denn Rabe sieht Hinweise darauf, dass entsprechende Lerngelegenheiten in einem Teil der Familien zurückgehen.
Er verweist dafür auf den IQB-Bildungstrend. Danach habe sich der Anteil der Kinder aus Familien mit weniger als zehn Büchern innerhalb der vergangenen 15 Jahre verdoppelt. Mittlerweile gebe es in knapp 40 Prozent der Familien weniger als 25 Bücher – Kinderbücher eingeschlossen. „Das sind klare Hinweise darauf, dass die Bildungszeit in den Familien zurückgeht“, folgert Rabe.
Damit verknüpft er die Forderung nach mehr Unterricht unmittelbar mit der Frage der Bildungsgerechtigkeit. Je weniger Kinder außerhalb der Schule Gelegenheit haben, grundlegende sprachliche und mathematische Fähigkeiten einzuüben, desto größere Bedeutung misst Rabe der schulischen Lernzeit bei.
Seine Schlussfolgerung fällt entsprechend eindeutig aus: „Mehr Unterrichtszeit ist deshalb eine gute und richtige Antwort auf unsere Bildungsprobleme. Mehr Unterrichtszeit ist bezahlbar, nachweislich sehr wirksam und als Reform leichter umzusetzen als fast alle anderen Bildungsreformen.“
Dass Rabe ausgerechnet diesen Ansatz in den Mittelpunkt rückt, hat auch vor dem Hintergrund seiner eigenen politischen Bilanz Gewicht. Von 2011 bis 2024 leitete der SPD-Politiker als Senator die Hamburger Schulbehörde. In dieser Zeit arbeitete sich Hamburg in bundesweiten Leistungsvergleichen von hinteren Plätzen bis in die Leistungsspitze der Länder vor. Rabes Bildungspolitik setzte dabei unter anderem auf verbindliche Leistungskontrollen und eine stärkere Konzentration auf die grundlegenden Kompetenzen.
Vor seiner politischen Laufbahn war Rabe selbst Lehrer für Religion, Deutsch und Geschichte an einem Hamburger Gymnasium. In seinem unlängst erschienenen Buch („Endlich mal anfangen. Was Kinder und Schulen wirklich brauchen, um Bildung zu sichern“) beschäftigt er sich mit den Ursachen der deutschen Bildungskrise und möglichen Gegenmaßnahmen.
Mehr Unterrichtszeit hält er dabei für eine vergleichsweise einfach umzusetzende Reform. „Denn wir müssen dafür weder die Schulen umbauen noch ein gewaltiges Bildungsprogramm starten. Wir müssen nicht 750.000 Lehrkräfte auf Fortbildungen schicken, kein bundesweites Datennetz aufbauen, weder das Grundgesetz ändern noch die Bund-Länder-Verhältnisse neu ordnen.“ Was stattdessen geschehen soll, fasst Rabe in einem Satz zusammen: „Wir müssen eigentlich nur anfangen.“ News4teachers
Hier geht es zum vollständigen Beitrag auf dem Deutschen Schulportal.










„ Muss man in den letzten Tagen vor den Sommerferien wirklich so viele Filme gucken und Quizspiele veranstalten? Ist es zwingend nötig, jüngere Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, damit die älteren ihre Abschlussklausuren schreiben können? Warum finden so viele Fortbildungsmaßnahmen und Lehrerkongresse vormittags statt? Warum fällt der Unterricht nach einem Ausflug oft auch dann aus, wenn dieser schon um 11 Uhr endet? Und warum läuft der Unterricht nach den Zeugniskonferenzen in vielen Schulen nur noch auf Sparflamme?“
Zu Satz 1 und 5:
In den letzten Tagen vor den Ferien, nach den Zeugniskonferenzen, finden Projekte statt, Wandertage/Klassenfahrten, teilweise regulärer Unterricht, und ja, es wird auch mal ein Film geschaut. Die SuS sind durch von der anstrengenden Zeit zuvor, und da sie wissen, dass ihre Leistung nicht mehr benotet wird, zum großen Teil auch unmotiviert.
Zu Satz 2:
Schon mal in einer normalen Schule gewesen? Schon mal mitbekommen, dass es in den Pausen laut ist? Schon mal was von Aufsichten während der Abiturklausuren gehört? Und schon mal was von Raummangel vernommen? Es hat nun mal nicht jede Schule eine große Aula, in welcher alle SuS gemeinsam schreiben können. Dann braucht man für jeden Klausurraum zwei Aufsichten für bis zu sechs Zeitstunden, sowie mindestens eine Fluraufsicht. Dann fällt in den anderen Klassen Unterricht aus bzw. muss vertreten werden, weil in der Matheklausur auch ein Mathelehrer Aufsicht haben sollte.
Zu Satz 3:
Meine Fortbildungen beginnen frühestens 14.30 Uhr, online inzwischen 16.00 Uhr – anders werden die garnicht angeboten. Wenn ich vorher durchgehend Unterricht hatte, bin ich dann eigentlich schon durch – sinnvolles Fortbilden kaum möglich. Dann kommt dazu, dass auch der nächste Tag noch vorbereitet werden muss. Aber ja, Herr Rabe kann gern anregen, dass in Behörden Fortbildungen erst ab 16 Uhr stattfinden – selbstverständlich ohne Ausgleich der Mehrarbeitszeit. Mal sehen, wie effektiv so eine Fortbildung dann bei den Behördenmitarbeitern so läuft. PS: zu einer Fortbildung, so diese in Präsenz stattfindet, muss man anreisen. Und dafür braucht man Zeit.
Zu Satz 4:
Ich kenne am Gymnasium keine Ausflüge, die bereits um 11 enden. An Grundschulen könnte das damit zusammenhängen, dass der Regelunterricht für die betreffenden Klassen bereits um 12 enden würde: will Herr Rabe ernsthaft dann noch ne Stunde Mathe dranhängen? Wie effektiv wäre diese Stunde in Bezug auf den Lernzuwachs?
Boah, das ist wieder so ein Sinnfrei-Gelaber. Hauptsache, man hat da mal was gesagt.
Mehr Unterricht passt schon, aber im Sinne von mehr unterrichten und weniger begleiten
Zunächst: Mehr Unterrichtszeit? Bitte!
Für solche Geniestreiche wurde Herr Rabe aus fem Verkehr gezo.. befördert! 😛
„Auch die Schulwelt bringt ihr nicht immer die Wertschätzung entgegen, die sie verdient hätte.“
Quellen? Oder soll da nur die Woche vor den Sommerferien herhalten?
„Muss man in den letzten Tagen vor den Sommerferien wirklich so viele Filme gucken und Quizspiele veranstalten?“
Nachdem die Zeugnisse geschrieben und ausgeteilt sind? Projektwoche wäre schon „cool“, wenn die Politik sich genug um Schulen scheren und Klimaanlagen etc. anschaffen würde, um noch Leistung erwarten zu können…
„Warum finden so viele Fortbildungsmaßnahmen und Lehrerkongresse vormittags statt?“
Während der Arbeitszeit? Ist echt seltsam. Shout Out an die Kolleg*innen, die nachmittags und am Wochenende Fortbildungen besuchen und demonstrativ von der Politik übersehen werden!
„Warum fällt der Unterricht nach einem Ausflug oft auch dann aus, wenn dieser schon um 11 Uhr endet?“
Ich entließ dieses Frühjahr verwegen und z.T. zum Unverständnis meiner Kolleg*innen meine Klasse vor Ort in der Stadt, anstatt mit ihnen wieder zur (derzeit nicht beheizten) Schule zurückzugehen, um sie nach 15 min stundenplankonform zu entlassen. Nicht auszudenken, was Herr Rabe da und in den letzten drei Schultagen noch vollbracht hätte…
„Und warum läuft der Unterricht nach den Zeugniskonferenzen in vielen Schulen nur noch auf Sparflamme?“
Quelle dazu? Wohl großer Fan von „pädagogischem Blabla“, wenn automatisch von Sparflamme ausgegangen wird? Hier KÖNNTE man theoretisch über Optimierungsmöglichkeiten sprechen – angefangen damit, mit Lehkräften zu sprechen, anstatt Vorurteile in den öffentlichen Raum zu werfen – aber ich würde diese Diskussion ehrlichgesagt gerne führen, NACHDEM wir nicht deutlich mehr Stunden an die Sommerhitze des Klimawandels opfern.
„Aus dem Gefühl heraus, dass Unterrichtszeit in Hülle und Fülle vorhanden ist […]“
Nur in Ihrer Welt, Herr Rabe, der Rest klagt über Lehrkräftemangel mit zu wenig Unterrichtsstunden, zu großen Lerngruppen und zu wenig Unterstützung durch bspw. Sopäds.
Haben halt nicht alle den Komfort abzuwarten, bis sich die Demografie der gescheiterten Bildungspolitik entgegenerbärmlicht hat (, lässt jedoch Rückschlüsse über die Faktoren des Demografischen Wandels zu…)
Sorry, für den Rant, aber ich wurde durch die Überschrift irregeführt, da würde jemand etwas aktiv fordern, anstatt Nichtstun zu rechtfertigen -__-
Ich stimme vollumfänglich zu!
Und so viel mehr Geld kostet es, glaube ich, nicht:
Ich hatte mal eine Rückfrage vom Ministerium (ja, vom MSB), warum ich einen Mathetest am letzten Tag vor den Herbstferien schreiben ließ. Die Mutter, die sich direkt ganz oben beschwerte, war der Ansicht, dass man doch die Kinder sanft gleitend in die Ferien entlassen sollte…..
Das MSB war sich also nicht zu schade, dem mal nachzugehen…..i
Was haben Sie geantwortet: „Sorgen Sie im MSB doch mal dafür, dass unsere Schuljahre alle gleich lang sind und nehmen BaWü und BY dieses Privileg weg„?
Diese manchmal sehr kurzen SJ stellen auch uns am Gym vor Terminprobleme,
Aber, aber wer wird denn im Schulsystem über Privilegien diskutieren wollen?
Oder doch? Frage für einen angestellten Lehrer.
Aber, aber – das Streikrecht ist doch ein „echtes“ Privileg gegenüber den „armen“ verbeamteten Lehrerknechten und -mägden.
Wäre die Völklinger Straße an die Schulferien gebunden, wäre da nix gekommen.
Die ist ans Homeoffice gebunden … man kann auch von Malle aus „arbeiten“.
Nee, das ist mobiles Abeiten. Ich verstehe ja auch nicht, warum – das weltoffene OWL ist da natürlich eine Ausnahme -, warum hier von einigen Homeoffice eingefordert wird. Mobiles Arbeiten wäre viel sinnvoller:) – Meinetwegen auch von Malle aus.
PS Nicht wenige Einfälle der Völklingerstraße erinnern bezüglich ihrer Entstehung ohnehin an die „Carrer del Pare Bartomeu Salvà“.
Nein, nein, nein.
Wir brauchen doch mehr „DAAATEN!“, habe wir doch alle hier vor kurzem gelesen…
Mehr Unterricht bedeutet aber mehr Lehrerstellen, die es aktuell nicht gibt und die aufgrund der demographischen Entwicklung nicht mehr geschaffen werden. Das gilt auch für Studienplätze. Außerdem müssen Menschen davon überzeugt werden, sich selbst bei vorhandenen Studienplätzen und Stellen den Beruf auch zu ergreifen. Das setzt wiederum Arbeitsbedingungen, Einkommen und Aufstiegschancen voraus, die aktuell auch zu schlecht sind — gerade im ländlichen Raum und/oder im reinen Sek I-Bereich.
Sie werden staunen, im kommenden Durchlauf hat das Seminar so viele Refis wie schon seit Jahren nicht mehr. Es scheint also noch immer genug Verrückte zu geben…..
Auch wenn unsere Kommentare nicht immer den Eindruck vermitteln: Das Unterrichten von Kindern und Jugendliche ist nach wie vor eine sehr schöne Aufgabe und es gibt viele, die das gerne machen möchten.
Und der Beamtenstand hat halt seine Vorteile, auch wenn es Hasi gibt…
Diese Verrückten haben das Studium spätestens kurz vor der Pandemie begonnen. Gerade in der Zeit hat man gemerkt, wie gut es die Bundesländer mit ihrem Personal meinen.
Sie werden staunen, an unserer Schule wurde den Refis schon 1/2 Jahr vor Abschluss mitgeteilt, dass sie nicht übernommen werden. Auch in der näheren Umgebung scheint es trotz Mangelfach keine Chancen zu geben. Mit Glück kommen die für ein paar Monate unter (vermutlich bis zur Arbeitslosigkeit über die Sommerferien), weil dauerkranke Lehrer vertreten werden müssen, für die absolut kein Ersatz gefunden werden kann, weil alle schon weit übers Erträgliche hinaus überlastet sind. Einfach nur krank, dieses System.
War bei uns ähnlich, die Info kam allerdings erst kurz vor den ersten Prüfungsterminen. Im kompletten Kreis durfte keine feste Stelle ausgeschrieben werden, damit die Refis an Brennpunktschulen im unbeliebten Nachbarkreis unterschrieben haben – als Vertretung für 3 Jahre, erst dann „winkt“ eine Festanstellung.
Die Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sind einer Schule ja auch nur durch das ZfsL zugewiesen. Und bestimmungsgemäß endet der Vorbereitungsdienst zum vereinbarten Zeitpunkt. Deshalb sind LAA und Refis ja auch lediglich auf Zeit verbeamtet. Das ist nicht anders als bei anderen Behörden, die ja ebenfalls Referendare und Anwärter ausbilden.
Hamburg hat gerade die Arbeitszeit für alle Beamten auf 41 Wochenstunden erhöht. Da fällt doch sicherlich ein Stündchen mehr Unterricht für die Lehrkräfte ab, oder?
Rabe bereitet mit seinem Gelaber nur eine allgemeine Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung in allen Bundesländern vor. Wegen „Zukunft“, „Kiiinder!“, „privilegierte Beamte“ usw. usf.
Der erfolgreiche Bürgerentscheid kostet Hamburg derart viel Geld, dass der Stadt nichts anderes übrig blieb.
Nach meinen Informationen beträgt die Wochenstundenzahl in Mathematik von Klasse 1 – 4 in HH = 21 Wochenstunden, in Finnland wären es 15 Wochenstunden.
Wenn die Logik mit dem Punktezuwachs so einfach ist, müsste Hamburg bei den innerdeutschen Leistungsvergleichen IQB-Mathematik 4 . Klasse also ganz deutlich weiter über dem Schnitt der DE-16 liegen als Finnland bei den IGLU-Studien.
Dafür nennt er eine Reihe von Beispielen aus dem Schulalltag: „Muss man in den letzten Tagen vor den Sommerferien wirklich so viele Filme gucken und Quizspiele veranstalten? Ist es zwingend nötig, jüngere Schülerinnen und Schüler nach Hause zu schicken, damit die älteren ihre Abschlussklausuren schreiben können? Warum finden so viele Fortbildungsmaßnahmen und Lehrerkongresse vormittags statt? Warum fällt der Unterricht nach einem Ausflug oft auch dann aus, wenn dieser schon um 11 Uhr endet? Und warum läuft der Unterricht nach den Zeugniskonferenzen in vielen Schulen nur noch auf Sparflamme?“
Ersten Punkt kann ich verstehen, viele Schüler reagieren aber sehr genervt, wenn man in den letzten Wochen (!) nach den Zeugniskonferenzen noch normalen Unterricht macht. Dennoch sehe ich im Normalfall nicht davon ab…
Bei Abschluss-Klausuren schicken wir andere Jahrgänge nicht nach Hause. Wo soll das denn bitte passieren?
Und wo gibt es die zahlreichen Fortbildungen und Konferenzen vormittags? Ich habe das selbst als Schüler noch erlebt, als Lehrkraft aber nicht.
Aus dem Gefühl heraus, dass Unterrichtszeit in großer Menge vorhanden sei und ohnehin erhebliche Teile des Lebens von Kindern beanspruche, werde wertvolle Zeit teilweise schlicht vertan, argumentiert der frühere Schulsenator. Er formuliert es deutlich: „Aus dem Gefühl heraus, dass Unterrichtszeit in Hülle und Fülle vorhanden ist und übergroße Lebensanteile der Kinder beansprucht, wird wertvolle Unterrichtszeit manchmal sogar schlicht vertrödelt.“
Sein wir doch mal ehrlich, ein großer Teil wird eben mit Dingen verbracht, die wir als Gesellschaft der Schule aufladen. Bei allen neuen Nachrichten kommen neue Forderungen, was Schule noch so leisten soll:
Bevölerungsschutz, Gesundheitserziehung, gesunde Ernährung und Kochen, Klima und BNE-Ziele, sexuelle Orientierung und -Identität, Demokratieerziehung, Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus, interreligiöser Dialog, Selbstorganisation schon bei dafür viel zu jungen Kindern, Digitalität, Mobbing, Cybermobbing, Sicherheit im Netz, Umgang mit psychischen Problemen usw.
Das sind alles wichtige Dinge, die früher zu Hause und teilweise im Fachunterricht mitgemacht wurden. Das reicht aber offenbar nicht mehr – heute müssen daraus medienwirksame Projekttage und -wochen werden. Und dann wundern wir uns, dass wir zu wenig Zeit im Unterricht haben?
Natürlich kann man jetzt Zusatzstunden einplanen für Kinder, die eh schon im Ganztag in den Schulen aufbewahrt werden. Oder man fokussiert sich eben wieder auf die Kerninhalte von Schule.
Die Lehrkraft möchte ich sehen, die nach Notenschluss noch normalen Unterricht macht und Stoff durchnimmt und die Schüler*innen machen auch noch mit. Hab ich schon lange aufgegeben…
Es ist ja nicht so, dass wir eine große Wahl hätten: Bspw. in Naturwissenschaften haben wir das Schuljahr in den Jahrgängen 9 und 10 in drei gleich große Stücke geteilt, in denen wir die Chemie-, Physik- und Biologie-Einheiten unterrichten. Die Einheiten sind so schon zeitlich kaum zu schaffen. Insofern werden sie auch nach Notenschluss weiter durchgezogen.
In Jahrgang 9 ist das der Stoff, den man als Grundlage in Jahrgang 10 braucht. In Jahrgang 10 machen wir Sachen, die wir für die Oberstufe brauchen. Wer da nicht mitarbeitet, hat eben Pech gehabt. Meist verstehen die Schüler das aber auch.
Grundsätzlich finde ich es unnötig, wenn die Kids noch mehrer Wochen in der Schule rumhängen und nur Filme schauen und Eis essen – da könnten sie ja auch früher in die Ferien starten. Auch das verstehen viele Schüler und lassen sich dann doch überzeugen, die Zeit wenigstens sinnvoll zu nutzen, wenn sie doch eh schon in der Schule sein müssen.
Tatsächlich fällt je nach Schule/Schulform und Kollegium unterschiedlich viel Unterricht aus, und teilweise eine erhebliche Menge an Unterrichtszeit.
Ich gehöre zu den Lehrkräften, die (bis auf vielleicht die letzte Stunde vor den Sommer-/Weihnachtsferien) immer durchziehen und weiterarbeiten. Aber es stimmt tatsächlich, dass viele SuS nicht mehr mitziehen. Das ist ein Problem und hängt mit den sehr frühen Zeugnis-/Notenkonferenzen zusammen.
Zudem hat jede Schule viele Sonderprojekte/spezielle Schulvernstaltungen/Europatage/Praktika usw. Wenn es mal dumm läuft, habe ich dann mal schnell 2-3 Wochen kaum Unterricht in meinen Hauptfächern. Solche Veranstaltungen sind hut und wichtig, aber sollte auch all dies mit Augenmaß erfolgen.
Schließlich das Vertretungskonzept, dass es sicher an fast allen Schulen gibt, aber nicht immer gelebt wird bzw umsetzbar ist.
Bei mir kommt es darauf an. Wenn es prüfungsrelevant ist, dann aufjedenfall. Da ziehen auch ein paar SuS mit. Ansonsten eher weniger. Gibt aber übrigens auch „schwierige“ Filme/Filmausschnitte, die man zeigen kann. „Grave of the fireflies“, „requiem for a dream“, „trainspotting“, „american history x“, „i stand alone“ etc. Die kommen wenigstens bei einigen SuS gut an. Hängt natürlich auch davon ab, wie viel ich mit Zeugnissen und Blockklassen (da sind die Konferenzen kurz vor dem letzten Schultag) zu tun habe.
idiocracy natürlich auch
Nach meinem Eindruck scheint der Zusammenhang eher umgekehrt proportional zu sein:
Je mehr Zeit die Kinder in Schulen und Betreuungseinrichtungen verbringen, desto schlechter scheinen die Ergebnisse zu werden.
Zu meiner Grundschulzeit gab es, zumindest in den ersten Klassen Tage mit zwei oder drei Schulstnnden und maximal vier, oder so.
Die Kita war für die Mehrheit auch um zwölf beendet.
Möglicherweise gibt es Faktoren, die da entscheidender sind.
In HH gibt es verlässliche Grundschule bis 13:00. Das sind fünf Zeitstunden, netto vier. Danach gibt es Ganztag. In HH schon länger flächendeckend verankert mit einer Besuchsquote von 85 Prozent.
Trotz einer relativen Verbesserung scheint es für Spitzenwerte dennoch nicht gereicht zu haben, obgleich man das seit über einem Jahrzehnt praktiziert.
Ich würde das Schulsystem eines BL auch nicht allein am Gesamtschnitt aller Teilgruppen messen, sondern auch daran wie dort die SuS aus der sozial-benachteiligten Schicht und die SuS mit Geburtsort im Ausland abschneiden.
In NRW beträgt die Arbeitszeit für Beamte bereits 41 Stunden…….
… und tarifberechtigte Lehrkräfte natürlich nicht trotz gleichem Deputat. Komisch, nicht
Da ist Herr Rabe etwas ganz großem auf der Spur!
„Was heisst hier Hungersnot – auf just der Kutschfahrt eben sah ich Bauernvolk, dass die geernteten Felder nicht nach Körnern absuchte!“
1. Sommerferien bzw. generell Ferienzeitquatsch: Glückwunsch an den Herrn von der SPD (–> GEW), welches „Hackenzusammenknallen“ und welchen „Kasernenhofstil“ in Schulen wünscht der Herr Genosse denn?
Selbst Mitglied einer Partei, die nicht so ganz unwesentlich zum gezielten Abbau von Disziplin und Autorität in der Schule beigetragen hat – jetzt über die EIGENE, JAHRZEHNTELANGE Parteilinie jammern?
Auf die Idee, SuS bei fertigen Zeugnissen noch so richtig zu knechten (warum eigentlich? Nach 6 Wochen Ferien ist eh alles wieder weg) käme nicht mal ich.
2. „Fortbildungen?“
Die vorgesetzten Behörden (also die Politik) ist es doch, die diesen Unfug (abgesehen von Neuimplementationen bei Klausuren/Notengebung und wenigen anderen Ausnahmen) will!
Und vormittags?
In welcher Traumwelt?
Wenn überhaupt, dann geht es bis 1600 durch.
APROPOS ARBEITSZEIT:
Da Herr Rabe es damit so genau nimmt, wird die Arbeitszeit der Lehrer in Hamburg ja sicher passend zur höchstrichterlichen Rechtssprechung auf Bundes- und EU-Ebene (!) erfasst und Überstunden bezahlt oder ausgeglichen, richtig?
…
..
.
RICHTIG?
😀
Die Äusserungen von Herrn Rabe lassen sich da recht einfach einordnen:
Wenn systemisch nix mehr geht bzw. die Leistunfen nachlassen, man aber dafür als obere Charge keine Verantwortung übernehmen kann oder will – dann wird an minimalsten, das Gesamtsystem kaum beeinflussbaren Aspekten der unteren Ränge herumgemäkelt.
Über Hamburg kann ich nicht viel sagen. Aber wenn ein kultusministerieller Quarkknödel zu uns kommen würde und was von „mehr Unterricht“ schwafelt, dann dürfte der einen sehr unangenehmen Tag erleben.
Der müsste sich zuerst mal für die knapp bemessenen Lehrkräfte rechtfertigen, dafür, dass wir z.B. regelmäßig 2 Klassen beaufsichtigen müssen, was echten Unterricht faktisch ausschließt.
Dann dafür, dass es keine Kernlehrpläne gibt und ich bei Schülern mit Defiziten nicht sagen darf „der Teil des Lehrplans ist Unsinn, konzentrieren wir uns auf das Wichtige“. Also zumindest nicht offiziell….
Dann reden wir über die Temperaturen im Sommer in den Klassenzimmern und wie da Unterricht stattfinden soll.
Und einiges mehr.
Wie so oft: Ein Staat organisiert etwas, was nicht läuft, und als Lösung fordert irgendwer mehr von dem, was nicht läuft.
Ich hab es hier schonmal geschrieben und schreibe es wieder: Solange der Staat nicht in der Lage ist, Schülern in 9 Jahren sicheres Lesen und Rechnen beizubringen, solange kann es keine legitime Forderung nach Mehr Unterricht geben. Wenn 9 Jahre dafür nicht reichen, liegt das Problem im System und das kann man nicht mit mehr Unterrichtszeit heilen.
„Damit wären mit einem Schlag die meisten Bildungsprobleme in Deutschland gelöst.“
Jawollja, wenn Panzerband nicht hält, nimmt man – noch mehr Panzerband!
Mehr Unterricht, das klingt nach einer guten Idee. In vier Wochenstunden Deutsch kann man mehr in die Köpfe bringen als in nur drei Stunden.
Aber man braucht auch eine Unterrichtskultur, die den Erwerb von Wissen und Können fördert. Ohne evidenzbasierte Methoden wird das nichts.
Mehr effektive Lernzeit: sehr gerne!
—> Gedöns weglassen
z.B. Konflikt-, Kommunikations- und Sozialtrainings, Projektwoche XY, standardisierte Diagnostik parallel zum Lehrgang, Medienkompetenztrainings und derlei mehr.
Außerdem super wären:
Mich würde eh mal interessieren, wieviel Wochenstunden Unterricht SchülerInnen in anderen Ländern in den getesteten Fächern haben. Aber das wird nicht veröffentlicht oder nicht mal erhoben – zumindest finde ich darüber nichts.
Toll, auf was für Ideen man kommt wenn man als Ex-Schulsenator sein eigenes Buch promoten muss und schon lange keine Schule mehr von innen gesehen hat und vermutlich auch keinem spielenden oder pubertierenden Kind mehr begegnet ist.
Rabes Nachfolgerin hat gerade erst eine zusätzliche Stunde Arbeitszeit für Hamburger Lehrkräfte eingeführt – 47,57h statt bisher 46,57h pro Woche! Und diese Stunde soll nun als Teamzeit genutzt werden. Gleichzeitig werden demnächst die Klassen weiter vergrößert – obwohl jetzt schon kaum Platz da ist, um die Tische in einer ablenkungsförderlichen (von der Schulinspektion vorgeschlagenen) Gruppenanordung unterzubringen.
Alles natürlich, um Geld zu sparen indem Neueinstellungen vermieden werden und vermutlich auch, um Lehrer noch effizienter zur vorzeitigen Aufgabe ihres Berufs zu bringen. In 5-6 Jahren sollen die Schülerzahlen ja schließlich möglicherweise wieder sinken, kann ja nicht sein dass man dann 1-2% Lehrer zu viel hat.
Weniger Filme, Unterrichtszeit besser nutzen… wer das macht, ist heutzutage ganz schnell als schülerunfreundlicher Stoff-Fanatiker verschrien.
Was WIRKLICH helfen würde: Handys verbieten bis man 15 ist. Nicht nur in der Schule, sondern auch zu Hause.
Ja, Masse statt Klasse scheint ein super Konzept zu sein. Eine Stunde mehr Mathe die Woche bietet auch eine hervorragende Gelegenheit eine Stunde Mathe Ausfallen zu lassen. Zum Beispiel für den drölfzigsten Mobbing-Workshop, Social Media Kompetenz in der Grundschule und natürlich die Wahl zum Schülerparlament. Da bestimmen dann junge Menschen, die kaum 1 und 1 zusammenzählen können. Ist aber vielleicht ohnehin das Erfolgsrezept moderner Demokratien.
Ein Teil der Stunde geht aber ja meistens eh drauf um die Klasse zur Mitarbeit zu bewegen, Streit zu schlichten oder die Probleme im sogenannten Whats App „Klassenchat“ zu besprechen. Als hätte der irgendetwas mit der Schule zu tun.
Nachteile von mehr Unterricht werden hier selbstverständlich komplett ausgeblendet. Sport im Verein wird dann zusätzlich erschwert, weil so getan wird, als würde Bildung nur in der Schule stattfinden. Wann sollen die Kinder denn zum Instrumentalunterricht, wenn sie den ganzen Tag in der Schule rumsitzen, weil bei mangelnder Qualität schlicht die Quantität erhöht wird? Als ob alle Kinder in diesem Unterricht genügend gefördert würden. Die Lesen besser zu Hause ein Buch als weiter gequält zu werden, bis der Letzte das verstanden haben soll, der aber vielleicht leider gar keinen Bock drauf hat.
Mich würde einmal interessieren, wie viel Zeit durchschnittlich von einer gewöhnlichen Unterrichtsstunde abgeht mit: Schüler kommen nicht zur Ruhe, Streitschlichtung, Bürokratiekram, und Richten des Arbeitsmaterials. Da gibt es Klassen, da ist wirklich die Hälfte der Stunde schon rum, bis sie alle so weit sind.
jop. Kann passieren. Und wenn man dann so ein mieser Disziplinfanatiker ist, der bitte nach spätestens 5 Min. zum Punkt kommen will, dann ist man böse, böse, böse. Und Anforderungen nach Notenschluss, böse, böse, böse. Und ja, ich schaue auch mal einen Film am Ende des Jahres, eine der z.B. zur Lektüre passt, einen, den man dann noch analysieren kann und meistens auch the one and only Film in meinem Unterricht im ganzen Schuljahr. Und dafür brauche ich mich bestimmt nicht rechtfertigen, wenn andere 5 Filme gucken oder in Dauerschleife nur irgendwelche Videos oder den 10. Film über Haustiere. Gefolgt von 10 Referaten. Und deshalb bin ich böse, böse, böse, weil ich nicht so viel irgendwas mit Medien mache. Und zum Thema Fortbildung sollte sich der Herr mal informieren, das ist auch wirklich nicht schwer, den da gibt es idR online Kataloge.it allen Fortbildungsnummern. Da stehen sogar die Zeiten drin und ob online oder nicht. Hätte er da mal reingeschaut, dann hätte er zum Thema Fortbildung vielleicht geschwiegen. Fobi vor 15 Uhr kann man mit der Lupe suchen.
Doch, es gibt (in SH) jede Menge Fortbildungen am Vormittag – für die „Führungskrafte“ (und alle, die es werden wollen und dabei von ihrer SL unterstützt werden). Da geht’s dann viel um Achtsamkeit, Rhetorik, Zeitmanagement, Kompetenzsimulation etc. Also wirklich wichtige Themen 😉
Im besten Fall nur die Hälfte. Um genau das zu verringern, werden doch schon in vielen Fällen die Fächer der fächergruppe I in Doppelstunden unterrichtet oder der 60-Minuten-Takt umgesetzt, damit die „reine“ unterrichtszeit relativ erhöht werden kann.
Da gibt es Klassen, da ist wirklich die Hälfte der Stunde schon rum, bis sie alle so weit sind.
DAS ist ein weiterer Teil des Problems, … Selbst bei „ziemlich besten Umständen“!
Ich hatte es mir mal notiert:
Eine meiner 4. Klassen, ein vgl.weise unproblematischer „Haufen“ (= lieb gemeint!), 23 SuS, Mischung aus allem Möglichen, 7 Nationen mit relativ guten Deutschkenntnissen, ländliches Umfeld, alle von „Haus aus“ und von mir ziemlich gut erzogen, kein Brennpunkt,…
>>> Trotzdem gab es immer wieder (nach den Pausen, vor dem Unterricht, zwischendrin,…) Probleme zu besprechen,Pflaster zu kleben, Zankereien zu schlichten, Tränen zu trocknen, den Ausflug zu besprechen, Elternzettel auszuteilen, wieder einzusammeln… und derlei mehr.
Am Ende der Woche hatte sich der Zeitaufwand NUR auf 55 Minuten belaufen – im Schnitt NUR ~10/12 Minuten am Tag…
Mein Deputat in dieser Klasse als Klassenlehrerin:Insgesamt 18 Stunden:
5x Deutsch
5x Mathe
4x SU
2x Kunst
2x Musik
…und somit -minus ~1 Zeitstunde-, quasi pro Woche. Wobei sich nicht genau feststellen lässt, an welcher Stelle/Fach diese 55 Minuten nun „verbraucht“ wurden: Überall ein bisschen!
Und, das ist sehr wenig, in Anbetracht der eigentlich paradiesischen Zustände, was aber andernorts dringend hier Berücksichtigung finden muss, nicht nur der bereits ausführlich aufgezählte, teils unsinnige und überflüssige „Kram“! Und ganz besonders bei Brennpunktschulen!