BERLIN. Ein gerührter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Lehrerinnen und Lehrer als „die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“ bezeichnet – und damit bei den Bildungsgewerkschaften Erwartungen geweckt. Nach der GEW meldet sich nun auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) zu Wort. Bundesvorsitzender Tomi Neckov verbindet das Lob des Kanzlers mit einer konkreten Forderung: Die Verbeamtung von Lehrkräften müsse „der Regelfall sein und bleiben“. Der Beamtenstatus sei nicht nur eine Frage der Beschäftigungsbedingungen, argumentiert der Verband – sondern diene auch der Stabilität des Schulwesens und der politischen Unabhängigkeit seiner Beschäftigten.

„Große Worte verlangen große Taten.“ So reagiert VBE-Bundesvorsitzender Tomi Neckov auf die Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin. Merz hatte dort Lehrerinnen und Lehrer als „die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“ bezeichnet und Bildung zu einer der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben erklärt. Die Wertschätzung durch den Bundeskanzler tue gut und sei „vollkommen richtig“, erklärt Neckov. Aus der herausgehobenen Bedeutung des Berufs müsse die Politik allerdings Konsequenzen ziehen.
„Wenn der Bundeskanzler Lehrkräfte zur wichtigsten Berufsgruppe erklärt, stärkt er damit ihren Status als Stabilitätsanker von Gesellschaft und Demokratie. Die logische Konsequenz muss sein, dass die Verbeamtung für Lehrkräfte der Regelfall sein und bleiben muss – als Ausdruck von Verlässlichkeit, Stabilität und der besonderen Verantwortung, die Lehrkräfte im Sinne des Grundgesetzes tragen.“
Der VBE begründet seine Forderung dabei nicht allein mit der Attraktivität des Lehrerberufs. Durch den Beamtenstatus werde der Schulbetrieb Tag für Tag und auch in Krisenzeiten gewährleistet, argumentiert Neckov. Zugleich sichere er die politische Unabhängigkeit der Lehrkräfte. Der Verband bezeichnet ihn deshalb als „zentralen Baustein für Bildungsgerechtigkeit“.
Allerdings reicht der Beamtenstatus aus Sicht des VBE nicht aus. Auch die tatsächlichen Arbeitsbedingungen müssten der von Merz beschriebenen Bedeutung des Berufs entsprechen. Neckov fordert ausreichend qualifiziertes Personal, eine Entlastung von Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und funktionierende Unterstützungssysteme.
Noch stärker auf die demokratische Funktion von Schule hebt die stellvertretende VBE-Bundesvorsitzende Simone Fleischmann ab. Sie greift Merz’ Formulierung ausdrücklich auf: „Der Bundeskanzler sagte, Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes. Jawoll! Es sind die Lehrerinnen und Lehrer an unseren Schulen, die die Demokratie in Deutschland tragen, lebendig machen und verteidigen. Dafür stehen wir täglich ein.“
Fleischmann, die zugleich stellvertretende Bundesvorsitzende des dbb beamtenbund und tarifunion ist, stellt die Lehrkräfte dabei in einen größeren Zusammenhang mit dem öffentlichen Dienst, den sie als „Bollwerk gegen den Extremismus“ bezeichnet. Nun brauche es aber auch die von Merz selbst bereits eingeforderte „gemeinsame große Kraftanstrengung aller Bundesländer, um die Situation der Bildung in Deutschland zu verbessern“.
Der Bundeskanzler hatte bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises erklärt: „Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes.“ Als Vater und Großvater fügte er hinzu: „Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder.“
Merz hatte Bildung zugleich zu einer der wichtigsten gesellschaftlichen Aufgaben erklärt. Für die Bundesregierung und für ihn als Bundeskanzler sei es „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche, junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen und vorbereitet werden für den Weg ihres Lebens“. Bereits die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte erklärt, sie nehme den Bundeskanzler „beim Wort“, und von Bund und Ländern eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive sowie Investitionen in die Bildungsqualität gefordert.
Den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis erhielt in diesem Jahr die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf südwestlich von Frankfurt. Die Gesamtschule gehört mit mehr als 2.000 Schülerinnen und Schülern und rund 250 Lehrkräften zu den größten Gesamtschulen Deutschlands. Merz überreichte den Hauptpreis. Als Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte anschließend auf der Bühne jubelten und auch den Bundeskanzler umarmten, wurde Merz sichtlich gerührt. Er nahm die Brille ab und wischte sich mit einem Taschentuch Tränen aus den Augen. News4teachers









