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Merz würdigt Lehrkräfte als „wichtigste Berufsgruppe“ – und zeichnet eine der größten Gesamtschulen Deutschlands aus

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BERLIN. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat Lehrerinnen und Lehrer als „die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“ gewürdigt und Bildung zu einer der zentralen gesellschaftlichen Aufgaben erklärt. Anlass war die Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin. Der Hauptpreis ging an eine hessische Gesamtschule mit rund 2.000 Schülerinnen und Schülern, die mit einem systematisch entwickelten Unterrichtskonzept bemerkenswerte Bildungserfolge erzielt. Die GEW nimmt Merz’ Lob zum Anlass, konkrete politische Konsequenzen einzufordern.

Gruppenbild mit Kanzler. Foto: Robert Bosch Stiftung GmbH / Max Lautenschlaeger

Wenn ein Bundeskanzler eine Schule besucht, kann schon ein Satz aus dem Klassenzimmer weltpolitische Kreise ziehen. Friedrich Merz hat das erst vor wenigen Monaten erlebt. Ende April diskutierte er am Carolus-Magnus-Gymnasium im sauerländischen Marsberg mit Schülerinnen und Schülern – und erklärte mit Blick auf die USA und den Iran-Krieg: „Die Amerikaner haben offensichtlich keine Strategie. Und das Problem bei solchen Konflikten ist immer, da muss man ja nicht nur rein, da muss man auch wieder raus.“

Der Satz blieb nicht im Klassenzimmer. Er fand international Beachtung und erreichte schließlich US-Präsident Donald Trump. Der reagierte auf seiner Plattform Truth Social verärgert: Merz wisse nicht, wovon er spreche; es sei kein Wunder, dass es Deutschland wirtschaftlich und auch in anderer Hinsicht so schlecht gehe. Für die Schülerinnen und Schüler wurde der Besuch damit ganz nebenbei zu Anschauungsunterricht darüber, welche Reichweite politische Äußerungen entfalten können. Schülerin Sophie Stark zeigte sich gegenüber dem WDR verblüfft darüber, dass Merz „nur an einer Schule“ gewesen sei – und seine Worte trotzdem die ganze Welt erreichen könnten.

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Abgeschreckt hat das den Bundeskanzler offenbar nicht. Bei der Verleihung des Deutschen Schulpreises in Berlin kündigte Merz nun an, künftig wieder häufiger Schulen besuchen zu wollen. Dabei bekannte er zugleich, dass sein eigenes Verhältnis zur Schule früher keineswegs von großer Begeisterung geprägt gewesen sei. Als Kind habe er „selten Lust“ auf Schule gehabt.

„Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder“

Umso nachdrücklicher fiel seine Würdigung derjenigen aus, die heute dort arbeiten. „Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes“, sagte Merz. Er spreche dabei auch als Vater und Großvater: „Wir vertrauen Ihnen das Wertvollste an, was wir haben. Das sind unsere Kinder.“

Nach den schwachen PISA-Ergebnissen für Deutschland hob Merz zugleich die gesellschaftliche Bedeutung von Bildung hervor. Für die Bundesregierung und für ihn als Bundeskanzler sei es „eine der wichtigsten, wenn nicht die wichtigste Aufgabe unserer Gesellschaft, dafür zu sorgen, dass Kinder, Jugendliche, junge Menschen in diesem Land eine gute Ausbildung bekommen und vorbereitet werden für den Weg ihres Lebens“.

Auch die politische Bildung sprach Merz an. Schulen sollten regelmäßig Richterinnen und Richter der örtlichen Gerichte einladen, „um den Schülerinnen und Schülern zu erklären, was eigentlich unsere Rechtsordnung ausmacht“. Diejenigen, die Recht sprächen, verteidigten das Wertvollste in der Demokratie: die Freiheit.

An die Schülerinnen und Schüler gerichtet sagte er: „Ich mache das, damit Ihr die gleichen Chancen habt in einem offenen, freiheitlichen, liberalen Land zu leben, wie meine Generation es gehabt hat“. Es gehe darum, in einem offenen Land zu leben, „in einer Gesellschaft, die mit sich selbst im Reinen ist und die den jungen Menschen alle Chancen gibt, die die jungen Menschen verdienen“.“

Was Schulen selbst tun können, um solche Chancen zu eröffnen, stand bei der Preisverleihung im Mittelpunkt. Den mit 100.000 Euro dotierten Deutschen Schulpreis erhielt in diesem Jahr die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf südwestlich von Frankfurt. Die Gesamtschule gehört mit mehr als 2.000 Schülerinnen und Schülern und rund 250 Lehrkräften zu den größten Gesamtschulen Deutschlands. Merz überreichte den Preis.

„Beziehungsarbeit und Bildungserfolg, Kompetenzorientierung und Wissensvermittlung gehen hier ebenso Hand in Hand wie Leistungsorientierung und Wohlbefinden“

Die Jury würdigte insbesondere, wie eine derart große Schulgemeinschaft gemeinsame pädagogische Ziele konsequent verfolgt. „Beziehungsarbeit und Bildungserfolg, Kompetenzorientierung und Wissensvermittlung gehen hier ebenso Hand in Hand wie Leistungsorientierung und Wohlbefinden“, heißt es in der Begründung. Multiprofessionelles Arbeiten und Inklusion seien an der Schule die Regel und Ausdruck einer tief verwurzelten Haltung in der Schulgemeinschaft.

Die Schule setzt bei ihrer pädagogischen Arbeit auf eine stark strukturierte Schulentwicklung. Eigene Abteilungen sollen den Unterricht gezielt weiterentwickeln; Grundlage dafür sind systematisch ausgewertete Daten, an denen pädagogische Entscheidungen ausgerichtet werden. Die Pressemitteilung zum Deutschen Schulpreis wählt dafür einen für Schulen ungewöhnlichen Vergleich: Die Struktur erinnere an ein Unternehmen, dessen „Kernprodukt“ – der Unterricht – kontinuierlich weiterentwickelt werde.

Dieser stark organisatorische Ansatz wird mit persönlicher Begleitung verbunden. Sogenannte „Hausleitungen“ sollen den Kindern und Jugendlichen auf dem weitläufigen Campus feste Bezugspersonen und damit eine schulische Heimat geben. „Die Bertha-von-Suttner-Schule beweist, wie gut ein durchdachtes Konzept und eine persönliche Begleitung zusammenwirken. Hier wird nichts dem Zufall überlassen“, erklärt Prof. Thorsten Bohl, Sprecher der Jury des Deutschen Schulpreises und Direktor der Tübingen School of Education.

Die Schule selbst stellt dabei die gegenseitige Anerkennung ins Zentrum ihres pädagogischen Selbstverständnisses. Sie beschreibt sich als Schule, in der eine „Kultur der Wertschätzung“ entwickelt werde. „Wertschätzung der eigenen Person sowie die Wertschätzung anderer ist das Fundament, welches die Säulen der Erziehung unserer Schule trägt. Diese Säulen sind Selbstständigkeit, Persönlichkeitsbildung und Soziales Lernen.“

Dass dieser Ansatz nicht allein das Schulklima prägen soll, sondern mit hohen Leistungserwartungen verbunden wird, zeigen die Zahlen der Schule. Lediglich 15 Prozent der Kinder bringen nach Angaben der Ausrichter eine Gymnasialempfehlung mit. Zwei Drittel der Jugendlichen erreichen das Abitur. Die Bertha-von-Suttner-Schule nimmt zugleich am Startchancen-Programm teil, das gezielt Schulen in sozial herausfordernden Lagen unterstützt.

Für Jurysprecher Bohl liegt gerade in der Verbindung von Leistungsanspruch und persönlicher Begleitung die entscheidende Botschaft. „Diese Schule zeigt eindrucksvoll, dass Leistung und Wohlbefinden keine Gegensätze sind. Hier gehen anspruchsvoller Unterricht und eine Kultur des Miteinanders Hand in Hand, sodass niemand die Schule ohne Perspektive verlässt. Das ist eine wichtige Botschaft für die gesamte Schullandschaft.“

Dass der Bundeskanzler die Lehrkräfte würdigte, ließ die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nicht unkommentiert. „Der Bundeskanzler hat festgestellt, dass Lehrerinnen und Lehrer die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes sind. Das freut uns natürlich“, erklärt die GEW-Vorsitzende Maike Finnern.

Aus Sicht der Gewerkschaft müsse sich diese Anerkennung allerdings auch in den Bedingungen widerspiegeln, unter denen Lehrkräfte ausgebildet werden und arbeiten. „Wir nehmen den Bundeskanzler beim Wort und erwarten von ihm und den Ländern jetzt eine Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive sowie deutliche Investitionen in die Bildungsqualität“, betont Finnern. Die „wichtigste Berufsgruppe des Landes“ verdiene gute und gesunde Arbeitsbedingungen, Kinder und Jugendliche hochwertige Bildung und Chancengleichheit. News4teachers / mit Material der dpa

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13 Kommentare
Morgendämmerung
8 Tage zuvor

Ich habe den Bericht dazu im Fernsehen gesehen. Er sagte („schleimte“), der Beruf des Lehrers sei der wichtigste Beruf, den es gibt. Da mögen sich viele gebauchpinselt fühlen. Bei mir zieht das nicht, denn den Lehrerberuf derartig aufzuwerten, wertet andere Berufe ja automatisch ab. Welche sind denn nicht wichtig? Welcher steht denn auf Platz 2 oder Platz 10 oder Platz 438? Ich mag sowas nicht!

Unverzagte
7 Tage zuvor
Antwortet  Morgendämmerung

Nichts als ein Lippenbekenntnis.

Gelbe Tulpe
8 Tage zuvor

Na ja, Bauern sind am wichtigsten. Ohne Mampf wären wir alle tot.

Hano Nym
8 Tage zuvor

Lehrkräfte sind so wichtig, dass man weder die Arbeitsbedingungen verbessert, noch die Arbeitszeit erfasst.
Ergo: Üblicher Politiker Sprech

447
7 Tage zuvor
Antwortet  Hano Nym

Richtig.

Dinge sind der Politik so wichtig, wie sie Geld dafür netto zusätzlich ausgibt.

Der Rest ist Vernebelungstaktik.

Krissi
8 Tage zuvor

Wenn man schon die Nutznießer herabwürdigt, muss man ja wenigstens woanders schleimen ohne Ende! Die anderen Berufe sind ja sinnlos und weniger wichtig!

Bernd Brunnet
8 Tage zuvor

Ein typischer Merz, wer es glaubt, wird nicht selig, sondern für dumm verkauft, wenn man es möchte! Zumindest darf man davon ausgehen, dass die Ankündigung von Merz demnächst mehr Schulen zu besuchen, eher als Drohung verstanden werden darf!
Woher kommt wohl die Einsicht, aus seinen Akzeptanz- und Beliebtheitswerten bei geraden jungen Wählern, die ja jenseits der 100% Grenze ohnd MwSt. liegen!
Merz wird sich freuen, wie spontan die Äusserungen der Kinder und Enkeln in der Schule sind, die Sätze werden geprobt und eingeübt, auch Fähnchen geschwungen! Das ist aber so schön, selbst wenn man nach eigenem Bekunden nicht gerne zur Schule gegangen ist!
Merz wird sich dann wie Bolle freuen, solche Inszenierungen freuen ihn, wie für ihn gemacht! Man stellt ihm besser nicht Frage,wie es an Problemschulen zugeht, da will er nicht hin! Das stört das Stadtbild und seine heile Welt aus der Sicht des Multimillinärs und Privatjetflieger von Eigenheim und Ferienhaus am Tegernsee ganz abgesehen!
Zur Rangfolge sei ja nur angemerkt, dass Lehrer und der Lehrerinnen der wichtigste Beruf sei, was ist dann mit Kinderpflegerinnen und Erzieherinnen in der Kita! Was mit Hebammen? Im Umkehrschluss stehen dann ja Altenpflegekräfte ganz am Ende!
Ja und dann gehen Richter in die Schulen, weil sie die Freiheit verteidigen durch die Rechtsprechung, logisch für den ehemaligen Richter und Gattin als Amtgerichtsdirektorin Das Justizpersonal bei den Gerichten und in der JVA nicht, von der Polizei ganz zu schweigen! Von der Bundeswehr und den anderen Einsatzkräften ganz zu schweigen! Kurz danach kommen aber die armen Manager und Wirtschaftsführer, wie bei Blackrock und die Investoren, die Immobilienbesitzer die geschützt werden müssen!
In der Logik sind natürlich Sozialarbeiter in der Tabelle ganz unten, sind unproduktiv, verschönern nicht das Stadtbild wie gewünscht! Auch Müllwerker, die Stadtreinigung, die Versorger beim Abwasser und Trinkwasser, völlig unwichtig!
Merz bleibt sich einfach treu, empathielos bis zum Ende, nach Sympathie geifernd wegen seiner narzistischen Kränkung! Merz sieht das Leben aus seiner Sicht schmerzfrei!

Rüdiger Rahn
7 Tage zuvor

Es geht um unsere Kinder, der Nachwuchs für dieses Land, für alle Fachbereiche. Schule, Ausbildung der Kernbereich für die Zukunft. Und ich finde es GUT das unser Bundeskanzler dort war.

Bernd Brunnet
7 Tage zuvor

Darf man, aber was hilft es? Bei Vorzeigemodellen ist er dabei beim Rest sieht er geflissentlich weg! Aber wer Politiker-PR-Termine gut findet, die Yellowpress bedient ihn bestens!
Merz ging es allein darum, wieder mal positiv dargestellt zu werden!
Der nächste Pisa-Test kommt, die nächste OECD-Studie auch!
Empfehlung sich einmal in Ludwigshafen umzutun, ob Grundschule oder Realschule!
Wohlfühltermine tun dem Kanzler einfach gut, da braucht er sich nicht auch noch mit Problemschulen in sozialen Brennpunkten zu befassen! Wäre nicht gut für ihn, lieber davor die Augen verschliessen!

Rainer Zufall
7 Tage zuvor

„Lehrerinnen und Lehrer sind die wichtigste Berufsgruppe unseres Landes.“
Das ist lieb, Danke 🙂

Sind Lehrkräfte und Erzieher*innen damit auch systemrelevant oder vergessen wir das zur nächsten Krise?

Xxx
5 Tage zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Sobald es Geld kostet, vergisst er es wieder.

Bernd Brunnet
7 Tage zuvor

Lehrkräfte und Erzieher sind nur dann systemrelevant wenn sich der Bundeskanzler damit in Szene setzen kann!
Vergleiche auch seinen Auftritt in Hürgentwald-Goi nach der Waldbrandkatastrophe! Er dankte dort auch ganz herzlich, um sich danach beim Franz-Beckenbauer-Cup-Finale am gleichen Abend auf der Ehrentribüne neben DFL-Boss Watzke von den schrecklichen Eindrücken zu erholen!

S.k
7 Tage zuvor

Das ist doch ein Witz : Lehrer seien wichtigster Beruf Ausbildung und Bildung der Kinder ist am wichtigsten. Wenn das tatsächlich so wäre würde es mehr Geld für Schulen,Kindergarten geben. Zudem würde nicht an der Inklusion gespart werden.