
Hamburg will Ukrainisch als Abiturprüfungsfach einführen. Die Hamburgische Bürgerschaft beauftragte den Senat, einen entsprechenden Rahmenplan zu erarbeiten und zu implementieren. Außerdem soll sich der Senat darum kümmern, dass ausreichend Lehrkräfte für ein Abiturprüfungsfach Ukrainisch zur Verfügung stehen. Zuletzt soll sich die Landesregierung auf Bundesebene für die Anerkennung von Ukrainisch als Abiturprüfungsfach starkmachen.
Aus Sicht von SPD und Grünen leistet ihre Initiative «einen Beitrag zu einer vielfältigen Hamburg Stadtgesellschaft, die eine wichtige Grundlage für den Erfolg der Stadt als starke und lebenswerte Metropole ausmacht». Insgesamt besuchten laut dem rot-grünen Antrag im Schuljahr 2024/2025 rund 5.550 ukrainischsprachige Kinder und Jugendliche eine Hamburger Schule. Sie lernten dort Deutsch, wollten aber häufig auch die Sprachkenntnisse in ihrer Muttersprache oder auch Inhalte zur ukrainischen Kultur und Geschichte vertiefen.
Aktuell böten deshalb bereits neun Schulen insgesamt 19 Ukrainisch-Kurse an. Anders als etwa Russisch, Türkisch, Arabisch oder Chinesisch kann Ukrainisch bislang im Abitur aber nicht als Prüfungsfach gewählt werden. Um das zu ermöglichen, soll der Senat nun einen Rahmenplan erarbeiten und ausreichend Lehrkräfte beschäftigen, die einen durchgängigen Unterricht in der Sekundarstufe II garantieren und Abituraufgaben stellen können. Zudem braucht es eine Einigung in der Kultusministerkonferenz der Länder. News4teachers / mit Material der dpa
227.000! Zahl ukrainischer Schüler in deutschen Schulen auf Höchststand










Wichtigster Satz: „Lehrkräfte … die Abituraufgaben erstellen können“
Eigentlich sollte das Ministerium die Aufgaben stellen, wenn es zentral gestellte Abituraufgaben haben möchte.
(Würde ich sogar für a13 in meinen Fächern machen. Kein Unterricht, keine Korrekturen, nur im Homeoffice Aufgaben basteln. Bestes Leben)
In meinen Fächern stammen die Aufgaben für die Aufgabenpools von einer Gruppe aus 16 Lehrkräfte aus den jeweiligen Ländern, zwei Vertretern beruflicher Gymnasien, zwei Wissenschaftlern / Fachdidaktikern und einem Koordinator des IQBs.
Die Idee ist, dass genügend Praktiker aus der Schule dabei sind. Diese bekommen übrigens nur einzelne Anrechnungsstunden. Das ist dennoch cleverer, als irgendwelche Sesselpupser im Ministerium überlegen zu lassen, was heutige Schüler theoretisch können sollten…
Und natürlich wird es schwierig, genügend Ukrainisch-Lehrer mit langjähriger Unterrichtserfahrung auch in der Oberstufe zu bekommen, wenn die Sprache bisher kaum in Deutschland unterrichtet wurde.
Vermutlich sind fast alle Schüler, die Ukrainisch als Abiturfach belegen möchten, Ukrainer. Könnte man nicht, zumindest übergangsweise, die mündlichen und schriftlichen Abi-Prüfungen dafür aus dem ukrainischen Bildungssystem übernehmenß Oder unterscheiden sich die deutschen Curricula/ Lehrpläne für Ukrainisch so stark davon? Wie wurden/ werden denn diese Lehrpläne hier überhaupt entwickelt? Was unterscheidet den Ukrainisch-Unterricht in der BRD inhaltlich von dem in der Ukraine?
Ich glaube es hilft, die Perspektive zu wechseln und andere Sprachen/Fächer zu betrachten:
Wenn Sie mit Ihren Kindern bspw. nach Japan ziehen und das Glück haben, eine Schule zu finden, die Deutsch als Sprache anbietet, lernen die Kinder dann Deutsch als Fremdsprache oder machen sie das Gleiche wie jemand in Deutschland in einem Deutsch-Abitur?
Das Beispiel Japan habe ich gewählt, weil man an meiner früheren Schule tatsächlich ab der 9. Klasse bzw. ab der 11. Klasse Japanisch beginnen konnte und es als weitere Fremdsprache ins Abitur einbringen konnte. Natürlich hatte das nichts mit dem zu tun, was ein japanischer Schüler nach der 12. Klasse sprachlich und inhaltlich kann.
In Russisch-Kursen zu meiner Schulzeit saßen zwar viele Schüler mit deutsch-russischen Eltern, aber es wurde nichts vorausgesetzt und man konnte Russisch neu beginnen. Anders wird es mit Ukrainisch-Kursen an einer Schule in Deutschland m.E. auch nicht sein. Denn mittelfristig wird das Fach für Kinder ukrainischer Familien spannend sein, die hier geboren oder aufgewachsen sind und ihre Muttersprache systematisch lernen wolllen.
Ihren Ansatz verstehe ich. Mir ging es allerdings eher um eine kurzfristige Lösung für die Schüler aus der Ukraine, die Ihre Muttersprache (noch) ausreichend beherrschen und jetzt vor den Abi-Prüfungen stehen. Denen sollte man die Möglichkeit geben, Ihr Abitur ggf. im Fach Ukrainisch abzulegen, statt in Deutsch (dieses dann evtl. als 1. Fremdsprache anerkennen). Ansonsten verlieren wir einige dieser Schüler. Mittel- und langfristig kann man das ja dann anders angehen, mMn.