Schulpreis: Ein Gymnasium macht vor, wie Künstliche Intelligenz Unterricht bereichern kann

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WUPPERTAL. Künstliche Intelligenz verändert Schule – oft ungeordnet, punktuell und ohne didaktisches Konzept. Dass es auch anders geht, zeigt ein Gymnasium in Nordrhein-Westfalen. Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium in Wuppertal nutzt KI nicht als Abkürzung fürs Lernen, sondern als Werkzeug für Schulentwicklung, Unterrichtsqualität und Entlastung im Alltag. Es wurde dafür nun mit dem KI-Schulpreis augezeichnet. Die bundesweite Auszeichnung macht deutlich, worauf es jetzt ankommt: nicht auf einzelne Tools, sondern auf eine klare pädagogische Strategie.

Aufgepasst! (Symbolbild.) Illustration: Shutterstock

In Klassenräumen des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums in Wuppertal – zwischen Planetarium, Astrostation und Schulgarten – sitzen Schülerinnen und Schüler über Tablets gebeugt, diskutieren Aufgaben, formulieren Fragen. Wer hier Hilfe sucht, bekommt nicht sofort Antworten. Stattdessen kommen Rückfragen. Warum glaubst du das? Welche Annahme steckt dahinter? Kannst du den Gedanken weiterführen? Die Impulse stammen nicht von einer Lehrkraft, sondern von einem digitalen Lerncoach. Künstliche Intelligenz gehört am Carl-Fuhlrott-Gymnasium längst zum Alltag – nicht als Abkürzung, sondern als Denkpartner.

Dass diese Schule dafür nun bundesweit ausgezeichnet wurde, überrascht in Wuppertal kaum jemanden. Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium arbeitet seit Jahren systematisch daran, digitale Werkzeuge nicht nur einzuführen, sondern didaktisch zu durchdenken und fest im Unterricht wie in der Schulorganisation zu verankern. Das Carl-Fuhlrott-Gymnasium belegte folgerichtig den ersten Platz beim KI-Schulpreis 2025 in der Kategorie „KI-Gesamtkonzept“. Die Auszeichnung wurde auf dem Bildungscampus in Heilbronn von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ verliehen. Insgesamt hatten sich 191 Schulen beworben, sieben wurden prämiert.

„Wir entwickeln Kompetenzen ganzheitlich, getragen von einem neugierigen und experimentierfreudigen Kollegium“

Was die Jury überzeugt hat, ist weniger ein einzelnes Tool als eine konsequent gedachte Schulentwicklung. Künstliche Intelligenz wird am Carl-Fuhlrott-Gymnasium nicht als externes Zusatzprojekt eingeführt, sondern aus dem Unterricht heraus entwickelt. Lehrkräfte programmieren eigene didaktische KI-Agenten, die Schülerinnen und Schüler schrittweise zum Ziel führen. Diese Agenten geben keine Lösungen vor, sondern arbeiten mit gezielten Rückfragen und Impulsen. Lernen soll nicht ersetzt, sondern vertieft werden.

Ergänzt wird dieses System durch digitale Werkzeuge wie FelloFish, das automatisiertes Feedback auch für große Lerngruppen ermöglicht, und Classtime, das Lernstände analysiert und Lehrkräfte bei der Planung entlastet. Für Organisation, Materialerstellung und Reflexion kommt Fobizz zum Einsatz. Parallel wächst mit dem Schulbot „Carl“ ein internes Agentensystem, das Wissen bündelt, häufige Fragen beantwortet und das Kollegium organisatorisch unterstützt. Selbst das Prompting – also das präzise Formulieren von Anfragen an KI – wird systematisch trainiert. Ein eigens entwickelter Prompt-Framework-Bot hilft den Schülerinnen und Schülern, Sprache, Struktur und Ziel ihrer Anfragen bewusster zu gestalten. KI-Kompetenz wird so zu einer reflektierten Kulturtechnik.

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Herzlichen Glückwunsch ans Carl-Fuhlrott-Gymnasium! Es macht vor, wie sich Zukunftskompetenzen an Schülerinnen und Schüler vermitteln lassen. Das geht auch auf anderen Wegen. Passenderweise haben wir gerade dazu etwas inhaltlich im Petto: den Themenmonat „Schule der Zukunft“ auf News4teachers, Deutschlands (auch von Schulleitungen und Schulträgern) meistgelesenem Bildungsmagazin.

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Diese konsequente Einbettung lobt auch die Jury des KI-Schulpreises ausdrücklich. Juryvorsitzende Ulrike Cress, Psychologie-Professorin an der Universität Tübingen und Direktorin des Leibniz-Instituts für Wissensmedien, spricht von einem „eigenen, klaren Modell – strategisch, systematisch und langfristig angelegt“. Der KI-Einsatz sei Teil einer durchdachten Schulentwicklung, nicht bloß technisches Experiment.

Auch aus der Politik kommt Anerkennung. NRW-Schulministerin Dorothee Feller betont, dass das Konzept weit über die Schule hinauswirke. Als Teil des landesweiten Forschungsvorhabens KIMADU – Künstliche Intelligenz im Mathematik- und Deutschunterricht – liefere das Carl-Fuhlrott-Gymnasium gemeinsam mit 24 weiteren Schulen wichtige Impulse für praxisnahe Konzepte, die auch an anderen Schulen eingesetzt werden könnten. „Davon profitiert natürlich die Schule selbst, davon profitieren aber auch andere Schulen“, so Feller.

Wie diese Strategie im Alltag verankert wird, erklärt Felix Urban, KI-Schulkoordinator am Carl-Fuhlrott-Gymnasium. „Wir entwickeln Kompetenzen ganzheitlich, getragen von einem neugierigen und experimentierfreudigen Kollegium. Aus dieser Haltung entstehen viele Pilotprojekte, die Lehrkräfte intern vorstellen, um für Innovationen und neue Ansätze zu begeistern.“ Ein zentrales Format dafür sei das „digitale Kaffeetrinken“. Urban sagt: „Das sind niederschwellige Online-Kurzfortbildungen von Lehrkräften für das Kollegium.“ Ergänzend habe die Schule weitere Strukturen aufgebaut. „Wir haben eine KI-Sprechstunde etabliert und setzen auf interne sowie externe Fortbildungen und pädagogische Tage“ – personell unterfüttert: „Diese Kultur verankern wir strukturell durch Beförderungsstellen, Teamteaching-Ressourcen und KI-Koordinatoren, welche die Lehrplan-Integration forcieren.“

„Viele Kolleginnen und Kollegen wirken als Multiplikatoren aus der Lehrerfortbildung in die Schule hinein“

Zugleich sei früh klar gewesen, dass KI kein Projekt Einzelner bleiben dürfe. „Wir haben KI offiziell als Schulentwicklungsziel definiert und insofern strategisch verankert“, sagt Urban. Damit das Thema nicht isoliert bleibe, habe die Schule feste Zuständigkeiten geschaffen. „Es gibt KI-Beauftragte in jeder Fachschaft und KI-Schulkoordinatoren, die einerseits schulkonzeptionell am produktiven Einsatz von KI für alle Beteiligten arbeiten und andererseits den Transfer in die fachspezifische Breite sichern.“

Unterstützt werde dieser Weg durch Rückmeldeschleifen – „systematische Unterrichtsevaluationen in Bereichen, in denen KI zum Einsatz kommt“. Die Schulleitung spiele dabei eine aktive Rolle. „Sie flankiert diesen Weg aktiv durch eine ressourcenorientierte Unterrichtsverteilung, die Freiräume schafft.“ Gleichzeitig wirke die Expertise aus Fortbildungen zurück in die Schule. „Viele Kolleginnen und Kollegen wirken als Multiplikatoren aus der Lehrerfortbildung in die Schule hinein.“ Der Entwicklungsprozess verlaufe dabei nicht nur von oben nach unten. „Unsere Schülerinnen und Schüler treiben die Entwicklung gleichzeitig intrinsisch voran, etwa indem sie im Drehtürprojekt eigenständig KI-Bots entwickeln.“

Die größte Herausforderung sieht Urban im Umgang mit der rasanten Entwicklung der Technologie. „Angesichts der disruptiven Geschwindigkeit der KI-Entwicklung den Überblick zu behalten und pädagogisch Sinnvolles zu filtern, ist und bleibt die größte Aufgabe.“ Besonders problematisch seien KI-Systeme, die direkt Lösungen liefern. Um echtes Lernen zu ermöglichen, habe die Schule eigene Bots entwickelt, die eben nicht antworten – sondern als intellektuelle Sparringspartner fungieren.

Der Erfolg des Carl-Fuhlrott-Gymnasiums zeigt, dass Künstliche Intelligenz im schulischen Kontext mehr sein kann als ein kurzfristiger Trend. Hier wird sie als Werkzeug verstanden, das Denken anstößt, Differenzierung erleichtert, Lehrkräfte entlastet und Inklusion unterstützt – eingebettet in eine pädagogische Gesamtstrategie. Genau darin sieht die Jury den Vorbildcharakter für andere Schulen in Deutschland. Neben dem Carl-Fuhlrott-Gymnasium wurden in der Kategorie KI-Gesamtkonzept die Bertha-von-Suttner-Schule in Mörfelden-Walldorf, die Neue Grundschule Potsdam sowie das Käthe-Kollwitz-Gymnasium Berlin ausgezeichnet. In der Kategorie KI-Teilkonzept erhielten die Friedensschule Osnabrück, die Carl-Orff-Grundschule Wiesbach und die Ernst-Reuter-Schule Pattensen einen Preis. News4teachers 

Hier gibt es weitere Informationen zum KI-Schulpreis. 

“KI wird im Schulalltag immer noch wie ein Special Effekt behandelt”

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Mika
2 Stunden zuvor

„Diese Kultur verankern wir strukturell durch Beförderungsstellen, Teamteaching-Ressourcen und KI-Koordinatoren, welche die Lehrplan-Integration forcieren.“

Sehr cool. Wie stellt man es an, solche Ressourcen zu bekommen?