Start Praxis Apfelschnitz am Tag: Immer mehr Mädchen mit Essstörungen – dramatischer Anstieg

Apfelschnitz am Tag: Immer mehr Mädchen mit Essstörungen – dramatischer Anstieg

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AACHEN. Essstörungen bei Mädchen nehmen Experten zufolge dramatisch zu. Mehr Kinder kommen ins Krankenhaus. «Toxische Energie» könne sich bei sozialen Medien entfalten, warnt eine digitale Streetworkerin.

Gefährliches Schönheitsideal. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Bei Marie fing es mit 14 Jahren an. Zuerst wollte sie bloß keine Süßigkeiten mehr, dann erlaubte sie sich immer weniger Nahrung, verlor extrem an Gewicht. «Ich hatte komplett den Überblick verloren, was eine normale Mahlzeit ist, wie ich meinen Körper versorgen soll», schildert die heute 25-Jährige. «Ich wollte immer dünner werden. Schon ein Apfelschnitz war mir zu viel.» Sieben mal war sie wegen Magersucht in klinischer Behandlung, oft viele Monate lang. Das erste Mal mit 15 Jahren. «Da war es schon fast zu spät. Ich hatte meinen Willen verloren und komplett die Nahrung verweigert.»

Essstörungen nehmen bei Mädchen, weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen erheblich zu, sagt Wissenschaftlerin Beate Herpertz-Dahlmann. Ein Zusammenhang zwischen Social-Media-Konsum und Essstörungen sei durch viele Studien belegt, sagt die frühere Direktorin der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Uniklinik Aachen. Am häufigsten und am gefährlichsten sei Magersucht, sie komme bei jungen Menschen häufiger in städtischer Umgebung vor als im ländlichen Raum.

Es ist wie ein Hilfeschrei

Marie verlor erst schleichend, dann rasanter an Gewicht. Immer wieder ist sie rückfällig geworden, war im lebensgefährdenden Bereich. «Bei Essstörungen ist es so, dass man gesehen werden möchte – also: guck mal, wie schlecht es mir geht. Es ist wie ein Hilfeschrei.» Sie warnt: «Das Thema Social Media ist brennend.» Gepostete Videos und Bilder auf den Plattformen seien idealisiert. «Das ist eine Scheinwelt und macht mir totalen Druck.» Und: «Wer erst wieder lernen muss zu essen, empfindet solche Ideale oft als neue Messlatte.»

Scharfe Kritik an sozialen Medien und Influencerinnen

«Die sozialen Medien sind eine riesige kommerzielle Maschine geworden und viele Influencerinnen im Bereich Beauty sind Volksverführerinnen», kritisiert die digitale Streetworkerin Sabine Dohme vom ANAD Versorgungszentrum Essstörungen in München. Dass etwa eine Schauspielerin – optisch an der Grenze zur Magersucht – eine Saftkur für eine schlanke Bikinifigur anpreise, hält sie für nicht akzeptabel: «Wenn man 600.000 Followerinnen hat, trägt man auch eine Verantwortung, der man gerecht werden muss.»

Digitale Streetworkerin spricht von toxischer Energie

Dohme ist seit knapp zwei Jahren als bundesweit wohl einzige digitale Streetworkerin im Bereich Essstörungen aktiv. Im Netz. Stößt sie in Chats auf Fragen oder Beiträge, die auf essgestörtes Verhalten hindeuten, schreibt sie Usern, bietet Hilfe an, verweist auf Beratung oder Wohngruppen von ANAD. «Ich kommentiere auch Influencer und Influencerinnen. Denn von vielen geht ganz starke toxische Energie aus, gerade in puncto Essstörungen und Körperbild.» Die Pädagogin hält mit Kommentaren und Infos dagegen.

Soziale Medien haben auch gute Seiten, sagt sie. «Unsere Aufgabe ist es, den Jugendlichen zu zeigen, wie sie darin agieren, Positives für sich herausziehen, wem sie trauen können.» Die Streetworkerin hält Influencer und Streamingdienste mitverantwortlich für steigende Krankheitszahlen. Sie machten «Massenumsätze auf Kosten unserer Kinder und Jugendlichen» – und sollten sich zumindest an Behandlungskosten konstruktiv beteiligen, fordert sie.

Magersucht, Bulimie und Essanfälle als häufigste Formen

Essstörungen führen oft zu ernsthaften, langfristigen Gesundheitsschäden. Bei Magersucht (Anorexia nervosa) haben Betroffene selbst in ausgezehrtem Zustand Angst vor Gewichtszunahme, ihr Selbstbild ist gestört. In Extremfällen endet das tödlich. Magersucht gilt als eine der gefährlichsten psychischen Erkrankungen für Kinder und Jugendliche. Beispiel Marie: Sie wurde mehrfach künstlich ernährt. Sie fror ständig, hatte starken Haarausfall, die Darmflora war gestört. Bis heute kämpft die 25-Jährige mit Osteophenie als Vorstufe von Osteoporose, bei Kälte schmerzen ihre Hände wegen Durchblutungsstörungen.

Bei Bulimie führen die Erkrankten selbst Erbrechen herbei. Manche haben normales Gewicht, ihre heimlichen Brechanfälle nach dem Essen bleiben umso länger unbemerkt. Beim sogenannten Binge Eating werden zwanghaft große Mengen verschlungen – oft, um negative Gefühle zu kompensieren.

Es gibt viele Ursachen und Faktoren

Es gibt fast immer mehrere Ursachen und Faktoren, erklärt Seniorprofessorin Herpertz-Dahlmann: «Bei jungen Menschen haben Depressionen, Einsamkeit oder auch Sozialangst zugenommen. Social Media kann eine einfache Methode sein, Kontakte zu haben, ohne sich einer Interaktion im freien Feld mit Klassenkameraden oder im Sportverein stellen zu müssen.»

Wer als User ohnehin schon Probleme in dieser Richtung habe, sich sehr viele Gedanken über das eigene Aussehen mache und weniger rausgehe, sei bei häufiger Social-Media-Nutzung besonders anfällig für dort gezeigte riskante Schlankheitsideale. In Richtung Politik regt die Forscherin an, Restriktionen beim Social-Media-Zugriff für Kinder und Jugendliche zu prüfen.

Auch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (Biög) in Köln warnt vor einem bedenklichen Schlankheitsideal, das durch soziale Medien gepusht werde. Viele Kinder und Jugendliche folgten täglich Influencerinnen, sie sich mit Filtern und speziellen Programmen künstlich aufhübschten. «Eine Gefahr darin liegt, die digitale Welt als real anzusehen», so das Biög. Soziale Medien könnten aber auch beim Überwinden einer Essstörung helfen – Betroffene könnten sich dort gegenseitig Mut machen und unterstützen.

Steigende Diagnose-Zahlen und mehr Klinik-Behandlungen

Nach DAK-Daten bekamen in Deutschland 2024 rund 23.000 jugendliche Mädchen zwischen 15 und 17 Jahren die Diagnose Essstörung – das waren 38 Prozent mehr als im Vor-Pandemie-Jahr 2019. Auch bei Mädchen zwischen 10 und 14 Jahren war das Niveau zuletzt erhöht. Nach Barmer-Hochrechnung waren vor der Pandemie 2018 unter den 12- bis 17-Jährigen etwa 7 von 1.000 Mädchen der Altersgruppe erkrankt, 2023 waren es 10 von 1.000. Hinzu kommt eine größere Dunkelziffer.

Bei den Klinikeinweisungen wegen schwerer Essstörungen hat sich die Zahl in der weiblichen Gruppe 10- bis 17-Jähriger binnen 20 Jahren auf 6.000 Patientinnen (2023) verdoppelt. Sie machen laut Statistischem Bundesamt fast die Hälfte aller stationär wegen Essstörungen behandelter Personen aus.

Warnzeichen und was kann das Umfeld tun?

Essstörungen bleiben lange verborgen. Es gibt Warnzeichen, die für das Umfeld oft nur schwer mit einem gestörten Essverhalten in Verbindung zu bringen sind. «Wenn jemand plötzlich ganz auf gesundes Essen umsteigt, viel mehr Sport treibt, dauernd Kalorien zählt oder das Frühstück weglässt, wenn jemand Kontakte vermeidet, sich zurückzieht, traurig oder auch oft gereizt wirkt, können das alles Anzeichen für eine Störung sein», sagt Herpertz-Dahlmann.

Für Marie waren ihre Eltern immer ein Anker, wie sie erzählt. 2022 machte sie Abitur – ein Meilenstein nach einer langen Phase der Ungewissheit. «Ich hatte vom Essen und von der Stimmung her aber immer wieder schwierige Phasen.» Ein Rückfall verhinderte den geplanten Studienbeginn 2024. Sie sieht sich nun auf einem guten Weg. Aber: «Ich bin noch nicht über den Berg. Es bleibt ein Restrisiko und viel mentale Arbeit.» News4teachers / Von Yuriko Wahl-Immel, dpa

Wenn immer mehr Schüler in psychische Krisen stürzen – und Lehrkräfte hilflos zusehen müssen

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Schotti
1 Monat zuvor

Die betroffenen Mädchen werden auch immer jünger. Die jüngste Patientin, die ich kenne, ist elf Jahre alt. Das gab es früher nicht in diesem Ausmaß.

Die frühen Anzeichen sehe ich häufig in einer immer kleiner werdenden Auswahl an Nahrungsmitteln. Da sind Frauen plötzlich Vegetarier, dann Veganer, später wird gar kein Zucker mehr gegessen. Dazu werden massenweise Videos zu den Themenbereichen gesundes Kochen, Ernährung und pseudo medizinische Ratgeber konsumiert. Im Freundeskreis putscht man sich noch gegenseitig auf. So führt dann der Weg in die Essstörung.

Auffällig finde ich den überproportional hohen Anteil an Gymnasiastinnen auf den Stationen. Es scheint so, als seien Essstörungen und schulischer Ehrgeizig eine häufige Kombination.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

“Die jüngste Patientin, die ich kenne, ist elf Jahre alt”
Warum kennen Sie Magersuchtpatient*innen?

“Da sind Frauen plötzlich Vegetarier, dann Veganer, später wird gar kein Zucker mehr gegessen.”
Sonst noch irgendwas, dass Sie persönlich nicht mögen?
Aber nein, bitte erzählen Sie von den Ratgebern, die Magersucht und Tot empfehlen (augenroll)

unfassbar
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wieso wirkt dieser Kommentar wie eine Argumentation _für_ Essstörungen?

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  unfassbar

Ich schätze, weil Sie mich fundamental missverstanden und/ oder (ebenfalls wie Schotti) den Unterschied zwischen Vegetarier*innen und Essstörung nicht kennen, nehme ich an.

Vielleicht möchten Sie konkretisieren, wo wir hier wahrscheinlich aneinander vorbeisprachen

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Bitte lesen Sie den Kommentar von Schotti am Anfang noch einmal gaaanz langsam und garantiert aufmerksam. Dann verstehen Sie vielleicht, was er aussagt – der Weg in die Essstörung beginnt oft langsam und unauffällig… Nach und nach werden immer mehr Lebensmittel gemieden.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

“der Weg in die Essstörung beginnt oft langsam und unauffällig…”
Mit vegetarischer Ernährung? 😛

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Wobei Zucker nicht wirklich ein Lebensmittel ist, gewohnheitsmäßig aber für eines gehalten wird.

Mannkannesnichtfassen
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Tot ist das Adjektiv, Tod das Substantiv. Gruselig, dass Sie sich in einem Lehrerforum rumtreiben.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Aber der Meinung stimmen Sie offenbar zu, freut mich 🙂

Unverzagte
1 Monat zuvor

Skandal, eine Lehrkraft verwechselte t und d…wenn Sie sonst nichts gruselt, Glückwunsch.

Fridolin
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich finde Ihren Kommentar seltsam. Worüber mokieren Sie sich eigentlich? Wir kennen alle dieses Problem aus den Medien. Nicht alle Medien lügen. Es gibt auch seriöse. Woher wissen Sie, dass die Erde wirklich rund ist? Haben Sie das irgendwo gelesen oder waren Sie im Weltraum und haben es mit eigenen Augen gesehen?

Die Aussagen zu den Vegatariern, Verganern, Zuckervermeidern enthält überhaupt keine Wertung. Bitte nicht immer gleich so “rumzicken”.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Fridolin

R. Z. hält sich an “Die große Regel: Wenn dein bißchen an sich nichts Sonderbares ist, so sage es wenigstens ein bißchen sonderbar.”
(Georg Christoph Lichtenberg)

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Also auch der Meinung, vegetarische Ernährung sei der Weg in die Essstörung?
https://www.news4teachers.de/2026/01/apfelschnitz-am-tag-immer-mehr-maedchen-mit-essstoerungen-dramatischer-anstieg/#comment-773357

Bemerkenswert, wie viele sich da einig sind. Garantiert fällt da früher oder später mal ein Beleg für die Behauptung ab 😉

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wer hat denn so etwas behauptet, dass veget. Ernährung zwingend zu Essstörungen führt? Es kann aber durchaus ein möglicherweise “Einstieg” sein.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja, ist echt ein Geheimnis…
“Da sind Frauen plötzlich Vegetarier, dann Veganer, später wird gar kein Zucker mehr gegessen […]”

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Vegetarier oder Veganer wird man oft aus ethnischen Gründen. Das ist bei essgestörten Menschen aber nicht der Grund. Sie schieben eine Ernährungsweise vor, um nichts essen zu müssen bei gesellschaftlichen Anlässen. ” Ach schade, ihr habt nix Veganes da” Selbstverständlich sind Vegetarismus und Veganismus kein Einstieg, verbinden sich jedoch manchmal mit Orthorexie.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Susanne M.

“Vegetarier oder Veganer wird man oft aus ethnischen Gründen. Das ist bei essgestörten Menschen aber nicht der Grund.”
Stimme Ihnen da zu. Sie sollten das Schotti schreiben 😉

“Die frühen Anzeichen sehe ich häufig in einer immer kleiner werdenden Auswahl an Nahrungsmitteln. Da sind Frauen plötzlich Vegetarier, dann Veganer, später wird gar kein Zucker mehr gegessen.”

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Ich wollte ” ethisch” schreiben, nicht ” ethnisch”

Na ja
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Oder eine Ausrede, warum man dieses oder jenes Lebensmittel meidet.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor
Antwortet  Fridolin

“Wir kennen alle dieses Problem aus den Medien.”
Das freut mich, ich dachte schon Schotti haut einfach am Thema vorbei seine Abneigung gegen Vegetarier*innen raus.

Sie können mir gerne weiterhelfen und Quellen benennen, wo vegetarische Ernährung zur Essstörung führt. Es ist ja in den Medien 😉

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Selbe Erfahrung hier. Das Ehrgeiz und Essstörung häufig in Kombination auftreten, liegt daran dass beides auf Selbstkontrolle beruht.
Und ja die Mädchen beschäftigen sich immer mehr mit Ernährung und dann kann es leider ausarten

Indra Rupp
1 Monat zuvor
Antwortet  blau

Nicht nur Ehrgeiz und Selbstkontrolle! Gymnasiastinnen haben oft auch ein sehr anspruchsvolles Umfeld, in dem man scheitern kann, wenn man nicht makellos ist.

Stine
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Sie kommen früher in die Pubertät. Manche bekommen mit 10 Jahren ihre Periode und sind geistig noch gar nicht reif genug, die Veränderungen ihres Körpers zu verstehen… und anzunehmen

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Stine

Wollen diese Kinder/Jugendlichen deshalb bewusst ihre Entwicklung verzögern?
Magersucht (Anorexia nervosa) » Auswirkungen »
Das kann ich mir nicht so richtig vorstellen. Das ist wohl ein typisches “Henne-Ei-Problem”. Ich sehe weniger die (frühere) Pubertät als Ursache (höchstens für den früheren Beginn von Essstörungen), sondern die Medien, die dortigen Rollen- und Schönheitsideale

TaMu
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Es ist sehr gesund, auf jeden zugesetzten Zucker zu verzichten.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Es ist schlimm, den Mädchen muss geholfen werden und Aufklärung ist immes wichtig.

Die Aufregung kann ich aber nicht mehr teilen wenn wir den Magerkult jahrzehntelang, sofar öffentlich im Fernsehen abfeierten. Pfui!

Mannkannesnichtfassen
1 Monat zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

immens…,wenn wir…Fernsehen,…

Geben Sie nicht auf! Auch Sie können Deutsch lernen.

Rainer Zufall
1 Monat zuvor

Danke für die Zustimmung als auch die Rechtschreibkorrektur 🙂

Katze
1 Monat zuvor

Toxische Energie› könne sich bei sozialen Medien entfalten…
Ach nee, wer hätte das gedacht. Viele Gymnasien erlauben die Handynutzung ab Klasse 8 oder 9. Und da laufen sie dann in ihre Pause: die „schlanken“ Twiggi‑Mädchen (aber auch Jungen) mit einem Apfelschnitz – wenn überhaupt – in der Brotbüchse, die den Namen längst nicht mehr verdient. Eingemummelt in weite Pullover, selbst im Hochsommer, weil Unterhautfettgewebe offenbar aus der Mode gekommen ist. Kaum sitzen sie, wird sofort das Handy gezückt, um sich von der TikTok‑Pro‑Ana‑Filterkörperfraktion neuen Input zu holen.
Solange Schulen mit High‑Tech ausgestattet sind, kann man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen: WLAN überall, Tablets für alle, Smartboards an jeder Wand. Dass dieselbe Infrastruktur den ungebremsten Zustrom jener „toxischen Energie“ ermöglicht, die man später in alarmierten Studien beklagt, scheint niemanden zu stören. Hauptsache, es glänzt nach außen.
Und dann gibt es die Daddel‑Elterngeneration, die selbst im Dauer‑Scrollmodus lebt. Eltern, die über „digitale Kompetenzen“ schwärmen, während sie kaum noch ohne Push‑Benachrichtigung existieren. Wer seinen Kindern vorlebt, dass das Smartphone der wichtigste Lebensbegleiter ist, sollte sich nicht wundern, wenn genau das passiert.
Lehrkräfte, die ein Handyverbot bis zur Oberstufe fordern, gelten schnell als Fossile. Dabei sind sie oft die Einzigen, die den Zusammenhang klar benennen: Wenn Schulen und Eltern weiter unkritisch an einem Digitalisierungsfetisch festhalten, entsteht ein Umfeld, in dem Essstörungen und Depressionen bei Kindern und Jugendlichen zwangsläufig weiter zunehmen werden.
Wer Lernräume schafft, in denen Algorithmen permanent mitreden, darf sich am Ende nicht wundern, wenn genau diese Algorithmen stärker prägen, wie junge Menschen sich selbst sehen, fühlen und bewerten, als jede pädagogische Maßnahme es je könnte.

H. F.
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

// Solange Schulen mit High‑Tech ausgestattet sind, kann man sich gegenseitig auf die Schulter klopfen: WLAN überall, Tablets für alle, Smartboards an jeder Wand. Dass dieselbe Infrastruktur den ungebremsten Zustrom jener „toxischen Energie“ ermöglicht, die man später in alarmierten Studien beklagt, scheint niemanden zu stören. //

So lange sogar die “Digitale Streetworkerin” dem Ganzen noch positives abgewinnen kann, wird sich wohl auch nichts ändern:
// Soziale Medien haben auch gute Seiten, sagt sie. «Unsere Aufgabe ist es, den Jugendlichen zu zeigen, wie sie darin agieren, Positives für sich herausziehen, wem sie trauen können.» //

Diese Realitätsverweigerung zieht sich durch alle gesellschaftlichen Themen durch, auch bei der Bildung. Hier weigert man sich ja auch beharrlich Zusammenhänge zwischen modernen Kita-Konzepten und späteren Defiziten der Kinder herzustellen. Oder zwischen moderner kompetenzorienter Selbstlerndidaktik und dem sinkenden Leistungsstand. Immer heißt es: mehr von der Medizin!

Ein Social-Media-Verbot kommt deshalb gar nicht infrage, wir brauchen im Gegenteil mehr digitale Bildung am Gerät, schon im Kindergartenalter! Tablets in die Kindergärten! Außerdem müssen wir das Digitale Streetworking stärken! Überhaupt muss ganz viel gestärkt und gefördert werden, denn Deutschland ist ein reiches Land!

blau
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Hmm ich glaube die weiten Klamotten haben mehr etwas mit noch nicht vorhandener Akzeptanz des veränderten Körpers zu tun. Freilich verbergen so auch stark Untergewichtige die Spuren, aber das Gros der Kids tut das eher aus Unsicherheit. Oder weil sie es einfach cool finden.

GriasDi
1 Monat zuvor

Tiktok sei Dank

dickebank
1 Monat zuvor

So nehmen sie eben weniger Platz in den von adipösen Klassenkamerad*innen besetzten, übervollen Klassenräumen ein. < Zynismus out>

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit Essstörungen, die Therapie bedürftig sind, ist erschreckend hoch. Aber wie immer, Schule ist schuld und muss dass Essverhalten der SuS durch zusätzliche Unterrichtsinhalte deutlch verbessern – weil Lehrkräfte sind billiger als Therapeuten. Jetzt kommen auch noch Ernährungsberater zu den imaginären MPTs-

Die MPT in der derzeitigen Form der “one-man-show” müssen eierlegende Wollmilchsäue sein. Und davon gibt es zu wenige in der genZ und bei den folgenden alphas wird’s auch nicht besser, was zu immer mehr “Leererstellen” führt – oder wie werden nicht besetzte Lehrerstellen korrekt bezeichnet? Die Steigerung von “leer” ist doch “leerer”, oder irre ich mich da?

Alexandra
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Lehrkräfte sind nicht billiger, Psychotherapeuten verdienen weniger

Mangel gibt es aber beiden

Fridolin
1 Monat zuvor

Komisch, was bedeutet “Apfelschnitz am Tag”?

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  Fridolin

Spalte

dickebank
1 Monat zuvor
Antwortet  dickebank

Stück vom Appel.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

Das Problem sind doch nicht die sozialen Medien, es sind vielmehr die Zeitschriften mit ihren Models. Kate Moss gab es schon vor Facebook, Instagram und Co.

Marie
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Und Barbie leider auch.

Lenayl
1 Monat zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Die Zeitschriften zeigen aber nur Momentaufnahmen, in Social Media sind die Kids teils stundenlang dabei, ihren geliebten und verehrten Personen zuzuschauen und das oft im vorgegaukelten „perfekten“ Alltag. Sie bauend eine persönliche Beziehung zu ihren Stars auf und haben das Gefühl, dass sie sie kennen. Genau das macht es noch gefährlicher.. gleichzeitig bekommen sie Werbung eingespielt und Tipps, was sie denn zu kaufen haben usw..

Vollblutlehrer mit Systemfrust
1 Monat zuvor

Und wo sind die Eltern?????

Riesenzwerg
1 Monat zuvor

Am Handy

Susanne M.
1 Monat zuvor

Die Eltern können oft nichts machen. Jedes Mittagessen ist ein Kampf. Es gibt ganze Familien, die durch die Magersucht der Tochter zerstört wurden. Wenn es dem Kind wirklich schlecht geht und es in eine Klinik kommt, wird es manchmal zwangsernährt. Das ist eine Gewalterfahrung, die das Verhältnis Eltern,- Kind noch mehr zerrütten kann. Und ambulante Psychiatrie hat horrende Wartezeiten.

Stine
1 Monat zuvor

Magersucht ist keine “Krankheit”, die man bekommt, weil man Models in Fernsehen oder Zeitungen sieht oder Videos in sozialen Medien. Magersucht entwickelt sich, häufig langsam und schleichend, ohne dass man sich selbst anfangs betroffen fühlt. Das Selbstwertgefühl meldet, etwas könnte besser sein, Mädchen x ist beliebter und anscheinend auch viel schlanker, das will ich auch. Und dann fängt man an, Essen auszulassen und es funktioniert! Und irgendwann ist man in einem Kreislauf gefangen. Esse ich was, werde ich ganz dick! Man schaut an sich herunter und sieht die Speckrollen, obwohl andere Haut und Knochen sehen, aber die Wahrnehmung ist gestört und es ist aus eigener Erfahrung heraus ein langer Weg, sein Körperbild wieder richtig objektiv wahrzunehmen. Daher die Bitte an alle Eltern – lässt ein Mädchen Worte fallen wie, ich bin zu dick, nehmt das Ernst. Da hilft keine Body Positivity “du bist gut so, wie du bist”, da fühlt man sich noch mehr unverstanden und macht dicht. Tut das niemals ab. Das erfordert sehr intensives Hinterfragen, um das Problem zu verstehen und das anzugehen, aber es kann helfen, den Weg in die Sucht zu vermeiden. Unterstützt eure Kinder darin, schon früh Spaß an Bewegung zu haben und viel Kontakt mit “echten Freunden”, denn ein gutes Körper- und Selbstwertgefühl ist die beste Prävention.

Schotti
1 Monat zuvor
Antwortet  Stine

Es gibt solche und solche Fälle. Manchmal werden während der Therapie die Auslöser ziemlich eindeutig gefunden und benannt. Zum Beispiel die Scheidung der Eltern oder sexueller Missbrauch durch ein Familienmitglied. Dann gibt es jedoch viele Mädchen, bei denen sich keine konkreten Auslöser finden lassen. Die Familien sind völlig intakt und tun wirklich alles, um dem Kind zu helfen. Die suchen sich früh professionelle Hilfe und arbeiten Hand in Hand mit der Klinik zusammen. Die Mädchen sind auch toll und jeder Mitarbeiter mag sie. Und trotzdem gehen diese Mädchen elendig zu Grunde. Sie kommen immer wieder und können diese Krankheit nicht besiegen. Manche sind irgendwann so schwach, dass sie nicht mehr stehen und nur noch ganz leise sprechen können. Ernährt werden sie durch eine Magensonde. Die Eltern zerbrechen dann oft selbst an diesem schrecklichen Anblick.

Maybe
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

nicht nur an Sie gerichtet !
Einfachste Info zu einem Bereich ! Dieses psychischen Erkrankungsspekrums.
Es nützt nicht zu mutmaßen.
Es bräuchte sofortige fachkundige, oft klinische Behandlung.

Bulimie: Ursachen und Folgen der schweren Essstörung https://share.google/NdEsVGfCGEFhlitNr

GraueMaus
1 Monat zuvor
Antwortet  Schotti

Aber die meisten Leute essen zu viel und stopfen Junk-Food in sich hinein, das sie voll digital bei den Hamburger-Ketten bestellt haben. Auch das betrifft junge Leute.

Susanne M.
1 Monat zuvor
Antwortet  GraueMaus

Einfache Rechnung: Wenn eine Jugendliche 30 Kilo zunimmt, passiert erst einmal nichts. Wenn sie 30 Kilo abnimmt und unter 36 Kilo wiegt, ist sie im letalen Bereich, Organversagen droht. Magersucht ist die tödlichste psychische Erkrankung.