Start Praxis Aufgelöste Grundschüler: Warum Lärm von Kampfjets künftig häufiger zu erwarten ist

Aufgelöste Grundschüler: Warum Lärm von Kampfjets künftig häufiger zu erwarten ist

13
Anzeige

WEMDING. Weinende Grundschüler durch Lärm von tief fliegenden Kampfjets – das hat Lehrer in Schwaben jüngst vor Herausforderungen gestellt. Doch Hinweise auf den Lärm vorab sind aus mehreren Gründen schwierig.

Ohrenschmerzen. (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

Nach großer Aufregung bei Grundschülern in Schwaben wegen tieffliegender Kampfjets macht die Bundeswehr wenig Hoffnung auf Vorwarnung zu solchen Fällen. «An sich ist das relativ schwierig», sagte ein Sprecher des Luftwaffengeschwaders in Neuburg an der Donau. Wann und wo für Übungen besonders tief geflogen werde, «entscheiden die Piloten individuell». Oft stünden die Route und der Zeitpunkt erst wenige Stunden vor Abflug fest – da sei eine Information über die Behörden vor Ort schwierig.

Im schwäbischen Wemding hatten Anfang März tief fliegende Kampfjets Kinder an einer Grundschule in Wemding (Landkreis Donau-Ries) dermaßen in Aufregung versetzt, dass ihre Eltern sie früher vom Unterricht abholen durften. «Sechs oder sieben Kinder haben geweint. Zwei waren so verstört, dass wir lieber die Eltern angerufen haben, um sie abholen zu lassen», sagte die Schulleiterin Margit Stimpfle den «Nürnberger Nachrichten». «Eines der Kinder hat ein Hörgerät, da waren wir lieber vorsichtig.» Auch bei der örtlichen Polizei erkundigten sich Menschen aus Wemding, woher der Lärm komme.

Wemding liegt innerhalb einer speziellen «Low Flight Area», in der Bundeswehr-Piloten für Übungen für kurze Zeit besonders tief, bis auf knapp 80 Meter über dem Erdboden, fliegen dürfen.

Seit einer Erlaubnis des Bundesverteidigungsministeriums im vergangenen Jahr sind solche Flüge wieder erlaubt. Als Grund nannte die Bundeswehr damals die veränderte sicherheitspolitische Lage in Europa, in der das Üben der Bündnisverteidigung wieder wichtiger geworden sei. Die Flüge würden deutlich stärker wahrnehmbar sein, teilte die Bundeswehr in dem Zusammenhang mit. Im Kalten Krieg waren solche tiefen Flüge bundesweit erlaubt.

«Einen Großteil dieser Tiefflugübungen kann ich im Simulator abbilden. Aber irgendwann muss man das Simulierte auch üben»

Der Sprecher des Luftwaffengeschwaders in Neuburg an Donau betonte, für solche Übungen werde meist ein Rundkurs gewählt, damit Orte nicht mehrfach überflogen würden und unter dem Lärm litten. Man bemühe sich auch, die Belastung so gering wie möglich zu halten. «Einen Großteil dieser Tiefflugübungen kann ich im Simulator abbilden», sagte der Sprecher. «Aber irgendwann muss man das Simulierte auch üben.» Jeder Tiefflug sei Teil des Trainings. Es gehe dabei um Standardfähigkeiten, um unter dem Radar fliegen zu können: «Die Piloten erlauben sich da keine Spaßflüge.»

Wer sich wegen des Fluglärms Sorgen mache, könnte sich bei der Flugbetriebs- und Informationszentrale der Bundeswehr melden (Telefon: 0800 8620730). Und wenn die Flieger nicht nur einmal über einen Ort fliegen müssten, dann werde dies im Vorhinein auch angekündigt, sagte der Sprecher des Luftwaffengeschwaders. News4teachers / mit Material der dpa

Lärm von Militärfliegern versetzt Grundschüler in Angst und Schrecken

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

13 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Realist
5 Tage zuvor

Die Armen,

da lebt man in einem wohlhabenden Landkreis (schuldenfrei laut Wikipedia) an der schönen Donau mit fast 100% Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (Wikipedia) mit einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten Deutschlands (WIkipedia), gibt dem Söder wohl immer wieder die Stimme (CSU bei weitem stärkste Partei (Wikipedia)) und dann kommen da diese bösen Kampfjets und donnern im Tiefflug über die gepflegten Einfamilienhäuser, so dass sogar die Gartenzwerge wackeln.

Ach, die Welt könnte so schön sein, wenn die anderen nicht immer alles kaputtmachen würden! Ungerecht!!!

ed840
4 Tage zuvor
Antwortet  Realist

“gibt dem Söder wohl immer wieder die Stimme 

Ziemlich unwahrscheinlich, da der ja bisher immer im Wahlkreis Nürnberg Ost kandidierte.

Nach meinen Informationen entfielen bei der Landtagswahl 2023 auch 61,2% der gültigen Stimmen in Wemding nicht auf die CSU.

und dann kommen da diese bösen Kampfjets und donnern im Tiefflug “

Da allerdings bekannt ist, dass Wemding in der LFA 7 liegt, wäre es vermutlich nicht schlecht gewesenen Kinder darüber zu informieren und vorab zu erklären was z.B. Tiefflüge sind, was passiert, wenn ein Jet die Schallmauer durchbricht, welchen Zweck diese Flüge erfüllen usw..

Biene
4 Tage zuvor
Antwortet  ed840

Es ist passiert. Warum im Nachgang den Kids nicht erklären, warum das passiert ist und dass es für sie vorerst kein Grund zur Sorge gibt?
Alle in den 1990er Aufgewachsenen sollten diese Situation kennen und erklären können, also vermutlich auch die Erzeuger der Kids.

dickebank
5 Tage zuvor

Da der dauerhafte Schallpegel an Schulen dem startenden Flugzeuge entspricht, weiß ich nicht, weshalb die SuS so verstört reagieren?

HarneEinrichson
4 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Es ist vielleicht auch für Kinder überraschend, dass andere Dinge genauso laut sein können wie sie. Diese Niederlage muss man erstmal verkraften

Fräulein Rottenmeier
4 Tage zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

🙂

dickebank
3 Tage zuvor
Antwortet  HarneEinrichson

Aber die Lösung ist total einfach, der Lärm muss ander Quelle eingedämmt werden. Also ganz einfach die SuS in schalldichte Boxen packen.

Realist
4 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Es geht doch überhaupt nicht um die Grundschüler…

Was meinen Sie, wie hoch die “Friedensdividende” für die Immobilienbesitzer in diesem Ort nach 1989 war?

Und jetzt das! Alles weg!

dickebank
3 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Ja, schon Mist, wenn das eigene Kaff kein Truppenstandort ist, der Kaufkraft generiert, und lediglich in bis zu 75 Metern überflogen wird.

Susanne M.
4 Tage zuvor

Weshalb hatten die Kinder solche Angst? Bei Probealarm beispielsweise kenne ich das nicht. Ich kann mir nur vorstellen, dass schon Grundschüler viel zu früh mit Weltproblemen überfrachtet werden: Krieg, Umweltzerstörung, Pandemie.
Mich wunderte auch, dass die anwesenden Lehrer in diesem Fall die Kinder nicht beruhigen könnten, sondern die Eltern sie abholen müssten.

HarneEinrichson
3 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Auch bei einem Probealarm habe ich schon weinende Kinder an Grundschulen erlebt

Palim
3 Tage zuvor
Antwortet  Susanne M.

Doch, bei Probealarm ist das auch so.

Zum Warntag kann man aber die Kinder vorab informieren, dann warten sie gespannt auf 11 Uhr und sind quasi enttäuscht, wenn die Sirene viel leiser ist, als sie es sich vorgestellt haben.
Ab dem 3. Schuljahr ist es ihnen dann egal.

Außerdem kann man vorher Kindern anderer Herkunft mit Kriegserfahrung oder -nähe übersetzen, dass es nur eine Übung ist und sonst nicht viel passiert. Wenn dann alle anderen einigermaßen ruhig bleiben, ist es auch für sie nur halb so schrecklich.

Chris
4 Tage zuvor

Das Problem ist doch, dass die Tiefflüge so selten geworden sind, dass niemand mehr damit rechnet. Wenn der Tiefflieger dann kommt, ist das Geschrei groß. Als ich in den frühen 1980ern Kind im gleichen Alter war, sind mir die Phantoms täglich über den Kopf gedonnert.