Start Praxis Philologen-Chefin: Lehrkräfte können soziale Schieflagen nicht “wegpädagogisieren”

Philologen-Chefin: Lehrkräfte können soziale Schieflagen nicht “wegpädagogisieren”

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BERLIN. Das Deutsche Schulbarometer mit neuen Daten zur (teilweise schlechten) psychischen Verfassung von Schülerinnen und Schülern hat hitzige und kontroverse Reaktionen hervorgerufen – unter Lehrkräfteverbänden. Während GEW und VBE als Konsequenz der Studie vor allem mehr Ressourcen und eine bessere soziale Infrastruktur an Schulen fordern, rückt der Philologenverband die Studie selbst in den Fokus – und wirft ihr vor, zentrale strukturelle Probleme des Bildungssystems auszublenden.

„Lehnen eine Instrumentalisierung durch Studien ab”: Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologenverbands NRW. Foto: phv Nordrhein-Westfalen

Mit der Veröffentlichung des Deutschen Schulbarometers 2025 zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen hat die Robert Bosch Stiftung eine hitzige Debatte entfacht. Ein erheblicher Teil der Schülerinnen und Schüler gilt als psychisch belastet, soziale Unterschiede treten deutlich hervor, und die Wünsche nach mehr Mitbestimmung im Schulalltag sind ausgeprägt. Die Reaktionen der Lehrerverbände fallen unterschiedlich aus – und legen offen, wie umstritten die Deutung der Ergebnisse ist.

„Die Studie blendet die zugrunde liegenden strukturellen Probleme des Bildungssystems aus“

Besonders scharf fällt die Kritik des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes aus. Dessen Landesvorsitzende Sabine Mistler stellt die Anlage der Studie selbst infrage. Die Untersuchung „bleibt weitgehend auf der Ebene individueller Belastungen und pädagogischer Stellschrauben stehen“, erklärt sie. Und: „Sie blendet die zugrunde liegenden strukturellen Probleme des Bildungssystems aus.“ Aus Sicht des Verbandes entsteht so ein verkürztes Bild, das die Verantwortung für die Bewältigung gesellschaftlicher Problemlagen einseitig in die Schulen verlagert.

Mistler warnt davor, dass die Ergebnisse nahelegen könnten, Lehrkräfte müssten durch intensivere Beziehungsarbeit, mehr Partizipation und zusätzliche Förderung ausgleichen, was außerhalb der Schule verursacht werde. „Wer vorrangig über Unterrichtsqualität, Klassenklima und Mitbestimmung spricht, aber den Lehrkräftemangel, die permanenten Reformlasten und jahrelange Unterfinanzierung ausblendet, greift die Realität an unseren Schulen nur unzureichend auf“, sagt sie. Darin sieht der Verband eine problematische Verschiebung politischer Verantwortung durch die Studienautorinnen und -autoren.

Besonders kritisch bewertet der PhV die Darstellung von Leistungsanforderungen und empfundenem Druck. Die Studie verhandle diese vor allem als subjektive Wahrnehmung der Schülerinnen und Schüler. „So entsteht der Eindruck, das Problem sei vor allem ‚zu viel Druck‘ im System Schule“, so Mistler. Nicht berücksichtigt werde jedoch, dass Schulen selbst unter wachsendem Druck stünden – durch zusätzliche Aufgaben wie Inklusion, Integration, Ganztagsausbau, Beratung und Digitalisierung, bei gleichzeitig knappen Ressourcen.

Auch bei der Frage der Chancengerechtigkeit sieht der Verband eine einseitige Perspektive. Zwar benenne die Studie erhöhte Belastungen bei Kindern aus einkommensschwachen Familien oder mit Förderbedarf, ordne diese aber primär als pädagogische Herausforderung ein. „Hier werden soziale Schieflagen diagnostiziert, und die Schulen und Lehrkräfte sollen sie unter Mangelbedingungen wegpädagogisieren“, kritisiert Mistler. Der Verband betont, Schule könne gesellschaftliche Probleme nicht allein lösen.

In dieser Linie warnt der PhV ausdrücklich vor bildungspolitischen Schlussfolgerungen, die aus seiner Sicht zu kurz greifen. „Wir lehnen eine Instrumentalisierung durch Studien ab, ganz besonders dann, wenn dadurch leistungsorientierte Schulformen schrittweise delegitimiert werden sollen“, erklärt Mistler mit Blick insbesondere auf das Gymnasium, dessen Lehrerschaft der Philologenverband vertritt. Ohne differenzierte Betrachtung von Schulformen und Rahmenbedingungen bestehe die Gefahr, strukturelle Unterschiede zu ignorieren und pauschale Reformforderungen abzuleiten.

„Die Befunde sind besorgniserregend und zeigen einen riesigen Handlungsbedarf“

Deutlich anders gewichtet die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Ergebnisse. Für sie bestätigen die Daten vor allem den Handlungsbedarf beim Ausbau sozialer Infrastruktur. „Die Befunde sind besorgniserregend und zeigen einen riesigen Handlungsbedarf“, sagt Vorstandsmitglied Anja Bensinger-Stolze. Sie verweist insbesondere auf die Abhängigkeit psychischer Gesundheit von den finanziellen Möglichkeiten der Familien und fordert eine bessere Versorgung mit schulpsychologischen und therapeutischen Angeboten sowie einen Ausbau der Schulsozialarbeit.

Dabei richtet sich die Kritik der GEW vor allem gegen aktuelle politische Entscheidungen. Konkret verweist sie auf das Auslaufen des Programms „Mental Health Coaches“ im Bundeshaushalt 2026 sowie auf Einsparungen in einzelnen Bundesländern. „Gerade in der aktuellen gesellschaftlichen Lage mit Krisen, Kriegen und wachsender sozialer Ungleichheit sehen wir uns (..) mit Kürzungen bei der sozialen Infrastruktur konfrontiert. Das ist der falsche Weg und völlig inakzeptabel“, so Bensinger-Stolze.

Zugleich plädiert die GEW dafür, sich von einer einseitigen Leistungsorientierung zu verabschieden. „Die Daten des Schulbarometers sind ein Weckruf, sich intensiver mit dem Aspekt des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit zu befassen“, erklärt sie. Neben mehr Personal fordert die Gewerkschaft auch strukturelle Veränderungen im Schulalltag, etwa mehr Zeit für pädagogische Arbeit und eine stärkere Beteiligung der Schülerinnen und Schüler.

„Unter dem Druck voller Lehrpläne und dem gesellschaftlichen Anspruch an Schule, bleibt dann das Miteinander auf der Strecke“

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) schlägt einen vermittelnden Ton an, betont aber ebenfalls die politische Verantwortung. Sein Bundesvorsitzender Tomi Neckov nennt die Ergebnisse „beunruhigend“ und verweist insbesondere auf die Belastung von Kindern aus einkommensschwachen Familien. „Armut ist ein zentrales Hemmnis von Bildungsgerechtigkeit. Deshalb müssen gerade einkommensschwache Familien weiter finanziell entlastet und Schulen besser dafür ausgestattet werden, armutsbetroffene Kinder zu fördern“, fordert er.

Gleichzeitig hebt der VBE hervor, dass Wohlbefinden und Leistung kein Gegensatz seien, sondern zusammenhingen. Allerdings verweist auch Neckov auf strukturelle Grenzen pädagogischer Arbeit. „Unter dem Druck voller Lehrpläne und dem gesellschaftlichen Anspruch an Schule, bleibt dann das Miteinander auf der Strecke. Das haben aber nicht die Lehrkräfte zu verantworten, sondern die Politik. Die Fachkräfte können nicht ausgleichen, was an Ressourcen fehlt.“

Das Deutsche Schulbarometer 2025 zeigt erstmals seit der Pandemie wieder einen Anstieg psychischer Belastungen bei Schülerinnen und Schülern. Rund ein Viertel der Kinder gilt als psychisch auffällig, bei Kindern aus einkommensarmen Familien liegt der Anteil mit 31 Prozent deutlich höher. Zugleich äußern große Mehrheiten den Wunsch nach mehr Mitbestimmung im Schulalltag, während viele bestehende Beteiligungsformate als wenig wirksam wahrgenommen werden. Die Studie stellt damit einen engen Zusammenhang zwischen sozialer Lage, schulischer Erfahrung und individuellem Wohlbefinden her. News4teachers 

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Mehr Stress, mehr Druck, wenig Mitbestimmung: Warum sich die psychische Lage von Schülern wieder verschlechtert

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Lera
6 Tage zuvor

Habe heute in DLF gehört, dass sich „alle einig“ seien, es bräuchte mehr …

Trommelwirbel…

… multiprofessionelle Teams!

Hierzu stelle ich fest:

Multiprofessionelle Teams wären potenziell dann ein Gewinn, wenn sie tatsächlich als Team arbeiten könnten.

Dies ist ausschließlich dann möglich, wenn einer aus dem Team Überstunden macht: nämlich der Lehrer.

Unser Deputat ist so hoch, dass neben dem Kerngeschäft Unterricht nur wenige Stunden pro Woche für „alles andere“ übrig bleiben.

Alles andere sind klassischerweise die Konferenzen, Ausflüge etc.

Nicht eingepreist sind hier tägliche Team-Besprechungen und die gemeinsame Vorbereitung von Unterricht – die dauert nämlich: LÄNGER.

Das Ergebnis könnte potenziell durchaus besser sein, als wenn ich das im stillen Kämmerchen ausbrüte.

Der Aufwand steigt aber auch.

Dieser Aspekt wird von Nicht-Praktikern gerne ignoriert.

Liebe KM, ihr wollt multiprofessionelle Teams?

Ich bin zwar kein Fan, aber gut.

Hier kommen realistische Rahmenbedingungen für funktionierende Teams:

– Deputat halbieren,
– Klassengrößen halbieren,
– Team-Teaching als Standard

Ansonsten bleibt es wie es ist:

Einer hält die Schaufel und zwei schauen ihm beim Halten zu.

ed840
6 Tage zuvor
Antwortet  Lera

“Multiprofessionelle Teams wären potenziell dann ein Gewinn, wenn sie tatsächlich als Team arbeiten könnten.”

Ist am einfachsten, wenn solche Teams aus einer Person bestehen, denn dann braucht man keine Absprachen, Terminvereinbarungen für Teamsitzungen usw. usw.

Realist
6 Tage zuvor
Antwortet  ed840

“Durch den Verzicht auf multiprofessionelle Teams und Bündelung der gesamten pädagogischen, erzieherischen und fachlichen Betreuung in der Hand einer einzigen Lehrkraft pro Klasse leistet das Kultusministerium einen wichtigen Beitrag zur Entlastung: Keine zeitraubenden Absprachen, Terminvereinbarungen und Teamsitzungen mehr. Die so gewonnenen Arbeitszeiteinsparungen können daher für eine moderate Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung um drei Wochenstunden genutzt werden.”

Na @ed840, schon beim KuMi beworben?

Hint: Auch “Absprachen, Terminvereinbarungen für Teamsitzungen usw. usw.” gehören zur Arbeitszeit!!!

ed840
6 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Na @ed840, schon beim KuMi beworben?”

Nein.

Würden Sie denn ausschließen, dass ich dort schon längst tätig bin und es deshalb gar nicht nötig hätte? .

Rainer Zufall
5 Tage zuvor
Antwortet  ed840

“Ist am einfachsten, wenn solche Teams aus einer Person bestehen”
Oweh…

Alleine sind Sie vielleicht schneller, aber gemeinsam kommen Sie weiter 🙂

Englischlehrerin
6 Tage zuvor

Unser Schulsystem ist am Ende. Punkt. Den Kindern tut es nicht gut, den Lehrern tut es nicht gut und den Schulleitungsmitgliedern tut es nicht gut. Es gibt neue Modelle, wie die Alemannenschule Wutöschingen es vorlebt. In diese Richtung sollten wir gehen. Lehrer sollten viel weniger Unterricht machen und eine Präsenzzeit von 37 Wochenstunden bei voller Stelle haben. Und darin enthalten ist ALLES, sodass man nach Hause kommt und frei hat. Schulen brauchen Coaches. Es ist Zeit, Schule völlig neu zu denken.

dickebank
6 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Aber dem Haushalt tut es gut. Mehr soll weder in Personal noch in Ausrüstung und Gebäude investiert werden.

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Ich denke, das teuerste würde der Umbau und die Erstaustattung. Der laufende Betrieb soll nicht mehr kosten, als andere Schulen. Schulbücher fallen weg, Tabletts sind gemietet und Eltern zahlen dafür 6,-€ pro Monat. Personell arbeitet die ASW auch mit Seniorberatern (Rentner und andere Interessierte) gerade für den Nachmittagsbereich (entdeckendes Lernen). Und die LuL sind 37 Std/Woche vor Ort, haben also ein alternatives Arbeitszeitmodell zu den Deputaten. Dadurch lässt sich vieles anders organisieren.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Und woher nehmen Sie die Mittel für die Anfangsinvestitionen in Umbau und Erstausstattung?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Gab es da nicht ein Sondervermögen 😉

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Welches?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Soweit ich las, sollten auch Gelder aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klima für Schule genutzt werden.

Canishine
6 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Arbeiten die Lehrer an der Alemannenschule nur 37 Wochenstunden all inclusive?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Ja, diese verbringen sie allerdings auch komplett in der Schule. Kein To-Do mehr Zuhause. Dadurch, dass der Unterricht entfällt, gibt es keine Vor- und Nachbereichtung.

Ukulele
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Wie sieht es mit den Ferienzeiten an dieser Schule aus? Müssen die Lehrer dann auch anwesend sein, sofern sie keinen Urlaub beantragen? Und wie sieht die Vergütung aus?

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Ukulele

Bummeln Sie Ihre angeordneten Überstunden ebenfalls am Arbeitsplatz in der Firma ab?

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Bei 37h Arbeitszeit pro Woche gibts keine Überstunden

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Was machen die Beschäftigten in anderen Teilen des ÖD und anderer Tarifbereiche denn aus Ihrer Sicht falsch?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  Ukulele

Das weiß ich nicht.

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Keine Tests, die korrigiert werden? Keine Prüfungen, die vorbereitet werden müssen? Die Unterrichtsmaterialien erstellt wer wann?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Soweit ich weiß, arbeiten Sie mit DiLer, dort sind die Materialien hinterlegt. An ihnen wird während der Arbeitszeit weitergearbeitet bzw. ergänzt. Die Gelingensnachweise werden zeitversetzt geschrieben (SuS entscheiden, wann sie soweit sind). Diese werden dann auch in der Schule direkt ausgewertet. Wie das mit Prüfungen läuft, weiß ich nicht.

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Was ist DiLer?
Zeitversetzte Tests bedeuten ja nicht, dass weniger Tests zu bearbeiten sind. Im Gegenteil müssen mehr Tests erstellt werden, was wiederum noch zeitaufwendiger ist.

Alese20
4 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

DiLer ist eine digitale Lernplattform:
https://www.bildungsserver.de/onlineressource.html?onlineressourcen_id=59923

Ja, es müssen dann nicht weniger Tests korrigiert werden, aber dadurch, dass sie nicht alle auf einmal anstehen, könnte ich mir vorstellen, dass man diese einzelnen gut zwischendurch korrigieren kann.

Ich weiß nicht, ob es standardisierte Test je Kompetenzraster auch in DiLer gibt, könnte es mir aber vorstellen.

Canishine
5 Tage zuvor
Antwortet  Alese20

Gibt es in BW keine Wochenstundenvorgaben für Landesbeamte oder hat die Alemannenschule einen anderen Status?

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  Canishine

Ich glaube, die ASW hat es irgendwie geschafft, sich von den Deputaten zu befreien. Weiß leider nicht, wie.

konfutse
6 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Die Alemannenschule funktioniert in Wutöschingen.
Ich behaupte: In Mannheim z.B. nicht.
Funfact: Das Klientel in Wutöschingen wird von der SL gezielt ausgesucht.
Das können die meisten SL (vor allem in der Stadt) nicht.
Dass diese GMS immer wieder als Paradebeispiel für vor allem GMS-Fans fungiert, ist geschenkt. Dass aber die Haushaltslage einer Gemeinde, das Einzugsgebiet und die Bevölkerungsstruktur für ein solches Konzept genauso stimmen muss, wird gerne übersehen.

DerechteNorden
5 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Das Problem fängt doch bereits damit an, dass nicht alle das Modell, das Ihnen vorschwebt, tatsächlich gut finden.
Alle Initiativen laufen ins Leere, wenn es innerhalb der Gesellschaft keinen Konsens darüber gibt, wie Schule aussehen soll und dass viel mehr in Personal, Ausrüstung und Gebäude investiert werden muss.
Initiativen haben uns in den letzten Jahrzehnten schlechtere statt bessere Verhältnisse gebracht.
Mein Bundesland z.B. hat eine sehr hohe Inklusionsquote. Allerdings nicht, weil alle hinter diesem Prinzip stehen, sondern weil es Kosten spart.
Ebenso verhält es sich mit der Tatsache, dass es neben dem Gymnasium nur noch GemS gibt. Gute GemS kosten nun einmal mehr, da Heterogenität nur funktioniert, wenn man sie nicht überstrapaziert. Genau das ist aber der Fall, weil es erstmal billiger ist. Dass es am Ende teurer ist, weil es viel mehr Menschen gibt, die versorgt werden müssen, da sie aufgrund der Missstände keine solide Basis für ein eigenverantwortliches und gesellschaftlich betrachtet produktives Leben erhalten, ist offensichtlich den wenigsten klar oder unwichtig, da sonst schon längst etwas passiert wäre.

ed840
5 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

oder unwichtig, da sonst schon längst etwas passiert wäre.”

Kann man kaum widersprechen, wenn man solche Meldungen liest:

Schüler ohne Abschluss: Neuer Höchststand in Schleswig-Holstein erreicht
Jugendliche mit Migrationshintergrund in SH scheitern dreimal so oft am Schulabschluss” usw. usw.

Salida
5 Tage zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Genau das. Wenn in einer Regelklasse so viele Kinder mit Förderbedarf sitzen, wie in einer Förderschulklasse, dafür aber nochmal genau so viele Kinder ohne Förderbedarf, und natürlich nur eine Lehrkraft da ist statt zwei, dann ist das keine Inklusion, sondern billig und ein Verbrechen an allen Kindern.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Salida

Und im Gegensatz zur FöS Kinder und Jugendliche mit unterschiedlichen Förderbedarfen.

Nadine
5 Tage zuvor
Antwortet  Salida

Ich ergänze: auch an den Regelschullehrern und Sonderpädagogen ( falls vorhanden!), die genau wissen, dass es so nicht funktionieren kann, aber es niemanden interessiert

Alese20
5 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Dem kann ich nur zustimmen. Ich glaube auch, dass das für LuL und SuS entlastender wäre. Aber natürlich glaube ich auch, dass es SuS gibt, die das überfordert, da das SOL sehr anspruchsvoll ist und das nicht alle leisten können. Ich glaube allerdings auch, dass das für mehr SuS klappen könnte, als hier häufig dargestellt. Wenn man ab Kl. 1 nach und nach darauf vorbereitet wird, dann sehe ich darin auch die Chance, dass es wenig SuS geben wird, daran zu scheitern.

Pädagogische Fachkraft
5 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

In BW sind die GMS nicht gerade von Erfolg gekrönt, sondern es zeigt sich, dass ihre Schüler in den VERA-Vergleichen viel schlechter abschneiden als Schüler von im Niveau gleichen differenzierten Schularten. Fallen Sie nicht auf die politischen Heißluftpumpen oder Influencer rein, die derartigen Einheitsbrei als Lösung verkaufen wollen.

ed840
5 Tage zuvor

Eigentlich müsten dort die Leistungen landesweit am besten sein, da laut KM GemS leistungsorientierte Schulen sind , an dene alle SuS auf dem bestmöglichen Niveau lernen und durch gezielte individuelle Förderung im Ganztag dann auch ihr maximales Lern- und Leistungspotential ausschöpfen können.

Philanthrop
5 Tage zuvor

Einheisbrei sind doch wohl eher Gymnasien, Realschulen und Hauptschule, deren Grundidee von einer jeweils homogenen Schülerschaft ausgehen, auch wenn die Realität anders aussehen mag. Dagegen würde keine GemS ihre Schülerschaft als homogene Masse betrachten, die alle denselben Abschluss erreichen sollen. Raten Sie mal, welche Schulformen dagegen jeweils einheitliche Abschlüsse für ihre Schüler anstreben.
Einheitsschule ist übrigens ein typisch ideologischer Kampfbegriff, dessen Verwendung sehr entlarvend für den Kenntnisstand des Benutzers ist.

Alese20
4 Tage zuvor

Das zeigt für mich nicht, dass das Konzept nicht taugt, sondern dass es schlecht gemacht ist. Wenn dort an Ressourcen gespart wird, kann das auch nicht funktionieren. Außerdem ist mir neu, dass alle Gesamtschulen in BW das von Englischlehrerin aufgezeigten Konzept der Alemannenschule 1 zu 1 übernommen hätten.

Anika von Bose
5 Tage zuvor
Antwortet  Englischlehrerin

Und während der unterrichtsfreien Zeit können Lehrkräfte 30 Urlaubstage nehmen und den Rest der Zeit machen sie Fortbildungen, ermöglichen förderbedürftigen Kindern Nachhilfe usw.? Fände ich gut.

laromir
5 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Nur falls es ihnen entgangen ist. Während der Ferien sind wir bereits am korrigieren und Vorbereiten, entwerfen Abiprüfungen, geben Noten ein. Erledigen Papierkram und z.B. in den Sommerferien starten in der letzten Woche Prüfungen und Konferenzen. Nur für die, die glauben, wir hätten die ganzen Ferien frei. In den letzten beiden Jahren, kam ich gerade mal so auf 25 Tage Urlaub. Wann also sollte ich in den Ferien noch Förderangebote machen? Da sieht man, wie wenig Ahnung Sie so von den Tätigkeiten haben.

Realist
6 Tage zuvor

Der Verband betont, Schule könne gesellschaftliche Probleme nicht allein lösen.”

Es geht ja gar nicht mehr darum, irgendwelche Probleme zu “lösen”. Man sucht nur einen Sündenbock, da man sich an die eigentlichen Probleme wie Krieg, Klima und Wirtschaft nicht herantraut bzw. dort gar keine Konzepte mehr hat außer einfach die Verantwortung wegzudeligieren. Der gesellschaftlich akzeptierte Universalsündenbock “Schule” und das Mantra von der mangelnden “Bildung” ist der kleinste gemeinsamme Nenner, auf den sich alle Aktuere einigen können.

Anika von Bose
5 Tage zuvor

Es ist schon paradox, der PhV beklagt einerseits, dass sich die Studie mit Blick auf die Darstellung von Leistungsanforderungen und empfundenen Druck zu sehr die Petspektive der SuS berücksichtigt, um dann andererseits die Überforderung und den Druck des Systems Schule in den Fokus zu stellen. So ein Kindergarten!
Warum fällt es Lehrerverbänden, wie dem PhV so schwer, beide Perspektiven zusammenzudenken? Unbestritten ist das System Schule den Anforderungen mit einer defizitorientierten Ausstattung nicht gewachsen! Aber die bestehenden Probleme der Kinder und Jugendlichen vor dem Hintergrund aktueller Krisen und Kriege und wachsender sozialer Ungleichheit sind doch auch nicht von der Hand zu weisen! Und das Kinder und Jugendliche einkommensschwacher Familien davon im besonderem Maße betroffen sind, will ja wohl niemand bestreiten? Die Frage muss doch sein, wie wir als Gesellschaft diese Probleme lösen wollen! Und damit dürfen wir nicht erst anfangen, wenn die Kinder in die Bildungseinrichtungen kommen, sondern von Geburt an.

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

„ Warum fällt es Lehrerverbänden, wie dem PhV so schwer, beide Perspektiven zusammenzudenken?“

Der PhV vertritt die Interessen der Lehrer. Folgerichtig denkt er die Perspektive der Lehrer – anders als die GEW, die sich vorrangig als Vertretung von Kindern und Jugendlichen und deren Eltern sieht.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ne Gewerkschaft ist aber eine Arbeitnehmervertretung.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, von Seiten der Geschäftsleitung, nicht aber von Seiten der Gewerkschaft.

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Nun setzt sich die GdL jedoch nicht für die Durchsetzung der Fahrgastrechte ein, sondern für bessere Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder.
Haben die gute Arbeitsbedingungen, geht’s auch den Fahrgästen besser, weil weniger Ausfälle durch fehlendes Zugpersonal. Gleiches erwarte ich von einer Gewerkschaft für Lehrkräfte.

Ich sehe keinen Gegensatz zwischen Schüler- und Lehrerinteressen. Das Problem liegt in der Art der Durchsetzung derselben: die GEW sieht sich in meiner Wahrnehmung als Vertreter der SuS, der PhV als Vertretung der Lehrkräfte. So erklären sich auch die von Ihnen beschriebenen unterschiedlichen Wichtungen der Studie durch die Gewerkschaften.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

“Nun setzt sich die GdL jedoch nicht für die Durchsetzung der Fahrgastrechte ein, sondern für bessere Arbeitsbedingungen ihrer Mitglieder.”
Wird im Forum nicht der GEW permanent angekreidet, sich (auch) um Schüler*innen zu kümmern, und zu selten (ausschließlich) den Mitgliedern? 😀

Für Bahn-Kund*innen könnte dies interessant und einfach mal eine erfrischende Abwechslung sein: konstruktive Maßnahmen https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/deutsche-bahn-so-kann-der-staatskonzern-endlich-puenktlicher-werden-a-6e6d8cd6-a58f-42f0-be33-197279d201ea

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, pünktlicher Feierabend ist nicht zu verachten. Da geht doch der Eigennutz vor der Kundenzufriedenheit.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Und dann kommen sie noch später nach Hause.
Flüge werden beispielsweise gecancelt, wenn die geplante Landung erst nach Erreichen der maximal erlaubten Atbeitszeit der Crew erfolgen würde.

Rainer Zufall
4 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Fragen Sie mal 447, der schulgemeinschaftliche Aktivitäten kaum noch zu verkraften scheint 🙁

Anika von Bose
5 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Die Frage ist doch , ob diese Einseitigkeit sich auf die Partikularinteressen eines Teils der Schulgemeinschaft zu fokussieren zum Ziel führt. Aber das ist offensichtlich der Zeitgeist unserer Gesellschaft, ich halte das für dumm!

Mika BB
5 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Sie wissen aber schon, dasselbe Gewerkschaft die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten hat? Dafür zahlen diese nämlich Beiträge.

Anika von Bose
5 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Und sorgt dieses Vorgehen dafür die Interessen der Mitglieder wirksam zu vertreten? Hat sich das Arbeitsumfeld der Lehrkräfte zufriedenstellend verändert? Oder wäre es vielleicht wirksamer, wenn die Schulgemeinschaften und deren Interessenvertretungen sich zusammenschließen und bestehende gemeinsame Ziele vorantreiben? Ein gutes Lern- und Arbeitsumfeld an unseren Schulen zu schaffen? Denn das eine ist mit dem anderen verbunden…aber lieber kocht jeder sein eigenes Süppchen und schärft sein eigenes Profil…

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Die Elternverbände sollen dann auch Lehrerinteressen vertreten? Also beispielsweise, dass Lehrer nach erbrachter Arbeitszeit keine Vertretungen mehr machen müssen? Dass das Arbeitsschutzgesetz eingehalten wird (Klassenfahrten adé)?

Genau, da liegen Interessenkonflikte vor. Und deshalb gibt es verschiedene Vertretungen für verschiedene Interesseninhaber. Teilweise überschneiden sich die Interessen – dort kann man gemeinsam vorgehen, überwiegend jedoch nicht.

Indra Rupp
4 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Dadurch wirkt der Philologenverband, als wenn er Kinder in erster Linie als Produkte betrachtet, an denen er verdient.
Unsympathisch!
Ist aber nicht der einzige.
Landwirte verdienen an der Natur und sind selten “grün”.
Mich erinnert der Philologenverband an unsere Parteien, die nur mit Wahlkampf beschäftigt sind, als Opposition nur die Regierung behindern wollen um die als unfähig darzustellen, Dinge anprangern, die sie selber als Regierung nicht hinbekommen haben, weil man außerhalb der Verantwortung leicht rummeckern kann und vor allem…. nichts angehen, was sich erst in zwanzig Jahren rechnet, weil man da selber nicht mehr von profitieren bzw die Lorbeeren einheimsen kann.
Diese Parteien kämpfen auch für sich selber und nicht für das Große Ganze!

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Aber die Schulen liefern doch den Rohstoff für die Zukunft des Landes, die Human Ressources.

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

„Dadurch wirkt der Philologenverband, als wenn er Kinder in erster Linie als Produkte betrachtet, an denen er verdient.
Unsympathisch!“

Ja is man doof, ne, dass ich für meine Arbeit auch bezahlt werden will. Klar verdiene ich mein Geld damit, Kindern was beizubringen. Und ja, ich will nicht krank werden durch die übermäßige Belastung aufgrund der immensen und stete steigenden Anforderungen an mich als Lehrkraft.
Ist das jetzt was Ehrenrühriges?

Indra Rupp
3 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Ich arbeite mit Kindern und mit Tieren. Die harte körperliche Arbeit mit den Tieren, zB Wasser schleppen, hat mir nun Kniearthrose eingebracht. Ich will trotzdem keine Gewerkschaft, die weniger Wasser für Tiere fordert!
Gerne könnte aber GEW-mäßig etwas gefordert werden, was mir die Arbeit erleichtert und trotzdem die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt.
Nur als Beispiel.

dickebank
3 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Nur weil es hinkt und schief ist, ist es noch lange kein Vergleich.

Indra Rupp
4 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Die GEW dagegen geht davon aus, dass Lehrer ein Interesse daran haben, dass ihr Beruf Sinn macht, kurz, dass Kinder gesund, sozial und gut gefördert groß werden. Entsprechend engagiert sich die GEW auch für die Bedingungen der Kinder.

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Soll die GEW gerne tun. Es wäre dann allerdings ehrlicher, sich nicht als Vertreter der Interessen von Lehrern darzustellen, wenn sie gern Bildungspolitik machen wollen.

Mika BB
4 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Wäre sinnvoller, sie engagierte sich mal mit gleicher Verve für bessere Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte. Dann hätten Lehrer nämlich wieder Ressourcen dafür, Kinder gut zu fördern.

dickebank
5 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Wofür gibt es dann die Landeselternschaften?

dickebank
4 Tage zuvor
Antwortet  Anika von Bose

Vertreten denn die Landesschülerschaft und die Landeselternschaft die Interessen der Lehrkräfte?
Das Problem der “Lehrergewerkschaften” ist doch, dass sie sich als gesellschafts-/bildungspolitische Player verstehen, aber als gewerkschaftliche Interessenvertretung der sie finanzierenden Mitglieder und Gegenspieler der TdL ein zu vernachlässigender Faktor sind. Da ist ver.di, bei der aber kaum eine Lehrkraft organisiert sein dürfte, schon ein gewichtigerer Verhandlungspartner.

Anika von Bose
4 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Ich habe zwei Legislaturen im Landeselternrat gesessen und wir haben immer geschaut, dass wir Positionen gemeinsam mit anderen Verbänden nach Außen vertreten konnten – das ist einfach effektiver und man ist auch ein gewichtigerer Verhandlungspartner, wenn möglichst viele Verbände mit „einer Stimme sprechen“. Auch der Landesschülerrat hat das in der Vergangenheit in vielen Fällen so gehalten. Natürlich hat jeder seine Perspektive, aber schlussendlich sitzen wir alle „unter einem Dach“ und müssen als Schulgemeinschaft funktionieren, andernfalls hat das für alle nur Nachteile. Leider geht es vielen nicht um Wirksamkeit, sondern um das eigene Profil – und das nervt.

Salida
5 Tage zuvor

Schon bezeichnend: Die Kinder empfinden nur Druck, die Schule hingegen steht unter Druck. Das zeigt die Sicht der Dame auf Kinder und Jugendliche und wie sehr sie ihre Sorgen und Nöte interessieren