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EdTech-Verband greift staatlichen KI-Chatbot „telli“ scharf an – Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Unternehmen und Schulen?

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BERLIN. Der EdTech-Verband wirft den Ländern und dem FWU vor, mit dem staatlichen KI-Chatbot „telli“ massiv in den Bildungsmarkt einzugreifen. In einer ausführlichen Stellungnahme kritisiert der Verband nicht nur die Finanzierung des Angebots, sondern auch die Rolle des FWU als Entwickler, Prüfer und Betreiber zugleich. Besonders scharf fällt der Vorwurf aus, der Staat verdränge mit öffentlichen Mitteln privatwirtschaftliche Innovationen aus dem Markt. Leidtragende sind die Unternehmen – und die Schulen. Eine Analyse von Volker Jürgens.

Science Fiction (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Schulen bräuchten zwar „eine verlässliche Grundversorgung mit KI-Tools“, zugleich müsse der Einsatz von Künstlicher Intelligenz „in einem besonders sicheren, datenschutzkonformen und pädagogisch sinnvollen Rahmen stattfinden“, heißt es in der Stellungnahme. Allerdings sei die Entwicklung eigener staatlicher KI-Angebote nicht Aufgabe des Staates.

Der EdTech-Verband vertritt nach eigenen Angaben mehr als 80 Startups, Unternehmen und Initiativen aus dem Bereich digitaler Bildung. In seiner zehnseitigen Stellungnahme mit dem Titel „telli oder Der Eingriff des Staates in den deutschen Bildungsmarkt“ beschreibt der Verband den staatlichen KI-Chatbot als ordnungspolitisches Problem.

Der Verband verweist darauf, dass bereits seit 2022 privatwirtschaftliche Unternehmen spezialisierte KI-Lösungen für Schulen entwickelt hätten. Die Angebote reichten „von Chatbots über Unterrichtsplanung und Materialerstellung bis hin zu Feedback- und Korrekturhilfen“. Mehr als 15 Unternehmen hätten inzwischen entsprechende Lösungen speziell für den deutschen Bildungsmarkt entwickelt. „Damit steht ein Portfolio an unterschiedlichen KI-Tools zur Verfügung, aus denen die Schulen nach ihren pädagogischen Bedarfen auswählen können“, heißt es in der Stellungnahme.

„Der Staat stellt keine Schreibstifte her, er druckt keine Schulbücher und produziert keine Taschenrechner“

Mit „telli“ habe das FWU nun im Auftrag der 16 Bundesländer einen staatlichen KI-Chatbot entwickelt, der seit Juni 2025 schrittweise eingeführt werde. Parallel gebe es Pläne für ein staatlich entwickeltes adaptives Lehr- und Lernsystem. Der Verband formuliert dazu einen grundsätzlichen Vorwurf: „Der Staat stellt keine Schreibstifte her, er druckt keine Schulbücher und produziert keine Taschenrechner.“ Aufgabe des Staates sei es vielmehr, Qualitätsstandards zu setzen, geeignete Produkte zuzulassen, Finanzierung sicherzustellen und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. „Wofür der Staat nicht zuständig ist, ist die Entwicklung eines eigenen KI-Chatbots und eines Lehr- und Lernsystems in Konkurrenz zu marktreifen EdTech-Lösungen“, heißt es weiter.

Ausführlich argumentiert der Verband gegen die politische Begründung der „digitalen Souveränität“. Deutschland habe sich mit seiner nationalen KI-Strategie von 2018 zum Ziel gesetzt, KI-Entwicklungen im eigenen Land zu fördern, um Wettbewerbsfähigkeit und Datenhoheit zu stärken. „telli leistet keinen Beitrag zur digitalen Souveränität Deutschlands“, schreibt der Verband dagegen. Der staatliche Chatbot nutze dieselben anglo-amerikanischen Sprachmodelle wie privatwirtschaftliche Anbieter, darunter GPT-5 oder Llama. Gleichzeitig verdränge das staatliche Angebot Unternehmen, die alternative europäische Modelle wie Mistral integriert hätten. „Indem telli privatwirtschaftliche KI-Angebote aus dem Markt drängt, die alternativ europäische Sprachmodelle integriert haben, behindert telli sogar die Bestrebungen nach digitaler Souveränität“, heißt es.

Darüber hinaus sieht der Verband wirtschaftliche Folgen für den deutschen EdTech-Sektor. Das staatliche Angebot erzeuge „unkalkulierbare Risiken“, die die Bereitschaft von Wagniskapitalgebern senkten, in KI-basierte Bildungsunternehmen zu investieren. Dadurch würden „nachhaltig Innovation und wirtschaftliches Wachstum im EdTech-Sektor“ geschwächt. Zudem reduziere ein „national dominierendes Staatsprodukt“ die Chance, europaweit wettbewerbsfähige KI-Angebote „made in Europe“ aufzubauen.

Im Zentrum der Stellungnahme steht der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung. Die Unternehmen seien bereit, mit dem staatlichen Angebot in Konkurrenz zu treten – „vorausgesetzt, es gelten die gleichen Regeln für alle“. Genau das sei aber nicht der Fall. Der staatliche Eingriff verzerrte nach Auffassung des Verbands den Wettbewerb „durch die Übernahme von Entwicklungs- und Betriebskosten für telli“. Anders als klassische digitale Angebote verursachten KI-Anwendungen nicht nur Entwicklungskosten, sondern erhebliche laufende Kosten durch Rechenleistung und sogenannte Tokens. Privatwirtschaftliche Anbieter müssten diese Kosten in ihre Lizenzpreise einrechnen. Deshalb werde die staatliche Lösung für Schulen zwangsläufig günstiger erscheinen als private Angebote. „So entsteht kein fairer Wettbewerb um die beste Lösung, sondern ein struktureller Marktnachteil für private Innovation“, heißt es.

Der Verband stellt zudem die pädagogische Qualität von „telli“ infrage. In einem funktionierenden Markt setze sich normalerweise „die KI-Lösung mit dem höchsten Nutzwert, der besten Qualität und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis durch“. „telli“ sei „weder die am besten in der Praxis einsetzbare noch die qualitativ beste KI-Anwendung für Schule und Unterricht“. Dennoch werde das Angebot durchgesetzt, weil es für Schulen kostenlos erscheine. „Und genau das setzt die Marktdynamik außer Kraft“, argumentiert der Verband.

Hinzu kommt laut Verband eine strukturelle Besonderheit des Bildungsmarktes: Die Nutzenden – Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler – seien nicht die Käufer. Schulen erhielten „telli“ zentral von den Ländern zur Verfügung gestellt, unabhängig davon, ob sie das Angebot nutzen wollten. Entscheide sich eine Schule stattdessen für eine privatwirtschaftliche Lösung, müsse der Schulträger die Finanzierung übernehmen. Viele Schulträger entschieden jedoch vor allem unter finanziellen Gesichtspunkten. „Für viele Schulträger ist häufig ‚KI gleich KI‘“, heißt es in der Stellungnahme. Bereits die Existenz eines kostenlosen staatlichen Angebots führe dazu, dass privatwirtschaftliche Anwendungen „nicht berücksichtigt oder angeschafft werden“.

Als weiteres Risiko beschreibt der Verband die Gefahr eines zentralisierten Systems. Ein staatlicher KI-Dienst schaffe einen „Single Point of Failure“. Technische Störungen oder Sicherheitsprobleme würden unmittelbar alle angeschlossenen Schulen betreffen. Zugleich stehe eine einheitlich vorgegebene KI-Lösung im Widerspruch zum Ziel pädagogischer Vielfalt und unterschiedlicher Schulprofile.

„Eine derart intransparente Mittelverwendung ist weder mit dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit noch mit einem fairen Wettbewerb gegenüber privatwirtschaftlichen Anbietern vereinbar“

Ausführlich kritisiert der Verband auch die Finanzierung des Projekts. Unter Verweis auf einen Bericht des Bundesrechnungshofs aus dem Jahr 2022 heißt es, bereits damals sei die mangelnde Wirtschaftlichkeit länderübergreifender Projekte des FWU beanstandet worden. Marktverfügbare Alternativen seien nicht geprüft worden, stattdessen seien Eigenentwicklungen angestoßen worden. Auch für die Auswahl des FWU als Projektträger habe es keine transparente Ausschreibung gegeben.

Für die erste Version von „telli“ sei im Januar 2025 ein Dienstleistungsauftrag über rund 100.000 Euro vergeben worden. Im April 2025 sei ein weiterer größerer Auftrag zur Weiterentwicklung gefolgt, dessen Umfang nicht dokumentiert sei. Seit November 2025 sei „telli“ Bestandteil des Projekts „Adaptive Intelligent Systems“ (AIS), dessen Gesamtvolumen laut Stellungnahme bei 50 bis 60 Millionen Euro liege. Welcher Anteil davon konkret auf „telli“ entfalle, werde nicht gesondert ausgewiesen. „Eine derart intransparente Mittelverwendung ist weder mit dem Grundsatz der Wirtschaftlichkeit noch mit einem fairen Wettbewerb gegenüber privatwirtschaftlichen Anbietern vereinbar“, schreibt der Verband.

Besonders kritisch bewertet die Stellungnahme die Doppelrolle des FWU. Das Institut entwickle nicht nur „telli“, sondern prüfe zugleich die Datenschutzkonformität des eigenen Angebots und kontrolliere privatwirtschaftliche Konkurrenzprodukte. Das FWU agiere damit „als Produzent, Prüfer und Gatekeeper gleichermaßen“. Um an Länderportale angebunden zu werden oder an Ausschreibungen teilnehmen zu können, müssten Unternehmen häufig eine Anbindung an den FWU-Dienst VIDIS nachweisen. Im Rahmen dieser Prüfungen müssten EdTech-Unternehmen sensible Informationen zu Programmierung, Datenschutzroutinen und Architektur ihrer Anwendungen offenlegen. Weil das FWU gleichzeitig Betreiber von „telli“ sei, bestehe die Gefahr, dass Betriebsgeheimnisse an den staatlichen Wettbewerber gelangten.

Die Stellungnahme endet mit mehreren Forderungen. Schulen sollten statt einer staatlichen Einheitslösung zweckgebundene KI-Budgets erhalten, um selbst passende Angebote auswählen zu können. Vorbild seien bestehende Modelle in Bayern. Außerdem fordert der Verband eine transparente Offenlegung aller Kosten für „telli“, eine mögliche beihilferechtliche Prüfung der Finanzierung sowie unabhängige Zertifizierungsverfahren für KI-Tools im Bildungsbereich. Die Prüfung solle durch eine Stelle erfolgen, „die keine eigenen Produkte im Markt hat und die auch die KI-Anwendungen des FWU prüft“.

Die eigentliche bildungspolitische Frage reicht allerdings über den konkreten Konflikt um „telli“ hinaus: Welche Rolle soll der Staat in der digitalen Bildung überhaupt übernehmen? Soll er selbst Anbieter von Plattformen, Chatbots und Lernsystemen werden – oder soll er Regeln definieren, innerhalb derer Schulen aus unterschiedlichen Angeboten auswählen können?

Ein Blick auf Gaia-X macht sichtbar, dass digitale Souveränität auch anders gedacht werden kann. Die europäische Initiative, die 2019 auf einen deutsch-französischen Vorstoß zurückgeht, wurde gerade nicht als eigene staatliche Cloud-Plattform konzipiert. Ziel war vielmehr ein föderiertes Datenökosystem mit gemeinsamen Standards für Datensouveränität, Interoperabilität, sichere Datenräume und vertrauenswürdigen Datenaustausch. Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik entwickeln dafür gemeinsame Regeln und technische Standards, auf deren Grundlage unterschiedliche Anbieter ihre Dienste bereitstellen können. Der Staat tritt dabei nicht selbst als Marktakteur auf, sondern als Regelsetzer und Koordinator.

Genau diese ordnungspolitische Trennung fehlt bislang in der digitalen Bildung. Statt stabiler und nachvollziehbarer Rahmenbedingungen entsteht für Schulen eine Landschaft aus Plattformen, Programmen, Förderlogiken und staatlichen Empfehlungen. Hinzu kommen unterschiedliche datenschutzrechtliche Bewertungen zwischen Ländern, Behörden und Schulträgern. Für Schulen entsteht daraus häufig nicht mehr Freiheit, sondern mehr Unsicherheit. Entscheidungen werden dann nicht zwingend nach pädagogischen Kriterien getroffen, sondern aus Vorsicht gegenüber möglichen Beanstandungen oder rechtlichen Risiken.

Übertragen auf Bildung würde der Gaia-X-Ansatz bedeuten: Einheitlich wären nicht die Produkte, sondern die Anforderungen. Der Staat würde definieren, welche Bedingungen digitale Werkzeuge erfüllen müssen – etwa bei Datenschutz, Datensouveränität, Interoperabilität, Barrierefreiheit oder Transparenz. Welche konkrete Anwendung genutzt wird, würden dagegen Schulen gemeinsam mit ihren Trägern entscheiden.

Das hätte mehrere Konsequenzen. Vertrauen entstünde nicht durch staatliche Empfehlung einzelner Werkzeuge, sondern durch transparente Zertifizierungsverfahren. Alle Lösungen, die definierte Standards erfüllen, wären gleichberechtigt nutzbar. Unterschiedliche pädagogische Konzepte, Schulformen und regionale Anforderungen könnten sich auch digital abbilden, statt durch zentrale Plattformlogiken vereinheitlicht zu werden.

Gerade darin liegt ein zentraler Unterschied zwischen Infrastrukturpolitik und Produktpolitik. Gaia-X versucht, Bedingungen für ein funktionierendes Ökosystem zu schaffen. Im Bildungsbereich verschwimmen diese Rollen dagegen zunehmend. Staatliche oder staatsnahe Akteure entwickeln eigene Werkzeuge, finanzieren deren Betrieb, zertifizieren sie teilweise selbst und führen sie zugleich flächendeckend ein. Damit entsteht ein Zielkonflikt: Der Staat wird gleichzeitig Regelsetzer, Prüfer und Anbieter.

Hinzu kommt ein weiteres Problem digitaler Bildungspolitik: ihre mangelnde Stabilität. Schulen erleben seit Jahren wechselnde Programme, Plattformen, Zuständigkeiten und Förderlogiken. Digitale Ökosysteme funktionieren jedoch nicht über kurzfristige Einzelmaßnahmen, sondern über Verlässlichkeit. Schulen investieren Zeit, Fortbildungen und organisatorische Abläufe in digitale Systeme. Je häufiger politische Richtungswechsel erfolgen, desto größer wird die Unsicherheit vor Ort.

Der Vergleich mit Gaia-X verweist deshalb auf eine grundsätzliche Alternative: nicht zentrale Einheitslösungen, sondern verbindliche Standards; nicht staatliche Produktpolitik, sondern staatlich garantierte Rahmenbedingungen. Bildungspolitik würde damit nicht an Verantwortung verlieren. Im Gegenteil: Sie müsste klare Kriterien definieren, unabhängige Prüfverfahren organisieren, Finanzierung sichern und Schulen rechtlich absichern.

Die Entscheidung über konkrete Werkzeuge läge dann dort, wo auch die pädagogische Verantwortung liegt – in den Schulen selbst. Oder anders formuliert: Bildungspolitik setzt die Rahmenbedingungen. Anbieter entwickeln Lösungen. Schulen entscheiden gemeinsam mit ihren Trägern. Der Staat muss digitale Bildung nicht selbst bauen. Er muss dafür sorgen, dass sie funktioniert. News4teachers

Der Autor Volker Jürgens war selbst Geschäftsführer eines IT-Unternehmens in der Bildungsbranche und Vizepräsident des Didacta-Verbands. Er ist heute als Fachjournalist tätig.

Hohe Einstiegshürden, chaotische Politik: Warum Bildung der wohl härteste Markt in Deutschland ist – eine Analyse

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blau
3 Tage zuvor

Ja stimmt schon. Fobizz hatte. Wir abonniert. Jetzt haben wir telli und fobizz gekündigt

Hans Malz
3 Tage zuvor
Antwortet  blau

Beide Plattformen sind aber auch qualitativ nicht im entferntesten vergleichbar. Das Land als Entwickler … in NRW kennen wir das von LogineoNRW, LogineoMessenger und Schild.

Prokurist
3 Tage zuvor

 „Und genau das setzt die Marktdynamik außer Kraft“, argumentiert der Verband.

… und senkt die Gewinnerwartungen. Aber wo bleibt die “Marktdynamik” in den Bereichen, in denen es eine Art von Monopol gibt? Etwa bei Microsoft? Seit wann sind denn solche Verbände für “Marktdynamik”?

Als Deutsche ihren VW in Italien billiger kaufen und den dann nach Deutschland bringen wollten, hieß es, diese “Marktdynamik” dürfe nicht sein. Die Globalisierung habe den Unternehmen und nicht den Konsumenten zu dienen. Ebenso beim “Markt”. Ein Kartell zugunsten von Unternehmen ist immer gut, eines zugunsten des Staates ist natürlich ganz schlecht.

Prokurist
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Wenn das so kleine Unternehmen sind, wie steht es da um die langfristige Nachhaltigkeit solcher “KI-Lösungen”? Wie groß ist die Halbwertszeit von einem solchen System? Wann wird es voraussichtlich nicht mehr gepflegt und upgedated, weil es hastige Umstrukturierungen innerhalb des Unternehmens gibt? Vielleicht wird das kleine Unternehmen ja auch von einem großen aufgekauft, und dann besteht kein Interesse mehr daran, vorhandene Softwaresysteme weiter zu pflegen oder überhaupt anzubieten. Selbst die “Großen” der Branche machen sowas. “Marktdynamik” bedeutet auch immer ein mögliches Verschwinden von Unternehmen. Was machen die Schulen dann?

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Klar, ne Schule kann ganz einfach von einem Anbieter zum nächsten wechseln. Die sind total flexibel und vor allem hat jede Schule mindestens einen Mitarbeiter, der sich Vollzeit um das Funktionieren der Systeme kümmern kann. Und wenn der aktuelle Anbieter pleite geht, dann hat Schule zum einen genug finanzielle Reserven, um das in der Insolvenzmasse steckende Geld abzuschreiben, und vor allem genug personelle Ressourcen, neue geeignete Systeme zu suchen, zu finden, und all das, was beim alten Anbieter in der Cloud lag und nun verreckt ist, irgendwie zu retten oder neu zu erstellen.
Wenn tutory pleite geht, bin ich am Allerwertesten, weil ein Großteil meiner erstellten Materialien editierbar nur in deren Umgebung ist. Runterladen kann ich nur PDFs.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

“ Hat sich ökonomisch als deutlich erfolgreicher erwiesen”

Sie meinen, so wie die Privatisierung des Wohnungsmarktes, des Gesundheitswesens und der Wasser- und Energieversorgung?

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich will ernsthaft über den Sinn der Privatisierung von Daseinsfürsorge diskutieren, das ist korrekt. Was das mit Russland oder Nordkorea zu tun hat, erschließt sich mir allerdings nicht.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich überlege gerade, warum Berlin das Stromnetz von Vattenfall zurückgekauft hat, es landeseigene Wohnungsbaugenossenschaften gibt, die Wohnungen von Privateigentümern zurückkaufen, Städte und Kommunen ihre Wasserwerke zurückkaufen und so weiter und so fort.
Alles sozialistisch unterwanderte Parlamente, die in der Bundesrepublik Planwirtschaft durchdrücken wollen?

Daseinsfürsorge gehört in die Hand der Allgemeinheit, nicht in die Hand der Privatwirtschaft. Die stellt nämlich das eigene Wohl über das der Allgemeinheit. Und Bildung gehört ganz definitiv zur Daseinsfürsorge.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber die Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden. Und da ist staatliche Unterstützung besser als Almosen.

dickebank
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Schwebt Ihnen Drillich vor? Aber Arbeitslager haben wir doch schon länger abgewickelt. Welche Form von Zwangsarbeit schwebt Ihnen denn so vor?
Btw “Jeans von dickehose” hatte ich schon, nur das “Kombinat” hieß RAG.
Das Kürzel steht – Eingeweihte wissen das – für “ruhigen Arbeitsplatz gefunden”.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

… oder die Mineralölwirtschaft in Deutschland.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Und ich dachte schon die 17 Cent wären als Entlastung der Verbraucher gedacht gewesen. Hat vermutlich den Mineralölkonzernen keiner gesagt.

dickebank
2 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

Bahn nicht vergessen, ebenso wie Post und Telekommunikation.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Danke.

Prokurist
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ein Computersystem kann ich nicht wechseln wie die Milch- oder Biersorte. Die Kompatibilität ist doch ein Riesenproblem, sogar innerhalb einer Hierarchie von Versionen für ein und dasselbe System (langfristig betrachtet), selbst Textverarbeitungssysteme. Ich habe da 10 Jahre alte Textfiles, die nicht mehr ohne größere Änderungen compilierbar sind. Es muss doch alles zusammen passen. Was ist z.B. mit älteren Betriebssystemen, die nun nicht mehr unterstützt werden? Und normales Schulpersonal besteht aus Laien im Hinblick auf Computer, die haben alle schon genug zu tun.

Übrigens: Die Pleiten bei Wohnungsneubauten gehen immer zu Lasten derer, die da schon was angezahlt haben, also der Häuslebauer. Und betrügerische Konkurse gehen immer zu Lasten der Gläubiger, also auch der Kunden — je nach Zahlungsmodalitäten.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

So kann nur jemand reden, der noch nie in der Verlegenheit war, ein Computersystem neu aufsetzen zu müssen. Haben Sie das in der Redaktion im Fall eines Falles tatsächlich übers Wochenende geschafft? Ich bin beeindruckt. Wie viele Nutzer, wie viele PCs betraf das?

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Wir sollten uns tatsächlich mal in rL treffen, um direkt zu diskutieren. Das würde ich tatsächlich sehr spannend finden. Wie wäre es, ein neues Format?

Gelbe Tulpe
3 Tage zuvor
Antwortet  Prokurist

Britische Importeure wollten auch billig Jeans ins UK importieren. Dies wurde untersagt, damit die Konsumenten nicht von den gesunkenen Produktionskosten durch die Verlagerung nach Asien profitieren konnten. Die Hersteller wollten nicht auf Teile ihrer Gewinnmargen verzichten.

Lera
3 Tage zuvor

Genau, das muss so wie mit den Schulbüchern auch laufen:

Schön jedes Jahr neu kaufen, was man als Staat leicht selbst herstellen könnte.

Lera
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Das wäre doch mal eine schöne Aufgabe, die ja irgendwie auch zum Lehrersein dazugehört.

Weiß gar nicht, warum das Verlage gekapert haben.

Wenn ich mir die „Qualität“ der Schulbücher anschaue, muss ich sagen: viel schlechter kann es gar nicht werden.

Und glauben Sie, dass im KM keine abgeordneten Lehrer sitzen? Die machen halt bislang unnützes Zeug – könnte man leicht ändern.

Ich denke nicht, dass ein Staat private Verlage braucht, um ein Schulbuch zu erstellen. Und Sie hoffentlich auch nicht.

Selbstverständlich sehe ich Ihren Konflikt 😉

Palim
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Dann müsste es im Wettbewerb ja zu ganz außergewöhnlich guten Schulbüchern kommen.

… Die habe ich noch nicht entdeckt, es gibt welche, deren Angebot ok ist.
In NDS müssen ausleibare Schulbücher nach 3 Jahren weggeworfen werden, ich verstehe die Regelung nicht. Eine besonders teure Lösung, die die Verlage bedient.

Ich kann auch keine Versorgung für die vielen Differenzierungen finden, die zwingend notwendig wären.
Da darf dann der Staat, also die Lehrkraft selbst, wieder einmal in Vorleistung gehen, teilt sie es, wird es gerne unentgeltlich übernommen (z.B. Material von 4teachers).
Und ja, da wäre eine landes- oder bundesweite Plattform zum Austausch wirklich ein Segen. Man könnte Lehrkräfte aus den Schulen beauftragen oder zumindest in irgendeiner Form entlasten oder vergüten, wenn sie die Nischen bedienen und Material erstellen, teilen, weiter entwickeln.

Palim
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ach,
und ich dachte, es würde daran liegen, dass die großen Verlage die ganzen kleinen geschluckt haben? … von wegen, freier Wettbewerb.

Der führt auch gar nicht dazu, dass Nischen und Differenzierung und Inklusion wirklich beachtet werden. Könnten die Verlage ja machen. Tun sie aber nicht.
Veröffentlicht wird, was „Verlage“ sich darunter vorstellen, mit dem Schulalltag hat das hinsichtlich Integration und Inklusion gar nichts zu tun und geht auch gerne mal an den Vorgaben vorbei.
Das, was ich sehe, bedeutet, dass sich die Verlage viel zu wenig mit den Vorgaben und den Anforderungen beschäftigen.

Oder sollen etwa die Verlage über die Schulbücher die Curricula steuern?
Ach, machen sie schon längst, sie drucken ab, was sie für sinnvoll erachten. Sonst müsste es ja weit mehr landesspezifische Ausgaben geben.

Lera
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich bin mir sicher, irgendwo in Deutschland werden sogar staatliche Brötchen gebacken.

Schulbücher sind nun wirklich nicht irgendein Gut, sondern unterliegen ja ohnehin staatlicher Genehmigung und auch Einflussnahme.

Da liegt schon die Frage nahe, warum so kompliziert und teuer? Einmal selbst gemacht, für 10 Jahre Ruhe. Klett, Westermann und Cornelsen gucken in die Röhre, vielleicht strengen sie sich dann mal wieder etwas an.

Da muss jetzt echt keiner das Gespenst des Kommunismus befürchten.

Es wäre schlicht eine nahe liegende Möglichkeit, Steuergeld zu sparen.

Altsozialist
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Der starke Staat, der alles regelt, gehört eigentlich eher zu den “linken” Positionen, etwa im Sozialismus und Kommunismus. Wer fordert z.B. die Verstaatlichung von großen Wohnungsbau-gesellschaften oder von Schlüsselindustrien? Die alleinige Herrschaft der Unternehmen ist typisch für den Kapitalismus, die Bedürfnisse der Menschen sind dann Nebensache und allenfalls ökonomisch interessant. Und eine korrupte Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Unternehmen ist kennzeichnend für die meisten Diktaturen, siehe auch die russischen Oligarchen und ähnliche Strukturen. Auch die Epstein-Affäre passt in diese Richtung: Zweifelhafte Unternehmen mit Gönnern und “Amigos” in höchsten Kreisen.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

„ Wer würde die Schulbücher denn dann herstellen – die Juristen aus den Kultusministerien wohl kaum, also: Lehrkräfte.
Wir dachten, die Berufsgruppe wäre bereits gut ausgelastet.“

Überlegen Sie mal, wen die Verlage für die inhaltliche Ausgestaltung der Lehrbücher anheuern….
Spoiler: Lehrkräfte

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Antwort:
Verlage stellen Lehrkräfte sogar in Vollzeit für diesen Job ein, unbefristet – ich habe zwei von solchen Exemplaren in meinem Freundeskreis. Ehemals Lehrer, jetzt im Schulbuchverlag.

potschemutschka
2 Tage zuvor
Antwortet  Mika BB

„ Wer würde die Schulbücher denn dann herstellen …”
Auch dafür kann man mittlerweile KI nutzen:
Buchverlag soll Lehrhefte für Inklusionsklassen mit Künstlicher Intelligenz erstellt haben

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja, das hat nun nicht so gut funktioniert…

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  Mika BB

Der Markt ist ja offenbar nicht groß genug dafür, dass man sich gerade im Bereich der Inklusion mal mit Inhalten und Anforderungen beschäftigt, um gute Arbeitshefte auf den Markt zu bringen.

Da sind Verlage sehr langsam und sehr schwerfällig unterwegs, Lehrkräfte eher auf sich selbst gestellt, als gute Produkte am Markt zu finden.

Die gute Idee, gelungene Materialien zu teilen, wie z.B. auf 4teachers, wurde leider nicht fortgesetzt und auch nicht staatlich aufgegriffen und gefördert – mir weiterhin unverständlich.

Ceterumcenseo
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Und die sind eigentlich dafür da um Bildung an den Mann/ Frau zu bringen. Aber klar der Staat kann alles am besten alles verstaatlichen dann wird das schon. Ich bin fassungslos wie hier einige Foristen die (soziale) Marktwirtschaft in Frage stellen oder gar abschaffen wollen.

Lera
1 Tag zuvor
Antwortet  Ceterumcenseo

Schulbücher selbst herstellen = Abschaffung der Marktwirtschaft

Mhm. Bissl viel Welt TV geguckt?

Mika BB
3 Tage zuvor

Aaah, jetzt verstehe ich, warum Brandenburgs Kultusminister uns mitgeteilt hat, dass Telli jetzt nicht mehr Telli, sondern ais.chat heißt. Allerdings wurde im Schreiben von „markenschutzrechtlichen Gründen“ gesprochen…

Palim
3 Tage zuvor

Ich habe letzte Woche an einer FoBi mit Telli-Vorstellung teilgenommen, an sich ging es um ein anderes Thema, aber telli war dann Teil davon.

Allein der Weg dahin, es nutzbar zu machen, ist _anstrengend_, die SL, Vidis, die Bildungscloud, …
Viele Menschen, die sich damit beschäftigen und darum kümmern müssen, …
… dafür, dass Kinder und Jugendliche in der Schule dann eine Schonraum-KI bekommen, die Datenschutz-konformer ist, als andere.

Ja, kann ich mir im Sprachenunterricht der späteren Sek I vorstellen,
für die GS nicht.
Da tut es auch die Katze aus Frankreich
und der Hinweis an die Schüler:innen, dass man keine persönlichen Daten preisgibt.

Aber dass geprüft wird, was wirklich datenschutzkonform ist, finde ich sinnvoll.

“Bildungspolitik … müsste klare Kriterien definieren, unabhängige Prüfverfahren organisieren, Finanzierung sichern und Schulen rechtlich absichern.”

Wenn wir aber darauf warten wollen, können wir es auch gleich vergessen.

Am Ende braucht es sinnvolle Formate, die mit weniger Aufwand nutzbar sind.
Und es braucht Verlässlichkeit, weil es wahrlich nervt, alle 1-2 Jahre wieder und wieder Neues nutzbar machen zu müssen, so ganz nebenbei, denn die anderen Aufgaben werden nicht weniger und dass jede Schule eine IT-Kraft hätte, die auch Pädagogik versteht, ist ja nicht umgesetzt.

Mika BB
2 Tage zuvor
Antwortet  Palim

Ich ebenfalls: Fobizz zu telli. Ich hab schon mit telli gearbeitet und find es furchtbar konzipiert…

Rainer Zufall
3 Tage zuvor

“In einem funktionierenden Markt setze sich normalerweise „die KI-Lösung mit dem höchsten Nutzwert, der besten Qualität und einem fairen Preis-Leistungs-Verhältnis durch“. „telli“ sei „weder die am besten in der Praxis einsetzbare noch die qualitativ beste KI-Anwendung für Schule und Unterricht“.”
Wo ist dann das Problem? Jede Schule/ Lehrkraft, die KI zu einem vernünfthgen Preis nutzen will, geht dann zu diesen Anbietern.
Diese müssen nur noch ein Angebot schaffen welches sich von der Grundversorgung des Staats qualitativ abhebt, was nach deren eigenen Aussage ja nicht allzu schwer seien sollte 😉

Rainer Zufall
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

“Und mit welchem Geld?”
Dem gleichen, dass Schulen ausgeben für bessere Programme ausgeben müssten, die über das absolute Minimum europaweit ausgeschriebener Firmen, die sich in einem race to the bottom befinden würden.
Zumindest haben wir so einen verbindlichen, schulort(finanz)übergreifendes Minimum, dann sich nicht auf das billigste – nicht günstigste – Angebot stützt, das “KI” aufs Produkt klatscht.

Wenn die anderen Anbieter tatsächlich so viel besseres zu bieten haben, und sich nicht nur einen größeren Markt wünschen, werden solvente Schulen und Bezirke sich die leisten, bis dahin freue ich mich ausnahmsweise mal über deutschlandweite kompatible Infrastruktur

Palim
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

“Telli” wird vom Land gestellt,
die digitalen Angebote muss die Schule aus dem Etat, also von der Kommune aus, finanzieren.
Da muss man dann überlegen, ob man sich eine weitere App leisten kann und will oder neue Weichbodenmatten in der Turnhalle.

Wenn es vom Land ein gutes digitales Angebot gibt, wird die Entscheidung für die Matte in der Turnhalle ausfallen,
andernfalls aber vielleicht auch für den privaten Anbieter.

Hans Malz
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Das Geld wurde, um das mal genauer zu formulieren, aus unserem Startchancenetat veruntreut. Wir hätten gerne selber eine richtig gute Lösung ausgewählt.

Palim
2 Tage zuvor
Antwortet  Redaktion

Dabei geht man davon aus, dass Schulen sonst andere kostenpflichtige Programme nutzen und bezahlen.
Das ist wohl eher ein Wunschtraum der Wirtschaft.
In den Schulen lautet die Diskussion: Sportgerät oder App.

Ich würde mir wünschen, dass das Land allen Schulen eine gleichwertige, gute Grundausstattung für das digitale Lernen bereitstellt, also stabiles Internet, Schülergeräte, Lehrkräfte-Werkzeuge, grundlegende Apps.

Dazu entsprechende Mitarbeitende, die sich darum kümmern, dass alles im Unterricht eingesetzt werden kann.

Auch hier denken Wirtschaft und Land an der Realität vorbei, es wird erwartet, dass „irgendjemand“ in den Schulen den Support übernimmt, „telli“ ist ein weiteres Beispiel dafür.

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

“Die Wirtschaft kann aber nicht für lau arbeiten – tun Lehrkräfte auch nicht.”
Doch, tun sie.
Genau die Lehrkräfte, die Materialien passend für ihre Schüler:innen entwickeln, die DaZ, Inklusion, Integration klassenintern einbeziehen und zieldifferente Beschulung täglich umsetzen.
Dafür bekommt man keine Prämie und die anderen Aufgaben werden auch nicht reduziert.

Der Markt wäre da, aber er ist verkannt als zu winzig.
Also regelt es der Markt seit über 10 Jahren nicht.

Genau deshalb gibt es private Initiativen, die einen gehen mit einer App in die Öffentlichkeit und vermarkten es oder stellen ihre Materialien kostenpflichtig zur Verfügung, die anderen teilen sie unentgeltlich auf Homepages – siehe 4teachers und zahlreiche Lehrer-Homepages mit wirklich guten, differenzierten Materialien.

Leider werden die kostenfreien Materialien dann aber von keiner Stelle gewürdigt: was selbst erstellt ist, kann nichts wert sein, weil ja kein Verlag dahinter ist, der Lobby und Vermarktung übernimmt.

Dass in Verlagen Menschen arbeiten, die die zieldifferente Beschulung nie selbst umsetzen müssen, danach fragt dann leider keiner.

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

“Wie wäre es, der Staat stellt die Regeln auf (dafür ist er da)”

Das schafft der Staat ja bei Schulbüchern auch nicht, es vorzugeben und wirklich zu überprüfen, ob den Vorgaben entsprochen wird.

“die Schulen/Lehrkräfte entscheiden im Rahmen dieser Regeln selbst, was sie benötigen und was für ihre Schülerinnen und Schüler am geeignesten ist?”
Die Lehrkräfte können aus dem wählen, was da ist – wenn die Wirtschaft dafür nicht liefert, kann man auch nichts wählen.
Man wählt also etwas, das vielleicht angepasst werden kann oder mit Mühe eingesetzt wird – oder kümmert sich als Lehrkraft selbst, bei entsprechender Mehrarbeit.

“Glauben Sie ernsthaft, ein Kultusministerium würde einen solchen Bedarf erkennen?”

Nein, glaube ich nicht.
Und darum ist der Ansatz, dass der Staat Regeln oder Vorgaben macht, leider fehlgeleitet: selbst dort würde die Anforderung an Lehrwerke und Materialien zur Differenzierung nicht verstanden werden, entsprechend würden die Vorgaben nicht passen und wieder keine geeigneten Materialien verfügbar sein.

Anders wäre es aber, wenn der Staat den Lehrkräften eine Plattform zur Verfügung stellen würde, auf denen gerade diese Materialien geteilt werden könnten. Wenn Lehrkräfte, die sich dort engagieren, dafür entlastet würden – soviel zur Erfassung der Arbeitszeit.

Norwegen setzt es seit 2006 um.
https://www.news4teachers.de/2019/06/von-norwegen-lernen-wie-freie-unterrichtsmaterialien-zum-zukunftsweg-der-inklusion-werden-koennten/

20 Jahre, in denen man auch in Deutschland Vielfalt besser hätte unterstützen können.

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Wenn der Staat seine Lehrkräfte unterstützt, Materialien zur Inklusion zu teilen, gerade dort, wo die Wirtschaft sich (noch) nicht engagiert, weil sie die Nische nicht bedienen kann oder will, bedeutet es ja nicht, dass er etwas aus der Hand nimmt, sondern dass er fördert, was der besseren Beschulung dient und letztlich auch seinen Lehrkräften hilft.

Die Arbeit müssen sich die Lehrkräfte ja ohnehin machen, da könnte man diese ja fördern und unterstützen, statt jede Lehrkraft selbst und allein die Materialien erstellen zu lassen.
Schade, dass die Expertise der Lehrkräfte so wenig zählt und nicht wertgeschätzt wird.

Bildung verkommt zum Markt,
es verlieren die, die nicht im breiten Strom schwimmen, sondern andere kleine Wege gehen müssen und wollen.
Vielfalt kann ich da nicht sehen.

Schon erstaunlich, dass Sie @Redaktion, ja sonst immer schnell Forderungen aufstellen, was Lehrkräfte in der Inklusion noch alles leisten sollen, an dieser Stelle aber als Vertreter der Bildungsmedien auftreten.

Mika BB
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Echt, bei Ihnen entscheidet der Redakteur, welche Ausstattung er braucht? Und wenn ich die Luxusvariante will, krieg ich die? Weil ich sage: ich brauch die?
Cool!

Mika BB
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Und wer entscheidet bei den Lehrkräften, ob er/sie diese von den Lehrkräften begründete Ausstattung bekommt? Und wie groß ist das Budget (der Lehrkraft? der Schule? des Trägers? des Landes?) dafür? MUSS jeder begründete Wunsch erfüllt werden?
Ich vermute mal, auch in Ihrem Unternehmen wird die Kassenlage bei der Ausstattung berücksichtigt. Wenn kein Geld reinkommt, aber man zu viel ausgibt, ist man halt irgendwann insolvent. Und jetzt schauen wir uns mal die aktuelle Haushaltslage an.

Man, ich bin schon froh, dass ich meinen 20 Jahre alten, durchgescheuerten Stuhl durch einen neuen ersetzt bekommen habe!

Palim
1 Tag zuvor
Antwortet  Redaktion

Der Staat darf gerne die Inklusion, die DaZ-Förderung, die Integration, die Differenzierung in andere Richtungen finanziell vernünftig ausstatten. Da ist sehr viel Luft nach oben und es wird noch der Rotstift angesetzt, wenn Integrationskurse gestrichen und Eingliederungshilfen begrenzt oder auch gestrichen werden.

Die finanzielle Ausstattung allein schafft aber nicht das Material, das benötigt wird.
Die von Ihnen als Vorwurf gemeinte Gratis-Mentalität entwickelt sich aus der Not, in der Schule weder die finanziellen Mittel zu haben noch geeignetes Material vorzufinden.

Wenn jemand dann selbst für bestimmte Situationen Material erstellt, kann er es kostenpflichtig über Plattformen anbieten. Dann ist es keine Gratis-Mentalität?
Ob ich aber mein Material bei 4teachers kostenfrei teile oder auf einer anderen Plattform verkaufe – es bleibt das gleiche Material und ist nicht der Gratis-Mentalität entsprungen, sondern der Notwendigkeit im Schulalltag. Ich erstelle die Sachen, weil ich sie unmittelbar benötige, nicht, weil ich sie verkaufen will.
Der überwiegende Teil an Materialien, die über Plattformen erworben wird, zahlen die Lehrkräfte übrigens aus eigener Tasche, nicht aus dem Schul-Etat.

Unabhängig von der Kritik an der Wirtschaftslobby oder Einseitigkeit großer Verlage zeigt mir diese Diskussion, wie wichtig die Unterstützung eines unabhängigen und vielfältigen Angebotes ist.

Ich bleibe bei der Meinung, dass der Staat es stützen sollte, gerade weil er die Unabhängigkeit seiner Lehrkräfte und das zielgerichtete Arbeiten fördern sollte. In anderen Betrieben gibt es Zeiten für die Entwicklung, Abteilungen, Prämien, bei Lehrkräften gibt es das in Deutschland (nicht) viel zu wenig – ich weiß, dass einige Bundesländer einzelne Angebote über Bildungsserver bieten.
Die mangelnde Unterstützung in dieser Sache halte ich für kurzsichtig, ich denke, Professionalität der Lehrkräfte wird in diesem Bereich nicht genügend anerkannt.
Auf einer Plattform könnte das Ministerium auch sehen, was in den Vorgaben unklar oder unbeachtet ist und wo es gerade brennt. Selbst die Entwicklung von Materialien in Zusammenarbeit von Lehrkräften mit Unis wäre möglich, bleibt aber weitestgehend ungenutzt.

Da der Staat/ die Länder es nicht fördern, sind Austausch und Plattformen im Internet um so wichtiger.
Danke allen, die dies -leider unentgeltlich- verfolgen, Unterricht bereichern, Vielfalt stärken und ihre Expertise als Lehrkraft mit der Welt teilen.

Mika BB
1 Tag zuvor
Antwortet  Palim

„ Ob ich aber mein Material bei 4teachers kostenfrei teile…“

Ich lese so etwas häufiger und ich glaube, das bedarf mal einer Klarstellung:

Was Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit für einen Arbeitgeber an Material erstellen, ist mitnichten IHR Material, sondern Eigentum des Arbeitgebers, der Sie dafür bezahlt.

Von daher wären landeseigene Tauschplattformen wesentlich folgerichtiger, als dass Sie „Ihr“ Material über private, erst recht privatwirtschaftliche Plattformen tauschen oder veräußern.

Palim
15 Stunden zuvor
Antwortet  Mika BB

Das käme womöglich mal auf eine genaue Sichtweise an.
Wenn ich das Material außerhalb meiner 40h-Woche erstelle, die ja schon übervoll mit allem anderen ist, kann ich es vermarkten, einen Nebenjob als Autorin darf ich ja auch führen.

Aber wenn es dem Land so wichtig wäre, dass es mein Material als seines nutzen möchte, wäre ich am Ziel, wenn es eine entsprechende Plattform gäbe.

Ceterumcenseo
3 Tage zuvor

Bitte ergänzen um moodle. Bei moodle könnte man noch ergänzen, dass der Staat mit der konkurrenzlosen „günstigen“ Arbeitskraft engagierter Lehrer im IT Bereich auch namhafte Mitbewerber der LMS-Branche verdrängt!

Schotti
2 Tage zuvor

Man sollte einfach etwas kaufen, was funktioniert und fertig. Nichts selber entwickeln, völliger Quatsch. Aber bitte nicht in Absprache mit dem Schulträger, da ist nie jemand zu erreichen. Einfach mir das Geld geben und ich kümmere mich schon.

447
1 Tag zuvor
Antwortet  Schotti

Das können wir keinesfalls machen!
Wie sollen denn so Spezzl- und Spezialaufträge vergeben werden?
Nein, nein, nein! 😀

Ceterumcenseo
1 Tag zuvor

Passt doch wunderbar in den „Plan“ der Arbeitsministerin die von einer Planwirtschaft fabuliert.

Grün
18 Stunden zuvor

Schreibstifte, Schulbücher und Taschenrechner sind auch weniger problematisch, was die DSGVO angeht … Die Schulen brauchen sichere Werkzeuge, die mit wenig Aufwand (administrativ, finanziell, etc.) verwendet werden können. Keine Schule (in öffentlicher Trägerschaft) hat das Personal, um regelmäßg neue Lizenzen auszuhandeln oder zu kaufen oder in der juristischen Abteilung der Behörden/Träger anzufragen und Nutzungen prüfen zu lassen. Übrigens sind Universitäten in der gleichen Situation, weshalb offiziell die eigenen KI-Tools genutzt werden müssen, die auch nicht in der “Marktdynamik” auftauchen.