MÜNCHEN. In Bayern wurde die Hauptschule in „Mittelschule“ umbenannt – genützt hat es wenig: Nach wie vor leidet die Schulform unter Imageproblemen. Kultusministerin Anna Stolz will sie nun stärken. Das Kabinett hat ihr Konzept mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen gebilligt. Reicht das? Zweifel sind erlaubt.

Bayerns Mittelschulen sollen attraktiver werden – mit mehr individueller Förderung, flexibleren Stundentafeln und noch mehr Projektarbeit und Berufsorientierung. Darauf hat sich das Kabinett in München verständigt – Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) stellte die Initiative anschließend vor.
Mittelschulen sollen demnach mehr pädagogische Flexibilität erhalten, um Basiskompetenzen gezielt zu stärken. Jahrgangsübergreifendes Lernen soll gestärkt werden. Zudem sollen die Schulen mehr Spielraum bei der Umsetzung der Stundentafel bekommen, um Schülerinnen und Schüler insbesondere in Deutsch, Mathematik und Englisch noch individueller fördern zu können.
«Schulen können zusätzliche Zeit gezielt für Deutsch, Mathematik oder Englisch einsetzen, dort, wo die Schülerinnen und Schüler eine besondere Unterstützung brauchen», sagte Stolz. Sie betonte aber: «Kein Fach wird gestrichen, kein Fach wird abgewertet.» Die Fächer, aus denen Stundenanteile verschoben werden können, sollen vielmehr regelmäßig wechseln.
In den Jahrgangsstufen 7 bis 9 soll ein integrierter M-Zug erprobt werden, der leistungsstarke Schüler dann nach zehn Jahren am Ende zum mittleren Schulabschluss führt. Damit sollten zusätzliche Wege zum mittleren Schulabschluss eröffnet und zugleich Mittelschulstandorte gestärkt werden.
«Der Bildungserfolg wird viel zu oft noch mit dem Besuch eines Gymnasiums gleichgesetzt»
Auch die Berufsorientierung soll weiter ausgebaut werden. Projektarbeit soll künftig bereits ab der 5. Klasse systematisch eingesetzt und stärker als Leistungsnachweis berücksichtigt werden. Auch Abschlussprüfungen in ausgewählten Fächern sollen künftig praxisorientierter gestaltet werden. «Intensivpraktika» sollen die Berufsorientierung ebenfalls weiter stärken.
Die Mittelschule sei eine starke Schulart und das Rückgrat der beruflichen Bildung in Bayern, betonte Stolz. Gleichwohl gibt es beispielsweise seitens der Opposition Zweifel, ob all die Maßnahmen zur Stärkung der Mittelschule ausreichen. Mehrere Fraktionen hatten zuletzt fehlendes Personal beklagt.
«Wir haben eine Zunahme von herausforderndem Verhalten, wir haben eine immer heterogenere Schülerschaft, wir haben Kompetenzrückgänge»
Jeder vierte Schüler gehe nach der Grundschule auf die Mittelschule, sagte Stolz. Das seien mehr als 200.000 Schülerinnen und Schüler in ganz Bayern. In den 2000-er Jahren lag die Übertrittsquote zur Hauptschule teils noch deutlich über 35 Prozent.
«Der Bildungserfolg wird viel zu oft noch mit dem Besuch eines Gymnasiums gleichgesetzt», klagte sie. «Das ärgert mich, das ist falsch, das wird unserer Bildungsrealität gerade in Bayern nicht gerecht.» Es brauche alle Schularten.
Stolz räumte aber ein, dass es «Herausforderungen» an der Mittelschule gebe. «Wir haben eine Zunahme von herausforderndem Verhalten, wir haben eine immer heterogenere Schülerschaft, wir haben Kompetenzrückgänge vor allem bei den Basiskompetenzen – also Lesen, Schreiben, Rechnen – zu verzeichnen», erklärte sie. Deshalb brauche es neue Impulse, um die Mittelschule noch stärker zu machen. «Mir ist es wichtig, dass die Mittelschule in der öffentlichen Wahrnehmung wieder die Stellung einnimmt, die sie verdient, und dass wir die Mittelschule noch zukunftsfester aufstellen.» Denn es gebe dort «großartige junge Menschen, einzigartige Talente, auf die wir wirklich stolz sein können». News4teachers / mit Material der dpa
FDP: Hauptschule wiederbeleben (um Kinder auf spätere Arbeit in Mangelberufen vorzubereiten)!









Mir stellt sich da nur eine Frage. Welches Unternehmen möchte noch Quali-Schüler haben?
Antwort? Kaum einer. Mindestens Realschulabschluss, am besten sogar Abitur. Für mich als M-Zweigler war es schon schwer eine Ausbildung zu finden und ich hatte in Deutsch, Mathe und Englisch jeweils eine 2.
Wenn Unternehmen also nur noch SuS haben wollen mit solchen Abschlüssen, dann ist es kein Wunder, dass die Eltern nur noch ihre Kinder mindestens auf der Realschule sehen wollen.
„Welches Unternehmen möchte noch Quali-Schüler haben?“
Laut Bundesagentur für Arbeit vor allem Unternehmen mit Ausbildungsstellen als Verkäufer*in, Nahrungsmittelfachverkäufer*in , Lager- und Logistik etc. .
Bei uns in der Gegend auch Bäcker, Metzger, HoGa, Maler und Stukkateure usw.
Niedriglohnsektor mit prekären Arbeitsbedingungen.
Davor scheint man leider auch mit anderen Bildungsabschlüssen nicht sicher zu sein:
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.weltlehrerinnentag-in-stuttgart-deutsch-als-fremdsprache-kritik-an-prekaerer-situation-der-lehrkraefte.b8417ebe-15ce-4021-a0cc-7672a388c488.html
Dafür muss man nicht mal Lehrer werden.
Wenn die Hauptschule wieder aufgewertet wird und nicht als Resterampe fungiert, was den Bestrebungen der Regierung der letzten 20-30 zu verdanken ist, dann ist auch der Quali wieder gefragt. Es muss aus den Köpfen der Eltern verschwinden, dass nur das Gymnasium erstrebenswert ist und wine Perspektive bietet. Es gibt mittlerweile mehr arbeitslose Akademiker als arbeitslose ausgebildete Handwerker und die Karriere vieler Schüler, die durch das Gymnasium geboxt wurden und im Studium dann kläglich scheitern (oder hat man da auch bereits Abstriche gemacht?), hinterlässt bei den Betroffenen nicht gerade ein strotzende Selbstbewusstsein. Es ist vielen Eltern nicht klar, dass man damit mehr kaputt macht und gerade das Gegenteil davon erreicht, was man beabsichtigt hatte.
Wahre Worte.
Das Problem der Hauptschule ist ja nicht der Name.
Das (ungeschminkte) Problem war und ist, dass im deutschen Schulsystem ein halbwegs normales Sozialverhalten nicht *durchgesetzt* werden kann. Vor allem nicht in einem Zeitrahmen, den Kunder/Jugendliche verstehen.
Das führt erst zur Schulhof-/und Pausenherrschaft, dann Klassenraumherrschaft, zuletzt Übernahme des ganzen Schulklimas durch die lautesten, aggressivsten usw.
Und NATÜRLICH will kein normal tickendes Elternteil, dass seine/ihre Kinder sich ***schlicht durch das Aussetzen dieses falschen und schlechten Sozialklimas*** den Virus des „kurzfristig-hedonistischen Lebenstils“ einfangen!
Wo „peer groups“ regieren und Lehrer (faktisch) machtlos nur danebenstehen … da bricht eben „Herr der Fliegen“ aus.
DA liegt das Kernproblem.
Nicht bei „den“ oder gar „allen“ Hauptschülern.
Wir haben regelmässig Hauptschüler auf’m Grundstück – nein, nicht als prekäre Arbeitskräfte, sondern als z.B. Handwerker oder auch als Besucher/Freunde.
KEINER, keiner von denen würde seine Kinder HEUTE noch auf Hauptschulen schicken.
Warum wohl?
Standesdünkel ist es nicht – sondern die völlig berechtigte Furcht davor, dass ihren Kindern durch soziale Infektion potentiell lebenszielgefährdende Flausen in den Kopf gesetzt werden.
„Soziale Infektion“ – lässt sich Sozialdarwinismus ekliger ausdrücken?
Herzliche Grüße
Die Redaktoin
Sehr viele von Ihnen (da Sie ja sicher Kinder haben) schicken diese Kinder natürlich ganz bewusst an Brennpunkt-Hauptschulen oder Brennpunkt-Stadtteilschulen – denn als „“““priveligierte“““ Kinder können, nein müssen, ihre Kinder ja dort das Sozialklima aufbessern: Journalismus-Hintergrund der Eltern, dann auch noch im Bildungsbereich (!)…
… da Sie ja solche Maßstäbe anlegen, handeln Sie ja auch danach, richtig ? Richtig? 😀
Dann gerne persönlich: Als Bildungsjournalist*innen wissen wir schon, was eine gute Schule ausmacht – und was nicht. Und wir geben unsere Kinder zehnmal lieber an eine Schule wie diese: http://www.news4teachers.de/2025/12/aussortiert-oder-mitgenommen-wie-schulen-kinder-verlieren-oder-halten-ein-podcast-mit-lehrkraeftepreis-traegerin-andrea-franke/
– als an das Dünkel-Dünnbrett-Gymnasium im Landkreis Sternberg-Langnese, dessen Ruf als anspruchsvolle Bildungseinrichtung vor allem in der Dichte der Arzt- und Rechtsanwaltssprösslinge sowie einer hohen Abschulungsquote begründet liegt.
Können Sie gerne glauben: Wir halten es nicht für persönlichkeitsfördernd, Kinder in einer sozialen Bubble aufwachsen zu lassen.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Soziale Bubble oder eine normale Schule mit normalem Sozialverhalten bei Lehrern und Schülern sind zwei verschiedene Hausnummern. Normal definiere ich in diesem Zusammenhang als die in Deutschland geltenden gesellschaftlichen Normen.
Wir wissen sicher (aus Ihren immer wieder rassistischen und migrantenfeindlichen Posts), dass Ihre Normen andere sind als unsere – und dass uns vor Ihrem „Normal“ eher gruselt.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Mag sein. Ich bezog mich aber auf die in Deutschland geltenden Normen des zivilisierten Zusammenlebens als kleinsten gemeinsamen Nenner. Wieso Sie damit schon Probleme haben, müssen Sie mit sich selbst ausmachen.
„Ich bezog mich aber auf die in Deutschland geltenden Normen des zivilisierten Zusammenlebens“ – nennt sich Gesetze, und selbstverständlich sind die einzuhalten. Damit haben wir keine Probleme, warum auch.
Was Sie unter „Normen“ verstehen, meint aber offensichtlich etwas anderes. Für uns gehört zu einer zivilisierten gesellschaftlichen Norm, keinen Rassismus zu verbreiten – das sehen Sie ja, wie zahlreiche Ihrer Posts belegen, deutlich anders. Insofern entstammen wir sicher nicht derselben Kultur und Ihr „Normal“ ist nicht unseres.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Gut, da sind Sie ja dann konsequent.
Machen wir es doch so:
– Sie melden Ihre Kinder dort an wo sie wollen.
– Andere da, wo die das wollen.
Schon gibt es kein Problem mehr.
Oder doch?
Die Schnittmenge wird sehr groß sein, weil die Menschen viel konservativer sind als sie öffentlich tun, wenn es um ihre eigenen Belange oder die ihrer eigenen Kinder geht.
Systemische wie strukturellen Rassismus, die Schere zwischen Arm und Reich, ein Bildungssystem, welches Bildungsnähe, Deutschkenntnisse und Elterteil daheim als Voraussetzung stellt, Immense Begünstigung von Vermögen im Vergleich zum Einkommen, schlechte/ unzuverläsiche Versorgung in Krippe/ Kita/ Schule usw
Aber ja „Schon kein Problem mehr“, wenn Sie es herbeireden… -__+
„denn als “”””priveligierte””” Kinder können, nein müssen, ihre Kinder ja dort das Sozialklima aufbessern“
Jupp… SO verläuft die Machtverteilung erfahrungsgemäß…
https://www.deutschlandfunk.de/17-05-1954-oberstes-us-gericht-verbietet-die-rassentrennung-an-schulen-dlf-51828a10-100.html
Nun bin ich als Nichtbayer verwirrt: War Mittelschule nicht der alte Name für Realschule? Jetzt heißt dort die Hauptschule so? Gibt es dort auch einen mittleren Bildungsabschluss, wie es der Name nahelegt?
„Gibt es dort auch einen mittleren Bildungsabschluss, wie es der Name nahelegt?„
Ja, den gibt es.
Bei Interesse siehe hier:
https://www.isb.bayern.de/schularten/mittelschule/mittlerer-schulabschluss/
In Bayern hieß die Mittelschule ursprünglich Hauptschule. Die damalige Regierung wollte das Image „verbessern“ und haben die Hauptschule umbenannt.
An der Hauptschule/Mittelschule selbst kann man in den M-Zweig wechseln mit entsprechenden Noten. Dort kann man dann die Mittlere Reife machen, welcher einem Realschulabschluss gleichkommt.
Ich unterrichte seit 10 Jahren die 9/10 Klassen, die dann einen mittleren Schulabschluss erreichen. Dieser Abschluss ist weit weg vom Realschulabschluss.
Berechtigt aber (leider) auch zum Wechsel an die FOS mit einem Punkteschnitt von 10 in D,M,E . Dann schaffen es aber nur 10% unserer Schüler auch einen Abschluss an der FOS zu erlangen, trotz Vorklasse. Bei der Einführung der 10. Klassen an der Hauptschule gab es eine Klasse im Landkreis. Jetzt hat jeder Schulverbund M-Klassen. Das Niveau ist im freien Fall. Ich habe meist nette Schüler, die im Vergleich zu den Regelschülern schon stärker sind, das war es dann aber auch. Meine Kollegen und ich versuchen diese Schüler in eine Ausbildung zu beraten…danach kann man immer noch an der BOS das Fachabitur oder Abitur nachholen. Das Problem sind die 10 Punkte (wir bräuchten 6…), da auch die Prüfungsanforderungen im freien Fall sind. Das heißt dann: „Stärkung der Mittelschule“. Gruselig…
Danke für Ihre Erläuterung.
Irgendwie sehe ich da wieder den alten Trend – Abi muss her, egal wie.
Unsere M – Zweigler an der BS, wären – wie Sie beschreiben – großteils an der FOS rettungslos überfordert; kommen oft auch nach kurzer Zeit in Fachklassen.
Einige schaffen nach der Ausbildungszeit und weiterer Persönlichkeitsentwicklung die BOS mit 2ter Fremdsprache recht gut, obwohl das wirklich anspruchsvoller ist.
Nun ja, nachdem die meißten Schüler ja aufs Gymnasium wechseln ist diese ja eigenlich die „Hauptschule“.
Nur um Verwirrung zu stiften. Aber wäre in intressanter Ansatz umd den Begriff Hauptschule zu stärken.
„Gibt es dort auch einen mittleren Bildungsabschluss, wie es der Name nahelegt?“
Ja, den gibt es inzwischen. Was ich nicht schlecht finde, was aber kein Problem löst.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mittlere-Reife-Zug