
Die große Mehrheit der Prüflinge hat die besondere Leistungsfeststellung (BLF) in diesem Jahr bestanden. Von 6.107 Schülerinnen und Schülern konnten 5.513 das Verfahren erfolgreich abschließen. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Landtagsabgeordneten Ulrike Grosse-Röthig (Linke) hervor. Damit lag die Erfolgsquote bei rund 90,3 Prozent.
Allerdings hatten immerhin gut neun Prozent keinen Erfolg: Nicht bestanden haben demnach 559 Jugendliche. Bei 35 Schülerinnen und Schülern lagen aus Krankheitsgründen und weil sie etwa Nachprüfungen absolvieren mussten zum Abfragezeitpunkt noch keine abschließenden Noten vor. Das Ministerium verwies darauf, dass voraussichtlich Ende August ein ausführlicher Landesbericht zu den Ergebnissen veröffentlicht wird.
Mit der besonderen Leistungsfeststellung legen Jugendliche in der zehnten Klasse an Thüringer Gymnasien eine ganze Reihe an mündlichen und schriftlichen Prüfungen ab. Dabei geht es um die Fächer Deutsch, Mathematik, sowie um eine Fremdsprache und naturwissenschaftliche Fächer.
Darum gibt es die BLF
Wer die BLF besteht, erhält einen Abschluss, der dem Realschulabschluss gleichwertig ist und mit dem etwa eine Berufsausbildung begonnen werden kann. Eingeführt wurde die BLF als Reaktion auf den Amoklauf am Erfurter Gutenberg-Gymnasium von 2002. Damit sollen Gymnasiasten ohne Abitur einen dem Realschulabschluss gleichgestellten Schulabschluss haben und auch die Fachhochschulreife erwerben können.
Der Amokläufer von Erfurt hatte wegen seines Verweises vom Gutenberg-Gymnasium kurz vor dem Abitur keinen Schulabschluss. Über die Abschaffung der BLF wird immer wieder diskutiert. News4teachers / mit Material der dpa
Nach Abi-Wutrede: Nun prüft die Schulaufsicht die Vorwürfe gegen das Gymnasium










Wie gehabt 16 BL, 16 verschiedene Systeme.
Thüringen scheint da eher strengere Maßstäbe anzulegen als manch andere BL.
In anderen Bundesländern wird der mittlere Abschluss schon durch Versetzung in die Jahrgangsstufe 11 erworben und ggf. werden die Jahresfortgangsnoten umgerechnet.
Also Jahreszeugnis Note 5 wird im Abschlusszeugnis zu einer 4 usw.
In Sachsen gibt es die BLFs auch, es sind allerdings nur 3 Klausuren, die als (doppelte) Klassenarbeiten in die Zeugnissnoten eingehen.
Ich denke die BLF sollte bleiben damit SuS Erfahrungen in Prüfungssituationen sammeln können. Dazu müssen natürlich nicht so viele Prüfungen abgelegt werden, wie in Thüringen.
Das zeigt auch, dass nicht Jeder auf ein Gymnasium gehört hat.
Thüringen könnte doch einen ähnlichen Weg gehen wie andere Bundesländer auch:
Mit der Versetzung in die 10 hat man den Hauptschulabschluss 9, mit der Versetzung in die 11 hat man den mittleren Schulabschluss. Letzteren kann man ggf. noch mit einer vergleichsweise einfachen Zentralen Prüfung absichern.
Das verbessert die Quote ohne sich politisch in die Nesseln zu setzen. Mit Leistungsorientierung hat das freilich nichts zu tun.
In meinem BL erwirbt man die mittlere Reife am Gymnasium automatisch mit der Versetzung in die Oberstufe. Meiner persönlichen Erfahrung nach entspricht die Zahl der Abgänger/Wiederholer nach 10 in etwa den thüringischen 10% – vielleicht etwas weniger. Ist das – da es ja einer Nachricht wert zu sein scheint – etwas besonderes?
In NRW war es zu G8-Zeiten möglich, in die Qualifikationsphase versetzt zu werden, ohne den mittleren Schulabschluss sicher zu haben. So ist vor einigen Jahren ein Schüler nach der wiederholten Nicht-Versetzung in die 12 mit einem Hauptschulabschluss 9 abgegangen …
Ob das unter G9 auch so ist, weiß ich nicht.
Der Grundfehler der G8-Regelung in NRW war das Festhalten an der dreijährigen GOSt., die zu einer Verkürzung der SekI geführt hat. Damit sind die aufgezeigten Probleme bezgl. des MSA vorprogrammiert gewesen. Hinzu kam ja noch, dass die Vollzeitschulpflicht 10 Schulbesuchsjahre verlangt, die am Ende der SekI an GY aber im Regelfall nicht erreicht worden sind, weshalb die SuS zwangsläufig mit in die EF der GOSt übernommen werden mussten. Andernfalls hätte ihnen formal, also gem. APO-SI allenfalls ein ESA zuerkannt werden können
Das dürfte aber ein sehr seltener Fall gewesen sein. Von so einem Fall aus NRW höre ich heute das erste Mal.
Möglicherweise ist ja der Schüler nur aus formalen Gründen versetzt worden, weil mangelhafte Leistungen nicht gewarnt wurden?
In die EF kommt man in NRW mittlerweile nur noch mit bestandener ZP10-Prüfung, also mittlerer Reife.
Leider werden immer mehr Schüler aufs Gymnasium mit Biegen und Brechen geschickt, die dort aber nichts verloren haben. Das schadet allen. Die Qualität und Leistungsniveau werden allmählich runtergeschraubt aber das hilft auch wenig…
Nur 91% schaffen den Mittleren Abschluss am Gymnasium? Oh Gott, schlaflose Nächte bereitet mir das.
Wenn im Durchschnitt etwa 2 Schüler:innen pro Klasse in der 10 sitzenbleiben, läuft irgendetwas falsch.
Aus eigener Erfahrung: Meist sind es Schüler, bei denen es sich doch deutlich in den schlechten Vornoten abzeichnet, dass sie die 10. Klasse nicht schaffen werden. Diese Schüler werden in vielen Fällen aufgrund des Elternwillens am Gymnasium jahrelang weiter unterrichtet. Bei einem geringerem Anteil sind es andere Gründe wie Krankheit, Schicksalsschläge, ungenügende Prüfungsvorbereitung etc. Eine weitere Beobachtung ist, dass durch vermehrtes Nutzen der KI im Unterricht die Prüfungsleistungen der Prüflinge etwas absackt.
Und nach Ihrer Erfahrung bleiben in jeder zehnten Klasse zwei Schüler sitzen? Das glaube ich nicht.
Da in Thüringen die Quote des Nichtbestehens besonders hoch ist, sind wohl nicht nur Schüler betroffen, mit denen Sie Erfahrungen gemacht haben.
In Thüringen scheint da etwas schiefzulaufen.
Eine KI-Recherche ergab, dass im Bundesschnitt in den Klassen 7 bis 10 etwa 2 bis 4,5 Prozent sitzenbleiben, wobei die Zahl der Sitzenbleiber in der 10 eher niedriger ist.
Auch in Niedersachsen werden am Ende der 10. Klasse bspw. an Gesamtschulen zentrale Abschlussprüfungen geschrieben in Deutsch, Englisch und Mathe und eine mündliche Prüfung in einem weiteren Fach absolviert.
Spannend ist, mit welcher Arbeitshaltung und mit wie wenig Leistung einige Schüler glauben, in die Oberstufe gehen zu können. Bei allem „Augen-Zudrücken“ einzelner Lehrkräfte ist es gar nicht so schlecht, wenn es zentrale Arbeiten gibt und nicht alle Noten von den einzelnen Lehrkräften abhängen. Letzendlich ist es aber auch für die Schüler sinnvoll, wenn sie rechtzeitig in eine berufliche Ausbildung gehen und nicht lange in der Oberstufe rumhängen, wenn sie dafür nicht geeignet sind.
Zumindest in Thüringen ist man der Meinung, das die BLF deutlich dazu führt, zu schwache Schüler aus der Oberstufe fernzuhalten und damit den Abitur-Durchschnitt hoch zu halten.
In NRW führen die zentralen Prüfungen am Ende der 10 (zumindest an unserer Schule) eher zu etwas besseren Noten, als wenn die Lehrkraft die Arbeit selbst stellen würde. Dabei waren die Klausuren in den letzten Jahren zumindest im Fach Deutsch (Für die anderen Fächer kann ich nicht sprechen.) aber trotzdem auf einem guten Niveau. Es ist wohl eher der Teil „Leseverstehen“, der bei uns die Noten etwas anhebt.