TÜBINGEN. Gute Schulen vermitteln Wissen, fördern soziale Kompetenzen und bereiten Kinder und Jugendliche auf Ausbildung, Studium und Beruf vor. Nach Ansicht führender Bildungsforscher reicht das künftig jedoch nicht mehr aus. Sie plädieren dafür, die Förderung der Selbstregulation zu einer Leitperspektive des Bildungssystems zu machen. Der Grund: Kaum eine andere Kompetenz beeinflusst schulischen Erfolg, psychische Gesundheit und den späteren Lebensweg so stark – und sie lässt sich gezielt entwickeln.

Ein neuer Übersichtsartikel bündelt nun die Forschung und beschreibt Selbstregulation als eine „Superpower“, die Kindern und Jugendlichen hilft, Herausforderungen in Schule und Leben erfolgreich zu bewältigen. „Selbstregulationskompetenz ist als entwicklungsbezogene ,Superpower‘ zu verstehen, die sowohl eine Vielzahl wichtiger Lebensbereiche vorhersagt als auch durch Bildung gefördert werden kann“, schreiben die Autoren.
Die Forderung ist nicht neu. Bereits vor zwei Jahren hatte die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina empfohlen, Selbstregulation als zusätzliche Leitperspektive im deutschen Bildungssystem zu verankern. Nun legen Ulrich Trautwein, Janina Eberhart, Charlotte Dignath sowie weitere internationale Bildungsforscher nach. In einem umfangreichen Übersichtsartikel im Fachjournal Educational Psychology Review fassen sie den internationalen Forschungsstand zusammen und entwickeln ein gemeinsames Modell dafür, was Selbstregulation eigentlich bedeutet – und warum sie für Schulen so bedeutsam ist.
Dabei setzen sie sich zunächst mit einem Problem auseinander, das die Forschung seit Jahren begleitet. Zwar gibt es eine Vielzahl wissenschaftlicher Ansätze, die sich mit Selbstregulation beschäftigen. Sie stammen jedoch aus unterschiedlichen Disziplinen und arbeiten weitgehend nebeneinander her.
So untersucht die Forschung zum selbstregulierten Lernen vor allem, wie Schülerinnen und Schüler ihren Lernprozess planen, überwachen und anpassen. Die Forschung zu den sogenannten exekutiven Funktionen beschäftigt sich mit kognitiven Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Impulskontrolle oder geistiger Flexibilität. Die Persönlichkeitspsychologie wiederum betrachtet Eigenschaften wie Gewissenhaftigkeit oder Selbstdisziplin. Nach Einschätzung der Autoren erschwert diese Aufteilung den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die pädagogische Praxis erheblich. Lehrkräfte erhielten dadurch häufig kein klares Bild davon, welche Maßnahmen tatsächlich wirksam seien. Die bisherige Forschung sei häufig in „siloartigen Traditionen“ organisiert gewesen. Dadurch drohe der Blick auf die gemeinsamen Grundlagen verloren zu gehen – und damit auch die Chance, Selbstregulation als übergreifende Bildungsaufgabe systematisch zu fördern.
„Selbstregulationskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Emotionen und das eigene Verhalten so zu überwachen und zu steuern, dass persönliche Ziele erreicht werden können und flexibel auf Veränderungen reagiert wird“
Der neue Beitrag versucht deshalb, diese unterschiedlichen Perspektiven zusammenzuführen. Trotz aller Unterschiede gebe es einen gemeinsamen Kern: „Selbstregulationskompetenz bezeichnet die Fähigkeit, die eigenen Gedanken, Emotionen und das eigene Verhalten so zu überwachen und zu steuern, dass persönliche Ziele erreicht werden können und flexibel auf Veränderungen reagiert wird“, definieren die Autoren. Vereinfacht bedeutet das: Kinder und Jugendliche setzen sich angemessene Ziele, behalten ihren Fortschritt im Blick und setzen bei Schwierigkeiten passende Strategien ein – unabhängig davon, ob Hindernisse fachlicher, motivationaler oder emotionaler Natur sind. Mit zunehmender Übung laufen diese Prozesse immer automatischer ab und werden schließlich zur Gewohnheit.
Die Autoren vergleichen diese Entwicklung mit dem Mathematikunterricht. Zwischen dem Erlernen einfacher Rechenoperationen in der Grundschule und dem Lösen komplexer Differentialgleichungen in der Oberstufe liegen zwar Welten. Dennoch baut alles auf denselben grundlegenden Denkprozessen auf. Ähnlich verhält es sich mit der Selbstregulation: Was Kinder im Kindergarten lernen müssen, unterscheidet sich deutlich von den Anforderungen an Jugendliche in der Sekundarstufe. Die zugrunde liegenden Fähigkeiten bleiben jedoch dieselben und entwickeln sich über viele Jahre weiter.
Dass sich diese Anstrengungen lohnen könnten, begründen die Autoren mit einer ungewöhnlich breiten Forschungslage. Demnach profitieren Schülerinnen und Schüler mit hoher Selbstregulationskompetenz nicht nur beim Lernen. Sie erzielen im Durchschnitt bessere schulische Leistungen, zeigen ein höheres psychisches Wohlbefinden und entwickeln seltener psychische oder soziale Probleme. Langfristige Studien weisen zudem darauf hin, dass Selbstregulation auch Jahrzehnte später mit höherem Einkommen, besserer Gesundheit und geringerer Kriminalität zusammenhängt.
Damit rückt Selbstregulation nach Auffassung der Autoren in eine ähnliche Bedeutungskategorie wie Lesen, Schreiben oder Rechnen. Sie sei keine zusätzliche Einzelkompetenz, sondern eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Kinder und Jugendliche ihr Wissen überhaupt erfolgreich einsetzen könnten.
Ebenso wichtig ist aus Sicht der Forscher eine zweite Erkenntnis: Selbstregulation ist keine unveränderliche Persönlichkeitseigenschaft. Vielmehr lässt sie sich gezielt fördern. Meta-Analysen zeigen positive Effekte sowohl für Programme zum selbstregulierten Lernen als auch für Interventionen zur Förderung exekutiver Funktionen oder der Gewissenhaftigkeit. Zwar seien die Effekte einzelner Maßnahmen häufig begrenzt und könnten mit der Zeit wieder nachlassen. Insgesamt spreche die Forschung jedoch eindeutig dafür, dass Schulen einen erheblichen Beitrag zur Entwicklung dieser Kompetenzen leisten können.
Genau daraus leiten die Autoren Konsequenzen für den Unterricht ab. Sie plädieren ausdrücklich nicht für ein zusätzliches Schulfach „Selbstregulation“. Vielmehr müsse die Förderung dieser Kompetenz Bestandteil guten Unterrichts werden.
„Um das Potenzial der Selbstregulationskompetenz als ,Superpower‘ vollständig zu entfalten, sollte ihre Förderung zu einem Leitprinzip von Bildungssystemen werden“
Als besonders wichtig beschreiben sie drei Elemente: eine verlässliche Klassenführung mit klaren Strukturen, kognitiv anspruchsvolle Aufgaben sowie eine unterstützende Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schülern. Ergänzend sollten Lernstrategien ausdrücklich vermittelt werden – etwa wie Lernziele formuliert, Arbeitsprozesse geplant oder Fehler systematisch ausgewertet werden können. Solche Strategien dürften nicht vorausgesetzt, sondern müssten ausdrücklich eingeübt werden. „Um das Potenzial der Selbstregulationskompetenz als ,Superpower‘ vollständig zu entfalten, sollte ihre Förderung zu einem Leitprinzip von Bildungssystemen werden“, fordern die Autoren. Hochwertiger Unterricht mit wirksamem Classroom-Management, kognitiver Aktivierung und individueller Unterstützung bilde dafür die Grundlage.
Dabei gehe es nicht allein um einzelne Unterrichtsstunden. Nach Auffassung der Autoren entfaltet Selbstregulation ihre größte Wirkung, wenn sie als gemeinsames Ziel einer gesamten Schule verstanden wird. Lehrkräfte, Schulleitungen, Beratungsangebote und Ganztagsangebote sollten dabei möglichst an einem Strang ziehen. Auch Aus- und Fortbildung müssten diese Perspektive deutlich stärker berücksichtigen. Die Autoren verweisen darauf, dass viele Lehrkräfte bislang kaum darauf vorbereitet würden, Selbstregulation systematisch zu fördern.
Über Deutschland hinaus sehen die Wissenschaftler auch bildungspolitischen Handlungsbedarf. Während einzelne Staaten – etwa Singapur – Selbstregulation bereits ausdrücklich in ihren Kompetenzmodellen verankert hätten, spiele sie in vielen Bildungssystemen bislang nur eine Nebenrolle. Angesichts steigender Anforderungen an eigenständiges Lernen, zunehmender Digitalisierung und wachsender psychischer Belastungen halten sie dies für nicht mehr zeitgemäß.
Mag alles stimmen. Aber: „Superpower“ – ist das nicht ein bisschen übertrieben? Die Autoren betonen, dass der Begriff bewusst gewählt sei. Er solle verdeutlichen, „welche Bedeutung das Thema für die individuelle Entwicklung und für die Gesellschaft besitzt“, und dazu beitragen, dass Bildungspolitik und pädagogische Praxis der Förderung von Selbstregulationskompetenz künftig deutlich mehr Aufmerksamkeit widmen.
Wer Schülerinnen und Schüler befähige, ihre Aufmerksamkeit zu steuern, Ziele konsequent zu verfolgen, mit Rückschlägen umzugehen und das eigene Lernen zu organisieren, fördere nicht nur bessere Leistungen. Er schaffe zugleich Voraussetzungen für psychische Gesundheit, gesellschaftliche Teilhabe und ein selbstbestimmtes Leben – weit über die Schulzeit hinaus. News4teachers
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Die Grundlage der Selbstregulation wird durch gesunde Bindungen primär durch die Eltern bzw. den primären Bezugspersonen in der Kindheit gelegt. Die ersten drei Jahre sind laut Studien essentiell, auch jedoch die Jahre bis zum Vorschulalter. Die Eltern müssen physisch als auch psychisch verfügbar sein, damit Selbstregulation und Gehirnentwicklung eine gesunde Bahn nehmen.
Nun haben wir jedoch eine Kultur und Gesellschaft, die diese gesunden Bindungen erschweren oder einschränken und leider muss man das auch genau so benennen. Immer früher werden Kinder, teils Säuglinge, in die Fremdbetreuung gegeben, da die Großfamilie nicht mehr existiert, immer mehr Eltern sind vom Alltag gestresst oder stehen unter hohem Druck. Viele geben dies bewusst oder unbewusst in der Erziehung weiter, auch wenn sie ihre Kinder über alles lieben. Kitas, Kindergärten oder Schulen können diese Bindungslücken mit den aktuellen Betreuungsschüsseln (oder Klassengrößen – war ja auch aktuell in einem News4Teachersbeitrag Thema) unmöglich auffangen. Sie sind meist finanziell und ressourcentechnisch unterfinanziert bzw. nicht gut aufgestellt. Die steigenden psychischen Probleme oder Verhaltensauffälligkeuten bei Kindern können nun nicht mehr nur auf die Coronazeit geschoben werden.
Die Frage ist, wie viel Schulen und andere Institutionen überhaupt kompensieren können, wenn die Grundlagen immer spärlicher gelegt werden.
Eltern werden beklatscht, sofern sie zügig und am besten so früh wie möglich wieder der Wirtschaft zur Verfügung stehen. Leistungen, die Familien entlasten, sollen gekürzt werden. Somit sind die Prioritäten in unserem gesellschaftlichen System klar. Es sind definitv nicht die Kinder.
Das war auch gleich mein Gedanke. Wenn die Voraussetzungen für gelingende Selbstregulation nicht stimmen, kann man das später kaum oder gar nicht antrainieren. Die Probleme liegen dann tiefer.
Wer als Kind häufige Beziehungsabbrüche erlebt, weil er in den ersten drei Lebensjahren die meiste Tageszeit in Kitas verbringt und dort Bindung sucht, ist mit den Verlusterfahrungen überfordert. Und auch die best ausgestattete Kita kann nicht garantieren, dass kein Betreuerwechsel stattfindet! Das ist nicht planbar!
Ich bin sogar der Meinung, dass das Aufwachsen in Großfamilien nicht grundsätzlich besser war. Es kommt immer darauf an, wie viele Wechsel ein Kind ertragen muss, denn für ein Kleinkind ist Tante Klara genauso fremd wie die neue Kita Betreuerin, wenn es sie noch nie gesehen hat. Und welcher Säugling kennt gleich die ganze Verwandtschaft?
Genau so hätte ich es auch beschrieben.
Sehr gute Darstellung! Das Urvertrauen, die Entwicklung der Persönlichkeit, des Selbstvertrauens und Selbstwertgefühls, die Resilienz, Frustrationstoleranz, Sozialkompetenz, generell die persönliche Erziehung in der Familie oder durch ganz wenige(!), sehr vertraute und nicht ständig wechselnde enge Bezugspersonen ist die notwendige Grundlage, auf der später die schulische Bildung aufbauen kann. Diese ersten Jahre im Leben der Kinder sind für viele Fähigkeiten entscheidend. Wenn da große Defizite vorliegen, hat die Schule es extrem schwer, diese zu beheben oder zumindest die Folgen abzumildern – hier wären viel kleinere Klassen auch ein großer Fortschritt, kosten aber Geld. Das will die Politik nicht ausgeben, egal wie oft davon geredet wird, dass die Kinder die Zukunft des Landes seien. Das Geschwätz, dass die Klassengröße nicht wesentlich sei, sollte nur als faule Begründung dafür bewertet werden. Warum werben teure Privatschulen oder Internate explizit damit, dass sie in sehr kleinen Klassen unterrichten? Wie positiv sind immer noch die Erfahrungsberichte der vielen Lehrkräfte, die in der Corona-Phase zeitweise mit halben Klassen arbeiten durften! Das Schlagwort „individuelle Förderung“ verträgt sich nicht mit Klassen von 30 Schülern, das ist dann nur billige Augenwischerei der Politiker.
Zu den Risiken früher und extensiver Kinder-Massenaufbewahrung siehe hier: „Die allgemeine dogmatische Rahmung, wonach ein Kind möglichst früh in die Kita soll, muss aufhören.“https://www.news4teachers.de/2024/10/bildungsforscherin-warnt-sehr-fruehe-und-sehr-lange-kita-betreuung-stresst-kinder/
„Zu den Risiken früher und extensiver Kinder-Massenaufbewahrung siehe hier: „Die allgemeine dogmatische Rahmung, wonach ein Kind möglichst früh in die Kita soll, muss aufhören.““
Nichtsdestoweniger ist es in anderen Ländern nicht so verpönt und das seit Jahrzehnten, ohne dass die Bevölkerung irgendwie traumatisiert wäre.
Der Anstieg an Verhaltensauffälligkeiten und vermehrte Gewalt bei Kindern ist auch in anderen Ländern zu verzeichnen. Viele Menschen verbinden das Wort Kindheitstraumata gleich mit den extremsten Erscheinungsformen. Doch sind kleinere und immer wiederkehrende Traumata wohl öfter das Problem. Dabei stehen oft als normal oder als nicht allzu schlimm interpretierte Verhaltensweisen im Kindes – und Erwachsenen mit Kindheitstraumata in Verbindung. Probleme mit Regulation, people pleasing, Hypervigilanz, schwächere Resilienz etc. sind alles Eigenschaften, die in der Bevölkerung vermehrt wiederzufinden sind. Die Bevölkerung scheint irgendwie doch etwas traumatisiert zu sein.
Der Anstieg an Verhaltensauffälligkeiten ist doch wohl eher auf die Digitalisierung zurückzuführen, denn den Anstieg in den anderen Ländern beobachtet man doch erst seit einiger Zeit und nicht seit vor 50 Jahren in z.B. Frankreich Frauen anfingen mehr zu arbeiten.
Digitalkompetenz, Sprachförderung, Selbstregulation – das sind nur drei von etlichen Querschnittsthemen, an denen alle Fächer arbeiten sollen. Das und noch mehr als Ziele im Blick zu behalten überfordert alle Lehrkräfte, noch mehr überfordert es die Eltern, die mit diesem ‚Fachchinesisch‘ nichts anfangen können und deshalb entsprechende Defizite überhaupt nicht wahrnehmen, sondern nur due Noten als Ergebnis.
Wie unglaublich wichtig, wenn intensive Nabelschau erkennt, dass verschiedene Disziplinen jeweils nur Teilaspekte betrachten. Auch sicherlich hilfreich, wenn Lehrkräfte endlich erfahren, welche Maßnahmen wirksam sind. Leider, aber das kann ich nur für meine eigene Arbeit sagen, lässt sich weder eine sinnvolle Beziehung zu allen 30 SchülerInnen meiner Klasse aufbauen, noch sind die wirksamen Maßnahmen für alle gleich. Ja, es gäbe Wege, überforderten Eltern und gesellschaftlichen Entwicklungen zu helfen, aber nicht in den riesigen heterogenen Gruppen mit verschiedensten Problemen, die man Klasse nennt. Fehlende Selbstregulation, ob emotional oder bezüglich des Lernprozesses, ist eines der Kernprobleme, das wissen alle, aber da mangelt es nicht an Ideen, sondern an Zeit und Gelegenheit, daran zu arbeiten. ‚Systematisch fördern‘ lässt sich kaum etwas: „Hochwertiger Unterricht mit wirksamem Classroom-Management, kognitiver Aktivierung und individueller Unterstützung bilde dafür die Grundlage.“ Punkt 1, so einigermaßen (schon mal ‚Systemsprenger‘ mit Classroom-Management überzeugt?), Punkt 2 ist nett, anspruchsvolle Aufgaben gehen aber an 2/3 komplett vorbei, denn, Punkt 3, ausreichend dabei unterstützen ist unmöglich.
Danke für die akademische Fingerübung, aber wenn nicht endlich jemand anfängt, statt über ’notwendig‘ auch einmal über ‚menschenmöglich‘ zu reden, bleibt es auch dabei.
Menschengerechte Bildung erfordert Zeit und Beziehung. Habe früher auch gedacht, kleinere Klassen sind die Lösung. Sie erleichtern viel und schaffen Raum. Aber noch besser sind Verantwortungsteams! Gemeinsamer Blick auf die Kinder oder Jugendlichen, Zusammenarbeit, flexiblere Stundenplangestaltung, die Projektarbeit und Lernen außerhalb der Schule möglich macht, sind nur ein paar der Vorteile.
http://Www.neue-Lernkultur-jetzt.de
Gerne unterschreiben und teilen!
„Verantwortungsteams“
Ein pädagogisches Team müsste aus mindestens einem Lehrer und einer weiteren Person bestehen, die flexibel (nicht schülergebunden) und kontinuierlich einsetzbar ist. Wer ist diese Person, wo kommt sie her?
Mit den jetzt an Schule vorhanden Professionen (SozPäds, Förderschullehrer, Schulbegleitungen, Schulassistenten) KANN es gar keine Verantwortungsteams geben, da in diesen Konstellationen ganz offensichtlich der Lehrer für den Unterricht in seiner Klasse verantwortlich ist. Er bereitet vor, er führt durch, er korrigiert, er bewertet. Die anderen haben … wertvolle Tipps, hohen Gesprächsbedarf und finden gelegentlich sogar mal den Weg in mein Klassenzimmer – worüber ich mich ehrlich gesagt auch nicht nur freue, da das immer Unruhe bringt. Es ist halt nichts kontinuierlich. Mal „sitzt einer mit drin“, mal werden Kinder „rausgenommen“, meistens sitzt nur eine Schulbegleitung da, die für genau ein Kind „zuständig“ ist.
Will sagen: Solange es keine geeigneten Leute für ein pädagogisches Team an den Schulen gibt, kann man auch kein sinnvolles Team bilden – schon gar keins mit gemeinsamer Verantwortung.
Ein pädagogisches Team wären z. B. zwei Lehrer, die in Doppelbesetzung unterrichten und sich die Aufgaben kontinuierlich teilen. Oder wenigstens ein Lehrer plus pädagogischer Assistent.
Kein pädagogisches Team ist es, wenn ich die Arbeit mache und mir dabei noch von Leuten reinreden lassen muss, die eben NICHT verantwortlich sind.
Wie viele Kids würde ich dann genau wie und wann in meinen Fächern unterrichten?
Und wer wäre dann wann mein Verantwortungsschnucki? Hieße das nicht, dass eine Schule mit vormals 50 Lehrkräften dann 100 Verantwortungsschnuckis bräuchte?
Ich lese alle möglichen interessanten Ideen, komme aber immer wieder dahin mich zu fragen, wie das denn dann in der Realität umzusetzen wäre.
Hinzu kommt, dass die Kids in den Szenarien bereits die „Superpower“ Selbstregulation beherrschen müssen, damit das alles funktioniert.
Ich unterschreibe nur noch Petitionen, deren Sinn ich genau nachvollziehen kann.
Flexiblere Stundenplangestaltung bedeutet was genau? Diese Pläne werden nicht willkürlich in böser Absicht erstellt, sie sind immer ein halbwegs erträglicher Kompromiss, mehr geht auch nicht. Der gemeinsame Blick bedeutet, dass nun statt einer oder zwei Klassenlehrern die doppelte Personenzahl jeweils noch einmal die gleiche Zeit aufwendet? Warum eigentlich? Weil Lehrer nur aus einem Blickwinkel ihre Schüler betrachten, allein keine Ideen bei Problemen haben? Das ist so falsch wie es nur sein kann, wenn ich dazu noch Hilfe brauche, rede ich mit den richtigen Leuten, auch ohne zugeordnetes Team. Meine Erfahrungen sind geteilt, einerseits gibt es in diesen Teams Menschen, die sich sehr gut mit beruflicher Bildung/Ausbildung auskennen und entsprechende Kontakte haben, wirklich hilfreich. Andererseits sind da aber auch Leute, ursprünglich aus der Jugendhilfe, die bei jeder noch so krassen Grenzüberschreitung, nach etlichen Gesprächen, immer noch Verständnis für die Täter fordern und den Opfern schon wieder Gesprächskreise zumuten wollen.
Warum soll eigentlich die Schulorganisation ‚Projektarbeit und Lernen außerhalb‘ möglich machen? Ist das jetzt unmöglich oder nur durch Verein/Playstation/social Media zu anstrengend? Über solche Freiräume können wir reden, wenn die Lehrpläne angepasst wurden und Projekte bzw freie Beiträge echten Lernerfolg zeigen (und nicht nur KI-polierte Oberflächlichkeit). Einfach so, freies Lernen für alle, Projektarbeit, das funktioniert im Alltag nur mit einer kleinen Minderheit (die dann die Arbeit macht).
Man kann sich ein Idealbild herbeiträumen, aber das ändert nicht die Realität, die echten Schüler und ihre Prioritäten.
In den sog. westlichen Industriestaaten zählt das Ich am meisten. Das erlernen sehr viele Kinder von Geburt an.
Es ist fast wie eine Art Mantra.
Diejenigen, die hier Singapur als Vorbild nennen, vergessen, dass es dort anders ist und auch viel mit Verboten (!) und Strafen gearbeitet wird. Und das gilt in Deutschland unter Bildungswissentschaftler*innen als absolzes No-Go, gell?
Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Die Eltern und KiTa-Erzieher sollten erziehen, davon kommt dann die Selbstregulation. Bindung ist nett aber in dieser Frage überbewertet.