Start Titelthema Hausaufgaben ohne KI werden zur Ausnahme: Fast alle älteren Schüler nutzen ChatGPT...

Hausaufgaben ohne KI werden zur Ausnahme: Fast alle älteren Schüler nutzen ChatGPT und Co. – entscheidend ist, wie

4
Anzeige

DÜSSELDORF. Hausaufgaben, Referate, Prüfungsvorbereitung: Für Schülerinnen und Schüler im Alter von 16 bis 19 Jahren ist Künstliche Intelligenz inzwischen ein selbstverständliches Werkzeug. Bei der Recherche für Referate und Hausarbeiten verzichten einer aktuellen Umfrage zufolge gerade einmal zwei Prozent vollständig auf KI, bei Hausaufgaben sind es vier Prozent. Auch zur Aufbereitung von Lernstoff greifen drei Viertel regelmäßig auf ChatGPT und ähnliche Anwendungen zurück.

Hausaufgaben. (Symbolbild.) Illustration: News4teachers

Künstliche Intelligenz ist im Alltag älterer Schülerinnen und Schüler nicht mehr nur ein gelegentlich genutztes Hilfsmittel. Sie wird von einem großen Teil der Jugendlichen mehrmals pro Woche oder sogar täglich für schulische Aufgaben eingesetzt. Das geht aus Civey-Befragung von 1.000 Schülerinnen und Schülern aller weiterführenden Schulformen im Alter zwischen 16 und 19 Jahren hervor, die im Auftrag des Technologie-Konzerns Vodafone durchgeführt wurde. Nach Angaben des Unternehmens sind die Ergebnisse unter Berücksichtigung eines statistischen Fehlers von 3,1 Prozentpunkten repräsentativ für die deutsche Bevölkerung in dieser Altersgruppe.

Besonders verbreitet ist KI bei der Recherche für Referate oder Hausarbeiten. 25 Prozent der Befragten geben an, dafür täglich Anwendungen wie ChatGPT zu nutzen, weitere 44 Prozent tun dies mehrmals pro Woche. Damit greifen 69 Prozent mindestens mehrmals wöchentlich auf KI-Unterstützung bei der Recherche zurück. Weitere 13 Prozent nutzen sie einmal pro Woche, neun Prozent mehrmals im Monat und sieben Prozent seltener. Lediglich zwei Prozent verzichten nach eigenen Angaben vollständig darauf.

PhoneLocker, verschließbare Smartphone-Tasche

Kaum anders sieht es bei den Hausaufgaben selbst aus. 26 Prozent der Jugendlichen lassen sich dabei täglich von KI unterstützen, weitere 40 Prozent mehrmals pro Woche. Zwei Drittel der 16- bis 19-Jährigen nutzen KI damit mindestens mehrmals wöchentlich für die Erstellung ihrer Hausaufgaben. Nur vier Prozent geben an, dies überhaupt nicht zu tun.

Noch stärker hat sich die Technologie offenbar beim eigenständigen Lernen nach Unterrichtsschluss etabliert. 76 Prozent der Befragten verwenden KI regelmäßig, um Unterrichtsstoff zu Hause aufzubereiten: 38 Prozent täglich und ebenso viele mehrmals pro Woche.

„Wer die Technologie gezielt für Recherche zum Beispiel bei der Erstellung von Referaten nutzt, kann besser lernen. Wer Hausaufgaben komplett von der KI erledigen lässt, verpasst den eigentlichen Wert des Lernens“

„Die Befragungsergebnisse zeigen: Hausaufgaben ohne KI-Support sind für die allermeisten Schülerinnen und Schüler heute undenkbar. Die entscheidende Frage ist, wie unsere Kinder ChatGPT und Co. beim Lernen nutzen“, sagt Vodafone-Deutschlandchef Marcel de Groot. „KI sollte das Denken unterstützen, nicht ersetzen. Wer die Technologie gezielt für Recherche zum Beispiel bei der Erstellung von Referaten nutzt, kann besser lernen. Wer Hausaufgaben komplett von der KI erledigen lässt, verpasst den eigentlichen Wert des Lernens.“

Die Befragung zeigt zugleich, dass diese Auseinandersetzung in den Schulen begonnen hat. 32 Prozent der Jugendlichen berichten, dass Anwendungen und Funktionsweisen von KI, ihre Chancen und Risiken oder moralisch-ethische Fragen häufig im Unterricht behandelt werden. Weitere 38 Prozent erleben solche Themen zumindest gelegentlich. Zusammengenommen kommen damit sieben von zehn Befragten im Unterricht mit KI-Themen in Berührung.

Umgekehrt bedeutet das allerdings auch: Für 30 Prozent gehört eine solche Auseinandersetzung bislang eher selten oder überhaupt nicht zum Unterricht. Der nahezu flächendeckenden Nutzung außerhalb des Klassenzimmers steht damit eine deutlich unterschiedlich ausgeprägte schulische Beschäftigung mit der Technologie gegenüber.

Die Jugendlichen selbst sehen hier offenbar Nachholbedarf. 56 Prozent stimmen der Aussage zu, Künstliche Intelligenz solle verbindlicher Bestandteil des Schulunterrichts sein. Nur 17 Prozent lehnen das ab; die übrigen Befragten sind unentschlossen.

Bemerkenswert ist, wie die Schülerinnen und Schüler sich diese stärkere Verankerung vorstellen. Ein neues Pflichtfach „KI“ findet nur wenig Zustimmung: Gerade einmal elf Prozent sprechen sich dafür aus. Wesentlich größer ist der Wunsch, den Umgang mit Künstlicher Intelligenz dort zu vermitteln, wo sie praktisch eingesetzt werden kann. 48 Prozent befürworten eine verbindliche Integration von KI in bereits bestehende Schulfächer. Rund drei von zehn Befragten bevorzugen ein freiwilliges Zusatzangebot.

Die Ergebnisse sprechen damit weniger für ein zusätzliches Unterrichtsfach als für eine Querschnittsaufgabe. Denn die Fragen, die sich durch KI stellen, reichen über die reine Bedienung eines Chatbots hinaus: Bei einer Recherche geht es um die Zuverlässigkeit von Informationen und Quellen, bei Texten um Eigenleistung und Urheberschaft, beim Lernen um die Grenze zwischen Unterstützung und dem Auslagern der eigentlichen Denkarbeit. Auch Funktionsweise, Risiken und ethische Fragen der Systeme betreffen unterschiedliche Fächer.

Wie gut die Schulen diese Aufgabe bislang bewältigen, beurteilen die Jugendlichen keineswegs ausschließlich negativ. Im Gegenteil: Laut Vodafone fühlt sich jeder Zweite durch die Schule „gut“ oder „sehr gut“ auf einen Arbeitsalltag mit Künstlicher Intelligenz vorbereitet. Nur jeder Zehnte bewertet die schulische Vermittlung in diesem Bereich mit „mangelhaft“ oder „ungenügend“.

„Die wichtigste Kompetenz der Zukunft ist nicht, KI alle Antworten geben zu lassen, sondern der KI die richtigen Fragen zu stellen“

Für Schulen entsteht aus der verbreiteten Nutzung von KI ein Bewertungsproblem. Je selbstverständlicher Schülerinnen und Schüler Texte recherchieren, strukturieren, formulieren oder überarbeiten lassen können, desto schwieriger wird es, aus einem zu Hause angefertigten Produkt unmittelbar auf die dahinterstehende eigene Leistung zu schließen. Die Umfrage untersucht zwar nicht, in welchem Umfang Jugendliche komplette Aufgaben von KI erledigen lassen. Schon die Nutzungszahlen zeigen jedoch, dass Lehrkräfte bei außerschulisch erstellten Arbeiten kaum noch selbstverständlich davon ausgehen können, dass dabei keine KI beteiligt war.

Genau deshalb gewinnt die Frage an Bedeutung, die auch de Groot hervorhebt: Nicht die bloße Nutzung eines KI-Systems entscheidet über seinen Wert für das Lernen, sondern die Art der Nutzung. Der Vodafone-Chef formuliert es so: „Die wichtigste Kompetenz der Zukunft ist nicht, KI alle Antworten geben zu lassen, sondern der KI die richtigen Fragen zu stellen.“ News4teachers / mit Material der dpa

„KI macht das Leben als Schüler zur Hölle“ – Gymnasiast, der ehrlich lernen will, sieht sich krass benachteiligt

 

 

Anzeige

Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
4 Kommentare
Tanya
16 Stunden zuvor

und deshalb müssen wir es endlich anpassen, Homeoffice, KI, 4 Tage Woche 35 Std, workaway, SOL Lernen, Individualität, Technik, Digitales. Was muss denn noch kommen, um den Beruf entweder unattraktiver zu machen oder den Anschluss zu verlieren??

PetraOWL
13 Stunden zuvor
Antwortet  Tanya

Das ist es doch, bei Hasi arbeiten sie alle mit Homeoffice und KI zusammen. Man wird Schule nicht von KI abgrenzen können, es wird Einfluss nehmen und hat es schon längst. Das neue Arbeiten hat ja auch Auswirkungen, so dass viele nicht mehr nachkommen und sogar Ältere dann in die Wirtschaft wechseln mit Bonus und tollen Arbeitszeiten. So ist es doch gerade. 35 Stunden sei Dank, tja workaway ist im Winter schon was Feines, da ist es nämlich in OWL nicht mehr schön! 🙂 Peti

Rainer Zufall
16 Stunden zuvor

„Nicht die bloße Nutzung eines KI-Systems entscheidet über seinen Wert für das Lernen, sondern die Art der Nutzung.“
Daumendrück! Ich weise meine Klasse lieber darauf hin, dass Schüler*innen, die „KI“ „nutzen“, schlechtere Leistungen erbringen ^^
https://www.fr.de/panorama/20-prozent-schlechter-studie-aus-china-zeigt-was-auf-deutsche-schulen-zukommen-kann-zr-94437518.html

Aber dies erfordert auch Hausaufgaben, welche entweder die Nachteile sichtbar verdeutlichen, den Einsatz vermeiden oder den richtigen Einsatz erfordern. Noch viel zu tun :/

Kaunas
14 Stunden zuvor

Man kann ja – und das ging immer schon – eine Hausaufgabe am Stundenanfang schriftlich oder mündlich abfragen. Man kann sich jetzt nur sparen, die schriftliche Vorbereitung gemeinsam durchzugehen. Es reicht zu schauen, ob es gemacht wurde oder nicht. Und dann wird es abgefragt, einer mündlich oder alle schriftlich. Dann sieht man, was jemand wirklich weiß und verstanden hat. Das ist doch aber nicht neu..