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Experten warnen: Scientology drängt wieder in die Schulen

DÜSSELDORF. Scientology sucht derzeit offenbar wieder verstärkt den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen: Unter dem Absender „Way To Happiness Foundation“ werde ein Buch der Organisation derzeit an Schulen verschickt, so warnt das Sekten-Info Nordrhein-Westfalen. Dies berichtet die Nachrichtenseite „Der Westen“.

Botschaften in die Kinderzimmer? Das Scientology-Zentrum in Berlin. Foto: Times / Wikimedia Commons  (CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0)

Botschaften in die Kinderzimmer? Das Scientology-Zentrum in Berlin. Foto: Times / Wikimedia Commons (CC-BY-SA-2.5-2.0-1.0)

Den „Weg zum Glücklichsein“ gibt es, so ist dem Scientology-Store zu entnehmen, als Buch, als Broschüre sowie als Datei. Auf dem kitschigen Umschlagbild schlängelt sich ein Weg durch eine grüne Landschaft – einem strahlenden Licht entgegen. Als Herausgeber tritt die „Way To Happiness Foundation“ auf, eine Stiftung mit Sitz in den USA, doch nach Informationen von Sekten-Info NRW stecke Scientology dahinter, berichtet „Der Westen“. „Die Scientologen versuchen seit einigen Wochen, mit Hilfe dieser Tarnorganisation Kontakt zu Schulen zu bekommen“, warnt Sabine Riede, Geschäftsführerin von Sekten-Info dem Bericht zufolge. Das Buch sei bereits an weiterführende Schulen in NRW verschickt worden. Die Bücher würden mit einem Begleitschreiben versandt, in dem die Stiftung ihre Ziele darlege, so Riede. Die Schüler sollten wieder verstärkt an moralische Fragen herangeführt werden, erklärten die Absender darin. Auf der Homepage der „Way To Happiness Foundation“ könnten Lehrer Material herunterladen, um das Buch im Unterricht zu behandeln.

Gegenüber der „Welt am Sonntag“ berichtet eine Aussteigerin, dass Scientologen sich mithilfe der US-Stiftung strategisch darauf konzentrieren, Schulen zu kontaktieren. „Scientology hat Probleme, in Deutschland Mitglieder und Anhänger zu bekommen. Es gibt den Plan, den Fokus auf Jugendliche zu richten“, sagt die Frau, die anonym bleiben will, im Gespräch mit der Zeitung.

Sekten-Info NRW hat das nordrhein-westfälische Schulministerium laut „Der Westen“ aufgefordert, die Schulen über die neue Strategie zu informieren. Auch Marc Ratajczak, der Sektenbeauftragte der CDU-Landtagsfraktion, hat sich dem Appell angeschlossen. „Der Bezug zu Scientology ist für viele Lehrer nicht ersichtlich“, so wird Ratajczak zitiert. „Daher ist die Gefahr groß, dass das Buch unbemerkt in der Schulbibliothek landet.“ Beim Schulministerium heiße es allerdings: „Wir verschicken keine allgemeine Warn-Mail an die Schulen, um die Sache nicht unnötig aufzuwerten.“ Man gehe davon aus, dass die Lehrer ausreichend für das Thema Scientology sensibilisiert seien. Der Philologenverband hat angekündigt, seine Mitglieder mit einer Rundmail vor „Der Weg zum Glücklichsein“ zu warnen.

„Manche Lehrer laden Scientology ein“

Dass Lehrer ihre Kompetenz im Umgang mit Scientology überschätzen, erlebt Sekten-Expertin Riede immer wieder. „Manche Pädagogen laden Scientologen in den Unterricht ein, um diese vermeintlich zu entzaubern oder schicken Schüler zur Referats-Recherche bei der Organisation vorbei“, berichtet sie gegenüber dem „Westen“. Doch persönlicher Kontakt sei ein großes Risiko und sollte vermieden werden. „Scientologen treten stets freundlich auf und sind oftmals geschickt darin, ihr Gegenüber zu manipulieren“, sagt Riede. Gerade Schüler in Lebenskrisen seien dadurch leicht verführbar.

Eine der Hauptgefahren für Jugendliche sei, dass sie den Verheißungen der Scientologen Glauben schenkten, sagt Riede dem Bericht zufolge. „Sie raten den jungen Leuten von einem Studium oder einer Ausbildung ab und versprechen ihnen eine glanzvolle Zukunft innerhalb der Organisation. Dabei geraten die Betroffenen in komplette finanzielle Abhängigkeit von Scientology und vernachlässigen ihre Ausbildung.“

Die aktuelle Strategie ist offenbar nicht er erste Versuch von Scientology, unerkannt über die Schulen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu bekommen. Unter dem Deckmantel einer Anti-Drogen-Kampagne dränge Scientology an die Schulen, berichtete der „Tagesspiegel“ 2009. Briefe, in denen Anti-Drogen-Seminare oder Vorträge für den Ethik-oder Religionsunterricht angeboten wurden, seien damals an Schulleiter in Berlin und Brandenburg gegangen

Auch auf dem Nachhilfe-Markt versuchte Scientology offenbar Fuß zu fassen. Sekten-Info NRW berichtet davon, dass sie tatsächlich auf Fälle gestoßen seien, in denen Eltern unwissentlich ihre Kinder einem scientologischen Nachhilfeangebot anvertraut hätten. „Alle Nachhilfeschüler hatten keinen fächerorientierten Unterricht erhalten, sondern eine Schulung mitgemacht, die sich ausschließlich an der ‚Lerntechnologie‘ von L.R. Hubbard, dem Gründer der Scientology-Organisation, orientiert. Einige waren bereits missioniert worden, und in einem Fall sind sogar scientologische Pseudotherapien angewandt worden“, so berichtet die Aufklärungsstelle, die vom Land NRW gefördert wird. NINA BRAUN
(16.3.2012)

Zu einem Forum zum Thema Scientology auf www.4teachers.de

7 Kommentare

  1. Es ist dringend erforderlich, dass dieses Thema endlich versachlicht wird. Die Versuche einzelner Experten und Politiker das Thema zu dramatisieren tragen leider nicht dazu bei. Wenn dieses Buch wirklich so problematisch ist, dann sollten man das im Unterricht behandeln. Schüler sollen zu selbstbestimmten Schlussfolgerungen und Entscheidungen befähigt werden. Da macht es keinen Sinn, wenn man sie in weltanschaulichen Fragen plötzlich bevormunden will.

    • Da kann ich Mark nur zustimmen. Die Schüler von heute sollten nicht bevormundet werden; sie können sich selber ein gutes Bild davon machen auch ohne Scientology einzuladen! Das Internet bietet die Möglichkeit zu erfahren wie Scientology auf kritischen Fragen zu bieten hat. Nur so kann man erfahren wer die besseren Argumente hat. Aber vielleicht ist dass was die „Sekten Expertin“ Riede nicht will; nur sie kennt die Wahrheit. Die Scientologen hält sie für gefährlich, die Pädagogen nicht informiert und die Schüler für leicht verführbar.

  2. Genau solche Argumente wie die Beiträge von „Mark“ und „Martin“ führen auch Scientologen immer an, wenn es ihnen an den Kragen geht. Sie klingen so schon verständnisvoll und weich, aber dahinter verbirgt sich die Strategie der Organisation, ihre Kritiker mundtot zu machen.

  3. Scheint ein sehr nützliches Argument zu sein von “Karl” hinter einem Kommentar gleich einen Scientologen zu vermuten und eine Strategie zu erkennen wenn einem selber die Argumente ausgehen oder man ein Vergleich scheut.

  4. Nunja, Scientology wird nun seit fast 15 Jahren von Verfassungsschutz überwacht mir ganz genau NULL Ergebnis. Und außerdem ist es auch noch eine in mehr als 30 Ländern anerkannte Religionsgemeinschaft. Auch deutsche Gerichte haben bestätigt, dass Scientology unter Artikel 4 des Grundgesetzes (Religionsfreiheit) fällt. Und dann so ein Gewese und Geschrei – vielleicht sollte man sich erst einmal diesen Weg zum Glücklichsein durchlesen? Ich kann nichts verwerfliches daran finden , nein, ich finde dort sehr vernünftige Regeln für ein angenehmes zwischenmenschliches Zusammenleben.

  5. Zum Glück sind diese Anti-Sektierer aus Essen nicht in der Schweiz ansässig…sie wären geschockt! Dort ist es gang und gäbe, dass Scientologen von Schulen angefragt werden, Rede und Antwort zu stehen. Auch melden sich immer wieder Schüler, die sich ein eigenes Bild machen wollen…und es ist kein einziger „Fall“ bekannt, bei dem dann ein Schüler Mitglied von Scientology wurde. Das Sekteninfo will offenbar die Bürger bevormunden und das hinterlässt einen schalen Beigeschmack…noch viel schlimmer, wenn ein Politiker in diese Intoleranz mit einstimmt.

  6. Also ich finde es erstaunlich, welchen enormen Reiz das „Gefährliche“ und „Verbotene“ hat. Durch das Geschrei um dieses Büchlein habe ich mir gleich die Internetseite dazu angeschaut. Ich muss sagen, das Geschrei sollte noch lauter sein. Dann wird das Interesse noch größer. Ich finde das Büchlein höchst – ansteckend und wertvoll.

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