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Schulpsychologe: Cyber-Mobbing nimmt erschreckend zu

SUHL. Schüler tragen ihre Konflikte immer häufiger mit Verleumdungen und Beleidigungen im Internet aus. «Die Fälle von Cyber-Mobbing unter Klassenkameraden nehmen seit Jahren kontinuierlich zu», sagte der Psychologe am Staatlichen Schulamt in Suhl in Thühringen, Ingo Wagenbreth.

Cybermobbing macht Opfern schwer zu schaffen. Foto:Shandi-lee / Flickr (CC BY 2.0)

Cyber-Mobbing macht Opfern schwer zu schaffen. Foto:Shandi-lee / Flickr (CC BY 2.0)

Er geht zudem von einer hohen Dunkelziffer aus. «Die sozialen Auseinandersetzungen zwischen den Kindern und Jugendlichen laufen heute über das Netz.» Schüler wie auch Lehrer stehen nach Einschätzung des Schulpsychologen jedoch dem Problem oft hilflos gegenüber.

Der Schulpsychologe verwies darauf, dass in den vergangenen zwei Jahren die Beratungslehrer im Freistaat in puncto Prävention fortgebildet wurden. Dennoch gebe es derzeit zu wenig Pädagogen, die mit Cyber-Mobbing professionell umgehen könnten. Den Schülern wiederum falle es schwer, sich gegenüber den Erwachsenen zu öffnen. Notwendig sei, ihre Eigenverantwortung im Umgang mit sozialen Netzwerken etwa durch methodische Rollenspiele im Unterricht zu stärken. «Den Schülern fehlt noch die sozial-psychologische Kompetenz im Umgang mit dem Netz», so der Psychologe.

Die Anonymität des Internet erleichtere es, andere zu verletzen oder auszugrenzen. «Die Hemmschwelle ist deutlich niedriger», sagte Wagenbreth. Außerdem seien viele Kinder heute emotional weniger belastbar. «Das rührt daher, dass Kleinkinder von ihren Eltern überbehütet werden.» Schüler, die gemobbt werden, suchten oft nach schnellen Lösungen. Während die einen die Schule wechseln wollten, reagierten die anderen mit einem extremen Rückzug. «Wir beobachten eine steigende Zahl von Schulverweigerern ab Klasse sechs und sieben», sagte Wagenbreth.

Cyber-Mobbing sei eine Rechtsverletzung. Die Schule müsse sich daher eindeutig positionieren, forderte der Diplompsychologe. Wichtig sei außerdem, die Fälle öffentlich zu machen. «Die Täter mobben nur deshalb, weil es einen psychischen Gewinn für sie hat; bringt es Nachteile, hören sie auf.» Präventiv könnten die Lehrer für ein gutes Klima in den Klassen sorgen. «In gesunden Gruppen passiert so etwas nicht.»

Erst vor wenigen Tagen ist ein 18-Jähriger aus dem ostfriesischen Emden zu zwei Wochen Jugendarrest verurteilt worden, weil er im Internet zur Lynchjustiz aufgerufen hatte. Der Auszubildende hatte nach dem Mord an der elfjährigen Lena im sozialen Netzwerk Facebook dazu aufgefordert, die Polizeiwache zu stürmen, wo gerade ein Tatverdächtiger verhört wurde. Später stellte sich heraus, dass dieser nichts mit dem Mord zu tun hatte. ANNETT GEHLER, dpa

(3.6.2012)

Zum Bericht: Cybermobbing: Täter darf der Klasse verwiesen werden

Zum Bericht: Cyber-Mobbing: Immer mehr Lehrer werden Opfer

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