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Auslandslehrerin: „Der Kontakt mit den Schülern ist unbefangener“

KOPENHAGEN. Rund 2000 deutsche Lehrer befinden sich ständig im Ausland. Eine davon ist Sybill Ravens. Für den dritten Teil unserer Serie berichtet sie von ihrem Leben im Ausland und ihrer Arbeit an der Krebs-Schule Kopenhagen, Dänemark:

„Nein, ein Kulturschock ist Dänemark nicht gerade. Die Menschen unterscheiden sich von den Deutschen darin, dass sie eher noch liberaler sind. Das drückt sich zum Beispiel darin aus, dass der Kontakt zwischen Lehrkräften und Schülern enger ist als in Deutschland. Die Schüler fragen ganz unbefangen Dinge wie „wie alt bist du?“ oder „wo wohnst du?“. Mir gefällt das. Im Unterricht wird darauf geachtet, dass so wenig frontal wie möglich abläuft und die Kinder möglichst aktiv sind.

Deutschlehrerin war eigentlich nicht ihr ursprüngliches Berufsziel: Sybill Ravens hat Englisch auf Lehramt studiert. (Foto: Privat)

Deutschlehrerin war eigentlich nicht ihr ursprüngliches Berufsziel: Sybill Ravens hat Englisch auf Lehramt studiert. (Foto: Privat)

Kopenhagen ist wunderschön, vielfältig und friedlich. Ursprünglich bin ich 2010 nach dem Studium per ‚EU-Comenius-Programm‘ für ein Jahr hier her gekommen. Dänisch konnte ich kaum, ich habe Deutsch unterrichtet und während dieser Zeit die Sprache gelernt. Hier wird Deutsch standardmäßig als zweite Fremdsprache unterrichtet, deshalb gibt es viele Deutschlehrerstellen. Nach dem Jahr wollte ich hier bleiben und habe mich direkt bei Privatschulen beworben. Zugegeben, vor dem Vorstellungsgespräch auf Dänisch war ich schon sehr nervös. Es hat dann aber sofort geklappt mit einer Schwangerschaftsvertretungsstelle an der Krebs-Schule, auf die auch die Prinzen Nikolai und Felix gehen. Typisch Dänisch: Auch darum wird kein Aufheben gemacht. Besuchern empfehle ich neben den üblichen Sehenswürdigkeiten einen Besuch in der Hippiesiedlung Christiana, weil es so einmalig anders ist. Und Roskilde sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Stadt, 30 Kilometer von Kopenhagen entfernt, ist die alte Hauptstadt Dänemarks. Interessant ist dort heute vor allem das, was man über die Geschichte der Wikinger erfährt.“

Bewerbung und Finanzierung:

Miete: Zimmer in Kopenhagen kosten ab 400 Euro/Monat.

Lebenshaltungskosten: Etwas höher als in Deutschland.

Beste Reisezeit: Mai-September.

Da Lehrer nur maximal sechs Jahre im Ausland bleiben dürfen, ist der Bedarf eigentlich nie gedeckt, berichtet die Zentralstelle für das Auslandschulwesen. Besonders gute Chancen haben Deutschlehrer aus der Sekundarstufe II. Es gibt zwei Möglichkeiten für Lehrer, sich bei Schulen im Ausland zu bewerben: Entweder über den üblichen Bewerbungsweg bei der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA) als ‚entsandte Lehrkraft‘ oder direkt bei den Schulen (zum Beispiel als ‚Ortslehrkraft‘). Die Auslandsbezüge setzen sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen: Dem steuerpflichtigen Grundgehalt entsprechend der Besoldungsgruppen und Dienstalterstufen sowie gegebenenfalls einem Mietzuschuss und Auslandszulagen wie Kaufkraftausgleich, Zuschüsse für Ehepartner und Kinder. Die Auslandszuwendungen reichen aus, um einen angemessenen Lebensunterhalt, selbst in der zweitteuersten Stadt der Welt Tokio, zu bestreiten. nin

(29.7.2012)

Zum 1. Bericht von Peter J. Alexander, der in Japan lebt:  „In Japan ist die 80-Stunden-Woche die Regel“

Zum 2. Bericht von Rolf Linse, der in Kalifornien arbeitet: „Das Wort ‚Problem‘ ist tabu“

Ein Kommentar

  1. Vielen Dank für diese tollen Einblicke in die Arbeit / das Leben der Auslandslehrer. Ich muss sagen, schade, dass es nur 4 Teile sein sollen. Ich wünschte mir mehr, z.B. monatlich einen Bericht. 😉

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