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Allen Ernstes: Schwarz-Gelb will Schüler in Freizeitparks schicken

BERLIN (Mit Kommentar). Die Bundestagsfraktionen von Union und FDP wollen die Schulen in Deutschland allen Ernstes zu mehr Besuchen von Freizeitparks auffordern. Hintergrund: Die schwarz-gelbe Koalition möchte die Vergnügungseinrichtungen wirtschaftlich unterstützen. Dies berichtet die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf einen ihr vorliegenden Antragsentwurf.

Pädagogisch bedeutend? Schleuderbahn im Movie Park Kirchhellen. Foto: gnislew / Flickr (CC BY-ND 2.0)

Pädagogisch bedeutend? Schleuderbahn im Movie Park Kirchhellen. Foto: gnislew / Flickr (CC BY-ND 2.0)

In dem Papier, das offenbar im Bundestag zur Abstimmung vorgesehen ist, heißt es laut Bericht: Die Regierung soll sich dafür einsetzen, „dass Freizeitparks noch stärker als mögliche Ziele von Klassenfahrten und als außerschulische Lernorte anerkannt werden“. Kultusministerien und Schulbehörden sollten „solche Besuche als Beitrag zur Unterrichtsgestaltung ausdrücklich erlauben“. Union und FDP begründen ihre Forderung unter anderem mit Lerneffekten für Schüler und der „pädagogischen Bedeutung“ der Parks.

Vom Philologenverband und aus Reihen der Opposition kommt bereits heftige Kritik an dem Vorstoß. „Das ist völliger Unfug“, meinte etwa der Vorsitzende des Philologenverbands, Heinz-Peter Meidinger, gegenüber „Bild.de“. „Die Lerneffekte in Freizeitparks sind äußert gering.“ Schule sei kein Subventionsunternehmen für Wirtschaftsbetriebe. Meidinger: „Wir legen Wert darauf, dass an Wandertagen auch wirklich gewandert wird – und in Projektwochen zum Beispiel Museen besucht werden.“ Der Verbandschef kritisierte außerdem die hohen Kosten möglicher Vergügungspark-Besuche: „Mit dem Geld für den Eintritt könnte man zum Beispiel viel besser gute Deutsch-Lektüre kaufen.“

“Den Überblick verloren”

SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte zu „Bild.de“: „Die Koalition hat in der Schulpolitik den Überblick verloren. Wir brauchen in der Schule Mathe und Deutsch statt Achterbahn und Zuckerwatte.“ Auch in den eigenen Reihen der Koalition ist der Antragsentwurf offenbar umstritten. Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Patrick Meinhardt, sagte laut Bericht: „Alle Freizeitparks zu außerschulischen Lernorten zu machen, wäre ziemlich daneben. Zwei Drittel sind Vergnügungsparks und nichts anderes. Wir müssen hier schon ordentlich bei der Sache bleiben.“ Bibo

(16.10.2012)

Zum Kommentar: “Freizeitparks als Lernorte? Willkommen in der Traumwelt”

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