DÜSSELDORF. Die Schülerproteste halten uns einen Spiegel vor: Eine junge Generation soll Krisen bewältigen, die sie nicht verursacht hat – und muss sich dafür auch noch mangelnde Leistungsbereitschaft vorwerfen lassen. Warum wir Älteren unsere Selbstgerechtigkeit ablegen und nach Wegen suchen müssen, die Jungen nach Kräften zu unterstützen. Ein Kommentar von Andrej Priboschek, Herausgeber von News4teachers.

Vorneweg: Ich bin 61 Jahre alt. Wenn ich hier über die Verantwortung der Älteren schreibe, meine ich ausdrücklich auch mich selbst. Ich gehöre zu denen, die den größten Teil ihres Berufslebens hinter sich haben und jetzt darüber nachdenken können, wie sie die kommenden Jahre verbringen möchten. Die jungen Menschen, die gegen die Zustände in diesem Land protestieren, haben diese Wahl noch vor sich. Allerdings unter Bedingungen, die wir ihnen hinterlassen.
Infrastrukturkrise, Klimakrise, Bildungskrise, Demokratiekrise, Sicherheitskrise, Demografiekrise, Wirtschaftskrise: Das ist eine gewaltige Hypothek, die wir den Jungen hinterlassen. Wer viel Geld, Immobilien oder ein Unternehmen erbt, hat wenigstens ein privates Polster. Wem die Eltern nichts hinterlassen, bekommt trotzdem die ungelösten gesellschaftlichen Probleme serviert.
Die jungen Menschen haben recht, dagegen aufzubegehren. Das rechtfertigt weder Gewalt noch jede Forderung oder jede Äußerung aus dem Umfeld der Proteste. Aber ihr grundlegender Anspruch ist berechtigt: Sie dürfen von uns erwarten, dass wir ihnen eine Zukunft ermöglichen – und bei der Bewältigung der Probleme helfen, die ihre Zukunft gefährden. In unseren Leserforen wird darüber heftig gestritten. Einige der Einwände verdienen eine ausführliche Antwort. Denn sie zeigen, woran die Verständigung zwischen den Generationen scheitert.
„Wer zahlt denn im Moment für die Jüngeren, deren Bildung, deren Schultickets, deren Schwimmbadbesuch, deren Essen, deren Handys, …?“ — Canishine
Wir Erwachsenen tun das. So wie die Erwachsenen vor uns für uns gesorgt haben. Wir haben uns als Kinder weder selbst ernährt noch unsere Schulen selbst finanziert. Dass eine Gesellschaft ihren Nachwuchs versorgt und ausbildet, gehört zu ihren elementaren Aufgaben. Daraus entsteht kein Anspruch auf politische Dankbarkeit oder gar auf Schweigen.
Hier wird der Generationenvertrag auf eine merkwürdige Weise verkürzt: Die Jungen sollen anerkennen, was sie heute bekommen. Was wir später von ihnen erwarten, bleibt außerhalb der Rechnung. Dabei sollen sie künftig die Wirtschaft tragen, Renten finanzieren, Pflege leisten und die öffentliche Infrastruktur erhalten. Ihre Bildung ist deshalb auch eine Voraussetzung dafür, dass unser eigenes Leben im Alter funktioniert.
Ein Schulticket erledigt keine berechtigte Beschwerde über ausgefallenen Unterricht. Ein bezahltes Mittagessen entkräftet keine Sorge vor den Folgen des Klimawandels. Wer Versorgung gegen Mitsprache aufrechnet, verwechselt Verantwortung mit einer Gefälligkeit, für die sich der Empfänger erkenntlich zu zeigen hat.
„Die Boomer mussten noch arbeiten für Ihr Geld, aber der Neid und die Missgunst ist schon erbärmlich. Einfach mal aus dem Quark kommen und nicht so hohe Ansprüche stellen.“ — GuKa
Darin steckt die Behauptung, die eigene Generation habe ihren Wohlstand durch Leistung verdient, während die nachfolgende vor allem Ansprüche stelle. Als Beleg genügen dann Hinweise auf Work-Life-Balance, eine Viertagewoche oder den Wunsch, Influencer zu werden. Aus einzelnen Beobachtungen wird das Charakterbild einer ganzen Generation.
Das ist bequem. Wenn die Jungen vor allem faul sind, muss man sich mit ihren Forderungen nicht weiter beschäftigen. Dann wird aus einer Debatte über gesellschaftliche Verhältnisse eine Erziehungsmaßnahme: Strengt euch erst einmal an.
Natürlich müssen auch junge Menschen etwas leisten. Aber Leistung entsteht unter Bedingungen, die sie nur begrenzt beeinflussen können. Wer in einer Schule lernt, der Personal fehlt, wer keine bezahlbare Wohnung findet oder keinen passenden Ausbildungsplatz erreicht, kann diese Hindernisse nicht allein durch eine bessere Arbeitshaltung beseitigen.
Wir Älteren dürfen unsere eigenen Lebensläufe nicht zum allgemeingültigen Maßstab erklären. Zu ihnen gehörten persönliche Anstrengungen, aber auch Möglichkeiten, die wir vorgefunden haben: öffentliche Investitionen früherer Generationen, funktionierende Institutionen, wirtschaftliche Chancen. Gerade wer stolz auf seine Leistung ist, sollte unterscheiden können, was er selbst geschaffen hat und was andere ihm ermöglicht haben.
„Der Berufswunsch bzw. die Berufsbezeichnung heute: Influencer oder Content Creator. Wertschöpfung oder Gemeinsinn Fehlanzeige.“ — Na ja- ohne mich
Auch früher wollten junge Menschen Autorennfahrer, Schauspieler oder Schlagersänger werden. Und? Die allermeisten dürften später in ganz anderen Berufen ihren Beitrag geleistet haben – als Ärzte, Handwerker oder Lehrkräfte. Warum sollten ausgerechnet die Berufsträume der Jugend, die sich heute wie damals aus den genutzten Medien speist, ihre mangelnde Leistungsbereitschaft beweisen?
Besonders widersprüchlich wird dieses Jugendbild, wenn dieselben jungen Menschen politisch aktiv werden. Wer ihnen vorher vorhält, nur aufs Handy zu schauen, müsste doch zunächst begrüßen, dass sie sich organisieren, Forderungen formulieren und demonstrieren. Stattdessen wird auch das zum Beleg ihrer Unzulänglichkeit: zu laut, zu ungeduldig, zu wenig durchdacht.
So entsteht eine Prüfung, die junge Menschen kaum bestehen können. Bleiben sie still, fehlt ihnen der Gemeinsinn. Protestieren sie, sollen sie erst einmal etwas leisten. Ernst nehmen würden wir sie, wenn wir ihre Forderungen prüfen – und bereit wären, daraus Konsequenzen für unser eigenes Handeln zu ziehen.
„Wir haben nicht alles weggeschafft, und ganz ehrlich, nun sind die Generationen nach uns dran.“ — RuhrpottOle
Der Leser erinnert in seinem ausführlichen Beitrag an reale Belastungen: Strukturwandel, schwierige Ausbildungsbedingungen, rechtsextreme Gewalt und die Umbrüche der Wiedervereinigung. Wer behauptete, frühere Generationen hätten ein sorgenfreies Leben geführt, würde ihre Erfahrungen missachten.
Aber aus früherer Belastung folgt keine heutige Entpflichtung. Gesellschaftliche Verantwortung lässt sich nicht nach dem Prinzip abarbeiten, dass jede Generation eine bestimmte Zahl schwieriger Jahre absolviert und anschließend ihre Ruhe verdient hat – unabhängig davon, was noch zu bewältigen ist.
Vor allem passt diese Vorstellung nicht zur demografischen Lage. Wenn zahlenmäßig kleinere Jahrgänge die Erwerbsarbeit übernehmen und zugleich eine größere ältere Bevölkerung mitversorgen sollen, können wir ihnen nicht zusätzlich sämtliche aufgeschobenen Aufgaben übertragen.
Der Ökonom und DIW-Präsident Prof. Marcel Fratzscher kritisiert genau diese einseitige Lastenverteilung. Seine Vorschläge reichen von einer stärkeren Beteiligung wohlhabender Älterer bis zu einem sozialen Pflichtjahr für Senioren. Über die Instrumente lässt sich streiten. Seine grundlegende Frage bleibt: Warum werden zusätzliche gesellschaftliche Pflichten so selbstverständlich bei den Jungen gesucht?
Wer einen Wehrdienst für junge Menschen fordert, sollte jedenfalls erklären können, welchen zusätzlichen Beitrag die Älteren leisten sollen – jedenfalls die, die noch können und früher nicht dienen mussten. Wer den Jungen mehr Leistung abverlangt, muss auch über die eigenen Möglichkeiten sprechen.
„Kurz: Die Boomer haben die Übernahme des Staffelstabs ganz ordentlich hinbekommen und ihn gut weitergetragen. Mal abwarten, was die Gen Z so alles geregelt bekommt.“ — Beste Sorge
Das Bild vom Staffelstab unterschlägt, dass wir alle noch auf derselben Strecke unterwegs sind. Ein marodes Schulgebäude verschwindet nicht, weil die zuständigen Erwachsenen in Rente gehen. Die Folgen unzureichenden Klimaschutzes enden nicht mit einer abgeschlossenen Erwerbsbiografie. Und die Finanzierung des Sozialstaats hängt weiterhin davon ab, wie sich die Lebensbedingungen der nächsten Generation entwickeln.
Zu einer ehrlichen Bilanz gehören Leistungen und Versäumnisse. Ältere Menschen haben demokratische Rechte verteidigt, Unternehmen aufgebaut, Kinder großgezogen und die Umweltbewegung getragen. Ältere Menschen haben zugleich Entscheidungen getroffen oder mitgetragen, deren Kosten heute sichtbar werden. Beides kann wahr sein.
Gerade deshalb überzeugt der Verweis auf frühere Verdienste als Antwort auf heutige Kritik nicht. Ob unsere Übergabe gelungen ist, bemisst sich auch daran, ob die Nachfolgenden eine tragfähige Grundlage vorfinden.
Der Soziologe Prof. Aladin El-Mafaalani beschreibt (im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung) eine Jugend, für die verlässliche Institutionen und stabile Zukunftserwartungen alles andere als selbstverständlich sind: „Für diese Generation ist Krise die Normalität.“ Das sollte uns beschäftigen. Wenn junge Menschen Schule über Jahre als überlastet und Erwachsene als ratlos erleben, hilft ihnen die Versicherung wenig, dass Deutschland früher einmal hervorragend funktioniert habe.
„Die hatten/ haben leider keine hellseherischen Fähigkeiten.“ — Jerunda
Niemand musste die Zukunft im Detail vorhersehen können, um Wartungsbedarf an staatlicher Infrastruktur zu erkennen. Niemand brauchte hellseherische Fähigkeiten, um zu verstehen, dass weniger junge Beitragszahler die Finanzierung einer wachsenden älteren Bevölkerung erschweren. Und die Risiken fossiler Energie sind keine Entdeckung der heutigen Schülergeneration.
Es wäre trotzdem falsch, daraus eine persönliche Schuld jedes älteren Menschen abzuleiten. Politische Macht, wirtschaftlicher Einfluss und Handlungsmöglichkeiten waren und sind höchst ungleich verteilt. Wer sein Leben lang wenig verdient und hart gearbeitet hat, trägt eine andere Verantwortung als jemand, der folgenreiche Entscheidungen getroffen oder mit erheblichen Ressourcen blockiert hat.
Aber wir müssen zwischen Schuld und Verantwortung unterscheiden. Über die Vergangenheit lässt sich lange streiten. Für die Gegenwart bleibt die Frage, was jeder nach seinen Möglichkeiten beitragen kann.
Diese Unterscheidung schützt auch davor, private Lebensgeschichten gegeneinander auszuspielen. Niemand muss sich rechtfertigen, weil er keine Kinder bekommen konnte. Niemandes Krankheit, Arbeitslosigkeit oder persönliche Verlusterfahrung wird durch die Forderung nach Generationengerechtigkeit entwertet. Unsere Aufgabe besteht darin, die heute vorhandenen Möglichkeiten zur Lösung gemeinsamer Probleme einzusetzen.
„Sich mal an die eigene Nase fassen ist nicht eureres.“ — Edy, mit Blick auf den Konsum junger Menschen und den Klimaschutz
Auch junge Menschen konsumieren widersprüchlich. Sie bestellen Waren, fliegen in den Urlaub oder fahren Verbrenner. Das darf kritisiert werden. Es widerlegt nur nicht ihre Forderung nach wirksamem Klimaschutz.
Wer politische Veränderungen verlangt, muss nicht zuvor beweisen, außerhalb aller bestehenden Strukturen leben zu können. Ein Auszubildender kann auf ein günstiges gebrauchtes Auto angewiesen sein und trotzdem ein Interesse an besserem öffentlichen Verkehr haben. Eine Schülerin kann ein Smartphone besitzen und trotzdem berechtigt fragen, warum seine Herstellung Ressourcen verschlingt und seine Nutzung durch Geschäftsmodelle geprägt wird, die Aufmerksamkeit möglichst lange binden.
Der Verweis auf individuelle Widersprüche wird zur Ausflucht, wenn er die Debatte über politische und wirtschaftliche Regeln beendet. Dann sollen die Jungen erst vollkommen anders leben, bevor wir über Veränderungen nachdenken müssen. Diesen Maßstab legen wir an uns selbst selten an.
„Und jetzt, nachdem wir es trotzdem gewuppt haben, pflegen wir unsere betagten Eltern – und wollen dann endlich (haben), was wir uns erarbeitet haben – zeitlich und finanziell.“ — Na ja- ohne mich
Dieser Wunsch ist nachvollziehbar. Wer Angehörige pflegt, trägt bereits eine erhebliche gesellschaftliche Last. Wer gesundheitlich erschöpft ist oder mit einer kleinen Rente auskommen muss, braucht Entlastung. Eine faire Verteilung zusätzlicher Aufgaben muss solche Unterschiede berücksichtigen.
Gerade deshalb führt die pauschale Gegenüberstellung von Jung und Alt nicht weit genug. Innerhalb beider Gruppen gibt es erhebliche Unterschiede bei Einkommen, Vermögen, Gesundheit und verfügbarer Zeit. Mehr Verantwortung muss vor allem übernehmen, wer mehr Möglichkeiten hat.
Daraus lässt sich ein konkretes Programm ableiten. Gesunde Menschen könnten länger in reduziertem Umfang arbeiten, wenn die Bedingungen stimmen. Fachleute im Ruhestand könnten Jugendliche beim Berufseinstieg begleiten. Schulen könnten mit verlässlich organisierten und finanzierten Angeboten zusätzliche Erwachsene gewinnen, die vorlesen, zuhören, handwerkliche Kenntnisse vermitteln oder Projekte unterstützen.
El-Mafaalani schlägt vor, die Erfahrung und die Fähigkeiten älterer Menschen gezielt für Schulen und Kitas zu nutzen: Eine pensionierte Pädagogin könnte Kinder fördern, ein Handwerker im Ruhestand praktische Projekte begleiten. Dafür reicht es allerdings nicht, auf hilfsbereite Senioren zu hoffen. Einrichtungen brauchen Menschen, die solche Einsätze organisieren, und Geld, um die Mitarbeit gegebenenfalls zu honorieren. So könnten zusätzliche Angebote und verlässliche Beziehungen entstehen, für die im Schulalltag oft die Zeit fehlt. Die Verantwortung, genügend Lehrkräfte einzustellen, bleibt beim Staat.
Wie sich der Anspruch, zukunftsfähig zu werden, politisch verankern lässt, zeigt gerade Berlin: Der Senat hat im September einen verbindlichen Jugend-Check auf den Weg gebracht. Gesetze und politische Vorhaben sollen künftig systematisch darauf geprüft werden, welche Folgen sie für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene haben. Einen solchen Jugend-Check sollten wir Älteren auch unseren Wahlentscheidungen vorschalten: Was bedeutet das, was wir heute für uns beanspruchen, für diejenigen, die morgen damit leben müssen?
Die Schülerproteste sollten deshalb eine Debatte unter uns Älteren auslösen: Was können wir beitragen? Welche Ansprüche müssen wir überprüfen? Wo können wir Zeit, Geld, Erfahrung oder politischen Einfluss einsetzen?
Wir dürfen von jungen Menschen erwarten, dass sie Verantwortung übernehmen. Sie dürfen dasselbe von uns erwarten. Ich habe drei Kinder großgezogen. Ich will sie nicht damit alleinlassen, diesen Scherbenhaufen aufzuräumen. News4teachers
Schülerproteste: Wie lange will die Politik noch weghören? Ein Gastkommentar










Mehr als Besen und Schaufeln verteilen mach ich aber nicht, das muss als Beteiligung reichen. Ansonsten aber volle ideelle Unterstützung meinerseits.
Ich will einmal nur zwei Aspekte herausgreifen:
„Der Ökonom und DIW-Präsident Prof. Marcel Fratzscher kritisiert genau diese einseitige Lastenverteilung. Seine Vorschläge reichen von einer stärkeren Beteiligung wohlhabender Älterer bis zu einem sozialen Pflichtjahr für Senioren.“
Wenn man Ungerechtigkeiten abbauen will (meinetwegen auch intergenerational), dann sollte man keine neuen Ungerechtigkeiten aufbauen!
Der Freibetrag bei einer Erbschaft kommt aber doch den Hinterbliebenen zugute.
Die Problematik der Erbschaftssteuer liegt doch bei den steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Übertragung von privatem und betrieblichem Vermögen auf die Erben.
Bei den allermeisten Erbschaftsvermögen innerhalb des Mittelstandes dürfte es sich um Immobilieneigentum handeln. Dieses ist geschützt, wenn der hinterbliebene Ehepartner/Lebenspartner dieses nach dem Tod des Erblassers weiter selbst nutzt. Problematisch wird es beim Übergang auf die Nachfolgegeneration, die in den meisten Fällen kein Interesse an der Nutzung des Elternhauses bzw. keine Möglichkeit dieses zu nutzen hat und es deshalb Erbengemeinschaft unterhalten muss, da derjenige, der das Haus übernehmen möchte, die anderen Erbberechtigten entschädigen muss.
Das Thema Vermögenssteuer ist ein anderes, stößt aber immer auf den Widerspruch zwischen der Besteuerung von privatem und betrieblichem Vermögen.
Scherbenhaufen sehe ich in vielen Ländern, aber sicherlich nicht in Deutschland, wo es uns im Vergleich immer noch sehr gut geht. Hier geht es uns eher ZU gut, denn offensichtlich bleibt die Zeit, sich andauernd über den Status Quo zu beschweren, ohne selbst aktiv etwas in die Hand nehmen zu müssen. Die Menschen der Nachkriegszeit packten mit an und bauten auf, denn es gab sonst keine andere Antwort auf die Frage, wie es weitergehen soll. Sich über Ungerechtigkeiten zu empören und auf Demonstrationen Zeichen setzen zu wollen, ist leichter, als Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen.
Die Jugend will bessere Bildung? Legitim, aber sie muss ihren Teil dazu beitragen: Ein regelmäßiger Schulbesuch, sich auch in unliebsame Themen reinzuarbeiten und die ihnen zur Verfügung gestellten Einrichtungen pfleglich zu behandeln gehören eben dazu. Fleiß und Leistungsbereitschaft sind dabei das A und O, das jeder mitzubringen hat. Schlussendlich liegt in der besseren Bildung auch eine bessere finanzielle Zukunft.
Die Jugend will die Wehrpflicht abschaffen? Gut, dann her mit der Antwort, wie Deutschland im Zweifel verteidigt werden kann, wenn ein plötzlicher Angriff stattfindet. Oder ist diese Dystopie doch so unwahrscheinlich? Denn noch leben wir in einem demokratischen Land der freien Meinungsäußerung. Ich bin nicht sicher, ob solche Demonstrationen wie aktuell in Russland oder China oder dem Irak milde diskutiert würden.
Die Jugend möchte gegen soziale Ungleichheit kämpfen? Super, dann soll sie direkt nach der Demo zu einer der vielen Hilfsorganisationen oder Vereine gehen und vor Ort aktiv mit anpacken. Johanniter, DRK, freiwillige Feuerwehr, technisches Hilfswerk, Obdachlosenvereine… sehr viele Vereine ringen um Nachwuchs. Selbst beim kleinen Sportverein im Dorf kann man sich engagieren – das würde jedoch aktives Mitarbeiten über die Empörung hinaus bedeuten.
Wir Älteren sind dabei natürlich Vorbilder. Meine Frau und ich engagieren uns in diversen Vereinen, unsere Kinder sind da quasi mit reingewachsen. Meine Tochter (kurz vorm Abitur) und mein Sohn (Azubi) hatten keine Ambitionen, bei der gestrigen Demo mitzulaufen und nein, wir haben es nicht verboten. Doch beide halfen lieber beim Aufbau einer Halloween-Veranstaltung für Kinder in unserem Stadtteil mit.
(Was ist eine Dystopie?)
„Die Jugend will die Wehrpflicht abschaffen? Gut, dann her mit der Antwort, wie Deutschland im Zweifel verteidigt werden kann, wenn ein plötzlicher Angriff stattfindet.“
Ja, das verstehe ich auch nicht. Die Jugendlichen wollen unser Land nicht verteidigen, aber wer soll es denn tun? Setzen „die Jugendlichen“ darauf, dass einige andere „so doof“ sind, sich ausbilden zu lassen, um im Ernstfall unser Land zu schützen und ggf. ihr Leben zu verlieren? Die Lebensgefahr der anderen ist also egal, deren Problem. Aber man selbst könnte ja auch bei einem Angriff ums Leben kommen, weil niemand oder zu wenige da sind, die unser Land beschützen.
(Ich spreche hier nicht von den Älteren, weil die entweder eine Ausbildung hatten oder eben keine mehr hatten. Hier geht es ja aber darum, dass die Jugend sich gar nicht erst ausbilden lassen will.)
Größtenteils sehr zustimmungsfähig. Allerdings macht er denselben Fehler wie „GenZ regelt“: es wird ein ziemlich fetter Elefant im Raum gar nicht benannt.
„Infrastrukturkrise, Klimakrise, Bildungskrise, Demokratiekrise, Sicherheitskrise, Demografiekrise, Wirtschaftskrise“, man denkt, damit seien doch die wichtigen Probleme benannt, die die Jungen so plagen. Spoiler: es fehlt, neben anderen, aber ganz vorneweg: die Schuldenkrise.
Man wüsste halt gerne, ob im Zuge der aufgestellten Forderungen auch schon über deren Finanzierung nachgedacht wurde. Denn wir sehen ja, was passiert, wenn Generationen über ihre Verhältnisse leben und sich nicht darum scheren, ihren Haushalt im Reinen zu halten, oder wenigstens für ein Wirtschaftswachstum zu sorgen, das die endlos steigenden Ausgaben des eigenen Lebensstils bezahlen hilft: es sind die Kinder und Enkelkinder, die einen massiven Schuldenberg erben. Aktuell sind es allein in Deutschland 2.6 Billionen Euro, die auf die GenZ zukommen, welche jetzt ins Berufsleben eintritt oder dort schon seit ein paar Jahren ist. Und dem nicht genug, diese Meldung schaffte es jüngst sogar in die Tagesschau:
Alleine der jüngste Anstieg der Zinsen kostet uns zusätzliche 58 Milliarden für die kommenden fünf Jahre.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/staatsverschuldung-zinskosten-deutschland-100.html
Mangels politischer, historischer und wirtschaftlicher Bildung haben wohl die wenigsten Schüler*innen eine Vorstellung davon, was diese Zahl bedeutet. Das sind nicht einfach 58 Milliarden Schulden. Es sind nicht einmal 58 Milliarden Zinsen. Es lediglich ein (prozentual gar nicht so großer) Aufschlag auf die bisher schon zu zahlenden Zinsen auf das bisher schon geschuldete Geld. Die Kirsche auf der Sahne auf der Torte.
Das ist Geld, von dem keine einzige Schule saniert, kein Psychologe eingestellt, kein einziges Winkraftwerk gebaut wird. Sicher, die Jungen müssen kein ausgefeiltes Finanzierungskonzept vorlegen für die Wünsche, die sie haben. Wir haben in den 90ern bei unseren Anti-Atom-Protesten uns auch nicht darum geschert, wie wir 30 Jahre später fossilfrei leben können. ABER es wäre schade, wenn die Gen Z in die Falle desselben Fehlers liefe, den sie der Gen X gerade zum Vorwurf macht: nicht nachhaltig und generationengerecht zu denken.
Sehr geehrter Herr Priboschek,
ein wenig Kontext hilft vielleicht weiter.
Die Redaktion schrieb:
„Wo ist der Beitrag der Älteren? Wo ist das Commitment aus deren Reihen, selbstverständlich länger zu arbeiten, wenn die Lebenserwartung deutlich gestiegen ist und es an jungen Menschen/Beitragszahlern fehlt? Stattdessen Palaver um jeden mickrigen Rentenpunkt – und Tankrabatte, mit denen weitgehend sinnlos Geld verbrannt wird, um nur ja den Status quo für die Älteren zu halten (was eh nicht klappen wird).“
Daraufhin fragte ich:
“Wer zahlt denn im Moment für die Jüngeren, deren Bildung, deren Schultickets, deren Schwimmbadbesuch, deren Essen, deren Handys, …?“
Eine einfache Frage an eine KI gibt die Rückmeldung, dass 200.000.000.000 € jährlich für Bildung, Familien, usw. ausgegeben werden, je nach Rechnung noch weit mehr, also Dinge, die ziemlich direkt was mit den jungen Menschen zu tun haben. Dabei ist noch nicht einberechnet, was Familien individuell für ihre Kinder ausgeben. Dieses Geld wird irgendwie erwirtschaftet, zu einem großen Teil auch durch die tägliche Arbeit der „Älteren“. Damit halte ich meine Rückfrage für berechtigt (und nicht für ein „schwachsinniges Argument“, wie es einer Ihrer Mitarbeiter oder eine Ihrer Mitarbeiterinnen vermutlich etwas unreflektiert bezeichnete).
Ich persönlich denke nicht, dass junge Menschen dafür den Älteren speziell dankbar sein müssen, aber die Reflexion darüber und der Respekt vor der Lebensleistung Älterer – und sei es „nur“ 40-45 Jahre täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr zur Arbeit gegangen zu sein – und die daraus erwachsende Erkenntnis, dass man in Deutschland.sicherlich zu den oberen 10% (schätzungsweise) aller jungen Menschen weltweit gehört, was die Möglichkeiten und Sicherheiten angeht, würde bei so manchem jungen Menschen womöglich dazu führen, dass er oder sie z.B. Schule (aber nicht nur) mehr zu schätzen weiß. Und wer weiß, vielleicht klappt es dann auch wieder mit Pisa.
(Anm.: Eine vergleichbare Reflexion hilft übrigens auch beim Klima- und Umweltschutz, nämlich, dass wir bisher in einer Region leben durften, die klimatisch geradezu paradiesisch war, mit milden Temperaturen, Regen, wenigen Unwettern usw. Wenn man das nicht zu schätzen weiß, weiß man es auch nicht zu schützen.)
Und bevor Sie oder Ihre Redaktion mich wieder in eine Schublade stecken, gegen die Jugend zu reden: Ich verstehe durchaus die Verunsicherung und Frustration der jungen Menschen angesichts von Krieg, Klimawandel und Krisen, und auch, dass man dafür auf die Straße geht. Mir geht es bislang ebenso. Nur sollte man sich aus meiner Sicht vor all den pauschalen Schuldzuweisungen hüten, sei es an Migranten oder Ältere oder Jüngere oder was einem so einfällt. Dazu gehört aus meiner Sicht eben auch die Verknüpfung durch die Redaktion von längerer Lebensarbeitzeit und der (vermeintlichen) Schuld an der Zerstörung des Planeten durch „die Älteren“.
Mit freundlichen Grüßen
Canishine
PS: Der Wunsch nach Reflexion über den relativen Wohlstand und die (noch) relativ günstigen Umstände gilt auch für ältere Generationen.
Danke. Ich finde, das wird immer vergessen, was die Älteren alles erwirtschaften für die Jugend und durch ihre Steuern und Abgaben finanzieren, sodass die Jugend es kostenlos oder verbilligt nutzen kann, z.B die gesamte Schulausbildung!
Dass die Gen-Z mehr Investitionen in Bildung fordern, ist m.M. legitim.
Die gängigen Statistiken zeigen zwar, dass die relativen Investitionen pro Bildungsteilnehmer z.B. bei der Boomer-Generation noch niedriger waren, aber das macht die aktuelle Situation der jungen Menschen ja nicht besser.
Ich habe nichts gegen mehr Investitionen in Bildung einzuwenden, aber man sollte schon im Blick haben, wie viel (mehr in den letzten Jahren) schon ausgegeben wird.
Gilt das auch für die Bildung krimineller oder extremistischer Gruppen?
Haben die schon mal für mehr Unterstützung demonstriert?
Meine Forderung nach Freibier ist auch nicht illigitim und wird von vielen unterstützt. Und der scheächelnden Brauereibranche würde es auch helfen.
Spaß und Wirtschaftsförderung aus einem Guss bzw. Zapfhahn.
Auch wenn ich den Aufschrei schon höre:
Ist es eigentlich generationengerecht, dass meine Stimme mit 67 Jahren an der Wahlurne genauso viel zählt wie die eines 18-Jährigen?
Statistisch habe ich deutlich weniger Lebensjahre vor mir als ein 18-Jähriger. Er wird mit den Folgen heutiger politischer Entscheidungen voraussichtlich noch viele Jahrzehnte leben.
Das gleiche Wahlrecht ist ein Grundpfeiler unserer Demokratie. Daran möchte ich nicht rütteln.
Aber wie sorgen wir dafür, dass die Interessen derjenigen, die am längsten mit unseren Entscheidungen leben müssen, politisch stärker berücksichtigt werden?
Und dabei haben wir über die demografischen Verhältnisse noch gar nicht gesprochen: Wie viele 67-Jährige stehen heute einem Jahrgang von 18-Jährigen gegenüber?
Es geht also nicht nur um die Gleichheit unserer Stimmen, sondern auch um das unterschiedliche zahlenmäßige Gewicht der Generationen.
Warum soll Ihre Sprache weniger wiegen? Die Jugendlichen haben mehr Zeit vor sich, um die Last von den Entscheidungen zu tragen, sind aber auch idealistischer und leichter auszunutzen. In 1917 bei Oktober Revolution waren die Jugendlichen eine treibende Kraft. Als Resultat wurden sie nicht nur Täter und Werkzeuge einer brutalen Ideologie sondern am Ende selbst Opfer.
„Die Jugendlichen haben mehr Zeit vor sich, um die Last von den Entscheidungen zu tragen, sind aber auch idealistischer und leichter auszunutzen.“
Deshalb ist es auch nicht zu verachten, wenn die Älteren ihre Lebenserfahrung mit einbringen. Und, um an Ihrem Beispiel zu bleiben, mehr Geschichtswissen täte allen Generationen gut.
Vergisst man die Geschichte, läuft man Gefahr, die Fehler früherer Zeiten zu wiederholen.
Vielleicht noch ein Nachtrag zum Generationenvertrag: Tatsache ist, dass junge Menschen JETZT von all den Zuwendungen (, die wie angemerkt weit über Schulessen hinausgehen) profitieren. Es gibt keinen Vertrag, der einen Einzelnen dazu zwingen würde, das in voller Höhe zurückzuzahlen: Sie können ins Ausland gehen oder von Minijobs leben, mit Steuern tricksen, das steht ihnen frei. Auch die Wahl ihrer Arbeit ist frei: Ob sie in die Pflege gehen, einen Rüstungskonzern gründen oder Lehrer werden, ist ihnen überlassen. Sie dürfen sich für oder gegen Kinder entscheiden (denn es sind wohl auch die Enkel, die meine Pension bezahlen). Wäre es ein verbindlicher Vertrag, hätte man ja die Menschen zum Kinderkriegen verpflichten müssen.
Welchen Beitrag leisten die (eher) Älteren?
Ca. zwei Billionen im Jahr an Steuern und Sozialversicherungsbeiträge erwirtschaften.
Welche Benefits insbesondere für Kinder, Jugendliche und (junge) Eltern werden daraus finanziert, die es vor einer Generetionenspanne (30 Jahre) nicht gab?
– Rechtsanspruch auf Betreuung U3
-Rechtsanspruch auf Betreuung Ü3
– Übernahme von diversen Kosten aus dem Paket BuT
– verlässliche Grundschule (einige Bundesländer.
– Rechtsanspruch auf Ganztag
-Elterngeld
– u.v.m.
Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind zu Gunsten von Kindern, Jugendlichen und Jungen Erwachsenen im Gegensatz zu Boomern, die immer herangezogen werden, eingetreten?
– Niemand muss mehr mit 14 Jahren in die Arbeitswelt eintreten, noch nicht einmal mit 16. Man kann mühelos bis 21 zur Schule gehen. Es ist auch nicht problematisch einfach gar nichts zu machen.
-Es gibt keinen all umfassenden Wehr- oder Ersatzdienst. De facto gibt es ihn seit 25 Jahren nicht mehr.
-Arbeits-, Kinder-, und Jugendschutz sind auf hohem Niveau verankert.
-Anforderungen an Kinder und Jugendliche wurden stetig zurück geschraubt.
-Jugendliche und junge Erwachsene haben umfangreiche Wahl- und Bewegungsfreiheit Ende (europäische Freizügigkeit, Visafreiheit mit Dutzenden Staaten).
– grenzenloser Zugang zu jedweden Informationen und Dienstleistungen per Internet und KI
– keine starren Gesell schädlichen Normen und Konventionen, denen man sich zu beugen hat, anything goes…
– u.v.m.
Das Ganze hat einen grundsätzlichen Fehler, und beispielsweise in Spanien hat man ihn bereits erkannt: Ja, der Konflikt ist nicht Jung gegen Alt. Der Konflikt ist die da oben und die da unten. Der Jugendprotest hat sich entzündet, weil eine 87 jährige Rentnerin aus ihrer Wohnung geräumt wurde. Kann man sich das vorstellen? Jugendliche, die sich mit einer alten Dame solidarisch erklären? Und eine Rentnerin, die sagte, dass sie auch mit den Jungen solidarisch ist und dass sie um ihr Recht auf Wohnen kämpfen müssen.
Auch die Schüler und die Lehrer – das sind doch keine Gegner? Sie sitzen im gleichen Boot, sie sollten zusammen gegen eine Sparpolitik vorgehen, die den einen die Zukunftschancen und den anderen den Berufsethos weg nimmt?
Der Gegner sind Spekulanten, Privatisierung, schrankenloser Neoliberalismus, Kriegstreiberei, – ismen aller Art, Klimawandel, Ungleichheit. Nicht die Boomer, nicht Generation Z oder Alpha.
Und hier im Artikel wird Staatsversagen wieder einmal privatisiert und auf Ehrenamt reduziert. Das ist so ähnlich wie : Wer Hunger hat, kann doch zur Tafel gehen. Damit weiter gemacht werden kann, was gemacht wird, während der freundliche Handwerker oder die gesunde Pädagogin den Hintergrund – Reparaturbetrieb bilden.
Danke das sie es sagen wir müssen aufhören uns von Kulturkampf alt gegen jung deutsche gegen Ausländer heteros gegen queere und arbeitende gegen arbeitslose.
Das alles ist nur Ablenkung damit wir nicht das wahre Problem erkennen das der Wohlstand sich immer weiter nach oben verschiebt und denen reicht es immer noch nicht wir sollen nichts besitzen und das soll uns auch noch gefallen wir sind auf dem besten weg in einen technokratischen neo Feudalismus wenn wir uns nicht wehren.
Teile und herrsche
@Redaktion:
„Eine junge Generation soll Krisen bewältigen, die sie nicht verursacht hat…“
Ist das nicht immer so, dass man die Bedingungen, die vor Beginn der eigenen Existenz geschaffen wurden, nicht beeinflussen konnte?
Das, was Sie monieren, gilt meines Erachtens für jede einzelne Generation – wie immer man sie ansonsten beurteilt, die viel gescholtenen Boomer konnten nichts dafür, dass sie so viele waren – schließlich hatten sie weder sich selbst noch ihre Altersgenossen gezeugt -, und mussten trotzdem mit den Folgeerscheinungen zurechtkommen.
Sind Sie eigentlich immer noch neu hier? @nachgehakt
Wer ist denn hier mit „wir“ gemeint? Ich für meinen Teil sehe mich nicht verantwortlich für die Demografiekrise (3 Kinder), die Wirtschaftskrise, die Sicherheitskrise, die Demokratiekrise und die Infrastrukturkrise. Dass mein Arbeitgeber, der Freistaat Sachsen nicht genug Lehrer eingestellt hat, muss ich seit Jahren gemeinsam mit meinen KuK ausbaden. Wobei es hier ja noch vergleichsweise gut aussieht. Ja, die Klimakrise geht auch auf meine Kosten. Es ist allerdings schwierig, in einem Wirtschaftssystem, das auf maximale Gewinne ausgelegt ist, als Privatperson nachhaltig zu leben. Zumal mit einer großen Familie und mittlerem Einkommen. Da kann man eben nicht immer die teuren Geräte kaufen, die (vielleicht hoffentlich) keine Sollbruchstelle haben. Aber auch da bemühen wir uns nach Kräften. Allerdings ist das wie Schwimmen gegen den Strom, wenn die Politik sich als oberste Prämisse gesetzt hat, den großen Konzernen das Leben so leicht wie möglich zu machen. Mehr als die (in meinen Augen) richtige Partei zu wählen, kann ich da auch nicht tun. Hab ich gemacht. So, und nun?
Was erzählst du da? Ich musste die Folgen des 2. Weltkriegs ausbaden, obwohl ich ihn nicht verursacht habe. Mehr als 45 Jahre gearbeitet und jetzt muss ich mir das Gejammer dieser Generation Unfähig anhören?
Was wir der nächsten Generation meiner Meinung nach v. a. schulden, ist Ruhe und Zuversicht. Das größte Problem, das wir für sie hinterlassen, erwächst aus unserer eigenen Unsicherheit, Ratlosigkeit und der daraus resultierenden Scheu, dann verantwortungsvoll zu handeln, wenn es angezeigt ist.
Das drückt sich auch darin aus, dass man die Anliegen der Jungen nicht abtut, aber auch nicht überhöht oder sich aus falsch verstandenem Tugendbewusstsein bei ihnen anbiedert – aus eigener Verunsicherung heraus.
Sie werden ihren Weg gehen, wir werden abtreten und dann werden sie aus unserer Welt ihre machen, und nach ihnen wird die nächste Generation kommen und an sie dann ebenfalls ihre Forderungen stellen.
Man könnte natürlich politisch vorausschauender handeln als in den letzten 25 Jahren geschehen. Dann hätte man die viel besprochenen Themen erst gar nicht heraufbeschworen. Doch dazu gehört nicht nur strategisch denkendes politisches Personal, sondern auch ein zu einem Urteil fähiger Wähler.
Hier kann sich jeder von uns selbst hinterfragen, ob er immer imstande oder willens war, gegen die eigene Bequemlichkeit zu wählen oder die eigenen Ansichten auf Faktenbasis zu hinterfragen. Wenn wir das herstellen könnten, wäre den Jungen am ehesten geholfen.
„Erkenne die Lage, rechne mit deinen Defekten, gehe von deinem Beständen aus, nicht von deinen Parolen.“
Gottfried Benn
Nein, muss ich nicht.
Auch hier werden klischeehaft die guten Zeiten der Boomer-Generation beschworen! Wer jedoch diese realiter erlebt hat, kommt vielleicht zu einem anderen Ergebnis! Freiwilliges Pflichtjahr für Senioren, na bravo! Vielleicht haben die Boomer schon ihren Wehrdienst oder Zivildienst geleistet! Auch sind nicht alle als Beamte Pensionäre sondern nur Rentner! Diese hatten schon ihre um ein Drittel geringere Nettobezüge, sie bekommen auch nicht an den letzten fünf Jahren orientierte Bezüge, sondern Rentenpunkte gemäss der Erwerbsbiografie! Anerkennung Studienzeiten null! Jetzt werden z.B. angestellte Lehrkräfte in NRW auch nach E13 bezahlt, nur ihre Dienststufen werden von 5 nach 3 herabgestuft! Verlust die letzten 6 Jahre rd. 13600 Euro!
Hatte sich irgendjemand nach Lernbedingungen in der Schulzeit und während des Studiums erkundigt, von bezahlbarem Wohnraum ganz abgesehen! Arbeitsverträgen Geld statt Stellen, Bewerbungsverbot!
Was die maroden Schulen anbelangt, auch die waren nicht besser! Heute frisch renovierte Schultoiletten, vier Wochen später als Tiktok-Challenge zerlegt!
Wer meint er müsse etwas zurückgeben an die Generation Z soll dies bitte vorbildlich tun, Karnevalsorden garantiert!
Wer allerdings meint, dass die Organisation von Events und Protesten mittels Smartphon schon eine beachtenswerte Leistung sei, für den kann man nur hoffen und gönnen, dass die Pflege von denen per Smartphone geleistet wird!
Nebenbei an den Folgen des Klimawandels und der Hitzewellen sind mehr ältere Menschen verstorben! Gut so senkt die Belastung für die Generation Z!
Die Proteste sind zahlenmäßig klein. Was „die Jugend“ meint, ist daran nicht abzulesen. Wenn man das Wahlverhalten der jungen Menschen analysiert, scheinen sie genauso gespalten, wie die Älteren.
Ich bin 66, und seit September in Rente. Zur obigen Diskussion sage ich nur, wir haben beigetragen, wir haben unser Leben gestemmt. Für marode Schulgebäude, schlechte Lehrpläne, Generationenproblem, Klimawandel, Krieg kann ich NICHTS. Ich führe ein normales Leben, fliege nicht in den Urlaub und fahre keine über-PSigen Autos. Ich gebe meinen Kindern Geld, Geld das ich nicht von meinen Eltern bekommen habe, genausowenig das Bonanzarad, das Moped, den Führerschein oder einen Urlaub. Das Studium habe ich durch Jobs am Bau selbst finanziert, mein BAFöG zuruckbezahlt. Und ich war 15 Monate bei der Bundeswehr.
Ich, und meine Generation schulden niemanden etwas. Und wir sind stolz, unser Leben gemeistert zu haben, so wie Generationen vor uns.
Schuld sind die Politmaden, die seit Jahrzehnten das Land an die Wand fahren. Wann ich in Rente gehe, wusste man seit 66 Jahren. Man wusste um das Ponzi-Schema des Rentensystems, und gemacht hat man nichts. Und so geht es mit allen Themen, die Junge betreffen.
Man kann nicht eine Generation in Sippenhaft nehmen. Genausowenig, wie im NS Regime DIE Deutschen Schuld waren. Es waren und sind immer nur DIE, die an der Macht sind, die sich Geld und Posten krallen.
Und fühlige ich mich schuldig und muss der Gesellschaft etwas zurückgeben? Nein, wir hatten unsere Schwierigkeiten, und es waren viel weniger Schwierigkeiten als Generationen vor uns. Unsere Vollkaskojugend jammert auf hohem Ross.
Als „frische“, gesunde Pensionärin (67 Jahre alt) kann ich dem Artikel nur zustimmen und möchte ergänzen, dass gesellschaftliches Engagement sehr erfüllen ist: heute Nachmittag Hausaufgabenbetreuung, am Donnerstag Familienpatin beim Kinderschutzbund. Nichts wie raus aus der Boomer-Bubble!
Man darf auch nicht vergessen, dass die jungen Menschen, die sich wirklich als faul hervortun und dann von vielen offensichtlich als Masstab genommen werden, nicht die sind, die auf den Demonstrationen vertreten sind. Das sind nämlich tatsächlich die, auf die die vielen Vorurteile in der Regel nicht zutreffen.
Ich rede hier natürlich, wie der Autor des Kommentars, natürlich von den friedlich demonstrierenden, deren Ziel wirklich die geforderten Dinge sind.
Bei vielen Dingen gebe ich dem Autor Recht. Hinzufügen möchte ich, dass die Jugendlichen die negativ auffallen wegen Work-Life-Balance, Faulheit usw. auch durch uns Millenials genau so erzogen wurden. Viele werden in einer Welt groß, wo die Familie mit Erziehung nichts mehr zu tun haben möchte, wo die Kinder auch in keinster Weise gefordert sondern maximal überfordert und unterfordert wurden.
Bzgl. des Wehrdienstes muss ich dem Autor allerdings ein wenig widersprechen. Die Generationen, die hier überwiegend aneinander geraten sind Boomer und Gen-Z. Dazwischen liegen die Millenials wie ich. Die Boomer haben allerdings in der Regel alle einen Wehrdienst geleistet. Dass es mal ein paar Jahre ohne Wehrdienst gab, ist in der Geschichte der letzten Jahrzehnte eher die Ausnahme und das Ungewöhnliche, nicht andersherum.
Ich glaube bzgl. des Wehrdienstes und der hohen Ausgaben für das Militär würde jeder gerne instinktiv anders handeln. Wir haben diesbezüglich allerdings ein riesiges Problem, dass sich politisch nicht wegdiskutieren lässt, wenn wir unseren Lebensstandard behalten möchten. Und ich rede hier nicht von dem Lebenstandard „Wohlstand“, sondern von den grundlegenden Dingen und Menschenrechten, die wir alle als selbstverständlich ansehen.
Wenn ein teil der nicht friedlich demonstrierenden sich über Polizeigewalt beschweren, und es wurde sich hier auch schon über Polizeigewalt der Polizei in Frankreich beschwert, dann ist das rein gar nichts dagegen, was uns blühen würde, wenn unsere Demokratie zerstört wird.
Für mich bleibt an der Stelle allerdings die durchaus berechtigte Frage:
Wenn vorher so viel bei den Militärausgaben eingespart wurde, dass wir jetzt so viel nachzuholen haben, warum wurde das Geld vorher nicht sinnvoll und z.B. für Schulen, Schüler und unsere Kinder genutzt? Was wurde vorher mit dem ganzen Geld gemacht?
Bzgl. aller anderen Forderungen der Jugendlichen (unabhängig von Wehrdienst und Militär), unterstütze ich diese überwiegend und finde sie auch berechtigt. Die beiden ausgeklammerten, sehe ich leider als frembestimmt und kaum verhandelbar an.
„Wenn vorher so viel bei den Militärausgaben eingespart wurde, dass wir jetzt so viel nachzuholen haben, warum wurde das Geld vorher nicht sinnvoll und z.B. für Schulen, Schüler und unsere Kinder genutzt?„
Weil Landesverteidigung Bundesangelegenheit ist, Schulbildung aber Ländersache.
Welchen Anteil die Ausgaben pro SuS an allgemeinbildenden Schulen in den Bundesländern jeweils haben, lässt sich hier nachlesen.
Bestandsranking, sortiert nach relative Bildungsausgaben (allgemeinbildende Schulen) – INSM Bildungsmonitor 2026 – INSM
Das machen die Älteren doch, denn jede Generation sucht auf der Basis eigener Erfahrungen für die Probleme im Land nach zeitgemäßen Lösungen. Das ist doch immer schon so gewesen, nur haben da eben nicht alle die gleichen Vorstellungen, was die Probleme sind und was ihre Ursachen und vor allem, wie man sie löst. Diese unterschiedlichen Vorstellungen darüber verkörpern die politischen Richtungen (ganz links, links, links-mitte, mitte, mitte-rechts, rechts, ganz rechts), die sich in Parteien organisieren. Diese Parteien entwickeln dann entsprechende Vorhaben und Ziele und wir stimmen darüber ab, welche wir für gut befinden und da sind wir ja offensichtlich auch alle unterschiedlicher Meinung. Da ist keine Selbstgerechtigkeit, da sind einfach verschiedene Konzepte. Die sind alle da. Die werden auch alle immer wieder an die Zeit angepasst. Und welche verwirklicht werden, entscheidet sich in Wahlen. Eventuell unterliegt man dabei mit den eigenen Vorstellungen. Dann bedeutet es nicht, dass die anderen keine haben. Sie haben andere Vorstellungen!
Nur doof, dass die jungen Menschen entweder noch nicht wählen dürfen oder in der Minderheit sind. Was nun? Pech gehabt?
Ich bin ehrlich gesagt als Millennial zunehmend entsetzt über die Kommentare und Ansichten meiner Eltern-Generation gegenüber jüngeren Menschen.
Die Auswirkungen des demographischen Wandels sind seit Jahrzehnten bekannt. Jeder, der politisch versucht hat diese Probleme aufzuzeigen wurde von eben jener Generation der Baby-Boomer politisch abgewürgt. Und genau diese Generation stellt sich nun hin und erklärt, dass sie als Einzelperson ja nix dafür könne, sondern DIE Politiker schuld seien.
Nicht nur das, oftmals wird der Generationenkonflikt gleich komplett negiert. DIE DA OBEN sollen dann die Schuldigen sein. Mit Verlaub, aber fast jeder der 65+ in meinem Leben (egal ob Familie oder Nachbarschaft) wohnt im Schnitt auf deutlich über 50qm Wonfläche pro Person. Keiner von denen sieht sich als Teil von DENEN DA OBEN. Aber Wohnraum ist nunmal nicht beliebig erweiterbar. Es ist ein Konflikt, wenn junge Erwachsene und Familien keinen Wohnraum finden, weil die älteren Generationen dort nuneinmal drinnen wohnen.
Die Auswirkungen des demographischen Wandels auf das Gesundheitssystem erlebe ich leider im Familienkreis selber. Mein Vater, der Zeit seines Lebens selber nie krank war, verbringt inzwischen die Zeit primär im Krankenhaus. Da sind alleine im letzten Jahr so viele Kosten entstanden, so viel kann er gar nicht einbezahlt haben. Vor allem, wenn man bedenkt, dass meine Mutter natürlich nicht selber gearbeitet hat, sondern mitversichert war. Selbst diejenigen, die nun noch glauben, dass sie ja immer nur eingezahlt haben in die Kassen, sollten sich bewusste machen was durch den technologischen Fortschritt da in den letzten Lebensjahren, die man meist nunmal leider im kränkeren ZUstand verbringt, für Kosten entstehen werden. Das funtkioniert über ein Umlagesystem nicht – und das weiß man seit Jahrzehnten.
Was die angebliche Faulheit angeht: Meine Schulzeit bestand primär aus 5-7 Stunden am Tag, 10 Minuten Hausaufgaben und dann spielen. Vor Klausuren kurz ein paar Stunden lernen und gut ist. Schon bei meinen 10 Jahre jüngeren Schwestern zogen die Anforderungen deutlich an. Nun gibt es bei meinem Sohn schon in der 1. Klasse jede Woche Bewertungen wie gut er seine Aufgaben in der Schule gemacht hat, die wir Eltern dann abzeichen müssen. Und da soll ich nun ernsthaft glauben, dass es jüngere Generationen leichter haben und die fauler sein sollen? Der Druck ist in meiner Wahrnehmung deutlich gestiegen.
Für Social-Media und die Auswirkungen von durchgängiger Smartphone Nutzung auf Kinder hat sich übrigens lange niemand interessiert. Unsere Grundschule funktioniert noch heute mit Karteikarten über die Schüler und die älteren Lehrer sind damit überfordert einen E-Mail Verteiler einzurichten. Gerade LehrerInnen der Boomer-Generation sollten sich da da mal fragen, was pädagogisch jahrelang schiefgelaufen ist, dass dieses Thema so unterm Radar gelaufen ist, statt über die Handynutzung der jungen Generationen zu schimpfen (auch wenn man die entsprechenden LehrerInnen vermutlich nicht unbedingt hier auf der Seite findet).
Jede Generation hat ihre Herausforderungen, aber auch ihre Vorteile. Bei den Babyboomern stecken Herausforderungen und Vorteile ja schon in der Wortwahl selber: Es gab und gibt einfach sehr viele. Und ja: Ich kann völlig verstehen, dass man nun müde und und gerne genauso wie die älteren Generationen der letzten 3000 Jahre primär auf die Jugend schimpfen möchte. Aber diesen Luxus kann man der Generation nicht geben. Wir haben nunmal inzwischen ein allgemeinen und gleiches Wahlrecht und die Boomer-Generation entscheidet maßgeblich über die Wahlen und damit über die Entwicklung des Landes. Und dieser Verantwortung muss nun jeder einzelne gerecht werden.
Ich verstehe ihren Beitrag nicht ganz. Irgendwie geht es auch nur ums meckern ohne Lösungen aufzuzeigen. Oder sollte man Menschen ab 70 mit Glückwünschen auch gleich eine eingeschränkte Krankenversicherung schenken? Und ab 80 eine kostenlose Mitgliedschaft in einem Selbstmordclub um die Kosten zu senken? (Sarkasmus). Und was die Handynutzung betrifft, ich habe schon vor 10 Jahren in der Berufsschule bei den Lehrlingen absolute Suchterscheinungen festgestellt. Wehe ich habe jemanden das Handy im Unterricht weg genommen und auf den Lehrertisch gelegt, manche Lehrlinge haben reagiert als ob man einem Alkoholiker eine Flasche Schnaps ausser Reichweite hinstellt.
Und ich glaube kaum, dass es heutzutage noch Lehrer gibt die sich mit email nicht auskennen ( bin selber fast 70 ).
Bei den Wahlen bin ich bei ihnen, aber wenn man Statistiken trauen kann wird mir Angst wie viele junge Leute die Blauen wählen, insofern bin ich über unser jetziges Wahlrecht froh.
„Ich verstehe ihren Beitrag nicht ganz.“
Das glaub ich Ihnen total. Daher wäre meine Empfehlung auch einfach mal zuzuhören anstatt direkt mit sarkastischen Kommentaren anzukommen.
Handynutzung funktioniert übrigens wie eine Sucht – da werden gerade bei vielen Social Media Formaten – sehr ähnliche Gehirnareale angesteuert. Anstatt sich darüber zu beschweren, dass diese jungen Leute sich wie ein Alkoholiker verhalten haben, hätte man durchaus erkennen können, dass eben Mechanismen einer Suchterkrankung vorliegen. Hat halt niemanden interessiert. Und jetzt soll man sich über genau die jungen Menschen beschweren, die man vorher in ihrer Jugend jahrelang mit dem Smartphone alleine gelassen hat? Ich würde mich über die Leute beschweren, die als Eltern oder auch als Lehrer die Verantwortung hatten und ihr nicht gerecht geworden sind.
Ich meine hier nur auf die Boomer zu schauen, das greift zu kurz. Die Forderungen der Proteste an die Politik sind klar formuliert. Nur, hier wird nicht formuliert, was die Junge Union als „Unterstützung“ der Proteste gleich wieder fordert:Die von Merz geplante „Rentenreform“ umzusetzen. Noch mal länger arbeiten und das Rentenniveau, was international schon ziemlich weit unten ist, weiter zu senken. Es gab für die Boomer bereits Reformen, Erhöhung der Lebensarbeitszeit um 2 Jahre, Absenkung des Rentenniveaus von 52,9% auf 48%.Die Boomer haben viel Veränderung tragen müssen,im Osten nach der Wende hohe Arbeitslosigkeit,durch Plattmachen der Wirtschaft,staatlich über die Treuhand gefördert, im Westen folgte dann auch, dass ein einst gutes Einkommen allein für eine Familie nicht mehr reichte.Das Bildungssysten wurde massiv runtergefahren,eingespart,besonders in christlich-konservativ regierten BL. Die €uro-Einführung hat das Leben seinerzeit von heut auf morgen massiv verteuert,teils wurde,selbst im Großhandel,bei Produkten z. Bsp. der Preis von 20 DM auf 20 € umgepreist, was lt Umrechnungskurs eigentlich 10€ hätte kosten müssen.Ich kann mich noch an ein Urteil erinnern,wo ein Gericht in Thüringen beklagten Arbeitgebern in den nuller Jahren Recht gab,dass mickrige 4,50€/Std Lohn für Frisöre ausreichend sind,da sie ja Trinkgeld bekämen.Nur,das brauchten sie,um über die Runden zu kommen. Davon ging aber nichts in die Renten-oder GKV, Arbeitgeber brauchten keine höheren Löhne mit anteilsmäßigen Abgaben zahlen. Wir kennen alle die Diskussionen über steigende Altersarmut, trotz langer Arbeitsbiografie.
Watt war da mit Zechenschließungen und Stahlkrise, Werftenschließungen, Schließung des Opelwerkes in BO?
Leute, in NRW leben mehr Menschen als in den FNBL einschl. Westberlin. Warum ist man in MV, BB, ST und SN der Meinung, dass der Arbeitsplatz Bau im Westen für die Menschen einfacher war?
Der Verlust des Arbeitsplatzes bei GHH in Oberhausen oder bei Thyssen in DU-Ruhrort ist auch nicht anders gewesen als der in einem VEB oder Kombinat im Osten.
Mir geht es um eine ganz andere Frage: Es geht mir überhaupt nicht darum, ob junge Menschen politisch klüger oder leichter beeinflussbar sind als ältere. Dafür gibt es in beiden Altersgruppen genügend Gegenbeispiele.
Ich habe einfach einmal versucht, mich als Vater von vier erwachsenen Kindern und als Großvater in die Perspektive der jüngeren Generation hineinzuversetzen.
Das gleiche Wahlrecht steht für mich außer Frage. Daran gibt es nichts zu rütteln.
Ich habe aber den Eindruck, dass sich viele junge Menschen mit ihren Sorgen und Zukunftsfragen politisch nicht ausreichend wahrgenommen fühlen. Das kann ich gut nachvollziehen.
Meine eigentliche Frage ist deshalb: Wie können wir dafür sorgen, dass die Interessen der jüngeren Generationen, die mit den Folgen heutiger politischer Entscheidungen noch viele Jahrzehnte leben werden, stärker berücksichtigt werden, ohne das Prinzip der Wahlgleichheit anzutasten?
Die Kriegsgefahr, der Anstieg der Lebenshaltungskosten, das Warten auf Facharzttermine usw. betreffen doch alle Generationen gleich.
Ob ich nun als Jüngerer Angst um die zukünftige Rente habe oder jetzt als Älterer mit meiner Rente die Kosten für die Pflege nicht aufbringen kann oder Grundssicherung beantragen muss, ist doch schlussendlich ein und dasselbe.
Sind Zukunftssorgen anders zu bewerten, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung geringer ist?
„Sind Zukunftssorgen anders zu bewerten, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung geringer ist?“
Das ist eine moralische Frage natürlich, aber die meisten Menschen würden das wohl bejahen. Wer nächste Woche eh damit umrechnet tot umzukippen, dem ist auch die Kriegsgefahr oder der Klimawandel eher egal und er dürfte das nachrangiger beurteilen als jemand, der damit rechnet noch 60 Jahre leben zu können.
Davon abgesehen betreffen die Auswirkungen natürlich auch die Generationen unterschiedlich. Glauben Sie etwa der durchschnittliche 70jährige würde im Kriegsfall zur Waffe gerufen werden?
Haben Sie schonmal als Neupatient versucht einen Facharzttermin zu bekommen? Wer da schon seit 20 Jahren hingeht, der hat es einfacher als jemand, bei dem das gesundheitliche Problem zum ersten mal auftritt..
Natrlich treffen Lebenserhaltungskosten alle Menschen mit niedrigen Einkommen gleich. Aber wer hat denn das niedrige Einkommen im Schnitt eher? Der 20jährige in Ausbildung oder der 70jährige in Rente. Die Statistik ist hier sehr eindeutig.
Wer leidet primär unter den hohen Mietpreisen bei Neuvermietung? Der 70jährige, der seit 30 Jahren in der Wohnung lebt oder die 30jährigen, die zwecks Familiengründung oder Beruf umziehen müssen?
„Sind Zukunftssorgen anders zu bewerten, wenn die durchschnittliche Lebenserwartung geringer ist?“
Psychologisch und ökonomisch gesehen: Jap.