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Facebook: Niedersachsen erlaubt Lehrern private Kontakte zu Schülern

HANNOVER. Niedersachsens Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) mag private Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern nicht verbieten – und stellt sich damit gegen den Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johann-Wilhelm Rörig. Der fordert, dass Lehrer berufliche und private Kontakte klar trennen.

Für Lehrer gar nicht so leicht: der richtige Umgang mit Facebook;  Foto: Alexander Klaus / pixelio.de

Für Lehrer gar nicht so leicht: der richtige Umgang mit Facebook; Foto: Alexander Klaus / pixelio.de

Private Kontakte zwischen Lehrern und Schülern in sozialen Netzwerken wie Facebook sind nach Ansicht des niedersächsischen Kultusministeriums nicht generell zu verurteilen. «Den Lehrkräften muss aber grundsätzlich klar sein, dass sie ihrer Vorbildfunktion nur dann gerecht werden, wenn sie bei der Nutzung dieser Medien die entsprechende Seriosität walten lassen und keine Distanzverletzungen erfolgen», heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage der FDP im Landtag. Die Regierung könne nicht durch Handlungsaufträge, Handlungsempfehlungen oder Auflagen etwas regeln, das dem freien Recht der Nutzung unterliege, heißt es in Hannover.

Johann-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, hatte dagegen noch vor kurzem in einem Interview mit der Lehrerzeitschrift Forum Schule erklärt, „aus meiner Sicht ist zum Beispiel die Trennung von beruflichen und privaten Kontakten klar zu regeln“. Bei Besuchen etwa von Schülern bei einer Lehrkraft zu Hause sei es wichtig, dass solche Treffen nicht im Geheimen stattfinden und private Zusammenkünfte außerhalb der Schule der Schulleitung mitgeteilt würden. „Ähnlich klare Regeln kann es auch für alle anderen Bereiche geben. So könnte in einem Verhaltenskodex beispielsweise stehen, dass nach dem Sportunterricht kein Kind gezwungen wird zu duschen. Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken sollten von Lehrerinnen und Lehrern grundsätzlich abgelehnt werden, da sich hierbei Privatsphäre und berufliche Sphäre vermischen“, sagte Rörig. Er betonte allerdings auch, dass solche Umgangsregeln vor Ort gemeinsam entwickelt werden müssten, wenn sie Akzeptanz und Anwendung finden sollen.

Kein Konsens beim Thema Facebook absehbar

Die Debatte, ob Lehrer und Schüler via Facebook Kontakt haben dürfen, läuft seit Monaten – ohne dass sich ein breiter Konsens dazu abzeichnen würde. Die Meinungen gehen bei dem Thema weit auseinander. Der CDU-Medienpolitiker und Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek forderte unlängst sogar eine verpflichtende Teilnahme von Lehrern bei Facebook. „Wir brauchen eine Facebook-Pflicht für Lehrer. Lehrer müssen einfach wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren und was dort abläuft. Nur dann können sie ihren Schülern einen vernünftigen Umgang damit beibringen“, sagte. Da Internet und soziale Netzwerke sich ständig änderten, müssten Lehrer verpflichtet werden, sich hier ständig auf dem Laufenden zu halten.

Der Verein Ensible schlägt in die gleiche Kerbe. Er bietet im nordrhein-westfälischen Brilon ein Projekt „Social Network Training – Web 2.0“ für Schüler der Jahrgangsstufen 7 und 8, um ihnen einen bewussten, umsichtigen Umgang mit sozialen Netzwerken zu vermitteln. Die Initiatoren beobachten laut dem Nachrichtenportal „Der Westen“ einen weitverbreiteten naiven Umgang mit Facebook, das „die Kinder von morgens bis abends begleitet“. Sie raten Pädagogen, sich in jedem Fall in sozialen Netzwerken zu bewegen. „Lehrer sollten auch bei Facebook sein sollten, um zu wissen, was da los ist.“

VBE gegen Facebook-Pflicht für Lehrer

Widerspruch dazu kommt vom Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE). Es sei zwar wichtig für Lehrer, befand VBE-Chef Beckmann, den richtigen Umgang mit Facebook und Co. zu lernen und Schüler für ihren Umgang mit dem Internet zu sensibilisieren. „Lehrer müssen wissen, wie Facebook und andere soziale Netzwerke funktionieren, aber es darf daraus nicht die Pflicht abgeleitet werden, dass sie auch selbst zwingend bei Facebook angemeldet sein müssen”, meint er.

Beckmann fordert Modellprojekte an Schulen. „Schüler sind Schutzbefohlene, Lehrer sollten nicht, wie im Privatleben, einfach Freundschaft mit ihnen schließen. Die professionelle Distanz muss dringend gewahrt bleiben”, sagt er. Für denkbar hingegen hält er geschlossene Gruppen, die Lehrer für ihre Schüler einrichten, in denen sie sich dann zum Beispiel über Unterrichtsinhalte, Klassenfahrt-Planungen oder Stundenausfall austauschen.

Wie problematisch es sein kann, dass es keine klaren Richtlinien für Lehrer im Umgang mit sozialen Netzwerken gibt, bekam ein Lehrer an einer kirchlichen Schule in Bayern unlängst zu spüren: Er wurde wegen privater Facebook-Kontakte zu Schülern zeitweilig vom Dienst suspendiert, obwohl an der Art der Kommunikation nichts auszusetzen war.

News4teachers / mit Material von dpa (11.11.2012)

Hier gibt es Unterrichtseinheiten zum richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken

Zum Bericht: “Facebook wird in Niedersachsen zum Pflichtstoff – Fortbildung für Lehrer”

2 Kommentare

  1. Ich muss dem VBE Recht geben – ein Lehrer hat bei Facebook in Bezug auf Kontakte mit Schülern nichts zu suchen. Es gibt genug Möglichkeiten, sich auszutauschen und da reicht auch die E-Mail-Adresse der Schule. Diese hat jede Schule, so dass dann problemlos die Kommunikation an den Kollegen weitergeleitet werden kann. Und die Organisation von Schulveranstaltungen wird sowieso über des Medium Papier geführt.
    Für den Umgang mit dem Medium Computer gibt es im Allgemeinen gut ausgebildete Informatiklehrer, die ganz sicher im Kollegium über Sinn und Unsinn sozialer Netzwerke informieren können.
    Ich kann den oben genannten Befürwortern der Facebook-Pflicht für Lehrer nur ganz uneigennützig die Lektüre eines renommierten Computertechnik-Verlages ans Herz legen, der zum Thema Soziale Netzwerke ein gut recherchiertes Sonderheft raus gebracht hat. Ich bin mir sicher, dass einige Argumente dann hinfällig sind.

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