MÖRFELDEN-WALLDORF. Seit einem Vierteljahrhundert gehört es zu den hartnäckigsten Problemen des deutschen Bildungssystems: Wie erfolgreich Kinder in der Schule sind, hängt stark davon ab, aus welchem Elternhaus sie kommen. Ausgerechnet eine riesige integrierte Gesamtschule in Hessen zeigt nun, dass es auch anders gehen kann. Die Bertha-von-Suttner-Schule bringt auffallend viele Jugendliche aus sozial schwierigen Verhältnissen zu höheren Abschlüssen, als ihnen nach der Grundschule zugetraut wurden – und ist dafür mit dem Hauptpreis des Deutschen Schulpreises 2026 ausgezeichnet worden. Was lässt sich aus diesem Erfolg für ein Schulsystem lernen, das Kinder schon früh auf unterschiedliche Schulformen verteilt?

Kemal hat ein Problem. Eigentlich sogar mehrere, und an diesem Vormittag liegen sie auf einem Tisch in der Bertha-von-Suttner-Schule: Bücher, lose Kopien, Fußballschuhe, Feuchttücher, kleine Steine, Pausenbrot, Stifte. Immer mehr Dinge holt der Sechstklässler aus seinem Rucksack. Selbst er scheint überrascht, was sich darin alles findet. Neben ihm sitzt seine Lehrerin Donya Hashemi. Sie schimpft nicht. Sie geht mit ihm durch, was er wirklich für die Schule braucht. Den Atlas jedenfalls nicht – seit einem Jahr schon nicht mehr. Kemal erklärt, er sei eben „Typ Sicherheit“, er schleppe lieber alles mit, bevor er etwas vergesse.
Beobachtet hat diese Szene die Journalistin Florentine Anders bei einem Besuch für das Deutsche Schulportal. Was hier zunächst wie eine Aufräumhilfe bei einem chaotischen Schulranzen aussieht, ist Teil eines systematischen Förderkonzepts. Kemal sitzt nicht im regulären Unterricht, sondern in „IFI“, der „Individuellen Förderung und Intervention“. Sein Klassenlehrer hat in den ersten Wochen des Schuljahres festgestellt, dass der Sechstklässler Unterstützung braucht, um seinen Schulalltag besser zu organisieren. Also bekommt er sie.
Nicht irgendwann. Nicht erst, wenn sich die Schwierigkeiten in den Noten niederschlagen. Und auch nicht zusätzlich am Nachmittag, wenn andere längst zu Hause sind. Die Förderung findet während der regulären Unterrichtszeit statt. Förderung soll einsetzen, sobald ein konkreter Bedarf sichtbar wird – und nicht erst, wenn sich Lernlücken verfestigt haben.
Die IFI-Förderung gibt es an der Schule seit 2013. Die Klassenlehrkraft identifiziert einen konkreten Förderbedarf, unterstützt von einer sogenannten Hausleitung. Lernstände und Tests werden regelmäßig ausgewertet. Anschließend arbeitet eine Lehrkraft einmal wöchentlich in einer kleinen Gruppe an der jeweiligen Schwierigkeit. Bei Kemal geht es um Arbeitsorganisation, bei anderen Kindern um Bruchrechnung oder Satzglieder. Nach sechs Wochen endet die Intervention zunächst. Die Fortschritte werden in der schuleigenen digitalen Plattform dokumentiert. „IFI soll nie als Strafe oder Nachsitzen empfunden werden, eher als ein Privileg“, erklärt Schulleiterin Ute Zeller gegenüber dem Deutschen Schulportal.
Darin steckt ein Grundprinzip der Schule: Das Kollegium wartet möglichst nicht ab, bis ein Kind endgültig den Anschluss verliert. Es versucht, Lernprobleme früh zu erkennen, möglichst genau zu bestimmen und mit einer begrenzten Intervention darauf zu reagieren.
Förderung beginnt an der Bertha mit einer möglichst genauen Diagnose. Schon beim Eintritt in die Schule werden diagnostische Daten erhoben; auch Informationen aus den Grundschulen fließen in die pädagogische Arbeit ein. Klassen- und Hausleitungen werten Lernstände und Tests aus; während einer IFI-Phase werden die Fortschritte dokumentiert.
Daten dienen dabei nicht nur dazu, Leistungen im Nachhinein festzuhalten. Auch die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler werden systematisch erhoben. In Fokusgruppen fragt die Schule regelmäßig nach ihrer Zufriedenheit, die Ergebnisse werden im Kollegium diskutiert und können zu Veränderungen führen. Ähnlich verfährt sie mit neuen Unterrichtskonzepten: Sie werden ausprobiert und überprüft; was sich bewährt, kann auf die ganze Schule übertragen werden, was nicht funktioniert, wird verändert oder verworfen.
Dass dieser Aufwand ausgerechnet an einer der größten Gesamtschulen Deutschlands betrieben wird, ist bemerkenswert. Rund 2.000 Schülerinnen und Schüler besuchen die Bertha-von-Suttner-Schule zwischen Mörfelden und Walldorf nahe dem Frankfurter Flughafen, etwa 250 Lehrkräfte arbeiten dort. Rund 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben nach einem Bericht der Zeit eine Migrationsgeschichte. Das Deutsche Schulportal berichtet, 86 Prozent lebten in schwierigen sozioökonomischen Verhältnissen und seien auf staatliche Leistungen angewiesen. Nach Angaben der Zeit kommen nur rund 15 Prozent der Fünftklässler mit einer Gymnasialempfehlung an die Schule. Am Ende erreichen jedoch deutlich mehr die Hochschulreife: Im Schuljahr 2025/26 waren es demnach rund 40 Prozent eines Jahrgangs.
„Während die Klassenleitung viel Organisatorisches leisten muss und für den richtigen Umgang in der Klasse sorgt, ist die Hausleitung für individuelle Eins-zu-Eins-Gespräche da, die sie ganz ohne Bewertung oder Ordnungsmaßnahmen führen kann“
Für das Kollegium bedeutet Förderung mehr als zusätzliche Förderstunden. Es hat Strukturen geschaffen, mit denen Schwierigkeiten überhaupt sichtbar werden sollen. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Hausleitungssystem. Die Klassen der Jahrgänge 5 bis 10 sind in sechs sogenannte Häuser aufgeteilt, jedes davon wird von zwei Lehrkräften geleitet. Die beiden teilen sich die Zuständigkeit; jede Hausleitung ist nach Angaben der Schule Ansprechpartner für drei bis vier Klassen.
Diese Hausleitungen begleiten die Schülerinnen und Schüler über Jahre hinweg und führen mit ihnen individuelle Gespräche über ihre Lernentwicklung. Sie bilden damit eine zusätzliche Betreuungsebene neben der Klassenleitung. Wenn Förderbedarf entsteht, arbeiten Klassenleitung und Hausleitung mit Fach- und Förderschullehrkräften sowie der Schulsozialarbeit zusammen.
„Während die Klassenleitung viel Organisatorisches leisten muss und für den richtigen Umgang in der Klasse sorgt, ist die Hausleitung für individuelle Eins-zu-Eins-Gespräche da, die sie ganz ohne Bewertung oder Ordnungsmaßnahmen führen kann“, sagt Zeller dem Deutschen Schulportal. Die Idee dahinter: Wer wissen will, warum ein Kind nicht lernt, muss mehr kennen als seine Klassenarbeit. Klassenleitung, Hausleitung, Sozialarbeit und Förderschullehrkräfte stehen deshalb miteinander in Kontakt und treffen sich regelmäßig zu runden Tischen. Schwierigkeiten sollen nicht bei einer einzelnen Lehrkraft hängenbleiben.
Zeller sagt: „Die Hausleitungen wurden zu dem, was man heute als Gamechanger bezeichnen würde.“
Ausgerechnet die Größe der Schule wird so zur Ressource. Rund 250 Lehrkräfte bringen unterschiedliche Kompetenzen mit, hinzu kommen weitere pädagogische Professionen. Die entscheidende Leistung der Schulorganisation besteht darin, diese Kräfte zu bündeln: Verantwortung für ein Kind soll nicht bei einer einzelnen Lehrkraft liegen, sondern dort zusammenkommen, wo Lernprobleme erkannt, Förderung organisiert und ihre Wirkung überprüft werden.
Das war keineswegs immer so.
Als Zeller vor 20 Jahren die Leitung übernahm, war das Kollegium laut Zeit tief zerstritten. Zwischen den Lehrkräften der Sekundarstufe und der Oberstufe verlief im Lehrerzimmer sogar als Raumteiler eine echte Mauer. Zeller ließ sie abreißen.
Die Schulverwaltung erwog damals, die Oberstufe von der Gesamtschule abzukoppeln. Zeller entschied sich für den entgegengesetzten Weg. Die verschiedenen Bildungsgänge sollten enger zusammenarbeiten, nicht weiter auseinanderdriften. Heute besuchen rund 500 Schülerinnen und Schüler die Oberstufe.
Für Zeller ist diese Durchlässigkeit auch biografisch begründet. „Ich komme nicht aus einem akademischen Elternhaus, mein Vater war Polizist, meine Mutter kümmerte sich um den Haushalt“, sagt sie dem Deutschen Schulportal. Weder ihre Eltern noch sie selbst hätten damals damit gerechnet, dass sie einmal Abitur machen und studieren würde.
An der Bertha soll deshalb nicht die soziale Herkunft darüber entscheiden, wie weit ein Kind kommt. Dafür reicht es nach der Erfahrung der Schule allerdings nicht, Schülerinnen und Schüler einfach länger gemeinsam lernen zu lassen. Das Kollegium muss auch seinen Unterricht entsprechend verändern.
Das zeigt sich besonders bei der Sprachbildung. Jan Krug, Lehrer und Leiter der Abteilung Unterrichtsentwicklung, berichtet der Zeit von seit Jahren abnehmenden Sprachkenntnissen und schwacher Lesekompetenz. Für Lehrkräfte folge daraus, dass sie mehr sprachliche Hilfen bereitstellen müssten – mit Glossaren, Wortgerüsten und anderen Unterstützungsangeboten, bei Bedarf bis weit in die höheren Jahrgänge hinein.
Entscheidend ist dabei: Die fachlichen Anforderungen sollen deshalb nicht sinken.
Sprachbildung wird vielmehr als Aufgabe aller Fächer verstanden. Auch eine Mathematik-, Chemie- oder Geschichtslehrkraft muss demnach berücksichtigen, ob Schülerinnen und Schüler überhaupt über die sprachlichen Mittel verfügen, die sie benötigen, um einen fachlichen Inhalt zu verstehen und ihr Wissen zu zeigen.
„Ich weiß jetzt genau, was ich tun muss, um gute Ergebnisse zu erreichen. Oft lerne ich mit meinen Freunden zusammen, wir machen uns Lernzettel für die Klassenarbeiten und hören uns gegenseitig ab“
Wie weit solche Förderung führen kann, zeigt Alexander. Der 16-Jährige besucht inzwischen die elfte Klasse. In der Grundschule stand er nach eigener Erinnerung in allen Hauptfächern zwischen vier und fünf. Ihm wurde empfohlen, die vierte Klasse zu wiederholen. Alexander und seine Mutter entschieden sich dagegen. Nach dem Wechsel an die Bertha musste er zunächst erhebliche Lücken schließen. Später veränderten sich seine Leistungen grundlegend. Aus Vieren wurden Einsen und Zweien.
„Ich weiß jetzt genau, was ich tun muss, um gute Ergebnisse zu erreichen. Oft lerne ich mit meinen Freunden zusammen, wir machen uns Lernzettel für die Klassenarbeiten und hören uns gegenseitig ab“, erzählt er dem Deutschen Schulportal. Seine Geschichte verweist auf eine pädagogische Grundannahme, die für die Arbeit des Kollegiums entscheidend ist: Der Leistungsstand, mit dem ein Kind an die Schule kommt, wird nicht als Prognose dafür behandelt, welchen Abschluss es später erreichen kann.
Auch Octavian bekam Zeit. Er kam mit elf Jahren aus Rumänien nach Deutschland und sprach zunächst kein Deutsch. Fast zwei Jahre besuchte er eine Intensivklasse. Anschließend wechselte er in den regulären Unterricht. Heute sitzt auch er in der elften Klasse und will Abitur machen. „Eigentlich ist es gar nicht so mutig“, sagt er dem Deutschen Schulportal. „Ich weiß ja, dass ich Unterstützung habe von meinen Freunden und von den Lehrern.“
Unterstützung bedeutet an der Bertha allerdings nicht, Schülerinnen und Schüler möglichst lange vor Anforderungen zu schützen. Das Kollegium versucht vielmehr, Förderung und Leistungserwartungen miteinander zu verbinden. Wer Schwierigkeiten hat, bekommt nicht automatisch niedrigere Ziele, sondern zusätzliche Hilfen, um diese Ziele erreichen zu können.
Dass dieses Prinzip auch für die Lehrkräfte selbst gilt, zeigt die Entwicklung des selbstgesteuerten Lernens an der Schule. Die Bertha hatte das Konzept von einer anderen Schule übernommen. Doch nach zwei Jahren zeigte die interne Evaluation nach Angaben des Deutschen Schulportals, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zurückgegangen waren. Viele Lehrkräfte wollten den Versuch beenden.
Die Schulleitung hielt nicht einfach am eingeschlagenen Weg fest. Sie ließ untersuchen, warum das Konzept nicht funktionierte. Jan Krug arbeitete sich dafür nach Angaben des Schulportals intensiv in die Forschung zum selbstgesteuerten Lernen ein. Dabei zeigte sich aus Sicht der Schule, dass Instruktionsphasen zu kurz gekommen waren sowie Struktur und Bindung vernachlässigt worden waren. Krug brachte die Erkenntnisse ins Kollegium, Fortbildungen wurden organisiert, das Konzept verändert.
Selbstständiges Lernen bedeutete fortan also nicht mehr, die Schülerinnen und Schüler möglichst weitgehend sich selbst zu überlassen. Die Schule stärkte wieder die Anleitung durch die Lehrkräfte und verband eigenständiges Arbeiten stärker mit Struktur und persönlicher Begleitung. Das Schulportal spricht von einer „entscheidenden Wende zu einer neuen Lehr- und Lernkultur“.
Kemal steht dabei noch ganz am Anfang. Gerade versucht er erst einmal, seinen Rucksack in Ordnung zu bringen. Beim nächsten IFI-Termin will er lernen, seine Hefter übersichtlicher zu führen und sein Schriftbild zu verbessern. Und vielleicht klappt es noch mit der Fußball-AG, für die er sich zu spät angemeldet hat. Seine Lehrerin Donya Hashemi will beim zuständigen Kollegen nachfragen.
Kemal träumt davon, irgendwann von einem Fußballscout entdeckt zu werden.
Das Kollegium der Bertha verlässt sich lieber nicht darauf, dass jemand zufällig sein Talent entdeckt. News4teachers









Die Sieger-Schule ist keine echte Gesamtschule, weil parallel dazu noch andere Schularten existieren. Echte Gesamtschulen findet man in (mit Ausnahme Österreich) allen anderen vergleichbaren Ländern, die meisten davon schneiden in internationalen Vergleichsstudien besser als Deutschland ab.
Das selektierende Schulsystem galt schon bei seiner (Wieder)einführung nach dem 2.WK als nicht mehr zeitgemäß.
Ja, lasst es uns machen wie die Schweden! Eine Schule für alle, und eine andere für die oberen 20 Prozent, die sich den massenhaften Exodus aus der konformistischen Monokultur leisten können.
„Eine Schule für alle, und eine andere für die oberen 20 Prozent, die sich den massenhaften Exodus aus der konformistischen Monokultur leisten können.“
Na, dieser „Exodus“ ist ja in Deutschland mit dem Gymnasium staatlich organisiert. Und warum picken Sie sich nur Schweden raus? Sie könnten auch auf alle anderen liberalen Demokratien verweisen, die bei internationalen Vergleichsstudien vor Deutschland und Österreich liegen, da gibts einige. Alle mit Gesamtschule.
In Ihrer Welt hätten dann alle Länder außer Deutschland und Österreich eine „konformistische Monokultur“. Merken Sie selber, dass diese billige Polemik nicht recht zieht, oder?
“ allen anderen vergleichbaren Ländern, die meisten davon schneiden in internationalen Vergleichsstudien besser als Deutschland ab.„
Dann nennen Sie einfach mal konkrete Beispiele und warum Sie diese Länder für vergleichbar halten.
Als „vergleichbar“ bezeichne ich liberale Demokratien. Diese haben (mit Ausnahme Deutschland und Österreich) alle Gesamtschulen.
Dieses nicht zeitgemäße Schulsystem hat die Generationen von gut gebildeten Bürgern geschaffen, denen wir unseren Wohlstand verdanken.
Bergab geht es mit der Bildung, seitdem zu sehr der Schüler statt der Bildung in den Fokus rückt. Klar, man fühlt sich gerne als der Held, wenn man mit Inklusion und Binnendifferenzierung die „Benachteiligten“ (d.h. schwachen) Schüler zusammen mit den starken unterrichtet. In Wirklichkeit bietet man letzteren aber nur eine suboptimale Bildung.
Jemand, der behauptet, er könne binnendifferenziert ebenso effektiv unterrichten wie in homogenen Lerngruppen, macht sich etwas vor.
Und natürlich merken die schwachen Schüler auch den Unterschied zu den Starken. Das kratzt zurecht an deren Selbstwertgefühl. Was wohl passiert, wenn der Unterschied noch größer wird, indem man noch die Gymnasial-Schüler mit den Förderschülern in eine Klasse setzt?
Ich selbst unterrichte Gymnasial-Schüler und schwache Gesamtschüler binnendifferenziert in Informatik. Der Leistungsunterschied beträgt in Klasse 10 ca. 2 ganze Schuljahre. Meine Antworten auf die Fragen der Gymnasial-Schüler verstehen die Gesamtschüler nicht, weil sie das Grundkonzept nicht verstanden haben. Umgekehrt ist es überdeutlich, dass die Gymnasial-Schüler kein Verständnis dafür haben, dass sie in einem Kurs sitzen, in welchem einfachste Zusammenhänge auch nach zig Erklärungen und Beispielen nicht bei allen sitzen. Und sie haben Recht. Meine Situation ist dem Personalmangel in meinem Fachbereich geschuldet. Optimal wäre anders.
Die Sieger-Schule ist keine echte Gesamtschule, weil parallel dazu noch andere Schularten existieren.
Wie bitte? Na, Sie wissen aber Bescheid…
Wo existieren da noch andere Schularten? Welche genau? Bitte belegen Sie dieses Wissen!
Und:
Selbstverständlich ist die „Bertha“ eine echte Gesamtschule (integriert, mit gymn. Oberstufe). Wie kommen Sie darauf, dass das anders sein sollte? Mag sein, dass es in anderen BL andere Definitionen gibt, in Hessen ist das (verkürzt) so:
Klasse 5 – 9 sind alle zusammen, alle machen eine Hauptschulabschlussprüfung – mit oder ohne Quali – , danach kann nach Empfehlung in Klasse 10 ein Realschulabschluss folgen und danach, bei Eignung der Besuch der gymn. Oberstufe (11 – 13) – Wo ist Ihr Problem?
Besser, vielleicht. Anders in jedem Fall. Das mag u.a. daran liegen, dass an GE mMn noch relativ viel Hauptschulpädagogik betrieben wird. Die KL-Teams haben eine besondere Stellung in diesem System, wenn sie diese nutzen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass 250 LuL für 2000 SuS zur Verfügung stehen? Im Mittel also 8 SuS pro Lehrperson.
An unserer Schule ist das nicht so.
Vielleicht liegt es auch daran, dass 250 LuL für 2000 SuS zur Verfügung stehen? Im Mittel also 8 SuS pro Lehrperson.
An unserer Schule ist das nicht so.
Da haben Sie Recht, das ist auch in Hessen nur an wenigen Schulen so und hängt mit der sehr speziellen Art der Finanzierung eines schulischen Haushaltes zusammen:
In Hessen gibt es zwei Möglichkeiten der Budgetierung von Schulen (für alle Schulformen): Das kleine und das große Budget.
Die Bertha ist im „großen Budget“ und kann ihre Gelder (eine ziemlich große Summe, sie richtet sich u. a. nach der SuS- Zahl) weitgehend selbstständig verwalten!
Davon kann zB (unter vielen anderen Posten) auch die Personalgewinnung finanziert werden. Also „Personal aller Art“…
Es ist in diesem Fall (großes Budget) der Schule überlassen, wofür sie ihr Geld ausgibt, da quasselt denen niemand rein, wo die Prioritäten gesetzt werden. Hauptsache, „die Kasse stimmt“ am Ende des Schuljahres.
Natürlich setzt das einen total gut funktionierenden Verwaltungsapparat an der Schule voraus!
(Es gab in Hessen früher auch schon Schulen mit „großem Budget“, die quasi Pleite gegangen sind und ins „Kleine“, mit staatlicher + schulamtlicher Kontrolle, wechseln mussten. Deshalb wählen die meisten Schulen, besonders die kleineren, auch das „kleine Budget“.)
„Sind Gesamtschulen doch besser?“
kurz geantwortet und alles, was ich bisher an wissenschaftlichen Veröffentlichungen gelesen habe: NEIN!
Aber danke für eine neue ideologische Debatte, die vom wahren Kern ablenkt. Nichts von dem, was im Text steht ist Gesamtschulexklusiv. Viele Dinge gehen nur, wenn ein großer Teil des Kollegiums sich weit über die normale Arbeitstätigkeit hinaus ausbeuten lässen. Den Vorteil kleiner Schulen, in denen man alle seine Pappenheimer persönlich kennt, lassen wir mal außen vor.
Den Schulpreis als Maßstab dafür zu nehmen ist übrigens ziemlich vermessen, da es sich ja doch zu einem guten Teil um eine Blenderveranstaltung handelt … ich weiß, sehen viele Menschen außerhalb von Schule oder mit Karriereambitionen anders …
„Nichts von dem, was im Text steht, ist Gesamtschulexklusiv.“
Bis auf die nicht unerhebliche Tatsache, dass das Gros der Schülerinnen und Schüler, die diese Gesamtschule zum Abitur führt, es im gegliederten System nicht erreicht hätte.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Ach so. Komisch, dass es eine Menge Real- und Hauptschüler gibt, die ebenfalls das Abitur erreichen. Sämtlich ohne Empfehlung für das Gymnasium … aber träumen Sie weiter.
Wenn es tatsächlich „eine Menge“ wären (was wir bezweifeln): Welchen Sinn würde dann ein gegliedertes System machen?
Wir bezweifeln das übrigens begründet: Etwa 20 Prozent der Realschüler erwerben laut einer NRW-Studie später über einen Wechsel in einen weiterführenden Bildungsgang das Abitur (Hauptschüler marginal). Das betrifft nur rund vier Prozent eines Gesamtjahrgangs – was immer noch weit entfernt von der Erfolgsquote der Bertha-von-Suttner-Schule ist. Quelle: https://duepublico2.uni-due.de/servlets/MCRFileNodeServlet/duepublico_derivate_00073725/IAQ-Forschung_2020_04.pdf?utm_source=chatgpt.com
Dazu kommt: Viele dieser NRW-Realschüler machen das Abitur dann – an einer Gesamtschule.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Also bei uns sind es (mit Fachabi) 60%. Vielleicht doch nicht das System, sondern die einzelne Schule?
Aber halt … die Schüler gehen ja nach der 10 (teilweise) zur Gesamtschule und füllen da die Jahrgänge auf (über die Hälfte geht dort nach der 10), dann ist es natürlich die gute Arbeit der Gesamtschule….
Die Preisfrage ist: Hätten unsere Schüler auch das Abitur gemacht, wenn sie von Anfang an an einer Gesamtschule gewesen wären?
Die Frage ist doch gar nicht, ob sie am Ende das Abitur bestehen. Die entscheidende Frage ist, ob sie am Ende der sekI den Q-vermerk erhalten. Und das ist zumindest in NRW nicht ganz so einfach, wie von den meisten, die nicht mit dem GE-System vertraut sind, schwieriger als gedacht. Um den Q-Vermerk zu erhalten sind die Bedingungen gem. APO-SI für Gesamtschüler deutlich fordernder als die für Gymnasiasten.
Am ehesten sind sie vergleichbar mit denen für Hauptschüler im Profiltyp B, der ebenfalls zum Q-Vermerk führen kann. Ziel der RS ist ohnehin die FOR, die ein Teil der SuS inkl. Q-Vermerk besteht.
Der Gesamtschulquatsch mit den E-Kursen bleibt denen bei uns ja erspart und es zählt nur das letzte Jahr … was ich als viel faierer empfinde.
Der Hinweis auf den ForQ wäre übrigend meine nächste Anwort auf die Redaktion gewesen.Denn genau das ist der Punkt, nicht der heilige Gral „Abitur“. Es gibt nämlich eine nennenswere Anzahl Schüler, die trotz ForQ gar nicht in die gymnasiale Oberstufe wollen.
Wird aber in der Statistik gar nicht erhoben…
Ja, das stimmt.
Tun sie.
Was an diesen Realschülern vor allem sehr positiv auffällt: Da sie (wegen mangelndem politischem Fokus auf Realschulen) weniger ver-bildet und viel mehr mit klassischen Sekundärtugenden in die Gesamtschul-OS kommen, starten sie relativ oft durch und legen dann am Ende gute Abiture ab.
Was natürlich super ist.
Was ist denn an den Gesamtschulen politisch? Die Gesamtschulen haben im Gegenteil innovativ vieles entwickelt was dann von den Hauptschulen und Realschulen schlicht abgekupfert wurde. Hier mal eine KI Übersicht:
Die wichtigsten Innovationen, die von den Realschulen übernommen wurden, umfassen folgende Bereiche:
1. Ganztagsbetrieb und Rhythmisierung
2. Differenzierung und individuelles Lernen
3. Formen des selbstgesteuerten Lernens
4. Berufsorientierung und Praxisnähe
5. Soziales Lernen und multiprofessionelle Teams
Arbeite an einer Hauptschule. Vor 10 Jahren hatte ich meine letzte eigene Klasse. Von der hat ein viertel Abitur gemacht. An einer Gesamtschule. Heute in allen 4 Jahrgängen 0. KEINER.
Sie sollten wieder eine Klasse führen und es allen so richtig zeigen! 😀
Ja, stimmt leider auch. Die Hauptschule verkommt (leider) immer mehr zur Restschule. Das ist auch durch den politisch motivierten Abiturwahn bedingt.
An unserer Partnerhauptschule gehen sehr viele ins Handwerk … die Zeit wird zeigen, wer später gewinnt.
Abiturwahn – woher kommt denn der Nachwuchs im Lehrerberuf (ohne den Sie irgendwann alleine dastünden), alles Wahnsinnige?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„Abiturwahn – woher kommt denn der Nachwuchs im Lehrerberuf (ohne den Sie irgendwann alleine dastünden), alles Wahnsinnige?“
Zur Zeit von Seiteneinsteigern ohne Abitur, jedenfalls an unseren Grundschulen.
Auch der Redaktion dürfte jedoch nicht entgangen sein, dass ein nicht unerheblicher Teil der Abiturienten zwar das Abitur in der Tasche hat, aber am Studium scheitert bzw. gleich eine Ausbildung macht. Und ja, der Glaube, dass nur das Abitur seeligmachend ist und deshalb unbedingt absolviert werden muss, ist durchaus verbreitet. An den Gymnasien sitzen dann SuS, die von den Anforderungen maximal gestresst sind, ihr Abi mit Ach und Krach bekommen, dafür gesundheitliche Schäden bis hin zu schweren Depressionen in Kauf nehmen und letztlich das Abi zwar abheften, aber nicht nutzen können. Das nenne ich Wahnsinn.
Ich würde mich aber auch sehr freuen, wenn meine Heizung im Winter repariert wird. Zu dem Zeitpunkt ist mir der Lehrernachwuchs ziemlich egal.
Aber ja, die Lehramtsstudenten sind alles Wahnsinnige.
Weil Ihr Bedarf an schnellen Handwerks-Dienstleistungen der Maßstab ist, herrscht Wahnsinn. Ok…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
„kurz geantwortet und alles, was ich bisher an wissenschaftlichen Veröffentlichungen gelesen habe: NEIN!“
Was sind denn das für „Veröffentlichungen“? Diese können ja eigentlich nur aus Deutschland (oder vielleicht noch Österreich) stammen, denn der Rest der Welt kennt nur Gesamtschule.
nein, weil das generelle Niveau nicht so hoch ist.
Sie sind aber irgendwie im Trend, zumindest bei einigen Gruppen, nicht wahr?
Und die Arbeitsbelastung für LK ist riesig, kein Homeoffice, keine 4 Tage Woche, keine 35 Stunden Woche, keine Extragelder. Obwohl manche Schulen schon 1 Digitalen Tag haben oder einen Freiday!!!
stimmt voll, wenn die modernen Konzepte nicht greifen, sich 2 Klassengesellschaften auf dem Arbeitsmarkt entwickeln und sich die Leistung nicht mehr lohnt, entsteht ein Mangel und nur noch Verwaltung in Schule.
Die guten Lehrer hauen ab in andere Branchen 🙁
KI wird zu massiven Rationalisierungsgewinnen und Arbeitszeitverkürzungen in anderen Branchen führen. Im Bankenbereich fordert die Gewerkschaft aktuell 12 zusätzliche Urlaubstage pro Jahr wegen „KI“ (offiziell: Wegen dem durch KI verursachsten „Stress“, inoffiziell eher wegen dem Rationalisierungsdruck).
Dazu wird in kürzen die Forderung nach staatlichen „Ausgleichzahlungen“ für von KI betroffenen Branchen kommen (= Subvention menschlicher Arbeit dort durch den Staat).
Das Resultat wird die 50-Stunden-Woche für Lehrer während der Unterrichtszeit sein (in Bundesländern mit 41-Stunden-Woche für Beamte jetzt schon de facto so bei Vollzeitstelle), während in der „hammerharten, freien Wirtschaft“ eher die 30- oder 20-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich (staatlich subventioniert, s.o.) das Ziel sein wird.
Bin gespannt, wer dann noch freiwillig Lehrer wird. „Arbeitspflicht bis 70“ für ausgebildete Pädagogen zeichnet sich am Horizont ab… wird man schon entsprechend framen: „f… S…“, „Privilegien“, „Halbtagsjobber“, „unbezahlbare Pensionen“, „Zukunft“, „Kiiinder!“, …
ja, es entsteht Frust und das ist alles nicht die richtige Richtung. Lehrer müssen mehr verdienen und Homeofficeleute weniger. Wieso wird das noch belohnt, versteht keiner.
Und die Arbeitswelt wird völlig gespalten, wir verlieren gute Leute aus den Schulen! 🙁
Daran liegt es nicht und hat mit den Artikel nichts zu tun. Der Verdienst ist gut, wenn dein Arbeitszeit nur auch tatsächlich dazu passen würde. und wer als Lehrkraft nach Homeoffice schreit, hat irgendwas nicht verstanden. Ei Teil ist sowieso Homeoffice und Arbeit mit Kinder und Jugendlichen ohne Kontrakt mit ihnen haben zu wollen, ist eine komische Einstellung und wird auch nicht sinnvoller, wenn man das gleiche unter jeden Artikel schreibt.
„nein, weil das generelle Niveau nicht so hoch ist.“
Schaut man sich internationale Vergleichsstudien an, so liegen über Deutschland und Österreich allesamt Länder mit Gesamtschulen.
Umgekehrt ebenfalls und die Anzahl dieser Länder ist wesentlich größer.
Erstmal Glückwunsch an die Suttner!
Gibt es für Gesamtschulen also Lehrerwochenstunden, welche Kleingruppenförderung möglich machen? Solche Stunden sucht man am Gymnasium vergeblich – die werden vom Schulamt nicht zugewiesen. Hätten wir dieselben Möglichkeiten, könnten wir SuS mit den beschriebenen Problemen ebenso weit bringen.
Wenn das dort beschriebene Konzept jedoch auf Selbstausbeutung wie sonst üblich beruht, bin ich raus.
Da sieht man es wieder: gezielte Förderung, die auf die Neigungen, Begabungen und Bedürfnisse konkreter Schüler*innengruppen zugeschnitten ist, wirkt. Die Suttner-Schule, das wird ja auch im Artikel (wenn auch etwas verdruckst) immer wieder deutlich, hat, verglichen mit, zum Beispiel, einem durchschnittlichen Großstadtgymnasium eine ausgesprochen homogene Schülerschaft, die sich zum Großteil aus lower-middleclass- und prekären Milieus speist, oftmals gepaart mit Erfahrungen von Arbeitslosigkeit, Sprachbarrieren und herausfordernden Familiensituationen.
Wenn solche Hintergründe derart dominant sind, fällt es deutlich leichter, auf diese systematisch einzugehen. Während andernorts schon viele Experimente mit „einer Schule für alle“ gescheitert sind (weil es nie *ein* Rezept geben wird, das in einer superdiversen Schülerschaft *allen* individuell gerecht werden kann), ist es hier gelungen. Eine Schule für alle, die diejenigen Lebenslagen teilen, auf die wir uns pädagogisch eingestellt haben. Gratuliere!
Ist das ein Plädoyer für eine soziale Trennung der Schülerschaft? Nach dem Motto: Benachteiligte und Privilegierte lernen besser unter ihresgleichen…
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Herzlichen Glückwunsch an die Siegerschule(n).
Ein Preis, ein Zertifikat oder ein Leuchtturm-Projekt machen aber alleine noch keine gute Schule aus. Es kommt doch auf den alltäglichen Unterricht an. Auf das Schülerklientel. Auf die Schulform. Auf die finanzielle Ausstattung und die zeitlichen Ressourcen der Lehrkräfte. Auf den Stundenausfall und ob ein (funktionierendes) Vertretungskonzept existiert. Ob ausserschulische Partner existieren und wie diese ihre Arbeit machen (Betriebe, Sozialpartner, sogar Polizei und Schulamt).
Daraus eine Generaldebatte zu machen, ob GS besser/schlechter/anders sind, zeigt eigentlich nur, wie banalisiert die Diskussionen hierzulande ablaufen.
Ein Schulpreis mag wohlverdient sein und als Inspiration für andere dienen – eine Kopie desselben wird aber nicht automatisch gut, nur weil es woanders funktioniert hat.
Spoileralarm: Ich habe an einer ehemaligen Leuchtturmschule gearbeitet.
Sobald das Rampenlicht weiterzieht und damit (mal radikal, meist eher schleichend damit es nicht so auffällt) die Sonderboni und geldwerten Vorteile gestrichen werden, die normale Schulen NICHT haben…kommt auch das gleiche bei raus wie überall.
Der Einfluss normativer pädagogischer Setzungen wird bis zur Hysterie überbewertet – damit über die wirklichen Faktoren (kurz: $$$, egal ob in Form von Personal, Lehr- und Sachmitteln, Gebäuden & Co., und natürlich die Schülerbasis) nicht sprechen muss.
Ich habe btw. die Filmclips gesehen.
Wenn die dort „rein zufällig“ interviewten Schüler normale Gesamtschüler waren (statt vorher gecoacht worden zu sein) verspeise ich den ältesten Besen der Schule. Mit Sahne.
Und den SuS, die dort jetzt gute Bedingungen haben: Prima,gut für sie, es sei Ihnen ganz ausdrücklich gegönnt.
„Daraus eine Generaldebatte zu machen, ob GS besser/schlechter/anders sind,“
Das ist nur in Deutschland eine „Generaldebatte“ in allen anderen Länder ist die Erkenntnis seit Jahrzehnten klar.
Cool, 250 Lehrkräfte auf 2000 S*S.
Bei uns: 100 auf 1200.
Will auch haben!!!
Ich gehe davon aus, dass der Stellenschlüssel ähnlich ist, also mit den Zahlen keine 250 Vollzeitstellen, sondern einfach nur 250 Lehrpersonen unabhängig von der jeweiligen Unerrichtsverpflichtung gemeint sind.
? Ja, so kommen auch die 100 bei uns zustande.
Also hat diese Schule weitaus mehr Lehrkräfte als die Schule, an der ich unterrichte.
Was wir nicht alles leisten könnten, hätten wir so viel Personal!
Ich wiederhole wieder mal die 447’sche Leuchtturmschulregel:
Überraschende Erfolge von Leuchtturmschulen beruhen immer auf einem oder mehreren der folgenden Faktoren:
1. (In der Regel getarnt) Selektierte Schülerschaft
2. Massiver Ressourcenvorteil
3. Befugnisse, die über das normal erlaubte an Schulen (weit) hinausgehen.
4. Selbstausveutung des Personals / Schule als „Hauptlebensort“ / Schulkultbildung.
Mindestens eins davon ist es fast immer, i.d.R. zwei bis drei davon.
Und was davon können Sie an einer 2.000 Schüler zählenden Brennpunktschule in Hessen ausmachen, um mal konkret zu werden?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Bei 2000 Schülern kann man durchaus 200-1000 selektieren für Leuchtturmzwecke.
Ressourcenvorteile durch Skaleneffekte? Eine neue naturwissenschaftliche Sammlung für 100000€ kostet dann nur 50€ pro Schüler.
Befugnisse sind während des Leuchtturmstatus‘ möglich, weil pressewirksam
Selbstausbeutung ist wahrscheinlicher, wenn aufgrund der Rahmenbedingungen ein positiv empfundenes Umfeld geschaffen wird.
Wo ist diese Schule eigentlich eine Brennpunktschule? Sie ist die einzige weiterführende Schule in dem Ort im Speckgürtel von Frankfurt / Main. Brennpunkt ist anders.
Sie nimmt am Startchancen-Programm teil, mit dem (nur) Schulen an besonders herausfordernden Standorten gefördert werden.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Aus dem Bericht leider nichts, aber Erfahrungswerte mit Preisschulen, an denen ich Leute kenne, ergeben immer das gleiche Bild.
Sollte es hier anders sein?
Also gibt es keine guten Schulen, alles nur Fake? Wer sich engagiert und für seinen Lehrberuf brennt, ist entweder ein Schaumschläger oder ein Selbstausbeuter?
Wir sind selbst oft genug in Schulen unterwegs, um zu wissen: Blödsinn. Selbstverständlich gibt es exzellente Schulen mit entsprechenden Kollegien, genauso wie es schlechte Schulen mit schwachen Schulleitungen und zahlreichen „Wanderpokalen“ gibt (die sich immer dort häufen, wo die Schulleitungen schwach sind und sich gegen die Schulverwaltung nicht wehren).
Und natürlich gibt es auch innovative Schulen, die versuchen, Lösungen für Probleme zu finden, die das System als Ganzes bislang nicht gelöst bekommt. Eine solche Schule wird oben beschrieben – und weil sie damit offensichtlich Erfolg hat, wird sie dafür ausgezeichnet. Übrigens nicht als „beste Schule Deutschlands“, das wäre vermessen, sehr wohl aber als Schule, die als Vorbild für andere dienen kann.
Dass damit auch ein Schlaglicht auf die besonderen Herausforderungen im Schuldienst geworfen wird, nützt allen Lehrkräften. Und wenn darüber hinaus dabei die Ressourcenfrage aufgeworfen wird – 250 Lehrkräfte auf 2.000 Schüler erscheint uns als sehr gutes Verhältnis -, dann kommen wir vielleicht mal weiter.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Gibt ne Menge guter Schulen, aber es kann halt niemand zaubern.
wir haben auch viele TZ LuL, aber wie viele Stunden werden da pro Lehrkraft unterrichtet, wenn die auf 250 LuL kommen? Entweder sind die Klassen sehr klein, es gibt eine Doppelstreckung oder die LuL haben alle nur 14 h die Woche. Wir sind bei gut 1200 SuS noch unter 100. Sieht nach einem deutlich anderen Personalschlüssel aus.
Ich auch! Bei uns 900 SuS bei 60 Lehrkräften ( inklusive der Teilzeitkräfte)… ist eben „nur“ ein Gymnasium
Wenn man die eingangs gestellte Frage beantworten möchte, dann ist eher interessant, wie das mit den Abschlüssen mit oder ohne Empfehlung im Schnitt bei allen Gesamtschulen ist.
Für NRW regelt das die APO-SI.
Das regeln vor allem Schacherkonferenzen und Notenschönungen Ende Jahrgang 10 und „gerechte“ Vornoten vor den Abiturprüfungen.
An manchen Schulen geht das so weit, dass die KuK bis in den Klassenraum hinein verfolgt und ständig mit Laberei bombardiert werden die Noten zu aufzupolieren, bis die meisten dann nachgeben.
Quasi organisationsinterne Drückerkolonnentaktiken. (Erst kommt der Bwratungslehrer und quengelt, dann der Klassenlehrer, Abteilungsleitung…)
Ja, dann ist ja alles geklärt. Vor allem da die Schulleitungen der GE großes Interesse daran haben, SuS mit geschönten Qualifikationsbescheinigungen zu entlassen, deren fehlendes Fachwissen dann in den lokalen und regionalen ausbildungsfirmen aufkippt, so dass zukünftige jahrgänge für den Ausbildungsmarkt verbrannt sind.
Vielmehr ist es doch so, dass vor allem GY sich ihre „guten“ SuS (Einserinflation) selbst erzeugen, schließlich stehen sie bezüglich der Durchschnittsnoten in starker Konkurrenz zu den benachbarten GY der Stadt bzw. der Region.
Sind sie bei uns (bei einigen Gesamtschulen) wirklich.
Mir fiel dieser Satz auf:
“ Unterstützung bedeutet an der Bertha allerdings nicht, Schülerinnen und Schüler möglichst lange vor Anforderungen zu schützen. Das Kollegium versucht vielmehr, Förderung und Leistungserwartungen miteinander zu verbinden. Wer Schwierigkeiten hat, bekommt nicht automatisch niedrigere Ziele, sondern zusätzliche Hilfen, um diese Ziele erreichen zu können.“
im Moment läuft nämlich vieles dahin, die Anforderungen zu senken. Der Grund ist klar: Zu viel Überlastung, zu viele geballten Probleme für ein einzelnes Lehrerlein.
Wie schafft die Klassenlehrerin es aber konkret, während der Unterrichtszeit ihre Kleingruppe “ Arbeitsorganisation“ zu führen? Wer kümmert sich um den Rest der Klasse? Oder haben sie so viele Lehrkräfte, das sie ständig Team Teaching machen können? Das ist mir nicht klar geworden.
Ich sitze, lese, finde es toll – und in meinem Kopf tut sich als erstes die Frage auf: Wo kommen die Stunden für die Hausleitung und die Kleingruppenförderung her????? Wir haben an unserer kleinen GS in BW nicht mal eine zugewiesene Förderstunde oder DAZ-Stunde – da gibt es nur den Pflichtunterricht und wenn man Glück hat, ist man leicht überversorgt. Ich war letztes Jahr bei der Preisverleihung und habe mit manchen Leuten gesprochen. Im Endeffekt gibt es irgendwelche super ausgestatteten Fördervereine oder Leuchtturmprojekte – oder es funktioniert durch übergroßes Engagement der Schulleitung und Lehrerschaft.
„…die Tatsache, dass die Begabung für höhere Bildungsziele nun einmal nur einem zahlenmäßig begrenzten Personenkreis vorbehalten ist; und sodann die Tatsache, dass diese Begabungen sich zwar auf alle Stände und Klassen der Bevölkerung verteilen, nicht aber so, dass sie prozentual völlig gleichmäßig unter den einzelnen sozialen Schichten verteilt sind. Diese biologische Ungleichheit kann durch keine zivilisatorischen Maßnahmen beseitigt werden“
Alois Hundahmmer (1947) als Reaktion auf die Pläne der Alliierten in Deutschland eine Gesamtschule einzuführen.
Schöne Sache!
Ich freue mich sehr für die Schüler*innen und Lehrkräfte vor Ort, gleichzeitig lassen sich ähnliche Erfolgsgeschichten auch für andere, teil gegensätzliche Bildungseinrichtungen schreiben…
Am Ende wäre – meiner Meinung nach – eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung langfristig wirksamer, als eine Erfolgsgeschichte, die manche bestärken und andere ablehnen
Sind berufliche Schulen doch besser?
https://km.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse-und-oeffentlichkeitsarbeit/meldung/pid/deutscher-schulpreis-fuer-ferdinand-von-steinbeis-schule-tuttlingen
Besser als was? Grundsätzlich halte ich die schulische Berufsausbildung für äußerst sinnvoll, sie wird allerdings von den HWK und IHK wenig geschätzt bzw. propagiert. Nehmen wir die Beispiele Augenoptik und Hörgeräteakkustik. Die betriebliche Ausbildung im dualen Systen ist oka<, aber spätestens ab dem Ausbildungsabschluss staatlich geprüfter Augenoptiker/Hörgeräteakkustiker wird es – gelinde gesagt – merkwürdig. Zwar wird innerhalb des europäischen Referenzrahmens der Techniker-/Fachwirtabschluss einem Meistergrad gleichgesetzt, bei der Eingruppierung in die Entgelttabellen des ÖD der techniker eine Entgeltgruppe über dem Meister eingestuft, in der Praxis muss der staatl. gepr. Augenoptiker über einen Meisterabschluss verfügen, da die Optikerbetriebe der Handwerksordnung unterliegen.
Hinzu kommt, dass der staatl. geprüfte Augenoptiger lediglich eine ein Semester kürzere „Studienzeit“ hat als der Bachelor of Ophthalmologie. Normalerweise wird in diesem Semester die Bachelor-Arbeit geschrieben.
Auch ein FOs/BOS aus Bayern hat den Schulpreis erhalten
Donauwörther Schule gewinnt Deutschen Schulpreis | BR24
„Selbstständiges Lernen bedeutete fortan also nicht mehr, die Schülerinnen und Schüler möglichst weitgehend sich selbst zu überlassen. Die Schule stärkte wieder die Anleitung durch die Lehrkräfte und verband eigenständiges Arbeiten stärker mit Struktur und persönlicher Begleitung. Das Schulportal spricht von einer „entscheidenden Wende zu einer neuen Lehr- und Lernkultur“.“
Jaaa! Bitte! ÜBERALL!
Direkte Instruktion, Struktur und Begleitung. Genau so arbeite ich mit Teach Like a Champion Methoden.
Hab nur kurz Zeit: Tolles Projekt, sinnvoller Ansatz, Glückwunsch zur Auszeichnung.
Wieder ein schönes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn die personellen Ressourcen stimmen. 250 Lehrer*innen für 2000 Schüler*innen plus anscheinend weitere Hilfskräfte. Traumhaft. Bei mir an der Schule sind es 65 für 1100.
Wann setzt sich endlich die Erkenntnis durch, dass man als eine einzige Lehrkraft mit 35 Kindern nicht in dem Maße fördern kann, wie man es gerne würde?
Die Frage aus der Headline ist ja leicht zu beantworten. Klar ist sind sie das! Erstens sagen das alle dauernd. Zweitens bekommen sie die Schulpreise. In den letzten 10 Jahren hat nie ein Gymnasium den Hauptpreis erhalten. Also muss das ja eine schlechtere Schulform sein.
Keine Ahnung ob jemand noch eine andere Begründung hat. Ist aber auch egal, ich brauche keine.
Beim deutschen Schulpreis ist es leider so, dass häufig Schulen gewinnen, die völlig andere Voraussetzungen haben als der Durchschnitt. In der Regel ist es wesentlich mehr Personal. Dann den anderen vorzuführen, wie es richtig geht, ist weniger motivierend als deprimierend.
„Beim deutschen Schulpreis ist es leider so, dass häufig Schulen gewinnen, die völlig andere Voraussetzungen haben als der Durchschnitt. In der Regel ist es wesentlich mehr Personal.“
Für diese Behauptung hätten wir gerne einen Beleg.
Herzliche Grüße
Die Redaktion