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Linke tritt Verbotsdebatte um Sankt Martin los – Wagenknecht: Kinderfest erhalten

DÜSSELDORF. Der Vorstoß der nordrhein-westfälischen Linkspartei, das Gedenken an Sankt Martin aus Schulen und Kitas zu verbannen, hat zu einer erregten Diskussion um das Brauchtum geführt. Auch Parteifreunde wie die Düsseldorfer Bundestagsabgeordnete Sahra Wagenknecht stellen sich gegen die von Rüdiger Sagel, dem Vorsitzenden der Linkspartei in NRW, losgetretene Verbotsdiskussion. Wagenknecht: „Sankt Martin ist ein interkulturell angenommenes Fest, das alle Kinder anspricht.“

Stellt sich gegen ihren Parteifreund Sagel: Sahra Wagenknecht. Foto: xtranews.de / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Stellt sich gegen ihren Parteifreund Sagel: Sahra Wagenknecht. Foto: xtranews.de / Wikimedia Commons (CC BY 2.0)

Sagel ist heftig unter Druck geraten, nachdem er gestern in der „Rheinischen Post“ gefordert hatte, muslimischen Kindern nicht länger „die christliche Tradition aufzudrängen“. Wenn man statt Sankt Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest” feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen und mitgenommen. „Dazu braucht man keinen Sankt Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet”, sagte der Chef der Linkspartei gegenüber der Zeitung.

Nachdem sich aber heute in der Parteizentrale in Bochum die wütenden Anrufe häuften, bekannte NRW-Linke-Geschäftsführer Sascha Wagner eilig: „Ich bin Atheist und zugleich ein Fan von Sankt Martin.“ Auch Sahra Wagenknecht meldete sich zu Wort: Die Linke wolle „selbstverständlich“ das Fest nicht abschaffen. Im Gegenteil, die Linke sei die einzige Partei, die die Botschaft Sankt Martins vom gerechten Teilen vertrete.

Sagel selbst bemühte sich heute, die Wogen zu glätten und behauptete, er sei missverstanden worden. Die Reaktionen auf seinen Vorstoß seien „schockierend“ gewesen, bekannte er. Er wolle kein Verbot der Umzüge und auch nicht die Abschaffung des Heiligen Martin. „Teilen macht Spaß“ sei schließlich das Motto seiner Partei im Bundestagswahlkampf gewesen. Gleichwohl, so betonte Sagel, die Trennung von Kirche und Staat sei ihm ein Anliegen. Soll also dann wohl doch heißen: keine christlichen Feste in öffentlichen Schulen und Kitas – und kein Sankt Martin.

Der Vorstoß Sagels und mancher Kitas sei Teil einer Strategie der «Political Correctness», das Religiöse aus den städtischen Kitas zu verbannen, erklärte der katholische Theologieprofessor Manfred Becker-Huberti. Ein funktions- und inhaltsleeres «Lichterfest» werde aber nicht funktionieren, so der Fachmann für religiöse Volkskunde. Es sei auch unklug und schade den Kindern, wenn sie die religiösen Traditionen nicht kennenlernen dürften. Es spreche auch nichts dagegen, in städtischen Einrichtungen den Kindern das islamische Zuckerfest näher zu bringen.

Wie Sagel werden auch die Mitarbeiter eines städtischen Kindergartens im hessischen Bad Homburg heftig angegangen: Sie hatten Sankt Martin als „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ angekündigt und werden nun nach Angaben der Stadt bedroht, nachdem ein rechter Blog das Thema aufgegriffen hatte. Die Kommune habe die Polizei eingeschaltet.

Wagenknecht bemühte sich derweil, den Spieß umzudrehen: „Die Koalitionsverhandlungen in Berlin lassen erkennen, dass Umverteilen nicht auf der Tagesordnung einer Großen Koalition steht. Ohne die Vermögen von Reichen und die Banken anzutasten, lassen sich jedoch keine Verbesserungen für die Menschen in diesem Land erreichen. Es würde der Politik in diesem Lande gut tun, wenn die Botschaft von Sankt Martin ernst genommen würde.“ News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Linkspartei will Schulen und Kitas den Sankt Martin verbieten

 

2 Kommentare

  1. Man glaubt es kaum, für jede noch so absurde Idee finden sich die passenden Argumente. Weihnachten und Ostern stehen auch in christlicher Tradition. Atheisten hatten noch nie Probleme, trotzdem mitzufeiern. Sollen Ostern und Weihnachten nun auch neue Namen bekommen? Frühlingsfest und Dezemberfamilienfest.

  2. Bei den Grünen und Linken gibt es zwar immer wieder ein paar solcher Irrlichter, aber wenigstens auf Sahra Wagenknecht ist noch Verlass. Es wäre ein großer Fehler, mit liebgewonnenen christlichen Traditionen zu brechen. Wir müssen unbedingt unsere Geschichte und unsere Kultur bewahren. Sie ist schließlich Teil unserer Identität. Stattdessen brechen wir aus falsch verstandener ‚Political Correctness‘ mit unserer Kultur und werfen dann Migranten aus einem anderen Kulturkreis vor, dass sie auf ihre Traditionen nicht verzichten wollen.

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