MÜNCHEN. Kurz vor der Ausgabe der Übertrittszeugnisse verschärfen Gymnasiallehrkräfte in Bayern ihre Kritik an den Grundschulen. Lehrerinnen und Lehrer berichten nicht nur von schwächeren Leistungen vieler neuer Fünftklässler, sondern verweisen zugleich auf erhebliche Unterschiede bei den Gymnasialempfehlungen zwischen den Regionen. Für den Philologenverband ist das mehr als eine Momentaufnahme: Er sieht strukturelle Probleme im Übergangsverfahren selbst – und fordert landeseinheitliche Tests.

Die bayerischen Gymnasiallehrer beklagen kurz vor der Ausgabe der Übertrittszeugnisse in den vierten Klassen ein gesunkenes Niveau bei neuen Schülern. Das geht aus einer Umfrage des Bayerischen Philologenverbands (bpv) unter seinen Mitgliedern im März und April hervor, an der mehr als 1.800 Lehrer teilnahmen, die aktuell 5. und 6. Klassen unterrichten. 94 Prozent von ihnen berichteten dabei von einem gesunkenen Leistungsniveau der ankommenden Fünftklässler.
Besonders die Basiskompetenzen bereiteten Grund zur Sorge, heißt es vom bpv. Nur 39 Prozent bewerteten die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in der Regel als ausreichend für das Gymnasium. Bei der Rechtschreibung waren es sogar nur 29 Prozent, bei Mathematik 41 Prozent. «Häufiger als früher kommen Schüler an das Gymnasium, für die diese Laufbahn nicht passend ist», sagt der bpv-Vorsitzende Michael Schwägerl. «Das wiederum führt zu Frustrationen und Misserfolgserlebnissen bei Schülern, die im vielgliedrigen Schulsystem passgenauere Angebote finden könnten.»
«Die Bereitschaft, Leistung zu zeigen und dadurch Selbstwirksamkeit zu erleben, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die gymnasiale Laufbahn»
Zudem bedeutet es laut bpv eine hohe Arbeitsbelastung für die Lehrer. 79 Prozent gaben in der Umfrage an, viel Zeit für die individuelle Betreuung der Unterstufenschüler aufzuwenden. «Die Kollegen tun ihr Möglichstes und unterstützen, wo sie können», sagt Schwägerl. «Auch angesichts wachsender Klassenstärken durch den Lehrkräftemangel stößt die individuelle Förderung aber an ihre Grenzen.»
Positiv sieht er allerdings, dass mehr als 80 Prozent der Lehrkräfte von einem deutlichen Leistungswillen der Schüler berichten. «Die Bereitschaft, Leistung zu zeigen und dadurch Selbstwirksamkeit zu erleben, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die gymnasiale Laufbahn», betont der bpv-Vorsitzende «Dieses Potenzial nehmen unsere Lehrkräfte sehr wohl wahr.»
Zugleich verweist der Verband allerdings auf deutliche regionale Unterschiede bei den Gymnasialempfehlungen. So lag die Quote im Schuljahr 2024/25 im Landkreis Altötting bei rund 40 Prozent, während sie im Landkreis Starnberg bei etwa zwei Dritteln der Schülerinnen und Schüler lag. Der bpv sieht darin ein Indiz für eine mangelnde Vergleichbarkeit der Übertrittsentscheidungen und fordert Reformen. «Ein erster Lösungsansatz könnten landesweite Aufgabenpools sein, aus denen Grundschullehrkräfte für die Gestaltung der Übertrittsproben schöpfen können. Dies würde die Vergleichbarkeit erhöhen und die Lehrkräfte an den Grundschulen spürbar entlasten», erklärte Verbandschef Schwägerl.
Am Montag bekommen die Viertklässler in Bayern ihre Übertrittszeugnisse. Sie sind ein zentraler Faktor dafür, ob sie auf ein Gymnasium wechseln können oder eine andere Schullaufbahn einschlagen. Es basiert auf den Noten in Mathematik, Deutsch und im Heimat- und Sachkundeunterricht. News4teachers / mit Material der dpa
Philologen fordern verbindliche Grundschulempfehlung – für gerechtere Bildungschancen









Wenn in einem Landkreis tatsächlich 66% der Kinder eine Gymnasialempfehlung bekommen, dann sind die Grundschullehrer dort entweder hochbegabte Wunderlehrer oder sie bauen Bockmist.
Oder die Lehrpläne sind mittlerweile so dünn geworden, dass zwei Drittel der dort lebenden Schüler die Anforderungen für die gymnasiale Empfehlung erfüllen.
Vielleicht wohnen dort auch weit überproportional viele Familien aus der sozial-privilegierten Schicht mit hohem Einkommem und hohen Bildungsgraden.
Es ist Starnberg. Bitte fahren Sie Ihren Porsche Cayenne langsam…
Die haben nicht nur hohen Bildungsgrad sondern auch den Rechtsanwalt auf der Schnellwahltaste.
Die Kinder haben ein höheres Taschengeld als die Lehrer monatlich netto.
Lehrer verdienen leider nur noch durchschnittlich, haben dafür zig Jahre studiert und leiden unter den hohen Konsumausgaben, Benzin?
Es muss ihnen besser bezahlt werden, es muss eine Vorortaufwandspauschale geben und Menschen im Homeoffice dürfen nicht besser gestellt werden. Das macht den Lehrjob viel zu unattraktiv.
Eine ganze Menge Wohlstandsverwahrlosung vermutlich auch. Nur dürfte man das in der Grundschule noch nicht so sehen wie in den hochpubertären Klassen 8 und 9.
Es gibt Berichte, dass Kinder aus sozial-privilegierten Familien in der Schule bessere Noten bekommen und auch häufiger eine Gymnasialempfehlung als Kinder mit gleichem Kompetenzlevel aus sozial-benachteiligten Familien.
Wäre auch mal interessant zu erfahren. ob sich auch z.B. auch die Quoten in Hamburg Blankenese und Veddel unterscheiden usw. .
Ohoh, eine richtige pädagogisch didaktische einseitig abgeworfene Splitterbombe – einer muss doch schuld sein! – diesmal die Grundschulen, schämt euch
“Gymnasiallehrer” ( außer Dienst ? 🙂
Ich arbeite rund um und in beruflichen Schulen und kann ebenso sagen: “Besonders die Basiskompetenzen bereiteten Grund zur Sorge” […] Nur 39 Prozent bewerteten die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler in der Regel als ausreichend für das Gymnasium.” / auch für die beruflichen Schulen! Und es waren nicht selten abgebrochene oder vollendete Gymnasiallaufbahnen zwischen Grundschule und uns.
“Die Bereitschaft, Leistung zu zeigen und dadurch Selbstwirksamkeit zu erleben, ist ein wichtiger Erfolgsfaktor für die gymnasiale Laufbahn»/ für die berufliche Laufbahn auch !!
( Ich könnte noch viele weitere Zitate anbringen! Nicht nur Gymnasien sind alleinige Heilsbringer fürs Leben – sage ich, mit humanistischer Grundbildung )
Liebe Leute, gegenseitiges Zerfleischen bringt nichts, wenn man noch dazu im selben sinkenden Boot sitzt.
Es wäre interessant , jedem Gymnasiallehrer immer wieder Grundschulpflichtzeiten zu ermöglichen, vielleicht kehrt dann etwas mehr Demut ein.
Und zuletzt böseböse: Warum kommen Schüler zu uns an die FOS, die dann zT, unterrichtet von anderen Lehrkräften mit Gymnasialfakultas, ein brauchbares Abitur bauen ( nachdem sie das Gymnasium verlassen mussten 😉 ?
Weil die KollegInnen an der FOS weitaus kompetenter sind?
Wie kommen Sie auf so etwas?
Aber Sie können gerne weiter mutmaßen. Der Weg über die FOS ist inzwischen sehr beliebt, warum wohl ?
Weil der Weg über eine FOS zum Abitur einfacher ist?
Die Abiturprüfungen der FOS stehen kostenlos im Internet (ByCS) zur Verfügung. Sie können sich ja gerne ein Bild davon machen, ob das so einfach ist.
Und wenn die Schüler in der 11.Klassen dann noch abwechselnd im beruflichen Praktikum und Schule sind, ist der Weg für die Schüler sicherlich nicht einfacher.
🙂 so isses
Wann gibt es die Abiturentlastung? Wie soll das neben dem Alltag gehen?
Weil GY die Chance zum Abschulen haben.
Blöd ist ja nur, dass weniger Anfänger am GY weniger Stellen und auch weniger Beförderungsstellen bedeuten. Und dann müssten die überqualifizierten Gymnasiallehrkräfte – Gott bewahre – sich auch noch mit der unverschämten und grenzdebilen Schülerschaft an Schulen der SekI befassen. Denn der größte Mangel an Lehrkräften herrscht eben genau dort – in der SekI.
🙂 May be
Es hat mich nicht in Ruhe gelassen 🙂 May be muss zu > it is indeed the case werden.
“Im Bereich der Grundschule hingegen, schaut es inzwischen etwas besser aus. Hier rechnet man ab dem Jahr 2025 mit einer Entspannung und ab dem Jahr 2026 mit einem Überangebot an Lehrkräften, das man dann – und auch das ist in der Lehrerbedarfsprognose offiziell zu lesen – nutzen wird, um den Mangel an Mittel- und Förderschulen zumindest teilweise auszugleichen. Zu verdanken haben wir diese vergleichsweise gute Situation in erster Linie dem Ausbau der Studienplätze für das Lehramt an Grundschulen und der Abschaffung des Numerus clausus für dieses Lehramt an den meisten Universitäten.
Nach Wegfall des NC: Viele wechselten von Mittelschul- auf Grundschullehramt
Beides Maßnahmen, die zwar im Bereich der Grundschule durchaus für Entspannung sorgen, für das Lehramt Mittelschule aber zu noch größeren Problemen geführt haben, weil eine große Anzahl an Mittelschulstudenten hier die Gunst der Stunde genutzt haben und zum Lehramt Grundschule gewechselt sind. Noch nicht wirklich realisierend, dass man sie zu einem großen Teil dann trotzdem wieder an den Mittelschulen einsetzen wird.” […]
aus
Lehrerbedarfsprognose 2022: Ehrlichkeit gefragt | BLLV: Für Lehrerinnen und Lehrer in Bayern https://share.google/OaAKPOC3vyAAZRXtu
Wenn man den Text der Meldung der Überschrift gegenüberstellt, dann sieht man eine Diskrepanz.
Zunächst werden Ergebnisse einer Umfrage wiedergegeben, die in erster Linie eine „Kritik“ an / Feststellung der Schülerleistung ist.
Ob Vertreter des bpv oder die Berichterstattung da noch etwas dranhängen, ist eine andere Sache. Ich als (NRW-)Gymnasiallehrer kritisiere z.B. nicht die Grundschulen.
Zur Klarstellung: In Bayern ist die Grundschulempfehlung (wie vom Deutschen Philologenverband für ganz Deutschland gefordert) verbindlich – auf der Grundlage von Noten. Wenn also Grundschulen hinreichende Noten für eine Gymnasialempfehlung erteilen, der bpv aber öffentlich beklagt, dass das Leistungsniveau dem aus Sicht der Gymnasiallehrkräfte nicht entspricht, dann ist das natürlich eine Kritik an den Grundschulen. An wem denn sonst?
Herzliche Grüße
Die Redaktion
Das ist mitunter der Grund, weshalb ich an solchen Umfragen nicht gerne teilnehme; man weiß nie, was daraus gemacht wird. Zudem: Der bpv ist nicht „Gymnasiallehrer“ im Allgemeinen.
Da Sie ja als Medienschaffende um die Wirkung von Formulierungen wissen: Wie wäre es mit: bpv stellt in Umfrage Defizite bei 5. und 6.Klässlern fest und schlägt Aufgabenpool vor?
Dann kann man sich immer noch heiße Gedanken um das elitäre Denken der Gymnasiallehrer machen.
Weil wir nicht die Pressestellen der Lehrkräfteverbände oder Kultusministerien sind, nehmen wir für uns in Anspruch, journalistische Arbeit zu tun und Schönsprech zu übersetzen. Ginge übrigens auch so: Gymnasiallehrer-Verband will Grundschulen zu vorgegebenen Eingangstests fürs Gymnasium verpflichten.
Stimmt nämlich auch.
Herzliche Grüße
Die Redaktion
🙂 ich auch, ich auch:
Berufsschulen schlagen Aufnahmetest * vor – als Orientierungsmöglichkeit für Ausbildende
* in Praxis und Theorie
Das Wort „übersetzen“ ist schön gewählt.
Maybe schrieb: “Es wäre interessant, jedem Gymnasiallehrer immer wieder Grundschulpflichtzeiten zu ermöglichen.”
Das findet schon lange ganz regulär statt. Nennt sich “Abordnung”.
Ist umgekehrt leider nicht möglich, da Grundschul-Lehrkräfte keine Fakultas für die Sek 2 haben.
Wäre aber bestimmt interessant, sie dabei zu beobachten, wie sie in den unteren Klassen eines Gymnasiums dasselbe Klientel wie in der Grundschule betreuen (mit sämtlichen sozialen und sonstigen Auffälligkeiten) und gleichzeitig ältere Schülerinnen und Schüler zum Abitur führen, die entsprechenden Prüfungen vorbereiten und abnehmen und sechsstündige Klausuren korrigieren – während parallel der “normale” Unterricht weiterläuft.
Viele Grundschullehrerinnen haben doch die Fakultas für das Gymnasium. Bei den Neueinstellungen ist das mittlerweile sogar die große Mehrheit. Die Stellen sind für die Sek2 geöffnet und Bewerberinnen mit dem Lehramt Primarstufe gibt es ja keine auf dem Markt (in NRW )
Die Möglichkeit der Abordnung an GS bei gleichem Salaire ist mir bekannt.
Es wäre interessant, wie oft das passiert ( habe leider dazu keine Zahlen gefunden).
Vlt können Sie ja weiterhelfen.
Mein Gymnasium in Niedersachsen muss im kommenden Schuljahr 50 Schuljahres-Wochenstunden an benachbarte Schulen abordnen – bei einer eigenen Unterversorgung mit Stunden.
Passiert in Niedersachsen seit Jahren regelmäßig.
Mein GY – privater kann eine “Privatschule” nicht sein.
Ich möchte keine Grundschullehrerin sein, die für die Übertrittsentscheidung verantwortlich ist und mit den Eltern umgehen muss, deren Willen zur gymnasialen Laufbahn ihres Kindes keine adäquate Leistung entspricht. Bei jeder Probe wird um halbe Punkte gerungen, der Rechtsanwalt meldet sich etc. Dies in Starnberg halt noch öfter als in Niederbayern. Daher ist es verständlich, wenn mit der Parole “Das Gymnasium wird es schon richten” dieser Belastung ausgewichen wird.
Willkommen in meinem Leben – als Gymnasiallehrer habe ich diese erheiternden Phasen immer wieder. Nennt sich halt Abitur.
Ihr Leben ist seit dreißig Jahren auch mein Leben, in dieser Hinsicht.
Die Eltern sollen entscheiden.
Nein, ein anonym, am besten digital ausgewerteter Test soll entscheiden.
OMG! Bloß nicht!☹️
Ne, die können das nicht, das sieht man doch überall dort, wo sie es dürfen.
Mein Sohn war erst Mittelmaß i der 5. und 6., 7-9 total schlecht und jetzt in der Oberstufe hat ih der Ehrgeiz gepackt und hat meist 13 Punkte. Man kann es einfach nicht im Voraus sageb
Nicht besonderes. In der GOSt gehören deutlich mehr Jungen/junge Männer als Mädel/junge Frauen zum oberen Drittel. Entwicklungsbedingt überholen die Jungen die Mädchen ab dem 16./17. Lebensjahr, nachdem sie 16 Jahre den Mädchen hinterher hinkten.
Wie rückgratlos kann man denn bitte sein? Außerdem haben Lehrer an Gymnasien doch ähnliche Probleme, wenn der Korbinian nicht versetzt werden soll.
Liebe Kollegen (GY, BY),
kannten Sie schon diese interessanten Fakten über den Landkreis Starnberg:
„Der Kaufkraftindex des Landkreises betrug im Jahr 2021 141,1 des Bundesdurchschnitts (100) bzw. 33.363 Euro pro Einwohner.[2] Somit verfügte der Landkreis Starnberg über das höchste Pro-Kopf-Einkommen aller Stadt- und Landkreise in Deutschland.
13,5 Prozent der Beschäftigten im Landkreis Starnberg haben einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss – doppelt so viele wie im Bundesschnitt.
Im Zukunftsatlas der schweizerischen Prognos AG belegt der Landkreis Starnberg seit 2013 durchgängig Platz 8 von über 400 Landkreisen, Kommunalverbänden und kreisfreien Städten in Deutschland und zählt damit zu den Regionen mit „Top Zukunftschancen“.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis_Starnberg
Ich helfe immer gerne. 😉
Grüße von der Basis
Willkommen in der Realität, liebe Philologen!
Der Elfenbeinturm ist schon lange Geschichte.
“Willkommen in der Realität, liebe Philologen!”
Danke für die freundliche Begrüßung! Nur aus Interesse: Wenn ich ein Neuankömmling in der Realität bin – wo komme ich dann eigentlich her? Ist dann ja doch eine existenzielle Frage…
“Der Elfenbeinturm ist schon lange Geschichte.”
Das beruhigt mich ein wenig, danke! Wenn der Elfenbeinturm schon lange Geschichte ist, kann ich zumindest da nicht herkommen…
Den Vorwurf muss ich die eigenen Kollegen (und damit vielleicht auch an mich) etwas weiterreichen. In den Anfangsklassen am Gymnasium klappt das Lernen von Basisfähigkeiten auch nicht gerade gut. Dafür erlebe ich (in Mathe) viel zu oft Schüler in höheren Klassen, die den Stoff der unteres Klassen (negative Zahlen, Brüche, Klammern usw.) nicht mal im Ansatz verstanden haben.
Wenn Schüler (Kl.12) eine Art Erleuchtung bekommen wenn ich ihnen erkläre, dass man 1/2+1/4=3/4 mit Pizzastücken ganz leicht lösen kann, dann fühle ich mich versucht den Kollegen, der die in Kl.6 hatte, man zu fragen was er denn in dem Schuljahr gemacht hat.
Ich weiß, das ist nicht ganz fair den Kollegen gegenüber, u.a. deshalb mache ich es auch nicht.
Aber ich muss leider sagen: Dieses Problem “produzieren” nicht nur Grundschulen, sondern Gymnasien auch.
Und Sie glauben ernsthaft, dass es auch nur eine einzige Lehrkraft gibt, die bei der Einführung der Bruchrechnung keine Pizza, Schokolade, Torte, Smarties usw. benutzt???
Bei der Einführung sicher. Aber danach?
Irgendwie entsteht ja das Phänomen, dass Schüler in den höheren Klassen keinerlei anschauliche Vorstellung von Brüchen haben.
Die vergessen sie wieder!
Jo, das von Ihnen so bezeichnete Phänomen lässt sich sehr leicht erklären.
Ab wann verwenden SuS bei Ihnen den Taschenrechner? Ist Ihnen noch nie aufgefallen, dass die meisten SuS ab diesem Zeitpunkt immer schlechter kopfrechnen können, das Gefühl für Größenordnungen verlieren, Rechengesetze ohne TR nur noch fehlerhaft anwenden?
Was man nicht täglich trainiert, verlernt und vergisst man, so einfach ist das. Ich konnte mich früher super nach dem Stand der Sonne in Ortschaften und im Gelände orientieren. Nach wenigen Jahren Navi auf dem Handy: verlernt.
Natürlich kenne ich das.
Deshalb thematisiere ich ja Grundlagen immer wieder.
P.S. fühlen Sie sich tatsächlich so völlig aus der Verantwortung enthoben, wenn 12 jährige eine notwendige Grundlage nicht erlernen?
Sie haben wirklich noch nie erlebt, dass zwei Jahre nach ihrem Unterricht die gleiche Klasse kollektiv ‘nie gehört’ behauptet? Schüler lernen für die nächste Prüfung, glauben selten bis nie, auch nach hundertster Erklärung, dass nach der Bruchrechnung vor der Bruchrechnung ist. Thema beendet, kommt nie wieder, war schlimm genug, reinste Folter, völlig sinnlos. Physik fängt in der Oberstufe bei mir und den KollegInnen notwendigerweise mit den mathematischen Basics an, das betrifft Gymnasial- und Gesamtschüler gleichermaßen, da ist kein belastbares Fundament. (Was ist der Kehrwert, Zitat Jg 11) Aber 25% der Zeit sind ja laut Lehrplan ‘frei verfügbar für Projekte u.ä.’…
Tatsächlich habe ich das noch nicht erlebt. Dass Sachen nicht mehr präsent sind, das schon. Aber i.d.R. kommt da schnell ein “ach, das war das”.
Sie haben völlig Recht:
Die Unterrichtsqualitätsdefizite die an der Grundschule auftreten sind in der Unterstufe nicht viel besser.
Z.B. wird auch in der Unterstufen Algebra an den Kindern tw. vorbeiunterrichtet. Der Teil der Klasse der in Nachhilfe geht und bei dem die Eltern zu Hause helfen, ist 1 bis 2 Notenstufen besser als der Klassenschnitt und das konstant durch bis in den Jahrgangsstufentest.
Aber wehe man macht den Lehrern klar: dass es an Ihnen und nicht an den Kindern liegt.
Dann wird gleich von Angriffen geschwafelt
Null Selbstkritik.
Deswegen verbessert sich im Bildungssystem auch kaum was…
Ich hatte leider nur selten die Gelegenheit, mich selbstkritisch darüber zu freuen, dass mir Eltern endlich mal klarmachten, dass es an mir liegt. Vielleicht kommen Sie mal zu einem Elternsprechtag?
Ich kenne das Problem auch, dass die Abiturienten denken, dass sie keine Bruchrechnung beherrschen und selbst ein halb mal ein halb nicht berechnen können, aber mit der Pizza dann verstehen. Deshalb unterrichte ich in den kleinen Klassen immer mit besonders viel Anschauung! Trotzdem vergessen sie das wieder. Ich versuche mittlerweile in jeder, wirklich jeder!, Klassenarbeit ab Klasse 6 eine Aufgabe zur Bruchrechnung drin zu haben, damit es nicht vergessen wird. Hilft leider auch nicht.
Das versteht mein Kind in Kl.2 schon ganz ohne Unterricht. Das Problem ist, dass man davon abstrahieren muss in den höheren Klassen
Vieles von der Gymnasialen Mathematik können auch Grundschüler verstehen. Eigentlich besteht der Unterricht ja oft darin, aus einfachen Beobachtungen abstrakte Prinzipien und Regeln abzuleiten.
Nur geht das natürlich nur, wenn die einfachen Vorstellungen mit den abstrakten Regeln auch in Verbindung gebracht werden.
am Gymnasium sind alle ausgelaugt, das Kollegium hat Abitur, 5 /& immer heterogener, Arbeitsverdichtung hoch. Wir sollten 1/4 Frontal machen, 1/4 Projekt, 1/4 digital hybrid und 1/4 dies selbstentfaltende Lernen!
Wir haben viele LK, die schaffen das sonst nicht. Laut, unruhig und zu heterogen. Die werden in einen Raum gequetscht, 28 Kinder und 1 Lehrperson.
Das ist ja noch sehr lieb formuliert. Viele sagen es ja nicht offen, aber sehen vor allem zuhause und in der Nachbarschaft wie unfair es ist. Hasi dreht sich morgens nochmal um, frühstückt dann in Ruhe, joggt und arbeitet auf unserer wunderschönen Blümchenterrasse und ich fahre los. Baustellen usw. Er wird besser bezahlt als wir, hat die 35 Stunden Woche und halt da das neue Homeoffice an 3 Tagen. Das spart ihm dann Benzin, Zeit und das Auto selbst. Es sind jetzt seit Jahren harte Komponenten, die bei Lehren nicht mehr wirken und Jüngere nicht mehr nachkommen. Es ist unflexibel, alles großartig in Präsenz, teils bis abends 22 Uhr, und schlecht bezahlt. Eigentlich müssen Lehrer eine Präsenzpauschale erhalten, Schichtzulagen usw. und wo ist das beliebte 13.???
🙂 Eure Peti, Lippe
das Theater kennen wir leider auch aus unserem Viertel. Ist das nicht erschreckend? Man opfert sich auf, geht bei jedem Wetter raus, zahlt noch drauf und die Nachbarn schauen dich noch groß an und freuen sich über ihr greatest Homeoffice. Die Zukunft wird es zeigen, sie haben recht, wir sehen, die Jugend kommt nicht mehr nach. Es ziehen tatsächlich flexibles Arbeiten, Homeoffice und Geld. Ist der Unterschied zwischen 35 und 45 nicht gewaltig?
richtig, Lehrer haben auch Anrecht auf Homeoffice und 35 Std Woche.
Für die Schulpräsenz muss es eine Zulage geben. Menschen im Homeoffice dürfen nicht besser gestellt sein! Das führt sonst zu dieser beschriebenen Ungerechtigkeit 😉
Und wenn die Nachbarn dann aufgrund von Bewegungsmangel und untüchtigem Immunsystem schon längst immobil und schwer eingeschränkt sind, gehen die Lehrkräfte, mittlerweile Ende 60 und älter, immer noch raus und ziehen ihr Ding durch – das ist doch auch irgendwie toll!
Klar, wenn einem der Lernerfolg der Kinder egal ist oder man seinen Job nicht (mehr?) im Griff hat, dann sind solche Forderungen logisch. Ansonsten nicht!
Sind Sie sicher, dass die Schülerleistungen besser werden, wenn Sie Homeoffice neben ihrem “Hasi” machen?
Gibt es überhaupt noch irgendwelche anderen Denkansätze bei Ihnen außer Hasi und der Blümchenterrasse?
Kann es sein, dass Sie mit Ihren Beiträgen alle hier ganz furchtbar nerven?
nur mal so: Wie genau soll das funktionieren? Frontal, okay. Projekt? Wer führt das durch?
Die sogenannten Projektwochen waren das Anstrengendste überhaupt. Digital/hybrid?
Einige da, andere zugeschaltet? Hatten wir zu Covid-Zeiten. Kann ich,
sorry, zu früh abgeschickt, also: digital/hybrid. Mega-anstrengend. Konzentration auf Klasse und Zugeschaltete.
Und “dieses selbstentfaltende Lernen”… Nun ja, da entfaltet sich bei den meisten gar nichts, wenn man nicht schiebt und zieht und Unmengen Material parat hat. Das man am besten noch selbst erstellt. Also alles seeehr anstrengende Vorschläge. Und Projekt und “selbstentfaltend”, da sind auch alle da und leise ist es nicht.
Das Gymnasium sagt: „Wir machen einen Eingangstest mit jedem Schüler der möchte bzw. deren Eltern es wollen.“.
ABER: Das würde ja Arbeit bedeuten! Deshalb lieber meckern. Der bpv ist meiner Meinung eh nur ein Verband der ein einziges Ziel verfolgt: Mehr Geld seiner Mitglieder vom Staat!
Seit Jahren unter Eltern bekannt:
Die Unterrichtsqualität in der Grundschule sinkt!
Die Folgen für die Kinder gravierend.
Demzufolge fehlen den Kindern relevante Fähigkeiten in Mathematik und Deutsch (Rechtschreibung, Zeichensetzung).
Die Grundschulen erzählen das wird trotzdem.
Die Gymnasien stellen sich hin und meinen die Kinder müssten das alles können.
Die Schüler werden in dem Chaos zwischen beiden Schularten zerrieben.
Viele bildungsnahe Haushalte erkennen die Unzulänglichkeiten im Bildungssystem, schliessen die Lücken, die der Grundschulunterricht lässt, dann selbst.
Erst die Tage wieder diskutiert: wie verbessert man zwischen 4. Klasse und Gymnasium Rechtschreibung/Zeichensetzung so, dass das die Defizite im Bildungssystem nicht auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden.
Deswegen gehen am Ende auch mehr Kinder aus diesen Familien dann auch aufs Gymnasium wie der Chancenmonitor 2026 wieder mal zeigt.
Würden Sie bitte die Lücken beschreiben, die Ihrer Meinung nach beim Abgang von der Grundschule bestehen.
Ich vergleiche diese dann mit denen bei Aufnahme in berufliche Schulen.
Gender pay gap und Zahnlücken
Wie nennt man den coolen Jungen zwischen zwei krassen Blondinen?
“BILDUNGSLÜCKE”
🙂 armer Bub
Nee, Jaust.
Immer diese “Fremdsprachen”.
Plural Jäuster. Nähere Erläuterung – @PetraOWL befragen
Jetzt muss ich aber mal herzlich lachen, sorry!
In Bayern beklagt man die gymnasiale Eignung der GS-SuS… Und das, obwohl die Vorraussetzungen zum Gym – Besuch doch ziemlich streng zu sein scheinen!
Da frag ich mich doch:
Worüber sollen denn die Gymnasiallehrer/-innen derjenigen BL klagen und jammern, wo die Eltern (!!!) entscheiden??? Wo es letztlich völlig wurscht ist, wie die Noten im Übertrittszeugnis aussehen? Wo die Empfehlungen der Grundschule nur noch in Ausnahmefällen eine Rolle spielen?
Halleluja, … Und dann noch den Grundschulen die Schuld geben! Ich finde das als sehr anmaßend! (Freundlich formuliert)
Vielleicht sollte man wieder Eingangstests einführen wie es das ganz früher gab. Nur wer den Test besteht wird aufgenommen. Dann sieht die aufnehmende Schule, was die Schüler können und sind nicht von den “falschen” Gutachten der Grundschulen abhängig, die schlecht vergleichbar sind. Und die Grundschule ist mehr bemüht ihre Schüler fit zu machen, damit sie die Tests bestehen! So könnte ein Elitegymnasium auch einen schwereren Eingangstest haben als ein Gymnasium, dass bewusst auch schwächere Schüler aufnehmen will.
Geht eben viel schneller, wenn man das Häkchen bei der “richtigen” Schulform macht. Sollen sich eben andere mit den Eltern ärgern.
Oder manche jungen KuK in der GS wissen oder können es eben nicht besser. Da ist alles supi und schön, was die Kinder machen und da darf auch niemand enttäuscht werden, lernt man ja so im Studium. Das nimmt einfach alles komische Formen an. Aber gut, das Gymnasium macht es ja mittlerweile genauso und schiebt alle durchs Abi. Und die Unis freuen sich dann über die Studierenden ohne Grundkenntnisse.
Genau das erlebe ich Jahr für Jahr.
Mittlerweile können wir oft, ohne Bogeneinsicht sagen, woher sie SuS wohl kommen.
Bei den Schuleingangstests mit den Erstklässlern konnte ich auch sehr oft die Kita “erraten”, welche die Kinder zuvor besucht hatten.
Dieser Hype um die Gymnasien… In 2025 haben sich 20.800 Abitutienten für eine Ausbildung statt für ein Studium entschieden. Da haben die Eltern wohl nicht mehr mitzubestimmen gehabt, Volljährigkeit…. Und nicht jeder Schüler mit einer Empfehlung seiner Lieblingslehrer/-innen hat nach der Grundschulzeit seine Schullaufbahn auf einem Gymnasium fortgesetzt, trotz prima Noten…
Erspart den Abi-Enten den allgemeinen bildenden Unterricht an der Berufsschule und den Ausbildern die Beschränkungen durch das Jugendarbeitsschutzgesetz.
Schon wieder ein Punkt weniger in der PuG- Abschlussprüfung 😉 😉
@ dickebank. Rechtlich verantwortlich sind die Ausbildenden.
Und ganz richtig: WENN in D, PuG Rel befreit wird, gibt’s schöne Freistunden – bloß: nur wenn die Betriebe mitspielen; dies wird bei uns gerade von den gesuchtesten häufig verweigert.
20.800 Abiturienten. Das sind nahezu 700 Abschlussklassen (geschätzt). Die Studienabbrecher sind da noch nicht einberechnet.
Stammgruppen in der GOSt liegen zwischen 20 und 25 SuS. Also zwischen 800 bis 1100 Stammgruppen.
Jetzt schätzen wir mal wie viele GOSten es an GY, GE und BK gibt.
Und ich sach nur eines, die Anzahl der Stammgruppen zwischen den unterschiedlichen Schulformen und selbst innerhalb einer Schulform sehr unterschiedlich. Manche Oberstufen sind übersichtlich, andere Massenhaltung.
Ich arbeite als Grundschullehrerin in einem anderen Bundesland. Bei uns ist es inzwischen lediglich eine Empfehlung, der die Eltern widersprechen können. Zusätzlich findet eine optionale Testung statt, wenn die Familien die Empfehlung erhalten möchten und die Lehrkraft zuvor anders entschieden hat. So viel zu meiner Ausgangslage.
Ich bin tatsächlich äußerst entsetzt von diesem Artikel. Nicht, weil die Schuld das erste Mal bei den Grundschulkräften gesucht wird, das ist stets der einfache Weg, aber wie hier unnötig polarisiert wird und nicht lösungsorientiert gehandelt wird.
Grundschulen könnten den Stab auch weiterreichen, machen wir jedoch nicht. Auch wir könnten anprangern, dass Kinder in die Schule kommen, die inzwischen weder Schere halten, Schuhe binden, sich selbst anziehen, oder Farben benennen können. Auch bei uns fehlen zunehmend Basiskompetenzen mit Schuleintritt. Ein Austreten in Richtung von Kindergärten und Familien wird dabei aber keine Lösung bringen. Genauso wenig, wie das Schaffen neuer Barrieren und Tests plötzlich das Niveau anheben werden.
Viel eher müssen wir die Ursachen für diese Wendungen betrachten und dazu zählt auf jeder Ebene an erster Stelle der Personalmangel und der Mangel an Investitionen in die Bildung. Dies beginnt mit dem Kindergarten und geht bis zum Gymnasium – mit unfassbar großen Gruppen- und Klassengrößen, den massiven Mängeln innerhalb der Ausbildung von Fachkräften, die absolut realitätsfern ist und den Zuständen vor Ort innerhalb der Schulen. Das gepaart mit Familien, die immer mehr arbeiten sollen, laut Regierung dies auch zu wenig tun und daher weniger Zeit mit ihren Kindern verbringen und wenn, sie dann gerne auch vor den digitalen Geräten parken, da ihnen die Kraft ausgeht – das sind die wahren Probleme, die angegangen werden müssen, um das Lernniveau und die Basiskompetenzen zu steigern.
Ach und die Verteilung in ihren Landkreisen? Die zeigt eines ganz deutlich – die soziale Ungleichheit ist aktuell wieder stärker denn je.
Ich kenne nicht die vollständigen Äußerungen des bpv-Vorsitzenden, aber die hier wörtlich zitierten Aussagen sind in meiner Wahrnehmung ziemlich neutral gehalten. Die Einordnung und Interpretation als Kritik an Grundschulen oder gar an Grundschullehrern erfolgt an anderen Stellen, speziell in der Überschrift. Ob Herr Schwägerl eine Schuld (!) bei den Grundschulen sieht, vermag ich anhand seiner hier zitierten Äußerungen nicht sagen.
Ich teile Ihre Sorge die Polarisierung betreffend und würde mir ebenso einen neutraleren Austausch wünschen.
Gymnasien ABSCHAFFEN. Gift für ein inklusives Bildungssystem!