MÜNSTER. Immer mehr Erstklässler schaffen den Übergang in die zweite Klasse nicht, ganze Grundschulen kämpfen mit dramatischen Wiederholerquoten. Maria-Valentina Westermann, Projektleiterin des Lernservers (eines wissenschaftlichen Diagnose- und Förderprogramms für die Rechtschreibung) sieht, dass es immer mehr Kindern an den notwendigen Vorläuferfähigkeiten fehlt. Aus ihrer Sicht geboten, wie sie im folgenden Beitrag darlegt: eine Konzentration der frühen Bildung auf das Wesentliche.

Warum immer mehr Kinder schon in der ersten Klasse scheitern – und was sich dagegen unternehmen lässt
Kinder, für die schon die erste Klasse zur Hürde wird, sind längst keine Seltenheit mehr. Die Gräfenau-Schule, die immer wieder damit Schlagzeilen macht, dass dort jährlich etwa 40 Kinder nicht in die zweite Klasse versetzt werden können, ist kein Einzelfall. In Nordrhein-Westfalen wiederholen in diesem Jahr 6,5 Prozent der Erstklässler das erste Schuljahr. In einzelnen Schulen im Raum Dortmund brauchen sogar 45 Prozent der Kinder fünf Grundschuljahre statt der vorgesehenen vier.
Die Folgen sind absehbar: Schon jetzt bleiben immer mehr Kinder länger im System, was sich nicht nur negativ auf deren Bildungsweg auswirkt, sondern auch dazu führt, dass die Klassen voller werden, mehr Lehrerstunden benötigt werden und die Zeit für das einzelne Kind knapper wird – während genau diese Kinder eigentlich eine intensivere Unterstützung bräuchten.
Zusätzliche Unterrichtsstunden und verbindliche Vorschulkurse, mit denen in den Ländern auf diese Entwicklung reagiert wird, sind nur ein Teil der Lösung. Was es braucht, ist ein grundsätzliches Umdenken und eine Neuorientierung frühkindlicher Bildung und der ersten Grundschuljahre.
1. In den ersten Schuljahren hat die Sicherung des Elementaren absolute Priorität
Je mehr in der Grundschule nachgeholt werden muss, desto konsequenter muss diese sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können. Bei derart großen Lücken in den Basisbereichen Lesen, Schreiben und Rechnen, wie sie derzeit zu verzeichnen sind, reichen wöchentliche Zusatzstunden nicht aus. Stattdessen braucht es eine generelle Neuorientierung und eine Reduktion der Curricula auf die Sicherung der Grundausstattung, ohne die kein nachhaltiger Lernerfolg möglich ist und die die Kinder spätestens auf der weiterführenden Schule dringend brauchen.
Das Thema Sprachförderung muss in allen Lernbereichen eine zentrale Rolle spielen. Auch Kinder ohne Zuwanderungsgeschichte haben immer häufiger Defizite in der Sprachkompetenz und verfügen oft über einen viel zu kleinen Wortschatz. Die Qualität ehrenamtlicher Zusatzangebote und eigenen Förderangeboten für Kinder mit größeren Rückständen muss sich dabei an ihrem Output messen lassen: Entscheidend ist das tatsächliche Weiterkommen der Kinder.
Weder kann die Grundschule aber alles kompensieren noch kann sie mit allzu unterschiedlichen Startpunkten der Kinder vernünftig umgehen. Die Vorbereitung auf einen guten Schulstart muss in der Familie und im Kindergarten erfolgen; die Grundschule kann nicht bei null anfangen.
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- Förderprogramm für Vorläuferfähigkeiten und Schriftspracherwerb
Eine sichere Basis ist das Fundament für alles Weitere. Häufig fehlt es Lehrkräften und pädagogischem Personal aber an differenzierten Materialien, wenn schon beim ersten Lesen, Schreiben und Rechnen Lücken geschlossen werden müssen. Der Lernserver, Deutschlands umfassendstes Diagnose- und Förderprogramm für die Rechtschreibung, hat dafür nun eine praxisorientierte Anleitung entwickelt.
Bei immer mehr Kindern lässt sich zudem zu Beginn der ersten Klasse nicht von Schulfähigkeit sprechen; Lehrkräfte stehen dann vor der großen Aufgabe, in der Grundschulzeit das zu kompensieren, was die Kinder eigentlich zuhause und im Kindergarten hätten lernen müssen.
Zu diesem Zweck hat der Lernserver die zweibändige Reihe „Erfolgreicher Schriftspracherwerb“ herausgegeben, der in Zusammenarbeit mit Lerntherapeuten, Psychologen, Lehrkräften und Erziehern entwickelt wurde.
Der erste Band mit dem Titel „Vorläuferfähigkeiten kennen und fördern“ ist als Handreichung und Nachschlagewerk für Lehrkräfte konzipiert und widmet sich überfachlichen und fachlichen Vorläuferfähigkeiten von Motorik über Wahrnehmung bis hin zu Konzentration und Lernmotivation. Neben fundiertem, wichtigem Hintergrundwissen zu den einzelnen Förderbereichen erhalten Lehrkräfte Hinweise auf das Erkennen von Defiziten, aber auch und vor allem konkrete Spiel- und Übungsanregungen, die sie ergänzend in Unterricht und Förderung einsetzen können.
Beim zweiten Band mit dem Titel „Einstieg in die Schriftsprache“ handelt es sich um ein detailliertes, intensives Förderprogramm für diejenigen Kinder, die auch nach Abschluss des ersten Schuljahres massive Schwierigkeiten mit dem Schreiben und Lesen haben und selbst einfache Wörter nicht zu Papier bringen können. Das Werk ist einsetzbar ab der zweiten Klasse bis in die Sekundarstufe 1 und bei Bedarf auch darüber hinaus.
Nach Abschluss des Programms kann für eine Förderung mit steigendem Schwierigkeitsniveau die Münsteraner Rechtschreibanalyse (MRA) durchgeführt und auf deren Basis individuelles Fördermaterial für die Rechtschreibung angefordert werden.
Hier lassen sich die beiden Bände bestellen: www.lernserver.de/deutsch/basiskompetenzen/uebersicht.html
2. Wirkungsvolle Frühförderung geschieht nicht durch Zusatzprogramme, sondern im Alltag
Kinder, die die Voraussetzungen für einen guten Schulstart nicht erfüllen, müssen die Ausnahme bleiben. Das setzt eine andere Förderlogik im Kindergarten voraus. Was es braucht, sind nicht noch mehr Förderprogramme, sondern die Unterfütterung alltäglicher Aktivitäten mit gezielten Anregungen zur Unterstützung von Sprachkompetenz, mathematischen Vorläuferfähigkeiten, phonologischer Bewusstheit und der Vorfreude auf das Abenteuer Schule.
Die Erweiterung des Wortschatzes, die Entwicklung von Sprachgefühl, Mengen- und Zahlenverständnis lassen sich nicht in einer wöchentlichen Förderstunde realisieren, sondern müssen in den Alltag integriert werden. Nur so kann pädagogischem Personal auch auffallen, wo welchem Kind noch wichtige Puzzleteile fehlen. Meidet ein Kind Brettspiele? Beteiligt sich ein anderes nicht an Abzählreimen oder anderen Sprachspielen? All das sind wichtige Anzeichen für einen Unterstützungsbedarf, auf den unmittelbar reagiert werden muss. Damit das gelingt, braucht das Fachpersonal praxisnahe Schulungen und alltagstaugliche Handreichungen, die die Kernbereiche fachlicher Vorläuferfähigkeiten näherbringen und ein Verständnis für das vermitteln, was Erstklässlern heute häufig für einen gelungenen Schulstart fehlt.
3. Eltern tragen Verantwortung – und brauchen Orientierung
Der Grundstein für den Lernerfolg wird im Elternhaus gelegt. Wer darin eine unzumutbare Zusatzaufgabe für die Eltern sieht, deren Verantwortlichkeit doch eigentlich bei der Schule läge, verkennt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Kinder sich gestärkt, sicher und voller Neugierde dem anspruchsvollen Unterfangen des Lesen-, Schreiben- und Rechnenlernens widmen können. Wenn die Gespräche zuhause beispielsweise nur auf das Nötigste beschränkt sind, hat das negative Auswirkungen auf Wortschatz und Sprachkompetenz. Social Media-Verbote für Kinder helfen da nur wenig; Verantwortung für ihr Kind und dessen Zukunftschancen tragen die Eltern. Dass Bildung nicht vom Elternhaus abhängig sein darf, heißt nicht, dass in der Familie keine Vorbereitung auf den Schulstart stattfinden muss.
Gleichzeitig wächst der Druck auf Familien: Wenn in der Schule die Strukturen fehlen, um auf jeden Unterstützungsbedarf eingehen zu können, müssen Eltern aktiv werden – gerade in der entscheidenden Phase der ersten Schuljahre als Grundlage für alles Weiterführende. In dem immer häufiger geäußerten Wunsch vieler Eltern, ihrem Kind nicht nur bei den Hausaufgaben zu helfen, sondern es vor allem in den Basisbereichen gezielt zu unterstützen, liegt für alle Beteiligten eine Chance: Im Mittelpunkt steht dann das einzelne Kind mit dem, was es schon kann und mitbringt und dem, worin es sich weiterentwickeln kann – und muss, um die Angebote der weiterführenden Schule dann auch nutzen zu können. Nicht richtig ist es also, sich einfach darauf zu verlassen, dass das Kind am Ende der Grundschule schon all das können wird, was es für die weiterführende Schule braucht. Nicht nur Vergleichstests zeigen, dass dem leider immer weniger so ist, sondern vor allem auch die Erfahrungen von Lehrkräften in der Sekundarstufe, die bei ihren Fünftklässlern immer mehr Kompetenzen vermissen, die lange Zeit vorausgesetzt wurden.
Wichtig ist also, zwischen Wichtigem und Unwichtigem zu unterscheiden, größere Lernziele im Blick zu behalten und genau hinzuschauen, was zu der Grundausstattung gehört, die den Kern von Bildung ausmacht.
4. Heterogenität darf nicht zu einer allgemeinen Absenkung des Leistungsniveaus führen
Zunehmend unterschiedliche Lernvoraussetzungen im Klassenzimmer sind Realität; viele Lehrkräfte verlangen in Prüfungen weniger von ihren Schülern als noch vor wenigen Jahren. Heterogenität darf aber nicht zu einer Anpassung des Leistungsniveaus nach unten führen, sondern muss auch heterogen beantwortet werden: Statt überfrachteter Lehrpläne brauchen Lehrkräfte die Freiheit, sich auf die individuellen Lernzuwachse ihrer Schülerinnen und Schüler konzentrieren zu können, mit je unterschiedlichen Ausgangspunkten und Zielen. Darin, Ungleiches ungleich zu behandeln, liegt ebenfalls eine Chance: Entscheidend ist nämlich, was die Kinder wirklich gelernt und verinnerlicht haben und anwenden können. Dass das bloße Durchnehmen von Schulstoff und auch so manche Prüfungsform damit obsolet wird, heißt aber nicht, dass Curricula von klassischen Bildungsinhalten befreit werden sollten. Auch hier gilt: Erst, wenn das Fundament gesichert ist, kann man sich um das kümmern, was darauf aufbauen soll.
Aufgabe der Grundschule ist und bleibt es also, die Basis zu sichern: Am Ende ihrer Grundschulzeit sollten alle Kinder lesen, schreiben und rechnen können. Das klingt banal, ist aber leider schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr. Der alarmierende Leistungsrückgang im Bereich Basiskompetenzen muss zu einer Rückbesinnung auf diese Kernaufgabe führen. Um diese erfüllen zu können, ist die Schule darauf angewiesen, dass die Voraussetzungen für einen guten Schulstart in Kindergarten und Familie hergestellt werden.
Die Forderung einer Rückbesinnung auf die Kerninhalte von Bildung ist übrigens keineswegs rückwärtsgewandt. Auch lässt sie nicht außer Acht, dass das Zurechtfinden in einer unübersichtlich gewordenen Welt allerlei Fähigkeiten erfordert, die weit über das Lesen-, Schreiben- und Rechnenkönnen hinausgehen. Mit einer klaren Priorisierung dieser notwendigen Grundausstattung wird vielmehr erst die Voraussetzung dafür geschaffen, sich all das anzueignen, was je nach Bildungs- und Erwerbsbiographie erfordert ist. Bei dieser Grundausstattung geht es nicht um austauschbares Wissen, sondern um grundlegendes Können. Wer über unzureichende Sprachkompetenz, Leseflüssigkeit und Kenntnisse vom Aufbau unserer Sprache verfügt, kann auch keinen Sprachgebrauch untersuchen, Texte reflektieren oder sie auf ihre Glaubwürdigkeit untersuchen. Ohne ein sicheres Fundament ist alles nichts – höchste Zeit also, die Grundschulen darin zu unterstützen, es herstellen und nachhaltig sichern zu können. News4teachers
Hier geht es zu allen Beiträgen des News4teachers-Themenmonats “Frühe Bildung”.









“Wer darin eine unzumutbare Zusatzaufgabe für die Eltern sieht, deren Verantwortlichkeit doch eigentlich bei der Schule läge, verkennt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen”
Ich bezweifel, dass irgendwer die immense Wirkungsmacht unterschätzen, aber manche Familien können/ wollen dies nicht leisten. Was nun? Kind fallenlassen, Eltern sind halt schuld?
In Zeiten des Lehrkräftemangels finde ich es zudem etwas kurz gegriffen, pauschal und unbelegt vor Absenkung des Leistungsniveaus zu warnen – bessere Förderung muss diese Niveaus (wieder) erreichen
Ich glaube nicht, dass der Lehrermangel als Hauptgrund für eine “Absenkung des Leistungsniveaus” herhalten sollte.
Die Dame spricht von sicheren Grundfertigkeiten im Lesen, Schreiben, Rechnen und nicht von Faust II, Wahrscheinlichkeitsrechnung und literarischer Erörterung in der Grundschule – mMn sehr vernünftig, auf die basics, die Lebenstüchtigkeit ermöglichen, bedacht.
Ihre Ausführungen werden allerdings einigen Elternteilen gar nicht gefallen, da sie sie auch in die Pflicht nimmt.
Wäre schön und interessant, wenn Eltern sich zu Wort melden würden.
“Ich glaube nicht, dass der Lehrermangel als Hauptgrund für eine “Absenkung des Leistungsniveaus” herhalten sollte.”
Ich muss einräumen, dass viele Kinder mit weniger Vorläuferfähigkeiten in die Grundschule starten, aber hier schmerzt dort besonders.
“Ihre Ausführungen werden allerdings einigen Elternteilen gar nicht gefallen, da sie sie auch in die Pflicht nimmt.”
Den Beobachtungen im Forum folgend IST dies häufig der Fall.
Wie oft wollen wir noch lesen, dass die Kultusminister*innen – aber jetzt nochmal wirklich ernsthaft! – an die “Eigenverantwortung” appelieren, welche nachweislich ausblieb?
Wie oft wollen wir noch lesen, dass die Kultusminister*innen – aber jetzt nochmal wirklich ernsthaft! – an die “Eigenverantwortung” appelieren, welche nachweislich ausblieb?
“Wollen” werden wir nicht,
müssen werden wir schon.
Das Wort > Verantwortung wird immer mehr zum Fremdwort,
“Eigenverantwortung” erfordert Erziehung dazu – und da versagen Gesellschaft und oft auch Eltern.
( Sie können als Beispiele die mangelnde Vorsorge – fürs Alter, für ein gutes Leben an sich, das Ausnutzen sozialer Maßnahmen zu Ungunsten Bedürftiger, skrupelloses Verletzen anderer mit Auto oder Handy…….nehmen. Grenzen sind nicht mehr in.)
“Sie können als Beispiele die mangelnde Vorsorge – fürs Alter, für ein gutes Leben an sich, das Ausnutzen sozialer Maßnahmen zu Ungunsten Bedürftiger, skrupelloses Verletzen anderer mit Auto oder Handy…….nehmen.”
Ich würde die Boomer nicht dafür angehen, dass sie zu wenig für die Rente taten bzw. zu wenig Kinder bekamen bzw. zu kurz arbeiten wollten :/
Wenn Sie dazu Kriminalität reinwerfen, glaube ich, dass Sie die strukturellen Hintergründe und Möglichkeiten von “Eigenverantwortung” weit überschätzen
Wenn man Eltern mit in die Gleichung reinnimmt, war es das mit der Chancengerechtigkeit. Das Ziel muss sein, die Eltern endlich aus der Gleichung raus zu nehmen, damit die bildungsnahen SuS nicht wieder im Vorteil durch Hilfe der Eltern oder Nachhilfe sind. Dazu müssten die Schulen aber ganz anders organisiert und mit genug Ressourcen ausgestattet sein. Sonst bleibt es wie bisher. Ich denke, der Appell an die Eltern bringt gar nichts. Die, die das einsehen und leisten können, machen das bereits und alle anderen eben nicht. Am Ende sehen wir den heutigen IST-Zustand.
…dann werden sie (Eltern) es lernen müssen.
Wir können als Lehrerinnen nicht jede Ungleichheit auffangen, denn sonst wird die Ungleichheit mangels Bildung noch größer.
Ginge es nach der Vorstellung vieler so ist in der Schule ja für alles gesorgt. Es gibt LuL, SozPäds, Schulbegleiter, ein kostenfreies Mittagessen, Leih-Ipad, Lehrmittelfreiheit…….
So wird es politisch vermittelt; dass die Realität anders aussieht, wissen wir. Viele Erziehende beharren aber auf dem schulischen Wolkenkuckucksheim.
Wenn Sie als Lehrerin jeden und alles retten wollen, so ist das wunderbar. Hoffentlich sind Sie auch resilient genug, für zu viele von uns führt die Schülerweltrettung in burnout/Depression ):
“Das Ziel muss sein, die Eltern endlich aus der Gleichung raus zu nehmen, damit die bildungsnahen SuS nicht wieder im Vorteil durch Hilfe der Eltern oder Nachhilfe sind”
Das könnte man jetzt aber auch missverstehen. Will man bildungsnahe Eltern daran hindern, ihren Kindern zu helfen, ihnen Bildungsangebote zur Verfügung zu Stellen (sich mit ihren Kindern beschäftigen/unterhalten, Bücher, Museumsbesuche, Konzerte, Reisen….)?
Ich weiß, dass Sie das so nicht meinen … 🙂
“Die Eltern aus der Gleichung raus nehmen”- Wollen Sie den engagierten und “bildungsnahen” Familien die Beschäftigung mit ihren Kindern einschränken oder wegnehmen? So ein Quatsch! Verantwortliche und liebende Eltern verbringen gerne Zeit mit ihren Kindern, gehen in den Zoo, auf Konzerte oder ins Theater und Museum, weil sie große Freude daran haben, das Wachsen und Reifen ihrer Kinder zu erleben und zu begleiten, und sie bietenvielfältige Anregungen. Das kann ihnen niemand absprechen, und allein deshalb ist eine zwangsweise Ganztagsschule von vielen Familien nicht akzeptiert – richtig so! Wahlfreiheit nach Bedarf ist der Weg. Grundgesetz: “Pflege und Erziehung der Kinder ist zuerst das Recht der Eltern UND IHRE PFLICHT!”
Ich habe eine Idee: Man verpflichtet alle diese bildungsaffinen Eltern, nebenbei und ehrenamtlich, mindestens ein benachteiligtes Kind mit zu betreuen. Dann hat das Kind auch gleich noch einen Spielkameraden und kann seine sozialen Fähigkeiten trainieren. (Ironie)
Komisch, dass niemand diese Idee gut findet. 🙂
Unter Vorläuferfähigkeiten verstand man “früher” die “Schulreife”. Also Fähigkeiten, die Kinder normalerweise vor der Einschulung haben sollte. Im folgenden link werden die wichtigsten aufgeführt::
Vorläuferfähigkeiten – Korczak Schule
Hätte die Mehrheit der eingeschulten Kinder diese Fähigkeiten, gäbe es später in der Schule weniger Probleme.
“Hätte die Mehrheit der eingeschulten Kinder diese Fähigkeiten, gäbe es später in der Schule weniger Probleme.”
Jup. Haben aber viele nicht – siehe Artikel
Ja und nun?
Hier zwei passende Artikel aus der “Frankfurter Rundschau”:
„Erschreckender“ Trend in deutschen Kitas gefährdet die Entwicklung der Kinder
Trend in deutschen Kitas wird uns in 20 Jahren zum Verhängnis
Na dann wünschen Sie sich kräftig weiter, dass Familien diese Fähigkeiten aus reiner “Eigenverantwortung” plötzlich mitgeben wo sie es vorher nicht taten.
Wahrscheinlich denken die nun “Achso!” und machen künftig alles besser – ohne dass wir etwas tun mussten. Wie praktisch und kostenlos
” Sag das Zauberwort!”
“Vorschule!”
Da genau wurden die sogenannten “Vorläuferfähigkeiten” eingeübt.
Man könnte auch GS- Lehrer- und Lehrerinnen einmal fragen, was sie denn brauchen, damit AU gelingt. Die Antworten werden sehr ähnlich sein.
Verbindliche Vorklassen an den Grundschulen einzuführen wäre ein sinnvoller Lösungsansatz.
In den meisten Kitas passiert leider wenig in Bezug auf die Schulvorbereitung. Auch habe ich schon in den 90ern feststellen können, dass Kinder, die die Vorklasse der Schule besucht hatten, oft mehr konnten, als Kinder de in der Kita einmal wöchentlich ein bisschen Vorschule hatten. Statt die Vorklassen damals +zumindest hier in Berlin) abzuschaffen, hätte man sie ausbauen sollen. Lehrer, die diese Klassen hätten übernehmen können, gab es damals mehr als genug. Aber an Bildung lässt es sich leider immer am besten späten.
“In den meisten Kitas passiert leider wenig in Bezug auf die Schulvorbereitung. Auch habe ich schon in den 90ern feststellen können”
Sie keinen, in den letzten 30 Jahren habe sich nichts verändert?
… es hat sich was verändert: immer mehr Kinder haben bei Einschulung nicht die Vorläuferfähigkeiten!
Schreiben Sie das Teacher mit Herz 😉
“Auch habe ich schon in den 90ern feststellen können, dass Kinder, die die Vorklasse der Schule besucht hatten, oft mehr konnten, als Kinder de in der Kita einmal wöchentlich ein bisschen Vorschule hatten.”
Ich beantwortete Ihre Frage!
Und Sie haben, wieder einmal nicht verstanden, was Teacher mit Herz schrieb, zitieren es aber trotzdem. 🙂
Sie werden immer wunderlicher.
Sie müssen sich bei ihrem Untergraben schon festlegen, ob etwas seit den 90’ern schon schlecht lief oder ob es an heutigen Entwicklungen liegen soll.
Vielleicht meinte Teacher mit Herz auch einfach etwas anderes als Sie? Warten wir dessen Antwort ab 😉
An der Bildung späten. Hier hat die Autokorrektur (vielleicht sogar eine weise KI) mal etwas Kreatives geschaffen. Vielleicht könnte man noch steigern: An der Bildung zu späten oder verspäten.
Oder war das Ihre Absicht? Dann Hut ab :-).
Da inzwischen nicht nur Väter, sondern in den meisten Fällen beide Elternteile arbeiten gehen müssen (spätestens nach 1 oder 2 Jahren Elternzeit), fehlt am späten Nachmittag/Abend die Lust und die Zeit (der Haushalt wartet ja auch noch) sich ausführlich mit den Kindern zu beschäftigen. Immer öfter hält das Handy/Tablet/Fernseher zur Beschäftigung her. Draußen spielen (und dort Kompetenzen erwerben), etwas unternehmen und mit den Eltern spielen tritt leider immer mehr in den Hintergrund und damit auch die Kompetenzen der Kinder.
Also doch wieder die Mütter zurück an den Herd?
Wie wäre es mit besserer vorschulischer Bildung und Erziehung in den Kitas, mit standardisierten und einheitlichen Bildungs- und Erziehungsplänen, unabhängig vom Träger? Und natürlich mit entsprechender Anzahl gut ausgebildeter Erzieher?
Aber vorher den Muttis das Kochen beibringen.
(Nein ich bin nicht angstbefreit, aber ich kann gaaaaaanz schnell laufen.)
Wie wäre es einfach mal damit, Kinder Kinder sein zu lassen. Mit Freispiel drinnen und draußen, Mithilfe bei alltäglichen Alltagsdingen wie Tischdecken, Essen zubereiten, nähen, Werken, basteln, einkaufen, in die Natur gehen etc. Da kann man spielerisch ganz viel mit den Kindern lernen, durch zählen, Feinmotorik fördern, Großmotorik fördern, sprachliche Begleitung der Aktivitäten und so weiter. Was Erzieherinnen, die übrigens eine gute und vor allen Dingen Praxisnahe Ausbildung genießen dürfen, sind neunmalkluge Grundschulkräfte die meinen, uns unseren Job erklären zu müssen.
Richtig! Und das geht auch, wenn Mutti arbeitet. Das hat meine Mutter geschafft und ich auch (trotz Vollzeit). Es kommt nicht auf die Quantität, sondern auf die Qualität an, wie man die Zeit mit seinen Kindern nutzt.
…. und es hängt auch davon ab, ob man seinen Kindern etwas zutraut und sie altersgerecht zu Selbständigkeit und Verantwortungsbewussten erzieht.
“Das hat meine Mutter geschafft”
Na, solange sich im letzten halben Jahrhundert sich nichts verändert hat (augenroll)
Ich kenne die Praxis schulischer Nachmittagsbetreuung und widerspreche.
Ich war schon in der 1. Klasse Schlüsselkind, meine Kinder und Enkelkinder ab der 3. Klasse – Eltern bei allen voll berufstätig.
Um richtig gut ausgebildetes Fachpersonal zu haben, brauchen wir erst einmal Schüler/innen, die das intellektuell leisten können und deren Horizont nicht beim Freispiel endet und die selbst Bildung haben und wollen.
Ich unterrichte angehende Erzieher und Erzieherinnen, ich weiß, wovon ich spreche.
Ich unterrichte, was Sie fordern. Es ist fast aussichtslos.
keinesfalls an den Herd, denn da ist ja das Kind nicht!
Eine Nachbarin hat ihre Kinder phantastisch gut erzogen, motiviert, zu fröhlichen intelligenten höflichen sozial hochkompetenten Menschen mit vielfältigen Interessen gemacht. Und sie kann überhaupt nicht kochen. und ist nicht erwerbstätig.
Das Wichtigste ist eben, dass sich Eltern mit ihren Kindern beschäftigen. Das geht auch ohne Erwerbstätigkeit und Kochkünsten, aber auch mit. Entscheidend ist die Qualität der gemeinsamen Zeit, nicht unbedingt die Quantität.
Es wäre schon mal ein erster Schritt, die Anforderungen für den Besuch einer Grundschule an die Eltern zu kommunizieren. „Das muss Ihr Kind können, um in die Schule gehen zu können:…“ Ist mir noch nie bei unseren Kinder im Kontext Kita/Grundschule begegnet.genauso wie „Sie müssen mit Ihrem Kind üben“. Aber „Hier darf sich jedes Kind aussuchen wo es spielt (zur Not Bauecke bis zum Schulstart ohne je was basteln zu müssen).“
Vielleicht mal wieder mehr „Müssen“ wagen? Ist ja so verpönt in dieser Alles-kann-nix-Muss-der-Staat-wird-es-richten-Gesellschaft.
Und aus Erfahrung kann ich sagen: Auch einige Eltern, die massig Zeit haben, weil sie nicht arbeiten gehen (müssen), lassen ihre Kinder lieber daddeln als vorlesen zu müssen. Und wer muss, hat immerhin noch Samstage oder Sonntage. Oder 10 Minuten am Abend.
Ich finde das auch erstaunlich. Selbst jetzt in der 2. Klasse fragen wir Eltern, was sind die Meilensteine? Was muss das Kind wann können? Antwort: Das kann man nicht pauschal sagen, sie sind alle so verschieden. Wie kann das denn sein? Komme ich also zB bis Klasse 4 ohne Leseverständnis? Einen Richtwert gibt der Bildungsplan im Internet. Demnach haben wir da was falsch verstanden, denn der fordert viel mehr, als die Kinder bis zum Sommer noch schaffen können. Ich bin auch für mehr “Müssen”. Die Eltern dürfen mit den Kindern auch mal was nacharbeiten, zumindest möchten wir klare Botschaften bekommen können… nach Corona gab es im Sportkurs mal die Info, einige Kinder können gar nicht mal an einer Stange hängen, man könnte das vielleicht mal auf dem Spielplatz üben. Was ist denn falsch an so einer Info, wie ich meinem Kind zu einem guten Körpergefühl helfen kann? Was wäre falsch an einer Info, bitte mehr lesen üben? Vielleicht können das nicht alle zuhause umsetzen, dann reden wir wieder über Chancengleichheit, aber die wird auch nicht dadurch hergestellt, dass man den Eltern einfach kein Feedback gibt…
Wieder ein Text, der den Zustand und die Missstände in den Klassen gut beschreibt. Aber wie so oft bleibt ein „und nun?“ im Raum stehen. Wir wissen um all diese Umstände, es gibt aber bei all den Beschreibungen nie eine Lösung, die man praktisch umsetzen könnte.
Es soll ja Leute geben, die das schon vor Jahren gesehen, angemerkt und drauf hingewiesen haben und – ungehört blieben……
Die Berufsgruppe wird Lehrkräfte genannt.
Auch Kita-Erzieher!