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Kolumne: Dem Herrn Schmied sein Schultag – „Das Christkind ist ein Mädchen“

ERLANGEN. Unser Kolumnist Nicolas Schmidt, alias Herr Schmied, ist Lehrer im fränkischen  Erlangen. Wahres und halbwahres aus seinem Schulalltag lesen Sie ab sofort hier unter „Dem Herrn Schmied sein Schultag“.

Herr Schmied, glauben Sie an Weihnachten?

Nicolas Schmidt alias Herr Schmied schreibt ab sofort regelmäßig für news4teachers.de. (Bild: Periplenata Verlag)

Nicolas Schmidt alias Herr Schmied schreibt ab sofort regelmäßig für news4teachers.de. (Bild: Periplenata Verlag)

Wie meinst’n das, Carina?

Na, glauben Sie, dass es Weihnachten gibt?

Naja, bei mir zuhause schon. Und bei dir ?

Och, meine Mama sagt, dass sie heuer Weihnachten ohne ‚h’ schreibt.

Hä?

Sie hat gemeint, dass sie so oft mit meinem Papa streitet, dass sie die ganze Zeit heulen muss.

Herr Schmied, meine Mama hat letztes Jahr an Weihnachten auch dauernd geheult.

Und warum?

Weil mein Papa gesagt hat, dass Weihnachten ausfällt.

Ist dein Papa behindert, Dorian?

Hör auf, Lukas! Warum hat das dein Papa gesagt, Dorian?

Weil ich so’n Keks aus’m Bioladen nur angeknabbert hab und ihn dann wieder zurück in die Schale gelegt hab. Und dann hat mein Papa gesagt, ich soll ihn aufessen oder Weihnachten fällt aus.

Und warum hast du ihn nicht einfach aufgegessen?

Weil er scheiße geschmeckt hat. Alles aus’m Bioladen schmeckt scheiße.

Herr Schmied, die Ronja hat mir neulich n Müsliriegel aus’m Bioladen gegeben, und der war voll lecker!

Der war aus’m Aldi, du Spast, und außerdem war das n Balisto.

Egal, der war auf jeden Fall voll lecker.

Herr Schmied, kommt an Weihnachten eigentlich das Christkind oder der Nikolaus?

Na, der Nikolaus kommt doch schon am 6. Dezember.

Aber wer bringt dann die ganzen Geschenke? Das Christkind ist doch n Mädchen.

Spinnst du, Heiko? Das Christkind ist doch kein Mädchen! Jesus, J e s u s, hört sich das wie n Mädchen an?

Und warum hat die dann so lange blonde Locken?

Herr Schmied, ist das Christkind dann das Kind vom Weihnachtsmann?

Quatsch, der kommt doch immer zusammen mit dem Knecht Rupprecht!

Hä? Der Nikolaus kommt doch mit dem Knecht Rupprecht.

Moment mal, Kinder, das ist n bissl kompliziert. Also:

Früher, im Mittelalter, haben die Kinder ihre Geschenke entweder am 6. Dezember, dem Nikolaustag, oder am Tag der unschuldigen Kinder, also am 28. Dezember gekriegt; die Bescherung an Heiligabend beziehungsweise am 25. Dezember gab es damals noch nicht. Martin Luther, das war der, der die evangelische Kirche gegründet hat, hat dann im 16. Jahrhundert den Nikolaus durch das Christkind ersetzt und die Bescherung auf den ersten Weihnachtsfeiertag verlegt. Und in der Schweiz hat man sich die Geschenke bis ins 19. Jahrhundert erst am 1. Januar gegeben. 

Passt auf, Kinder, jetzt wird’s nochmal komplizierter: Einerseits wurde das Christkind in Norddeutschland bei den Protestanten immer mehr vom Weihnachtsmann abgelöst, anderseits hat das Christkind in der Schweiz immer mehr den katholischen wie auch protestantischen Nikolaus verdrängt. Und der Knecht Rupprecht ist der Gehilfe vom Nikolaus, der immer schimpft, manchmal aber auch so ne Mischung aus dem Weihnachtsmann und dem Nikolaus selbst.

Herr Schmied, das check ich net. Wer bringt’n jetzt die Geschenke?

Du bist so dumm, Flo. Deine Mutter kauft die.

Meine Mama hat gesagt, dass sie mir überhaupt keine Geschenke kauft, wenn ich an Weihnachten in Englisch nicht mindestens auf ner Vier steh.

Herr Schmied, was heißt’n Nikolaus auf englisch?

Santa Claus, aber das ist eher so ne Werbefigur für Coca-Cola.

O cool, ne Cola. Da hätt ich jetzt voll Bock drauf.

Nee, Kinder, sagt mal echt: Was wünscht ihr euch zu Weihnachten?

Ne Fanta!

N Balisto!

Yolo!

Das neue Blackberry Z 30!

Blackberry ist doch voll schwul, Chris! Meine Mama hat gesagt, dass das neue IPhone viel geiler ist!

Ja, aber die schreibt auch Weihnachten ohne ‘h’!

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