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Realschulen wollen keine Gemeinschaftsschulen werden

STUTTGART. Sollte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) darauf spekuliert haben, so holen die Realschul-Rektoren ihn jetzt auf den Boden der Tatsachen zurück: Die Bereitschaft, die eigene Schulart aufzugeben, tendiert gegen Null. Die baden-württembergischen Realschulen wollen nicht in Gemeinschaftsschulen aufgehen.

Hätte gerne einen Schulfrieden im Ländle - der ist aber nicht in Sicht: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Hätte gerne einen Schulfrieden im Ländle – der ist aber nicht in Sicht: Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Foto: Die Grünen / Wikimedia Commons (CC BY-SA 2.0)

Die Realschulen in Baden-Württemberg wollen angesichts des von Grün-Rot propagierten Zwei-Säulenmodells ihren Platz behaupten. «Die Mehrheit der Realschuldirektoren lehnt eine Entwicklung zur Gemeinschaftsschule ab», sagte der Chef der Landes-Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektoren, Kurt Pilsner.

Viele Pädagogen könnten mit der für die Gemeinschaftsschule charakteristischen individuellen Förderung in ihrer Ausschließlichkeit nichts anfangen. Methodenvielfalt, darunter auch Frontalunterricht, sei bei den Pädagogen immer noch beliebt, erläuterte Pilsner anlässlich einer Jahrestagung seines Verbandes.

Grün-Rot will ein Modell etablieren, bei dem es neben dem Gymnasium in der zweiten Säule eine integrative Schule geben soll. Dabei hat die Koalition die Gemeinschaftsschule im Blick und hofft, dass sich möglichst viele Realschulen auf den Weg in diese Richtung machen.

Pilsner sagte, auch viele Realschul-Eltern akzeptierten die Gemeinschaftsschule mit dem verpflichtenden Ganztagsangebot nicht. «Viele Mütter und Väter wollen die Wahlfreiheit und das außerunterrichtliche Angebot selbst organisieren», sagte der Rektor der Stuttgarter Linden-Realschule, der die Interessen von drei Vierteln der Leiter der etwa 400 Realschulen im Südwesten vertritt.

Die Realschulen fühlen sich nach Pilsners Worten als Stiefkinder der Landesregierung. «Wir sind im Vergleich zu den Gemeinschaftsschulen schlecht ausgestattet.» So erhalte eine dreizügige Gemeinschaftsschule fünf bis sieben Lehrerstellen mehr als eine gleichgroße Realschule. Auch der Klassenteiler, also die Schülerzahl, ab der aus einer großen Klasse zwei Klassen gebildet werden müssen, sei bei Realschulen mit 30 höher als bei Gemeinschaftsschulen mit nur 28. «Wir fordern gleiche Rahmenbedingungen.»

Das sei nötig, weil die Unterschiede in der Schülerschaft auch in den Realschulen immer größer würden. «In den fünften Klassen meiner Schule haben mehr als zehn Prozent der Schüler das Klassenziel nicht erreicht. Und das ist keine Ausnahme.» Durch den Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung seien Schüler auf der Realschule, die deren Verhaltens- und Leistungsanforderungen nicht gewachsen seien. Stützkurse in den Hauptfächern für solche Schüler müssten derzeit aus dem Ergänzungsbereich abgeknapst werden. «Wir haben nicht mehr das breite außerunterrichtliche Angebot, das die Motivation der Jugendlichen fördert und das Schulprofil schärft – das ist ein Qualitätsverlust.»

Die von Kultusminister Andreas Stoch (SPD) angekündigte erleichterte Möglichkeit einer Hauptschulabschluss-Prüfung nach Klasse neun müsse auch durch Ressourcen untermauert werden. Pilsner: «Sonst kommen viele Schüler gar nicht in Klasse neun an.» Die Idee sei noch nicht ausgegoren. «Wenn man Bezirks-, Regional- und Bundesliga zusammenbringt, braucht man besondere Trainingsangebote.»

Bislang gilt im Südwesten die Versetzung in die zehnte Klasse der Realschule als Hauptschulabschlusszeugnis. Eine sogenannte Schulfremdenprüfung kann derzeit nur derjenige machen, der die neunte Klasse wiederholt hat und erneut versetzungsgefährdet ist. Diese Prüfung soll nach dem Wunsch der Realschulrektoren zum Regelangebot werden, auch weil ihr Bestehen den Weg in das duale Ausbildungssystem ebnet. JULIA GIERTZ, dpa

Zum Bericht: Halbzeit für Kretschmann, CDU und VBE kritisieren Grün-Rot scharf

 

4 Kommentare

  1. Der Widerstand gefällt mir ausgesprochen gut.

  2. Das verbindliche päd. Konzept der gms ist ein rechtsverstoss gegen die in der landesverfassung verbriefte unmittelbare verantwortung der lehrkraft für bildung und erziehung der schüler. Darüber hinaus werden einfach sämtliche studien über faktoren von unterrichtserfolg ignoriert. Es geht schon lange nicht mehr um bildung sondern um eine linke gesellschaftsideologie für die besonders die realschulen in geiselhaft genommen werden

  3. Gleich viel Geld pro Kind in jeder Schulart ausgeben – ist das nicht selbstverständlich??

    • Au weia Reinhard. Obwohl mir Ihre Frage gefällt, weil sie den Finger in die Wunde legt, ist doch anzumerken, dass die GEW und Politiker pro forma nicht aufhören zu rufen: „Mehr Geld für die Inklusion!“
      Wie gesagt: pro forma, denn es wird immer deutlicher, dass die scheinbar so behindertenfreundliche Inklusion nur ein Sparprogramm ist, das vor allem die Streichung teurer Spezialbehandlung in Förderschulen vorsieht. Im Moment wird eine dieser Schulen nach der anderen geschlossen und der Ruf nach mehr Geld für die Inklusion beruhigt die Gemüter beim Schaffen unumkehrbarer Fakten.

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