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Wutgefühle regulieren – eine Grundvoraussetzung des Lehrerberufs

KASSEL. Lärm, Frechheiten, Störungen oder gänzlich ignoriert werden – Lehrer sind im Alltag zahlreichen Wutfaktoren ausgesetzt. Eine starke Persönlichkeit und eine hohe Selbstachtung seien daher unerlässliche Faktoren einer professionellen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, so Psychologe Jürgen Detering aus Bremervörde.

Lärm in der Klasse und freche oder den Unterricht störende Schüler – dem sind Lehrer oftmals ausgesetzt. Der Psychologe Jürgen Detering aus Bremervörde berichtet im Interview, wie Lehrer mit ihrer Aggression umgehen sollten, wenn Schüler sie an den Rand des Wahnsinns bringen. Detering studierte selbst Lehramt und hat seit Jahren den Fokus auf die Superversion und das Coaching von Lehrkräften gelegt.

Um Ärger und Wut im Zaum halten zu können müssen Lehrer kontinuierlich an sich arbeiten und müssen durch eine entsprechende Kultur in der gesamten Schule gestützt werden. Foto: anitakhart / flickr (CC BY-SA 2.0)

Um Ärger und Wut im Zaum halten zu können müssen Lehrer kontinuierlich an sich arbeiten und müssen durch eine entsprechende Kultur in der gesamten Schule gestützt werden. Foto: anitakhart / flickr (CC BY-SA 2.0)

In welchen Situationen geraten Lehrer an ihre Grenzen?

Wie auch für die meisten Menschen ist es für Lehrkräfte schwierig, wenn sie bloßgestellt werden. Die alltägliche Situation an Schulen, wo Lehrer allein vor einer ganzen Klasse stehen, kann das natürlich begünstigen. Das Zur-Schau-Stellen der persönlichen Missachtung kann dabei verschiedenste Formen annehmen, von Ignorieren der Lehrkraft, über die Weigerung zur Mitarbeit bis hin zu massiven Störungen des Unterrichts.

Schlagen ist schon lange verboten. Wie können Lehrer mit ihrer Aggression umgehen, wenn Schüler sie schier wahnsinnig machen?

Als Lehrkraft muss ich zwecks Aufrechterhaltung meiner seelischen Stabilität daran arbeiten, meine Persönlichkeit zu stärken und eine hohe Selbstachtung aufzubauen und zu bewahren. Nur so ist es möglich, den Spagat zwischen empathischem Eingehen auf die Schüler einerseits und klarer Abgrenzung anderseits zu pflegen. Lehrkräfte können das aber nicht ausschließlich durch Arbeit an ihrer eigenen Persönlichkeit auffangen. Vielmehr benötigt man auch eine bestimmte Kultur in der gesamten Schule, die in gemeinsamer Arbeit des Kollegiums unter Einbezug der Eltern erarbeitet werden muss.

Was raten Sie Lehrern, die ernsthafte Probleme damit haben, ihre Wut und ihren Frust im Zaum zu halten?

Wer tatsächlich seine Wut nicht im Zaum halten kann, kann nicht professionell arbeiten. Die Fähigkeit, seine Aggressionen oder Wutgefühle zu regulieren, ist eine Grundvoraussetzung für viele Berufe, so auch für Lehrkräfte. Wer als Lehrkraft feststellt, dass dies nicht mehr gelingt, kann ja nicht einfach den Beruf wechseln. Daher empfehle ich einer solchen Lehrkraft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die ausreichende Regulierung der eigenen Aggressionen oder der eigenen Ohnmachtsgefühle, die zur Wut führen, ist gut lernbar und mit professioneller Hilfe trainierbar, zum Beispiel im Rahmen von Verhaltenstrainings oder bei Bedarf im Rahmen einer Psychotherapie.

ZUR PERSON: Jürgen Detering (67) arbeitet als Coach und Supervisor für Lehrer. Zuvor machte er das Staatsexamen für Lehramt an Volks- und Realschulen und sein Diplom in Psychologie. Direkt im Anschluss begann er eine Tätigkeit als Schulpsychologe. Seit 1987 betreibt er eine eigene psychologisch-psychotherapeutische Praxis. Detering lebt in Bremervörde. (Interview: Stina Bebenroth, dpa)

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Ein Kommentar

  1. „Wer als Lehrkraft feststellt, dass dies nicht mehr gelingt, kann ja nicht einfach den Beruf wechseln. Daher empfehle ich einer solchen Lehrkraft, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.“
    Das hört sich nach Werbung für einen der vielen Zweige der Helferindustrie an, dem eigenen: „Jürgen Detering (67) arbeitet als Coach und Supervisor für Lehrer… Seit 1987 betreibt er eine eigene psychologisch-psychotherapeutische Praxis. Detering lebt in Bremervörde.“

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