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Lehrerin schreibt Brandbrief an Eltern: “Ich habe mich für Ihre Kinder geschämt”

HAMBURG. „Eine kleine Dorfschule mit 104 Kindern am Rande Hamburgs, umgeben von Feldern und mit einem eigenen kleinen Streichelzoo“, so schildert die Hamburger „Morgenpost“ den Ort des Geschehens. Und doch kann von einem Idyll offenbar keine Rede sein. Nach einem Museumsbesuch mit ihrer Klasse platzte einer Lehrerin der Kragen. Sie schrieb einen Brief an die Eltern. „Ich habe mich für Ihre Kinder geschämt“, so heißt es darin.

Detailliert beschreibt die Pädagogin das Verhalten ihrer Klasse auf einem Ausflug in die Kunsthalle Anfang Dezember, schildert die Sechs- und Siebenjährigen als desinteressiert und disziplinlos, mit schlechten Manieren und einem Hang zur Fäkalsprache. Sie ist die Klassenlehrerin der 1. Klasse und hat sich in einem fünfseitigen Brief an die Eltern ihrer 24 Schützlinge Luft gemacht. „Wir haben ein Problem mit Aggressionen an unserer Schule“, sagt sie, „und der Brief soll eine Gesprächsgrundlage sein.“

Die „Morgenpost“ dokumentiert Auszüge aus dem Schreiben:

  • „Wir waren in der Kunsthalle. Ich habe mich geschämt. Wir haben mit einer Führerin in den Kunsträumen gemalt. Ich habe mich entschuldigt.“
  • „Pinsel und Malutensilien werden verteilt – und die Klopperei beginnt! Es wird laut, Kinder müssen ihrem Nachbarn ins Gesicht schreien, dass sein Bild doof (das Wort war ein anderes) ist.“
  • „Einige werden maulig, geben unpassende Kommentare ab und antworten auf Fragen von Frau G. mit Fäkalsprache.“
  • „Wir malen noch einmal auf dem Fußboden der Sammlung – eigentlich eine tolle Erfahrung für Kinder. Freud- und anstrengungslose Versuche vieler Kinder, Striche aufs Papier zu bringen.“
  • „Endlich stehen alle, da trampeln Kinder mit dreckigen Schuhen über die Bilder! Absichtlich! Am nächsten Tag wird mir ein Kind erklären, dass ihm langweilig war – und dass es dann ja wohl klar ist, dass es das tun kann.“
  • „Ältere Herrschaften steigen über Butterbrotpapiere, Rucksäcke und Kinder. Den Kindern kommt das nicht einmal komisch vor. Als ich sie auffordere, Platz zu machen, schauen sie mich verständnislos an – und essen in Ruhe weiter!“
  • „Die Mitschüler werden angeschrien, geboxt, getreten und Rucksäcke umhergeschleudert. Ein älterer Herr bekommt auch einen ab. Eine Entschuldigung ist nicht zu erwarten.“
  • „Kinder lassen die Hälfte ihrer Sachen liegen in der Erwartung, dass es ihnen schon jemand hinterhertragen wird.“
  • „Es ist für die Kinder nicht einsehbar, dass wir in dem wuseligen Hauptbahnhof dicht zusammenbleiben müssen. Ich komme mir vor wie ein Schweinetreiber.“
  • „In der Bahn plötzlich vertraute Geräusche. Rülpsen! Kein Versehen, sondern volle Absicht. Wer kann es am lautesten? Sie denken: Die redet sicher von meinem Nachbarn? Falsch: Gehen Sie davon aus, dass ich auch von Ihrem Kind spreche – es gibt nur sehr wenige Ausnahmen!“
  • „Sie denken: Wie putzig, das ist ja auch ihr Job? Falsch: Mein Job ist der, Ihre Kinder zum Lernen zu bewegen (…) Nur fehlen den Kindern die Basics dafür!“
  • „Die Kinder reagieren schlicht nicht mehr auf ganz „normale“ Hinweise und Äußerungen – egal von wem! Eltern, Lehrer, Begleiter oder auch fremde Museumspädagogen stoßen auf taube Ohren.“
  • „Von Eltern, die ich auf das aggressive Verhalten ihrer Kinder anspreche, ernte ich mildes Lächeln und Erklärungen dafür (Aha: Mit Erklärungen ist also alles erlaubt – weiß bereits das Kind!).“
  • „Bekomme ich auch bei fünfmaligem (!) freundlichem und bestimmtem Ansprechen keine Reaktion, werde ich lauter. „Sie schreien doch wohl keine Kinder an!?“ ist die Reaktion der Eltern.“
  • „Es geht nur zusammen! Das ist weder ein alleiniges häusliches Problem noch eines, das in der Schule zu lösen ist.“
  • „Kinder kommen bereits um 8 Uhr früh gut gefüllt mit einer Stunde Super RTL, gewalttätigen und blutrünstigen Gameboy-Spielen und einem beachtlichen Blutzuckerspiegel in die Schule.“
  • „Sie springen mit erhobenen Fäusten wie Ninjakämpfer in die Klasse, semmeln erstmal drei Mitschüler über den Haufen und merken es nicht einmal.“
  • „Allen Ernstes: Haben Sie sich das so vorgestellt, als Sie einst Ihren Säugling im Arm hielten? Wollten Sie solche Kinder? Und: Haben Sie das verdient?“
  • „In spätestens fünf Jahren rappen Ihre Kinder irgendwas von „Respekt“. Wie lächerlich!“
  • „Ich bin fest entschlossen, mich an die Arbeit zu machen und aus dieser Klasse doch noch mitfühlende, aufmerksame, respektvolle und respektierte Kinder zu machen (….) In der Klasse werden wir in nächster Zeit sehr streng an Werten und aufmerksamem Miteinander arbeiten. (…) Viele müssen erst mal die Erfahrung machen, dass es angenehm ist, sozialverträglich zu handeln.“
  • „Kaufen Sie nicht gleich neue Sachen, wenn mal was weg ist. Ihr Kind muss merken, dass es Konsequenzen gibt – und es dann halt mal Wasser aus dem Hahn trinken muss, bis es die Trinkflasche wiedergefunden hat.“
  • „Lassen Sie Ihre Kinder mal was für Sie tun: Ein Glas Wasser holen oder den Müll rausbringen. Bedanken Sie sich, aber loben Sie nicht oder kommen gar mit einer Gegenleistung.“

Viele Eltern hätten positiv auf das Schreiben reagiert, heißt es. Es gebe aber auch Eltern, die sich den Ton des Briefes verbitten. Eine der angeschriebenen Mütter, selbst Lehrerin, zeigt sich der „Morgenpost“ gegenüber empört: An den Disziplinproblemen sei das fehlende pädagogische Konzept der Lehrerin schuld und nicht die Kinder: „Die Klasse ist bewegungsfreudig, aber keineswegs verhaltensauffällig“, sagt sie.

Der Schulleiter unterstützt seine Lehrerin. „Ja, wir sind hier eine Idylle“, sagt er gegenüber dem Blatt, „aber seit zwei, drei Jahren kippt es. Die Kinder überschreiten Grenzen, verbal und körperlich. Die Schüler sollen sich wohlfühlen an unserer Schule, aber manche fühlen sich bedroht und deshalb müssen wir handeln.“ News4teachers

 

 

23 Kommentare

  1. Die Lehrerin spricht hier eine Tendenz an, die ich ebenfalls in den letzten Jahren an der Grundschule beobachte. Nicht umsonst gibt es schon an vielen Grundschulen Sozialarbeiter. Viele Eltern scheinen heute nicht mehr in der Lage zu sein (meistens Überforderung oder auch einmal Überbehütung) ihren Kindern Grenzen zu setzen. Oft wird im 1. und 2. Schuljahr das Verhalten der Kinder von Eltern noch entschuldigt, aber spätestens, wenn die Kinder 10 Jahre alt werden und in die Vorpubertät kommen, erleben die Eltern selbst das Ausmaß ihrer Erziehung, denn, wenn sie so weitermachen, haben ab da dann ihre Kinder sie im Griff statt umgekehrt.
    Die Lehrerin hat bei dieser Aktion das geballte schlechte Verhalten erlebt. Hier steht viel Erziehungsarbeit der Kinder an. Nach meiner Erfahrung kann man bei vielen kleineren Kindern pädagogisch noch etwas erreichen.
    Ein Gedanke noch zu der Aktion selbst: Die Hintergründe kenne ich zwar nicht, doch ich hätte mit einer solchen Klasse, die sich so daneben benimmt, keine solche Aktion gemacht, die so viele Möglichkeiten hat, wo Kinder ausflippen können oder mehr Begleitpersonen mitgenommen. Mit einer Klasse mache ich an Sonderaktionen nur die, wo ich sicher bin, dass alles noch einigermaßen nach meinen Vorstellungen abläuft. Zug fahre ich z.B. selbst in der 3. Klasse mit mindestens 2 weiteren Begleitpersonen. Wenn Kinder auf dem Bahnsteig nicht auf die Lehrkraft hören, ist das äußerst gefährlich.
    Der Ausflug scheint aber nur das Fass zum Überlaufen gebracht zu haben, wie man den Auszügen des Briefes entnehmen kann.
    Idyllische Einzugsgebiete für Schulen gibt es immer weniger. Solche Schulen müssen sich von der Idee verabschieden und sich auf die neue Herausforderung einstellen, ihre pädagogischen Konzepte anpassen, was nicht einfach ist. Leider.

    • Volle Zustimmung!
      Ich meine auch, wir sollten uns hier nicht zu sehr auf die Eltern “einschießen”. Ich wäre niemals mit Kindern, die offensichtlich so ein defizitäres Verhalten zeigen, in ein Museum gefahren. Zumindest nicht mit allen. Das ist bei Klassenfahrten durchaus nicht unüblich. Ich muss mich als Lehrkraft auf die mir anvertrauten Kinder verlassen können. Geht das nicht, kann es keine Tagesausflüge oder Klassenfahrten geben.
      Das beschriebene Verhalten der Kinder ist doch nicht “vom Himmel gefallen”. Der Schulleiter räumt auch ein, dass die Schule seit zwei, drei Jahren Änderungen im Verhalten der Kinder feststellt. Leider erfahren wir nicht, welche pädagogischen Maßnahmen eingeleitet worden sind, um dagegen zu steuern. Es gibt nämlich auch in der Schule einen ganzen Katalog von pädagogischen Möglichkeiten. Sollte der Schule nichts einfallen, kann sie problemlos auf externen Sachverstand zurückgreifen. Fast in jeder Schule gibt es inzwischen pädagogische MitarbeiterInnen bzw. SozialarbeiterInnen.

  2. Tja und leider wird es doch wieder heißen: das ist doch ihr Job, Lehrer sind doch Dienstleister. Allerdings muss der Kunde auch die Dienstleistung wollen. Man stelle sich vor, wie eine Frisur aussieht, wenn das Kind beim Frisör nicht still sitzt (ist es nicht Aufgabe des Frisörs, das Kind zum Stillsitzen zu bewegen).

  3. Dass hier eine Lehrerin ihre mutige Kollegin öffentlich in die Pfanne haut, anstatt sie zu unterstützen, ist skandalös. Ich hoffe, dieses Verhalten fällt auf sie selbst zurück, denn es ist nicht schwer, eins und eins zusammenzuzählen..
    Wer das, was die Kinder getan haben, als Bewegungsfreude statt Frechheit und Unverfrorenheit bezeichnet, hat offensichtlich selbst Defizite.
    Meine Hochachtung gilt der Klassenlehrerin. Sie traut sich noch etwas, wovor viele Lehrer/innen zurückschrecken. Und das aus gutem Grund, wie man sieht.

    @GriasDi
    Meine Friseurin hat mir neulich genau das erzählt, was Sie ansprechen. Kindern die Haare zu schneiden ist für sie ein Graus. Die Eltern erwarten tatsächlich, dass sie die Kinder zum Stillsitzen bringt, allerdings nicht mit Resolutheit, sondern mit Verständnis und lieblichem Gesäusel. Selbst gucken sie ungerührt zu, so als ginge das Verhalten ihrer Kinder sie nichts an.

    • Oh wei, und ich wollte ironisch sein.

    • @Birigt
      Ich glaube, da hast du einiges missverstanden, falls du deinen Kommentar auf mich beziehst.

      @Grias di
      Gebe ich dir Recht. Lehrer können nicht alles richten, sondern brauchen Hilfen um mit der veränderten Situation zurecht zu kommen. Viele Eltern schaffen die Erziehungsarbeit nicht mehr oder können einfach nicht mehr erziehen.

      P.S.: Ich finde es sehr ungewöhnlich, dass man sich in einem Internetforum siezt, deshalb bleibe ich beim “du”. Oder ist das “Sie” hier vorgeschrieben?

      • Nein, mein Kommentar bezieht sich auf den Vorletzten Abschnitt im Artikel, wo es heißt: “Eine der angeschriebenen Mütter, selbst Lehrerin, zeigt sich der „Morgenpost“ gegenüber empört: An den Disziplinproblemen sei das fehlende pädagogische Konzept der Lehrerin schuld und nicht die Kinder.”

        • Danke, das ist mir jetzt klar.
          Wenn die Presse richtig zitiert hat, dann scheinen die Emotionen schon sehr hochgekocht sein. Wer weiß, was da im Vorfeld gelaufen ist.

    • Kennen Sie das Buch “Helikopter – Eltern” von J. Krauss? Sein Schreibstil gefällt mir nicht besonders, aber was er inhaltlich zum Erziehungsverhalten von Eltern ausführt, finde ich recht spannend und in vielen Teilen auch zutreffend.
      Dann befasst sich M. Winterhoff in seinen Werken mit dem gleichen Thema und im Ergebnis sind sich beide Autoren ziemlich einig.

      • Genau, das Buch von Michael Winterhoff: “Warum unsere Kinder zu Tyrannen werden. Oder die Abschaffung der Kindheit” – empfehle ich ab und an den Eltern. 😉

  4. Na, etwas ketzerisch formuliert “schreit” doch das Verhalten der GS-Klasse nach der kompletten Erziehungsverantwortung durch den Staat. Die Eltern scheinen es ja nun nicht mehr zu “wuppen”.
    Ich sehe es förmlich vor mir, das zu einem Grinsen verzogende Gesicht der neuen Familieministerin M. Schwesig, die sich durch derartige Vorkommnisse in ihrer Erziehungsideologie von der staatlichen Rundumversorgung nur bestätigt sehen muss.

    • Nicht unbedingt. Ich glaube, dass es so etwas wie “Elternschulungen” geben muss.
      Wenn z.B. Eltern gedankenlos ihre Kinder schon vor dem Unterricht Fernsehen schauen lassen,
      dann stimmt etwas grundsätzlich in der Wahrnehmung nicht mehr.
      Mir fällt als Grundschullehrerin auf, dass ich meine Sichtweise der Welt bei immer weniger Eltern
      voraussetzen kann. Dinge, die ich denke, dass sie selbstverständlich sind, spielen oft
      keine Rolle mehr.

      • “Mir fällt als Grundschullehrerin auf, dass ich meine Sichtweise der Welt bei immer weniger Eltern voraussetzen kann.”
        Und woher kommt das? Wurden Eltern nicht in den letzten Jahrzehnten mit zahllosen Ratschlägen sog. Erziehungsexperten überschüttet, die meist nur in eine Richtung gingen, die da hieß: “Gewähren lassen!”? Die Nachwehen der antiautoritären Erziehung mit ihrer Verunsicherung der Eltern halten heute noch an, auch wenn sie angeblich belächelt werden.
        Und stehen viele Lehrer nicht vor einem ähnlichen Problem? Verlassen sie sich noch auf ihr Gespür für die Kinder und ihren gesunden Menschenverstand? Auch sie werden doch ständig von Theoretikern und angeblichen “Fachleuten” gegen den eigenen Verstand und das eigene Gefühl eines “Besseren” belehrt, verunsichert und zu fragwürdigen Methoden aufgerufen. Da braucht es schon viel Selbstbewusstsein, Rückgrat und Charakterstärke, um sich nicht zu Falschem verleiten zu lassen, das sich stets als Fortschritt tarnt.
        Ebenso wie die Eltern vertrauen auch Lehrer gern irgendwelchen Bildungs- und Erziehungspäpsten an Stelle eines eigenen Urteils.
        Von “Elternschulung” halte ich höchstens in Ausnahmefällen etwas. Wer garantiert denn, dass hier der richtige Weg beschritten wird und nicht wieder “Experten” zum Zuge kommen, die fixe Ideen ausbrüten und die “Elternschulung” als neues Experimentierfeld betrachten, das Schlagzeilen bringt?
        Nie gab es mehr selbst- und fremdernannte Experten auf dem Gebiet der Erziehung als heute, weil die Probleme Dank ihrer “Hilfe” nicht ab-, sondern zunahmen. Das ist ja der Irrsinn. Je mehr gemurkst wird, desto mehr blüht das Geschäft der Murkser.

        • Mir fällt in dieser jahrzehntelang gärenden Debatte auf, dass kaum einmal anerkannt wird, was Kinder und Jugendliche alles leisten. Sie werden öffentlich v.a. als “Mängelwesen” wahrgenommen, dabei “funktionieren” die allermeisten in Zeiten der diversen Leistungsstandards sehr gut- trotz so zweifelhafter pädagogischer Maßnahmen wie jüngst in HH und anderswo. Offenbar wird ganz überwiegend gute Arbeit an den Schulen geleistet- das ist, bei allen Problemen, jedenfalls mein Eindruck.
          Die Lust am Skandalisieren ist aber eben doch recht ausgeprägt, ansonsten hätte solch eine Lappalie wie der berühmte “Brandbrief einer Lehrerin” gar keine Chance auf öffentliche Wahrnehmung. Ich weiß nun nicht, von wo Sie sich zu Wort melden; in NRW jedenfalls gibt es in den maßgeblichen Kompetenzzentren ausgesprochen fähige “Experten”, die bsp. aus der Hattie-Studie für den Alltag Sinniges extrahieren und das in die Schulen tragen.

          • Lappalie nennen Sie den Brandbrief und die Reaktion darauf? Für mich ist die Sache ein Skandal.
            Außerdem habe ich mich mit keinem Wort negativ über die Kinder geäußert. Viele von ihnen sind ebenso wie ihre Eltern und Lehrer nur Opfer eines jahrzehntelangen Missmanagements von Politikern und Pädagogikpäpsten mit fixen Ideen.
            Dass Sie zu den ideologischen Schönrednern gehören und z. B. die Einheitsschule propagieren, ist auf Grund Ihrer Kommentare nicht zu übersehen.
            Jetzt spielen Sie immerhin auf die recht vernünftige Hattie-Studie an, aber auch nur, um die desolate rot-grüne Schulpolitik in NRW mit den dahinter stehenden “Experten” in ein besseres Licht zu rücken. NRW ist ganz sicher kein leuchtendes Beispiel für gute Unterrichts- und Schulgestaltung.

          • “Einheitsschule” ist mir kein Begriff. Sie meinen vielleicht Grundschulen? Das ist jedenfalls, soweit ich weiß, die einzige Schulform, die zumindest nach außen weitgehend ohne Differenzierung der Schülerschaft auskommt. Ich propagiere, wie dem auch sei, keine Grundschulen. Und auch sonst nichts, erst recht keine Schulformen. Unterstellen Sie mir gefälligst nichts.
            Ich habe, an ganz anderer Stelle übrigens, auf die Notwendigkeit einer inneren Differenzierung von Schulunterricht hingewiesen, die zudem längst didaktischer und rechtlicher Standard ist. An allen Schulformen, auch an Grundschulen. So ist es nun einmal. Damit kann man sich wie John Hattie kritisch auseinandersetzen- wüste, diffuse Schimpfereien sind da aus meiner Sicht wenig hilfreich.
            Zur Schulpolitik in NRW habe ich mich mit keinem Wort geäußert. Ich habe auch nichts mit ihr am Hut. Sie behaupten, sie wäre “desolat”, belegen aber nichts, betreiben also genau das, was Sie unverschämterweise mir vorwerfen: Ideologie. Es geht sachlich oder gar nicht!

        • Ich weiß nicht, ob die induviduellen “Bildungsexperten” den Hauptgrund für den jetztigen Zustand bilden. Aber ich gebe dir Recht, dass die antiautoritäre Erziehung eines der Wurzeln dieser Erscheinung ist. Dennoch muss man auch verstehen, dass die antiautoritäre Erziehung eine Antwort auf die verkrusteten Erziehungsmethoden im Nachkriegsdeutschland waren. Doch die Auswüchse, die diese erst einmal gut gemeinte Richtung genommen hat, konnte keiner voraussehen.
          In den letzten Jahrzehnten habe ich folgende Entwicklung beobachtet, die man mit “Mein Kind, mein König” überschreiben könnte:
          1) Auf die Bedürfnisse der Kinder wird sofort eingegangen, alles andere zurückgestellt. (Besipiele: immer mehr Kinder dürfen Erwachsene im Gespräch unterbrechen, was der Freund hat, bekommt auch das eigene Kind, damit es in der Gruppe anerkannt wird) Das ist das weit verbreiteste Phänomen seit ca. 20-30 Jahren. Die Bedürfnisse werden von Medien geschürt.
          2) Viele Eltern meinen, sie wären schlechte Eltern, wenn sie ihrem Kind Grenzen zeigen, denn das Kind wird ja angeblich in der Entfaltung behindert. (Oder sie sind heutzutage zunehmend aufgrund beruflichen Stresses überfordert, das ist der neuste Trend.)
          3) Fast alle Eltern meinen erkannt zu haben, ihr Kind zu einem durchsetzungsfähigen Kind erziehen zu müssen, damit es in der Gesellschaft nicht untergeht und nicht leidet. Sozialdenken ist out und wird als schwach (schwache Gutmenschen) gesehen.
          Zusammenfassend: Die Waage zwischen Ego- und Sozialdenken neigt sich schon lange in Richtung Individualismus und im Extremen eben zum Egoismus. Wer vermittelt bekommen hat, dass vor allem das Ego mit allen Bedürfnissen zählt, dem fällt es schwer sich in notwendigen Situationen anzupassen.
          (Was mich in der ganzen Entwicklung schon verwundert, denn in vielen Berufen ist neben Durchsetzungsvermögen auch Teamfähigkeit und Anpassung gefragt.)
          Wie schon festgestellt wurde, können da nur noch Lehrer etwas bewirken, allerdings sind diese dann überfordert und können wenig ausrichten, wenn Elternhäuser konträre Erziehungsmethoden anwenden.

          • Volle Zustimmung!
            In Zusammenhang mit dem, was Sie schreiben, ist ein Artikel in der ZEIT mit der Überschrift “Droge Verwöhnung” empfehlenswert, der hier vor einiger Zeit schon einmal zur Sprache kam.

            http://www.zeit.de/1998/41/199841.verwoehnen_3_.xml

          • ehemaligerLehrer

            Die Teamfähigkeit, die in vielen Stellenangeboten gefordert wird, ist doch in der Praxis gar nicht vorhanden. Hier wird doch genauso mit Ellenbogen gearbeitet – nur nach Möglichkeit so, dass es nicht auffällt. Nur der Arbeitgeber fordert “Teamfähigkeit” – und meint damit, dass er das gesamte Team bestraft, wenn auch nur einer davon Mist baut – und irgendeiner baut immer Mist – somit ist der AG fein raus und kann damit immer alle anderen zu noch mehr Leistung zwingen.

  5. Die Damen und Herren, die sich hier schon zu Wort gemeldet haben, haben alle recht. Ich habe selbst in der Familie einen Fall, wo die Tochter recht gut verwöhnt wird, allerdings nicht von den Eltern, sonderen von den Großeltern -in diesem Fall die Schwiegereltern meiner Tante. Meine Tante hat regelmäßig mit den Auswüchsen der Verwöhnung zu kämpfen.
    Von anderen zum Teil angehenden Lehrkräften, mit denen sich Studenten gerne mal unterhalten, ist zu hören, dass die Eltern in einigen Belangen durchaus als Totalversager in Sachen Erziehung zu bezeichnen sind. Das soll natürlich nicht heißen, dass alle Eltern solche Versager sind. Nur leider zeigt die Mehrheit der Kinder, die auch durch aus nicht sozialisiert in die Grundschule kommen, dass die oben gebrauchte Bezeichnung durchaus der Wahrheit zu entsprechen scheint.
    Ein Grundschüler, der eine Schere in den Mund nimmt und sich an sonsten nicht wirklich benehmen kann, ist in meinen Augen nun wirklich nicht als sozialisiert zu bezeichnen.
    Das andere ist, dass es nicht gerade wenige Eltern sind, die sich einbilden, die Aufgabe von Pädagogen sei es die Kinder zu erziehen. Die Erziehung ist m.E. vorallem Aufgabe der Eltern und nicht Aufgabe der Lehrkräfte. Die Lehrkräfte an den Schulen sind dafür da den Schülern/Innen bei zu bringen, was sie für ihren späteren Lebensweg brauchen. Erziehung ist da eher zweitrangig. Die Wissensvermittlung nach den in dem jeweiligen Schule vorherrschenden pädagogischen Konzept steht an erster Stelle.
    Wie weiter oben bereits gesagt, diese Lehrerin verdient Anerkennung, für ihren Mut den Eltern mal gesagt zu haben wo es langgeht. Sie ist ein Vorbild.
    In diesem Sinne noch ruhige Restferien.

  6. Wo ist eigentlich der gesunde Menschenverstand derjenigen, die sich Eltern nennen?
    Auch ich will mich nicht auf die Eltern einschießen, aber es kann doch nicht sein, daß
    eine Lehrerin mit einer Klasse keinen Ausflug mehr machen kann, weil die Sprößlinge
    soziale Analphabeten sind!

    Liebe, Zuwendung und die notwendige Konsequenz – das sind doch eigentlich keine
    Hexenwerke, sondern sollten aus den Eltern selbst kommen.
    Aber nicht nur in sozial schwachen Familien scheinen das Fremdwörter zu sein…

    Wo sollen da Kinder Wertschätzung und Achtung üben, wenn diese Zuhause nicht (vor)gelebt werden?!
    Vielleicht liegt das auch daran, daß wir uns für nichts mehr anstrengen müssen, sondern häufig
    nur noch um uns selbst kreisen; zynisch gesagt, daß es uns zu gut geht und wir den Kompaß verloren haben.

    So kommt mir das zumindest vor.

  7. @Jagothello
    Sie sagen: “Ich habe, an ganz anderer Stelle übrigens, auf die Notwendigkeit einer inneren Differenzierung von Schulunterricht hingewiesen, die zudem längst didaktischer und rechtlicher Standard ist.”
    Ist sie das wirklich oder nur auf dem Papier? Eine individuelle Förderung ist in sehr heterogenen Klassen wie denen von Gemeinschaftsschulen (Einheitsschulen mit inklusivem Lernen) nämlich unmöglich. Wer dieses Kunststück von Lehrern fordert und sogar als Standard bezeichnet, argumentiert an der Lebenswirklichkeit vorbei. Er stürzt Lehrer wie Schüler in ein Chaos der Überforderung.
    Zwischen wohlfeilem Anspruch und dem, was möglich ist, liegt eine dicke Kluft, die mit schönen Worten überpinselt wird. Es ist ein Rätsel, warum die so wichtige Bildung und Erziehung unserer Kinder in den letzten Jahrzehnten immer mehr zum Spielball politisch, ideologischer Kräfte werden konnte, denen eine Scheinwelt offenbar wichtiger ist als die realen Auswirkungen ihrer Ideen und Beschlüsse.

  8. Meine Ursachensuche des im Wutbrief beschriebenen Kinderverhaltens geht in eine andere Richtung, die den meisten Pädagogen offenbar noch wenig bekannt ist.

    Als langgedienter Grundschullehrer – von 1966 bis 2006 im Schuldienst – und Leiter einer Selbsthilfegruppe für Eltern verhaltensauffälliger Kinder (seit 1985) habe ich den “Wutbrief“ in der MORGENPOST mit besonderer Aufmerksamkeit gelesen und möchte ihn als Volltreffer bezeichnen.
    Es ist davon auszugehen, dass die Erstklässler aus dem Wutbrief sich auch im normalen Unterricht alles andere als mustergültig aufführen. Der Lehrerin gebührt ein dickes Lob, dass Sie den Mut aufgebracht hat, an die Öffentlichkeit zu bringen, was heute wirklich in unseren Schulen abgeht. Ein solcher Brief war überfällig. Ich habe den Eindruck, dass sich die meisten Lehrkräfte dazu nicht trauen. Entweder fürchten sie, ihr persönliches Versagen einzugestehen oder die eigene Schule in Verruf zu bringen. Die meisten Mitbürger und auch die Schuladministration (von der unteren Schulbehörde bis zum Kultusminister/Kultursenator) dürften ein ziemlich realitätsfernes Bild von der gegenwärtigen Schulwirklichkeit haben.
    Tatsache ist, dass Lehrkräfte gegenwärtig einem Heer von Verhaltensgestörten gegenüber stehen. Der bekannte Psychiater und Buchautor Michael Winterhoff spricht gar von 50 %, was ich für sehr realistisch halte. In Schule und Berufsausbildung seien diese Kinder/Jugendliche kaum zu gebrauchen. Aus der Literatur und Gesprächen mit vielen Kollegen ist mir bekannt, dass in nicht wenigen Klassen ein geordneter, konzentrierter Unterricht kaum noch durchführbar ist. Es versteht sich von selbst, dass unter diesen Umständen auch die Lernleistungen dramatisch gesunken sind. (An meiner ländlichen Grundschule waren und sind Verhaltensstörungen glücklicherweise noch relativ moderat.)
    Wenn ich meine Schulkinder aus 40 Dienstjahren Revue passieren lasse, muss ich einen erschreckenden Wandel in deren Verhalten feststellen. Zu Beginn meiner Dienstzeit (1966) waren Lernfreude, Konzentrationsfähigkeit, Ausdauer, Rücksichtnahme usw., von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Norm. Dementsprechend war Unterrichten in der Regel eine Freude, was heutige Lehrer fast nicht glauben mögen. Etwa ab Mitte der 70-iger Jahre begann sich die schöne Schulwelt nach und nach zu verabschieden. In den 90-iger Jahren verschärften sich die Probleme derart, dass immer mehr Lehrkräfte „auf dem Zahnfleisch gingen“. Unterrichten entwickelte sich zur Schwerstarbeit. Die heutige Lehrergeneration konnte leider Kinder, an denen man fast nur Freude hat, nur noch selten erleben.
    Das Verhalten eines Großteils unserer Kinder macht ohne Zweifel Erziehungsdefizite im Elternhaus offenbar. Eine Verbesserung der Erziehung allein würde jedoch nicht zu durchgreifenden Erfolgen führen. Einige Fachleute (Ärzte, Psychologen etc.) sind noch auf andere maßgebliche Ursachen von Verhaltensstörungen gestoßen.
    Zum Einen ist die derzeit dominierende Fastfoodkost zu nennen. Vor allem die darin in großer Menge enthaltenen Zusatzstoffe können die empfindliche Gehirnfunktion stören. Demzufolge kann das betreffende Kind sein Verhalten nicht mehr ausreichend kontrollieren. Das Hamburger Ernährungswerk bringt es auf den Punkt: „Ungesund ernährte Kinder können nicht wirksam erzogen und unterrichtet werden. Sie sind weniger leistungs- und sozialfähig, als sie sein könnten.“ Oder anders ausgedrückt: Sie sind kaum noch bis gar nicht mehr erziehbar. In unzähligen Familien hat man mit einer Ernährungsumstellung solchen Kindern wirksam helfen können, so auch unseren eigenen (gemäßigt) verhaltensauffälligen Kindern.
    Zum Anderen spielt das heute übliche übermäßige Impfen eine entscheidende Rolle. In Deutschland wurde die Zahl offiziell empfohlener Impfdosen für Vorschulkinder seit 1972 permanent angehoben, und zwar von 5 auf heute 40 Dosen, davon 33 allein im 1. Lebensjahr, früher nur eine einzige. Impfstoffe, die Quecksilber, Aluminium, Formaldehyd und viele andere chemische Substanzen enthalten, sind hirngängig und können, ebenso wie Nahrungsmittel, im Kopf ein “Chaos” anrichten. Dass Eltern und Lehrer dann schlechte Karten haben, ist verständlich. Ein Bericht des holländischen Arztes Tinus Smits mag den Sachverhalt verdeutlichen:
    “Rob (4 J. 6 Mon.): Er war bis zur Mumps-Masern-Röteln-Impfung mit 16 Monaten ein völlig normales Kind. Er entwickelte sich schnell. Schon in der ersten Woche nach der Impfung ging es mit seiner körperlichen und seelischen Entwicklung schnell bergab. Sein Verhalten änderte sich dramatisch: Er wurde aggressiv, im Kindergarten war er nicht mehr tragbar. Sprechfähigkeit und Augenkontakt gingen verloren, er ließ sich nicht tadeln. Nach fünf homöopathischen Behandlungen mit Impfnosoden ist er wieder zugänglich geworden. Er begann zu reden und konnte Sätze mit zwei oder drei Wörtern bilden. Seine Ruhelosigkeit ist verschwunden, er kann Anweisungen folgen. Er ist nun ein normaler Junge. Es ist so, als ob ein dunkler Schleier von ihm gefallen wäre.”
    In der Kartei dieses Arztes finden sich weit mehr als 100 solcher Fälle.
    Auf das Impfthema aufmerksam geworden bin ich durch unseren eigenen Sohn, der nach einer Fünffach-Impfung hyperaktiv wurde, und das Buch des Amerikaners Harris Coulter mit dem viel sagenden Titel „Impfungen – der Großangriff auf Gehirn und Seele“.

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