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Internationale Studie: Je höher das Ansehen von Lehrern, desto besser das Abschneiden bei PISA

PARIS. Die meisten Lehrer lieben ihren Beruf – obwohl sie sich bei ihrer Arbeit schlecht unterstützt und von der Gesellschaft unterbewertet fühlen. Dies sind Ergebnisse einer neuen Vergleichsstudie der Industrieländerorganisation OECD, an der Deutschland und Österreich nicht teilgenommen hatten. Die Ergebnisse wirken gleichwohl aus deutscher Sicht vertraut.

Lehrer haben das Gefühl, das ihr Beruf gesellschaftlich nicht besonders anerkannt ist - nicht nur in Deutschland. Foto: Sebastiano Pitruzzello (aka gorillaradio) / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Lehrer haben das Gefühl, das ihr Beruf gesellschaftlich nicht besonders anerkannt ist – nicht nur in Deutschland. Foto: Sebastiano Pitruzzello (aka gorillaradio) / Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Mehr als 100.000 Lehrer und Schulleiter der Sekundarstufe I aus 34 Ländern haben  sich an der aktuellen Untersuchung beteiligt, der zweiten ihrer Art nach der Premiere 2010. TALIS (“Teaching and Learning International Survey“) ist die einzige internationale, vergleichende Studie über die Bedingungen von Lehren und Lernen. Sie untersucht berufliche Weiterbildung, Überzeugungen, Standpunkte und Methoden von Lehrern, Beurteilung und Feedback von Lehrern sowie Schulleitungen.

Die Studie soll Ländern helfen, ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse und das Befinden von Lehrkräften zu bekommen, so heißt es auf Seiten der OECD. Deutschland hat daran offenbar keinen Bedarf: Die Kultusministerkonferenz entschied schon 2008, sich nicht an der Studie beteiligen zu wollen. Daraufhin hatte die GEW 2010 eine eigene Befragung auf der Basis von TALIS initiiert, damit Lehrkräfte und Schulleitungen in Deutschland „nicht von der internationalen Diskussion um die Weiterentwicklung ihres Berufes abgekoppelt“ werden sollten. Zentrales Ergebnis seinerzeit: Mehr als vier Fünftel der deutschen Lehrkräfte glauben, in der Bevölkerung ein relativ schlechtes Ansehen zu haben.

Offenbar eine Haltung, die weiterhin gilt, und das auch in vielen Staaten: Der aktuellen TALIS-Studie zufolge sind neun von zehn Lehrern zufrieden mit ihrer Profession und acht von zehn würden ihren Beruf, wenn sie noch mal vor der Wahl stünden, erneut ergreifen. Allerdings glauben weniger als drei von zehn Lehrern, dass ihr Beruf in der Gesellschaft anerkannt ist. Bemerkenswert: Länder, in denen sich Lehrer mehr wertgeschätzt fühlen, schneiden tendenziell besser bei PISA ab.

Feedback lässt offenbar die Berufszufriedenheit steigen. Fast zwei Drittel der Lehrer betrachten Anregungen aus dem Kollegenkreis als konstruktiv – und berichten davon, dass sie sich davon haben beeinflussen lassen.  „Die Studie belegt, dass Lehrer offen dafür sind, zu lernen und sich zu entwickeln. Gleichzeitig müssten sie mehr Initiative ergreifen, um mit Kollegen und Schulleitern zusammenzuarbeiten“, erklärte Andreas Schleicher, OECD-Direktor für Bildungsfragen.

Die Untersuchung zeigt nämlich auch, dass viele Lehrer immer noch weitgehend isoliert arbeiten. Über die Hälfte beklagt, dass sie nur selten oder niemals „team-teaching“ mit Kollegen praktizieren; und nur ein Drittel beobachten den Unterricht von Kollegen. Feedback ist ebenfalls selten. 46 Prozent der Lehrer berichten, dass sie niemals eine Rückmeldung von der Schulleitung bekämen, und fast ein Drittel glauben sogar, dass ein konstant schlecht unterrichtender Kollege nicht auffallen würde.

Weitere Ergebnisse:

  • Die Berufszufriedenheit von Lehrern hängt mehr mit dem Schülerverhalten zusammen als mit der Klassengröße. Die durchschnittliche Klassengröße beträgt 24 Schüler.
  • Der Lehrerberuf wird zunehmend und überwiegend von Frauen ausgeübt – außer in Japan.
  • Das Durchschnittsalter von Lehrern beträgt 43 Jahre; die jüngsten gibt es in  Singapur, die ältesten in Italien.
  • Neun von zehn Lehrern haben im vergangenen Jahr eine Fortbildung besucht, drei Viertel mit positiver Wirkung auf den eigenen Unterricht.
  • Das Unterrichten von Schülern mit besonderem Förderbedarf ist der Bereich, in dem die meisten Lehrer (22 Prozent) sich mehr Training wünschen – gefolgt von einer Verbesserung ihrer Fähigkeiten im Umgang mit digitaler Technik (19 Prozent).
  • Lehrer unterrichten im Schnitt 19 Zeitstunden pro Woche; die Spanne reicht von 15 Stunden in Norwegen bis hin zu 27 Stunden in Chile.
  • Die durchschnittliche Gesamtarbeitszeit beträgt 38 Stunden pro Woche.

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