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„Behutsam, aber beherzt“: Commerçon läutet im Saarland die Inklusion ein

SAARBRÜCKEN. Erst heftig umstritten, dann einstimmig beschlossen: Zum neuen Schuljahr macht das Saarland Ernst mit der Inklusion. Gleichzeitig werden wahrscheinlich bald weniger Schüler in weniger Schulen sitzen.

Gibt den Startschuss für die Inklusion im Saarland: Ulrich Commerçon. Foto: Tromla / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Gibt den Startschuss für die Inklusion im Saarland: Ulrich Commerçon. Foto: Tromla / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Die Schülerzahlen gehen zwar nicht so stark zurück wie erwartet. Dennoch müssen im Saarland wahrscheinlich einige Schulen schließen. Auch wenn der Rückgang geringer ausfalle, werde es voraussichtlich dazu kommen, «dass es im Rest der Legislaturperiode einzelne Schulschließungen geben wird», sagte Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD). Dies könne im übernächsten Schuljahr zwei oder drei Standorte betreffen. Letztlich entschieden aber der Schulträger, also die Landkreise.

Zum Schulbeginn am 8. September beginnt das Saarland mit der schrittweisen Einführung der Inklusion – dem gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern in allgemeinen Schulen. Man wolle «behutsam, aber beherzt» vorgehen, sagte Commerçon. Zunächst werde man mit den Grundschulen im ersten Schuljahr beginnen und dies dann wachsen lassen. Im übernächsten Schuljahr sollen auch die weiterführenden Schulen die Inklusion umsetzen. Dabei könne man sich auf die guten Erfahrungen in den Pilotschulen stützen.

Inklusion könne aber nur funktionieren, wenn die Gesellschaft dies mittrage, betonte Commerçon: «Das ist die wichtigste Gelingensbedingung». Deshalb sei auch der einstimmige Beschluss des Inklusionsgesetzes im Landtag ein wichtiges Signal, weil sich alle Parteien dazu bekannt hätten. Dabei sei gleichzeitig eine Lösung gefunden worden, dass Eltern letztlich die Entscheidung treffen, ob ihr Kind in einer Regelschule oder einer Förderschule eingeschult wird.
Der Schülerrückgang im Saarland fällt nach Angaben des Ministers geringer aus als erwartet. Während im Jahr 2010 noch ein Rückgang um über 21 Prozent bis 2020 prognostiziert war, gehe man jetzt von 17,9 Prozent aus. Dies hänge auch mit der Zuwanderung zusammen: «Der wesentliche Grund ist aber, dass die Schüler länger im System bleiben», sagte der Minister. Schüler strebten zunehmend höhere Abschlüsse an. Exakte Schülerzahlen sollen in Kürze veröffentlicht werden. Beim geplanten Abbau von Lehrerstellen werde die Landesregierung die veränderten Schülerprognosen berücksichtigen und die Zahlen anpassen, sagte Commerçon. Konkrete Zahlen nannte er nicht. «Das machen wir jährlich bei der Aufstellung des Haushalts». dpa

Zum Bericht: Inklusion bereitet Förderschullehrern Sorge: Was wird auf der Regelschule aus ihren Schützlingen?

Ein Kommentar

  1. Wenn wirklich die Erfahrungen der Lehrkräfte in die weitere Entwicklung der Inklusion einbezogen werden, hat das Saarland einen guten Weg gefunden.

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