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Elternstudie liefert widersprüchliche Ergebnisse – klar ist aber: Mehrheit will bundesweites Zentralabitur

BERLIN. Neun von zehn Eltern in Deutschland wünschen sich einer Studie zufolge ein bundesweites Zentralabitur für ihre Kinder. Das gegenwärtige föderale System bewerteten sie als willkürlich und ungerecht, sagte Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann bei der Vorstellung einer repräsentativen Umfrage unter Vätern und Müttern, die das Institut Emnid im Auftrag des Versandhändlers Jako-o durchgeführt hat. Den Eltern sei wichtig, dass schulische Leistungen in verschiedenen Bundesländern vergleichbar würden. Weitere Ergebnisse der Studie sorgen allerdings für Verwirrung.

Was Eltern alles so meinen, überrascht manchmal. Foto: Matthaeuswien / Wikimedia Commons (CC-BY-3.0)

Was Eltern alles so meinen, überrascht manchmal. Foto: Matthaeuswien / Wikimedia Commons (CC-BY-3.0)

Seit 2005 bekommen Abiturienten innerhalb eines Bundeslands mit Ausnahme von Rheinland-Pfalz zwar die gleichen Aufgaben, zwischen den Ländern aber gibt es weiterhin Unterschiede. Unter Bildungspolitikern ist die Einführung eines Zentralabiturs heftig umstritten. «Die Kultusminister haben ein Akzeptanzproblem», folgerte Tillmann aus der Elternmeinung.

Wie bei der vorangegangenen Umfrage 2012 lehnt die Mehrheit der Eltern die auf acht Jahre verkürzte gymnasiale Schulzeit ab. Rund 80 Prozent würden ihr Kind lieber auf ein neunjähriges Gymnasium schicken. Gleichzeitig aber spiegele sich die häufig geäußerte Klage, die kürzere Schulzeit sorge für mehr Stress und Leistungsdruck, in der Studie kaum wider, sagte Tillmann. Sowohl in sogenannten G8- wie in G9-Bildungsgängen gehen Kinder nach Meinung ihrer Eltern gern zur Schule (86 beziehungsweise 89 Prozent). Nur wenige Mütter und Väter halten ihre Sprösslinge für überfordert – bei kürzerer Schullaufbahn 9 Prozent, bei längerer 5 Prozent.

Dieses Ergebnis –  während gleichzeitig 72 Prozent der Eltern bejahten, dass an Schulen zu stark auf Leistung gesetzt werde – ist für den Vorsitzenden des Philologenverband, Heinz-Peter Meidinger, Beleg dafür, dass die Studie insgesamt „mehr Fragen aufwirft als beantwortet“. Meidinger: „Dies ist eine bunte Mischung aus meist bekannten, vielfach zusammengewürfelten Daten, wobei vage Fragestellungen auch zu unklaren verwirrenden Ergebnissen führen.“

Klar ist allerdings: Nachholbedarf besteht der Studie zufolge vor allem beim Ganztagsangebot. «Der hohe Bedarf kann in keinem Bundesland gedeckt werden», sagte Bildungsforscher Tillmann. 39 Prozent der Schüler besuchen den Daten zufolge eine Ganztagsschule, 70 Prozent der Eltern würden ihre Kinder gern in eine solche schicken. Vor allem bei der Hausaufgabenbetreuung und individueller Förderung müssten sich die Schulen aus Elternsicht aber noch verbessern.

Besonders gute Noten bekommen Lehrer an Privatschulen. Eltern sehen sie als fachlich kompetenter und engagierter, lernschwache Schüler würden besser unterstützt, der Unterricht sei methodisch moderner. Insgesamt geht die Mehrheit der Mütter und Väter davon aus, dass Kinder an Privatschulen besser gefördert werden. Trotzdem sehen viele Eltern solche Schulen kritisch – unter anderem weil sie die soziale Ungleichheit im Bildungswesen verschärften. Auch durchaus widersprüchlich. News4teachers / mit Material der dpa

6 Kommentare

  1. Ich habe nichts gegen ein bundesweites Abitur, vorausgesetzt die Rahmenbedingungen stimmen, zentral wird wegen der Ferientermine allerdings schwierig.

    Allerdings ist zu befürchten, dass die dafür erforderlichen einheitlichen Prüfungsanforderungen so lasch und die Prüfungsaufgaben entsprechend einfach sind, um die bisher „schwachen“ Bundesländer wie die Stadtstaaten oder NRW im Vergleich zu den „starken“ Bundesländern wie Bayern und Baden Württemberg nicht total abschmieren zu lassen.

    Interessant finde ich aber das Ergebnis über den Stress und den Leistungsdruck, den es bei G8 im Vergleich zu G9 der Umfrage zu Folge wohl doch nicht so sehr gibt, wie es gerne herausposaunt wird. (Bei gymnasial geeigneten Schülern stimmt das im Großen und Ganzen auch, wenn sie nach der Nachmittagsbetreuung nicht von den Eltern noch zu 3x pro Woche Sport und 1x pro Woche Musikschule geschickt werden.)

    • hilarus@t-online.de

      „(…) wenn sie nach der Nachmittagsbetreuung nicht von den Eltern noch zu 3x pro Woche Sport und 1x pro Woche Musikschule geschickt werden.“

      Nunja, es soll aber auch Kinder geben, die von sich aus gerne nebenher 3x zum Sport und 1x zur Musikschule gehen oder deren Talente sich eben nicht im Fächerkanon der G-8 wiederfinden.
      Bei gleicher Begabung sollten diese dann nach Ihrer Rechnung auf eine GMS oder ähnliches, wo sie dann wiederum hoffnungslos unterfordert wären?

      • die, die gerne zum sport gehen, sollen es auch so lange die schule nicht darunter leidet. der zeitdruck wird halt hoch, wenn neben dem sport noch z.b. nachhilfe in mindestens zwei Hauptfächern dazu kommt.

        • hilarus@t-online.de

          Sie meinen also, daß der in der Schule zu vermittelnde Lernstoff absolute Priorität hat und sämtliche menschlichen Talente dadurch ausreichend abgedeckt bzw. genügend gefördert sind?
          Dann würde der olle Seneca ja doch Recht behalten – und es gäbe so manchen talentierten Künstler, erfolgreichen Sportler und qualifizierten Wissenschaftler weniger.
          Von vielen in diesem Forum wird die ewige Gleichmacherei angeprangert. G-8 ist einer ihrer Mechanismen.

          • Sie sagen genau das, was ich denke.
            Die außerschulische Bildung und Hobbypflege hat enorme Bedeutung.
            Schule ist bei weitem nicht alles und nicht Schlüssel zu allem.

  2. Für das Fach Mathematik haben doch einige Bundesländer beschlossen, gemeinsame hilfsmittelfreie Aufgaben zu stellen, die 1/6 der gesamten Prüfung ausmachen. Das gestaltet sich aber in der Praxis extrem schwierig, weil die Lehrpläne in der Oberstufe sehr unterschiedlich sind. Bevor man als in Mathematik überhaupt daran denkt, ein echtes Zentralabitur zu schreiben, muss man erst einmal die Lehrplänen vereinheitlichen. Das bedeutet: In Mathematik gibt es vor 2022 kein Zentralabitur, selbst wenn man das politisch wollte.

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