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Deutschunterricht für Flüchtlingskinder – „Lehrerstellen fehlen hinten und vorne“

KIEL. Der schleswig-holsteinische Verband der Bildungsgewerkschaft GEW unterstützt nach eigenen Angaben die Initiative des Flüchtlingsrats für eine bessere schulische Versorgung von Flüchtlingskindern. Die Zahl der Kinder, die DAZ-Unterricht benötigen, also Deutsch als Zweitsprache lernen, sei enorm gestiegen. Dazu zählten neben Flüchtlingskindern auch Einwandererkinder sowie in Schleswig-Holstein aufgewachsene Kinder ohne ausreichende Deutschkenntnisse. Die Zahl der Lehrerstellen liege aber seit Jahren bei rund 210.

Es dürfe nicht vergessen werden, dass auch die Schulen auf Unterstützung angewiesen sind Foto: DFID - UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

Durch Einwanderung und Flucht ist nach Angaben der GEW die Zahl der Kinder, die Sprachunterricht benötigen, enorm gestiegen. Foto: DFID – UK Department for International Development / Wikimedia Commons (CC-BY-2.0)

„Für uns ist es ein Gebot der Solidarität, Flüchtlings- und Einwandererkindern qualifizierten Unterricht zukommen zu lassen. Damit sie sich bei uns überhaupt zurechtfinden und am Unterricht teilnehmen können, müssen sie zunächst einmal die Sprache lernen. Leider aber reichen die für den Sprachunterricht erforderlichen Lehrerstellen hinten und vorne nicht. Wir brauchen also dringend mehr Lehrerstellen für DAZ-Klassen sowie ein umfangreiches Fortbildungsprogramm für Lehrerinnen und Lehrer“, sagt der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn.

Um den Bedarf zu decken, seien 250 neue Lehrerstellen erforderlich, so der GEW-Landesvorsitzende. Nach dem DAZ-Konzept sollten Schüler, die in der Regel kein Wort Deutsch sprächen, im ersten Jahr in Gruppen von maximal zwölf Kindern und Jugendlichen Unterricht erhalten. Gehe man nun nur von einem Anstieg der Zahl der betroffenen Kinder und Jugendlichen um 3000 aus, also etwa 2500 Flüchtlingskinder plus 500 Einwandererkinder, sowie von zwölf Kindern je Gruppe, ergäbe sich ein Bedarf von 250 Lehrerstellen.

„Uns ist durchaus bewusst, dass sich dieser Bedarf nicht von heute auf morgen decken lässt. Aber das Schulministerium darf vor dem tatsächlichen Bedarf auch nicht die Augen verschließen“, sagt Heidn. „Wir dürfen doch nicht Kinder, von denen nicht wenige durch Krieg, den Verlust der Heimat und durch Fluchterlebnisse traumatisiert sind, einfach ohne geringste Deutschkenntnisse in normale Klassen stecken, wie es zum Teil schon passiert. Für die Kinder, die im Unterricht nichts mitbekommen, ist das der pure Frust. Die mit der Situation völlig überforderten Lehrkräfte leiden ebenfalls darunter.“

Der GEW-Landesvorsitzende warnt davor, die Aufbaustufe – die zweite Stufe zur Unterstützung beim Deutsch Lernen – einfach wegfallen zu lassen, damit mehr Lehrkräfte in der Basisstufe eingesetzt werden könnten. Die in der Basisstufe erlernten Sprachkenntnisse bedürften des weiteren Ausbaus. Dazu bräuchten die Betroffenen weiterhin die Hilfe der DAZ-Lehrkräfte.

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