SAARBRÜCKEN. Förderschulen existieren als besondere Einrichtungen, um Schülerinnen und Schülern mit speziellen Bedarfen besser als an Regelschulen unterstützen zu können. Was aber, wenn Förderschulen dieser Kinder und Jugendlichen nicht mehr Herr werden? Der Verband Reale Bildung Saarland schlägt jetzt Alarm. Die Schülerschaft im Schwerpunkt Geistige Entwicklung habe sich „sowohl in der Quantität, aber auch in der Qualität“ deutlich verändert, erklärt die Vorsitzende Karen Claassen. Gewalt gegenüber Lehrkräften sei auch hier zunehmend ein Thema.

Die Lage erscheint zunehmend explosiv. „Die Schülerschaft an Förderschulen mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die aktuellen Rahmenbedingungen tragen dieser Entwicklung nicht ausreichend Rechnung“, so heißt es in einer Stellungnahme des Verbands Reale Bildung (VRB) Saarland, der auch Lehrkräfte an Förderschulen vertritt.
Mit Blick auf aktuelle Meldungen, wonach die Gewalt gegenüber Lehrkräften in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, weist Verbandsvorsitzende Karen Claassen darauf hin, dass „auch an den Förderschulen Geistige Entwicklung eine vermehrte Gewalt zu beobachten“ sei und sich die Schülerklientel „sowohl in der Quantität, aber auch in der Qualität“ verändert habe und weiter verändere. Eine zentrale Ursache sieht der Verband in „komplexen Beeinträchtigungen“, die zu „immer herausfordernden Situationen für die Lehrkräfte“ führten.
„Selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten, Weglauftendenzen, extrem lautes Lautieren oder Schreien über eine längere Zeit“
Bundesweite Daten verweisen auf die wachsende Bedeutung dieses Förderschwerpunkts. Nach Angaben der Kultusministerkonferenz ist die Förderquote im Bereich geistige Entwicklung von 0,6 Prozent im Jahr 1996 auf 1,4 Prozent im Jahr 2023 gestiegen. Damit hat sich der Anteil mehr als verdoppelt.
Wie sich diese Entwicklung im Schulalltag niederschlägt, beschreibt der Verband ausführlich. Förderschulen würden „zunehmend Bildungsorte für Schülerinnen und Schüler mit komplexen und vielfach unklaren Unterstützungsbedarfen“. Lehrkräfte berichteten dabei von „einer starken Zunahme von Kindern und Jugendlichen aus dem Autismus-Spektrum“ sowie von „steigenden Zahlen an Schülerinnen und Schülern mit herausforderndem Verhalten“. Konkret genannt werden „selbst- oder fremdgefährdendes Verhalten, Weglauftendenzen, extrem lautes Lautieren oder Schreien über eine längere Zeit“.
Hinzu komme eine Verdichtung unterschiedlicher Problemlagen. In der Stellungnahme ist von „Schülerinnen und Schülern mit komplexen Mehrfachbehinderungen, schweren Verhaltensauffälligkeiten, psychischen Belastungen, Traumafolgestörungen sowie hohem Pflege- und Unterstützungsbedarf“ die Rede. Gleichzeitig wachse der psychosoziale Unterstützungsbedarf ebenso wie die sprachliche und kulturelle Diversität.
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Verbandsvorsitzende Claassen beschreibt auch die Folgen für die Arbeit in den Schulen. Die Entwicklung führe zu „einer steigenden emotionalen, physischen und körperlichen Belastung“ bei Lehrerinnen und Lehrern, die wiederum „zu erheblichen krankheitsbedingten Ausfällen und damit zu einer noch höheren Belastung der weiteren Lehrkräfte“ führe. Zudem komme es zu „einer erheblichen Rollenverschiebung der Lehrkräfte“ sowie zu „einer massiven Ausweitung von Kooperations- und Koordinationsaufgaben“.
Im Gesamtsystem übernehmen Förderschulen nach Darstellung des VRB zunehmend eine Auffangfunktion. Sie würden „immer häufiger zur ersten Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die im Regelsystem oder in anderen Förderschwerpunkten keine adäquate Förderung erfahren haben“.
Vor diesem Hintergrund richtet sich der Blick des Verbands auf die strukturellen Bedingungen. Die besondere Zusammensetzung der Schülerschaft erfordere „einen besonderen Zugang“, der jedoch „immer mehr Ressourcen in Personal und Räumlichkeiten“ notwendig mache. Gleichzeitig fehlten „viel zu kleine Räumlichkeiten und vor allem zu wenige, um Situationen auch zu entzerren“.
Daraus leitet der Verband eine klare Forderung ab: Es brauche „dringend eine Investition, um dem Bildungsauftrag auch weiterhin gerecht werden zu können“. News4teachers









Ich stelle mal eine naive Frage:
Wenn sogar Förderschulen mit Teilen ihrer Schülerschaft nicht mehr klar kommen, wie sollen das die Regelschulen mit derselben Schülerschaft und zusätzlich sozial ähnlich auffälliger Klientel ohne Förderbedarf?
Naja, vom Anteil sind es erstmal weniger, Sie haben also sehr viele positive Vorbilder im Raum sitzen, ohne diese eventuell zuvor wahrgenommen zu haben.
Einfacher ein Kind am Modell lernen zu lassen, wenn nicht 1/3 der Klasse auffällig ist und sich 1/3 anstecken lässt.
Aber da Sie sich hier offensichtlich für eine Stärkung der Inklusion aussprechen, pflichte ich Ihnen ganz bei. Ich meine, was sonst? 🙂
Ich muss irgendwas grundsätzlich falsch machen. Bei mir lernen Kinder mit Förderbedarf nicht einfach so am positiven Vorbild.
Bei uns ist Kind mit Förderbedarf das positive Vorbild.
Hospitieren Sie in einer Klasse der Förderschule. Im Verglekch merken Sie schnell, welche Kinder die ersten Jahre an einer Regelschule waren
Wie unterscheiden sich diese von denen, die vorher nicht an einer Regelschule waren? Können Sie das bitte erläutern?
Sie waren schon vor der Einschulung (es geht hier um den Förderschwerpunkt gE) deutlich weniger beeinträchtigt, hatten im Kindergarten ganz gute soziale Einbindungen und man konnte sich vorstellen, dass diese Situation in der Grundschule wirksam sein könnte. Dann bekommen sie in der GS eine Schulbegleitung, lernen etwas Lesen und Rechne und gehören kognitiv zu den leistungsfähigeren SuS.
Leider können sie aber in der 5. Klasse noch nicht alleine zur Toilette gehen oder sich die Schuhe anziehen und häufig haben sie kaum gelernt, dass sie etwas können!
Inklusion ist großartig, wenn man es richtig macht. (20 Jahre Mobiler Dienst mit Überzeugung)
Danke für Ihre Antwort.
Aber mich hätte tatsächlich interessiert, was Rainer Zufall mit seinem Kommentar genau meinte.
Ihnen geht es offensichtlich nicht um die Sache.
Doch, genau darum geht es mir. Ich würde gern verstehen, welche Vor- oder Nachteile SIE persönlich sehen, die die Entscheidung von Sonderschullehrern pro oder contra Forderschule beeinflussen.
“Entscheidung von Sonderschullehrern pro oder contra Forderschule”
Da kann ich etwas Lesenswertes empfehlen (https://www.news4teachers.de/2026/04/foerderschulen-werden-ihrer-schuelerschaft-nicht-mehr-herr-verband-schlaegt-alarm/#comment-799602)
Wenn Sie sich nicht über Inhalte austauschen wollen, kann ich mir eine Antwort sparen. Aber hey, vielleicht antwortete ich ja einem Ihrer Fakeprofilen, die Sie sie – warumauchimmer – betreiben 🙂
LOL! Jetzt wird mir klar, wie SIE Ihr Abi und Studium geschafft haben … Sie haben immer jemanden gefunden, der Ihre Aufgaben für Sie erledigt hat. Hier im Forum findet sich ja, zum Glück für Sie, auch immer jemand, der an Ihrer Stelle antwortet, oft genug die n4t-Redaktion oder gutmütige Foristen.. Zu eigenen vernünftigen Antworten auf konkrete Fragen reicht es offensichtlich nicht. Schade!
“Sie haben immer jemanden gefunden, der Ihre Aufgaben für Sie erledigt hat.”
Ich bezweifel stark, dass CMW ihre Erfahrungen “für mich” machte…
Es geht Ihnen also um Personen, nicht um die Sache. Viel Glück damit
Warum verlinken Sie dann CMW anstatt selbst Ihre eigene Meinung, Ihre eigenen Erfahrungen zu schreiben?
Beschreiben Sie doch einfach einmal Ihre persönlichen Erfahrungen? Sie sind doch an einem Förderzentrum und in der Inklusion an einer Regelschule tätig (und schon seit mehr als 10 Jahren als SoPäd tätig, wenn ich mich recht erinnere) Schön wäre es, wenn Sie die Vor- und Nachteile beider “Systeme” für die Arbeit eines Sonderpädagogen aus Ihrer persönlichen Sicht beschreiben könnten. Das könnte vielleicht (angehende) Sonderpädagogen bei der Entscheidung für eine angebotene Arbeitsstelle unterstützen.
Interessant wäre dann noch Ihre persönliche Meinung dazu, für welche Kinder Sie die Inklusion empfehlen würden und für welche diese evtl. nicht geeignet ist. Das könnte Eltern bei der Entscheidung helfen. Es sei denn, Sie sind der Meinung Inklusion ist ausnahmslos für alle Förderkinder die beste Lösung.
Springen Sie endlich mal über Ihren Schatten und schreiben nicht nur immer die selben Phrasen, sondern mal eine echte, eigene, begründete Meinung, beruhend auf Ihrer Berufserfahrung.
Hab ich schon oft gemacht. Gehört für mich zum Job dazu.
Das freut mich aufrichtig.
Ich beobachtete häufiger eine Arbeitshaltung (“warum ich zur Schule gehe”, geordnet am Platz sitzen können), Ausdauer und Einhalten der Gesprächsregeln (Distanz halten, Geduld).
Natürlich EHER, nicht perfekt (logischerweise), aber spürbar. Im Bereich Lernen ist dies meiner Meinung nach noch ausgeprägter.
Persönlich muss ich einräumen, dass ich bei den Kolleg*innen teils… unterschiediches Zeitmanagement feststellte (ist aber jetzt auch Jahre her). Zudem teile ich durchaus CMWs Kritik hinsichtlich lebenspraktischer Fähigkeiten (https://www.news4teachers.de/2026/04/foerderschulen-werden-ihrer-schuelerschaft-nicht-mehr-herr-verband-schlaegt-alarm/#comment-799602), daher fordere ich ja auch regelmäßig eine Verbesserung der Inklusion, anstatt das Nichtstun mit den Worten der zuständigen Politik zu entschuldigen, dafür weniger Geld auszugeben.
Randfälle würde ich eigentlich gerne auslassen, aber da muss ich Ihnen im Nachhinein insofern recht geben bzw. einräumen, dass sich auch im Bereich GEnt die Klientel wahrscheinlich nochmal veränderte (Snoozleraum in der Faustglotze und so)
Das klingt jetzt aber mal wirklich interessant. Da hätte ich auch gerne etwas mehr Infos.
Um etwas Konstruktives beizutragen? 😀
Ganz genau dafür.
Ich bezweifel es stark, aber bitteschön. Wozu hätten Sie gerne mehr Infos, um daraus mehr zu machen als eine Rampe für Zeitvergeudung und Untergrabung von Kindern mit Förderbedarf?
Wieso es kommt doch eine Fachkraft in ein bis zwei Stunden in der Woche.
Geben Sie sich halt ein wenig Mühe.
Haltung ist gefragt!
Mit multiprofessionellen Teams!
bestehend aus einer Person….
Schonmal darüber nachgedacht, dass unser super exlusiv sSchulssystem mit Bildungselite zu genau dieser Problematik führt?
Das zufällig mehr geistig behinderte Kinder geboren werden, ist eher unwahrscheinlich. Die Gesellschaft “macht” also zunehmend Kinder behindert.
So blöd das klingt, aber das vermutlich etwas wahres dran.
Ich kann ja nur für meine Stadt, in der ich arbeite, sprechen, aber ganz allgemein fehlen seit längerer Zeit Förderplätze besonders für GE. Das führt dann dazu, dass alle minderschweren Fälle auf GL-Schulen untergebracht werden. Nur die wirklich gar nicht an Regelschulen beschulbaren Kinder werden an Förderschulen untergebracht. Das führt seit Jahren zu einer Verschiebung des Klientels an Förderschulen und macht deren Arbeit immer schwerer. Vorher hatten auch diese eine Durchmischung von leichten geistigen Behinderungen und schweren Behinderungen….
Das erklärt aber noch nicht die steigende Anzahl besonders schwerer Fälle.
Ne, das stimmt. Dafür habe ich auch keine Erklärung….
Ich schon: Eltern!
Es ist ja auch so, dass immer mehr schwerbehinderte Kinder die Schwangerschaft und Geburt überleben. Das liegt auch an den Fortschritten in der Medizin und ist erstmal eine gute Nachricht. Aber die Förderschulen sind darauf vermutlich nicht eingestellt.
Es kann u.a. mit besserer medizinischer Versorgung zusammenhängen, mutmaße aber hier auch nur. Es könnten (!!) sich ja auch die Effekte hier durch bspw. das Recht auf Abtreibung ausgleichen.
(Es geht da ausdrücklich nicht um Wertung, sondern um die Feststellung des Bedarfs)
Das kann an der Mediennutzung der Kinder und der Eltern und der damit einhergehenden mangelnden Förderung/kognitiven Verwahrlosung der Kinder liegen. Mit starker Unterstützung lassen sich Kinder um bis zu eine Standardabweichung von ihrem Basis-IQ nach oben ziehen, bei Verwahrlosung geht es um bis zu einer Standardabweichung nach unten…
Um eine eine Standardabweichung nach oben durch Förderung? I am intrigued. Was an Forschungsliteratur habe ich verpasst? Durch schlimmste Verwahrlosung nach unten, aber ich habe bei Förderung meine Zweifel.
Das sehe ich auch so . Kind mit geringer Beeinträchtigung ab Geburt , hat Pech mit der Familie in die es hinein geboren wird . Dort ist gar nicht bewusst , daß man ein Kind mit Beeinträchtigung auch erziehen kann und das es auch Fortschritte machen kann , oder es herrscht Unwissenheit wie das geht .
Ich denke die Eltern sollten direkt nach Diagnose oder besser noch bei Feststellung der Notwendigkeit einer Diagnose , viel intensiver betreut und aufgeklärt werden . Möglicherweise auch verpflichtend . Ggf ist das Pflegegeld ein Druckmittel sich auch tatsächlich mit dem Kind auseinander zu setzen . Wenn Kinder 6 Jahre gar nicht erzogen werden und jedes Verhalten mit “ist halt besonders ” entschuldigt und weggelächelt wird , kann Schule das nicht ausbügeln .
Das ist schon ein komischer Kommentar, weit ab von der Praxis…
Wieso meinen Sie, dass mit dem Pflegegeld Druck ausgeübt wird? Es ist natürlich eine heimliche, indirekte Kontrolle und würde entzogen, wenn die Person beim Beratungsgespräch kindswohl gefährdende Zustände Zuhause erleben würde. Es gibt aber keinen Auftrag, adäquat zu fördern!
Kind mit geringer Beeinträchtigung ab Geburt…
Wann glauben Sie, entdeckt man eine leichte geistige Behinderung? Schwere Formen sieht man deutlich. Ein Kind mit leichter geistiger Behinderung sieht oft aus, wie jedes andere Kind, lernt im normalen Tempo sitzen, krabbeln, laufen. Kann vielleicht auch etwas spezielles besonders gut, zB klettern oder Verschlüsse öffnen. Bis 2/3 Jahre fällt keinem Arzt bei der U – Untersuchung etwas auf. Ein eher ruhiges Baby oder Kleinstkind zu sein, ist auch nicht bedenklich. Erst als Kleinkind fällt die verzögerte Sprache langsam auf und da gibt es eh riesige Unterschiede. Manche plappern mit 18 Monaten wie ein Wasserfall, manche fangen erst mit 3 Jahren an. Und dann machen sich langsam deutliche Unterschiede zu anderen Kindern bemerkbar. Im kognitiven Verstehen, im Kommunizieren.
Je älter die Kinder werden, desto größer die Unterschiede. Gesunde Babys sind genauso hilflos wie diejenigen, mit leichter geistiger Behinderung. Gesunde Kleinstkinder können genauso auf die Straße laufen. Aber mit jedem weiteren Jahr werden die Unterschiede deutlicher und wenn man dann mit vier Jahren Bescheid weiß, dann braucht man vielleicht noch fünf Jahre, um zu erfahren, dass man Pflegegeld bekommen kann. Und wenn man das weiß, dann gibt die Krankenkasse einem das auch gerne. 😉
Ich ergänze mal noch zu meiner Antwort :
Laut Ihrem Kommentar stellen Sie sich das so vor:
Familie bekommt nach der Geburt das Zertifikat, ihr Kind sei leicht geistig behindert und denkt, Hurra, jetzt können wir Pflegegeld abgreifen und alles Verhalten unseres Kindes entschuldigen, mit dem Ergebnis, dass es noch viel behinderter wird, weil man nichts mehr von ihm verlangt und sich keine Mühe gibt.
Sich das so vorzustellen, ist, mit Verlaub, strunzdumm!
Es gibt Kinder, die durch Vernachlässigung behindert werden, dass sind aber soziale, emotionale, psychische Probleme der Eltern und kann Eltern jedweden IQ’s betreffen, sowie deren Kinder. Ist der IQ eher hoch, entwickelt sich vielleicht eher eine andere Art Beeinträchtigung, eher psychisch auffällig. Ist der IQ in der Familie zufällig (!) niedrig, kann es durch die Beeinträchtigung in den GE Bereich sinken. All dies geschieht aufgrund der Probleme der Eltern und nicht, weil es dann Pflegegeld gibt oder durch das Pflegegeld. Psychisch beeinträchtigte Eltern sind nicht Herr der Lage und könnten entsprechend auch nichts in der Richtung planen.
Wenn Sie aber ein Kind mit leichter geistiger Behinderung haben, dem man das optisch nicht ansieht, dann haben Sie zB ein Vierjähriges, das sich verhält, wie ein Zweijähriges, weil es im Kopf tatsächlich erst Zwei ist, aber optisch halt Vier. Alle Erwachsenen legen also den Anspruch, dass es sich wie Vier verhält und wie Vier versteht. Kann es das nicht, werden die Eltern mit Blicken und Bemerkungen bestraft und vielleicht auch das Kind selber. Hat man dann den Nachweis, dass das Kind aufgrund seiner Behinderung in Wahrheit erst Zwei ist, sind Sie in der Tat erleichtert, denn dann können Sie die anderen Erwachsenen aufklären, die ab da auch Verständnis haben und aufhören, Sie oder Ihr Kind zu beschuldigen.
Wenn Sie das nicht verstehen, nehme ich mal einen späteren Vergleich, der alles viel deutlicher macht:
Ein Mensch mit leichter geistiger Behinderung entspricht im Erwachsenenalter etwa einem Zwölfjährigem.
Zwölfjährige lässt man zB nicht Auto fahren. Ist es nicht schön, wenn man durch das Wissen um die Behinderung aufhört, zu erwarten, dass der GE Mensch Auto fährt? Das er da nicht mit Anderen mithalten muss? Ist das nicht auch besser für alle?
Oder hat man sich nur wegen dem Pflegegeld auf die faule Haut gelegt und aufgehört, an dem erreichen des Führerscheins für den GE Mensch zu arbeiten?
Ich sags Ihnen : Ein geistig behinderter Erwachsener ist im Kopf ein Kind und kann und soll deshalb nicht Auto fahren und ich bin froh, dass ich mich da mit der Beeinträchtigung ausreden kann ^^
Und falls Sie bei meinem Beispiel, mit dem Kind, das erst als Kleinkind als GE Kind auffällt, meinen, es wäre vielleicht gar nicht von Geburt an so gewesen, sondern entsprechend vernachlässigt worden : Ja, diese Bürde muss man immer tragen, dass man evtl der Schuldige war, denn das kann man nicht nachweisen. Aber da war zufällig die unfertig entwickelte Lunge nach der Geburt, auch wenn das im KH eine Woche beobachtet wurde und die Sauerstoffzufuhr immer noch so gerade im zumutbaren war.
Und da ist der Verwandte väterlicherseits, der genau das gleiche GE-Bild hat, obwohl die sich gar nicht kennen und auch nicht im gleichen Zuhause aufgewachsen sind. Und dann ist da noch ein Halbgeschwisterkind, das studiert…
Also, es könnte tatsächlich sein, dass die Familie nicht schuld ist. Geben tut es beides – durch das Familienleben behindert oder eben genetisch oder durch andere Umstände.
Mehr Diagnose bedeutet mehr Förderstellen.
Durchaus!
Im Bereich GEnt widerspreche ich Ihnen da nicht, wobei ich hier auch weniger glaube, dass Kinder durchgewunken werden
Nach meiner Erfahrung liegt es z. T. auch bei diesen Kindern an der Erziehung und den Rahmenbedingungen. Die meisten GE-Kinder, die ich kennengelernt habe, haben sich nicht so benommen, wie oben beschrieben. Auch und gerade diese Kinder brauchen und akzeptieren (in den meisten Fällen) gesetzte Regeln, wenn diese konsequent und verständlich eingesetzt werden. Feste Strukturen und feste Bezugspersonen sind für sie und auch für viele andere Fö-Bedarfe (besonders Lernen und ESE) enorm wichtig für die Orientierung im Alltag (zu Hause, in der Schule und im öffentlichen Raum).
“Nach meiner Erfahrung liegt es z. T. auch bei diesen Kindern an der Erziehung und den Rahmenbedingungen.”
Sie haben dies nach Ihrer Erfahrung nicht beobachtet (augenroll)
“Die meisten GE-Kinder, die ich kennengelernt habe, haben sich nicht so benommen, wie oben beschrieben.”
Sie sind im Ruhestand, der Artikel beschreibt eine Veränderung. Also….
“Auch und gerade diese Kinder brauchen und akzeptieren (in den meisten Fällen) gesetzte Regeln, wenn diese konsequent und verständlich eingesetzt werden.”
Uneingeschränkte Zustimmung!
Ach so, diese gravierende Veränderung gab es erst in den letzten 3 Jahren (seit meinem Ruhestand). Was ist denn in dieser kurzen Zeit so dramatisches passiert? 🙂
Ich habe SIE zitiert, die Antwort müssen Sie sich da also selber geben, was bzw. warum “es z. T. auch bei diesen Kindern an der Erziehung und den Rahmenbedingungen” liegt.
LOL! Sie unterstellten mir doch, dass ich keine Ahnung von den jetzigen Verhältnissen haben kann, weil ich seit 3 Jahren im Ruhestand bin. Ich zitiere:
“Sie sind im Ruhestand, der Artikel beschreibt eine Veränderung.”
Meine Frage also noch einmal: Was hat sich in diesen 3 Jahren so gravierend verändert und warum?
Ich dachte, Sie arbeiteten im Bereich Sprache.
Im Austausch wurde uns berichtet, dass die Anzahl an Kindern im Bereich GEnt, die wenig, gar nicht komminizieren können, nochmal massiv gestiegen ist, vermutlich im Zusammenhang mit deutlich gestiegenen Medienkonsum seit Corona und der Verbreitung von Tiktok
Ist nur mein persönlicher Erfahrungsraum, wurde aber so in der Besprechung des Sonderpädagogischen Dienstes dargelegt
Sind Sie sich sicher, dass Sie sich da nicht widersprechen, erst drei Jahre im Ruhestand zu sein? Kommt mir länger vor, aber vielleicht war das auch Questioner ^^
Ach, Rainer! Wie viele Jahre “unterhalten” wir beide uns schon hier bei n4t? Sie beweisen wieder einmal, dass Sie Kommentare nicht gründlich lesen und/oder verstehen, oder Probleme in der Merkfähigkeit haben. Schon öfter schrieb ich, dass meine Studium und meine 40 Jahre Berufstätigkeit als Sonderpädagoge, zwei Fö-Bedarfe umfasste: Lernen (kognitive Entwicklung, was auch GE umfasste) und Sprache (Staatsexamen als Logopäde).
Dass nicht wenige GE-Kinder wenig bis gar nicht sprachlich kommunizieren ist übrigens nichts Neues. Das gab/gibt es schon immer. Dass diese Fälle zunehmen (wegen Medienkonsum und genereller gesellschaftlicher Entwicklungen) halte ich aber durchaus für möglich. Und wenn dann noch nicht-deutsche Muttersprache erschwerend hinzukommt ….
Was meinen Ruhestand betrifft – genau sind es 3 Jahre und 5 Monate.
Das wird Sie jetzt verwundern, wenn Sie nachrechnen. 🙂 Tscha, die “temporäre” Arbeitszeiterhöhung (Berlin) und das damit verbundene angesparte Arbeitszeitkonto machte es möglich.
Es gab in der DDR kein getrenntes Lernen/ GEnt? Spannend, hoffentlich vergesse ich das nicht wieder ^^
“Dass nicht wenige GE-Kinder wenig bis gar nicht sprachlich kommunizieren ist übrigens nichts Neues.”
Ich sprach da aus aktuellen Gesprächen, Sie aus jahrealten Erfahrungen. Beides subjektiv, keine Frage, aber bitte erzählen Sie, wie Sie vor 3 Jahren noch im Bereich GEnt aktiv waren. Bestimmt unterhielten Sie sich erst kürzlich mit Bekannten dazu und haben garantiert mindestens einen Nachhilfeschüler mit diesem Schwerpunkt seit heute schon immer gehabt 😉
Beim Studium gab es diese strikte Trennung (Lernen/GE) nicht. In Neurologie, Psychiatrie, Psychologie, Entwicklungspsychologie ging es immer um das gesamte Spektrum der kognitiven Beeinträchtigungen. Deshalb machte ich z. B. in den Semesterferien ein Praktikum in einer Fördertagesstätte für nicht-schulbildungsfähige Kinder. Übrigens in der Tagesstätte, die Volker Keßling gründete und leitete. Das ist der Autor des Buches “Tagebuch eines Erziehers”, welches unter der von mir weiter unten verlinkten Studie genannt wird. (Ich habe übrigens alle diese dort genannten Bücher gelesen).
Hätten Sie die verlinkte Studie gelesen, wüssten Sie, wie die Kinder mit kognitiven Beeinträchtigungen in der DDR beschult und/oder gefördert wurden. Dann wüssten Sie, dass es dort Fördertagesstätten gab und an den Hilfsschulen zwei verschiedene Abteilungen, je nach Schwere der kognitiven Beeinträchtigung. Aber mit dem Lesen haben Sie es ja nicht so und das könnte ja auch Ihrer vorgefertigten Meinung widersprechen.
Volker Keßling: Lebenslauf, Bücher und Rezensionen bei LovelyBooks
Unsere Gesellschaft hat seit ein paar Jahrzehnten aufgehört, sich dieser Kinder zu … entledigen 🙁
Zudem hat sich die medizinische Versorgung deutlich verbessert, was wohl niemand ankreiden würde.
“Die Gesellschaft “macht” also zunehmend Kinder behindert.”
Die Gesellschaft könnte da durchaus bessere und verbindliche Angebote schaffen, aber wie wäre es stattdessen, soch kostenlos über “Eigenverantwortung” aufzuregen und sonst nichts zu ändern?
Wie “macht” das die Gesellschaft?
Handy, keine persönliche Kommunikation, ungesunde Ernährung, Mangelernährung, Verwahrlosung, keine Anreize, keine Kreativität, keine Selbständigkeit, keine Erfahrungen zB draußen, kein selbst erproben, alles abnehmen und in Watte packen,…
Es ist ja durchaus erstaunlich, wen man so alles kennt, der GE attestiert bekam. Mitunter nach dem Kiga auch wieder aberkannt und in LE umgewandelt.
Ein geringer IQ muss wohl eh schon vorhanden sein. Kann mir nicht vorstellen, dass ansonsten Handy und dergleichen reicht, dass daraus GE wird. Aber wenn der IQ schon grenzwertig niedrig ist…
Und dann sind da noch viele Migranten Kinder. Die Sprache machts noch schwerer, Flucht vielleicht traumatisch. Das dann in Verbindung mit oben genannten.
Sind extrem viele Migranten Kinder – und Jungs an Förderschulen. Kann nicht genetisch sein, also müssen die ja dazu “gemacht” werden und die Einordnung gehört auch auf den Prüfstand.
https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-von-kindern/lern-und-entwicklungsst%C3%B6rungen/geistige-behinderung
Ich weiß nicht, ob und welche, im Artikel genannten, Ursachen zugenommen haben (sollen). Mir fällt erst einmal nur die höhere Überlebensquote von extrem Frühgeborenen als evtl. Grund der Zunahme ein. Dann würde der medizinische Fortschritt diese Kinder behindert machen (früher haben diese Frühchen nicht überlebt).
Mir ist gerade noch ein möglicher Grund für die Zunahme der Probleme eingefallen. Das Fetale-Alkohol-Syndrom ist wenig bekannt und schwer diagnostizierbar:
https://www.fasd-deutschland.de/fasd-und-schule/
Heute überleben Frühchen mit einem Geburtsgewicht von 200 g – das geht selten ohne irgendeinen Schaden aus. Auch sonst sind die medizinischen Möglichkeiten heute für Kinder mit komplexen vorgeburtlichen Schädigungen sehr viel besser als vor 30 -40 Jahren. Gerade an Schulen für körperliche und motorische Entwicklung gibt es mehr Kinder mit komplexen Syndromen, sehr großem Pflegeaufwand, mit Beatmung, es muss sondiert werden – solche Kinder galten früher noch als nicht beschulbar. Autismus wird heute einfach mehr und früher diagnostiziert – ich habe in meinem Bekanntenkreis aus Menschen zwischen 60 und 70 einige, die ich seit über 40 Jahren für eindeutig autistisch halte. Sie haben sich halt irgendwie angepasst und man hat ihre Eigenheiten als Teil ihrer Persönlichkeit wahrgenommen. Der Anteil der Kinder mit schwerem, frühkindlichem Autismus ist meine Meinung nach gleichgeblieben.
Was die psychischen Probleme angeht, gebe ich dir recht und natürlich besuchen durch die Inklusion auch eher die schwerer beeinträchtigten Kinder die Förderschulen. Auf jedem Fall gehen die Kollegen schon lange auf dem Zahnfleisch, wobei all die neuen Erlasse und guten Ideen aus Saarbrücken nicht hilfreich sind.
Inklusion, Menschenrechte, Untersuchung bei Auffälligkeiten – seit längerer Zeit wird daran gearbeitet, ‘Behinderung’ nicht mehr zu stigmatisieren. Dass es Förderung gibt, dass der ‘natürliche Weg’ nicht nur Förderschule ist, wissen inzwischen sehr viele Beteiligte. Vielleicht sind die zunehmenden Zahlen ein Zeichen von abnehmender Scham. Vor Jahren war GE noch gleichbedeutend mit ‘wird nie allein zurechtkommen oder irgendetwas erreichen’, da war vielen Eltern ‘hat die Schule nicht geschafft’ noch lieber. Wikipedia (keine Ahnung woher und wie belastbar) schreibt dazu, 2-3% der Weltbevölkerung fielen in den Bereich geistige Behinderung. Da bleibt viel Raum für unerkannte Dunkelziffern, auch ohne krankmachende Gesellschaft.
“immer häufiger zur ersten Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die im Regelsystem oder in anderen Förderschwerpunkten keine adäquate Förderung erfahren haben”
Jup. Dies ändert aber nichts an den Herausforderungen, welche sich den Sonderpädagog*innen heute ergeben, bspw. haben die Kids den persönlichen Snoozleraum nur eine Hosentasche entfernt… Da sollten die Baustellen klar abgegrenzt werden.
Was mich in BW wurmt, ist der Aufholbedarf der Strukturen: Verhaltensauffälligkeit und GEnt lassen werden hier arg getrennt, da – meiner Meinung nach nicht zu Unrecht – Ursachen häufig auf die kognitiven Ressourcen zurückzuführen sind, mögliche Werkzeuge aber aus Prinzip ausgeschlossen werden. Ein Unterrichtsausschluss sollte als pädagogische (!) Maßnahme auch hier möglich sein, um Kindern zu verdeutlichen, dass eine Linie überschritten wurde. (Nur meine private Meinung dazu)
“…Verhaltensauffälligkeit und GEnt lassen werden hier arg getrennt, da – meiner Meinung nach nicht zu Unrecht – Ursachen häufig auf die kognitiven Ressourcen zurückzuführen sind…”
Können Sie diesen Teil Ihres Kommentars bitte noch einmal in verständlicher Sprache formulieren und genauer erläutern, was Sie meinen? Danke!
In BW schließen sich die Förderbereiche GEnt und ESEnt aus, gleiches gilt bspw. für einen Unterrichtsausschluss nach §90 im Schulgesetz (soweit ich weiß).
Da nicht einsichtsfähig, keine dieser Maßnahmen. Persönlich fände ich es als Signal an Kind und Familie sehr wichtig, aufzeigen zu können, dass manche Verhaltensweisen nicht in eine Schulgemeinschaft passen, UM Einsicht zu unterstützen 🙁
Okay, den ersten Teil (entweder GE oder ESE) verstehe ich jetzt. Das ist in Berlin auch so.
Folgenden “Satz” von Ihnen verstehe ich dagegen schon wieder nicht:
“Da nicht einsichtsfähig, keine dieser MaßnahmeN“
Meinen Sie, da ein GE-Schüler nicht einsichtsfähig sei, kann er nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden? Okay.
Welche Maßnahmen gibt es denn bei Ihnen, um den Schülern und Eltern aufzeigen zu können, dass manche Verhaltensweisen nicht in eine Schulgemeinschaft passen? Und welche Maßnahmen würden Sie sich zusätzlich wünschen und als erfolgversprechend befürworten (anstelle eines Schulverweises)?
“Meinen Sie, da ein GE-Schüler nicht einsichtsfähig sei, kann er nicht vom Unterricht ausgeschlossen werden? Okay.”
Wo wurde es uns dargelegt.
Aber ich sprach NICHT vom Schulverweis, sondern vom Unterrichtsausschluss. Bin ganz bei Ihnen, was klare Grenzen, Regeln und zeitnahe (!) Konsequenzen betrifft, daher finde ich es sehr bedauerlich, dass diese Konsequenz ausgeschlossen ist. Es handelt sich da ja bereits um ein schweres Werkzeug.
Wir arbeiten die Konflikte auf, die Schulsozialarbeiterin ist involviert, aber bspw. ein Klassenwechsel wäre hier nicht passend
Das ist seltsam:
«immer häufiger zur ersten Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die im Regelsystem oder in anderen Förderschwerpunkten keine adäquate Förderung erfahren haben»
«Schüler mit komplexen und vielfach unklaren Unterstützungsbedarfen»
Was genau soll ein unklarer Unterstützungsbedarf sein? Und sind diese Kinder und Jugendlichen, die in anderen Förderschwerpunkten nicht angemessen gefördert werden können, überhaupt intelligenzgemindert?
Überraschung: Man fördert Kinder mit normaler Intelligenz und massiven Verhaltensstörungen nicht, wenn man sie auf dem inhaltlichen Niveau einer Schule für geistig behinderte Kinder unterrichtet.
Wo steht denn, dass alle Kinder an der Förderschule intelligenzgemindert sein müssen? Wenn ein Kind aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten nicht in der Regelschule unterrichtet werden kann (z.B. weil es wegläuft, weil es sowohl Mitschülern als auch Lehrern gegenüber aggressiv ist), braucht es eine spezielle Förderung. Aber natürlich bekommt es da nicht die gleichen Aufgaben wie ein geistig behindertes Kind.
Lernen und geistige Entwicklung sind meines Wissens nach die Förderbedarfe, die eine zieldifferente Unterrichtung bedingen. Alle anderen werden zielgleich unterrichtet.
Genau. Es gibt Förderschwerpunkte und dafür wiederum verschiedene Schulen.
Eine Zeit lang gab es auch mal sogenannte Beo(bachtungs)- Klassen an GS für verhaltensauffällige (ESE, nicht-gruppenfähige) Kinder.
Das wurde weitgehend wieder abgeschafft, da zu teuer, obwohl ein Großteil der Kinder nach einer gewissen Zeit erfolgreich in Regelklassen zurückgeführt werden konnte (zielgleiche Beschulung in Kleinklassen mit ausgebildeten Sonderpädagogen und manchmal noch mit Sozialpädagogen).
Aber im Artikel ging es doch speziell um den Bildungsgang “geistige Entwicklung”.
Wir haben mittlerweile wöchentlich die Polizei im Haus. Keine KJPP/KJP oder sonstige Einrichtungen unterstützen uns bei stark gewalttätigen Jugendlichen mit geistiger Behinderung. Alle schieben die Verantwortung von sich.
Ob es nur in Sachsen-Anhalt so ist?
Wie sieht es in den anderen Bundesländern aus?
Was will man bei geistiger Behinderung mit der Polizei?
Gibt es geistig Behinderte im Knast? ZB mit Down-Syndrom? Kann ich mir genauso wenig vorstellen, wie Kindergarten Kinder im Knast.
“Was will man bei geistiger Behinderung mit der Polizei?”
Man “will” vermutlich überhaupt nicht – ich vermute aber mal, es hängt damit zusammen, dass die Polizei körperliche Gewalt (“unmittelbaren Zwang”) anwenden darf, selbstverständlich nur im Rahmen der Verhältnismäßigkeit – und Lehrkräfte dürfen das eben nicht, auch wo anders gar nichts mehr geht.
Gegenfrage: Was glauben Sie denn, was sich unter der Formulierung im Titel “Förderschulen werden ihrer Schülerschaft nicht mehr Herr” verbirgt?
“Was glauben Sie denn, was sich unter der Formulierung im Titel “Förderschulen werden ihrer Schülerschaft nicht mehr Herr” verbirgt?”
Schonmal keine einzige Nennung von “wöchentlichen” Polizeieinsätzen
Ehrlich gesagt habe ich an der Förderschule GE haufenweise Kinder gesehen, die nicht wie GE Kinder wirkten, sondern wie Kinder, die die Regelschule gern loswerden wollte und mit Eltern, die froh waren, dass in der FS nun nichts mehr “erwartet” wurde. Weder von den Kindern, noch von den Eltern. Nicht mehr versuchen, etwas zu können, nicht durchhalten, Ruhe per Diagnose, Zukunft egal.
Haufenweise Jungs, nicht integrierte Migranten, ESE,LE.
LE Kind hat kein Bock, kommt nicht weiter, macht nicht mit und wirkt deshalb immer zurück gebliebener. Mutter kämpft für GE Status, da es mit LE noch am Wettbewerb teilnehmen muss und das Stress macht.
Traumatisierte Flüchtlinge hatte ich noch vergessen und Roma Kinder, die werden aufgrund bestimmter Eigenschaften, die eigentlich keine Behinderung sind, auch gerne vermehrt in FS Schulen gesteckt.
Ich meinte meine Antwort übrigens wertfrei, als Beobachtung.
Ich mit GE Kind bekomme wärmstens die FS empfohlen, will aber Teilhabe. Mein Kind muss dort nichts können und kann dafür aber gerne was und geht stolz zur Regelschule, ist fleißig und überrascht so manches Mal mit unerwartetem Können, lehnt die FS nach Probe Zeit entschieden und vehement ab, möchte Schule mit Frontalunterricht, eigenständiger Kinderbande und keine Klein-Spielgruppe wie in der FS, fühlt sich sonst nicht als richtiges Schulkind.
Mutter mit LE Kind genau umgekehrt. Befürchtet zuviel Leistungsdruck, mehr Vergleich mit Regelkindern, mehr Frust, Sorge vorm scheitern und familiären Stress, möchte in der FS Ruhe haben. Kind wird in der FS friedlich.
Liest sich vielleicht spannend im Forum?
Garantiert schreibt Katharina noch, an wen sich ihr Kollegium sonst noch gewandt hat – die werden ja nicht ausschließlich darauf setzen, die Polizei zu rufen
„auch an den Förderschulen Geistige Entwicklung eine vermehrte Gewalt zu beobachten“ sei und sich die Schülerklientel „sowohl in der Quantität, aber auch in der Qualität“ verändert habe und weiter verändere. Eine zentrale Ursache sieht der Verband in „komplexen Beeinträchtigungen“, die zu „immer herausfordernden Situationen für die Lehrkräfte“ führten.”
Tut mir Leid, mir ist das zu viel Geschwurbel um den heißen Brei: ” Behinderte Kinder, die nun eine andere Quantität als auch Qualität ” haben? Werden also mehr behinderte Kinder geboren? Sind die Behinderungen gravierender geworden? Woran liegt es- mangelnde Früherkennung, schlechteres Gesundheitssystem, schlechtere Versorgung von Neugeborenen, Kinderarmut, vergiftete Umwelt….? Was für komplexe Beeinträchtigungen sind das genau? Waren die Kinder früher nur intelligenzgemindert und jetzt sind sie auch noch zusätzlich autistisch?
“Werden also mehr behinderte Kinder geboren?”
Nicht unbedingt. Kann am GUTEN Gesundheitssystem liegen 🙂
“Waren die Kinder früher nur intelligenzgemindert und jetzt sind sie auch noch zusätzlich autistisch?”
Ich würde gerne ein klares Nein geben, modernen Medien zudank ist es schwierig. Wenn Sie den digitalen Schnuller bei manchen Kleinkindern sehen, stellen Sie sich vor, die würden dies unter schlechteren Ausgangsbedingungen über noch längere Zeit erhalten 🙁
Wie bei allen Kindern geht es am Ende um Förderangebote und das Ausschöpfen der Potentiale. Durch mangelnde Aufklärungs-, Bildungs- und Betreuungsangebote greifen nicht wenige auf die digitale Notlösung zurück – ABER DANN stehen Staat und Gesellschaft bereit, die überforderten Eltern zu kritisieren versprochen 😉
Hier ein mMn. interessanter Artikel zum Umgang mit GE-Kindern in der DDR (für interessierte Sonderpädagogen! und evtl. Eltern):
https://www.pl.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/Alle_PHF/PL/Zeitschrift_der_Arbeitsstelle_Ausgabe_4_1_19_DOI.pdf
Sehr lesenswert sind auch die, am Ende des Artikels genannten, Bücher von Betroffenen.
Sie sind doch erst seit drei Jahren im Ruhestand. Warum packen Sie die alten Kamellen aus der Zeit des Unrechtstaats DDR aus?
Kam seitdem nichts mehr zum Thema (GEnt in einer Diktatur unterrichten) raus? 😉
Ach Mensch, Rainer! Ich schrieb doch extra “für interessierte Sonderpädagogen”! Warum denken Sie, dass der link für Sie bestimmt war? Ich kenne doch mittlerweile Ihre “Meinung” zur Bildung in der DDR und Ihre Leseschwäche. LOL!
Sie denken, ich würde mich für 40 Jahre alte Arbeiten unter einer Diktatur interessieren??
Ich bin mir sicher, wir fanden in den letzten Dekaden bessere Beispiele aus Demokratien, Danke
Ach, Rainer – dieser verlinkte Artikel ist eine wissenschaftliche Arbeit von 2019!
Aber ich schrieb ja schon, dass er für interessierte Sonderpädagogen von mir verlinkt wurde (,die des Lesens mächtig sind und sich mal vorurteilsfrei informieren möchten, um sich eine eigene, objektive Meinung zu bilden)
🙂
Wie gesagt, warum sollte mich die “Ergänzung und Relativierung” im Umgang mit Kindern mit geistiger Behinderung in einer Diktatur interessieren?
Lernten die Kinder erfolgreich, dass die Treuhand an allem schuld ist und dass sie deswegen noch 40 Jahre später nicht in der Demokratie ankommen müssen?
q.e.d.
“….warum sollte mich die “Ergänzung und Relativierung” im Umgang mit Kindern mit geistiger Behinderung in einer Diktatur interessieren::::”
Ach, Rainer! …. Wie oft soll ich noch schreiben, dass der link nicht an Sie adressiert war! Ich kenne doch Ihre DDR-Phobie und Ihre Leseschwäche Was Sie hier wieder eindrucksvoll nachwiesen 🙂 )
Lesen Sie doch einfach mal sinnerfassend, was ich schrieb. Die Welt/ das Forum hier, dreht sich nicht nur um Sie.
Beim 2. Kommentar habe ich das Wesentliche extra für Sie fett hervorgehoben
:“für interessierte Sonderpädagogen”
Wenn Ihnen nicht einmal das beim Sinnerfassen hilft ….
Ergänzung
Falls Sie sich doch weiterbilden wollen, zum Thema Bildung/Förderung von GE-Kindern, dann sollten Sie nicht nur den link zur DDR, sondern auch noch folgenden zur BRD (bis 1990) lesen:
:DiplomarbeitEggersOnlineversion.PDF
Und dabei nicht vergessen, die Jahreszahlen und die “Zuständigkeiten” zu vergleichen.
Zu dieser Zeit war ich noch ein Kleinkind.
Wenn Sie in den letzten 30 Jahren allen Ernstes GAR NICHTS Brauchbares lernen wollten, bilden Sie sich bitte nicht ein, HEUTE etwas beitragen zu können 🙁
“Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Zukunft.”
(Richard von Weizsäcker)
Finden Sie es nicht etwas unappetitlich, Weizäckers Worte in den Mund zu nehmen, wenn Sie regelmäßig den Unrechtstaat DDR relativieren und schönreden, während Sie die jüngsten Kriegsverbrechen Russlands peinlichst zu umgehen versuchen?
Mal wieder tuen Ihnen die Urheber der Zitate des größten Dienst darin, tot zu sein und nicht mehr lautstark zu protestieren, dass Putins nützliche Idiot*innen sie nicht zu zitieren haben 😛
„Der Sozialismus hat zur Zeit keine Konjunktur. Aber ob er seine Funktion als Pendant zum Kapitalismus definitiv beendet hat, bleibt abzuwarten. Er hat Entscheidendes zur Kritik und damit zur Korrektur von Auswüchsen des lernfähigen Kapitalismus beigetragen.“
―Richard von Weizsäcker
Betonung würde ich auf lernfähig legen. Lernen kann man auf verschiedene Weise, z. B. aus Fehlern, aber auch aus der Vergangenheit und auch von Dingen, die anderswo anders gemacht wurden/werden.
Es wird ja oft die Frage, bzw. die Überlegung angestellt, warum Neurodivergenz so stark zunimmt.
Ich habe kürzlich über die Ergebnisse einer Studie gelesen, die neben einer verbesserten Diagnostik einem weiteren Hinweis nachgeht. Neurodivergenz nimmt tatsächlich zu. Und es könnte daran liegen dass sich die Intelligenz des Menschen unter den Säugetieren deutlich schneller entwickelt als bei anderen Säugetieren. Der Preis dafür ist, dass es mehr Neurodivergenz gibt.
Wir müssen uns uns darauf einstellen, dass wir eine neurodivergente, und keine neurotypische Gesellschaft sind. Dass das Bildungssystem crasht, ist eine Katastrophe mit Ansage. Die Forderungen die heute für ein besseres und gerechteres Bildungssystem gestellt werden, waren bereits vor 30 Jahren bekannt. Neurodivergenz macht die Unzulänglichkeiten des Bildungssystems noch deutlicher. Schieben wir die Verantwortung für die Bildungskatastrophe also nicht einseitig auf Eltern, Kinder und Lehrer. Die Politik hat es sowas von verk*ckt die richtigen Weichen zu stellen.