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Lehrbeauftragte an Hochschulen: Proteste gegen unsichere Jobs und sinkende Honorare

BERLIN. An vielen Hochschulen in ganz Deutschland wollen Lehrbeauftragte in den nächsten Tagen auf ihre Arbeitssituation aufmerksam machen. „Die finanzielle, rechtliche und soziale Lage der Lehrbeauftragten muss sich endlich verbessern. Mit ihren Aktionen wollen die Betroffenen die Politik und die Hochschulen zum Handeln bewegen“, sagt Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung.

Nach Informationen der Deutschen Orchestervereinigung (DOV), der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Bundeskonferenzen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen und der Sprachlehrbeauftragten an Hochschulen haben Lehrbeauftragte kein Arbeitsverhältnis mit der Hochschule, sind daher arbeits- und sozialrechtlich größtenteils nicht abgesichert. Lehraufträge erhielten sie in der Regel nur für ein Semester, diese könnten jederzeit aus wichtigem Grund widerrufen oder ohne Begründung nicht wieder erteilt werden. Zudem verfügten sie im Gegensatz zu anderen Hochschulangehörigen kaum über Wahl- und Mitbestimmungsrechte.

Dozent vor Tafel

Gleiche Arbeit bei weniger Lohn? Mit einem Aktionstag will unter anderem die GEW auf die prekäre Situation von Lehrbeauftragten an Hochschulen aufmerksam machen. (Foto: tyo/Flickr CC BY 2.0)

In einer gemeinsamen Resolution, die am Aktionstag, dem 6. November, bundesweit verbreitet wird, fordern die Lehrbeauftragten die Schaffung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigungsverhältnisse, die Anpassung der Stundensätze für Lehrbeauftragte an die Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst sowie mehr Wahl- und Mitbestimmungsrechte. Darüber hinaus müsse die Grundfinanzierung der Hochschulen entsprechend aufgestockt werden.

Zum bundesweiten Aktionstag rufen die DOV und die GEW gemeinsam mit den Bundeskonferenzen der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen und der Sprachlehrbeauftragten an Hochschulen auf. Die Aktionen reichen nach Angaben der Organisationen von Kundgebungen, zum Beispiel in Schwerin, bis zur Übergabe von Forderungen an die zuständigen Landespolitiker. In der Bundeshauptstadt soll die Berliner Resolution mit einer zentralen Aktion am 6. November um 13 Uhr an die Senatswissenschaftsverwaltung übergeben werden.

Die bundesweit mehr als 85.000 Lehrbeauftragten leisteten in der Lehre die gleiche Arbeit wie ihre fest angestellten Kollegen, erzielten jedoch nur einen Bruchteil von deren Einkommen. „Ohne Lehrbeauftragte würde der Lehrbetrieb an vielen Hochschulen zusammenbrechen. Es ist ein Skandal, dass Länder und Hochschulen zum Teil über die Hälfte des regulären Lehrangebots durch Lehrbeauftragte zum Billigtarif und ohne jeden arbeitsrechtlichen Schutz erbringen lassen. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit muss auch an den Hochschulen gelten“, sagt David Bowskill, der Vorsitzende der Abteilung Wissenschaft der GEW Berlin.

„Deutschland ist berühmt für seine erstklassige Ausbildung von Musikerinnen und Musikern. Studierende aus aller Welt kommen deshalb zu uns. Die Landesregierungen sind jedoch nicht bereit, einen großen Teil der Ausbilderinnen und Ausbilder dafür angemessen zu honorieren“, so Karola Theill, Mitglied der Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen. Lehrbeauftragte an der Hochschule für Musik und Tanz Rostock zum Beispiel verdienten im Schnitt 30 Euro pro Stunde. Sie dürften aber nur neun Stunden pro Woche unterrichten und bekämen ihr Honorar nur während der Vorlesungszeit, also etwa 32 Wochen im Jahr. Rechne man Steuern und Sozialabgaben ab, bliebe unterm Strich kaum etwas übrig. „Deshalb fordern wir feste Stellen oder entsprechend angepasste Honorare.“

Titelbild: dinolino / pixelio.de

2 Kommentare

  1. 30 Eurp pro Stunde sind ja noch ‚viel‘ – ich bekomme 19,95…

  2. die 30€/h gehen, wenn es die Beschränkung auf 9h/woche und 9monate/jahr sowie die generelle Befristung nicht gäbe.
    die 30€/h gehen überhaupt nicht, wenn man sie mit den Stundenlöhnen der Professoren und akademischen Räten vergleicht.

    ich bin durchaus für die schaffung reiner lehrer bzw. lehrprofessuren an den unis für leute, die studenten etwas beibringen, jedoch selber nicht forschen möchten. diese stellen dürfen durchaus geringer bezahlt werden als echte professuren, a13 wie bei studienräten ist aber zu wenig.

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