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Bildungsstudie zur Computernutzung: Kommt nach dem PISA-Schock jetzt der „ICILS-Schreck“?

Zum aktuellen Bericht zu den ICILS-Ergebnissen.

BERLIN. Junge Menschen in Deutschland sitzen immer länger vor dem Bildschirm. Mehr als drei Stunden am Tag, nämlich 192 Minuten lang, sind Jugendliche hierzulande täglich online. Damit halten sich die 12- bis 19-Jährigen nach eigener Einschätzung insgesamt 13 Minuten länger im Internet auf als noch vor einem Jahr, wie der Medienpädagogische Forschungsverbund jetzt mitteilte. Aber erwerben sie dabei auch Medienkompetenzen? Darüber wissen wir bald mehr: Die „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS), deren Ergebnisse am Donnerstag vorgestellt werden, vergleicht grenzüberschreitend Schülerleistungen im Umgang mit digitalen Medien. Es handelt sich also um eine Art Computer-PISA.

Computer im Unterricht? Gibt's in Deutschland nicht allzu häufig. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Computer im Unterricht? Gibt’s in Deutschland nicht allzu häufig. Foto: Vancouver Film School / flickr (CC BY 2.0)

Die „Zeit“ hat bereits – unter Anspielung auf den PISA-Schock 2002 – einen „ICILS-Schreck“ vorhergesagt, ohne freilich die Ergebnisse zu kennen. Die werden bislang noch streng unter Verschluss gehalten. Bis Donnerstag eben. Dann wollen Wilfried Bos, Direktor des Instituts für Schulentwicklungsforschung der TU Dortmund, sowie Birgit Eickelmann, Professorin an der Uni Paderborn, die Ergebnisse bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt geben. Zu erwarten ist dabei, so orakelt die „Zeit“ mit Verweis auf frühere Erhebungen etwa im Rahmen von PISA, nichts Gutes für die einst von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ausgerufene „Bildungsrepublik Deutschland“. Tatsächlich hat eine Umfrage des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) unter Lehrern erst in der vergangenen Woche ein desaströses Bild ergeben. VBE-Vorsitzender Udo Beckmann befand: „Die Computer-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich.“

PCs ständen in der Regel als Einzelexemplar im Lehrerzimmer, bei der Schulleitung oder in Computerräumen. „22 Prozent aller befragten Lehrer haben nicht einmal Zugang zu einem solchen PC. Von den befragten Grundschullehrkräften haben 27 Prozent keinerlei Zugang zu einem Dienst-PC“, erklärte Beckmann, „Insbesondere die Grundschulen seien abgehängt, auch auf diesem zukunftsträchtigen Feld.“ Ein schnelles Internet würden nur 59 Prozent der befragten Grundschullehrkräfte für ihre Schule angeben. Den Zugang an der Grundschule zu einer geschützten Online-Plattform für Unterricht, Hausaufgaben oder Elternkontakte bestätigte nur ein knappes Drittel der Lehrer.

Damit dürfte absehbar sein: Wenn deutsche Schüler Medienkompetenzen besitzen – dann haben sie diese wohl nur selten in der Schule erworben. Dabei handelt es sich durchaus um einen elementaren Bereich von Bildung, wie die ICILS-Verantwortlichen betonen. „Die Studie legt zugrunde, dass ein kompetenter Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien in unserer Wissens- und Informationsgesellschaft unerlässlich ist“, heißt es. „Die mit dieser Studie zu testenden Fähigkeiten spielen nicht nur in vielen Berufsfeldern eine wichtige Rolle, sondern nehmen aufgrund der fortgeschrittenen Technisierung auch im Alltag einen zentralen Stellenwert ein. Für die erfolgreiche Teilhabe in der Gesellschaft stellt die Beherrschung von Informations- und Kommunikationstechnologien eine allgemeine Kulturtechnik dar.“

Im Fokus der Studie stehen Achtklässler, 14- und 15-Jährige also. Computerbasierte Tests zur Erfassung von computer- und informationsbezogenen Kompetenzen, die 2013 an bundesweit 150 Schulen repräsentativ erhoben wurden, bilden den Kern. Zeitgleich wurde die Erhebung weltweit in 20 weiteren Bildungssystemen durchgeführt – von den Niederlanden bis nach Thailand.

Merkel sowie Bundeswirtschaftsminister Gabriel Sigmar Gabriel (SPD) haben für Deutschland ja bereits den Handlungsbedarf beschrieben: Die Vermittlung von Kenntnissen über Computer – „gegebenenfalls auch über Computersprachen, über die Nutzung digitaler Medien, aber auch die Nutzung der eigenen Persönlichkeitsrechte – was gebe ich preis, wie ist das mit den dauerhaften Verfügbarkeiten von Informationen?“ – sei die größte Herausforderung für die Schulen, erklärte die Kanzlerin erst vor wenigen Wochen. „In welcher Form das in die Lehrpläne eingearbeitet wird, ist dann wieder die Entscheidung der jeweiligen Bundesländer“, fügte sie noch schnell hinzu (und machte damit die Verantwortlichkeiten klar). Und Gabriel hatte kurz zuvor gar ein Schulfach „Programmiersprachen“ gefordert. Hatten die beiden schon einen möglichen „ICILS-Schreck“ im Blick? News4teachers

 

2 Kommentare

  1. ketzerisch könnte man die abschaffung aller pcs, whiteboards usw. in schulen fordern, weil die medienkompetenz ohnehin nicht in der schule erworben wird. mal schauen, welche konsequenzen dieser test haben wird.

  2. Na wir haben drei Computerräume, aber die PCs darin sind veraltet und es funktioniert mit Glück ein halber Klassensatz, Internet funktioniert nur, wenn Weihnachten und Ostern zusammenfallen. Wenn ich im Unterricht mit Internet und Co arbeiten will, dann bitte ich die Kids ihre Smartphones rauszuholen. Ab Klasse 7 haben die meisten ein Smartphone. Zumindest sitzen dann mehr Kids vor einem technischen Gerät als im Computerraum. Problem sind die Office-Programme, die nur am PC funktionieren. Tablets/Laptops haben erst sehr wenige Kinder.

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