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Regierung in Mainz lobt sich für weniger Unterrichtsausfall – Lehrerverbände: Unrealistisch

MAINZ. An rheinland-pfälzischen Schulen fällt im laufenden Schuljahr weniger Unterricht aus als im Jahr zuvor – vordergründig jedenfalls. Der sogenannte strukturelle Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden Schulen liegt bei 1,6 Prozent, wie die neue Bildungsministerin Vera Reiß (SPD) in Mainz bekanntgab. «Wir sind gut drauf, denn die Unterrichtsversorgung im Land ist es auch.» Im Schuljahr 2013/2014 hatte der Wert noch bei 2,1 Prozent gelegen. Die Quote erfasst allerdings nicht den kurzfristigen Unterrichtsausfall, etwa wenn Lehrer erkranken. Der tatsächliche Ausfall sei deshalb deutlich höher, kritisierte der Lehrerverband VBE.

Neben dem VBE kritisierte auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das Ministerium. Der hohe Bedarf an Vertretungslehrern zeige, dass Planstellen fehlten, bemängelte die GEW. Es sei nicht akzeptabel, dass die Regierung keine Vollversorgung mit Unterricht garantiere, während viele Lehrer zusätzliche Arbeit auf sich nähmen. Laut VBE fehlen in Rheinland-Pfalz 1000 Lehrer. Besonders Förderschulkräfte seien nötig, um die Inklusion umsetzen zu können. Das strukturelle Unterrichtsdefizit von 1,6 Prozent bedeute wöchentlich 11.000 Stunden, die ausfielen.

Die Zahl der Schüler an allgemeinbildenden Schulen sei weiter auf insgesamt rund 420.000 gesunken, sagte Reiß – der Rückgang sei aber weniger stark als ursprünglich prognostiziert. Dafür sei einerseits der Zuzug ins Land verantwortlich, anderseits blieben mehr junge Menschen länger in der Schule und erreichten höhere Abschlüsse. Daher seien in diesem Jahr 250 Lehrerstellen nicht wie geplant abgebaut worden. Enthalten in den Zahlen zur Versorgung sind auch zusätzliche Angebote wie etwa Förderunterricht oder Arbeitsgruppen – der Pflichtunterricht gehe aber vor, sagte Reiß.

Das nannte die CDU-Landtagsfraktion eine «Schelte» für die engagierten Lehrer. Für viele Schulen seien zusätzliche Stunden integraler Teil ihres Konzepts, sagte die bildungspolitische Sprecherin Bettina Dickes. Schüler wie Lehrer litten unter dem Unterrichtsausfall. dpa

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