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Muslimische Lehrerinnen: „Zu Anfang hat man mir die Kompetenz abgesprochen, eine gute Deutschlehrerin zu sein – weil ich Kopftuch trage“

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KREFELD. Muslimische Lehrkräfte erleben im Schulalltag immer wieder, dass ihre Professionalität infrage gestellt wird oder sie sich für gesellschaftliche und religiöse Themen rechtfertigen müssen. Gleichzeitig können sie eine wichtige Brückenfunktion übernehmen – etwa wenn es darum geht, die Lebensrealität muslimischer Schülerinnen und Schüler besser zu verstehen. Im Interview sprechen die Vorsitzenden des Verbands Muslimischer Lehrkräfte, Birgül Karaarslan und Esra Kocaman, über Diskriminierung und Vorurteile im Schulalltag, die Bedeutung interkultureller Kompetenz und die Frage, wie Schulen Zugehörigkeit und Demokratiebildung stärken können.

Esra Kocaman (l.) und Birgül Karaarslan. Illustration: News4teachers 

News4teachers: Wie erleben muslimische Lehrkräfte zurzeit Ihren Alltag an Deutschen Schulen und mit welchen Herausforderungen werden sie konfrontiert?

Karaarslan: Muslimische Lehrkräfte erleben ihren Schulalltag eigentlich genauso vielfältig wie andere Lehrkräfte auch. Sie sind engagierte Pädagoginnen und Pädagogen, übernehmen Verantwortung für ihre Schülerinnen und Schüler und gestalten die Schule aktiv mit. Gleichzeitig berichten uns muslimische Lehrkräfte, dass sie Situationen erleben, in denen ihre fachliche oder pädagogische Professionalität infrage gestellt wird. Weil viele Kolleginnen und Kollegen ähnliche Erfahrungen machen, bedarf es unserer Meinung nach Schutzräumen. Diese geschützten Räume für muslimische Lehrkräfte versuchen wir anzubieten, und hier können sie ihre Erfahrungen mit uns teilen.

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Kocaman: Das bedeutet für viele muslimische Lehrkräfte auch, dass sie sich erst in ihrer Kompetenz beweisen müssen, um dann wirklich vollwertig im Kollegium akzeptiert zu sein.

Muslimische Lehrkräfte haben auch teilweise das Gefühl, sich zu gewissen Anlässen und gesellschaftlichen Themen rechtfertigen zu müssen – zum Beispiel zum Nahostkonflikt oder jedes Jahr zur Zeit des Ramadan. Sie haben das Gefühl, dass sie die Situation erklären müssen. Das ist eine Zusatzbelastung für muslimische Lehrkräfte. Viele entscheiden sich dazu, als Brückenbauer zu fungieren, indem sie beispielsweise eine Handreichung für das Kollegium mit den wichtigsten Fakten zum Ramadan erstellen.

News4teachers: Welche Erfahrungen machen muslimische Lehrkräfte aktuell in Bezug auf Diskriminierung im Kollegium, durch Schüler*innen oder Eltern?

Kocaman: Uns fällt auf, dass besonders muslimische Lehrkräfte, die das Fach Islamische Religion unterrichten, auf eine besondere Art und Weise von Diskriminierung betroffen sind. Letztlich geht es bei islamischen Religionslehrkräften um Personen, die hier ausgebildet wurden. Sie sind also professionelle Lehrkräfte, und dennoch wird ihre Professionalität infrage gestellt. Das wird in solchen Momenten deutlich, wenn Schulleitungen oder Lehrkräfte sich fragen: „Wen holen wir uns da eigentlich ins Haus? Wenn wir Islamische Religion anbieten oder eine muslimische Lehrkraft mit dem Fach Islamische Religion einstellen, was wird da im Unterricht gelehrt, und können wir der Lehrkraft vertrauen?“ Lehrkräfte sind verunsichert, wie sie diesen Vorurteilen und dem fehlenden Vertrauen begegnen sollen.

Diskriminierung durch die Schüler*innen ist uns kaum bis gar nicht bekannt. Da spielen Themen wie Religionszugehörigkeit oder Geschlecht eine nachrangige Rolle. Den Kindern und Jugendlichen geht es um guten Unterricht und eine persönliche Beziehung zur Lehrkraft.

Karaarslan: Aufseiten der Eltern kann es sein, dass die Professionalität infrage gestellt wird. An uns wurde einmal ein Fall herangetragen, bei dem die Person das Fach Deutsch unterrichtete. Da wurde genauer hingeguckt und infrage gestellt, dass die Bewertung der Klausur ordnungsgemäß war. Die Person hatte tatsächlich das Gefühl, dass es eine große Rolle spielt, dass sie einen Migrationshintergrund hat.

News4teachers: Haben Sie persönlich im schulischen Alltag bereits antimuslimischen Rassismus erlebt und wie sind Sie damit umgegangen?

Karaarslan: Ich unterrichte u.a. das Fach Islamische Religion und trage ein Kopftuch. Die Kombination Kopftuch und islamischer Religionsunterricht war für viele Kollegen eine sehr große Überforderung. Das heißt, sie haben den Islam sofort mit meiner Person verbunden. Meine Schulleitung hat mich dann tatsächlich ins Büro zitiert und mir nahegelegt, dass das nicht in Ordnung sei, wenn ich die Schüler im Unterricht dazu animieren würde, auch Kopftuch zu tragen, nur weil ich auch eines trage. Und dann dieser Satz: „Ich habe ja persönlich nichts gegen dein Kopftuch, aber …“ Das sind immer wieder subtile Sätze oder subtile Herangehensweisen, dass man vielleicht nichts persönlich gegen einen hat, aber insgesamt das Thema Kopftuch eben sehr vorurteilsbehaftet ist. Gerade zum Anfang meines Berufslebens hat man mir die Kompetenz abgesprochen, auch eine gute Deutschlehrerin zu sein, weil ich Kopftuch trage.

Kocaman: Ich war damals im Referendariat bei mir im Lehrerzimmer, hatte eine Freistunde und war gerade dabei, ein bisschen aufzuräumen und einen Tisch zu wischen. Da kam ein Kollege rein und sagte zu mir: „Na, hast du deine Berufung gefunden?“

Mit so einer Aussage hatte ich nicht gerechnet und war auch davor nicht damit konfrontiert. Offenbar passte für meinen Kollegen das Bild einer kopftuchtragenden Frau als Reinigungskraft eher in seine Vorstellung als das einer Lehrerin, die ihm als Kollegin auf Augenhöhe begegnet. Genau in solchen Zuschreibungen zeigen sich die Verflechtungen von Sexismus, antimuslimischem Rassismus und Klassismus und die Frage, wem wir welche Position überhaupt zutrauen.

Meine Reaktion war: „Nee, meine Berufung ist es, eine gute Lehrkraft zu sein.“ Dann ist er stehen geblieben und hat gesagt: „Ja, ich hab ja auch schon gehört, deine Noten sind sehr gut, und wie läuft denn das Referendariat?“ Da habe ich mich wirklich sehr lange gefragt, was gewesen wäre, wenn meine Noten nicht gut gewesen wären.

„Wir sind der Meinung, dass es an vielen Stellen einen Perspektivwechsel braucht“

News4teachers: Welche Rolle spielen Vorurteile gegenüber Muslimen im Alltag der Schülerschaft und wie können diese durch die Lehrkräfte oder die Jugendlichen selbst entkräftet werden?

Kocaman: Wir sind der Meinung, dass es an vielen Stellen einen Perspektivwechsel braucht. Problematisch wird es vor allem dann, wenn Verhalten vorschnell mit der muslimischen Identität eines Kindes oder Jugendlichen erklärt wird. Aussagen wie „Muslimische Jungs sind gewaltbereit, wild oder gefährlich“ beruhen auf bestimmten Bildern und Vorurteilen, die durch äußere Merkmale und auch durch mediale Darstellungen geprägt werden. Problematisches Verhalten muss klar benannt werden, aber ohne es vorschnell zu einer Eigenschaft der muslimischen Identität zu machen. Gerade bei Jugendlichen können Entwicklungs- und Identitätsprozesse, Gruppendynamiken oder Statusverhalten eine Rolle spielen.

Gleichzeitig sollten wir den Blick stärker auf die Ressourcen muslimischer Schülerinnen und Schüler richten. Viele bringen beispielsweise ein hohes Verantwortungsbewusstsein und soziale Kompetenzen mit, die auch durch religiöse Erziehung und Werte vermittelt werden.

Karaarslan: Hier spielt Akzeptanz durch die Lehrkräfte eine wichtige Rolle. Sobald die Schüler*innen merken, dass die Lehrerin oder der Lehrer ein Bild über sie im Kopf hat, das sie nicht mehr anfechten können, dann ist dieses Kind eigentlich verloren. Das schwimmt dann einfach nur so mit, aber die Lehrkraft ist keine authentische Bezugsperson mehr für diese Schülerin oder diesen Schüler.

News4teachers: Wie wichtig sind muslimische Lehrkräfte als Vorbilder für Schülerinnen und Schüler muslimischer Herkunft? Müsste es an Deutschen Schulen mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund geben?

Karaarslan: Vorbilder sind natürlich wichtig für alle Kinder. Schülerinnen und Schüler profitieren davon, wenn sie unterschiedliche Lebenswege und Persönlichkeiten kennenlernen.

Manchmal sehe ich in den Augen von muslimischen Schülerinnen und Schülern: „Ah, du bist Lehrerin? Was hast du noch? Bist du türkisch? Bist du arabisch?“ Also, sie wollen einen näher kennenlernen. „Wie bist du Lehrerin geworden?“, kommt manchmal die Frage. Da steckt auch ein sehr großes Interesse dahinter.

Ich sehe darin einfach unsere Chance als Brückenbauer, vor allem an Schulen mit vielen Schülerinnen und Schülern mit Migrationsgeschichte. Da können wir, glaube ich, am meisten wirken, weil diese Schülerinnen und Schüler diese Personen vermehrt als Bezugsperson sehen. Wenn sie merken, da gibt es Schnittstellen, oder wenn sie merken, diese Person kann meinen kulturellen oder religiösen Hintergrund besser verstehen, sich besser in mich hineinversetzen.

Kocaman: Es gibt viele Schulen, wo der Anteil von muslimischen Schülerinnen und Schülern ziemlich hoch ist. Aber im Kollegium ist es dann genau umgekehrt. Der Anteil von muslimischen Lehrkräften ist gering. An solchen Schulen gibt es dann oft Schwierigkeiten dabei, die Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler verstehen zu können, Anknüpfungspunkte zu finden und mit Herausforderungen souverän umzugehen. Dort, wo ein gewisser Anteil muslimischer Lehrkräfte vorhanden ist und diese ihre Stimme einbringen und souverän agieren können, merkt man, dass der Umgang mit muslimischen Schülerinnen und Schülern anders sein kann. Ein Beispiel dafür ist der Ramadan. Wenn es herausfordernde Situationen im Ramadan gibt, dann können muslimische Lehrkräfte im Kollegium einige Informationen dazu geben, wie das in der Lebensrealität von einigen muslimischen Schülerinnen und Schülern ist, sodass man da einen gemeinsamen Weg und eine gemeinsame diskriminierungssensible Sprache findet.

Das heißt, es findet dann auch so eine Art interne Schulung statt in kultureller Kompetenz. Unserer Meinung nach braucht es nicht unbedingt mehr muslimische Lehrkräfte in Kollegien, sondern es braucht mehr interkulturelle Kompetenz, eine Sensibilität, einen diskriminierungssensiblen Umgang mit Musliminnen und Muslimen.

News4teachers: Was müsste sich Ihrer Meinung nach am deutschen Bildungssystem ändern, damit alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben – unabhängig ihrer sozialen Herkunft?

Kocaman: Es braucht kleinere Lerngruppen, damit man Schülerinnen und Schüler individueller betreuen und begleiten kann. Wenn kleinere Lerngruppen vorhanden wären und wenn Lehrkräfte über interkulturelle Kompetenzen verfügen würden, sehen wir tendenziell eine reelle Chance darin, dass Schülerinnen und Schüler, die eine andere Herkunft, Sprache oder Religion haben, auch bessere Lernerfolge erzielen.
Wenn man Themen stärker an der tatsächlichen Lebensrealität der Schülerinnen und Schüler ausrichtet, können sie sich besser mit den Inhalten identifizieren und ihre Kompetenzen gezielter und effektiver entwickeln.

Karaarslan: Wenn wir den Bildungsweg eines Kindes begleiten, dann ist es meistens so, dass Familien, die selbst mit dem deutschen Bildungssystem vertraut sind, ihre Kinder in bestimmten Bereichen stärker unterstützen können, z. B. sprachlich, aber auch in anderen Bereichen. Vielerorts sehen wir, dass gerade Eltern mit Migrationsgeschichte das deutsche Schulsystem gar nicht so gut kennen oder auch Angst haben nachzufragen, einige Gremien nicht kennen oder überhaupt nicht wissen, wie sie ihr Kind in der Schule fördern können. Dies trifft vor allem auf diejenigen zu, die noch nicht so lange in Deutschland leben.

Deshalb ist es wichtig, die Eltern mitzunehmen, vor allem in der Grundschule. Es gibt sehr gute Projekte. Da muss man sich aber grundsätzlich als Bildungspolitikerinnen und -politiker auch Gedanken machen, wie man das in der Breite denken kann. Sogenannte Rucksackprojekte, dass auch Eltern mit Migrationsgeschichte die Möglichkeit haben, die Inhalte und auch die Methoden in den Schulen näher kennenzulernen und somit auch ihre Kinder fördern und unterstützen zu können.

„Demokratie ist einfach mehr als ein Wahltag“

News4teachers: Der Wahlsieg der AFD bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt hat bundesweit heftige Diskussionen über Demokratie ausgelöst. Wie positionieren Sie sich als Verband in dieser Situation?

Karaarslan: Wir stehen natürlich für Demokratie, Menschenrechte, Rechtsstaatlichkeit und Gleichwertigkeit aller Menschen. Aber Demokratie ist einfach mehr als ein Wahltag. Wir müssen das im Alltag erfahrbar machen, auch in Schule.

Schülerinnen und Schüler aus allen Herkünften treffen sich in Schule und unterschiedliche Meinungen werden geäußert. Wir lernen dort zu argumentieren, Widersprüche zu akzeptieren, aber gleichzeitig die Grenzen von diskriminierenden oder menschenfeindlichen Äußerungen zu erkennen. Deshalb ist es in der vielfältigen Gesellschaft so entscheidend, dass diese jungen Menschen sich auch als gleichberechtigte Mitglieder dieser Gesellschaft verstehen können.

News4teachers: In Ihrem Wahlprogramm spricht die AfD seit Längerem von „Remigration“ und zunehmend werden Familien mit Migrationshintergrund bedroht, wie News4teachers kürzlich berichtete. Wie wirkt sich dieser Umstand auf die muslimische Gemeinschaft aus? Fühlen sich die Familien z.B. in NRW oder anderen Bundesländern noch sicher?

Kocaman: Es ist definitiv ein Thema. Auf jeden Fall löst es sehr viele Fragezeichen aus, und das Gefühl von Unsicherheit liegt dann sehr nah. Man fragt sich, wie die Zukunft für uns muslimische und vor allem Kopftuch tragende Lehrkräfte aussehen könnte.

Kinder stellen sich diese Frage auch. Wir haben als muslimische Lehrkräfte erlebt, wie Schülerinnen und Schüler zu uns kamen und die Frage gestellt haben: „Was passiert jetzt? Müssen wir jetzt gehen?“ Sie wollen dann auch von uns eine Einschätzung.

Wir als Lehrkräfte fragen uns dann natürlich: Wie sollen wir darauf antworten? Als Pädagoginnen und Pädagogen versuchen wir angesichts verschiedener Ereignisse in der Welt, ob es Krieg oder die aktuelle innenpolitische Lage ist, so zu antworten, dass wir ihnen gewisse Sorgen und Ängste nehmen. Aber andererseits versuchen wir, ihnen, gerade den Älteren, den Raum zu geben, über bestimmte Themen zu sprechen, zu debattieren, verschiedene Perspektiven einzunehmen und sich reflektiert mit den Themen auseinanderzusetzen.

Gerade zu Beginn des Schuljahres erleben wir, dass einige Kinder aus den Klassen fehlen. In einem Fall war es ein Mädchen aus Syrien, das mit seinen Eltern in die Heimat zurückgekehrt ist, um einer befürchteten Abschiebung zuvor zu kommen. Als Klassenleitung fragt man sich, wie man dies nun in der Klasse achtsam thematisieren sollte.

„Die Jugendlichen müssen in ihrem Zugehörigkeitsgefühl gefördert und gestärkt werden“

News4teachers: Verursachen diese Entwicklungen eine verstärkte Tendenz zur Radikalisierung auf muslimischer Seite vor allem bei Jugendlichen?

Karaarslan: Radikalisierung ist auch unter muslimischen Schülerinnen und Schülern ein Thema. Aber wir müssen hier meiner Meinung nach sehr vorsichtig mit einfachen Ursache-Wirkungserzählungen sein. Es wäre falsch zu behaupten, dass politische Ausgrenzung automatisch zu Radikalisierung führt. Es ist ein komplexer Prozess. Unterschiedliche persönliche, soziale und politische Faktoren wirken hier zusammen.

Aber wir dürfen die Erfahrung von Ausgrenzung und fehlender Zugehörigkeit bei Jugendlichen nicht unterschätzen. Sie brauchen einfach dieses Gefühl, dass ihre Stimme gehört wird und dass sie in dieser Gesellschaft Zukunftsperspektiven haben. Wenn wir das als Schule, als Gesellschaft nicht schaffen, dann kann eine Radikalisierung passieren. Extremismus in all seinen Ausprägungen muss in Gesellschaft und Schule klar benannt und auch bearbeitet werden. Das heißt, die Jugendlichen müssen in ihrem Zugehörigkeitsgefühl gefördert und gestärkt werden.

News4teachers: Was kann Ihrer Ansicht nach getan werden, um den interreligiösen und interkulturellen Dialog zu fördern und einer Radikalisierung auf beiden Seiten entgegenzuwirken?

Kocaman: Dass man nicht übereinander spricht, sondern miteinander.. Auch wenn man gemeinsam lebt, heißt das ja nicht, dass man wirklich auch authentisch ins Gespräch kommt. Wir finden es wichtig, eine offene, interessierte Haltung zu haben, miteinander ins Gespräch zu kommen und Begegnungen zu schaffen.

In der Schule kann das so aussehen, dass man verschiedene Räume schafft, wo über Lebensrealitäten gesprochen werden kann, um Vorurteile abzubauen. Zum Beispiel Feste: Wie feierst du eigentlich? Wie verbringst du Weihnachten? Welche Feierlichkeiten kennst du? Man muss ja auch sagen: Musliminnen und Muslime sind nicht nur durch die eigene Religionszugehörigkeit geprägt, sondern auch dadurch, dass sie hier aufgewachsen sind. Weihnachten spielt für uns auch eine wichtige Rolle. Man kann einerseits religiös, also theologisch, darauf schauen, weil Jesus ja auch eine wichtige Rolle im Islam spielt und auch seine Geburt im Koran beschrieben wird. Auf der anderen Seite sind viele Musliminnen und Muslime hier sozialisiert und verbinden auch mit den Elementen, die mit Weihnachten zu tun haben, etwas, wie zum Beispiel dem Weihnachtsmarktbesuch.

Eine weitere schulische Begegnungsmöglichkeit kann auch das gemeinsame interreligiöse Fastenbrechen im Ramadan sein oder der Besuch unterschiedlicher Gotteshäuser.

News4teachers: Was wünschen Sie sich zukünftig für die Demokratiebildung von Kindern und Jugendlichen im schulischen Kontext?

Karaarslan: Es gibt zum Beispiel das Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage.“ Schulen bemühen sich um diese Auszeichnung. Aber mittlerweile wird das leider auch ein bisschen belächelt, denn die Kolleg*innen und auch die Schülerinnen und Schüler fragen sich: Was wird denn tatsächlich gemacht, wenn wir eine Schule ohne Rassismus sind, wenn wir dieses Schild sozusagen an unserer Tür hängen haben?

Es soll eben nicht nur bei diesem Label bleiben, sondern man sollte sich als Schule wirklich weiterhin und authentisch und immer wieder mit diesem Thema beschäftigen. Ich würde mir einfach wünschen, dass Demokratiebildung nicht nur ein Thema für den Politikunterricht oder für einzelne Projekttage ist, sondern dass wirklich in jedem Fach darüber gesprochen wird.

Kocaman: Es wäre wichtig, dass das Schulministerium die notwendigen Rahmenbedingungen schafft, damit Demokratiebildung trotz der ohnehin vollen Lehrpläne ausreichend Raum bekommt und Lehrkräfte dafür die notwendigen Ressourcen haben. News4teachers / Nina Odenius führte das Interview. 

Hintergrund

Der Verband Muslimischer Lehrkräfte engagiert sich für die Förderung und Unterstützung von muslimischen Lehrer*innen mit unterschiedlichen Fächern an allen allgemeinbildenden Schulformen. Zu seinem Engagement gehören u.a. Vernetzung und Coaching von Lehrkräften und er bietet Raum für Austausch untereinander. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Schulen für den Islamischen Religionsunterricht. Der Verband bietet auch Fortbildungen für Religionslehrer*innen an.

Die Vorsitzende Birgül Karaarslan ist Studienrätin und unterrichtet Deutsch, Englisch, Türkisch und Islamischen Religionsunterricht. Die stellvertretende Vorsitzende Esra Kocaman unterrichtet die Fächer Geschichte und Islamischen Religionsunterricht. Außerdem ist sie Fachleiterin für Islamische Religionslehre am ZFSL Düsseldorf.

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1 Kommentar
Rainer Zufall
2 Stunden zuvor

„Sie haben das Gefühl, dass sie die Situation erklären müssen.“
Ist die Aufgabe ALLER Lehrkräfte. Das andere sich da feiger und erfolgreich rausziehen, ändert nichts.
Das Problem ist, wenn diese Personen wie beschrieben als Muslimas, nicht als Lehrkräfte erklären, gar rechtfertigen sollen.

„Diskriminierung durch die Schüler*innen ist uns kaum bis gar nicht bekannt.“
Welche unprofessionellen Schwachköpfe diskrimieren wohl dann? …
„Die Kombination Kopftuch und islamischer Religionsunterricht war für viele Kollegen eine sehr große Überforderung.“
Klasse, wie diese Frau mit Rassist*innen umgeht! Respekt!

„Man fragt sich, wie die Zukunft für uns muslimische und vor allem Kopftuch tragende Lehrkräfte aussehen könnte.“
Rechtsextreme und deren Wählerschaft wollen sie deportieren. Keine Zukunft mit der AfD