Anzeige


Startseite ::: Politik ::: „Keine weiteren Kosten“: Wie leichtfertig der Bundestag das Inklusionsgesetz verabschiedete

„Keine weiteren Kosten“: Wie leichtfertig der Bundestag das Inklusionsgesetz verabschiedete

BERLIN. Die Schulen stehen mit der Inklusion vor der größten Herausforderung seit Jahrzehnten. Die gesetzliche Grundlage dafür bietet die so genannte UN-Behindertenrechtskonvention, die 2008 vom Bundestag ratifiziert wurde. Dabei gingen die meisten Abgeordneten jedoch allen Ernstes davon aus, dass die Einbeziehung von behinderten Kindern in die Regelschulen nicht nur gratis zu haben sei, sondern am Ende sogar Geld spare. Dies belegt die Recherche von News4teachers.

Offenbar hat der Bundestag die Schulen in Deutschland nicht im Blick. Foto: Times / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Offenbar hat der Bundestag die Schulen in Deutschland nicht im Blick. Foto: Times / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Man stelle sich vor, der Atomausstieg, den der Bundestag 2011 beschlossen hat, wäre nach nur halbstündiger Debatte im Parlament durchgewunken worden – mit dem lapidaren Hinweis des für die Vorarbeit zuständigen Ministeriums: „Durch das Gesetz entstehen für Bund, Länder und Gemeinden keine weiteren Kosten.“ Und den Medien wäre das Geschehen allenfalls eine kleine Notiz wert gewesen.

Absurd? Offenbar nicht so sehr, wie es auf den ersten Blick erscheint. Das „Gesetz zu dem Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen”, mit dem im Dezember 2008 der – für die deutschen Schulen umwälzenden – Ausstieg aus dem Förderschulsystem beschlossen werden sollte, war den Abgeordneten des Deutschen Bundestages tatsächlich nur eine Aussprache von 30 Minuten wert. Und zwar deshalb, weil (wie der damalige Parlamentarische Staatssekretär Klaus Brandner verriet) man einen Debattentag gestrichen hatte, um auf einen am nächsten Tag stattfindenden Parteitag der Grünen Rücksicht zu nehmen. So war Eile geboten, um das stramme Programm durchzuziehen. „Ich weiß, es ist spät …“, so begann Brandner denn auch seinen Redebeitrag. Entsprechend erschöpft gingen die Abgeordneten offenbar zu Werke.

Widerspruch gab’s wenig. Lediglich ein Parlamentarier, Erwin Lotter von der damals oppositionellen FDP (es regierte die große Koalition), kratzte am Lack der angeblich so behindertenfreundlichen Gesetzesinitiative. „Meine sehr verehrten Damen und Herren von SPD und Union, beim besten Willen nehme ich Ihnen das nicht ab“, sagte er mit Blick auf die Gesetzesvorlage aus dem Ministerium für Arbeit und Soziales. „Durch das Gesetz entsteht kein weiterer Vollzugsaufwand“, so hieß es in dem Papier, und: „Durch das Gesetz entstehen für Bund, Länder und  Gemeinden keine weiteren Kosten.“ Diese Schlussfolgerungen, die sich längst als aberwitzig falsch erwiesen haben, waren nach anderthalbjähriger Prüfung durch das Ministerium gezogen worden – hätten aber auch schon nach kurzer Zeit anders ausfallen können, wenn die richtigen Experten gefragt worden wären.

Das war aber offenbar nicht geschehen. Tatsächlich spiegelt sich in der Entstehungsgeschichte des Inklusionsgesetzes der unglaublich niedrige Stellenwert von Schulpolitik in Deutschland. So gaben bei der Expertenanhörung etliche Verbände Stellungnahmen ab, darunter der Paritätische Gesamtverband, das Deutsche Institut für Menschenrechte und die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben“ – aber kein einziger Schulpraktiker, kein einziger Lehrer- oder Elternverband kamen dabei zu Wort. Die an der Diskussion beteiligten Politiker waren, wie der spätere Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe (CDU), allesamt Sozialpolitiker – keine Bildungspolitiker. Und als der Gesetzentwurf dann – wie üblich – zur weiteren Beratung an Fachausschüsse überwiesen wurde,  wurde der Sozialausschuss als federführend benannt. Fünf weitere Ausschüsse (wie der Sportausschuss) wurden einbezogen. Der Bildungsausschuss war nicht darunter.

Und dass, obwohl die möglichen schulpolitischen Konsequenzen der (am Ende auch einstimmig erfolgten) Zustimmung zum Gesetzentwurf den Abgeordneten durchaus klar gewesen sein müssen. So heißt es in einer begleitenden – nicht rechtsverbindlichen – Entschließung des Bundestages, die auf Initiative der Grünen verabschiedet wurde: „Bereits im Jahr 1994 wurde in der so genannten Salamanca Erklärung zur Pädagogik für besondere Bedürfnisse festgestellt, dass Regelschulen mit einbeziehender Orientierung das beste Mittel sind, um diskriminierende Haltungen zu bekämpfen, um Gemeinschaften zu schaffen, die alle willkommen heißen, um eine integrierende Gesellschaft aufzubauen und um Bildung für alle zu erreichen. Weiter heißt es dort, dass inklusive Schulen eine effektive Bildung für den Großteil aller Kinder gewährleisten und die Effizienz sowie schließlich das Kosten-Nutzen-Verhältnis des gesamten Schulsystems erhöhen.“ Im Klartext: Das deutsche Förderschulsystem ist abzuwickeln – und allein dadurch wird die Bildung in Deutschland besser und billiger.

So hatte auch die damalige SPD-Abgeordnete Sylvia Schmidt in der Beratung des Gesetzes erklärt: „Es wurde nachgewiesen, dass gemeinsame Beschulung nicht teurer ist als die gegenwärtige Finanzierung der Sondersysteme. Im Gegenteil: Die Sondersysteme sind teurer.“

Der Bildungsforscher Klaus Klemm taxiert die Kosten der schulischen Inklusion in Deutschland heute auf mindestens 660 Millionen Euro – jährlich. News4teachers

Zum Bericht: Inklusionsgesetz – Der Bundestag wusste offenbar nicht, worüber er abstimmt

48 Kommentare

  1. Man müsste in der Tat mal alle Bundestagsabgeordneten anschreiben und fragen.

    • es würde reichen, wenn sie das gesetz abblasen würden. prinzipiell ist das kein problem, dwurdendie abgeordneten müssten dafür nur mut zeigen.

  2. Leider enthält der Artikel keine Fakten, sondern Mythen. Auch wenn Otto Speck ein Professor ist, hat er nicht verstanden, was die UNO meint. Seine Aussagen sind nicht haltbar, umso trauriger, dass News 4 teacher die Falschaussagen unrefklektiert wiederholt, ohne Specks Aussagen zu prüfen. Prof. Hans Wocken hat einen hervorragenden Gegenartikel geschrieben, unter Bezugnahme der Klarstellungen der Monitoring-Stelle des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der Specks Falschaussagen widerlegt und entlarvt. Das sollte die news 4 teachers-Redaktion motivieren, die Dinge wieder richtig zu rücken – gerade bei einem so wichtigen Thema. Ansosnten wird News 4 teachers so Falschaussagen verbreiten. Link zur Gegendarstellung von Prof. Wocken: http://www.hans-wocken.de/Texte/Speck-SZ-Replik.htm

    • Der gesunde Menschenverstand genügt doch schon um zu wissen, dass die Inklusion auf lauter Fehlannahmen und Schönmalereien aufgebaut ist.
      Außerdem bestätigt die Inklusionspraxis, dass in den Klassen weitgehendes Chaos herrscht, die Lehrer heillos überfordert sind, Eltern zunehmend ihren Unmut äußern, weil alles nicht so läuft wie versprochen, und die Länder finanziell heillos überfordert sind mit Anforderungen, die wenigstens das Schlimmste zu verhüten helfen.
      Prof. Wocken ist bekanntermaßen ein glühender Anhänger der Inklusion und macht sich für sie schon seit Ewígkeiten stark. Zuerst Integration und dann Inklusion sind seine Spezialgebiete, mit denen er seine Brötchen verdient. Er kann also durchaus als Lobbyist bezeichnet werden, der die Inklusion verständlicher Weise auch aus Eigeninteresse verteidigt.
      Ihrer Kritik an der Redaktion von „news4teachers“ kann ich nicht folgen, besonders nicht dem Vorwurf der Falschaussage. Im Gegenteil. Sie können doch nicht ernsthaft annehmen, dass nur die Stimmen und Meinungen, die Sie hören wollen, im Besitz der Wahrheit sind.
      Vor einiger Zeit haben sie sich hier über die Kommentatoren zu einem Inklusionsartikel ebenfalls heftig aufgeregt, weil Ihnen deren Meinung nicht passte. Der Tenor war ähnlich: Es haben ja alle keine Ahnung und sagen nur Falsches. Das macht mich, die Anne, empört, denn offenbar bin ich hier die einzige mit Überblick. Ich unterrichte seit Jahren voller Freude inklusiv und alles klappt prima. Es ist eine Schande, wie die Leute hier über die Inklusion reden.
      Vielleicht machen Sie mal allen Inklusions-Lehrern, die auf dem Zahnfleisch gehen und verzweifelt die Hände ringen, diese Vorhaltungen. Vielleicht können Sie denen ja helfen mit Ihrer Sachkenntnis und dem frohen Lied auf die Inklusion.
      Ich fürchte allerdings, die Zeiten sind vorbei, Anne, da mit Empörungsgehabe und angeblichem Besserwissen Meinungsgegner in die Schranken gewiesen werden konnten. Theorie und rosaroter Himmel waren gestern. Heute ist die Realität dran und diese spricht eine andere Sprache.

    • Speck und Wocken sind beide Professoren, Fachleute, mit gegensätzlicher Sicht auf die Sache, wie es das ja oft gibt.
      In Ihren Worten verbreitet der eine Mythen, Falschaussagen, der andere entlarvt, vertritt die Wahrheit. Sind in Ihrem Weltbild Licht und Finsternis, gut und böse so klar verteilt ? Das klingt wie „four legs good, two legs bad.“

  3. Milch der frommen Denkungsart

    Right or wrong – keine noch so exegetischen Kunststückchen ändern etwas an dem grundsätzlich schädlichen und wirklichkeitsfremden Ansatz der Totalinklusionstheoretiker.

  4. Ein dickes Kompliment an die Redaktion für ihre Recherche über den politischen Werdegang des Inklusionsgesetzes. Das ist Journalismus, wie ich ihn mir wünsche, aber kaum mehr wahrnehme.

    • Was News4Teachers betreibt, ist keine seriöse Rechereche, sondern die systematische und kontinuierliche Stimmungsmache gegen die Inklusion. Klienteljournalismus für verbitterte Lehrer, die sich mit dem Paradigmenwechsel in der Bildung nicht abfinden mögen. Zu sagen „Inklusion ist scheiße“ ist in etwa so wie zu sagen „Demokratie ist scheiße“. Man kann sich ja gerne über schlechte Ausstattung der Schulen etc. beschweren, aber doch nicht auf dem Rücken der behinderten Kinder. Sie trifft doch keine Schuld. Und was ist das für ein Menschenbild: 2 Klassen von Kindern, die einen dürfen dazuhgehören, die anderen sollen bitte wieder verschwinden. Sie sind doch alle Beamte, die auf dem Boden usneres Grundgesetzes stehen sollten: Das heißt sich für das Recht und die Würde und die Teilhabechance jedes Menschen einzusetzen. Davon lese ich hier erschreckend wenig. Wer gegen Inklusion ist, soll doch mal klar und deutlcih sagen wofür er ist: Die systematische strukturelle Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung. Wenig charmant, oder?

      • „Klassen von Kindern, die einen dürfen dazuhgehören, die anderen sollen bitte wieder verschwinden.“
        Verraten Sie da nicht selbst trotz aller warmen Worte für behinderte Kinder eine latentes Ressentiment? Sind Behinderte unter sich eine weniger wertzuschätzende Gruppe als andere Schülergruppen, weswegen sie unbedingt als dazugehörig erklärt werden sollten?

        • Sehr gute Meinungsäusserung- die mich auffordert, zu kommentieren….
          Ich habe mit derart viel menschlicher Empathie in verschiedenen Bereichen meine Erfahrungen gemacht und besonders dort, wo keine verbale Kommunikation mehr mit dem mir Anvertrauten möglich war, nach Wegen gesucht, um ihr Menschsein bunter zu machen, dass ich bei aller INKLUSIONSDEBATTE besonders an die Erlebnisse denken möchte, wo in Partnerarbeit endlich eine Interaktion im Handlungsablauf zwischen zwei beeinträchtigten Mädchen stattfand, die niemals im NEUEN POLITIKER-PLAN erlebt, noch durchdacht wird.
          Es gibt nur durch die individuelle, auf die beeinträchtigten Schüler
          anemessene ZEIT-RAUM-Konzeption eine Möglichkeit , den gruppendynamischen Erfolg zu erleben, dass voneinander gelernt werden kann.
          Wozu schreiben wir in Zusammenarbeit mit Therapeuten jährlich individuelle Förderpläne? Diese werden von Klassenstufe zur Einsicht im `Ordner für ALLE `abgeheftet.
          Diese sollen nun mit den NEUEN Schulen erarbeitet werden-wer sitzt dann am Tisch?

          Die Leistungsprämisse der Schul-u.Bildungspolitik samt Wirtschaftsinteressen stehen konträr zum Bedarf der individuellen Förderbedürfnisse EINZELNER.

      • Liebe tinalina,

        die Redaktion besteht keineswegs aus Gegnern der Inklusion, sondern aus Journalisten, die ihren publizistischen Auftrag darin sehen, politische und gesellschaftliche Prozesse kritisch zu begleiten. Wir möchten damit öffentliche Diskussionen anregen, weil wir zutiefst davon überzeugt sind, dass es in einer Demokratie nur so zu guten Entscheidungen bzw. Lösungen kommen kann.

        Was die Inklusion betrifft, so befürchten wir, dass hierbei – bildlich gesprochen – am offenen Herzen des Schulsystems operiert wird, ohne zu wissen, was damit überhaupt erreicht werden kann. Was ist denn Inklusion? Ist es Inklusion, wenn Förderschulen geschlossen werden und die betroffenen Kinder keine besondere Förderung mehr bekommen, weil dafür die Mittel fehlen? Ist es Inklusion, wenn Förderschulen erhalten werden – weil womöglich viele Eltern es so wollen? Ist es Inklusion, Kinder wie im angeblichen Inklusions-Vorzeigeland Schweden in Sonderklassen zu beschulen? Und worin besteht denn dann der grundlegende Unterschied zum Förderschul-System in Deutschland? Hätte nicht eine Reform desselben – hin zu einer zeitlich begrenzten Förderung unter Einbeziehung des Elternwillens – genügt? Schütten wir hier vielleicht das Kind mit dem Bade aus? Das sind für uns ungeklärte Fragen, und als Journalisten erlauben wir uns, diese zu stellen.

        Herzliche Grüße
        Andrej Priboschek

        Herausgeber News4teachers

        • Lieber Herr Priboschik,

          danke für die Antwort. Ich bleibe allerdings bei meinem Vorwurf, dass ihre Berichterstattung einseitig ist und sich die Kritik immer wieder gegen die Inklusion richtet. Wären Sie unvoreingenommen, so fänden sich an dieser Stelle auch positive Berichte über die gelungenen Umsetzung der Inklusion – die es bereits seit 30 Jahren in Deutschland gibt! Nun zu Ihren Fragen: Warum stehen denn wundersamer Weise an den Förderschulen anscheinend immer Ressourcen en masse für die Förderung der behinderten Kinder bereit – während in inklusiven Settings immer nur das Fehlen der Mittel beklagt wird? Da müsste man dann wohl umverteilen. Was den Elternwillen anbelangt: darum geht es bei der Inklusion schlicht und ergreifend nicht – es geht um das Recht des Kindes auf Teilhabe und angemessene Förderung. Was die Schweden anbelangt: Kenne ich mich nicht genug aus, Sonderklassen sind aber keine Inklusion. Und nein: Eine Reform des Förderschul-Systems hätte nicht gereicht! Die ganze Kindheit und Jugend in einer Parallelwelt sozialisiert zu werden, schränkt die Chance auf ein integriertes, selbstbestimmtes Leben im Erwachsenenalter massivst ein. Und die Förderschulen liefern was Bildungserfolge angeht keine überzeugenden Ergebnisse.
          Meine Bitte: Werden Sie Ihrem journalistischen Auftrag gerecht! Lesen Sie die Studien zur Inklusion, die deren Machbarkeit und Erfolg belegen. Sprechen Sie mit behinderten Menschen, wie es ist, wenn das Recht ein selbstverständlicher Teil dieser Gesellschaft zu sein, immer und immer und immer wieder in Frage gestellt wird.

        • Ein Recht ist kein Zwang – sondern eine Chance, die man wahrnehmen kann. Also wirklich!

          • Ein „Recht“ ohne Handlungsalternativen ist ein Zwang. Wenn Sie die Förderschulen schließen wollen, dann müssen behinderte Kinder doch auf die Regelschulen – wohin denn sonst? Sie haben es selbst ausgeführt: Um den Elternwillen geht es bei Ihrer Inklusion „schlicht und ergreifend“ nicht. Gegen eine solche Haltung kann man schon was haben.

          • Milch der frommen Denkungsart

            „Deshalb sei in der gegenwärtigen Lage erster Grundsatz euerer Politik, das Volk durch Vernunft und die Volksfeinde durch Terror zu lenken. Terror ist nicht anderes als die strenge, unbeugsame Gerechtigkeit –
            er ist also ein Ausfluss der Tugend.“

            Maximilien Robespierre

            So geht man in letzter Konsequenz mit jenen um, die Chancen partout nicht wahrzunehmen gewillt sind.

  5. Milch der frommen Denkungsart

    @tinalina:

    Abgesehen von Ihrer Wortwahl, die mir eher einem Abwasserkanal als einer deutschen Schule entsprungen zu sein scheint, darf ich Ihnen zunächst zu bedenken geben, daß selbst die Demokratie in ihren unleugbaren Schwächen hinterfragt werden darf, was nicht im mindesten deren generelle Ablehnung einschließt; mit glei-cher Legitimität muß dies wohl auch für die Inklusionspraxis gelten.

    Im übrigen: ja, es gibt verschiedene Grade, was Behinderungen anlangt, indem ich mich beispielsweise persön-lich als Brillenträger zweifellos als „sehbehindert“ einstufe, mich in diesem Handicap qualitativ aber ebenso nach-vollziehbar von einem Halb- oder Vollblinden unterscheide. Würden Sie jedoch deren Spezialförderung, wie sie etwa in der Marburger Studienanstalt vorbildlich betrieben wird, allen Ernstes als grundgesetzwidrig und würde-los desavouieren wollen ?! Si tacuisses …

    • Na, wenn Sie und all die anderen Kommenatoren hier im Zirkel dazu stehen, dass die permanente Inklsusionskritik „nicht im mindesten deren generelle Ablehnung einschließt“ ist doch alles prima, oder?

  6. angenommen, sie haben zwei kinder mit Hauptschulempfehlung, eines besitzt darüber hinaus förderbedarf.
    würde ihrer meinung nach das kind ohne förderbedarf auf dem Gymnasium die fünfte klasse überstehen?
    würde ihrer meinung nach das kind mit förderbedarf auf dem gymnasium die fünfte klasse überstehen?
    welchem der kinder würde der besuch einer kognitiv völlig falschen schulform gut tun?
    gehört ein kind dazu, wenn es ohne schulformwechsel die versetzung in die sechste klasse nur ganz schwer, die in die siebte nie schaffen würde?

  7. Liebe Tinalina, leider lassen sich starre Vorurteile nicht einfach durch Fakten abbauen, wie einige Leserkommentare eindrücklich veranschaulichen. Das ist erschreckend. Die Vorbehalte gegenüber Inklusion sind so groß, der Glaube an die homogene Lerngruppe so unterschütterlich und das Schubladendenken so verhaftet, dass wohl keine Studien ausreichen, obwohl es sie zugunsten des Gemeinsamen Unterrichts gibt (dagegen gibt es keine Studie, die den langfristigen Erfolg von Förderschulen empirisch nachweist).
    Dass es vielen auch kaum möglich ist menschenrechtsethische Argumente zu akzeptieren, zeigt, wie stark die Tradition der Sondersysteme internalisiert wurde. Wenn man Artikel 24 der UN-BRK liest, dann steht dort: „inclusive system at all levels“ – das heisst, auch Kinder mit Behinderungen haben auch Recht das Gymnasium zu besuchen (richtet sich an XXX, siehe auch die Einschätzung dazu von Dr. Aichele, Monitoing-Stelle). Die inklusive Didaktik ermöglicht allen Kindern individuelles Lernen, so kann (auch am Gymnasium) das Kind mit Down-Syndrom und der Hochbegabte in einer Klasse lernen (und jetzt mit der Hauptschule zu kommen zählt nicht, da viele auch den Hauptschulabschluss nicht schaffen). Es geht um eine wohnortnahe Beschulung und den Zusammenhalt von sozialen Beziehungen. Kinder lernen immer unterschiedlich und interessanterweise haben mutige Gymnasien die Erfahrung gemacht, dass gerade in den Klassen, in denen ein Kind mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung lernt, die jahrgangsbesten Ergebnisse erzielt. Ja, Inklusion stellt die Systemfrage und nein, Kinder mit Behinderungen lernen nicht besser an Förderschulen (siehe IQB-Studie, Wocken, Tent, Preuss-Lausitz, Köbberling/Schley, Maikowski/Podlesch, Schumann). Somit muss auch Sopia St. widersprochen werden. Aber wenn selbst Fakten ignoriert werden (denn Speck hat sich an vielen Punkten geirrt), dann hilft lesen auch nicht weiter. Hier sei ein empathischer Zugang empfohlen: Kontakt zu Menschen mit Behinderung selbst und mal fragen, welche Schulform sie bevorzugen.
    Was weniger wertzuschätzen ist, Geli, ist das diskriminierende Förderschulsystem. Menschen mit Behinderungen sind noch lange nicht, nur weil sie vielleicht die gleiche Behinderung haben, „dicke Freunde“ und fühlen sich als Gruppe. Auch Kinder mit so genannter schwerer Mehrfachbehinderung, ja Kinder im Wachkoma, können den inklusiven Unterricht besuchen (Schulversuche gibt es seit den 70er Jahren) und profitieren durch die vielen Anregungen der nichtbehinderten Kinder. Den Kindern schadet die Förderschule, sie erreichen kaum Schulabschlüsse, das Selbstkonzept leidet (siehe Brigitte Schumann) und ne Stunde am Tag im Schulbus zu sitzen ist auch nicht so lustig, wenn Nachbarskinder auf die Schule nebenan gehen dürfen. Es ist schlicht diskriminierend – dass haben UN-Sonderbotschafter, Studien und Erfahrungen immer wieder gezeigt. Es geht um das Inklusionsrecht des Kindes mit Behinderungen, nicht um ein paar Fehlinformationen Specks. Inklusive Schulen müssen besser ausgestattet werden, dafür müssen Förderschulen auch geschlossen werden. Und wer Förderschule so dufte findet, der soll selber auf eine gehen. Viel Erfolg.

    • Das, was Sie da schreiben, macht mich sprachlos. Ich komme mir vor, als läse ich das beseelte Traktat eines Sektenmitglieds, das sich im Licht der Erkenntnis fühlt und klagend auf die Unseligen verweist, die im Finstern wandeln und die Nachfolge verweigern.

  8. Die willkürliche Anwendung und Umdeutung von Begriffen gehört zur Taktik des Orwellschen Neusprechs, die jeden Einwand gegen eine vorgeschriebene Meinung unter Verbot stellt.
    Begriffe wie „Parallelwelt“ , „Ausgrenzung“ , „Abschiebung“ , „Wegsperren“ oder „Verwehrung der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“ im Zusammenhang mit der Inklusion haben nichts mehr mit Argumenten zu tun. Sie sind reine Worthülsen für eine Anklage ohne Beweispflicht.
    Wer so mit Andersdenkenden umgeht, verspielt jede Glaubwürdigkeit. Da hilft auch nicht das Samaritergewand und der Aufruf zur Mitgliedschaft in den edlen Reihen – jedenfalls nicht auf Dauer. Irgendwann bröckelt die Fassade.
    @tinalina
    Ihr Versuch, auch die Redaktion von news4teachers auf die Anklagebank und somit auf gewünschte Linie zu bringen, ist keine Überraschung. Der Vorwurf, die Berichterstattung sei einseitig und richte sich immer wieder gegen die Inklusion, ist zwar aus den Fingern gesogen, gehört aber zum gewohnten Angriffsmuster.
    Was Sie zum Elternwillen und dem Recht der Kinder schreiben, ist natürlich „Zwangsbeglückung“, denn so, wie Sie die Sache beschreiben, ist das angebliche Recht auf Inklusion sehr wohl ein Zwang. Wenn es bei der Inklusion nicht um Elternwillen geht, wie Sie ausdrücklich sagen, und zudem die Förderschulen gänzlich abgeschafft werden sollen, wie begründen Sie den dann Ihr frommes Sätzchen „Ein Recht ist kein Zwang – sondern eine Chance, die man wahrnehmen kann“?

    @Bernd
    Soeben entdecke ich Ihren Kommentar, dem ich voll zustimme und der meine letzten Zeilen überflüssig macht.

    • Aprops „Neusprech“: Eine alte chinesische Weisheit beschreibt den Ursprung der Täuschung.

      “Wenn die Worte nicht stimmen, stimmen die Begriffe nicht. Wenn die Begriffe nicht stimmen, wird die Vernunft verwirrt. Wenn die Vernunft verwirrt ist, gerät das Volk in Unruhe. Wenn das Volk unruhig wird, gerät die Gesellschaft in Unordnung. Wenn die Gesellschaft in Unordnung gerät, ist der Staat in Gefahr.“

  9. Ich glaube hier wird die UN-Behindertenrechtskonevtnion, insbesondere Artikel 24, missverstanden. Das Deutsche Insitut für Menschenrechte, das auch Monitoring-Stelle ist, schreibt: „‘Das Recht auf Inklusion ist ein Recht der Person mit Behinderung. Die Eltern haben bei der Ausübung der elterlichen Sorge den Leitgedanken der Inklusion zu beachten und ggf. zu erklären, warum sie keine inklusiven Bildungsangebote wahrnehmen. Die Elternberatung, von welcher Seite auch immer, muss einbeziehen, Eltern das Recht auf inklusive Bildung vorzustellen und die Eltern hinsichtlich ihrer Gewährsfunktion aufzuklären“ (DIMR Eckpunkte zur Verwirklichung eines inklusiven Bildungssystems (Primarstufe und Sekundarstufen I und II) Empfehlungen an die Länder, die Kultusministerkonferenz (KMK) und den Bund 2011, S.14).

    „Das Recht auf inklusive Bildung kann nur in einem inklusiven System verwirklicht werden. Deshalb macht die UN-Behindertenrechtskonvention den Aufbau eines inklusiven Bildungssystems zu einem verbindlichen Ziel. Es gilt für alle Sparten der Bildung – und eben auch und gerade für den Bereich der schulischen Bildung. Denn Schule bildet Zukunft – ohne inklusive Bildung in der Schule wird es keine inklusive Gesellschaft geben“
    (Dr. Valentin Aichele, Prof. Dr. Beate Rudolf: Vorabfassung der Studie Inklusive Bildung: Schulgesetze auf dem Prüfstand, Dr. Sven Mißling und Oliver Ückert, Deutsches Insitut für Menschenrechte, 2014, Vorwort S.3).

    • Dass die Weltsicht, die Sie hier vertreten, auch Propagandisten in den Institutionen hat, hat keiner von uns bestritten. Wir wehren uns dagegen, dass hier jeder als Menschenrechtsfeind angeklagt wird, der Nachteile des inklusiven Systems erkennt (viele Lehrer erleben das ja schon in der Praxis) und laut zu benennen wagt.

    • Ihr Glaube in Ehren, Anna, solange Sie die Glaubensfreiheit auch anderen zubilligen.
      Was in Sachen „Inklusion“ oder auch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ immer wieder an Munition gegen Menschen mit anderer Meinung abgefeuert wird, schlägt allen hehren Sprüchen über Toleranz und Akzeptanz ins Gesicht.
      Dass die Entscheidungshoheit über Schule und Bildung meist nur noch Siegerbeute derjenigen ist, die im Meinungsstreit gern und gut unter die Gürtellinie schlagen, ist befremdlich und kann nur mit Widerstand gegen alle schmähenden Einschüchterungsversuche bekämpft werden.
      Was Sie wahrscheinlich stört, ist für mich ein Grund zur Zuversicht. Meiner Beobachtung nach löst sich das Thema Inklusion allmählich von seinem Schattendasein und damit auch aus der Vormacht lobbyistischer Hände. Dass dies ein Mehr ist an unabhängiger und vermutlich auch kritischer Betrachtung, mag dem Gedankengebäude Ihres Lagers abträglich sein, nicht aber dem Umgang mit dem Inklusionsthema.

      @ Reinhard
      Genauso ist es. Sie sprechen mir aus dem Herzen.

  10. Es ist m.E. erschreckend, wie hier Menschenrechte durch den Kakao gezogen werden, Ursula Prasuhn und Reinhard. Es geht nicht um meine Weltsicht und es geht auch nicht um Glaubensfreiheit, sondern darum ein Menschenrecht umzusetzen und um Diskriminierungen zu vermeiden. Wie reflexartig und unbedacht Sie auf Zitate der Monitoring-Stelle des Deutschen Instituts für Menschenrechte, die Instanz, die den Umsetzungsprozess überwacht, reagieren, zeigt, wie fest der Glaube an das selektive Schulsystem, an die homogene Lerngruppe und an den Erfolg der Förderschulen verwurzelt ist. Wer sich für inklusive Bildung einsetzt, ist kein linker Spinner, ideologisches Sektenmitglied der „Inklusionssekte“ oder Propagandist, sondern handelt im Sinne von Antidiskriminierung und Gleichberechtigung. Sie müssen Inklusion nicht gut finden, sie müssen Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention nicht gut finden und Sie müssen Menschenrechte und Gleichberechtigung nicht gut finden. Sie können auch all die vielen Studien, die zeigen, dass Förderschulen nicht besser fördern, auch anzweifeln und Wissenschaft als Irrglaube verstehen. Sie haben das Recht auf eine eigene Meinung.
    Vielleicht fehlt aber auch eine breitere Wissensbasis. Menschenrechte wollen Ihnen nichts Böses. Die UNO will die Lehrer nicht absichtlich quälen. Es geht um das Inklusionsrecht des Kindes mit Behinderung, das durch Förderschulen nachweislich (die Studien habe ich bereits oben aufgezählt) benachteiligt wird. Ich verstehe, dass Inklusion auch Angst macht – Angst, dass Ihr Homogenitätsdenken durcheinander gebracht wird. Aber die jahrzehntelange Erfahrung zeigt, dass die nichtbehinderten Kinder eben nicht benachteiligt werden durch den Gemeinsamen Unterricht, dass die Kinder mit Förderbedarf insgesamt mehr lernen und auch mehr Chancen auf einen Schulabschluss haben, ihr Selbstkonzept wird durch das inklusive Setting verbessert. Inklusion ist dabei nicht auf bestimmte Förderschwerpunkte und Schulformen begrenzt. Es ist richtig auf die Missstände der inklusiven Praxis hinzuweisen, so wie auch auf andere Missstände im Schulwesen hingewiesen wird. Ja, es gibt zu wenige Ressourcen (dafür müssten Förderschulen auch geschlossen werden), das ist aber kein Argument gegen Inklusion, sondern dafür, Inklusion besser zu machen. Die qualitative Hochwertigkeit muss in der inklusiven Bildung viel stärker eingeschlossen werden. Keine Sorge, Ende März wird der UN-Überwachungsausschuss in Genf nicht Sie Reinhard und nicht Sie Ursula Prasuhn als Menschenrechtsverletzter darstellen. Er wird die deutsche Staatendelegation motivierend dazu auffordern, endlich dafür zu sorgen, dass Deutschland im Umgang mit behinderten Schülerinnen/Schüler nicht mehr internationales Schlusslicht ist. Denn (Achtung Zitat): „Inklusive Bildung ist der Schlüssel dafür, dass Men¬schen mit Behinderungen wirksam an einer freien Ge¬sellschaft teilhaben können. Sie ist der Raum, in dem alle Menschen ihre Fähigkeiten, ihr Selbstwertgefühl und das Bewusstsein ihrer eigenen Würde entwickeln können. Sie trägt deshalb wesentlich dazu bei, dass Menschen mit Behinderungen ihr Potential voll ent¬falten können. Sie legt zugleich die Grundlage für eine Kultur der Menschenrechte in einer Gesellschaft, indem sie die Achtung der menschlichen Vielfalt durch alle stärkt und die Anerkennung des anderen Menschen als eines Gleichen vermittelt. Sie fördert damit den „Geist der Brüderlichkeit“, wie ihn Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte als Grundlage jeder menschlichen Gesellschaft fordert“ (Dr. Valentin Aichele, Prof. Dr. Beate Rudolf: Inklusive Bildung: Schulgesetze auf dem Prüfstand, Dr. Sven Mißling und Oliver Ückert, Deutsches Institut für Menschenrechte, 2014, Vorwort S.6).

    • Hallo ANNA- eine Woche bitte zur TEILNAHME am gegenwärtigen Tagesablauf: die sozial-emotional- verhaltensgeschädigten Teenager kamen nun derart oft als Quereinsteiger, auch mitten im Schuljahr, aus der Psychatrie, aus dem Kinderheim, als schwer traumatisierte Menschen und sollen nun mit den verschiedenen geistig-körperlich beeinträchtigten Kindern eine Chance zur RESOZIALISIERUNG erhalten.Natürlich gibt es von aussen eine Fülle an Wünschen für diese 11-15-jährigen Teenager. Das nennt unsere Schulleitung INKLUSION.

    • Diskriminierungen ? Wen haben Sie bisher befragt?

      – ANNA@ ihr Lebnslauf -bitte !

    • Anna@
      Lassen Sie es endlich gut sein, Anna. Es gibt eben Menschen, zu denen ich auch gehöre, die Menschenrecht anders sehen als Sie, nämlich das Rechte auf bestmögliche Förderung durch Spezialhilfe.
      Ständiges Widerkäuen penetranter Phrasen und Berufung auf irgendwelche Kapazitäten bringt doch nichts. Andersdenkende sind nämlich der Ansicht, dass Hilfe und Förderung am besten durch geschulte Kräfte stattfindet.

      Lassen Sie es endlich gut sein, Anna. Es gibt eben Menschen, zu denen ich auch gehöre, die Menschenrecht anders sehen als Sie, nämlich das Rechte auf bestmögliche Förderung durch Spezialhilfe.
      Ständiges Widerkäuen penetranter Phrasen und Berufung auf irgendwelche Kapazitäten bringt doch nichts. Andersdenkende sind nämlich der Ansicht, dass Hilfe und Förderung am besten durch geschulte Kräfte stattfindet.

      • Wie oft muss Ihnen eine andere Meinung vorgelesen werden, bis Sie bereit sind, ein paar Monate praktische Erfahrungen von lebenserfahrenen Pädagogen zu akzeptieren?

        DANKE Lena!!!!Klare Worte!

  11. Milch der frommen Denkungsart

    @Anna:

    Ihr totalitärer Absolutheitsanspruch, der jedwede Kritik an der Inklusion gleichsam mit einem süffisanten Lächeln als ignorant abkanzelt, wächst mittlerweile ins Unerträgliche.
    Glücklicherweise aber beginnen die Besonnenen inzwischen immer vernehmbarer ihre Stimmen zu erheben, so dass Grund zum Optimismus besteht, dass dieser gefährliche Unfug eines Inklusionskahl-schlags nicht derart puristisch verwirklicht werden wird, wie es die theoretisierenden Idylliker fordern.
    Und sobald die ersten kapitalen Schiffbrüche offene Publizität erfahren werden, wird auch die Politik vorsichtig zurückrudern, bevor darüber Wahlen verloren zu gehen drohen.

  12. @Anna
    Lassen Sie es endlich gut sein, Anna. Es gibt eben Menschen, zu denen ich auch gehöre, die Menschenrecht anders sehen als Sie, nämlich das Rechte auf bestmögliche Förderung durch Spezialhilfe.
    Ständiges Widerkäuen penetranter Phrasen und Berufung auf irgendwelche Kapazitäten bringt doch nichts. Andersdenkende sind nämlich der Ansicht, dass Hilfe und Förderung am besten durch geschulte Kräfte stattfindet.
    Sie, Anna, kommen mir vor wie jemand, der meint, dass sich Krankheiten oder Behinderungen am besten heilen oder lindern lassen, wenn Kranke oder Behinderte einfach nur mit Gesunden oder Nicht-Behinderten zusammengesperrt werden.
    Ihre Ausführungen sind meiner Meinung nach entweder blauäugig oder dienstbeflissen.
    Nein, Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen brauchen spezielle Hilfe. Sie einfach nur unter Nicht-Kranke und Nicht-Behinderte zu mischen und daraus eine Heilung oder Förderung abzuleiten, ist für mein Verständnis von „Menschenrecht“ eine Sauerei mit finanziellem Hintergrund.
    Zu Ihrer Ehrenrettung sei gesagt: Ich neige zu der Annahme, dass Sie wirklich im Glauben unterwegs sind und nicht in Diensten.

    • DAS nenne ich KLARTEXT!!!
      Ich bin derzeit Mitglied der VIRUS-Grippe- und nutze jedes tränenfreie Auge, um mich HIER zu fördern….
      ansonsten werde ich danach wieder in unseren HEXENKESSEL steigen, und hoffe, mit meinen Ressourcen zu überleben…VERHEIZEN nenne ich das GANZE ….es werden LEUTE gebraucht, die derart abhängig und willig sind, ohne Widerspruch den Wahnsinn mitzutragen…
      DENN es gab schon oft den MISSBRAUCH mit NEUEN Ideen und Gesetzen.
      Wir haben jederzeit als Auftrag unserer Förderung den bestmöglichen Grad an SELBSTSTÄNDIGKEIT für den EINZELNEN zu ermöglichen. Einen wichtigsten Faktor spielt dabei: GIB IHM ZEIT!
      Eine Arroganz und Abwertung der jahrzehntelangen Arbeit von Mitarbeitern im SONDERSCHUL-oder FÖRDERSCHUL-Bereich wird ungefragt boykottiert.

  13. Den falschen Leuten das Richtige beizubringen, hat noch nie funktioniert.

    • Lieber Rays,
      DAS ist die Antwort und Feststellung der Woche! Und ein guter Abschluss dieser unseligen
      Weltanschauungs – Debatte. Danke!

      • Ich finde zwar auch, dass Rays einen guten Abschlusssatz gesagt hat, aber warum UNSELIGE Weltanschauungsdebatte? Ich bin froh, dass endlich über Weltanschauung debattiert wird. In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten wurde Weltanschauung viel zu sehr übergestülpt und viel zu wenig diskutiert.

  14. Ich fände eine Diskussion über Inklusion sinnvoller, die versucht zu eruieren, wie so etwas in der Schulrealität aussehen könnte,
    statt gegen die Ängste und den Privilegien der gut bezahlten Sonderpädagogen zu argumentieren. Und das Ganze bitte in konstruktiver und sachlicher Form.
    Wäre das möglich?

    • „Ich fände eine Diskussion über Inklusion sinnvoller, die versucht zu eruieren, wie so etwas in der Schulrealität aussehen könnte,
      statt gegen die Ängste und den Privilegien der gut bezahlten Sonderpädagogen zu argumentieren. Und das Ganze bitte in konstruktiver und sachlicher Form.
      Wäre das möglich?“
      Rays!-meinst Du mit ´KONSTRUKTIV`Den falschen Leuten das Richtige beizubringen, hat noch nie funktioniert? Stammt ja von Dir….ich bin in GUTER Hoffnung, dass Du nun weiterhin Ideen und Vorschläge mit einbringst, die die praktische Umsetzung zur Freude werden lässt, was die INKLUSION betrifft…

  15. @Rays
    Sie meinen also, wenn Sonderpädagogen der Inklusion skeptisch gegenüber stehen, habe das nur mit Egoismus zu tun, nämlich der Angst, Privilegien wie eine gute Bezahlung zu verlieren.
    Das erinnert an die Kampfparole des ehemaligen Behindertenbeauftragten und glühenden Inklusionsanhänger Hubert Hüppe, von dem Sie inspiriert scheinen. Er sagte: „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Gründe.“
    Was Sie und Herr Hüppe den Inklusionsgegnern unterstellen, sind niedere Motive mit „gesuchten“, also vorgeschobenen Gründen.
    Halten Sie es für fruchtbar, Meinungsgegnern solche Ohrfeigen zu erteilen, um dann lammfromm zu sagen: „Ich fände eine Diskussion über Inklusion sinnvoller, die versucht zu eruieren, wie so etwas in der Schulrealität aussehen könnte…Und das Ganze bitte in konstruktiver und sachlicher Form.“
    Außerdem ist es Sache der Inklusionsbefürworter dies herauszufinden, denn die Inklusionsskeptiker haben immer vor realitätsfernen Illusionen gewarnt und vertreten weiterhin den Standpunkt, dass die Inklusion zwar eine schöne Idee ist, die sich in der Praxis aber zum Schaden aller Beteiligten auswirken wird. Die ersten Erfahrungen mit der Inklusion scheinen ihnen Recht zu geben. Jedenfalls sind die Hilferufe überforderter Lehrer nicht zu überhören.
    Warum also sollten die Inklusions-Gegner etwas eruieren, was sie offenbar schon weit besser eruiert haben als die Anhänger?
    Wäre es da nicht sinnvoller, wenn die Befürworter ihre Position mal überdächten und die Gründe der Meinungsgegner ernster nähmen, anstatt sie in den Dreck zu ziehen?

    • BEIFALL aus den REIHEN der Kollegen ….besser hätt`es der Kollegen-Kreis nicht sagen können- wie arbeiten schon JAHRZEHNTE inklusiv….tagtäglich- und was jetzt mehr verlangt wird, wird kommentiert, wer sich überfordert fühlt, muss halt woanders arbeiten…

  16. @Ursula Prasuhn
    Zugegeben, es erstaunt mich, was Sie alles in meinem Wunsch nach einer konstruktiven Diskussion zur Inklusion hinein interpretieren. Zwar ist mir Hubert Hüppe nicht bekannt, doch seine Aussage, wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Gründe, kann ich nur zustimmen. Natürlich ist Inklusion eine Mammaufgabe, die völlig neue Konzepte fordert und natürlich müssen neue Wege gefunden werden. Und klar, wie mit allem Neuen, kann man auch scheitern. Es ist es aber allemal Wert zu versuchen, finde ich.
    Zu Ihrer Unterstellungstheorie kann ich nur sagen, bei einigen Argumentationen erweckt es den Eindruck egoistischer Motivationen, andere Argumente sind nachvollziehbar. Ich würde mir keine konstruktive Diskussion zur Inklusion wünschen, würde ich es schon eruiert haben und besser wissen , wie Sie schreiben. Ich weiß es nicht besser, habe nur meine Meinung dazu und bin offen für gute Argumente.

    • Warum werden von praktizierenden Pädagogen konstruktive Ideen erwartet, wir arbeiten seit Jahrzehnten konstruktiv, inklusive mit ALLEN UNS ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN MITTELN – wer da Veränderungen wünscht, mit mehr Vielfalt soll erst vor Ort arbeiten und dann im Arbeitskreis mit uns reflektieren!

    • „Und klar, wie mit allem Neuen, kann man auch scheitern. Es ist es aber allemal Wert zu versuchen, finde ich.“

      Nichts gegen Versuche, wenn sie Menschen nicht in großem Stil schaden. Ansonsten sind sie unverantwortlich.
      Außerdem sind Blindflug mit der Inklusion und Abschaffung der Förderschulen kein Versuch mehr, weil das Ergebnis im Voraus feststeht und weitreichende Veränderungen im Schulsystem auf blauen Dunst und Hoffnungsglauben hin vorgenommen werden.
      In diese Richtung verstehe ich auch Herrn Hüppes Spruch „Wer Inklusion will, sucht Wege, wer sie verhindern will, sucht Gründe.“
      Mir wäre es lieber, auch Herr Hüppe hätte gute Gründe für die Inklusion statt nur guten Willen. Das wäre für Lehrer und Schüler, egal ob behindert oder nicht, immerhin ein gewisser Schutz vor gefährlichen Versuchen (Experimenten) am lebenden Objekt.

      • Aprops „blauer Dunst“ und „Hoffnungsglaube“:
        „Die prominenten Befürworter der neuen Schulpolitik, die unter dem Schlagwort ‚Inklusion‘ läuft, haben mehr im Sinn, als allen Kindern Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Für sie liegt hier der Übergang in eine neue Welt, der „Olymp der Entwicklung“, wie es der Erziehungswissenschaftler Hans Wocken, einer der entschiedensten Verfechter der neuen Lehre, formuliert hat. Man sieht, es geht nicht um die Vermittlung von Wissen, es geht um die Verwirklichung einer Utopie.
        Die Idee, dass die Begabteren die weniger Begabten mit nach oben ziehen, kennt man aus der Gesamtschul-Debatte. Auch hier steht die Hoffnung auf die segensreiche Wirkung gemeinsamen Lernens am Anfang. Die Inklusionsidee geht über diesen eher sozialtherapeutischen Bildungsansatz weit hinaus: Diese Utopie schließt dezidiert Kinder ein, von denen man nicht nur weiß, dass sie dem Unterricht nicht folgen können, sondern von denen auch klar ist, dass sie andere dabei stören, ihrerseits das Lernziel zu erreichen.“
        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/jan-fleischhauer-ueber-inklusion-an-schulen-a-975644.html

        Nach Wegen für die Realisierung einer Utope zu suchen ist legitim, solange dies in der Welt der Gedankenspielereien bleibt und nicht „am lebenden Objekt“ durchgespielt wird. Da gebe ich Ihnen absolut recht.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*